Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung von Flockenbast in ununterbrochenem Arbeitsgang. Die bisher üblichen Verfahren zur Her stellung von Flockenbast haben einen unter brochenen Arbeitsgang, wobei Ansätze von jeweils mehreren 100 bis zu mehreren 1000 kg Fasergut in offenen oder geschlossenen Ge fässen alkalisch oder sauer oder mit Chlor behandelt oder abgekocht, mit Wasser oder andern Waschflüssigkeiten gespült und hier auf einer Nachbehandlung unterworfen wer den. Abweichend hiervon sind nun verschie dene Verfahren und Vorrichtungen entwik- kelt worden, mit denen es möglich sein soll, Flockenbast in ununterbrochenem Arbeits gang zu gewinnen. Diese Verfahren befinden sich jedoch noch im Versuchsstadium; sie sind in der Praxis noch nicht zur Anwendung gekommen.
Im Gegensatz hierzu ist das den Gegenstand der vorliegenden Erfindung bil dende Verfahren bereits praktisch erprobt und im laufenden Betrieb in Anwendung.
Es ist an sich bekannt, dass man den Cotonisierungsvorgang durch die Vorbehand- lung des Rohgutes mit Ätzalkalilaugen, vor zugsweise Natronlauge, mittlerer Konzen tration von wenigstens 5% Ätzalkali und bei Temperaturen zwischen vorzugsweise 15 und 25 erheblich erleichtern kann. Weiterhin sind Verfahren entwickelt worden, die von der Tatsache ausgehen,.dass der Abbau der verklebten und verholzten Langfaser zur Kurzfaser durch ein Nassstreckwerk, eine so genannte Stapelziehmaschine, erlei.chtertwird. Bei diesem Verfahren wird der Nassstrecke ein ununterbrochen arbeitender- Kocher vor- gebaut,
in dem sich das nach der Geschwindigkeit, mit der die in .diesem Kocher befindlichen Siebschlingen laufen, etwa eine Stunde oder auch mehr befindet.
Ein solcher Kocher ist in seinem ganzen Aufbau sehr verwickelt und neigt daher be sonders leicht zu Betriebsstörungen; ferner kann man das durchlaufende Gut in dem Kocher nicht. überwachen. Diese, Nachteile werden durch die vorliegende Erfindung be seitigt.
Gegenstand vorliegender Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von Flocken bast in ununterbrochenem Arbeitsgang, ge mäss welchem das rohe Bastfasergut in Trän kungsbecken mit Atzalkalilaugen von wenig stens 5% Atzalkali bei Temperaturen zwi schen 15 und 25 C behandelt wird, worauf es auf mit Quetschwerken versehenen Vor schubvorrichtungen mit heisser Ätzalkali- lauge von 2 bis 10% mit Hilfe von Spritz- rohren abgespritzt und abgequetscht wird, um schliesslich einer Nassstrecke zugeführt zu werden.
Die wesentlichen Vorteile des neuen Ver fahrens sind folgende: Als Rohgut kann sowohl Grünwerg oder Flachs und Hanf, wie auch Röstwerg ver wendet werden, ohne dass dabei eine Abände rung des Verfahrens erforderlich ist, wobei die Rohfaser entweder in Form von Karden- band oder in Parallellage als Streckenband zugeführt wird. Durch die neue Kombination von chemischen mit mechanischen Verfahren kann jeder beliebige genau kontrollierbare Aufschlussgrad unter vollster Erhaltung der Festigkeit aller Fasern erreicht werden.
Es ist möglich, die Faserlänge durch Verziehen in nassem Zustand und durch Anwendung geeigneter Konzentrationen der Aufschlie ssungslaugen jedem in Frage kommenden Spinnverfahren anzupassen, wobei es von we sentlicher Bedeutung ist, dass ein Schneiden der Fasern auf bestimmte Länge, wie es heute noch bei vielen Verfahren nicht zu um gehen ist, und die damit notwendigerweise verbundene Verschlechterung des Mittel stapels in Fortfall kommt. Sodann ist es ge lungen, die Dauer des Aufschliessungsvorgan ges, die heute im günstigsten Fall immer noch 3 bis 4 Stunden, gewöhnlich jedoch bis zu 30 Stunden beträgt, auf etwa 20 bis 30 Minuten abzukürzen.
Bei dem Berieseln oder Abspritzen des Gutes mit Natronlauge auf den Siebbändern wird fortlaufend frische Lauge an die Fasern herangebracht, während die mit Kleb- und Kittsubstanzen angerei- cherte Lauge fortlaufend entfernt wird. Durch das Abspritzen erfolgt gleichzeitig eine mechanische Auflockerung des Gutes. Das Abquetschen ist voll wesentlicher Be deutung für die Gewinnung eines hochwerti gen Floekenbastes, da an jeder Quetschstelle die durch die heisse Natronlauge herausge lösten Kleb- und Kittsubstanzen aus demn Faservlies vollständig entfernt werden.
Bei den bisher bekannten Verfahren durchläuft das Gut die Stapelziehmaschine ohne Berieselung, oder die Berieselung er folgt auf dieser Maschine mit heissem oder kaltem Wasser. In der Praxis hat es sich nun gezeigt, dass eine solche Stapelziehnmasehine bei Fortfall der Berieselung eine wenig gute Wirkung gibt.
Berieselt man mit heissem oder kaltem Wasser, so wird zwar die Wir kung verbessert, nacli einiger Zeit überziehen sieh aber die Verzugswalzen der Stapelzieh- mascliine mit einer schleimigen Schicht. von Pektinen und ähnlichen Kleb- und Kittstof fen, wodurch ein exaktes Arbeiten der Ma schine verhindert und insbesondere die Ge fahr des Wickelns der Fasern uni die Ver zugswalzen hervorgerufen wird.
Zur Vermeidung dieses Übelstandes und bleichzeitig zur Verbesserung der Cotonisie- rung werden nun hei dem vorliegenden Ver fahren die Verzugswalzen der Stapelzieh- maschine mit zweckmässig heisser, verdünnter Natronlauge berieselt.
Es hat sich gezeigt, dass hierdurch die Abscheidung von Kleb- und Kittsubstanzen aus der Faser auf den Verzugswalzen vollkommen vermieden wird, dass die Walzen vielmehr blank und griffig bleiben, und dass gleichzeitig der Cotonisie- rungsvorgang, das heisst der Abbau der ver klebten Langfaser zur Kurzfaser ganz be deutend verbessert wird.
Es gelingt auf die sem Wege, eine erhebliche Einsparung von Chemikalien herbeizuführen, insoweit, als man die Konzentration der Tränk- und Spritzlaugen herabsetzen und gleichzeitig die Zeitdauer des Durchlaufes durch die Tränk- und Spritzstreiken bedeutend verkürzen kann. Das aus der Stapelziehmaschine austre tende Fasergut wird bei den bisher bekann ten Verfahren von einem Siebband oder der gleichen aufgenommen und nunmehr mit war mem oder kaltem Wasser ausgewaschen. Man kann auch das Gut von der Stapelzieh maschine in einen Wasserkasten hineinspülen und es dann von dort in geeigneter Form auf ein Siebband aufspülen.
Beim praktischen Betrieb hat es sich jedoch gezeigt, dass der Gehalt der Fasern an Kleb- und Kittsubstan zen am Auslauf aus der Stapelziehmaschine noch so gross ist, dass die verwendeten Siebe, gleichgültig aus welchem Material sie ange fertigt werden, innerhalb kürzester Zeit voll kommen verklebt und undurchlässig werden.
Zwecks Vermeidung dieses Übelstandes wird daher gemäss einer Ausführungsform der Erfindung das aus der Stapelzieh- maschine austretende Gut nochmals einer Siebbandstrecke oder einer Hubrastenstrecke, das heisst einer Vorschubeinrichtung, welche aus einer Anzahl hintereinander gereihter Bretter oder Stäbe, welche eine langsam vor wärtsschiebende Bewegung ausführen und welche perforiert sind, damit die von oben auf das Vlies aufgespritzte Waschflüssigkeit nach unten ablaufen kann, besteht, zugeführt, auf der es mit zweckmässig warmer verdünn ter Natronlauge abgespritzt wird.
Eine we sentliche Verbesserung der Abspritzwirkung wird dadurch erreicht, dass man auf bestimm ten Längen des Siebbandes unmittelbar unterhalb seines obern Trums Blechplatten anbringt. Hierdurch wird ein rasches Durch laufen der auf das Faservlies aufgespritzten Ätzalkalilauge vermieden. Es hat sich ge zeigt, dass das Faservlies hier auf dem Sieb in der aufgespritzten Lauge gewissermassen schwimmt, dadurch in besonders starkem Masse von den Kleb- und Kittsubstanzen be freit wird und gleichzeitig einen besonders schönen und weichen Griff bekommt.
Man kann die Abspritzwirkung auf dem der Sta pelziehmaschine angeschalteten Waschsieb oder den Hubrasten noch dadurch verbessern, dass man dieses Sieb oder diese Siebe lang samer laufen lässt als das Lief erzylinderpaar der Stapelziehmaschine und das Faser material durch in geeigneter Weise angeord nete Spritzvorrichtungen mit scharfen Ätz- alka;lilaugenstrahlen unter gleichzeitiger Verdichtung des Faservlieses auf das Sieb oder die Hubrasten aufspritzt.
Auch hier ist es von wesentlicher Bedeutung, dass in kur zen Abständen von etwa 1,5 bis 2 m Quetsch walzen mit hohem Druck angeordnet sind, die das auf dem Siebband befindliche und durch die obige Vorrichtung gleichmässig ver teilte Fasermaterial scharf abquetschen und dadurch die noch anhaftenden Begleitstoffe entfernen.
Um eine gute Cotonisierungswirkung zu erzielen, kann man ein oder mehrere solcher Siebbänder oder Hubrastenstrecken, die mit. verdünnter, zweckmässig warmer AtzaIkali- lauge berieselt werden, und .die jeweils mit ein oder mehreren Quetschwerken und Ver dichtern ausgerüstet sind, hintereinander schalten. Der Übergang von einem Sieb auf das andere wird zweckmässig dadurch herbei geführt, da.ss man durch geeignet angeordnete Spritzrohre das Material durch scharfe Strah len von Atzalkalilauge auf das folgende Sieb band aufspült.
Es empfiehlt sich, auch diese Siebbänder an bestimmten Stellen mit un mittelbar unter dem Siebband befindlichen Blechplatten zu versehen und dadurch eine Aufschwemmung und bessere Weichmachung des Fasergutes hervorzurufen.
Das von dem letzten Siebband ablaufende Material fällt in einem schönen gleichmässigen Vlies an und kann nunmehr in einer der bekannten und üblichen Waschvorrichtungen alkalifrei gewaschen und endlich aviviert werden.
Mit Hilfe des beschriebenen Verfahrens ist es erstmalig gelungen, .das Prinzip der ununterbrochenen Herstellung von Flocken bast in den praktischen Betrieb überzufüh ren. Die bisher bekannten Zmd beschriebenen Verfahren sind über blosse Laboratoriums versuche hinaus nicht gediehen.
In der Zeichnung ist eine beispielsweise Ausführungsform einer Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens gemäss der Er- findung in Seitenansicht schematisch dar gestellt. Die drei untereinander stehenden Teile der einzigen Figur sind dabei aneinan dergereiht zu denken. Das Rohgut wird in Form von Bandwickeln auf einen Lattentisch 1 aufgelegt und wandert von hier durch Tränkungsbecken 2 und 3, wo es mit Ätz- alkalilaugen von wenigstens 5% Ätzalkali bei Temperaturen zwischen vorzugsweise 15 und 25 getränkt wird. In dem Becken 2 wird das Gut zwischen einem untern Siebband 4 und einem obern Siebband 5, in dem Becken 3 zwischen Siebbändern 6 und 7 geführt.
Der Laugenstand in den Becken ist dabei so hoch, dass das Gut beim Durchlaufen durch die Becken zwischen den Sieben 4, i und 6, 7 vollständig in die Lauge eingetaucht ist. Nach dem Verlassen des Beckens 2 wird das Gut durch ein Quetschwerk 8 stark abge quetscht, durchläuft zur Vervollständigung der Tränkung nunmehr das Becken 3, hier auf ein Quetschwerk 9 und wird nunmehr auf ein Siebband 10 abgegeben. Auf diesem Siebband wird es durch eine Spritzrohr- gruppe 11 mit heisser, verdiinter Natronlauge Die Lauge läuft durch das Faservlies und das Siebband 10 hindurch und wird durch ein Becken 12 aufgefangen.
Am Ende des Siebbandes 10 befindet sich ein Quetschwerk 13, welches das Gut an das Siebband 14 abgibt. Hier wird es durch eine Spritzrohrgruppe 15 wieder mit heisser, ver dünnter Natronlauge berieselt, durchläuft ein Quetschwerk 16 und gelangt auf ein Sieb band 17, wo es durch eine Spritzrohrgruppe 18 berieselt wird.
Vom Siebband 17 wird das Gut an ein Nassstreckwerk, die sogenannte Stapelzieh maschine 19 abgegeben, die ihrerseits durch Spritzrohre 20 mit heisser, verdünnter Na tronlauge berieselt wird.
Die Spritzrohrgruppen 11, 15, 18, 20 wer den zweckmässig aus einem gemeinsamen Vorratsbehälter mit Natronlauge der gleichen Konzentration und der gleichen Temperatur gespeist. Dem Vorratsbehälter wird die in dem Becken 12 aufgefangene Lauge durch eine nicht dargestellte Pumpe und durch zwi schengeschaltete Filter wieder zugeführt.
Nach demn Verlassen der Stapelzieh maschine 19 gelangt das Gut, das nunmehr ein wesentlich dünneres Vlies bildet, auf ein Siebband 21. Hier kann es durch eine Spritz- rohrgruppe 22 nochmals mit Natronlauge be rieselt werden. Das Siebband 21 läuft mit gleicher Geschwindigkeit wie der Liefer zylinder der Stapelziehmaschine 19.
Von dem Siebband 21 wird nun das Gut mnit Hilfe eines innerhalb dieses Siebbandes angeordneten Spritzrohres 23 abgespült; es fällt auf ein Siebband 24. dessen Geschwin digkeit etwa drei- bis viermal kleiner ist als die des Siebbandes 21. Unmittelbar unterhalb des obern Trums des Siebbandes 24 ist eine waagrecht angeordnete Blechplatte 25 ange ordnet, die ein sofortiges Durchlaufen der durch das Spritzrohr 23 und eine Rohrgruppe 26 aufgespritzten warmen Ätzalkalilauge ver hindert. Zur Verbesserung der Auswasch wirkung durchläuft das Fasergut nunmehr ein Quetschwerk 27, wird durch eine Spritz- rohrgruppe 28 erneut mit verdünnter, warmer Atzalkalilauge bespritzt und gelangt weiter hin zu einem Quetschwerk 29.
Nach dem Auslaufen aus demn Quetschwerk 29 wird wiederum durch ein innerhalb des Siebbandes 24 angebrachtes Spritzrohr 30 das Gut von demn Siebband 24 abgespritzt; es fällt nun mehr auf das Siebband 31, unter dessen oberem Trum, ähnlich wie bei demn Siebband 24, eine Blechplatte 32 angeordnet ist, um das sofortige Ablaufen der aufgespritzten Ätzallkalilauge zu verhindern. Zur Vervoll ständigung der Auswasehwirkung wird nun das Gut nochmals durch Spritzrohrgruppen 33, 34 mit verdünnter. warmer Ätzalkalilauge behandelt. -v < ihrend gleichzeitig durch Quetschwerke 35, 36 die mit Kleb- und Kitt substanzen angereicherte Waschlauge aus dem Fasergut herausgequetscht wird.
Die durch die Spritzrohre und Spritzrohr- _M 26. ?8. 30. 33. 34 aufgespritzte .1.tzalhalilau@@cwird aus einem gemeinsamen, mit. Heizsclil_ainr,en ;-ersehenen Vorratsbehäl ter mit Hilfe einer Pumpe den einzelnen Spritzrohren zugeführt, sie wird nach Durch strömen der Siebbänder in einem Becken 37 aufgefangen und läuft durch eine Filter anlage dem Vorratsbehälter wieder zu.
Nach Verlassen des Quetschwerkes 36 lässt sich das Gut durch eine einfache umlau fende Abstreifvorrichtung 38 ohne weiteres von dem Siebband 31 lösen; es fällt nunmehr als gleichmässiges geschlossenes Vlies auf ein Förderband 39, durch das es Waschmaschinen der üblichen Form zugeführt wird.