Vorrichtung zum Scharfeinstellen eines photographischen Apparates. Es sind Spiegelreflexkameras bekannt, bei welchen mittels eines Spiegels an einer Matt scheibe ein reelles Bild hergestellt wird, das von der aufnehmenden Person unmittelbar betrachtet werden kann. Hierbei ist der Spie gel entweder hinter dem Aufnahmeobjektiv oder hinter einem besonderen Sucherobjektiv angeordnet.
Im ersten Fall ist der Spiegel aus dem Strahlengang des Objektivs vor der Aufnahme zu entfernen, im zweiten Fall ist der Spiegel ortsfest angeordnet und das Sucherobjektiv vor dem Spiegel mit dem Auf nahmeobjektiv meist zwangläufig derart ver bunden, dass die beiden Objektive gemeinsam bewegt werden. In beiden Fällen entsteht an der durchscheinenden Scheibe ein Bild von solcher Grösse, welches die Überwachung der Scharfeinstellung ermöglicht.
Zur Erleichte rung dieser Überwachung wird bei einigen bekannten .Spiegelreflexkameras auch eine Vergrösserungslinse verwendet, durch welche ein Teil des Spiegelbildes gut auf Schärfe überwacht werden kann. E's sind auch Ka meras bekannt, bei welchen das Mattschei- benbild durch eine Vergrösserungslinse be trachtet werden kann. Bei allen diesen An ordnungen liegt die Ebene der Mattscheibe senkrecht zur Ebene des zur Aufnahme ver wendeten lichtempfindlichen Materials bezw. zum Bildfenster und ist am obern Teil der photographischen, Kamera angeordnet.
Der Aufnahmeapparat wird während der Auf nahme meist an einem Riemen um den Hals gehängt und das Mattscheibenbild von oben betrachtet. Bei Spiegelreflexkameras, bei wel chen das Bildformat nicht quadratisch ist, können Hoch- und Queraufnahmen nicht mit der gleichen Leichtigkeit hergestellt werden, denn beim Übergang von der einen zur an dern Bildlage ist der Apparat um 90 zu ver kanten und in dem einen der beiden Fälle das Mattscheibenbild von der Seite zu be trachten, wodurch die Aufnahme ausser ordentlich erschwert ist.
Ausserdem werden durch die Anwendung der Mattscheibe und des Spiegels die Masse des Apparates vergrö ssert, so dass derartige Spiegelsysteme bei den modernen Kleinkameras mit dem P'or- mat 24X36 mm oder kleiner nicht verwen det werden können.
Die Erfindung gestattet, diese Schwierig keiten zu überwinden. Sie betrifft eine Vor richtung zum Scharfeinstellen eines photo- graphischen Apparates, bei welcher in dem Strahlengang des Aufnahmeobjektivs ein licht reflektierendes Mittel vorgesehen ist,
welches vor der Aufnahme aus dem Strahlengang ent- fernbar ist und welches das durch das Auf nahmeobjektiv erzeugte reelle Bild auf eine ausserhalb der optischen Achse des Objek tivs liegende Stelle entwirft. Dieselbe zeich net sich aus durch Mittel, welche das Licht strahlenbündel des Aufnahmeobjektivs wie derholt zurückwerfen und von dem durch das Aufnahmeobjektiv erzeugten reellen Bild ein von aussen beobachtbares zweites reelles Bild erzeugen. Dabei kann ein Okularsystem vor handen sein, welches das zweite reelle Bild vergrössert.
Die optische Achse dieses vergrö ssernden Okulars kann mit der optischen Achse des Aufnahmeobjektivs zufolge der Anwendung einer oder mehrerer lichtreflek tierender Mittel einen beliebigen Winkel ein schliessen. Vorteilhaft sind die beiden opti schen Achsen zueinander parallel, so dass das Bild zwecks Scharfeinstellens durch ein an der Rückwand der Kamera angeordnetes ., Okular in der Hoch- und in der Querlage des Apparates gleich gut beobachtet werden kann.
Zwecks Erleichterung der Scharfein stellung ist es vorteilhaft, wenn die Optik, die von dem ersten reellen Bild das zweite reelle Bild herstellt, mit einer solchen Brennweite ausgelegt wird, dass eine Vergrösserung des durch das Aufnahmeobjektiv erzeugten Bil des erfolgt.
Als lichtreflektierende Mittel können vortenlhaft Prismen oder Spiegel Anwendung finden.
Eine Ausführungsform des Erfindungs gegenstandes ist beispielsweise in der Zeich nung in drei verschiedenen Ansichten darge stellt.
In allen drei Figuren ist 0 das Auf- r_ahmeobjektiv, in dessen Strahlengang ein Prisma. P, ans dem Strahlengang entfernbar angeordnet ist. Dieses Prisma reflektiert das abgelenkte Strahlenbündel auf eine Matt scheibe H, welche in der Brennebene des Objektivs 0 angeordnet ist. An der Matt scheibe Hl entsteht demnach das erste reelle Bild.
Die von diesem Bild abgehenden Licht strahlen werden durch das Prisma P2 unter 90 abgelenkt und durch die Optik L1 als zueinander parallele Lichtstrahlen weiterge leitet. Dieses aus parallelen Lichtstrahlen be stehende Bündel fällt in die Optik L2, deren Brennweite grösser als jene der Optik 0 ist. Hinter der Optik L-- ist ein Prisma Ps an geordnet, welches das Lichtstrahlenbündel in (las Prisma P4 wirft. Das zweite reelle Bild entsteht an der Mattscheibe H2. Dieses Bild kann von aussen durch das Okular OK be trachtet werden.
Das Bild ist also ein zum Seharfeinstellen geeignetes, vergrössertes Bild. Das beschriebene optische System kann der art ausgebildet sein, da.ss das an der Matt scheibe H= entstehende Bild identisch mit dem von der Aufnahmeoptik auf die licht empfindliche Schicht entworfenen Bild ist, oder bloss einen Teil dieses Bildes darstellt.
Es ist vorteilhaft, nenn der Mittelpunkt 2 der spiegelnden Fläche des Prismas P, oder eines an dessen Stelle angeordneten Spiegels ausserhalb der optischen Achse des Objektivs 0 liegt, weil der wesentlichste Bildpunkt mei stens ausserhalb des Bildmittelpunktes liegt und diese Anordnung somit auch mit Rück sicht auf die sphärische Aberration zur Scharfeinstellung des wesentlichsten Bild punktes vorteilhafter erscheint.
Es: ist ferner vorteilhaft, wenn ein vor der Mattscheibe 112 im Strahlengang des das. zweite reelle Bild erzeugenden Lichtbündels liegen des Prisma. oder Spiegel derart ausgebildet wird, dass dieses Prisma bezw. dieser Spiegel um seine optische Achse drehbar ist, wodurch die Betrachtungsrichtung des Bildes von der hichtung der Aufnahme unabhängig gemacht \-erden kann.
In der beschriebenen Vorrichtung zum Scharfeinstellen wird vorteilhaft vor der Mattscheibe Hl .im Strahlengang ein Schirm angeordnet, mit. welchem das durch das Oku- lar 0'K einfallende Licht für die Zeit der Aufnahme abgedeckt werden kann, so dass eventuelles Streulicht das Aufnahmematerial nicht beeinflusst.
Dieser Lichtschirm, ferner das lichtreflektierende Mittel P, sind vorteil haft durch ein gemeinsames Stellwerk der art gesteuert, dass beim Ausschalten des Pris- mas P, aus dem Lichtstrahlengang des Auf nahmeobjektivs der Lichtabblendeschirm sich über die Scheibe 21 verschiebt und umge kehrt. Die verschiedenen erwähnten Kon struktionsmassnahmen können auch miteinan der vorgesehen werden.
Bei der in der Zeichnung dargestellten Vorrichtung sind die optische Achse des Oku lars OK und die optische Achse des Objek tivs 0 zueinander parallel. Auf diese Weise kann das Okular OK in die Rückwand der Kamera eingebaut werden, so dass die Anord nung sowohl in der Hoch- als auch in der Querstellung des Apparates in gleicher Weise benutzt werden kann. Die beschriebenen licht reflektierenden Mittel können aber auch an ders angeordnet sein und das Okular OK kann auch an einer andern Stelle des Apparates an gebracht sein.
Die beschriebenen Vorrichtungen können mit Elementen, also Prismen, Spiegeln und Linsen so kleiner Abmessungen ausgeführt werden, so dass dieselben in Kleinkameras ohne wesentliche Änderung von der üblichen Abmessungen benutzt werden können.