Zweitaktbrennkraftmaschine mit Umkehrspülung. Die ursprüngliche Form der Umkehrspü lung von Zweitaktbrennkraftmaschinen, bei welcher die Schlitze im wesentlichen auf der einen Zylinderseite angeordnet sind und vom Zylinderdeckel gesehen vor der Reihe der Spülschlitze eine Reihe von Auspuffschlitzen angeordnet ist, hat sich bisher in allen Fällen gut bewährt, solange sich die Brennkraft- maschinen innerhalb eines bestimmten Dreh zahlbereiches halten.
Die neuesten Bestre bungen gehen nun dahin, möglichst schneller laufende Zweitaktbrennkraftmaschinen zu bauen, bei denen jedoch die Spülung infolge der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit gewisse Schwierigkeiten bereitet. Wenn auch die neuesten Untersuchungen von 0.
Lutz ("Forschung auf dem Gebiete des Ingenieur wesens", Band 5j1934, Seite 285-289) zei gen, dass sich einerseits die bei jeder Spülung so gefürchteten Abgaswirbel infolge der bei schnellaufenden Brennkraftmaschinen sehr kurzen Spülzeit überhaupt nicht mehr aus- bilden können, so ist es anderseits ebenfalls wegen der kurzen Spülzeit schwierig, ein ge ordnetes Ausschieben der gesamten Abgase durch die Spülluft zu erreichen. Der gesamte Zylinderraum muss möglichst vollständig von der Spülluftfront erfasst werden, welche die Abgase vor sich her zu den Auslassschlitzen treibt.
Zur Erreichung dieses Ziels sind auf Grund eingehender Versuche zwei Haupt erfordernisse als wesentlich erkannt worden. Einmal muss den auszutreibenden Abgasen ein genügend grosser Austrittsquerschnitt zur Verfügung stehen, der auf jeden Fall eine Stauung der Abgase vor den Auslassöffnun- gen verhindert und ferner müssen die ein zelnen Spülluftstrahlen auf ihrem Wege im Zylinder so gelenkt werden, dass dieser in seiner Gesamtheit von der Spülluft erfasst wird.
Eine Vergrösserung des Auslassquerschnit- tes durch Verlängerung der Auslassschlitze gegen den Zylinderdeckel hin ist unzweck mässig, da hierdurch ein Teil des wirksamen Zylinderhubes und damit der Leistung der Brennkraftmaschine verloren geht.
Die Er findung betrifft eine Zweitaktbrennkraft- maschine mit einseitiger Umkehrspülung, bei welcher vom Zylinderdeckel aus gesehen vor jedem Spülschlitz ein Auspuffschlitz ange ordnet ist. Erfindungsgemäss ist ein Teil der Auspuffschlitze nach hinten auf Kosten der Spülschlitze verlängert. Dadurch wird nicht nur das absolute Mass des Auslassquerschnit- tes vergrössert, sondern auch das Verhältnis von Auslassquersehnitt zum Spülquerschnitt, das bisher für schnellaufende Brennkraft- maschinen stets zu klein war, günstiger ge staltet.
Was aber für die schnelle Durch spülung des Zylinders noch von besonderer Bedeutung ist, ist der Einfluss der vergrösser ten Auslassschlitze auf die Lenkung der ein zelnen Spülluftströme. Während bei der bis her üblichen Ausbildung der einseitigen Umkehrspülung mit einer Reihe von Spül schlitzen und einer Reihe von darüberliegen- den Auslassschlitzen die einzelnen Spülluft ströme über den Kolbenboden hinweg bis zur gegenüberliegenden Zylinderwand strömen und sich an dieser aufrichtend gegen den Zy linderdeckel hinfliessen,
richten sich bei der Schlitzausbildung nach der Erfindung die den vergrösserten Auslassschlitzen benachbar ten Spülluftströme oder Teile derselben schon vor Erreichung der gegenüberliegenden Zy linderwand auf, weil der innere Abgaskern vor den vergrösserten Auslassschlitzen natur gemäss weniger dicht und in ihm die Ab strömung der Abgase stärker ist, als vor den andern Auslassschlitzen. Die betreffenden Spülluftströme werden also gewissermassen in diese Abgaskernzone hineingezogen. Die Aufrichtung der Spülströme erfolgt um so früher, je näher sie den verlängerten Aus lassschlitzen liegen.
Die Spülluftströme aus den weiter entfernten Spülschlitzen fliessen dagegen bis zur Zylinderwand durch und übernehmen die Spülung der )Vandzonen des Arbeitszylinders. Auf diese Weise werden nicht nur die Wandzonen, sondern auch die innere Kernzone von der Spülluft erfasst, so dass tote, ungespülte Räume nicht mehr vor handen sind. Der gesamte Zylinderraum wird in kürzester Zeit von den ungehindert abströmenden Abgasen verlassen und von Spülluft erfüllt. Es ist dabei nicht wesent lich, dass die verlängerten Auspuffschlitze in der Mitte der Schlitzreihe angeordnet sind. Sie können auch an den beiden Enden liegen oder gleichzeitig in der Mitte und an den Enden.
In allen Fällen wird erreicht, dass der Abfluss der Abgase infolge der Vergrö sserung des Auslassquerschnittes schneller und störungslos vor sich geht und ein Teil der Spülluft die innere Kernzone im Arbeits zylinder erfasst und von Abgasen reinigt.
Es ist zwar bekannt, die Auslassschlitze bei Umkehrspülung so auszubilden und an zuordnen, dass ihre untern Enden jeweils zwi schen zwei Einlassschlitze in die Reihe der Einlassschlitze hineinragen. Diese Massnahme ist jedoch lediglich in einer Verringerung des durch die Schlitze bedingten Hubverlustes der Brennkraftmaschine begründet.
Es sind auch Zweitaktbrennkraftmaschinen mit Um kehrspülung bekannt, bei welchen die beiden Schlitzreihen gegeneinander am Zylinder umfange verschoben sind und die Auslass- schlitze auf der einen Seite, unter denen sich keine Einlassschlitze mehr befinden, nach unten, die entsprechenden Einlassschlitze auf der andern Seite nach oben verlängert sind.
Bei dieser Ausführung soll durch die Anord nung und Ausbildung der Schlitze lediglich ein schraubenförmiger Verlauf der Spülluft im Arbeitszylinder erzielt werden, der zu einer Wirbelung der Luft bei Einspritzung des Brennstoffes führt.
In der Zeichnung sind mehrere Ausfüh rungsbeispiele einer Brennkraftmaschine nach der Erfindung schematisch dargestellt, und zwar zeigen Fig. 1 einen Axialschnitt durch einen Zy linder mit in der Mitte der Schlitzreihe an geordnetem, verlängertem Auslassschlitz, Fig. 2 einen Axialschnitt durch die Mitte der Schlitzreihen, Fig. 3 einen Querschnitt nach der Linie III-III in Fig. 1,
Fig. 4 einen Agialschnitt durch einen Zy linder mit trapezförmig verlängertem Aus puffschlitz in der Mitte der Schlitzreihe, Fig. 5 einen Agialschnitt durch die Mitte der Schlitzreihen, Fig. 6 einen Querschnitt nach der Linie VI-VI in Fig. 4 und Fig. 7 einen Agialschnitt durch einen Zy linder, bei welchem der mittlere Auspuff schlitz besonders tief gezogen ist.
Bei den dargestellten Ausführungsformen findet die einseitige Umkehrspülung Ver wendung, das heisst die Auspuff- und Spül schlitze befinden sich auf der gleichen Zy linderseite. Der Spülluftstrom tritt also auf einer- Seite des Zylinders ein, fliesst zur ge genüberliegenden Seite, steigt dort gegen den Zylinderdeckel, an dem er umkehrt, und fliesst auf der Schlitzseite wieder zu den Auspuffschlitzen zurück.
In allen Figuren sind mit 1 der Zylinder, mit 2 der Kolben, mit 3 die Spülschlitze und mit 4 die Auspuffschlitze bezeichnet, und ist vom Zylinderdeckel aus gesehen, vor jedem Spülschlitz ein Auspuffschlitz an geordnet. Bei der Ausführungsform nach Fig. 1, 2 und 3 ist der mittlere rechteckige Auspuffschlitz 5 nach unten verlängert und ragt damit in die Reihe der Spülschlitze 3 hinein. Unter ihm ist nur noch ein schmaler Spülschlitz 3 vorgesehen. Der Schlitz 5 ist also auf Kosten des hinter ihm liegenden Schlitzes 3 verlängert. In der Fig. 2 ist der Spülstromverlauf und der Einfluss des ver grösserten mittleren Auspuffschlitzes dar gestellt.
Die dem vergrösserten Auspuffschlitz benachbarten Spülluftströme richten sich früher auf als die weiter entfernt liegenden und dringen in die Kernzone ein, die sie von den Abgasen reinigen. Statt des einen mitt leren vergrösserten Auspuffschlitzes können auch mehrere vorgesehen werden oder es können diese verlängerten grossen Auspuff- schlitze auch an dem Ende der Schlitzreihe angeordnet werden.
Bei der Ausführungsform nach den Fig. 4, 5 und 6 ist ein trapezförmiger, grosser Aus puffschlitz 5 in der Mitte der Schlitzreihe angeordnet, während die darunter liegenden Spülquerschnitte entsprechend dreieckförmig verkleinert sind. Die Fig. 5 zeigt wieder den Verlauf des Spülluftstromes im Arbeits zylinder. Auch hier kann die Lage der ver grösserten Auspuffschlitze den Umständen entsprechend beliebig gewählt werden. Auch die Form der vergrösserten Auspuffschlitze ist dem freien Ermessen des Konstrukteurs überlassen. Die Erfindung wird davon nicht berührt.
So zeigt zum Beispiel die Fig. 7 eine Ausführungsform, bei welcher der mitt lere Auspuffschlitz besonders tief gezogen ist, so dass unter ihm kein Spülschlitz mehr vorgesehen ist.