Verfahren zur Herstellung einer Pressmasse. Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf die Herstellung einer Pressmasse aus Harnstoffen, Formaldehyd und Füllstoffen.
Lässt man aufeinander Harnstoff und Formaldehyd, also die Stoffe, die gewöhn lich zur Herstellung von Harzen des Harn stofftypus benutzt werden, mit oder ohne Zusatz von Katalysatoren einwirken, so kann man eine Sirupöse Masse erhalten, die schnell in das harte, unlösliche und unschmelzbare Produkt übergeht. Bei Benutzung eines basi schen Katalysators kann man das Mengen verhältnis zwischen Harnstoff und Form aldehyd innerhalb der Grenzen von 2 Mol oder weniger Formaldehyd auf je 1 Mol Harnstoff wählen.
Das so erhaltene An fangsreaktionsprodukt neigt jedoch zur Kri stallisation in Mono- oder Dimethylolharn- stoff mit beträchtlicher Geschwindigkeit, und wenn die Herstellung mit Alkalien er folgt ist, die Ätznatron ähnlich sind, kann es bei der Behandlung in der Wärme nach dunkeln. Deshalb hat man in der Praxis die Verharzung der Masse durch den Zusatz von Säuren oder von Salzen, die in der Masse eine saure Reaktion erzeugen, herbeigeführt. Die Formgebung solcher angesäuerter Pro-. dukte kann dadurch erfolgen, dass man sie in Formen füllt und durch Erhitzen auf Tem peraturen zwischen 60 bis<B>100'</B> härtet.
Die so gewonnenen Harnstoffharze sind empfohlen worden zur Herstellung von Press- mischungen, und zwar sowohl von Press- pulvern, als auch von denjenigen vom Typus der geschichteten Bahnen.
Unter einer Press- mischung (molding composition) wird eine feste Mischung verstanden, die hergestellt ist aus einem Füllstoff, wie zum Beispiel Holz mehl oder Papier, und einem harzartigen Bindemittel, das genügend Viskosität besitzt, so dass es der Einwirkung von Hitze und Druck in einer Form oder zwischen Platten unterworfen werden kann, ohne aus der Form oder der Presse in beträchtlichem Umfang herauszufliessen,
und das anderseits bei der benutzten Temperatur genügend Fliessfähig- keit besitzt, so dass die Masse alle Teile der Form gleichmässig ausfüllt und dem geform ten Gegenstand eine gleichmässige glatte Oberfläche gibt. Es handelt sich hier um die Eigenschaft der mässigen Fliessfähigkeit un ter den Bedingungen der Formung, die für die Pressmischungen bei der praktischen Ver wendung von grosser Bedeutung ist.
Die Fliessfähigkeit wird im allgemeinen durch die sogenannte Becherprobe (cup test) be stimmt, in der eine Becherform von vor geschriebenen Abmessungen mit der Press- mischung gefüllt wird, worauf die Mischung bei Anwendung von Druck und Hitze unter der Einwirkung des Presskolbens in der Becherform hochgetrieben wird.
Während dieser Operation muss die Mischung die Becherform vollständig ausfüllen,, und die Zeit, die die betreffende Pressmischung erfor dert, um gleichmässig verteilt zu werden, ist ein Massstab für ihre Fliessfähigkeit. Für ver schiedene Formungszwecke können verschie dene Grade der Fliessfähigkeit erwünscht sein. Es ist aber in jedem Falle wesentlich, dass das Harzbindemittel unter der Einwir kung der Wärme nicht vorzeitig erhärtet, da mit das Fliessen vor der gleichmässigen Ver teilung der Masse in der ganzen Form nicht gestört wird, da andernfalls das Formstück keine gleichmässige harzige Oberfläche auf weisen würde.
Die bisher hergestellten Harnstoff-Press- mischungen sind für die praktische Herstel lung von Formstücken nicht allgemein zu friedenstellend. Einerseits unterscheiden sie sich von andern harzhaltigen Pressmischun- gen, .zum Beispiel von den Phenolharzmas- sen, durch ihre ausserordentliche Wärme empfindlichkeit, die sich darin äussert, dass sie sich bei dem Erhitzen über 140 C zer setzen.
Wenn anderseits die Temperatur, bei der eine Harnstoffharzmasse geformt wird, nur wenig unter der optimalen Temperatur für die betreffende Masse liegt, erfolgt die Här- tung der Masse in ungenügendem Grade, so dass das Formstück bei dem Entfernen aus der Form zur Blasenbildung oder andern Fehlern neigt. Liegt wiederum die Tempera tur, der die Pressmasse ausgesetzt wurde, etwas höher als die optimale Temperatur, so erfolgt eine Überhärtung des Formstückes, das auch in diesem Falle bei dem Entfernen aus der Form Blasen zeigt.
Eine Abwei chung von nur 4 Grad nach oben oder nach unten von der richtigen Temperatur reicht aus, um bei den bisher bekannten Harnstoff harzmassen eine Überhärtung oder eine un genügende Härtung hervorzurufen.
Auch die Zeitdauer für, die Behandlung der bekannten Harnstoffharzmassen im Laufe der Formung ist so ausserordentlich beschränkt, dass dickere Teile der Formstücke ungenügend gehärtet werden, wenn man die dünneren Teile richtig härtet und anderseits die dünneren Teile überhärtet werden und blasig oder opak erscheinen, wenn die Press- dauer für die dickeren Teile richtig gewählt ist. Bei Formstücken von durchweg gleich mässiger Dicke dürfte es wohl möglich sein, die Temperatur- und Druckverhältnisse so zu regeln, dass man richtig gehärtete Form stücke auch von solchen Massen erhält, die gegen ungenügende Härtung und Überhär tung sehr empfindlich sind..
In den meisten Fällen handelt es sich aber um Formstücke von verschiedenen Abmessungen, die in ge wissen Teilen dünn und in andern dagegen dicker sind, so dass für die dickeren -Teile eine längere Anwendung von Druck und Hitze notwendig ist, als die für einen dünne ren Teil erforderliche, wenn man alle Teile richtig aushärten will. Auch die Gestaltung der Mahlformen selbst, die man für die Formgebung benutzt, verursacht Unregel mässigkeiten und Hindernisse für die gleich mässige Übertragung der Hitze auf das zu formende Material, wodurch die Aussichten einer richtigen Aushärtung innerhalb der zur Verfügung stehenden beschränkten Zeit spanne noch weiter vermindert werden.
Eine weitere Forderung der Praxis an Pressmischungen besteht darin, dass sie eine relativ hohe Dichte haben müssen, damit man die Form mit einem Material von genü gender Dichte füllen kann, das während der Formgebung keine zu grosse Verminderung seines Volumens erleidet. Ein faseriger Füll stoff, wie zum Beispiel Holzbrei oder Baum- wollflocken, liefert eine sehr lose und lockere Nasse, solange sie nicht durch Anwendung von Druck genügend verdichtet ist.
In der Praxis erzielt man eine genügende Verdich tung des zu verpressenden Materials am besten durch Behandlung des Gemisches aus Füllstoff und Harz auf heissen Walzen, wo bei gleichzeitig eine gründliche Imprägnie rung der. Fasern erzielt wird. Die oben er wähnten Harnstoffharzmassen sind aber für die Verarbeitung auf heissen Walzen nicht geeignet, da die ausserordentliche Empfind lichkeit des Harzes gegenüber der Einwir kung von Wärme eine vorzeitige Erhärtung des Harzes herbeiführt, so dass die für die Praxis erforderliche Formbarkeit schnell ab nimmt. Deshalb hat man die in der Ver arbeitung von Phenoplasten bevorzugte Be handlung auf heissen Walzen in der Praxis der Harnstoffharzmassen vermieden.
Das sind einige der den Harnstoffharz- massen anhaftenden. Schwierigkeiten, die deren Anwendung zur Herstellung von Formstücken stark beschränkt haben.
Gemäss der vorliegenden Erfindung kann man Harnstoffharzmassen erhalten, die sich von den bekannten Massen insbesondere hin sichtlich der Wärmeempfindlichkeit scharf unterscheiden. Die erfindungsgemäss her gestellten Mischungen aus faserigen Füll stoffen und Harzen können der Behandlung auf heissen Walzen unterworfen werden, und sie sind ferner charakterisiert durch eine Zeit- und Temperaturspanne, innerhalb wel cher sie der Gefahr der ungenügenden Här tung oder Überhärtung weniger ausgesetzt sind, so dass man aus ihnen Gegenstände mit Teilen von sehr verschiedener Dicke formen kann. Die Harze selbst sind farblos und lichtbeständig und gestatten daher die Her stellung von Gegenständen in weissen oder zarten Farben.
Ausserdem kann -man die Harze in transparentem, wasserfreiem Zu stande erhalten, und sie liefern selbst bei Zu- Mischung von Zellulosebrei in gleichen Ge- wichtsmengen wie das Harz durchscheinende geformte Gegenstände. Eine weitere über raschende Eigenschaft der aus den erfin dungsgemässen Massen hergestellten Gegen stände ist eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit im Vergleich zu den be kannten Harnstoffharzmassen.
Diese grundlegenden und bedeutenden Fortschritte in der Beschaffenheit der Harn stoffharzmassen werden herbeigeführt durch verhältnismässig einfache Änderungen der zur Harzbildung führenden Reaktion, die aber von erheblichem praktischem Wert sind. Man kann eine wässerige Lösung von Form aldehyd oder dessen Polymeren oder dessen festen Modifikationen benutzen und das Wasser vorzugsweise entfernen durch Ver dampfung oder in anderer Weise, nachdem die Harzbildung eingeleitet und noch nicht vervollständigt ist.
Statt Harnstoff allein kann man zweck mässig Gemische .von Harnstoff mit Thio- harnstoff oder mit Harnstoffderivaten zur Kondensation mit Aldehyden verwenden. Auch solche Gemische sind hier unter Harnstoffen < - zu verstehen.
Die Erfindung beruht auf der Ent deckung, dass gewisse Typen von basischen Katalysatoren die Reaktion zwischen Harn stoff oder äquivalenten Substanzen, wie zum Beispiel Thioharnstoff, und Aldehyden der art beeinflussen können, dass hellfarbige, gut fliessende, wasserbeständige Harze entstehen, die man auf heissen Walzen bearbeiten und dann zu Gegenständen formen kann, die auch unter der Einwirkung von Wärme im wesentlichen farbbeständig sind. Im all gemeinen kann man Katalysatoren verwen den, die stärker basisch sind als Harnstoff, aber nicht genügend basisch, um eine Zer setzung oder Verharzung des Aldehyds her beizuführen.
Es ist bekannt, dass das Na triumhydroxyd die Umsetzung von Form aldehyd zu Natriumformiat und Methylalko hol, wie bei der sogenannten Cannizzaro- Reaktion, verursacht, und dass unter dem Einfluss von Calciumhydrogyd der Form aldehyd schnell in Formose übergeht, eine Art von wasserlöslichem Zucker.
Solche Um setzungsprodukte des Aldehyds verursachen erhebliche Störungen, und sie scheinen einen sehr nachteiligen Einfluss auf die technischen Harnstofformaldehyd-Reaktionsprodukte zu haben, indem sie diese wasserempfindlich machen und die sogenanuten hydrophylen Eigenschaften verursachen. Die Verwen dung der bevorzugten Katalysatoren in der geeigneten Konzentration ruft eine gewisse Änderung hervor, wobei sich neue Verbin dungen im Verhältnis von 1 'Hol Harnstoff zu 11/2 Mol Formaldehyd bilden. Die Ände rung scheint das Ergebnis einer katalytischen Wirkung auf den Harnstoff selbst zu sein.
Die bevorzugten Katalysatoren gemäss der vorliegenden Erfindung sind Stickstoff enthaltende organische oder anorganische Verbindungen, die basischer sind als Harn stoff oder Thioharnstoff selbst, und die sich in molekularen Mengen mit dem Formalde hyd oder dessen Äquivalenten vereinigen;
der molekulare Komplex mit dem Aldehyd ist wahrscheinlich der wirksame Katalysator, dessen Fähigkeit, mit bestimmten Mengen des Aldehyds Reaktionsprodukte zu bilden, erklären mag, warum diese basischen Verbin dungendie Zersetzung von Formaldehyd für sieh nicht katalytisch beeinflussen. Es wurde jedoch gefunden, dass nur diejenigen Reak tionsprodukte mit Aldehyden die in dem be schriebenen Sinne gewünschte Harzbildung fördern, in denen, auf Monohydroxybasen berechnet,
mindestens 2 Moleküle einer basi schen Verbindung sieh mit ä oder weniger Molekülen eines Aldehyds vereinigen, wobei die Produkte entweder als solche zugesetzt oder in situ erzeugt werden können. Die basi schen Verbindungen, .die für diesen Zweck als geeignet festgestellt wurden, umfassen: Hy- droxylsubstituierte Amine, für die das Tri- äthanolamin ein typisches Beispiel ist;
mono- substituierte Amine, wie zum Beispiel Me- thylamin, Amylamin, Hydroxylamin usw.; monosubstituierte Diamine, wie zum Beispiel Äthylendiamin, Propylendiamin usw.; in Fällen, in denen die Farbe nicht wichtig ist; die aromatischen Amine, wie zum Beispiel Anilin, Phenylendiamin usw.
Die Aldehyd Ammoniakverbindungen oder substituierten Ammoniake, die man durch die Reaktion von Ammoniak mit einem höheren Aldehyd, wie zum Beispiel Benzaldehyd, erhält, sind ge eignete Katalysatoren, doch ist das Hexa- methylentetramin, das man durch Reaktion von 6 Mol Formaldehyd und 4 Mol Ammo niak erhält, so mild katalytisch wirksam,
dass man davon zehnmal mehr für die Zecke der vorliegenden Erfindung braucht als von der Verbindung, die mit Äthylendiamin her gestellt ist; da das Hexamethylentetramin wasserlöslich ist, beeinträchtigt ein Zuviel von dieser Verbindung in dem Harz die Widerstandsfähigkeit gegen Wasser oder die erwünschten hydrophoben Eigenschaften der genannten Masse.
Die Herbeiführung einer sauren Reaktion mit katalytisch wirksamen Säuren ist zu ver meiden, doch können gewisse schwache Säuren, die für die Harnstoffharzbildung katalytisch inaktiv sind, z. B. Kohlensäure, Stearinsäure und Karbolsäure, und Salze der Katalysatoren mit solchen Säuren, z.
B. Me- thylaminkarbonat, in der Reaktionsmasse vor handen sein, da die chemische Aktivität des Aldehyds in dieser Reaktion diese schwachen, relativ inerten Säuren verdrängt, um das ge wünschte katalytische Material in situ zu bil den.
Daraus folgt, dass die Messung der pH- Konzentration in der Masse auf die kataly tische Geschwindigkeit keinen direkten Ein fluss hat, und dass die hier erwähnten basi schen Katalysatoren für die Verharzung so wohl in der Anwesenheit, als auch in Ab v,esenheit solcher schwachen Säuren wirksam sind.
Lässt man eine Mischung, die 1,5 Mol Paraformaldehyd oder wässerigen Formalde hyd auf 1 Mol Harnstoff enthält, mit einem der beschriebenen Katalysatoren in der Kälte reagieren, so wird ein Produkt erzeugt, das in einigen .Stunden sich aus dem anwesenden oder in .der Reaktion gebildeten Wasser aus scheidet; mit andern Worten entsteht das resultierende Produkt als Niederschlag, da es in Wasser verhältnismässig unlöslich ist.
In- folge seiner Wasserunlöslichkeit können uner wünschte wasserlösliche Nebenprodukte .durch Waschen mit Wasser entfernt werden. Diese hydrophobe Beschaffenheit ist eine wün- schenswerte Eigenschaft insofern, als die Her stellung von Pressmiscllungen in Frage kommt. Die Reaktion kann jedoch ohne wesentliche Beeinträchtigung der endgülti gen Wasserunlöslichkeit beschleunigt werden, wenn man die Mischung während 10 bis 20 Minuten auf 100 bis 110 C erhitzt.
Nach dieser Zeit hat die gewünschte Kondensation bis zum Harzzustand stattgefunden, obwohl die heisse Mischung noch wie eine klare Lö sung aussieht. Hat man als ein Ausgangs material Paraforma.l.dehyd benutzt, so ist die Reaktionsmasse bei Erreichung dieses Punk tes in der Wärme flüssig, aber beim Ab kühlen fest.
In der vorangehenden typischen Reak tion beträgt die Menge des zugesetzten Kata- lysators etwa 5 g für je 1 Gramm-Molekül Harnstoff. Dieses Mengenverhältnis scheint die besten Arbeitsbedingungen zu ergeben, obwohl zufriedenstellende Resultate schon bei Zusatz von 1 g auf je 1 Gramm-Molekül Harnstoff erhalten werden können, und an derseits auch .die Verwendung von grösseren Mengen als 5 g durch die Reaktionsbedin- bunben nicht unmöglich gemacht wird. Im allgemeinen braucht man umso weniger Kata lysator in dieser Phase, je höher die Tempe ratur ist.
Auch die Menge des Paraform- aldehyds oder Formaldehyds kann man zwi schen 1,5 bis 2,5 Mol auf je 1 Mol Harnstoff ohne schädliche Wirkung auf das Endpro dukt variieren. Bei Benutzung von mehr als 1,5 Mol Formaldehyd können weitere Mengen Harnstoff zugesetzt werden, nachdem das hy drophobe Produkt gebildet ist. Das bevor zugte endgültige Mengenverhältnis liegt zwi schen 1,4 und 1,65 Mol Formaldehyd auf je 7 Mal Harnstoff.
Bei Benutzung von weniger als 1.,5 Mol Formaldehyd können weitere Mengen desselben zugesetzt werden, nachdem das hydrophobe Produkt gebildet ist.
Die Katalysatoren der beschriebenen Art ermöglichen einen Verharzungsvorgang, der ohne Gelatinierung oder Verlust der plasti schen Fliessfähigkeit vor sich geht. Man kann, die @Gelatinierung bezeichnen als den plötz lichen Verlust des flüssigen Zustandes der Masse im ganzen, obwohl sie sowohl feste, als auch flüssige Bestandteile enthält, während die Verharzung eine Änderung in den Eigen schaften der Masse unter Herbeiführung der jenigen Eigenschaften bedeutet, die ein Harz charakterisieren, wie zum Beispiel Aussehen, Bruch usw.
Nachdem die Verharzungsreak- tion zum Teil vervollständigt ist, kann der Katalysator entfernt oder inert gemacht wer den, um in der neutralen Harzmasse das Auf treten eines geregelten Grades der @Gelatinie- rung zu ermöglichen. Einsaurer Zustand ist jedoch zu vermeiden, da selbst eine kurze Einwirkungsdauer von katalytisch wirksamen Säuren einen wesentlichen Verlust der plasti schen Fliessfähigkeit herbeiführen und da durch das Material für die Bearbeitung auf heissen Walzen ungeeignet machen würde.
Der alkalische Katalysator wird am besten durch Waschen entfernt oder inert gemacht durch die Bildung von Additionsprodukten zwischen dem Katalysator und zahlreichen neutralen Salzen und organischen Verbindun gen, wie zum Beispiel Athylenchlorhydrin, Äthylogalat, Mercurichlorid, Bariumchlorid, oder mit Säuren, deren Salze unter den Re aktionsbedingungen praktisch neutrale Ver bindungen sind oder solche bilden.
Die neutralisierte Reaktionsmasse wird dann vermischt mit Baumwollflocken, Alplia- zellulosebrei, Papierbrei oder andern faseri gen Füllstoffen und darauffolgend einer gründlichen Mischung durch Behandlung auf heissen Walzen unterworfen.
Während der Behandlung auf heissen Walzen bei Tempe raturen, die etwas über dem Siedepunkt des Wassers liegen, werden Wasser oder andere flüchtige Bestandteile ausgetrieben, und man erhält eine kompakte gleichmässige Press- masse. Ist die Entstehung einer weniger @dieh- ten Masse wünschenswert, wenn zum Beispiel das gewalzte Papier nachimprägniert und dann in kleine Stücke geschnitten wird,
so kann man die Behandlung auf heissen Wal- zen ersetzen .durch die Wärmebehandlung in einem Ofen oder einer Entwässerungsvorrich- tung und die Behandlung :durch Abkühlen auf Zimmertemperatur beenden, wenn der gewünschte Grad. der Fliessfähigkeit erreicht ist.
Die so erhaltene Masse ist fertig zum Formen. Im Gegensatz zu andern Harnstoff harzmassen kan sie bei Temperaturen ge formt werden, die über 1,40' bis zu<B>160'</B> C und mehr liegen und bei Drucken von 14 kg,!cm@ oder mehr unter den üblichen Be- dingungender Heisspressung ohne Zersetzung des Harzes.
Sie hat ferner eine Formungs zeitspanne von etwa 5 Minuten bei 160 C, bevor ungenügende Härtung oder Überhär tung eintritt, so dass Gegenstände von sehr verschiedener Dicke, zum Beispiel mit Fak toren von 1 : 10, ohne Blasen oder andere Fehler geformt werden können.
In den nachstehenden Beispielen ist die Ausführung,der Erfindung beispielsweise ge schildert.
<I>Beispiel 1:</I> Man mischt 60 Gewichtsteile Harnstoff und 60 Gewichtsteile Paraformaldehyd, der im Laufe der Reaktion Formaldehyd abgibt, mit 3 Gewichtsteilen Ithylendiamin. Die Mischung lässt man in einem offenen Gefäss etwa 20 Minuten lang bei etwa <B>100'</B> C reagieren. Dann setzt man je nach der ge- wünschten Härtungsgeschwindigkeit 1 bis 6 Teile Athylenchlorhydrin zu und kühlt die Masse ab.
Man vermischt sie mit etwa 46 Teilen Baumwollflocken oder andern Füll stoffen in einer Knetmaschine und behandelt sie dann auf heissen Walzen bis zur Errei chung einer Fliessfähigkeit, die für die Be- arbeitung in den in Betracht kommenden Formen geeignet ist. Während dieser Behand lung wird das vorhandene Wasser ausgetrie ben, das Harz schmilzt und dringt in die Fasern ein, so dass eine homogene und ver hältnismässig .dichte Pressmasse entsteht.
Die auf den Walzen behandelte Masse wird ab gekühlt, um die Reaktion zu unterbrechen und dann zu kleinen Stücken vermahlen. Die erhaltene Masse eignet sich zum Formen durch gleichzeitige Anwendung von Hitze und Druck.
Man füllt beispielsweise die in der beschriebenen Weise hergestellte Masse in eine Form und unterwirft sie einer Tempera tur von etwa 154' C und einem Druck von etwa 70 kg!om' während 2 Minuten oder ge gebenenfalls mehr, worauf der geformte Ge genstand aus der Form heiss entfernt wird. Der Formling ist durchscheinend, von guter Oberflächenbesehaffenheit und vollständig frei von Blasen.
Beispiel <I>2.:</I> 30 Gewichtsteile Harnstoff, 38,Gewichts- teile Thioharnstoff, 150 Gewichtsteile einer 37,5 % ixen wässerigen Formaldehydlösung und 3 Gewichtsteile einer 26%igen Methyl- aminlösung in Wasser lässt man durch Ko chen unter Rückflusskühlung etwa 10 Minu ten reagieren.
In diesem Falle kann man weniger Formaldehyd als im Beispiel 1 be nutzen, da die Reaktion unter Rückfluss aus geführt wird, so dass die Formaldehydver- luste auf ein Minimum sinken. Dann werden 1 bis 5 Teile Bariumchlorid zugefügt. Die Masse wird im Vakuum von 50 cm entwäs sert, bis die Siedetemperatur in der Masse <B>100'</B> C erreicht. Dieses Harz verarbeitet man zu einer Pressmasse, wie in .dem vorangehen den Beispiel.
Man kann die Reaktion in den ersten Phasen im Vakuum ausführen, um niedrigere Temperaturen zu erhalten, oder man kann sie in jeder Phase so ausführen, dass höhere Temperaturen erzielt werden. <I>Beispiel 3:</I> Da wässerige Lösungen von Formaldehyd oft Säure enthalten, ist es wünschenswert, dass ein Überschuss einer neutralisierend wir kenden, aber katalytisch unwirksamen Base inGemeinschaft mit dem gewünschten Kata lysator anwesend ist.
Man kann beispiels weise in dem vorangehenden Beispiel 2 2 Ge- wichtsteile Caleiumkarbonat und 2 Gewichts teile Amylamin als Katalysator verwenden. Dadurch wird die in dem Formaldehyd von vornher in vorhandene oder während des Ver fahrens durch Oxydation gebildete Ameisen säure durch ein stärkeres alkalisches Mate- rial inert gemacht. Die Herstellung .des Har zes und ,dessen Verarbeitung zu einer Press- masse erfolgt wie vorhin beschrieben.
<I>Beispiel</I> .4: 60 Gewichtsteile Harnstoff, 160 Ge- wichtsteile einer 37,5 %igen Formaldehyd lösung und 2,6 Gewichtsteile von Methylamin in Wasser, das mit Kohlensäure gesättigt ist, werden bei Zimmertemperatur vermischt und auf 0 C abgekühlt. Es bildet sich allmäh lich ein fester Niederschlag, der nach einigen Stunden von der wässerigen Schicht durch Filtration getrennt werden kann.
Nach 24 Stunden Stehen bei 0 C ist die Mischung frei von Formaldehydgeruch. Der feste .Stoff wird von der Flüssigkeit durch Filtration ge trennt mit 200 cm' Wasser gewaschen, um das Kontaktmittel zu entfernen und mit 44 Teilen Baumwollflocken vermischt. Die me- ehanische Mischung des Bindemittels und des Baumwollfüllstoffes kann man bei niedrigem Druck formen, wenn eine sehr starke Fliess fähigkeit wünschenswert ist.
Aber für die gewöhnlichen Bedingungen der Verpressung wird diese Mischung verbessert, wenn man sie bei 70 C oder höheren Temperaturen knetet oder auf Walzen behandelt, bis die Fliessfähigkeit abnimmt. Die in der Wärme behandelte Mischung kann geformt werden bei einem Druck von 70 kg/emz oder mehr und dann aus den Formen heiss entfernt wer den in einer Formzeit, die geringer ist als diejenige, die für das mechanisch gemischte, aber nicht erhitzte Presspulver notwendig ist.
Derart hergestellte geformte Gegenstände zeigen überraschenderweise eine stark er- höhte Widerstandsfähigkeit gegen Wasser. Ein bedeutender Mangel der bekannten Harn- stoffharzmassen bestand bisher in der man gelnden Widerstandsfähigkeit gegen Wasser.
Gegenstände, die aus den bekannten Massen bei Anwendung eines Harzgehaltes von<B>65%</B> hergestellt wurden, zeigten zum Beispiel durchschnittlich 6 bis<B>10%</B> Wasserabsorption bei einem Eintauchen während 4 Tagen, das heisst sie haben Wasser aufgenommen, bis ihr Gewicht um 6 bis 10 % erhöht war.
Im Ge- gensatz hierzu zeigen die Gegenstände, die mit einem Harzgehalt von<B>65%</B> mit Harzen gemäss der vorliegenden Erfindung hergestellt sind, eine Absorption von nur 1 bis '2 während. der gleichen Zeit, so dass sie in die ser Hinsicht den geformten Gegenständen aus Phenolharzmassen gleichzustellen sind.
Diese Eigenschaft ist von wesentlicher praktischer Bedeutung, da die Brauchbarkeit der aus Aminoplasten hergestellten geformten Gegen stände sehr wesentlich davon abhängt, in wel chem Umfange sie eine Wasserabsorption zeigen, .die mit einer Quellung und Rissbil- dung verbunden ist.