Verfahren zur Überwachung von Zügen auf der Strecke mittels hochfrequenter elektromagnetischer Wellen. Das übliche Verfahren zur Überwachung von Zügen auf der Strecke besteht noch heute in der Regel darin, dass längs des Schienen weges in jedem Blockabschnitt Signalgeber vorgesehen sind, die auf optischem Wege dem Fahrpersonal den Belegungszustand des je weils vor dein Zuge liegenden Blockabschnittes anzeigen. Die richtige Auswertung der von diesen Signalgebern gegebenen Signalzeichen ist also allein von der Aufmerksamkeit des Fahrpersonals abhängig.
Es ist bekannt, dass dieses Verfahren der Signalgebung keine abso lute Sicherheit. bietet, so dass z. B. bei starkem Nebel ein Überfahren eines Sperrsignalzei chens möglich ist. Um dies zu verhindern, sind Mittel bekanntgeworden, die beim Vor beifahren an einem Signal auf optischem oder induktivem Wege unmittelbar ein Zeichen auf eine für diese Zeichen empfindliche Emp fangseinrichtung auf den Führerstand des Triebfahrzeuges übertragen und dort neben einem insbesondere akustischen Signal gege benenfalls auch eine Zwangsbremsung aus lösen.
Es ist ferner auch eine Einrichtung zur Über wachung des Zuglaufes mittels hochfrequenter elektromagnetischer Wellen bekannt, bei der sowohl vom Zug als auch von einer Zugüber wachungsstelle geschwindigkeitsbeeinflusste hochfrequente elektromagnetische Wellen aus gesendet und empfangen werden. Dabei wird z. B. die Frequenz der vom Zug ausgesendeten hochfrequenten elektromagnetischen Welle durch den Istwert der Geschwindigkeit, die Frequenz der von der Überwachungsstelle aus gesendeten hochfrequenten elektromagneti schen Welle vom Sollwert der Geschwindigkeit beeinflusst und der Unterschied beider Fre quenzen in der Überwachungsstelle zur Über wachung der Zuggeschwindigkeit, auf dem Zug dagegen bei überschreiten eines bestimm ten Grenzwertes zur selbsttätigen Auslösung einer Zwangsbremsung ausgenutzt.
Diese Ein richtung kann so ausgebildet. sein, da.ss sie ge eignet ist, das Überfahren eines Haltesignals zu verhindern, indem die der Sollgeschwindig keit entsprechende Frequenz vom Augenblick der Vobeifahrt am gesperrten Vorsignal an nach der dem normalen Bremsdiagramm des Zuges zwischen Vor- und Hauptsignal ent sprechenden Geschwindigkeit geändert wird. Folgt der Zug dem einzuhaltenden Geschwin digkeitsverlauf nicht, so entsteht zwangläufig eine den Grenzwert überschreitende Frequenz differenz, und die Zwangsbremsung wird aus gelöst.
Alle diese bekannten Mittel zur Zug beeinflussung haben aber den Nachteil, dass sie nur an einem Punkt oder auf einem be schränkten Streckenabschnitt auf den Zug ein wirken, wobei insbesondere die mit punkt mässiger Einwirkung arbeitenden Systeme nicht das erforderliche Mass an Betriebssicher heit gewähren. Es ist noch ein weiteres Signalsystem be kannt, das zur Ermittlung des Abstandes zwi schen zwei fahrenden Zügen dient; bei diesem System werden Kurzwellen über die Schienen übertragen. Als Kriterium für die Auslösung eines Signals dient dabei die Reichweite des Senders des voranfahrenden Zuges, das heisst der Energieinhalt der vom Empfänger des nachfolgenden Zuges aufgenommenen Welle. Die Signalauslösung erfolgt dabei bei Über schreiten eines bestimmten Schwellwertes der Empfangsenergie.
Da jedoch bei einer derarti gen Übertragungsweise die Reichweite sehr starken Schwankungen unterliegt, kann die Empfangsenergie keinen zuverlässigen Mass stab für die Entfernung beider Züge bilden, so dass also dieses System praktisch unbrauch bar ist.
Die Nachteile der bisher bekannten Ver fahren werden nach dem erfindungsgemässen Verfahren vermieden, das ausserdem umfas sendere Überwachungsmöglichkeiten bietet. Dieses Verfahren zur Überwachung von Zügen auf der Strecke, das sich ebenfalls hochfre quenter elektromagnetischer Wellen bedient, ist dadurch gekennzeichnet, dass über eine aus mehreren Blockabschnitten bestehende Strecke eine elektromagnetische Welle mit einer festen Trägerfrequenz dauernd übertragen und jedem Blockabschnitt ein charakteristisches Modulationszeichen zugeordnet wird, mit dein die Welle bei Durchfahren eines Blockab schnittes von einem Zuge moduliert wird durch eine auf dem Triebfahrzeug angeord nete Sendeeinrichtung,
die bei Einfahrt des Zuges in den Blockabschnitt zwangläufig zur Modulation der Welle mit dem für diesen Blockabschnitt charakteristischen Modulations zeichen eingestellt wird unter gleichzeitiger Abstimmung des auf dem Triebfahrzeug ange brachten Empfängers auf den selektiven Emp fang des wenigstens dem in Fahrtrichtung un mittelbar folgenden Blockabschnitt zugeord neten charakteristischen Modulationszeichens, welches auf dem Triebfahrzeug Sicherheits inassnahmen auslöst, und dass in einer orts festen Überwachungsstelle zur Feststellung der Streckenbelegung ein Empfänger für die in allen Blockabschnitten entstandenen Modu lationszeichen und zur Beeinflussung des Zug laufes ein auf die für die verschiedenen Block abschnitte charakteristischen Modulations zeichen einstellbarer Sender vorhanden sind.
Auf diese Weise wird ein einfaches und betriebssicheres Blocksystem geschaffen, das in der Regel allein von den auf der Strecke befindlichen Zügen gesteuert wird und in folgedessen gegenüber den von Stellwerken aus bedienten Signaleinrichtungen den Vorteil einer verlustzeitfreien Signalgabe aufweist., was sich besonders bei dichter Zufolge sehr günstig auswirkt. Darüber hinaus gestattet das Verfahren gemäss der Erfindung auch eine ständige Überwachung der Streckenbele gung von einer Überwachungsstelle aus durch den dort vorgesehenen Empfänger, der gleich zeitig alle den einzelnen Blockabschnitten zu geordneten Signalzeichen aufzunehmen ver mag.
An der gleichen Stelle wird zweckmässig zusätzlich ein gleicher Sender wie auf den Triebfahrzeugen aufgestellt, der wahlweise auf die verschiedenen Modulationszeichen einstell bar ist. Ist, der Zuglauf zu dicht, so kann man mit diesem Sender das Modulations zeichen eines bestimmten, z. B. zu sperrenden, Blockabschnittes senden und damit Siehe- rungsmassnahmen in dem vor diesem Blockab schnitt befindlichen Zug auslösen. Hierbei kann es sich um akustische oder Lichtzeichen handeln; es kann aber auch eine Bremsung des Zuges hervorgerufen werden.
Fällt der Modulationssender eines Zuges aus, und ist der Zug damit nicht mehr in der Lage, den von ihm angenommenen Block abschnitt anzuzeigen, so kann der Sender in der ortsfesten Station (Überwachungsstelle) benutzt werden, um das ausgefallene Modula- tionszeiehen für die Zeit von dessen Ausfall durch den Sender auf dem Zug zu senden und damit den Zug zu sichern. Dies kann so lange erfolgen, bis der Sender auf dem Zug die Modulation selbst. wieder übernehmen kann.
Die Modulation der ausgesandten elektro inagnetischen Welle, die als Trägerwelle dient, kann nach Impulsmodulations- oder Frequenz modulationsverfahren erfolgen. Man kann auch Kombinationen beider Verfahren benut zen. Die Abstimmung der zugeigenen Sende- imd Empfangseinrichtungen wird zweckmässi gerweise an den Grenzen zweier Blockab schnitte zwangsweise erfolgen. Dazu wird man in den Gleisen Einrichtungen vorsehen, die ein Signal auf den Zug übertragen, das die Steuerung eines die Empfänger- und Sen derabstimmung bewirkenden Stromkreises ver anlasst.
Hierzu können beispielsweise an den (,'leisen angebrachte Schaltnocken dienen; genau so gut kann aber auch die Übertragung des Signals auf den Zug auch auf induktivem Wege erfolgen.
Die Art und Weise, wie diese Überwachung durchgeführt werden kann, soll bei der folgen den Beschreibung eines Ausführungsbeispiels des erfindungsgemässen Verfahrens behandelt. werden. Die Durchführung der Speisung des überwachten Streckenabschnittes mit einer hochfrequenten elektromagnetischen Welle sowie die Ankopplung und Ausbildung der sende- und Empfangseinrichtung kann auf beliebige, an sich bekannte Weise erfolgen.
Angenommen sei eine grössere Strecke, die von zwei Bahnhöfen A und 13 begrenzt werde. Diese Strecke ist in eine Anzahl von z. B. zehn Blockabschnitten aufgeteilt, die den bereits vorhandenen Blockabschnitten entsprechen können. Über die gesamte Strecke wird nun eine hochfrequente elektromagnetische Welle mit. fester Frequenz als Trägerwelle übertra gen. Zur Übertragung diene eine Trägerfre quenzeinrichtung, die nach dein Einseiten bandprinzip arbeite und die Fahrleitung der als elektrifiziert angenommenen Strecke als Übertragungsmedium benutze.
Beide Bahn höfe sowie alle Triebfahrzeuge der auf der Strecke befindlichen Züge besitzen eine aus Sender und Empfänger bestehende Hochfre quenzeinrichtung. Die Trägerwelle selbst, die von einer festen Endstation aus gesendet. wird, ist für alle Sender und Empfänger gleich. Den einzelnen Blockabschnitten werden nun cha rakteristische Impulsfolgen zugeordnet, mit denen die Trägerwelle durch entsprechend ab gestimmte Sender moduliert werden kann. An jeder Blockabschnittsgrenze befinde sich weiter eine Einrichtung, die ein Signal auf das Triebfahrzeug überträgt, mit dessen Hilfe die Sender- und Empfängerabstimmung er folgt.
Diese Einrichtung kann beispielsweise wie folgt ausgebildet sein: Am Anfang eines jeden Blockabschnittes, also an der Stelle, an der sich normalerweise das Hauptsignal be findet, ist zwischen den Gleisen eine Nocke eingebaut, die an allen Einbaustellen die gleiche Ausbildung aufweist. Diese Nocke be tätigt auf mechanischem Wege eine Schaltvor richtung an dem vorbeifahrenden Triebfahr zeug, die ihrerseits eine kurzzeitige Schliessung bzw. Unterbrechung eines Stromkreises be wirkt. Dieser Impuls veranlasst, beispielsweise über ein Schrittschaltwerk, die Weiterschal tung der Abstimmung von Sender und Emp fänger, die jeweils selektiv auf eine bestimmte Sende- und eine andere Impulsfolge einge stellt sind.
Die Zuordnung der Impulsfolgen zur Sende- und Empfangseinrichtung erfolgt dabei auf folgende Weise: Bei Eintritt eines Zuges in die aus zehn Blockabschnitten bestehende angenommene Strecke wird der Sender des Triebfahrzeuges auf die dem ersten Blockabschnitt zugeordnete Impulsfolge J1 eingestellt. Gleichzeitig damit wird der Empfänger auf dem gleichen Fahr zeug auf Empfang der Impulsfolge J2 abge stimmt, die dem in der Fahrtrichtung davor liegenden Blockabschnitt.zugeordnet ist. Befin det sich in diesem Blockabschnitt ein Zug, so wird von dem Zug im ersten Blockabschnitt die Impulsfolge J2 empfangen. Die empfan gene Impulsfolge wird zunächst dazu benutzt, an das Fahrpersonal ein Warnsignal zu geben.
Weiterhin kann sofort oder nach einer fest gesetzten Verzögerungszeit, wenn nach deren Ablauf noch immer die Impulsfolge J2 emp fangen wird, eine Zwangsbremsung ausgelöst werden. Die Zwangsbremsung wird erst auf gehoben, wenn der Empfang der Impulsfolge J2 aussetzt, der voranfährende Zug also in den Blockabschnitt 3 eingetreten ist.
Bei Überschreiten der Grenze zwischen Blockabschnitt 1 und Blockabschnitt 2 werden in der bereits beschriebenen Weise Sender und Empfänger so umgeschaltet, dass der Sender die Impulsfolge .l. aussendet, der Empfänger dagegen die Impulsfolge .1.,>, empfängt.. In glei cher Weise erfolgt die Weiterschaltung beim Übergang auf die folgenden Blockabschnitte.
Zur Erhöhung der Betriebssicherheit wer den auch in den die Gesamtstrecke begrenzen den Bahnhöfen Sende- und Empfangseinrich tungen vorgesehen. Im Gegensatz zu den selektiv auf eine Impulsfolge eingestellten Fahrzeugempfängern sind die ortsfesten Emp fänger so eingerichtet, dass sie alle zehn Im pulsfolgen gleichzeitig aufnehmen und aus werten können. Auf diese Weise ist zunächst eine Überwachung sämtlicher auf der Strecke befindlicher Züge möglich, da durch den Empfang bestimmter Impulsfolgen unmittel bar die Lage der die betreffenden Impuls folgen aussendenden Züge gekennzeichnet ist. Werden gleichzeitig zwei Impulsfolgen emp fangen, die einander benachbart sind, so wird ein Alarmsignal ausgelöst.
Es kann dann vom Bahnhof aus mittels des wahlweise einstell baren Senders die Impulsfolge des entspre chenden Blockabschnittes ausgesendet werden Lind damit von dieser Stelle aus der nachfol gende Zug zum Stehen gebracht werden. Das gleiche kann geschehen, wenn festgestellt wird, dass die Aussendung der Impulsfolgen von einem unterwegs befindlichen Zug, z. B. in folge einer Störung, aussetzt. In diesem Falle kann von der ortsfesten Überwachungsstelle eine Impulsfolge ausgesendet werden, die dem jenigen Blockabschnitt entspricht, in dem der Zug festgestellt worden ist.
Die der Einstellung von Empfänger und Sender, das heisst ihrer Weiterschaltung beim Übergang in den nächstfolgenden Block abschnitt dienenden Nocken können auch so ausgebildet bzw. angeordnet werden, dass sie an Stelle einer schrittweisen Weiterschaltung von Sender und Empfänger eine unmittelbare Einstellung von Sender und Empfänger be wirken. Die Herstellung der als Modulations zeichen dienenden Impulsreihen selbst kann beispielsweise so erfolgen, dass eine rotierende Walze Nockenbahnen in der Anzahl der höchstens vorkommenden Blockabschnittzahl trägt, Von diesen Nockenbahnen werden dann jeweils zweibenachbarte zur Einwirkung auf zwei Kontakte gebracht, von denen einer den Sender, der andere den Empfänger steuert.
Zweckmässig werden die Führerstände der Triebfahrzeuge und ebenso die festen Über wachungsstellen mit einer Leuchttafel ausge rüstet, die die Gestalt einer Streckennachbil dung haben können. Der gerade befahrene Blockabschnitt kann durch Leuchtzeichen an gezeigt sein, die. auf den Fahrzeugen ebenfalls von der Gleisnocke eingeschaltet werden. Das Leuchtzeichen kann ferner von der Betriebs fähigkeit der Hochfrequenzeinrichtung selbst abhängig gemacht sein und auf diese Weise dem Fahrpersonal als Überwachungszeichen für die Hochfrequenzanlage dienen.
An Stelle der mechanischen Signalübertra gung auf die Fahrzeuge zur Einstellung der Hochfrequenzeinrichtung kann auch irgend eine andere bekannte Einrichtung, z. B. eine induktiv wirkende Einrichtung, vorgesehen sein. Ferner können die Empfänger auf den Fahrzeugen auch so ausgebildet sein, dass sie gleichzeitig die charakteristischen Modulations zeichen zweier benachbarter Blockabschnitte aufnehmen können, von denen (las eine dem übernächsten Blockabschnitt zugeordnet ist., das zweite dein unmittelbar vor dem Zug lie genden Blockabschnitt, wobei der Empfang des ersteren nur ein Aufmerksamkeitszeichen, der des zweiten sofort die Zwangsbremsung auslöst.