Feuerwaffe <B>mit Munition.</B> Die vorliegende Erfindung bezieht sieh auf eine Feuerwaffe mit Munition, wobei eine Verminderung des Rückstosses der Waffe beim Feuern bezweckt wird, so dass die Waffe unter Benutzung schwerer Gesehosse ohne Unbehaglichkeit und Beeinträchtigungen bzw. Verletzung des Schützen von der Schulter betätigbar ist. Es sollen auch Artillerie- und Sehiffsgesehütze von sehr leicht gebauten Lafetten mit einem Minimum von Beanspru chung des Deckes oder Schiffsrumpfes abge feuert werden können.
Die Feuerwaffe mit Munition gemäss vor liegender Erfindung zeichnet sieh dadurch aus, dass die Feuerwaffe eine die Treibladung aufnehmende Kammer aufweist, die mit min destens einer nach rückwärts gerichteten Austrittsöffnung in Verbindung steht, und deren Volumen grösser als das Volumen der Treibladung ist, so dass bei geladener Waffe ein als Gasbehälter dienender freier Raum übrigbleibt, von welchem ein Teil der beim Abschuss entstehenden Gase zur Erzielung einer den Rückstoss vermindernden Reaktion durch die Austrittsöffnung nach hinten ent weichen kann, ferner dadurch gekennzeich net, dass die Ladung in einer Hülse angeord net ist, die mit :
dem genannten freien Raum spätestens bei der Abfeuerung korrespondie rende Verbindungsöffnungen aufweist.
Ausführungsbeispiele des Erfindungsgegen standes sind in der beiliegenden Zeichnung dargestellt. Die Fig. 1 bis 7 zeigen eine 1,9zöllige Anti- Tankwaffe gemäss der Erfindung, wobei Fig. 1 einen Längsschnitt durch den Vor derteil der Waffe darstellt, während Fig.2 einen Längsschnitt durch den hin- tern Teil der gleichen Waffe zeigt.
Fig. 3 ist eine Endansicht bei geschlos senem Verschluss udd- abgenommener Gasent- ladungsdüse.
Fig. 4 ist eine Endansicht bei offenem Verschluss, wovon ein Teil weggebroehen ist. Fig.5 ist eine Endansicht. bei weggelas senem Verschluss und teilweise im Quersehnitt. Fig. 6 zeigt die Zündvorrichtung in Detail darstellung und vergrössertem Massstab.
Fig.7 ist eine Detailansicht. der Auszieh vorrichtung.
Fig. 8 zeigt schematisch einen Längsschnitt durch eine Ausführungsform der Waffe mit. einer andern Anordnung des Patronenlagers.
Fig. 9 zeigt in Einzeldarstellung den Ver- schluss und die Peuerungsvorrichtung einer 31%zö1ligen rückstossfreien Waffe mit niedri ger Schussgesehwindigkeit gemäss der Erfin dung.
Fig. 10, 11 und 12 zeigen Einzelheiten der Ausziehvorrichtung, wobei die Fig.11 und 12 die St^elhingen :der Teile bei geschlossenem bzw. geöffnetem Verschluss zeigen.
Bei der in Fig.1 bis 7 .der Zeichnungen dargestellten, beispielsweise 1,9zölligen Waffe besteht der Lauf 1 aus einem Stahlrohr, wel ches eine glatte oder vorzugsweise gedrallte Bohrung aufweist. Am hintern Ende des Lau fes 1 ist das Treibladungslager 2 angeordnet, mit welchem ein hohles Verschlussstück 3 ver bunden ist, das eine rückwärtige und koaxial zum Waffenlauf angeordnete Verlängerung des Treibladungslagers2 bildet.
Das Verschluss- stück 3 ist drehbar in einem Träger 4 gelagert, der um eine quer zur Laufaxe stehende Achse 5 vom hintern Ende .des TreibTadungslagers 2 weggeschwenkt werden kann.
Das hintere Ende des Verschlussstüekes 3 weist eine in der Axe der .Feuerwaffe angeordnete Gas austritts5ffnung auf, welche im Innern des Verschlussstüdkes 3 gedeckt ist durch ein per- foriertes Organ 6, das in seinem Innern ein verstellbares Ventilglied 8 aufweist. Dieses kann zum Regulieren der effektiven Grösse der Gasaustrittsöffnung auf- und zugeschraubt werden.
An die erwähnte öffnung ist aussen eine trichterförmige Gasexpansions'düse 7 an geschlossen, mit welcher übermässige Streuun gen der Gasentladung vermieden werden.
Das Versch,lussstück 3 ist so eingerichtet., dass es in seinem Träger 4 durch einen Hand griff 9 gedreht werden kann; das Verschluss- stück 3 weist zur Verriegelung mit,dem Maul des Treibladungslagers 2 ein unterbrochenes Schraubengewinde auf, das in ein entspre chendes Innengewinde .des Treibladungslagers einschraubbar ist.
Der Handgriff 9 ist mit einem Sperrgriff 10 versehen, und wenn die ser betätigt wird, kann das Versehlussstück 3 im Träger 4 in eine Stellung gedreht werden, in welcher .die unteArochenen Schrauben gewindeteile entkuppelt werden, damit das VersehTussstück 3 durch eine Winkelbewegung von dem Treibladungslager 2 in die in Fig.4 gezeigte Stellung geschwenkt werden kann.
Am vordern Teil des Laufes ist ein Pisto lengriff 11 angeordnet, mit dem ein Abzug 12 in Verbindung steht, der einen Sicherungs hebel 12ä aufweist. Bei Druck auf den Abzug zieht dieser an einer Stange 13, die mit einer Zündvorrichtung in Verbindung steht.
Nahe hinter dem Griff 11 ist eine gekrümmte Schulterstütze 14 (Fig.2) angeordnet, und zwar an einer derartigen Stelle, dass der Schwerpunkt der Waffe vertikal über den Anschlagpunkt an der Schulter des Schützen zu liegen kommt. Dies ist ein wichtiges Merk mal für den Anschlag im Hinblick auf die leichte Handhabung und Betätigung der Waffe, was im Falle von schweren Waffen, wenn der Gewichtsschwerpunkt vor der Schulter liegt, eine .Schwierigkeit 'darstellt. Die Anordnung und Lage der Schulterstütze 14 hat infolgedessen einen 'bedeutenden Ein fluss auf die Handhabung der Waffe.
Die Stange 13 erstreckt sich unter dem Lauf und innerhalb einer -lIetalldeekp'latte 15 und ist am Verschlussende mit einem Schwenkhebel 16 verbunden. Der .Schwenkhebel 16 (Fig. 6) weist eine Nase 17 auf, die, wenn der Hebel 16 durch die Stange 13 geschwenkt ist, gegen einen Stift 18 eines schwenkbar gelagerten Fang hebels 19 anschlägt, dessen Schwanzende durch eine Feder 20 niedergedrückt wird. Die Nase 21 ,des Hebels 19 arbeitet hierbei mit dem Kopf 22 der Abzugsstange 23 zusam men, wenn die Zündvorrichtunggespannt ist (wie gezeigt).
Die Abzugsstange 23 trägt eine Mutter 24 und ist in einem Gehäuse 13a: von einer Fe der 2-5 umgeben, welche zwischen einer festen Schulter und der Mutter 24 angeordnet -ist.. Wenn die Abzugsstange 23 durch Nieder drücken des Fanghebels 19 durch den Hebel 16 freigegeben wird, bewegt sie sich unter dem Druck der Feder 2'5 nach hinten, wobei ihr Kopf 22 gegen das Ende des Schwenk hebels 26 anschlägt, dessen anderes Ende mit dem Ende des Schlagbolzens 27 zusammen arbeitet, dessen Zündspitze 28 gegenüber dem Zündhütchen der in die Patronenkammer 2 der Waffe geladenen Patrone angeordnet ist.
Der Schwenkhebel 16 hat noch einen wei teren Arm mit einer Nase 29, die in eine Aus- nehmung 30 des Versehlussstückes 3 hinein ragt, wenn der Hebel 16 zwecks Freigabe des Schlagbolzens 27 geschwenkt wird, so dass beim Feuern das Verschlussstück 3 zwang läufig gegen Drehung im Träger 4 zusätzlich zu der .Sperrung durch den Sperrgriff 10 verriegelt ist. Die Abzugsstange 23 wird durch das öff nen des Verschlusses in die Stellung nach Fig.4 automatisch nach vorn in ihre Sperr lage gemäss Fig.2 verschoben.
Dies erfolgt durch einen U-förmig ausgebildeten Bügel 23b, dessen Schenkel bei 23a schwenkbar ge lagert sind, während der Steg des erwähn ten Bügels 23b (Fig. 6) das hintere Ende der Abzugsstange 23 umfasst. Beim Feuern geht die Abzugsstange 23 bis zum Zusammentreffen mit dem Steg des Bügels 23b zurück; sobald der Verschluss geöffnet ist, wird die Stange 23 relativ zum Verschliissstüek 3 nach vorn verschoben, bis die Nase 21 des Hebels 19 den Kopf 22 der Stange 23 hintergreift.
Die Abzugsstange 23 kann gegen Rück- wärtsbewegung durch einen schwenkbaren Sichernrirshebel 23e (Fig.2) gesichert wer den.
Die Ausziehvorriehtung ist zum besseren Verständnis in den Fig. 2 bis 6 nicht gezeigt, hingegen in Fig. 4 und im Detail in Fig. 7. In -einer Ausnehmung der Kante des Treib ladungslagers 2 unter dem Rand 'der Treib ladungshülse ist eine teilweise kreisbogen förmige Ausziehgabel 31 mit zwei kurzen Armen 36 angeordnet, die um eine Achse 32 schwenkbar sind. Die Nabenteile der beiden Arme 36 weisen vorspringende Nasen 33 auf, die mit den Enden von Noekenhebeln 34 zu sammengreifen..
Die Hebel 34 sind um die Achse 5 schwenkbar, die durch Arme 35 (Fig.3 bis 5) am Treibladungslager 2 gela gert ist. Der Träger 4 ist ebenfalls um die Achse 5 schwenkbar, auf welcher er durch Arme 37 gelagert ist.
An den äussern Seiten der Nabenteile der Hebel 34 sind gemäss Fig. 7 Zähne 38 angeordnet, während an den innern Seiten der Arme 37 Anschläge vor handen sind, die, wenn der Verschluss voll ständig offen ist, gegen die Zähne 38 an .schlagen, wodurch die Hebel 34 plötzlich ge dreht werden, so dass ihre Nasen infe1ge Zu sammengriffes mit den Nasen 33 am Auszieh hebel 36 eine plötzliche Schwenkung des Aus- ziehers 31 aus der Ausnehmung veranlassen,
wobei die Treibladungshülse gewaltsam aus ihrem Lager 2 ausgezogen wird. Bei der beschriebenen Feuerwaffe gelangt eine Treibladungshülse zur Verwendung, die im wesentlichen -die Form eines Kegelstumpfes hat und eine verhältnismässig starke Seiten wandung aufweist, während ihre Stirnenden durch dünne Wände abgeschlossen sind, zum Beispiel aus Metallfolie, die. beim Zünden der Ladung leicht zerstörbar sind oder verdamp fen.
Solehe Endwandungen können in ihrer Lage gehalten und verstärkt werden durch Endglieder, welche aus Umfassungsringen mit einer Anzahl von radialen Spreizarmen bestehen, welehe im Mittelpunkt des Ringes vereini b sind.
Die Treibladungshülse findet beim Laden der Waffe im konischen Lager 2 Platz. Das Volumen der Treibladung ist, bedeutend klei ner als die durch die Innenräume des Pa tronenlagers 2 und des Versehlugstüekes 3 gebildete Kammer der Waffe. Hinter der Treibladung-, beim beschriebenen Beispiel im Innern des Verschlussstüekes 3, bleibt daher bei der geladenen Waffe ein als Gasbehälter dienender freier Raum übrig, der über die nach rüekwärts gerichtete und durch .das Ventil 8 beherrschte Gasaustrittsöffnung mit der Atmosphäre in Verbindung steht.
Bei geladener Waffe befinden sich deren Elemente der Zündvorrichtung vor dem Ab feuern in der in Fig. 6 bezeigten Lage. Wird der Abzug 12 betätigt, so bewegt sich die Stange 13 nach vorn (in Fig. 1, 2 und -6 nach links), wodurch eine Schwenkung des Hebels 16 um die Achse 5 hervorgerufen wird: Mit tels des -Stiftes 18 schwenkt die Nase 17 des Hebels 16 den Fanghebel 19 entgegen der Wirkung der Feder 20 so, dassdessen Nase 21 den Kopf 22 der Abzugsstange 23 frei gibt.
Unter der Wirkung der Druckfeder 25 sehnellt die letztere dann in Fig.2 und 6 nach rechts, wobei ihr Kopf 22 gegen das eine Ende des Schwenkhebels 26 anschlägt, wodurch dessen anderes Ende den Schlag= bolzen 27 in Fig. 6 nach links gegen das Zünd hütchen der 'Treibladung schlägt.
Bei der Verbrennung der Treibladung ent- wiekeln sich Gase, die einerseits das im hin- tern Ende du Laufes 1 steckende Geschoss durch den Lauf nach vorn treiben und ander seits .in das Verschlussstück 3 eintreten und zum Teil durch die Perforationen des Or ganes 6 zu der Gasaustrittso-ffnung gelangen und durch die trichterförmige Expansions düse 7 nach hinten ins Freie entweichen, wodurch eine den Rückstoss vermindernde Reaktion erzielt wird.
Nach dem Abschuss wird das Verschluss- stück im Träger 4 mittels des Handgriffes 9 in seiner Ebene so weit gedreht, dass das Ver- sehlussstüek 3 mitsamt. dem Träger 4 gemäss Fig.4 um die Achse 5 vom Treibladungs- lager 2 weg nach unten geschwenkt werden kann.
Hierbei gelangen an den Armen 37 des Trägers 4 vorhandene Anschläge mit den Zähnen 38 'der Hebel 34 (Fig.7) zum An schlag, wodurch die Hebel 34 um die Achse 5 eine kleine Schwenkung in Fig.7 im Uhr zeigersinn ausführen und dabei die Auszieh hebel 36 betätigen, so dass die leere Treib- la.dungshülse nach hinten aus ihrem Lager 2 ausgezogen wird.
Bei der Schwenkung des Verschlussstückes 3 nach unten erfährt die Abzugsstange 23 mit. Hilfe des Bügels 23b eine axiale Verschie- bung entgegen der Wirkung der Feder 2,5, so dass beim erneuten Schliessen des Verschlusses die Nase 21 des F'a.nghebels 19 den Kopf 22 der Abzugsstange 23 wieder hintergreifen 'kann. Die Abzugsvorrichtung ist dann für eine erneute Zündung bereit, so dass ohne Verzug ein weiterer Abschuss mit Hilfe der Waffe erfolgen kann, sofern eine neue Treib ladung in das offenstehende Lager 2 einge setzt worden ist.
Das perforierte Organ 6 verhindert, dass irgendein Teil der Treibladung im unver- brannten Zustand aus dem Verschlussstück ausgestossen wird und dient ferner dazu, einen Zwischenraum vor der Gasaustrittsöffnung aufrechtzuerhalten, um auf diese Weise einen freien Zugang der Gase zur Gasaustrittsöff- nung zu gewährleisten.
Das Mass, bis zu welchem der Laufrüek- stoss eliminiert wird, hängt von den relativen Flächen der Gasaustrittsöffnung einerseits und der Laufquerschnittsfläche anderseits ab. Dieses Verhältnis kann beherrscht werden durch Verstellung des Ventils 8, welches durch ein Werkzeug, wie zum Beispiel einen Sehrau- bernzieher, durch die trichterförmige Expan sionsdüse 7 hindurch verstellt -werden kann.
Wird das Ventil 8 so verstellt, dass der Flä chenquerschnitt der Gasaustrittsöffnung an genähert 66<B>%</B> der Laufquersehnittsfläche be trägt, so wird der Laufrückstoss praktisch vollständig eliminiert. Im vorliegenden Falle, -wenn die Waffe zum Sehiess-en von der Schulter eingerichtet ist., wird das Ventil 8 so eingestellt, dass eine völlige Aufhebung des Rückstosses erfolgt.. Wird hingegen die Waffe so eingerichtet, dass sie als Maschinengewehr wirken soll, so wird sie auf einer Lafette mon tiert und hierbei das Ventil 8 so verstellt, dass noch ein Rückstoss erfolgt, der genügt, um die automatische Lade- und Zündvorrich tung zu betätigen.
Im allgemeinen ist die Durchgangsfläche der Gasentladungsdüse im Verhältnis zur Quersehnittsfläche des Laufes so gross, dass mindestens 50 Volumenprozent der Gase nach rückwärts entweichen.
Durch Drosseln der Gasaustrittsöffnung erfolgt eine Verstärkung des Laufrückstosses, aber gleichzeitig auch eine Erhöhung des wirk samen Druckes auf das Geschoss, woraus sieh eine höhere Mündungsgeschwindigkeit und grössere Schussweite bzw. Durchsch'lagungs- kraft des Geschosses ergibt, wobei gewünseh- tenfalls ein bestimmter Grad von Anpassung der taktischen Leistungsfähigkeit der Waffe erreichbar ist.
In vielen Fällen kann das Mündungsende der Waffe in an sich bekannter Weise über einen kurzen Teil seiner Länge perforiert sein, so dass die dem Geschoss folgenden Gase seitlich in einem gewünschten Grade entwei chen können, bevor das Geschoss die Mün dung verlässt. Durch dieses Mittel kann der Gasdruck auf den Boden des Geschosses beim Durchgang des Gases durch den perforierten Teil stufenweise reduziert und, bevor es die .Mündung verlässt, vollständig vernichtet werden.
Dieser perforierte Teil des Laufes ist zweckmässigerweise von einem konischen Man tel 98 (Fig.1) umgeben, welcher an seinem vordern, die Mündung umfassenden Ende offen ist. So kann beispielsweise die Gesamt- fläehe der Mündungsperforationen viermal so gross sein wie die Laufquersehnittsfläche und die Maximalfläche des ringförmigen Raumes zwischen der Laufmündung und dem konischen Gehäuse kann zweimal so gross sein als die Laufbohrungsfläche.
Durch die Perforation des Mündungsstük- kes ergibt sich ohne die Verwendung des Man tels 98 beim Abschuss eine nach vorn gerich tete Reaktion auf den Lauf, die dem Rück stoss entgegenwirkt, so dass, wenn die Quer- sehnittsfläche der Gasaustrittsöffnung 66 1/o der Laufbohrungsquerschnittsfläche beträgt, das Gewehr beim Feuern die Tendenz hat, sich in der gleichen Richtung nach vorn zu be wegen wie das Geschoss.
Wird also das Mittel der Mündungsperforierung angewendet, so muss die Querschnittsfläche der Gasaustritts- öffnung unter 66 % der Laufbohrungsquer- schnit.tsfläche reduziert. werden, um einen vollständigen Ausgleich des Rückstosses zu erhalten.
Wenn anderseits ein Mantel 98 über den Perforierungen verwendet wird, ergibt sieh eine beträchtliche Erhöhung des Rück stosses, so dass es nötig wird, die Querschnitts fläche der (xasaustrittsöffnung zu erhöhen, und zwar über 66 % des Laufbohrungsquer- sehnittes, um den Laufrückstoss auszugleichen.
Fig. 8 zeigt schematisch einen Längsschnitt durch eine abgeänderte Ausbildungsform der Waffe, worin das Treibladungslager 2 nicht. koaxial zur Gewehrachse im hintern Teil des Laufes, sondern seitlich des Laufes liegt. Die Figur zeigt die Treibladungshülse 39 und das Gesehoss 40, nachdem dieses eine kurze Distanz gegenüber seiner Ausgangsstellung vor dem perforierten Organ 6 zurückgelegt hat.
Das Organ 6 hat. die Form eines Hohlkegels, dessen weiteres -Ende die Gasaustrittsöffnung an einem Versehlussdeekel 41 übergreift. An die (*asaustrittsöffnung schliesst eine nach rück wärts gerichtete Expansionsdüse 7 an. Gemäss dieser Konstruktion überdeckt der Verschluss- deekel 41 die Enden sowohl des Treibladungs- lagers als auch des Gesehosslagers. Ist der Versehluss Geöffnet, so werden. die Treib- ladung und das Geschoss Seite an Seite in die Waffe geladen.
Bei geladener Waffe befindet sich hinter dem Geschoss 40 ein zu diesem koaxialer Raum, der mit dem Aussenraum durch die nach rückwärts geriehtete Gasaus trittsöffnung verbunden ist, an welche nach innen das perforierte Organ 6 und nach aussen die Expansionsdüse 7 anschliesst.
Die Seitenwandung der Treibladungshülse ist leicht. zerstörbar oder verdampfbar ausge bildet, aus welchem Grunde die Hülse ver hältnismässig dicke Stirnwandungen und eine zylindrische Seitenwandung aus dünnem Me tall oder aus Folie aufweist, die von im Ab stand voneinander angeordneten, längsverlau- fenden Trägerstücken 42 gehalten und ver stärkt ist, wie dies in Fig. 8 gezeigt ist.
Auch bei diesem Ausführungsbeispiel der Feuerwaffe besitzt die Treibladung ein klei neres Volumen als die Kammer, welche aus den Innenräumen des Treibladungslagers 2, des Verschlussdeckels 41, des Organes 6 und teilweise des Geschosslagers gebildet ist. Bei der Entzündung der Treibladung mit Hilfe einer nicht dargestellten Abzugsvorrichtung wird die dünne Seitenwandung der 'Treib ladungshülse zerstört oder verdampft, so dass die sich entwickelnden Gase sich in der ganzen Kammer ausbreiten können.
Sie wirken wie derum einerseits auf das Geschoss 40 und .ent= weichen anderseits zum Teil durch die Perfo rationen des Organes 6 und die nach rück wärts gerichtete Gasaustrittsöffnung mit. der Gasentladungsdüse 7. Das Geschoss 40 liegt anfänglich unmittelbar vor dem perforierten Organ 6 neben dem Treibladungslager 2. Sobald sieh das Geschoss beim Abfeuern der Waffe nach vorn bewegt, wird das Volumen der Kammer vergrössert.
Gemäss nicht dargestellten Ausführungs varianten zu den beschriebenen Beispielen nach Fig. 1 bis 7 und Fig. 8 können auch min destens zwei Gasaustrittsöffnungen vorhanden sein, die nach hinten gerichtet und symme trisch in bezug auf die Axe der Waffe an geordnet sind.
Die Fig. 9 bis 12 veranschaulichen eine für 3i!zzöllige Kiederdruckwaffen geeignete Bauart zum Abfeuern oder Schleudern von Explosivbomben oder ähnlichen Geschossen, wobei die Waffe zur Verwendung als Schulter waffe oder als Mörser bzw. Minenwerfer ein gerichtet sein kann.
Im Falle einer von der Schulter abzu feuernden Waffe kann der Vorderteil dersel ben im wesentlichen gleich ausgebildet sein wie bei der 1,9zölligen Büchse gemäss den Fig. 1 bis 7, wobei der Verschlussteil in ver grössertem Massstab in Fig. 9 gezeigt ist. Hier bei ist das Verschlussstück 50 in einer Quer ebene zu der Waffenlaufbohrung um eine Hülse 54 schwenkbar, die parallel zu der Laufachse, jedoch seitlich davon liegt.
Das Verschlussstüek wird in der Schliesslage durch einen Sperrstift 43 gehalten, der in den Hohl raum 44 eines Ansatzes 45 in der Wand des Patronenlagers 2 eingreift, aus welchem Hohl raum er durch einen Schwenkhebel 46 weg gerückt werden kann, und zwar .
gegen den Druck einer Feder 47, wobei der Hebel 46 in einem Handgriff 48 schwenkbar ist, durch den das Versehlussstück 50 in die Öffnungs- imd Schliesslage schwenkbar ist. Wird der Hebel 46 betätigt, so bewegt er ebenfalls einen Schieber 49 in eine Stellung, in welcher der Schlagbolzen 51 gegen Bewegung gesperrt ist.
Der Schlagbolzen 51 ist mit einem Schwenk hebel 52 verbunden, der durch eine Feder E53 in eine Stellung gedrückt wird, in der der Schlagbalzen zurückgehalten. wird. Das Ver- schlussstüek 50 ist an der Hülse 54 montiert, die in Lagern am hintern Ende des Patronen lagers 2 drehbar angeordnet ist, und durch einen in eine Umfangsrille eingreifenden Stift 5.1a gegen axiale Verschiebung gesichert ist. Die Hülse 54 ist von einer verschiebbaren Abzugsstange 55 durchsetzt, deren Ende einen Kopf 56 trägt, der mit einer Nase 57 eines Hebels 58 zusammengreifen kann.
Eine starke Feder 59 in einer Hülse 60, die hinter einem Bund der Abzugsstange 55 angeordnet ist, drückt den Kopf 56 der Stange 55 gegen die Nase 57 des Hebels 58.
Der Hebel 58 ist. um einen Bolzen 61 schwenkbar und normalerweise in einer sol chen Lage, dass seine Nase 57, mit dem Kopf 56 unter der Wirkung einer Feder 62 zu sammengreift. Das freie Ende des Hebels 58 ist an der .Stange 13 angelenkt, die zum Ab zugsmechanismus führt, der gleich wie der in Fig. 1 gezeigte Mechanismus oder auch. eine geeignete Abänderung davon sein kann. Un gefähr in der Mitte ihrer Länge ist die Ab zugsstange 55 bei 63 erweitert und trägt ein Paar Radialbolzen 64, auf denen Rollen 65 gelagert sind. Am vordern Ende der Hülse 54 ist eine mit einer Schraubenkurve 66 versehene Hülse angesetzt, welche Schraubenkurve mit den Rollen 6-5 zusammenarbeitet.
Das Ver- schlussstück 50 ist mit der Hülse 54 starr verriegelt, so dass, wenn das Verschlussstüek 50 in die Schliessstellung geschwenkt wird, die Hülse 54 gedreht wird und die Schrauben kurve 66 mittels der Rollen 65 die Abzugs stange 55 entgegen der Wirkung der Feder 59 in Fig. 9 nach links zurückdrückt, bis die Nase 57 des Hebels 58 hinter den Kopf 56 greift und auf diese Weise die Abzugsstange 55 in gespannter Stellung hält,
bereit zur Freigabe durch den Abzugsmechanismus. Wenn die Abzugsstange 55 freigegeben wird, so schlägt ihr, hinteres Ende auf den Schwenk hebel 52 und treibt den Schlagbolzen gegen das Zündhütchen der Patrone nach vorn.
Auch bei diesem Beispiel bildet das Innere des Verschlussstückes 50 einen Raum zwischen dem Treibladungslager 2 und mehreren nach rückwärts gerichteten Gasentladungsöffnun- gen,. an welche je eine Expansionsdüse 67 bzw. 68 anschliesst. Die eine Gasentladungs- öffnung mit der Düse 68 ist konzentrisch zum Waffenlauf, während die übrigen Öffnungen mit den Expansionsdüsen 67 auf einem kon zentrisch zur Waffenaxe liegenden Kreis an geordnet sind.
Die Düse 68 ist so verstellbar, dass ein Teil der Gase durch Drehung der Düse in der Büchse 69 gedrosselt werden kann. Die Düse 68 bildet mit der Büchse 69 einen Schraubenverschluss, so dass durch Drehung der Düse 68 ihr inneres Ende vom Sitz 90 weggerückt wird, und zwar in einem Masse, welches durch die Drehung der Düse 68 ge geben ist. Dieses Mass kann durch die An zeige eines Zeigers 91, der auf einer von der Düse 68 getragenen Singskala 92 spielt, ge- messen bzw. abgelesen werden. Im Innenraum des Verschlussstückes 50 befindet- sich auch hei diesem Beispiel ein perforiertes Organ 6.
Dasselbe hat die Form eines Hohlkegelstump- fes, dessen weiteres Ende sämtliche Gasaus trittsöffnungen übergreift.
Die Ausziehvorrichtung ist in Fig.10, 11 und 12 dargestellt. Der Auszieher weist ein Paar gekrümmte Arme 93 auf, die in Aus- nehmungen der Treibladungslagerwand ange ordnet sind und deren Enden mit den Enden von Auszieherstiften 94 zusammenwirken, die ihrerseits mit dem Rand der Treibladungs- hülse zusammenarbeiten. Die untern Enden der Arme 93 sind mittels Bolzen drehbar am Treibladungslager 2 gelagert., und deren Na benteile tragen je eine Nase 95.
Diese Nasen sind an den beiden Nabenteilen einander dia metral entgegengesetzt angeordnet und besit zen in entgegengesetzten Richtungen gewen dete Stirnflächen. Diese Nasen 95 arbeiten mit vorspringenden Schultern 96 eines Kur venseheibenpaares 97 zusammen, die mit. der Hülse 54 einen zusammenhängenden Teil bil den und die voneinander im Abstand ange ordnet sind zwecks Unterbringung der untern Enden der Aitszieherarme 93 zwischen ihnen und deren Drehebenen im rechten Winkel zu den Schwenkebenen der Arme 93 liegen.
Aus dieser Bauart ergibt sich, dass, wenn die Hülse 54 mit dem Verschlussstüek 50 sich in die Öffnungslage dreht, die Schultern 96 der Nockenseheiben 97 gegen die Nasen 95 der Auszieherarme 93 anschlagen und diese zu rückschwenken, um die Stifte 94 nach rück wärts zu verschieben und die Treibladungs- hülse aus dem Treibladungshülsenlager 2 aus zustossen.
Die Gebrauchs- und Wirkungsweise der beschriebenen Feuerwaffe ist. kurz wie folgt: Die Teile der Abzugs- und Zündvorrich tung befinden sich bei schussbereiter Waffe in der in Fig. 9 dargestellten Lage. Im Treib ladungslager 2 befindet. sich die leicht ko nische Hülse der Treibladung, während ein nicht dargestelltes Geschoss im hintern Ende des Laufes 1 steckt.
Das Volumen der Treib ladung ist wiederum kleiner als die durch die Innenräume des Treib'ladungslagers 2 und des Verschlussstüekes 50 gebildete Kammer, so dass zwischen der Treibladung und den nach rück- w ärts gerichteten Gasaustrittsöffnungen ein als Gasbehälter dienender Raum frei bleibt.
Die Treibladungshülse besitzt einen beim Ab feuern leicht zerstörbaren Boden, so dass die entstehenden Gase auch nach hinten in den koaxial zum Waffenlaiü angeordneten Innen raum des Verschlussstückes 50 austreten kön nen. Beim Betätigen des nicht gezeichneten Abzuges -wird die Stange 13 in Fig. 9 nach links bewegt, so dass der Hebel 58 entgegen der Wirkung der Feder 62 eine Schwenkung ausführt, durch welche die Nase 57 des Hebels den Kopf '56 der Abzugsstange 5@5 freigibt.
Unter der Wirkung der Feder 59 schnellt die Abzugsstange nun in Fig. 9 nach rechts und schlägt. mit ihrem hintern Ende gegen den Hebel 52, der dadurch entgegen der Wir kung der Feder 53 eine Schwenkung ausführt und den Schlagbolzen 51 gegen das Zünd hütchen der Treibladung schlägt. Bei der Ver brennung der Treibladung wird das Gesehoss durch die entstehenden Gase durch den Lauf 1 nach vorn getrieben, während gleichzeitig ein Teil der Gase durch die Perforationen des Organes 6 und durch die Gasaustrittsöffnun- gen nach rückwärts ins Freie entweichen und dabei eine den Rückstoss vermindernde Re aktion erzeugen.
Nach dem Abschuss wird das Verschluss- stück 50 durch Betätigung des Schwenkhebels 46 entriegelt und dann mit Hilfe des Hand griffes 48 um die Axe der Hülse 54 ge schwenkt, so dass das Treibladungslager 2 von hinten zugänglich wird.
Bei dieser Schwen kung dreht sich die Hülse 54 mit und be tätigt mittels des Kurvenscheibenpaares 97 (Fig.10 bis 12) die Auszieherarme 93, welche bei ihrer Schwenkung die leere Treibladungs- hülse in Fig. 11 und 12 nach rechts mit Hilfe der Auszieherstifte 94 aus dem Treib ladungslager 2 ausstossen.
Bei der Drehung der Hülse 54 wird die Abzugsstange 55 mit Hilfe der Rollen 65 und der Schraubenkurve 66 entgegen der Wir kung der Feder 59 wieder in Fig. 9 nach links geschoben, bis die Nase 57 des Hebels 58 den Kopf 56 der Abzugsstange hintergreift und dieselbe dadurch in der gespannten Lage festhält. Es kann nun ein neues Geschoss mit Treibladung in die Waffe nachgeladen wer den. Nach dem Schliessen des Verschlusses ist die Waffe dann wieder schussbereit.
Anstatt den Rückstoss der Waffe vollstän dig durch eine Gasreaktion der Kammergase zu absorbieren, kann ein Teil des Rückstosses durch Gasreaktion und ein Teil durch eine Lafette der Waffe absorbiert werden. In die sem Zusammenhang kann die Waffe mit zwei Chargen geladen werden, von denen die eine eine Sehnellbrennladung zum Vortrieb des Ge schosses und die andere eine Langbrennladung ist, welche den Rückstoss des Laufes verzögert, wenn das Gesehoss die Laufmündung verlas sen hat.
Der Grad der Zündung hängt unter gleichen Druck- und Temperaturbedingungen natürlich in an sich bekannter Weise von der Zusammensetzung der Ladung und ihrer me- ehanisehen Aufbereitung ab.
Es ist bei schwereren Waffentypen wünsch bar, einen Teil des Rückstosses vom Waffen träger aufnehmen zu lassen; um den Rüelz- schlag der Entladungsgase auf ein vernünf tiges Mass zu reduzieren.
Es ist. verständlich, dass die beschriebenen Waffen die Verwendung stark erhöhter Treib ladungen erfordern, die ein Mehrfaches des Maximums betragen; welches mit. Sicherheit in Waffen von gegebenem Kaliber- verwendet werden kann, wenn in herkömmlicher Weise mit einer verriegelten Kammer gearbeitet wird, da die Hauptmasse der bei der Ver brennung der Treibladung erzeugten Gase durch die Austrittsöffnungen-nach rückwärts entweicht.
Deshalb muss das Treibladungs- lager bedeutend grösser sein als bei einer übli- ehen Waffe gleicher Leistung, um eine gleiche Mündungsgeschwindigkeit zu erzeugen, wobei mindestens 50 Volumenprozent oder mehr der erzeugten Gase zur Entweichung durch die rückwärtigen _ Austrittsöffnungen bestimmt sind. _ Das genaue Mass der auf diese Weise rück wärts entweichenden Gase hängt davon ab, wie weit der Rückstoss absorbiert.
werden soll, und jenes genaue Mass hängt wiederum von der Querschnittsfläche der Gasaustrittsöff- nung oder der Summe der Querschnittsflächen der Gasaustrittsöffnungen im Verhältnis zur Querschnittsfläche der Laufbohrung ab.
Für die vollständige Eliminierung des Rückstosses ist beispielsweise gefunden wor den, dass bei einer bestimmten Ausbildung der Waffe die Querschnittsfläche der Gasaus- trittsöffnung angenähert 66% des Flächen- inhaltes des Laufquerschnittes betragen soll, in welchem Fall annähernd ein sechsmal grö sseres .Gasvolumen durch die rückwärtigen Austrittsöffnungen entweicht als durch den Lauf. _ In den meisten.
Fällen wird die Waffe so eingerichtet, dass entweder eine vollständige Eliminierung des R.üekstosses oder ein Aus gleich auf einen festen Prozentsatz des R.üek- stosses erfolgt, um den Rest des R.üekstosses zum automatischen Laden und Entladen. oder dergleichen, wie zum Beispiel in Maschinen gewehren, zu verwenden.
Es gibt indessen Fälle, wo es erwünscht sein mag, das Mass der absorbierten Rüeklaufenergie zu variieren, und unter diesen Umständen können Mittel vorgesehen: sein, um einen Teil der in si-m- metrisehen Paaren angeordneten Gasentla- dungsdüsen zu sperren, oder im Fall einer zentralen Gasaustrittsöffnung deren wirksame Querschnittsfläehe zu verändern, und zwar durch das Mittel eines zugespitzten Ventils, welches verstellbar in der Düse eingebaut. ist.
Gemäss einer nicht dargestellten Ausfüh rungsform der Waffe kann zur Erzielung einer grösseren Kammer als das Volumen der Treibladung der Durchmesser des Treib ladungslagers grösser als die Bohrung des Laufes, die das Geschoss aufnimmt, sein. Da die Treibladung im allgemeinen einen dem Gesehoss entsprechenden Durchmesser hat, so ist. dadurch in der Kammer um die Treib ladung ein als- Gasbehälter dienender freier Raum gebildet, der mit mindestens einer nach rüekwärts gerichteten (Tasaustrittsöffnung in Verbindung steht.