Fliessbandanlage zur Durchführung von Arbeiten nacheinander an einer Serie gleichartiger Uhrwerke
Zur Durchführung von Arbeiten nacheinander an einer Serie gleichartiger Uhrwerke sind Montageapparate bekannt, die ein auf dem Arbeitstisch eines Arbeiters anzuordnendes Gehäuse und eine Arbeitsstelle aufweisen, sowie Transportorgane zum Transport und zur Führung einer Reihe beladener Werkstückträger nacheinander und schrittweise aus dem Gehäuse durch die Arbeitsstelle und wieder in das Gehäuse zurück. Die Werkstückträger durchlaufen dabei eine in sich geschlossene Bahn. An der Arbeitsstelle sind die Werk stückträger und gegebenenfalls die darauf befindlichen Werkstücke am Ende jedes Transportschrittes fixiert, so dass manuell oder maschinell nacheinander an jedem auf die Arbeitsstelle geführten Werkstück eine bestimmte Arbeitsoperation, z. B.
Einlegen eines Teils, Einschrauben einer Schraube in eine vorgebohrte Gewindebohrung, Herstellen von Gewindebohrungen, blen von Lagern usw. an genau der gleichen Stelle durchgeführt werden kann.
Ist an einem Arbeitsplatz diese Operation für alle im Montageapparat untergebrachten Werkstücke durchgeführt, so kann entweder zu einer folgenden Operation geschritten werden oder, was der Normalfall bei Gruppenarbeit ist, der Montageapparat wird zu einem benachbarten Arbeitsplatz verschoben, wo eine weitere Operation an allen seinen Werkstücken durchgeführt wird usw.
Nach dem Grundsatz der Fliessbandanlage werden somit an jedem Arbeitsplatz nur eine bestimmte Anzahl von Arbeitsgängen, meist ein einzelner, an jedem der nacheinander an diesem bestimmten Arbeitsplatz auf die Arbeitsstelle des Apparates gebrachten Werkstück durchgeführt.
Montageapparate der soeben erläuterten Gattung sind beispielsweise in den schweizerischen Patentschriften Nrn. 403 659 und 446 187 beschrieben.
Fördertechnisch gesprochen arbeitet ein solcher Montageapparat als individuelles Fliessband und braucht als solches nicht unbedingt in eine Fliessbandanlage eingefügt zu werden. Wird er es jedoch, so entsteht ein Materialfluss nach dem Prinzip der unabhängigen Bän- der, d. h. nach Bearbeitung aller Werkstücke, die ein Montageapparat enthält, an einem bestimmten Arbeitsplatz werden die Werkstücke, gegebenenfalls über ein Zwischenlager, und im vorliegenden Fall mitsamt dem Montageapparat nach Massgabe des Bedarfs einem weiteren Arbeitsplatz zugeführt. Werden an allen Arbeitsplätzen manuelle Bearbeitungsoperationen an den Werkstücken vorgenommen, so hat diese Anordnung von Fliessbändern in einem Fliessband keine Nachteile.
Sind jedoch einige der aufeinanderfolgenden Arbeitsplätze manuell andere, aber vollautomatisch bedient, fällt der wesentlichste Vorteil dieser Anordnung, näm- lich die Möglichkeit der Berücksichtigung des individuellen Rhythmus jedes Arbeiters weg.
Eine starre Verkettung des Transportes der Werkstücke nacheinander zu allen Arbeitsplätzen ist aber bei Fliessbandanlagen mit gemischter manueller und vollautomatischer Bearbeitung an verschiedenen Arbeitsstellen sehr störanfällig, und zwar weniger aus transporttechnischen Gründen als vielmehr aus organisatorischen Gründen.
Es leuchtet ein, dass bei einer solchen Anlage eine Störung an einer Arbeitsstelle die Arbeit auch auf allen nachfolgenden Arbeitsstellen unterbricht. Nun sind aber solche Unterbrüche gerade an den manuell bedienten Arbeitsstellen unvermeidlich, weil kein Arbeiter in der Lage ist, während seiner ganzen Arbeitszeit ununterbrochen und im genau gleichen Rhythmus zu arbeiten, wie es an den vollautomatisierten Arbeitsstellen geschieht.
Dies gilt auch für eine bekannte Fliessbandanlage mit mehreren Arbeitsstellen, bei der eine gewollte Verlängerung der Verweilzeit der Werkstücke an einer be stimmten Arbeitsstelle dadurch crzielt wird, dass an dieser Arbeitsstelle eine Ansammlung mehrerer Werkstücke erzeugt wird, die dadurch an dieser Arbeitsstelle gleichzeitig der Wirkung einer Behandlungsflüssigkeit unterworfen werden können, d. h. bearbeitet werden können, wobei als Folge der Ansammlung jedes Werkstück wäh- rend einer Dauer an dieser Arbeitsstelle verbleibt, die ein Mehrfaches des Arbeitstaktes der Anlage beträgt.
Nichtsdestotrotz werden die Werkstücke bei dieser bekannten Anlage von der genannten Arbeitsstelle in einem konstanten, unveränderlichen Arbeitstakt abgerufen, so dass die Zahl der an dieser Arbeitsstelle befindlichen Werkstücke bei arbeitender Anlage konstant und stets gleich ist. Auch diese bekannte Anlage arbeitet somit mit einer starren Verkettung des Transportes der Werkstücke nacheinander zu allen Arbeitsplätzen, denn jedes Werkstück befindet sich genau gleich lange an jeder Arbeitsstelle wie das vorhergehende und das nachfolgende Werkstück. Wie bei allen Anlagen mit starrer Verkettung des Werkstücktransportes werden somit auch bei dieser bekannten Anlage die Unterbrüche als Folge von Störungen addiert und die Leistung der Anlage entsprechend vermindert.
Die vorliegende Erfindung bezweckt gerade diese Nachteile zu vermeiden und eine Fliessbandanlage zu schaffen, bei welcher kurzzeitige Arbeitsunterbrüche an einzelnen Arbeitsstellen möglich sind, ohne den Fortgang der Arbeiten an den anderen Arbeitsstellen zu stören.
Hierzu ist die erfindungsgemässe Fliessbandanlage zur Durchführung von Arbeiten nacheinander an einer Serie von gleichartigen, einzeln auf Werkstückträgern fixierten Uhrwerken, wobei die Werkstückträger in festen Abständen untereinander an einem geschlossene Bahn bildenden Transportorgan befestigt sind, welche sie nacheinander und schrittweise zu den aufeinander- folgenden Arbeitsstellen der Anlage führen, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens zwischen einigen von aufeinanderfolgenden Arbeitsstellen die Transportorgane in elastisch verlänger-und verkürzbaren Schleifen geführt sind und dadurch eine Pufferzone bilden, in die die vorgeschaltete Arbeitsstelle nach Massgabe des ihr eigenen Arbeitstaktes Uhrwerke speist und von der die nachgeschaltete Arbeitsstelle in dem ihr eigenen Arbeitstakt Uhrwerke entnimmt,
wobei Unterbrüche im Arbeitstakt der vorgeschalteten Arbeitsstelle, bis zu einer Dauer, welche der Summe der Bearbeitungszeiten durch die nachgeschaltete Arbeitsstelle aller in der Pufferzone gespeicherten Uhrwerke entspricht, ohne Einfluss auf die Leistung der nachgeschalteten Arbeitsstelle bleibt.
Bei einer solchen Fliessbandanlage arbeiten die zwischen einzelnen Arbeitsstellen angeordneten Pufferzonen wie eine atmende Lunge. Ihre Auffüllung bzw.
Entleerung ist nicht gesteuert, sondern ergibt sich aufgrund der Störungsanfälligkeit der einzelnen Arbeitsstellen. Todzeiten als Folge von kleineren Störungen und Unterbrüchen an einzelnen Arbeitsstellen werden nicht addiert, sondern in den verschiedenen Pufferzonen kompensiert und bleiben normalerweise ohne Einfluss auf die Gesamtleistung der Anlage, denn zu ihrer Behebung steht bis zur Entleerung der nachgeschalteten Pufferzone eine Zeitspanne zur Verfügung, die in den meisten Fällen zur Behebung der Störung genügt, so dass die nachgeschaltete Arbeitsstelle in ihrem normalen Arbeitstakt weiterarbeiten kann.
Die einzige Figur der beiliegenden Zeichnung zeigt stark schematisiert eine Draufsicht auf eine beispielsweise Ausführungsform einer Fliessbandanlage nach der Erfindung mit drei Arbeitsstellen.
Die dargestellte Fliessbandanlage weist drei Arbeitsplätze 1, 2 und 3 auf und es sei angenommen, dass am Arbeitsplatz 1 durch einen Arbeiter an jedem an ihm vorbeigeführten Werkstück eine manuelle Arbeitsoperation durchgeführt werden muss, während an den Arbeitsplätzen 2 und 3 eine automatische Bearbeitung der Werkstücke erfolgt. Der Transport der Werkstücke erfolgt durch ein als endlose Kette 4 ausgebildetes Transportorgan, mit in kurzen Abständen daran befestigten Werkstückträgern 5, von denen nur einige an den eigentlichen Arbeitsstellen dargestellt sind.
Die Kette 4 mit ihren Werkstückträgern 5 verläuft über den grössten Teil ihrer Länge staubgeschützt innerhalb eines Gehäu- ses und tritt nur an den Arbeitsstellen bei den Arbeitsplätzen 1 bis 3 schlaufenförmig aus dem Gehäuse. Die vorzugsweise mit den Kettengliedern über kurze Verbindungsstücke fest verbundenen Werkstückträger 5 laufen ausserhalb des Gehäuses auf eine als Arbeitsstelle dienende Plattform 6,7,8 auf, welche ein stabilisierendes Auflager für diese Werkstückträger 5 bildet. Die Kette 4 wird dabei jeweils unter der Plattform durchgeführt und die Verbindungsglieder durchsetzen einen Spalt in der Plattform, welcher der schlaufenförmigen Bahn der Kette unterhalb der Plattform folgt.
In beispielsweise aus den eingangs genannten Druckschriften bekannter und daher nicht näher dargestellter oder zu erläuternder Weise, ist die Kette schrittweise antreibbar und es erfolgt an den Arbeitsstellen am Ende jedes Schrittes eine sehr präzise Positionierung der zugeführten Werkstückträger, auf denen wiederum die zu bearbeitenden Werkstücke fixiert sind, so dal3 durch fest eingebaute Werkzeuge an den vollautomatischen Arbeitsstellen der Arbeitsplätze 2 und 3 synchron mit der Zufuhr und Stabilisierung der Werkstücke ein automatischer Bearbeitungsvorgang, z. B. das Einschrauben von Schrauben in vorgebohrte Löcher, das Einsetzen von Teilen, das solen von Lagern usw., durchgeführt werden kann.
Ebenso ist aus den eingangs genannten Druckschriften zu entnehmen und hier daher nicht besonders zu erläutern, auf welche Weise durch einen an einigen oder an allen Arbeitsstellen befindlichen Antrieb die Werkstückträger schrittweise nacheinander in ihre Bearbeitungsstellung gebracht werden.
Im Unterschied zu den bekannten, starren Fliess- bandanlagen führt bei der dargestellten Anlage die Kette 4 die Werkstückträger nicht auf dem kürzesten Weg von der Arbeitsstelle I für mamuelle Bearbeitung zur Arbeitsstelle 2 für vollautomatische Bearbeitung, sondern die eine geschlossene Bahn bildende Transportkette weist eine überschüssige Länge auf, die zwischen der Arbeitsstelle 1 und der Arbeitsstelle 2, genauer zwischen den Führungsrollen 9 und 10 für die Kette 4 über Führungsrollen 11, 12,13,14,15 geführt, in zickzackförmig verlaufende Schlaufen gelegt ist. Jede der Rollen 11-15 sitzt am Ende eines federnden Teleskoparmes 16, wie er rechts in der Figur beispielsweise für zwei Rollen dargestellt ist.
Durch die im Teleskoparm befindliche Druckfeder 17 werden die Schlaufen stets gespannt gehalten. Diese elastische Führung der Transportkette bildet eine Pufferzone. Werden die an der Arbeitsstelle 1 bearbeiteten Werkstücke an der Arbeitsstelle 2 nicht sogleich benötigt, d. h. arbeitet der Arbei ter an der Arbeitsstelle l schneller als die automatische Bearbeitung an der Arbeitsstelle 2, so wird das durch die Schlaufen der Transportkette gebildete Magazin aufgefüllt. Die für diesen Vorsprung benötigten Werkstücke werden einem vor der Arbeitsstelle 1 angeordneten Magazin entnommen, das in der Zeichnung im Anschluss an die Arbeitsstelle 3 in genau gleicher Weise wie das an die Arbeitsstelle I anschliessende Magazin durch federnd geführte Rollen gebildet ist.
Ist einmal ein gewisser Vorsprung der Bearbeitung an der Arbeitsstelle 1 gegenüber dem starren Arbeitsablauf an den Arbeitsstellen 2 und 3 erreicht, so über brückt die Pufferzone zwischen den Arbeitsstellen 1 und 2 selbsttätig bis zu einem gewissen Grade Störungen oder Unterbrüche im Arbeitsablauf an der Arbeitsstelle 1, ohne dass die zwangläufige Reihenfolge der Werkstücke zwischen den Arbeitsstellen sich ändert.
Trotzdem sie in eine Fliessbandanlage mit starrem Arbeitstakt an vollautomatischen Arbeitsstellen eingeschaltet ist, kann an der Arbeitsstelle I mit manueller Bedienung in gewissen Grenzen nach individuellem Rhythmus gearbeitet werden und, was bei heiklen Handarbeiten wie sie besonders die Uhrenremontage kennt, besonders ins Gewicht fällt, die Zeit, die für die Bearbeitung jedes Werkstückes an der Arbeitsstelle zur Verfü- gung steht, muss nicht fix sein, wie dies bei einem starren Fliessband der Fall wäre, sondern sie kann in gewissen Grenzen variieren.
Dies erlaubt es beispielsweise, den Transportmechanismus an der Arbeitsstelle 1 durch den Arbeiter individuell schalten zu lassen, sofern selbstverständlich die durchschnittliche Bearbeitungszeit mit dem Arbeitstakt an der folgenden vollautomatischen Arbeitsstelle übereinstimmt.
Der Ablauf der tRbergabe der Werkstücke zur und von der Arbeitsstelle I zur Arbeitsstelle 2 über die Pufferzonen, kann ohne technische Schwierigkeiten so überwacht werden, dass beispielsweise der Transport an der Arbeitsstelle 2 stillgesetzt wird, wenn infolge eines längeren Unterbruchs an der Arbeitsstelle 1 das Magazin leer ist.
Bei der in der Zeichnung gewählten Situation ist das der Arbeitsstelle 1 vorgeschaltete Magazin leer, und das dieser Arbeitsstelle nachgeschaltete Magazin voll.
Strichpunktiert ist die umgekehrte Extremlage dargestellt.