Verfahren und Vorrichtung zum Zerkleinern von Werkstoffen aller Art. Für die Zerkleinerung von Werkstoffen der verschiedensten Art wurden bisher in der Hauptsache Mahlgänge, Walzenstühle, gugel,- mühlen und sonstige Vorrichtungen benutzt, bei welchen das Mahlgut zwischen festen Kör pern zerrieben wird (sogenannte Reibmüh len).
Bei dieser Art der Zerkleinerung treten erhebliche Reibungskräfte und demzufolge hohe Temperaturen auf, welche besonders- bei organischem Mahlgut eine Beeinträchtigung und Veränderung der Beschaffenheit bewir ken können, so dass es wichtige Eigenschaften verliert.
Auch bei den sogenannten Zahnschei- benmühlen tritt zwischen den Zahnflan ken ein Zerreiben und Zerquetschen des Mahlgutes mit den gleichen Nachteilen der obengenannten Art ein. Dazu kommt, dass alle bisher bekannten Mahlvorrichtungen durch Fremdkörper, insbesondere durch Eisenteile beschädigt oder zerstört werden.
Infolge dieser Mängel und ,des hohen Kräftebedarfs der genannten Zerkleinerungs vorrichtungen, bei denen das Mahlgut aueh noch durch den Abrieb der Mühlsteine oder sonstigen Zerkleinerungsflächen verunreinigt. wird, sind die Versuche nicht zum Stillstand gekommen, ein neues Zerkleinerungsprinzip zu entwickeln.
Hierbei sind einerseits die sogenannten Kugelmühlen entstanden und anderseits die sogenannten Schleuder- oder Hammermühlen (Desintegratoren). Aber auch diese mit zahlreichen Mängeln und Nachteilen behafteten Zerkleinerungs maschinen haben die mannigfachen Erforder nisse der Praxis nicht restlos zu befriedigen vermocht, wenn es galt, Mahlgüter der ver schiedensten Beschaffenheit in trockenem, feuchtem oder nassem Zustande, wie z.. B.
Holz, Gummiabfälle, Wurzeln, Papier- und Textilabfälle, Kork, Linoleum, Leder, Minera lien der verschiedensten Härtegrade und Zähigkeit und ähnliches mehr, in bestimmter vorgegebener Form zu zerkleinern, wobei es Jnanchmal entscheidend ist, dass das Mahlgut in langer Form (faserig) oder in kurzer Form (pulverförmig) anfällt, ohne dass es durch den Abrieb der die Zerkleinerung be wirkenden Werkzeuge verunreinigt wird.
Das erfindungsgemässe Verfahren zum Zerkleinern von Werkstoffen aller Art mit Ausnahme von Nahrungsmitteln, z. B. Ge treide, ist dadurch gekennzeichnet, dass dem zu zerkleinernden Mahlgut eine Beschleuni gung erteilt wird und dass es, unterstützt durch eine entsprechende Bewegung der um gebenden Atmosphäre, zum Zwecke des Ent- fernens seiner äussern Oberflächenschichten, mehrfach gegen Prallflächen geschleudert wird, die eine rauhe, uneben gestaltete Ober fläche aufweisen,
die härter ist als das Mahl gut- Die Vorrichtung gemäss der Erfindung zur Ausübung des Verfahrens besteht aus einer Schleudermühle, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie zwei tellerartige Prallschalen auf weist, von denen die eine entgegengesetzt dem Drehsinne des Schleuderrades umläuft und die andere feststeht, wobei zwischen den bei den Prallschalen ein in seiner Breite verstell barer Schlitz für den Austrag des Mahlgutes vorhanden ist.
In der beiliegenden Zeichnung ist ein Aus führungsbeispiel der Vorrichtung nach der Erfindung dargestellt, bei welcher das Schleuderrad in der horizontalen Hohlwelle der entgegengesetzt umlaufenden Prallschale angeordnet ist.
Fig. 1 zeigt eine Seitenansicht der Zerklei nerungsvorrichtung, teilweise im Schnitt. Fig. 2 zeigt eine Stirnansicht von der Ein- rüllseite her nach Entfernen der feststehen den Prallschale.
Auf dem Fundament 1 ruhen die Lager blöcke 2 und 3 sowie das Maschinengehäuse 4/5. Im Lagerblock 3 ist die Hohlwelle 6 mit der Riemenscheibe 7 gelagert, die durch den Elektromotor 8 angetrieben wird. An dem in das Maschinengehäuse 4 hineinragenden Ende der Hohlwelle 6 ist die Prallschale 9 befestigt, deren die Form eines Kegelstumpfmantels aufweisender Rand auswechselbare und mit tels des Halteringes 10 gehalterte Prall- und Abreibplatten 11 trägt.
Der äussere Rand ,der Prall- und Abreib- platten 11 wird von dem rinnenförmigen. Rand 12 der Prallschale 9 umfangen; die Oberfläche der Platten 11 ist mit den zum Abtragen der äussern Schichten des Mahl gutes dienenden Unebenheiten wie Riffeln, Nuten, Feilenhieben, Raspelhieben (Schwal- benschwanznestern) oder dergleichen verse hen.
Die Prall- und Abreibplatten 11 bestehen ebenso wie die Flügel des Schleuderrades 11 aus einem Material, das härter ist als das Mahlgut, z. B. aus gehärtetem Stahl mit einer der Beschaffenheit des jeweils zu verarbeiten- den-Mahlgutes angepassten Härte und Zähig keit.
Innerhalb der Hohlwelle 6 ist die in ent gegengesetzter Richtung rotierende Welle 14 gelagert, deren Antrieb über die Riemen- Scheibe 15 durch den Elektromotor 16 erfolgt. An dem in das Innere des Gehäuses 4/5 hin einragenden Ende der Welle 14 ist das Schleuderrad 17 mit einer grösseren Anzahl von Flügeln. 18 angeordnet. Die Form und Neigung der Flügel 18 richtet sich nach der Grösse und Beschaffenheit des Mahlgutes.
Innerhalb des an dem Maschinengehäuse- teil 4 angebrachten ringförmigen Gehäuseteils 5 ist die nicht rotierende Prallschale 19 in axialer Richtung verschiebbar gelagert. Zu diesem Zweck sind an dem Gehäuseteil 5 drei achsenparallele Schraubenbolzen 20 befestigt. an denen die drei mit der feststehenden Prall schale 19 verbundenen Haltelaschen 21 ge führt sind, dergestalt, dass die Prallschale 19 achsenparallel verschoben werden kann.
An dem die Form eines Kegelstumpfman- tels aufweisenden Rande der Prallschale 19 sind in auswechselbarer Weise die Prall- und Abreibplatten 22 - in ähnlicher Weise wie die Prall- und Abreibplatten 11 der rotieren den Prall-schale 9 - in dem rinnenförmigen Rande 13 mittels des Halteringes 23 befestigt.
Zwischen den einander gegenüberliegen den Rändern der rotierenden Prallschale 9 und der feststehenden Prallschale 19 befindet sich der in seiner Breite durch Verschieben der Prallschale 19 veränderbare Austragsschlitz 24, dessen Breite die Feinheit des Mahlerzeug nisses bestimmt;
denn durch diesen Schlitz werden, unterstützt durch den im Innern des Gehäuses 4/5 gegenübender Aussenatmosphäre herrschenden Überdruck und durch die Zen trifugalkraft, nur diejenigen zerkleinerten Teilchen ausgetragen, welche der Breite des Schlitzes 24 entsprechen, während alle grösse ren Teile des Mahlgutes weiterhin zwischen den Prallschalen 9 und 19 und dem Schleu derrad 17 hin- und hergeschleudert werden, bis sie durch Abtragen ihrer Oberfläche oder durch Zerspratzen auf die eingestellte Schlitz breite zerkleinert sind.
Im untern Teil des Maschinengehäuses 4/5 ist die zum Abführen des Mahlerzeugnisses dienende, die Fundamentplatte 1 durchdrin gende Austrittsöffnung 25 angebracht, An der Aussenseite der feststehenden Prallschale 19 ist der zum Einführen des Mahlgutes dienende Einfüllstutzen 26 ange bracht. In der Zuführungsleitung kann eine Dosiervorrichtung angeordnet sein.
Um eine gleichmässige Zuführung des Mahlgutes ent spreehend dem Fortgang des Zerkleinerungs vorganges zu erzielen, kann das Mahlgut dem Einfüllstutzen 26, der zu diesem Zwecke auch als Horizontalrohr ausgebildet sein kann, mit tels einer Transportschnecke oder einer -ähn lichen Dosiervorrichtung zugeleitet werden.
Um eine Verunreinigung der Lager der umlaufenden Prallschale 9 und des Schleu derrades 17 durch sich dort etwa ablagernde Partikelchen des Mahlgutes zu verhindern, sind am Gehäuseteil 4 ebenso wie an der um laufenden Prallschale 9 in der Nähe der Ach sen Lufteintrittsöffnungen 27 bzw. 28 vorge sehen, durch welche Luft mit Atmosphären druck von aussen eingesaugt wird, die durch ihre zentrifugale Strömung ein Niederschla gen oder Zurückwandern von Mahlgutparti- kelchen an die dort befindlichen Lagerstellen verhindert.
Um den Zerkleinerungsprozess selbst nicht durch diese Fremdluft zu beeinträchtigen und um einen zu grossen Staudruck im Innern des von den Prallschalen 9 und 19 umschlos senen Arbeitsraumes zu verhüten, ist die Grösse der Öffnungen 27 durch nicht darge stellte verstellbare Deckplatten oder derglei chen veränderbar, so dass der zwischen der umlaufenden Prallschale 9 einerseits und dem Gehäuseteil 4 sowie der Rückwand des Schleuderrades 17 anderseits entstehende, axial nach aussen getriebene Luftstrom regu liert wird.
Die Wirkungsweise der beschriebenen Vor richtung ist derart, dass das Mahlgut zwi schen den Prallplatten der feststehenden und der rotierenden Prallschale und dem gegen läufig rotierenden Schleuderrad hin und her geschleudert und dabei allmählich zerkleinert wird. Diese Zerkleinerung erfolgt entweder - besonders bei weichem Mahlgut - durch Abrieb und Abtragen seiner jeweils äusser- stcn Oberflächenschichten durch die nach Art einer Feile oder Raspel wirkenden Prall- und Abreibplatten oder - besonders bei sprödem Material - durch mehr oder minder vollstän diges Zertrümmern und Zerspratzen.
Auf diese Art werden jegliche Quetschung des Mahl gutes zwischen zwei festen Körpern und alle damit verbundenen Nachteile vermieden.
Der während des Arbeitens den Innen raum der Vorrichtung durchziehende Luft strom, durch den die abgeriebenen oder ab.ge- spratzten, den nötigen Feinheitsgrad besitzen den Teilchen durch den oder die Peripherie schlitze hindurch ausgetragen werden, sorgt gleichzeitig für ;eine ständige Kühlung sowohl des Mahlgutes als auch der Prall- und Abreib- flächen, welche dabei gleichzeitig von den sich auf ihnen etwa festsetzenden Mahlgutpartikel- ehen gereinigt werden.
Diese bei niedriger Temperatur stattfin dende Zerfaserungs- und Zerkleinerungs arbeit des vorliegenden Verfahrens ist von Be deutung für Werkstoffe, welche sich, wie z. B. Gummiabfälle oder dergleichen, bei höherer Temperatur verflüssigen und schmie rig werden und daher bisher in den bekannten Zerkleinerungsmühlen oder dergleichen nicht oder nur unter Anwendung besbnderer, die Rentabilität beeinträchtigender Massnahmen verarbeitet werden konnten.