Verfahren zum Walzen von Leichtmetallen. Die für die Blechherstellung verwendeten Legierungen auf Aluminiumbasis, im beson deren jene der Gattung Al-Cu-Mg, werden, wie dies auch von der Schwermetallverarbei tung seit langem bekannt ist, meist zunächst warmgewalzt, woran sich von einer gewissen Dicke an meist eine Kaltwalzung anschliesst. (Vergleiche z. B. A. v.
Leerleder, Technolo gie des Aluminiums und seiner Leichtmetall- legierungen, Leipzig, 1935, Seite 141 ff.) Das warmgewalzte Material dient in der Re gel als Vormaterial für das Kaltwalzen.
Es ist daher erwünscht, dass der Werkstoff nach dem Warmwalzen soweit als irgend möglich entfestigt und damit möglichst gut verform bar ist. Am Ende des Warmwalzens vor dem Kaltwalzen sowie auch während des Kalt walzens bei bestimmten Zwischenstärken wer den Weichglühungen vorgenommen.
Die Warmwalztemperatur wurde immer so gewählt, dass eine möglichst gute Verform barkeit des Werkstoffes beim Warmwalzen erreicht wurde. Wenn im Laufe des Walzens die Temperatur so weit sank, dass' die Ver- formbarkeit nicht mehr genügte, und daher in unzulässigem Masse Kantenrisse eintraten, wurde das Walzen unterbrochen: und der Werkstoff neu angewärmt. Nach Leerleder a. a. 0.
Tabelle 29, Seite 138, sind die tief sten Temperaturen, bei denen bisher eine Warmwalzung noch üblich war, bei Bein- aluminium 280 , bei Legierungen der Gat tung Al-Mg-Si 400 , bei solchen der Gattung Al-Cu-Mg 360 und bei solchen der Gattung Al-Mg-Mn 350 . Bei der Wahl der Warin- walztemperatzzr wurde also ausschliesslich Rücksicht auf den Warmwalzvorgang selbst genommen.
Es wurde nun gefunden, dass das Walzen bei bestimmten Temperaturen sehr ausge prägte Wirkungen auf das technologische Verhalten in späteren Verarbeitungsstufen hat. Es hat sich vor allem gezeigt, dass die Weichheit des Werkstoffes, die durch ein Weichglühen nach dem Warmwalzen erreicht werden kann, in sehr starkem Masse von der Walztemperatur abhängig ist.
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Walzen von Leichtmetallen, insbesondere Aluminiumlegierungen der Gat tung Al-Cu-Mg, das dadurch gekennzeichnet ist, dass mindestens die letzten Stiche vor dem Weichglühen bei Temperaturen unter 250 C vorgenommen werden und dass danach weich geglüht wird.
Es wurde gefunden, dass man zur Her stellung warmgewalzter Platten aus Alumi- niumlegierungen, insbesondere aus Al-Cu-Mg- Legierungen, mit möglichst guter Verform barkeit mindestens die letzten Stiche bei Temperaturen von nicht wesentlich über 200 C vornehmen darf und dass danach eine Weichglühung zu guter Verformbarkeit führt.
Es ist möglich, wenn die Verformbarkeit des betreffenden Werkstoffes dies zulässt, das Warmwalzen im wesentlichen bei diesen Temperaturen durchzuführen. Es ist jedoch auch möglich, die Warmwalzung bei den üblichen höheren Temperaturen zu beginnen und nur die letzten Stiche bei einer Tempera tur unter 250 C vorzunehmen, wobei vor den letzten Stichen mit an sich bekannten Mit teln eine Abkühlung der Platten auf Tempe raturen von höchstens 200 C vorgenommen wird.
Praktisch wird man so vorgehen, dass die bekannten hohen Warmwalztemperaturen etwa für das Abwalzen von 150 bis auf 5 mm Blechdicke beibehalten werden und das Ein halten einer Temperatur unter 250 C auf die Abwalzung von 5 mm auf 2 mm be schränkt bleibt. Es ist jedoch auch möglich, das Gebiet der Abwalzung bei den erfin dungsgemässen Temperaturen zu vergrössern oder zu verkleinern.
Die letzten Walzstiche vor dem Weich glühen müssen nicht bei einer Temperatur von 200 C vorgenommen werden. Es ist viel mehr auch möglich, im Anschluss an die Warmwalzung bei üblichen Temperaturen vor der Weichglühung eine Kaltwalzung einzuschalten, wobei diese zweckmässig mit einer mindestens 30%igen Abnahme erfolgt. Erst im Anschluss an eine solche Kalt- walzung nach der Warmwalzung bei den üblichen höheren Mrarmwalztemperaturen wird dann die Weichglühung vorgenommen.
Es ist nicht zweckmässig, in der bisher üblichen Weise (vergleiche Zeerleder a. a. 0. Seite 1.45) unmittelbar nach dem Warm -walzen bei höherer Temperatur weich zu glühen, da sonst die günstige Entfestigung und gute Verformbarkeit nicht erhalten wird.
Die Auswirkung eines Warmwalzens nicht wesentlich über 200 C bezw. .eines Kalt- walzens in den letzten Stichen vor der Weich- glühung ist. aus den folgenden Vergleichs versuchen zu ersehen.
Eine Aluminiumlegierung mit etwa 4 Kupfer, 0,7% Mangan, 1,0% Magnesium, 0,2% Silizium und 0,4% Eisen wurde bei verschiedenen Temperaturen abgewalzt und bei der Endstärke 8 Stunden bei 350 C weichgeglüht.
Danach wurden aus dem Blech Zerreissstäbe herausgearbeitet und erprobt, wobei folgende Werte erhalten wurden (Mit telwerte aus je sechs Einzelversuchen)
EMI0002.0043
Walz- <SEP> sss <SEP> UB <SEP> 8.10
<tb> temperatur <SEP> kg/mm= <SEP> kg/mm2
<tb> 200 <SEP> C <SEP> 8,1 <SEP> 18,3 <SEP> 19,5
<tb> 20011 <SEP> C <SEP> 7,9 <SEP> 18,7 <SEP> 19,7
<tb> 250 <SEP> C <SEP> 12,0 <SEP> 20,3 <SEP> 15,7
<tb> 350<B>0</B> <SEP> C <SEP> 12,3 <SEP> 20,5 <SEP> 15,3 Man sieht daraus, dass eine ausreichende Weichglühung nur zu erzielen ist, wenn die Walztemperatur nicht -wesentlich über 200 C, jedenfalls aber noch unter 250 C, liegt.
Da man normalerweise trachten wird, die Walz- temperatur möglichst nicht unter 300 C sin ken zu lassen, hat es sich als zweckmässig erwiesen, das Walzgut erst vor den letzten Stichen durch an sieh bekannte Mittel, z. B. durch Brausen, auf die gewünschte Tem peratur abzukühlen. Eine genaue Einhal tung bestimmter Walztemperaturen ist bei den neu entwickelten stärkeren und besser durchgebildeten Walzgerüsten möglich, bei denen erheblich kürzere Totzeiten und grö ssere Stichabnahmen eingehalten werden kön nen als bei den früher üblichen Walzgerüsten.
In ähnlicher Weise, wie es das Beispiel für eine Al-Cu-1VIg-Legierung gezeigt hat, verhalten sich alle wichtigen technischen Aluminiumlegierungen.