Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung von dünnwandigen Rohren Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Herstellung von dünn wandigen Metallrohren mit kleinen Toleran zen und einheitlicher Wandstärke.
Bei bestimmten Anwendungen ist zur Er zielung einer funktionsfähigen Vorrichtung ein Rohr mit geringer Toleranz und einheit licher Wandstärke besonders erwünscht. Wenn z. B. in Tauchmotoren zur Flüssigkeitsförde rung die Flüssigkeit den Läufer undloder Ständer nicht berühren soll, muss der Läufer undloder Ständer dicht in einer Metallkammer eingeschlossen sein, die den Umgebluigsdrük- ken gewachsen ist, unter denen die Flüssig keit gefördert wird.
In diesem Falle wird ein den Luftspalt durchsetzendes dünnwandiges Rohr zur Abdichtung des Läufers undloder Ständers verwendet. Da jedoch der Luftspalt zwischen Läufer und Ständer sehr klein und einheitlich sein muss, ist hiefür ein Rohr von geringer Toleranz und einheitlicher Wand stärke erforderlich.
Bei dem im Handel erhältlichen Rohrmate rial bezeichnet der Ausdruck dünnwandiges Rohr ein Rohr mit einer Wandstärke von 0,3-0,64 mm und einer Unrundheitatoleranz von 5;4 mm pro Meter Rohrlänge. Bisher war es zur Herstellung von dünnwandigen Metall rohren mit kleinen Toleranzen erforderlich, nach verschiedenen Verfahren hergestellte z. B. gezogene oder spangebend vorbearbeitete Rohrrohlinge spangebend fertig zu bearbeiten. Nach dem vorliegenden Verfahren können je doch auch Rohre mit einer Wandstärke von weniger als 0,3 mm, das heisst mit einer dünneren Wandstärke als bisher im Handel erhältlich, hergestellt werden.
Es ist klar, dass eine spangebende Bearbeitung mit kleinen Toleranzen, einen grossen Zeitaufwand, prä zise Werkzeugmaschinen und geschultes Be dienungspersonal erfordert. Dadurch wird die Herstellung des Produktes derart verteuert, dass eine Herstellung in angemessenen Men gen nicht in Frage kommt. Die Herstellung derart spangebend bearbeiteter Rohre wird ferner durch Fehler von Mensch, Maschine und Material verteuert, wie sie bei einer der artigen Präzisionsarbeit unvermeidlich sind.
Die apangebend bearbeiteten Rohre haben nicht nur den Nachteil, dass sie teuer sind, sondern auch unerwünschte physikalische Eigenschaften. Bedauerlicherweise können die durch die spangebende Bearbeitung verur sachten Spannungen in einem mit kleinen Toleranzen hergestellten Produkt nicht durch Glühen beseitigt werden, da dieses die Ge nauigkeit aufheben würde. Die Bearbeitungs spannungen und Einschlüsse sind besonders unerwünscht, wenn derartige Rohre- einem Innendruck ausgesetzt sind, da sie den Druck, dem die Rohre ausgesetzt werden können, be trächtlich vermindern.
In der Praxis ist es auch nicht möglich, Rohre mit einheitlicher dünner Wandstärke und geringen Durch- messertoleranzen in wesentlicher Länge nach andern Verfahren herzustellen, z. B. durch Tiefziehen oder durch Längsnahtschweissung von gewalztem Blechmaterial,' da diese Ver fahren für im Verhältnis zum Rohrdurchmes ser so kleine Wandstärken nicht geeignet sind.
Das erfindungsgemässe Verfahren zur Her stellung eines dünnwandigen Rohres aus einem Rohrkörper grösserer Wandstärke ist dadurch gekennzeichnet, dass der an beiden Enden gegen seitliche Ausdehnung starr ge haltene und an der Längsbewegung gehinderte Rohrkörper in eine Kammer eingesetzt wird, die grösser ist als der Rohrkörper und deren Innenprofil dem gewünschten Aussenprofil des dünnwandigen Rohres entspricht, und dass auf den zwischen den Enden des Rohrkörpers befindlichen Teil desselben von innen eine gleichmässig verteilte Kraft zur Einwirkung gebracht wird,
um diesen Teil gegen die Kammerwandung auszudehnen.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung zur DurchführLmg dieses Verfahrens ist gekenn- zeichnet durch je ein Ringorgan zum Fest klemmen und zum Abdichten beider Enden des Rohrkörpers und durch Mittel, um die Querbewegung der Enden des Rohrkörpers zu verhindern, ferner durch hydraulische Mit tel zur Beaufschlagung des Innenraumes des Rohrkörpers mit einer hydraulischen Kraft und durch eine die Ausdehnung des Rohrkör pers begrenzende Kammer.
Nachstehend ist die Erfindung ausführ licher an Hand der Zeichnungen besehrie- ben, die verschiedene bevorzugte Ausführungs beispiele der Erfindung darstellen.
Gemäss Fig. 1 wird ein zu verformender, an den Enden zugestöpselter Hohlrohling in einer ortsfesten Kammer bzw. einem Hohl zylinder 1 angeordnet und, dann durch Druck anwendung aufgeweitet. Dieses Aiüweiten kann stufenweise erfolgen, bis der Rohling schliesslich satt an der ortsfesten Kammer wand anliegt. Bei diesem Aufweiten wird' der Hohlrohling über seine Elastizitätsgrenze hin aus beansprucht, so dass das Material nach- gibt, bis eine Fertigform von einheitlicher Wandstärke erzielt ist.
Zum besseren Verständnis der Erfindung sei sie nachstehend an Hand eines relativ langen zylindrischen Rohres von einer Länge der Grössenordnung von 150-180 cm be schrieben. Das Verfahren kann jedoch in glei cher Weise auch auf andere Längen und Pro file Anwendung finden, wobei die erforder liche Vorrichtung im wesentlichen nur in der Grösse verändert zu werden braucht. Das vor liegende Verfahren geht. von einem Rohrroh ling 3 aus, der in Fig. 1 in vollständig auf geweitetem Zustand gezeigt ist und eine ur sprüngliche Stärke von etwa 0,46 mm hat.
Die Art der Herstellung des Rohres 3 ist unwesentlich; es hat sich jedoch als zweck mässig erwiesen, korrosionsfesten Stahl der Serie 300 in einer Stärke von 0,46 mm zil einem Rohr zu walzen und entlang seiner Längsnaht zu schweissen. Man kann jedoch auch ein aus dem gleichen Stahl tiefgezogenes Rohr mit einer Wandstärke von etwa 0,46 mm verwenden.
Ferner werden zwei Scheiben 4 vorgesehen, die aus jedem geeigneten Material, z. B. Stahl, bestehen können, das den bei der Durchfüh rung des Verfahrens auftretenden Drücken gewachsen ist. Die Scheiben können span gebend bearbeitet sein. Jede Scheibe hat eine Umfangsnut 5, in der ein elastischer Ring 6 angeordnet ist. Die Scheiben 4 können an den beiden Enden in dein Rohrrohling 3 ange ordnet werden. Ringe aus Neopren haben sich für diesen Zweck als zweckmässig erwiesen, doch können auch andere synthetische Elasto mere verwendet werden.
Die Ringe 6 ragen etwas über die Scheiben hinaus und, da sie elastisch sind, brauchen die Scheiben 4 am Umfang nicht mit grosser Genauigkeit bear beitet- zu sein, sondern können weiter abgear beitet werden, als den intern Toleranzgrenzen des Innendurchmessers des Rohrrohlings 3 entspricht. Zur Abstützung des Rohrrohlings 3 an beiden Enden sind Aussenstützringe 7 vor gesehen, die aus jedem geeigneten Material, z. B. Stahl, bestehen können. -Der Innenum fang der Stützringe 7 ist so bearbeitet, dass er dem Aussendurchmesser des Rohrrohlings 3 ziemlich genau entspricht, so dass die Stütz ringe von Hand frei auf die Enden des Rohr rohlings 3 aufgeschoben werden können; sie können jedoch auch einen leichten Presssitz haben.
Diese ganze Anordnung wird durch einen Zugstab 8 zusammengehalten, der eben falls aus jedem geeigneten Material, z. B. Stahl, bestehen kann. Der Zugstab 8 ist an beiden Enden mit Gewinden 9 in Gewinde bohrungen 10 der Scheiben 4 eingeschraubt. Zum Zusammenhalten der Anordnung kann man jedoch auch andere Befestigungsorgane verwenden. Es sei auch erwähnt, dass eine der Scheiben 4 mit einer Bohrung 11 versehen ist, an die die Hochdruckleitung 12 einer hydraulischen Pumpe 13 anschliesst. Die Hochdruckleitung 12 kann an der Scheibe 4 in jeder geeigneten Weise befestigt werden, z. B. durch Verschraubung mit dem erweiter ten gewindetragenden Teil 14 der Bohrung 11.
Die andere Scheibe 4 ist mit einer Boh rung 20 versehen, in deren äusserem Ende das Hochdruckformstück 22 einer Leitung 24 ein geschraubt ist, die zu einem Hochdruclcventil 26 führt. Das Ventil 26 kann eines von ver schiedenen im Handel erhältlichen Hoch druckventilen sein und dient zum Ablassen der in dem Rohrrohling 3 eingeschlossenen Luft, wenn der Rohrrohling 3 mit einem ge eigneten Druckmedium gefüllt wird. Dies wird nachstehend beschrieben.
Die derart beschriebene Anordnung kann auf verschiedene Weise ausgeführt werden. Es hat sich jedoch als zweckmässig erwiesen, die Anordnung wie folgt herzustellen: Zu nächst setzt man die Ringe 6 in die Nuten 5 der Scheiben 4 ein, dann befestigt man die Scheiben 4 an beiden Enden des Zugstabes 8 und schiebt dann den Rohrrohling 3 unter leichtem Zusammendrücken der Ringe 6 über die Scheiben 4 und den Zugstab B. Darauf schiebt man die Stützringe 7 auf die beiden Enden des Rohrrohlings 3 auf. Zur endgülti gen AufweitLmg des Rohres 3 setzt man nun diese ganze Anordnung in den Zylinder 1 ein und befestigt die Druckleitung 12 in der Bohrung 11. Bei dieser Anordnung bilden die Pumpe 13, die Leitung 12, die Bohrung 11, der Rohr rohling 3; die Scheiben 4 und die Ringe 6 ein hydraulisch abgedichtetes System.
Zur Durch führung des Verfahrens wird nun der Rohr- rohling 3 zunächst durch die Bohrung 11 der Scheibe 4 mit Wasser oder einem ändern ge eigneten Medium gefüllt, ehe die Hochdruck Leitung 12 mit dem gewindetragenden Teil 14 der Bohrung 11 verschraLtbt wird. Gegebenen falls kann der Rohrrohling 3 jedoch auch durch die Bohrung 20 der andern Scheibe 4 gefüllt werden, damit man den Pumpenan- schluss 14 nicht abzutrennen. braucht. Dann wird mit Hilfe der Pumpe 13 der hydrau lische Druck in dem hydraulisch abgedichte ten System erhöht.
Wie in der Hydraulik be kannt, wird eine durch ein hydrauliches System einwirkende Kraft in allen Richtun gen gleichmässig weitergeleitet. Wenn eine solche Kraft in dem Rohr 3 eine Spannung erzeugt, die die Elastizitätsgrenze des Mate rials des Rohres 3 überschreitet, erfährt das Rohr 3 eine bleibende Verformung mit einer von seiner ursprünglichen Abmessung abwei chenden Dimension.
In der Metallverformung ist es ferner be kannt, dass die mechanische oder Kaltverfor mung eines bildsamen Metalles innerhalb des Metalles eine Verfestigung bewirkt, die die Bildsamkeit des Metalles herabsetzt. Wenn beispielsweise eine prozentuell starke Verfor mung erforderlich ist, kann die Abnahme der Bildsamkeit so gross werden, dass vor Erhalten der vollständigen Verformung ein Bruch er folgt.
Um einen derartigen Bruch zu vermei den, kann die Verformung stufenweise erfol gen und das Metall zwischengeglüht werden, um die durch die Verformung hervorgerufe nen Spannungen zu beseitigen und die Bild samkeit des Metalles wiederherzustellen.
Bei der Durchführung des Verfahrens hat es sich in den meisten Fällen gezeigt, dass die zur Erzielung der gewünschten Wandstärke des Rohres 3 erforderliche prozentuelle Zu nahme des Aussendurchmessers des Rohres 3 so gross ist, dass ein Bruch des Metalles ein treten kann. Aus einem Rohr mit einer ur- eprüngliehen Wandstärke von z. B. 0,46 mm und einem Nenn-Aussendurchmesser von 69 mm kann man z. B: nach diesem Verfah ren ein Rohr mit einer Wandstärke von 0,3 mm und einem Nenn-Aussendurchmesser von etwa 117 mm herstellen. Das bedeutet eine .Zunahme des Durchmessers um 73 0/0.
Bei- einer prozentuell so starken Zunahme ist es erwünscht, dass das Rohr schrittweise auf geweitet und nach jedem Aufweiten zwischen geglüht wird, um die Wirkungen der Kalt verfestigung zu beseitigen. In diesem Fall braucht man bei dem ersten Aufweitschritt den Durchmesser nicht um den vollen ohne Bruchgefahr zulässigen Prozentsatz zu ver grössern. Bei Anwendung dieses Verfahrens und dieser Vorrichtung kann die prozentuelle Zunahme .des Durchmessers gleichmässig auf zwei, drei oder vier Aufweitstufen verteilt werden, oder in ungleichen Aufweitstufen er folgen.
Nun sei die Betrachtung des Beispiels der Verformung von 0,46 auf 0,3 mm wieder auf genommen. Hier wird das vorliegende Ver fahren vorzugsweise in gleichen Aufweitstu- fen von je 20 % Durchmesserzunahme durch- geführt. -Bei einem ursprünglichen Nenn- Aussendurchmesser von 69 mm ergibt eine erste Stufe <RTI
ID="0004.0029"> mit 20_ %iger Zunahme einen Nenn-Aussendurchmesser von 83 mm. Nach der ersten Aufweitstufe wird das Rohr ge glüht, um seine Verformungsspannungen zu beseitigen. Die zweite Stufe mit 20 0% lger Zu nahme ergibt einen Nenn Aussendurchmesser von 99 mm; anschliessend wird geglüht. Schliesslich ergibt eine dritte Aufweitstufe mit 20 0/a Zunahme einen Nenn-Aussendurch- messer von 119 mm.
Unabhängig von der Anzahl der in dem vorliegenden Verfahren angewendeten Auf weitstufen kann jede Aufweitstufe in der das hydraulisch dichte System bildenden Vorrich tung durchgeführt werden. Die Enden 25 des ursprünglichen Rohrrohlings 3 werden fest gehalten und daher weder aufgeweitet noch in der Stärke verringert, so dass die Scheiben 4 und Stützorgane 7 für jede Aufweitstufe verwendet werden können.
Ferner können bei . der Durchführung des Verfahrens die ersten Aufweitstufen ohne den Kaliberzylin- der 1 durchgeführt werden, da nach Festle gung der prozentuellen Durchmesserzunahme in einer bestimmten Stufe der nach dieser Stufe erwünschte Durchmesser mit einfachen Rechenlehren oder einstellbaren Mikrometern kontrolliert werden kann, die Lehre über den vergrösserten Durchmesser angelegt -werden, bis ein Festsitz erreicht ist. Jetzt kann der hydraulische Druck weggenommen werden, . um ein weitergehendes Aufweiten des Rohres zu verhindern.
Die letzte Aufweitstufe kann in der gleichen Weise durchgeführt werden, doch ist die mit Lehren erreichbare Genauig keit der Kontrolle natürlich nicht so gross wie bei Verwendung eines Kaliberzylinders. Die letzte Aufweitstufe wird daher in der Bohrung des Kaliberzylinders 1 durchge führt.
Au 4s der Zeichnung ist ersichtlich, dass der feststehende Kaliberzylinder 1, der aus jedem geeigneten Material, z. B. Stahl, hergestellt werden kann, das den in dem Verfahren an gewendeten Drücken gewachsen ist, mit einer kreisförmigen Innenbohrung 2 ausgebildet ist, in der der zu verformende Rohrrohling 3 angeordnet wird. Der Zylinder 1 kann mit einem von verschiedenen üblichen Organen zu seiner Manipulation versehen werden, z. B. mit (nicht gezeigten) ösenschrauben, die mit dem Zylinder 1 verschraubt sind. Der Zylin der kann horizontal oder vertikal auf jede geeignete Arbeitsfläche, z. B. eine Sohlplatte, gestellt werden.
Zur Erzielung einer glatten Aussenfläche des aufgeweiteten Rohres wird die 'Bohrung 2 des Zylinders 1 vorzugsweise mit kleiner Toleranz spangebend bearbeitet und glatt gehont.
Da die radiale Expansionsbewegung des Rohres 3 durch die Bohrung 2 des Zylinders 1 begrenzt wird, gibt das Rohr 3 nur so lange nach, bis es satt an der Bohrung 2 des Zylin ders 1 anliegt. Dann können die in dem Rohr 3 erzeugten Spannungen durch Anlegen einer Vibrationskraft beseitigt werden, die mit ge eigneten Mitteln, z. B. einem Pressluftham- mer 15, auf die Aussenfläche des Rohres 1 zur Einwirkung gebracht wird. Dieses Ver fahren zur Beseitigung derartiger Spannun gen wird nachstehend vollständig beschrieben.
Aus der bisherigen Beschreibung des Ver fahrens und der Vorrichtung ist die Art der Verformung des Rohres 3 wohl ohne weiteres verständlich. Bei zuinehmendem'hydraulischem Druck werden in dem Zugstab 8 und dem Rohrrohling 3 Spannungen hervorgerufen, die einer Längsausdehnung der hydraulischen Kammer entgegenwirken. Damit nur das Rohr 3 gedehnt wird, muss der Zugstab 8 einen so grossen Querschnitt haben, dass die darin von dem hydraulischen Druck erzeugte Spannung die Elastizitätsgrenze des Materials des Zugstabes 8 nicht überschreitet. Die ganze Anordnung bleibt daher unbeweglich, bis in dem Mantel des Rohres 3 Spannungen erzeugt werden, die die Blastizitätsgrenze des Mate rials des Rohres 3 überschreiten.
Wie bereits angedeutet, liegen an beiden Enden des Roh res 3 an seiner Innenseite die Ringe 6 an, die die Rohrenden abdichten und das Rohr reibungsschlüssig festhalten. Die Ringe 7 hal ten die Enden des Rohres 3 gegen jede seit liche Ausdehnung fest. Bei zunehmender Spannung in dem Rohr 3 dehnt sich dieses aus, um die Spannungen zu vermindern. Diese Entspannung erfolgt zunächst durch radiale Ausdehnung des Rohres 3. Das Rohr kann sich jedoch auch über den Ringen verschieben Lind in der Länge etwas kürzer werden.
Um eine derartige Verkürzung des Rohres 3 aus zugleichen, werden die Ringe 6 im Bereich der hydraulischen Kammer angeordnet. Nach jeder Aufweitstufe wird der hydraulische Druck durch Abtrennen der Leitung 12 von der öffnung 11 weggenommen und die Flüs sigkeit durch die Bohrung 11 oder 20 aus der hydraulischen Kammer entfernt. Danach wer den die Stützringe 7, Scheiben 4 und der Zug stab 8 von dem aufgeweiteten Rohr 3 entfernt.
Der Charakter eines gespannten Metalles bedingt, dass das Rohr 3 eine Schrumpfnei gung hat, wenn nach Druckentlastung die hervorgerufenen Spannungen nicht in irgend einer Weise, z. B. durch den Presslufthammer 15, beseitigt werden. Da jedoch das Rohr 3 über seine Plastizitätsgrenze hinaus gespannt wurde, wird eine bleibende Verformung er halten und erreicht das Rohr einen stabilen Zustand, der zwischen seiner ursprünglichen und seiner aufgeweiteten Dimension, und zwar in der Nähe seiner aufgeweiteten Dimen sion, liegt.
Bei einem gegebenen Rohr 3 kann die endgültige Dimension des aufgeweiteten Rohres durch Wahl eines Zylinders 1 mit einem bestimmten Innendurchmesser bestimmt werden. Es hat sich gezeigt, dass mit diesem Verfahren die Wandstärke des Rohres 3 im wesentlichen in seiner gesamten Länge ein heitlich vermindert wird und dass dabei die Molekularstruktur des Rohres 3 im Sinne einer Erhöhung der Festigkeitseigenschaften des Rohres 3 verändert werden. In dem gege benen Beispiel weicht die Wandstärke um 0,025 min von der Nennstärke von 0,3 mm ab, das heisst sie ist praktisch. einheitlich.
Die Scheiben 4, Stützringe 7 und der Zug- Stab 8 sind relativ einfache . Teile, die mit relativ einfachen Methoden der spangebenden Bearbeitung hergestellt werden können. Der einzige Teil der Vorrichtung, der eine weiter-. gehende spangebende Bearbeitung erfordert, ist der Zylinder 1, da die Bohrung 2 notwen digerweise glatt sein muss, um die satte An pressung des Rohres 3@ an den Zylinder 1 zu ermöglichen.
Es erscheint ferner selbstver ständlich, dass, wenn die Abmessungen- der Scheibe 4, der Stützorgane 7 und des Zug stabes 8 zunächst experimentell festgelegt wurden, diese Teile dann ohne weiteres in Serie hergestellt und wiederverwendet werden können.
Mit Bezug auf das vorstehend gegebene Beispiel sind mit dem Verfahren erzielbare Ergebnisse in der nachstehenden Tabelle bei spielsweise angeführt:
EMI0005.0042
Nenn-Aussen- <SEP> Mittlere
<tb> durchmesser <SEP> Wandstärke
<tb> MM <SEP> <U>mxn</U>
<tb> Rohrrohling <SEP> 69 <SEP> 0,46
<tb> nach <SEP> 1. <SEP> Aufweitstufe <SEP> - <SEP> 83 <SEP> 0,39
<tb> nach <SEP> 2.
<SEP> Aufweitstufe <SEP> 99 <SEP> 0,34
<tb> endgültige <SEP> Aufweitung <SEP> 119 <SEP> - <SEP> 0,30 Dies bedeutet eine Gesämtzunahme des Durchmessers von etwa 73 O/o und eine Gesamt verminderung der Wandstärke um 33,33 0/e. Es sei darauf hingewiesen, dass die prozen- tuelle Zunahme des Durchmessers pro Stufe grösser ist als die prozentuelle Abnahme der Wandstärke pro Stufe. Der Aussendurchmes ser kann eine ziemlich beträchtliche Verände rung erfahren, ohne dass die Wandstärke wesentlich beeinflusst wird.
Die begrenzte Er holung des Rohres 3 nach der Druckentlastung beeinflusst daher die Wandstärke kaum. In dem angegebenen Beispiel erholte sich das aufgeweitete Rohr 3, an seinem Aussendurch messer gemessen, nach jeder Stufe um 0,3 bis 0,38 mm. Bei der letzten Aufweitstufe wurde der Aussendurchmesser um 119-99 mm 20- mm vergrössert, während die Wandstärke um 0,34--0,30 mm = 0,04 mm verringert wurde. Eine Erholung des Durchmessers des Rohres 3 um 0;04 mm hat dann natürlich nur eine geringe Auswirkung auf die Wandstärke.
Es ist auch verständlich, dass der Aussen durchmesser des Rohres 3 eine beträchtliche Streuung haben kann, ohne dass die Einheit lichkeit der Wandstärke wesentlich beein trächtigt wird.
In der bisherigen Beschreibung wurde ein kreisförmiger Rohrkörper 3 betrachtet. Das Verfahren ist jedoch in gleicher Weise auch zur Verformung anderer Profile, z. B. von Dreiecken, Rechtecken Lind Polyedern, an wendbar, Es ist ferner selbstverständlich, dass ausser Stahl auch andere bildsame Metalle in ähnlicher Weise verformt werden können und dass an Stelle einer Flüssigkeit ein anderes Druckmedium verwendet werden kann. Die von'den Stützringen 7 festgehaltenen Enden des Rohres 3 können natürlich durch jedes geeignete mechanische Verfahren, z.
B. durch Sägen, abgetrennt und beseitigt werden, so dass ein Endprodukt von einheitlichem Quer schnitt erhalten wird.
Wie bereits erwähnt, können die im aus geweiteten Rohr 3 verbleibenden Spannungen durch Anlegen von Vibrationskräften an den umhüllenden Zylinder beseitigt werden. Das geschieht, indem ein hydraulischer Druck auf das Rohr 8 gegeben wird, der genügt, um das Rohr 3 satt gegen die Innenbohrung 2 des Zylinders 1 zum Anliegen zu bringen. Dabei kann, wie die Figur zeigt, ein Lufthammer 15 benutzt werden, um an der Aussenfläche des Zylinders 1 Stosswellen zu bewirken. Der Hammer 15 für die Erzeugung der Stosswel len kann einen Hammerkopf 16 besitzen, der aus beliebigem weichem Material besteht, z. B.
bestimmten Sorten von Messing oder Bronze, so dass die Abnutzung infolge der Schläge statt an der Aussenfläche des Zylinders 1. am Hammerkopf auftritt. Beim Anlegen der Stosswellen wird der Lufthammer 15 sowohl in Längsrichtung wie in Umfangsrichtung an der Aussenfläche des Zylinders 1 fortbewegt, um die gewünschte Freimachung von den erzeug ten Spannungen zu bewirken, wobei kein fest gelegter Bewegungsweg für den Lufthammer eingehalten werden muss. Es sei betont, dass die Verwendung eines Lufthammers nur eine Durchführungsmethode darstellt, um Stoss wellen an das ausgeweitete Rohr 3 anzulegen und dass ebensogut auch andere Verfahren zur Erzeugung der Stosswellen verwendbar sind.
Die Kraft des Hammerschlages bewirkt, dass im Zylinder eine Reihe Stosswellen auf treten, die auf das ausgeweitete Rohr 3 über tragen werden. Der Wirkungsbereich eines einzelnen Schlages ist beschränkt und seine grösste Wirkring liegt im Bereich direkt unter dem Kopf 16 des Hammers 15, von wo die übertragenen Stosswellen sich radial ausbrei ten. Es ist zweckmässiger, in rascher Folge eine Serie von Schlägen verhältnismässig klei ner Amplitude zu verwenden, statt je Schlag eine grössere Kraft in grösseren räumlichen Abständen zu benutzen.
Obwohl eine grosse Zahl Schläge grösserer Kraft verwendet wer den kann, hat sich ein Hammerkopf von etwa 9,7 cm2 an einem Lufthammer für einen Luft druck von 6,3-7 kglcm9 als zufriedenstellend erwiesen. Durch das beschriebene Verfahren können verbliebene Spannungen des ausgeweiteten Rohres 3 beseitigt werden, so dass das ausge weitete Rohr einen Aussendurchmesser auf- weist, der genau der Bohrung 2 des Zylinders 1. entspricht.