Es ist eine Methode zum Färben und Bedrucken von Textilien bekannt, die weitgehend auf trockenem Wege durchgeführt wird und die darin besteht, dass sublimierbare Farbstoffe, insbesondere Dispersionsfarbstoffe von einem beschichteten Träger, vorzugsweise einem Trägerpapier auf das Textilgut übertragen werden. Das mit den Farbstoffen versehene Trägermaterial wird dabei auf das Textilgut aufgelegt und mit einer Presse oder einem Kalander erhitzt, wobei die Farbstoffe in den gasförmigen Zustand übergeführt und auf dem Textilgut fixiert werden. Praktisch wird diese Methode in erster Linie zum Färben und Bedrucken von Textilien aus synthetischem Fasermaterial wie Polyamiden, Polyestern oder Polyacrylnitril angewendet.
Aus der DT-OS 2 157 771 ist ein Verfahren dieser Art bekannt, gemäss welchem das mit Farbstoffen versehene Trägermaterial ausser Papier ein Textilgewebe aus gleichem oder anderem Fasermaterial als das zu bedruckende textile Substrat sein kann.
Aus der DT-PS 884 186 ist ferner ein Verfahren zum Bedrucken von Textilmaterial mit Farbstoffdispersionen bekannt, gemäss welchem zunächst eine Textilschicht bedruckt wird und danach eine zweite Schicht, z. B. Papier bei hoher Temperatur gegen das bedruckte Textilmaterial in feuchtem Zustand gepresst wird. Zweck dieses Verfahrens ist es, den Farbdruck von der Oberfläche in das Gewebe hinein und gegebenenfalls auf die Geweberückseite zu bringen, so dass beide Gewebeseiten benützt werden können.
Aus der DT-OS 1 810 083 ist ausserdem ein Färbe- und Druckverfahren bekannt, gemäss welchem Hilfsträger, z. B.
Papier, Aluminiumfolien oder Textilgewebe gefärbt oder bedruckt werden und die Färbung oder der Farbdruck unter Einwirkung von Hitze, Druck und Feuchtigkeit auf Textilien oder andere Gegenstände übertragen werden. Es handelt sich um ein ausgesprochenes Nassumdruckverfahren, bei welchem die Zirkulation von Dampf oder Flüssigkeiten eine entscheidende Rolle spielt.
Es hat sich nun gezeigt, dass die eingangs beschriebene Sublimationstransferdruck-Methode auch dazu verwendet werden kann, auf textile Flächengebilde applizierte Färbungen oder Drucke direkt, also ohne Verwendung eines Hilfsträgers auf andere Flächengebilde zu übertragen und damit eine Vervielfältigung von Färbungen oder Farbdrucken zu erzielen.
Das erfindungsgemässe Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass auf ein textiles Ausgangs-Flächengebilde auf nassem Wege sublimierbare Farbstoffe enthaltende Farbstofflösungen bzw. Druckpasten appliziert werden, deren gesamte Farbstoffmengen je mindestens das Doppelte der für eine einzige Färbung bzw. einen einzigen Druck benötigten Farbstoffmenge betragen und dass die Färbungen bzw. Drucke auf dem Ausgangs-Flächengebilde nach einer Zwischentrocknung auf trockenem Wege unter Anwendung von Hitze und Druck auf mindestens ein anderes Flächengebilde übertragen werden, wobei sowohl das Ausgangs-Flächengebilde als auch das bzw. die andere(n) Flächengebilde eine gefärbte bzw. bedruckte Ware bilden.
Die Färbung bzw. der Farbdruck kann auf Flächengebilde wie Gewebe, Gewirke oder Faservliese (sogenannte nonwovens) aus natürlichen Fasern, wie Cellulose- oder Keratinfasern, z. B. auf ein Baumwoll- oder Wollgewebe, oder Mischungen aus natürlichen und synthetischen Fasern appliziert und auf ein Flächengebilde aus synthetischen Fasern, z. B. ein Gewebe oder Gewirk aus Polyamid-, Polyester- oder Polyacrylnitrilfasern oder Mischungen aus synthetischen und natürlichen Fasern übertragen werden und umgekehrt. Ferner ist eine Übertragung von einem Flächengebilde aus synthetischen Fasern auf ein anderes Flächengebilde aus synthetischen Fasern oder einem Flächengebilde aus natürlichen Fasern auf ein anderes Flächengebilde aus natürlichen Fasern möglich. Schliesslich ist auch die Übertragung der Färbung oder des Farbdruckes von einem textilen Flächengebilde auf Papier möglich.
Es können sublimierbare Farbstoffe, die für die verschiedenen Faserarten der beiden Flächengebilde geeignet sind, verwendet werden, wobei die doppelte Menge der für eine Färbung bzw. einen Farbdruck erforderliche Farbstoffmenge auf das Ausgangs-Flächengebilde appliziert und die Hälfte auf das zweite Flächengebilde übertragen wird. Es ist jedoch möglich, auf das Ausgangs-Flächengebilde eine Mischung von für die Faserarten der beiden Flächengebilde geeigneten Farbstoffen aufzubringen. In diesem Falle brauchen nur die für den Umdruck benötigten Farbstoffe sublimierbare Farbstoffe zu sein.
Es können sublimierbare Farbstoffe der folgenden Farbstoffgruppen verwendet werden: Dispersionsfarbstoffe, Reaktivfarbstoffe, Metallkomplexfarbstoffe, basische Farbstoffe, Pigmentfarbstoffe, Küpenfarbstoffe.
Der Umdruck kann nach einer Zwischentrocknung oder nach der Fixierung des Ausgangsflächengebildes vorgenommen werden. Es ist jedoch in der Regel vorteilhaft,.den Umdruck nach einer Zwischentrocknung vorzunehmen, wobei die Färbung oder der Farbdruck auf dem Ausgangsflächengebilde durch die Hitzeeinwirkung während des Umdrucks gleichzeitig fixiert werden und die verbleibenden Sublimierfarbstoffreste in der nachfolgenden Druckwäsche entfernt werden können.
Das erfindungsgemässe Verfahren kann in der Weise durchgeführt werden, dass eine Bahn des gefärbten oder bedruckten Ausgangsflächengebildes zusammen mit einer Bahn gleicher Länge des zweiten Flächengebildes in gegenseitigem
Kontakt durch einen üblichen Umdruckkalander geführt und danach separat aufgewickelt werden.
Das erfindungsgemässe Verfahren hat den Vorteil, dass auf nassem Wege auf ein textiles Flächengebilde applizierte Färbungen oder Drucke dazu verwendet werden können, diese auf trockenem Wege und ohne Verwendung eines besonderen Zwischenträgers auf mindestens ein gleiches oder verschiedenes Flächengebilde zu übertragen. Die Übertragung der Färbung oder des Druckes auf ein für den Umdruck geeignetes Trägerpapier kann vorteilhaft.dann erfolgen, wenn die Übertragung auf ein weiteres textiles Flächengebilde in einem späteren Zeitpunkt erfolgen soll, wobei das Papier wie ein übliches Umdruck-Trägerpapier gelagert werden kann. Es ist jedoch auch möglich, z. B. Drucke auf direkt zu verwendende Papierbahnen, z. B. Tapeten umzudrucken.
Die Erfindung ist nachstehend anhand einiger Ausfüh rungsbeispiele näher erläutert:
Beispiel 1
Ein mercerisiertes, gebleichtes Baumwollgewebe wird mit einer Lösung enthaltend pro Liter 20 g Resolinbrillantgelb
P-R (C.I. Disperse Yellow 81) (sublimierbarer Dispersions farbstoff), 18 g Remazolgoldgelb G (C.l. 18 852) (nicht sublimierbarer Reaktivfarbstoff), 7 g Trinatriumphosphat,
30 g Kochsalz foulardiert, aufgerollt, 10 Stunden bei 20 C rotiert und während 30 Sekunden bei 1400 C einer Zwischen trocknung unterworfen.
Die so behandelte Gewebebahn wird mit einer unbehandelten Gewebebahn aus Polyesterfasern in
Kontakt gebracht und mit dieser durch einen üblichen Um druckkalander geführt, wobei bei einer Kontaktzeit von
50 Sekunden und einer Temperatur von 195 C der Farbstoff auf das Polyestergewebe übertragen und gleichzeitig die Fär bung auf dem Baumwollgewebe fixiert wird. Die Baumwoll gewebebahn wird danach ausgewaschen und getrocknet. Man erhält satte Färbungen mit guter Waschbeständigkeit.
Beispiel 2
Ein mercerisiertes, gebleichtes Mischgewebe enthaltend 65 Baumwolle und 35 % Polyesterfasern wird auf einer Rou leauxdruckmaschine mit einem dreifarbigen Muster bedruckt.
Die hiefür verwendeten drei Druckpasten enthalten folgende Mischungen aus je einem nicht sublimierbaren Reaktivfarbstoff und einem sublimierbaren Dispersionsfarbstoff: Druckpaste 1:
Procionblau H-3R (C.l. Reactive Blue 49), Palanilbrillantblau BGF (C.I. Disperse Blue 87) Druckpaste 2:
Cibacronbrillantrot BD (C.I. Reaktive Red 24), Palanilbrillantrosa REL (C.I.
Disperse Red 91) Druckpaste 3:
Prociongelb M-6G (C.I. 18 971), Dispersolechtgelb G (C.l. 11855)
Die bedruckte Gewebebahn wird während 1 Minute bei 1200 C einer Zwischentrocknung unterworfen, mit einer unbehandelten Gewebebahn aus Polyamid 6.6 (Polyhexamethylenadipamid) in Kontakt gebracht und mit dieser durch einen üblichen Umdruckkalander geführt, wobei bei einer Kontaktzeit von 30 Sekunden und einer Temperatur von 195"C der Farbdruck auf das Polyamidgewebe übertragen und gleichzeitig der Druck auf dem Baumwollgewebe fixiert wird. Die Baumwollgewebebahn wird danach ausgewaschen und getrocknet. Man erhält einen farbstarken Druck von guter Waschbeständigkeit.
Beispiel 3
Eine Gewebebahn aus Polyesterfasern (Polyäthlyenglykolterephthalat) wird auf einer Filmdruckmaschine mit gut durchlässigen Schablonen mit einem dreifarbigen Muster be druckt; wobei die drei Druckpasten je einen sublimierbaren Dispersionsfarbstoff enthalten und zwar: Druckpaste 1:
Resolinrot FB (C.l. Disperse Red 60) Druckpaste 2:
Resolinblau RRL (C.l. Disperse Blue 72) Druckpaste 3:
Serisolechtgelb GD (C.I. lt 855)
Es wird je das Dreifache der für einen Druck erforderlichen Farbstoffmenge so auf die Gewebebahn aufgedruckt, dass sie das Gewebe vollständig durchdringt und auch die Geweberückseite bedruckt ist.
Nach der Zwischentrocknung bei 1200 C wird die bedruckte Gewebebahn in der Mitte zwischen einer zweiten Polyestergewebe- und einer Papierbahn (Umdruckpapier Qualität) durch einen Umdruckkalander geführt.
Bei einer Umdruckdauer von 60 Sekunden und einer Temperatur von 1900 C wird die Druckmusterung gleichzeitig auf die zweite Polyesterbahn und auf die Papierbahn derart übergetragen, dass die Sublimierfarben in den beiden Polyestergewebebahnen eine gute Fixierung erhalten. Die Ausgangsgewebebahn wird ausgewaschen und getrocknet. Die Papierbahn wird als Umdruckpapier gelagert.
Beispiel 4
Ein mercerisiertes, gebleichtes Baumwollgewebe wird mit einer Lösung enthaltend pro Liter 80 g Artisilblau BSQ (C.l.
66 505) (sublimierbarer Dispersionsfarbstoff), 120 g Lyofix CHN (Amino-Triazin-Formaldehyd Vorkondensat), 8 g Magnesiumchlorid foulardiert und bei 100" C einer Zwischentrocknung unterworfen. Die derart behandelte Gewebebahn wird anschliessend mit einer gleichen Gewebebahn in Kontakt gebracht, die mit einer Lösung enthaltend 120 g Lyofix CHN und 8 g Mangesiumchlorid pro Liter imprägniert wurde.
Beide Gewebebahnen werden durch einen üblichen Umdruckkalander geführt, wobei die Hälfte der auf der Ausgangs-Gewebebahn befindlichen Farbmengen bei einer Kontaktzeit von 20 Sekunden und einer Temperatur von 220 C auf das zweite Gewebe übertragen wird. Beide Gewebebahnen weisen eine gute Dimensionsstabilität auf und die Färbung ist waschfest fixiert.
Beispiel 5
Ein mercerisiertes, gebleichtes Baumwollgewebe wird auf einer Rouleauxdruckmaschine mit einem zweifarbigen Muster bedruckt. Die hiefür verwendeten Druckpasten enthalten je einen nicht sublimierbaren Reaktivfarbstoff und einen sublimierbaren Dispersionsfarbstoff.
Druckpaste 1:
3 Gewichtsteile Remazoltürkisblau G (C.l. Reaktive Blue 21), 1 Gewichtsteil Remazolblau 3 R (C.I. Reaktive Blue 28), Samaronbrillantblau BL (C.I. Disperse Blue 87).
Druckpaste 2:
Remazolbrillantrot BB (C.I. Reaktive Red 21), Palanilbrillantrosa REL (C.I. Disperse Red 91).
Die bedruckte Gewebebahn wird nach einer Zwischentrocknung von 20 Sekunden bei 140 C mit einer Bahn eines handelsüblichen Umdruckpapiers in Kontakt gebracht und mit dieser durch einen üblichen Umdruckkalander geführt, wobei bei einer Kontaktzeit von 15 Sekunden und einer Temperatur von 210 C der Farbdruck auf die Papierbahn übertragen und gleichzeitig der Druck auf dem Baumwollgewebe fixiert wird. Das Baumwollgewebe wird danach ausgewaschen und getrocknet. Man erhält neben dem bedruckten Baumwollgewebe ein mit dem Druck versehenes, lagerfähiges Umdruckpapier, welches für die Übertragung des Umdruckes auf ein textiles Flächengebilde aus synthetischem Material in einem beliebigen Zeitpunkt geeignet ist.
Beispiel 6
Ein Wollgewebe wird mit einer Lösung enthaltend einen sauren und einen basischen Farbstoff, nämlich
Polarorange 3 R (C.l. 22 195)
Astrazonorange G (C.I. 48 035) foulardiert, einer Zwischentrocknung bei 20 C unterworfen, mit einer unbehandelten Gewirkbahn aus einem Mischgespinst aus 70% Polyacrylnitrilfasern und 30% Wolle in Kontakt gebracht und mit derselben durch einen üblichen Umdrackkalander geführt, wobei bei einer Kontaktzeit von 60 Sekunden und einer Temperatur von 175" C die Färbung auf das Gewirk übertragen und gleichzeitig die Färbung auf dem Ausgangsgewebe fixiert wird. Man erhält satte Färbungen mit guter Waschbeständigkeit.