Verfahren zur Herstellung von Düngemitteln. Die Erfindung betrifft. ein Verfahren zur Herstellung von Düngemitteln aus Mischun- gen, die Müll (Haus- und Strassenkehricht) und Fäkalien enthalten.
Es sind eine ganze Reihe von Verfahren zur Verarbeitung von Müll und Fäkalien zu Düngemitteln bekannt. So wird z. B. nach einem älteren Verfahren Kehricht, dem etwas Kalk zugemischt wird, mit Fäkalien im Verhältnis von 1 : 3 gemischt und die Mi schung durch etwa 10 bis 14 Tage der Selbst gärung überlassen.
Es ist ferner bekannt, organische Abfälle jeder Art. unter kräftiger Luftzufuhr zu vergären, wobei das Material während dieser Behandlung in losem Zu stand gehalten wird. Nach einem anderen vorbeschriebenen Verfahren werden zur Ge- winnung einer Impferde Haus- und Strassen kehricht und ähnliche Abfälle zerkleinert, ge mischt und mit kohlensaurem Kalk und Fäkalien vermengt, worauf man diese Mi schung einem Lufttrocknungs- und Reifungs- verfahren unter Durcharbeiten unterwirft,
dann mit einer Auswahl von bodennützlichen Edaphonbakterien beimpft und neuerdings mischt. Schliesslich ist vorgeschlagen worden, zur Herstellung eines Naturdüngers Humus Reinkulturen besonderer Arten von Boden organismus zuzusetzen, den Humus reifen zu lassen und die Erde von dem hierdurch erhaltenen Impfbeet, die an den der Rein kultur entstammenden Organismen ange reichert ist, in ein Beet von Humus zu über- bringen,
dessen angereicherte Erde nach der Reifung gemeinsam mit einer Mischung von Müll und Fäkalien sowie gegebenenfalls zer kleinerten Knochen und /oder Kalksteinmehl reifen gelassen wird, wobei zwischen Impf- und Mutterbeet gegebenenfalls ein oder mehrere Zwischenbeete durch Überbringen der angereicherten Erde vom Impfbeet auf ein Zwischenbeet und von diesem fallweise auf weitere Zwischenbeete, jeweils nach durchgeführter Reifung, eingeschaltet wer den.
Die bisher bekannten Verfahren zur Herstellung von humusartigen Düngemitteln haben jedoch den Nachteil, dass entweder der Aufschluss des organischen -Nlaterials nur sehr unvollständig ist oder da.ss die Reifung des Düngers eine sehr geraume Zeit, meistens 6 Monate oder noch länger, in Anspruch nimmt.
Ferner ist es bekannt, Düngemittel aus organischen Abfallstoffen, Müll oder dergl. in der Weise herzustellen, dass man die Ausgangsstoffe in zwei aufeinanderfolgenden Phasen, und zwar einer anaeroben und einer aeroben, unter Zusatz von gesondert ge züchteten entsprechenden Bakterienkulturen einer Fermentation unterwirft. Zu diesem Zwecke werden die Ausgangsstoffe in der ersten Phase in geschlossenen Kammern un ter weitgehendem Ausschluss von Sauerstoff vergoren, während in der zweiten Phase absatzweise in die gleichen Kammern er wärmte und vorzugsweise ozonisierte Luft eingeblasen wird.
Zwecks Hintanhaltung einer unerwünschten Azidität werden den Ausgangsstoffen erforderlichenfalls alkalische Stoffe, wie Kalk, basische Schlacken, Kal- ziumphosphat oder dergl. zugesetzt.
Die vorliegende Erfindung gestattet, in verhältnismässig kurzer Zeit einen weitge- hendst aufgeschlossenen organischen Dünger aus Müll (Haus- und Strassenkehricht) und Fäkalien zu gewinnen und bietet ferner die Möglichkeit, ein Dimgemittel mit einem hohen Gehalt an wurzellöslicher Phosphor säure zu erhalten.
Das Verfahren gemäss der Erfindung zur Herstellung von Düngemitteln aus Mischun gen, die Fäkalien und Müll (Haus- und Strassenkehricht) und gegebenenfalls Zusätze mineralischer Stoffe enthalten, ist dadurch gekennzeichnet, dass man die feuchte Masse zunächst in Stapeln der Selbsterhitzung über lässt, worauf man bei Absinken der Tempe ratur diese zeitweise durch Einblasen von Luft wieder steigert und diese zeitweise Be handlung mit Luft bis zur Ausreifung des Düngers fortsetzt.
Bei der Selbsterhitzung (Selbstgärung) der adsorptiv mit Feuchtig keit mehr oder minder gesättigten, ziemlich porösen Masse, die zu Beginn z. B. etwa 40 bis 60% Wasser enthält, findet sehr bald eine Steigerung der Temperatur auf etwa 50 bis 60 C statt.
Die Innentemperatur der Stapel hält sich ungefähr durch 14 Tage auf dieser Höhe, worauf durch Abnahme der aeroben Bakterientätigkeit die Temperatur im Innern der Stapel zu sinken beginnt. Nun mehr wird im Rahmen des Verfahrens gemäss der Erfindung durch zeitweiliges Einblasen bzw. Einpressen von atmosphärischer Luft, z. B. vermittels in die Stapel einstechbarer Rohre mit Düsenenden, die Temperatur von Zeit zu Zeit wieder erhöht.
Nach der Anlauf periode findet also in dieser Weise ein wieder holtes Absinken der Temperatur, gefolgt von einer neuerlichen Temperaturerhöhung unter der Einwirkung zugeführter Frischluft statt, wodurch der Reifeprozess sehr erheblich be- schleunigt und gefördert wird. Der Reife prozess ist beendet sobald der charakteri stische Erdgeruch, durch Entwicklung des Actinomyces Odorrifer verursacht, verstärkt auftritt.
Die Gesamtdauer der Düngerberei tung bis zur vollen Reife (Stickstoff Kohleir- stoff-Verhältnis etwa<B>1:10)</B> nimmt im allge meinen nicht viel mehr als 4 bis 8 Wochen in Anspruch, so dass im Vergleich mit be kannten Reifungsverfahren eine erhebliche Zeitersparnis erzielt wird. Der nach dem Verfahren gemäss der Erfindung gewonnene Dünger enthält eine natürliche Auswahl der von Natur aus in den verwendeten Ausgangs stoffen vorhandenen Mikroorganismen in ausreichender Zahl.
Die Verwendung von Reinkulturen von Bakterien zwecks Impfung oder Vermehrung in Mutter- oder Impfbeeten ist bei dem Verfahren gemäss der Erfindung unnötig, wodurch auch der Arbeitsaufwand verringert ist. Nach einer bevorzugten Ausführungs form werden der Mischung vor ihrer Selbst erhitzung mineralische Rohphosphate in Pul verform zugesetzt. Es hat sich bei wieder holten Versuchen gezeigt, dass im Zuge der geschilderten Behandlung die Rohphosphate zu einem sehr erheblichen Teil in wurzel lösliche (zitronensäurelösliche) Phosphorver bindungen übergeführt werden. Die Menge der zugesetzten Phosphate kann in weiten Grenzen variieren, z.
B. zwischen 5 und 200/ /01
EMI0002.0060
<I>Ausführungsbeispiel:</I>
<tb> Mischung: <SEP> Auf <SEP> eine <SEP> Korngrösse <SEP> von
<tb> 30 <SEP> mm <SEP> gesiebter <SEP> Müll <SEP> (Haus- <SEP> und
<tb> Strassenkehricht) <SEP> <B>70-/,</B>
<tb> Fäkalien <SEP> 15
<tb> Mineralische <SEP> Rohphosphate <SEP> 15%
<tb> Wassergehalt <SEP> der <SEP> Rohmischung <SEP> 48%
<tb> Raumgewicht <SEP> je <SEP> m3 <SEP> 945 <SEP> kg Diese gut durchgemischte Rohmasse wird auf Stapeln in 2 m Breite und 1,5 m Höhe in beliebiger Menge regengeschützt aufge schüttet.
EMI0003.0001
<I>Te ape-raturverlauf</I> <SEP> und <SEP> <I>Luftzufuhr:</I>
<tb> 1. <SEP> Tag <SEP> 28 <SEP> C' <SEP> 24. <SEP> Tag <SEP> 45 <SEP> C <SEP> Frischluftzufuhr <SEP> je <SEP> m3
<tb> . <SEP> Tag <SEP> 33 <SEP> C <SEP> Stapelmasse <SEP> 5 <SEP> m3 <SEP> Luft
<tb> 3. <SEP> Tag <SEP> 38 <SEP> C" <SEP> ?:
<SEP> . <SEP> Tag <SEP> 46 <SEP> C
<tb> 4. <SEP> Tag <SEP> 43' <SEP> C <SEP> 26. <SEP> Tag <SEP> 46' <SEP> C
<tb> 5. <SEP> Tag <SEP> 46 <SEP> <B>C</B> <SEP> 27. <SEP> Tag <SEP> 51 <SEP> C
<tb> 6. <SEP> Tag <SEP> 51 C.' <SEP> :.29. <SEP> Tag <SEP> 50 <SEP> C
<tb> B. <SEP> Tag <SEP> 50 <SEP> C' <SEP> 30. <SEP> Tag <SEP> 49 <SEP> C
<tb> 9. <SEP> Tag <SEP> 50 <SEP> <B>C</B> <SEP> 32. <SEP> Tag <SEP> 48 <SEP> C'.
<tb> <B>10.</B> <SEP> Tag <SEP> 51 <SEP> C', <SEP> 33. <SEP> Tag <SEP> 49 <SEP> C
<tb> 11. <SEP> Tag <SEP> 52 <SEP> C <SEP> 34. <SEP> Tag <SEP> 48 <SEP> C
<tb> 1.2. <SEP> Tag <SEP> 52 <SEP> C <SEP> 35. <SEP> Tag <SEP> 46 <SEP> C
<tb> 13. <SEP> Tag <SEP> 54 <SEP> C <SEP> 37. <SEP> Tag <SEP> 38 <SEP> C_' <SEP> Entnahme <SEP> einer <SEP> Probe <SEP> zur
<tb> 15. <SEP> Tag <SEP> 53 <SEP> <B>C</B> <SEP> Analysierung <SEP> (Erdgeruch)
<tb> 16.
<SEP> Tag <SEP> 55 <SEP> C <SEP> Frischluftzufuhr <SEP> je <SEP> rn3
<tb> 17. <SEP> Tag <SEP> 56 <SEP> <B>C</B> <SEP> Stapelmasse <SEP> 5 <SEP> m3 <SEP> Luft.
<tb> 18. <SEP> Tag <SEP> 50 <SEP> C <SEP> 38. <SEP> Tag <SEP> 35 <SEP> C
<tb> 19. <SEP> Tag <SEP> 49 <SEP> C <SEP> 39. <SEP> Tag <SEP> 34 <SEP> <B>C</B>
<tb> 20. <SEP> Tag <SEP> 47 <SEP> <B>'</B> <SEP> 40. <SEP> Tag <SEP> 32 <SEP> C
<tb> 22. <SEP> Tag <SEP> 47' <SEP> <B>C</B> <SEP> 41. <SEP> Tag <SEP> <B>19"</B> <SEP> C
<tb> 23. <SEP> Tag <SEP> 45 <SEP> C.' <SEP> 42. <SEP> Tag <SEP> 18 <SEP> C <SEP> Lufttemperatur Der in dieser Weise voll ausgereifte Dün ger kann nunmehr der Verwendung zuge führt werden.
Eine typische Analyse des fertigen Dün gers ist beispielsweise folgende Das durch Siebe mit 14 mm Maschen weite gesiebte Fertigprodukt hat eine Was serkapazität von 9511/ und ein Raumgewicht je m3 von<B>720</B> kg.
EMI0003.0004
<I>Analyse:</I>
<tb> Wassergehalt <SEP> <B>28,20/,</B>
<tb> Organische <SEP> Substanz <SEP> 20,4%
<tb> Humus <SEP> 12,2%
<tb> Humus <SEP> colorim. <SEP> 0-1
<tb> Kohlenstoff <SEP> <B>-"10/</B> <SEP> ;ö
<tb> Gesamt-Stickstoff <SEP> <B>0,760'</B>
<tb> Ammoniak-Stickstoff <SEP> <B>0,130'/</B>
<tb> Stickstoff:
<SEP> Kohlenstoff <SEP> 1:9,3
<tb> Kaliumoxyd <SEP> <B>0,50A)</B>
<tb> Gesamt-Phosphorsäure <SEP> 0 <SEP> , <SEP> ü
<tb> Zitronenlösliche <SEP> Phosphorsäure <SEP> 4,10/
<tb> Wasserlösliche <SEP> Phosphorsäure <SEP> Spuren
<tb> Kalziumoxyd <SEP> 1. <SEP> 2, <SEP> 2 <SEP> ";
<tb> Magnesiumoxvd <SEP> 1,5 .ö
EMI0003.0005
Gesamt-SO, <SEP> 3,55
<tb> Wasserlösl. <SEP> S04 <SEP> 1,6%
<tb> Wasserlösliche <SEP> Chloride <SEP> 0,28%
<tb> Eisen- <SEP> und <SEP> AI-Oxyd <SEP> 8,6%
<tb> Säureunlösliche <SEP> Bestandteile <SEP> 42,3%