Einrichtung zur Aufzucht von Frühgeburten.
Von den Störungen in den Lebensvorgängen der Frühgeburt sind die Störungen der Atmung, der Urärmesteuerung - cinerseits als Wärmestauung, anderseits als Wärmemangel (Skierembildung) - Störung des Würg- und Schluckreflexes bekannt. Auch die Krampfneigung der Frühgeburten wird wohl als Hitzeerschöpfung mit Hirnschädigung und B : reislaufkollaps verbunden, anzusehen sein.
Die gleich nach der Geburt auftretende und in den bisherigen Wärmeschränken noch verstärkte Austrocknung der frühgeborenen Frucht ist nach Wissen des Erfinders bisher nicht berücksichtigt worden. Auch die bei einer Frühgeburt auffallende Ruhe und Be wegungslosigkeit des Kindes zum Unterschied von den oft recht lebhaften Bewegungen im Mutterleib kann wohl durch den plötzlichen Übergang vom feuchten Element in die trockene Luft bedingt sein, da doch der Auftrieb im Fruchtwasser die Glieder um das Gewicht der verdrängten Flüssigkeitsmenge leichter macht und somit Bewegungen ermöglicht. Auch diese Tatsache ist sicher als entwicklungshemmend und den Stoffwechsel vermindernd aufzufassen.
Aus den gleichen Gründen wird auch die Atmungsbreite der Frühgeburt bei Anwendung des üblichen Trockenwärmeschrankes vermindert.
Der herabgesetzte Turgor der Haut, der bei allen Frühgeburten zu finden ist, lässt sich zwanglos als eine zum grössten Teil postpartum (nach der Geburt) entstandene Austrocknungsers cheinung auffassen.
Dadurch, dass das Kind im Mutterleib in dem gleichmässig warmen Fruchtwasser eingebettet ist, wird auch im Falle einer fieberhaften Erkrankung der Mutter an ein Wärmeregulierungsvermögen des Kindes keine Anforderung gestellt, wir sehen auch kaum Schädigungen des Kindes durch Fieber der Mutter.
Die Erfindung bezieht sich auf eine Einrichtung zur Aufzucht von Frühgeburten und stellt sich die Aufgabe, die Gefahren, die das frühgeborene Kind bedrohen, weitgehend zu beseitigen und dadurch die bisherige hohe Sterblichkeit der Frühgeburten entsprechend herabzusetzen.
Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, dass in praktisch möglichster Annäherung an die natürlichen Verhältnisse im Mutterleib ein zur Aufnahme der Frühgeburt bestimmter, zweckmäBig wannenartig ausgebildeter Behälter vorgesehen ist, der mit einer dem natürlichen Fruchtwasser in physikalischer und chemischer Hinsicht bezüglich der Temperatur, des spezifischen Gewichtes und ihrer Einwirkung auf die Haut möglichst ähnlichen Flüssigkeit gefüllt ist und eine Halteeinrichtung für die Früngeburt aufweist.
Gemäss einer Ausführungsform der Erfindung kann durch das in dem Behälter befindliche Fruchtwasser Sauerstoff hindurchgeleitet werden. Als eine dem natürlichen Fruchtwasser möglichst ähnliche Flüssigkeit kann eine isotonische, das ist physiologische Kochsalziösung - eine sogenannte Ringersehe Lösung - verwendet werden, deren Temperatur in der gleichen Höhe erhalten wird, wie sie der mütterliche Leib aufweist, also in einer Temperatur von 37 bis 380 C.
Die Zeichnungen zeigen in schematischer Darstellung eine beispielsweise Ausführungsform einer Einrichtung nach der Erfindung.
Fig. 1 ist ein lotrechter Mittelschnitt durch die Einrichtung;
Fig. 2 stellt die Einrichtung in perspeli- tivischer Ansicht dar.
In den beiden Abbildungen ist mit 1 der die Frühgeburt aufnehmende Behälter, mit 2 die den Behälter bis zu einer entsprechenden Höhe füllende, dem natürlichen Fruchtwasser möglichst ähnliche Flüssigkeit bezeichnet.
Der Behälter ist im vorliegenden Ausführungsbeispiel nach oben durch eine Glocke 3 aus Glas abgeschlossen. 4 ist eine das künstliche Fruchtwasser dem Behälter in der Richtung des Pfeils p, zuführende Leitung, 5 ein zur Ableitung des künstlichen Fruchtwassers dienendes Rohr, das einen Entlee rungshahn 6 trägt; 7 ist ein t ;
Überlauf- rohr 8 mit dem Behälterinnern verbindendes Stand rohr, welches zweckmässigerweise mit einem Schauglas 9 versehen ist. 10 ist ein die überschüssige Flüssigkeit nach abwärts führendes Abflussrohr, 11 ein durch die Leitungen 12, 13 an das Relais 14 bezw. an das Netz angeschlossener Heizkörper für die Beheizung des künstlichen Fruchtwassers. 15 ist ein an das Relais 14 durch die Leitung 16 und an das Netz 17 angeschlossener Temperaturregler. 18 ist ein zur Beheizung des Luftraumes des Behälters dienender Heizkörper, 19 der dazugehörige Temperaturregler, welch beide Einrichtungen an das Relais 20 für die Luftheizung angeschlossen sind. 25 ist ein mit Löchern 26 versehenes Zuleitnng-srohr für den der Flüssigkeit in der Richtung des Pfeils 2 zuzuführenden Sauerstoff.
Die Vorbereitung der - Behandlung von Frühgeburten zwecks ihrer Aufzucht findet mit Hilfe der beschriebenen Einrichtung wie folgt statt :
Der Behälter 1 wird z. B. aus einem höherliegenden Gefäss durch die Leitung 4 dauernd mit der Temperatur im Mutterleib entsprechend erwärmten künstlichen Friichü wasser beschickt wobei die gleiche Menge Fruchtwasser bei geöffnetem Entleerungshahn 6 durch das Ableitungsrohr 5 abfliesst.
Falls die Höhe des Flüssigkeitsstandes über die obere Kante des Rohres 8 steigt, läuft das überschüssige künstliche Fruehtwasser selbsttätig durch das Rohr 8 in das Abflussrohr 10 ab.
Das erwärmte künstliche Fruchtwasser fliesst ständig zu. Der dauernde Abfluss des mit Exkrementen verunreinigten künstlichen Fruchtwassers durch die Abflussleitung 5 ge währleistet die Reinhaltung desselben, das übrigens leicht beispielsweise durch vorheriges Aufkochen sterilisiert werden kann. Die Durchleitung von Sauerstoff durch das künstliche Fruchtwasser begünstigt die Hautatmung und auch die Lungenatmung durch die an der Wasseroberfläche auftretende erhöhte Sauerstoffkonzentration.
Zur Verhinderung von Bewegungseinschränkungen einerseits und anderseits, um die Gefahr des Ertrinkens des Kindes zu bannen, wird zweckmässig eine zweiteilige, aufklappbare und schliessbare Halskrause, z. B. aus Kork, als Haltemittel verwendet.
Zum Festhalten des in der Flüssigkeit schwimmenden Körpers kann derselbe in beliebiger Weise durch im Behälter angeordnete Einlagen, Verschnürungen, Schwimmmatratzen und dergleichen unterstützt werden.
Selbstverständlich kann durch Anbringung von Sicherungen beliebiger Art dafür gesorgt werden, dass ein gegebenenfalls durch Verstopfen des Abflussrohres eintretendes unzulässiges Ansteigen der Flüssigkeit im Behälter oder eine unzulässige Erwärmung der Luft oder der Flüssigkeit selbsttätig akustisch oder optisch angezeigt wird.
In den Rahmen der Erfindung fallen auch derartige Einrichtungen, bei welchen die einzelnen Wasserbetten nicht durch getrennte Glasglocken nach aussen abgeschlossen sind, sondern bei welchen auch mehrere oder alle Wasserbetten in einem gemeinsamen bezüglich der Temperatur entsprechend regulierten grösseren Luftraume untergebracht sind.
PATENTANSPRUC1R :
Einrichtung zur Aufzucht von Frühgeburten, dadurch gekennzeichnet, dass zur Aufnahme der Frühgeburt ein Behälter (1) vorgesehen ist, der mit einer in physikalischer und chemischer Hinsicht bezüglich Temperatur, spezifischen Gewichtes und Einwirkung auf die Haut dem natürlichen Fruchtwasser möglichst ähnlichen Flüssigkeit (2) gefüllt ist und eine Halteeinrichtung (22) für die Frühgeburt (x) aufweist.