Spinnereimaschine wie Spinn-, Zwirn- oder Spulmaschine mit Fadenmesswerk
Es ist bekannt, an Spinn-, Zwirn- oder Spulmaschinen die jeweilige Liefermenge nach dem Gewicht der bewickelten Spule oder nach dem Durchmesser des Wickels zu ermitteln. Die wirkliche Länge des jeweilig aufgewickelten Fadens steht damit noch nicht ohne weiteres fest, da selbst geringe Spannungs- oder Titerschwankungen bei der rechnerischen Ermittlung der Fadenlänge in Metern so stark ins Gewicht fallen, dass die auf diese Weise ermittelten Annäherungswerte beispielsweise bei sehr feinen Fäden von der wirklichen Fadenlänge sehr stark abweichen. Im übrigen können zum Beispiel bei feinen Viscosefäden bereits Unterschiede in den jeweiligen Liefermengen von wenigen Gramm einen Unterschied in der Fadenlänge von mehreren tausend Metern ausmachen.
Es ist deshalb schon wiederholt die Forderung erhoben worden, in den Zwirnereien und Webereien ausschliesslich solche Spulen bzw.
Wickel zu verwenden bzw. herzustellen, deren Wicklung einheitlich auf die gleiche Fadenlänge begrenzt ist. An Vorschlägen, dies durch besonders empfindliche Tast- oder Wiegevorrichtungen zu erreichen, hat es auch nicht gefehlt, aber der damit verbundene sehr grosse Aufwand und die Schwierigkeiten, die sich vor allem bei konischen Wickeln ergeben, haben einer allgemeineren Einführung bisher noch immer entgegengestanden.
Weiterhin sind Spulmaschinen bekanntgeworden, auf denen Fadenlängen unmittelbar gemessen werden und die bei Erreichen einer bestimmten Fadenlänge selbsttätig abschalten. Man geht dabei so vor, dass die Umdrehungszahl der die Aufwickelspule tragenden Spindel in einem Zählwerk registriert wird. Aber auch dabei stellen sich Fehler ein, weil die Fadenlängen der obersten Wickellage jeweils von dem Titer der untern mitbestimmt werden. Bei einer andern Anordnung wird ein Längenmesswerk in den Fadenlauf zwischen Liefer- und Aufwickelspule ein geschaltet und vom überlaufenden Faden angetrieben.
Da solche Längenmesswerke zahlreiche umlaufende Zahnräder benötigen, die bisweilen - wenn es sich um Dekadenzählung handelt - stossweise und mit zunehmender Fadenlauflänge in zunehmender Zahl zugeschaltet werden, muss vom überlaufenden Faden ein verhältnismässig grosses Drehmoment zum Betrieb des Messwerkes abgegeben werden, welches wiederum eine hohe Fadenspannung voraussetzt bzw. den Faden gelegentlich bis zur Bruchgrenze beansprucht.
Fäden feinen und feinsten Titers lassen sich daher mit derartigen Messvorrichtungen überhaupt nicht aufwickeln.
Die Erfindung betrifft nun eine Spinnerei Maschine, beispielsweise eine solche, die künstliche Fäden feinsten Titers verarbeitet, mit Fadenmesswerk zur Herstellung vorbestimmbarer Fadenlängen auf Wickelspulen, und zeichnet sich aus durch eine mit gleichbleibender Drehzahl angetriebene, die abgezogene Fadenlänge messende Zwischenabzugsrolle, über die der Faden auf seinem Wege vom Lieferwickel zur Aufwickelspule läuft, und durch eine von der Fadenspannung beeinflusste, zwischen der Zwischenabzugsrolle und der Aufwickelspule angeordnete Regelvorrichtung zur Steuerung der ver änderlichen Drehzahl der Aufwickelspule. Auf diesem Wege ist es möglich, jeden einzelnen Wickel mit einem Höchstwert an Genauigkeit einheitlich auf eine bestimmte Fadenlänge zu begrenzen.
Die angetriebene Zwischenabzugsrolle ist zweckmässigerweise mit einem Messwerk verbunden, welches beispielsweise als mechanisches Zählwerk, Unter setzungsgetriebe, elektrisches Zählwerk oder dergleichen ausgebildet ist und bei voreinstellbarer Messlänge bzw. entsprechender Umlaufzahl über einen Schalter die Abzugs- und Aufwickelvorrichtung selbsttätig stillsteht.
Die Regelvorrichtung für die Drehzahl der Aufwickelspule kann z. B. einen als Tänzerarm ausgebildeter Fadenfühler tragen, welcher etwaige Änderungen der Fadenspannung auf diese übermittelt.
In der beiliegenden Zeichnung ist als Ausführungsbeispiel der Erfindung eine solche Vorrichtung schematisch dargestellt, und zwar zeigt:
Fig. 1 und 2 die Gesamtanordnung von vorn und von der Seite und
Fig. 3 und 4 zwei verschieden ausgebildete Zwischenabzugsrollen und die Anordnung des Messwerkes.
Nach der Zeichnung ist zwischen dem Lieferwickel 1 und der Aufwickelspule 2, deren Drehzahl mit zunehmendem Durchmesser der Wicklung derart geändert wird, dass die Aufwickelgeschwindigkeit und Fadenspannung stets annähernd gleichbleiben, eine mit gleichbleibender Drehzahl umlaufende Zwischenabzugsrolle 3 eingeschaltet. Diese Zwischenabzugsrolle 3 ist mit einem Zählwerk 4 (Fig. 3) ausgerüstet, welches zweckmässig auf die Lieferung in Metern geeicht ist und derart eingerichtet und einstellbar ist, dass es bei Erreichen einer bestimmten Messgrösse einen Schalter 5 (Fig. 3) betätigt, der die Aufwickelspule 2 und Zwischenabzugsrolle 3 stillsetzt. Der Faden 6 wird nach der Zwischenabzugsrolle 3 durch den Tänzerarm 7 der Regelvorrichtung 20 gespannt gehalten.
Der Tänzerarm 7 spricht auf jede Änderung der Fadenspannung an und regelt dann auf bekannte Art selbsttätig das Magnetfeld im Motor 16 und damit die Drehzahl der Spule derart, dass die Fadenspannung stets annähernd gleich bleibt.
Zum Stillsetzen der Aufwickelspule 2 und Zwischenabzugsrolle 3 einschliesslich des mit der letzteren verbundenen Zählwerkes 4 bei etwaigen Fadenbrüchen, schwingt der Tänzerarm 7, der während des Fadenabzugs in der Betriebsstellung A gegen den gespannten Faden anliegt, bei einem Fadenbruch infolge Schwerkraftwirkung bzw. eines besonderen Gewichtes 8 in die Stellung B. Dabei rückt der Tänzerarm 7 den Hebel 9 aus, welcher die Reibungsbremse 10 auf die Abzugsrolle 3 zur Einwirkung bringt. Die Zwischenabzugsrolle 3 wird beispielsweise, wie in der Fig. 3 dargestellt, über Magnete 11, welche in den auf der rotierenden Welle 12 sitzenden Flanschen 13 eingelassen sind, in Drehung versetzt. Bei Einwirkung der Bremse 10 auf die Nute 14 in der Rolle 3 wird die Anziehungskraft der Magnete 11 überwunden und die Rolle zum Stillstand gebracht.
Weiterhin öffnet der Tänzerarm 7 gleichzeitig den Schalter 15 im Stromkreis des Motors 16, wodurch dieser ebenfalls zum Stillstand gebracht wird.
Die Zwischenabzugsvorrichtung kann gegebenenfalls auch aus einem Rollenpaar bestehen, von denen beispielsweise, wie in der Fig. 4 dargestellt, die eine ortsfest als Treibrolle 17 ausgebildet und die andere als Druckrolle 18 an einem besonderen Hebel 19 befestigt ist. Der Faden 6 läuft zwischen den beiden Rollen 17 und 18 hindurch und wird derart von der Druckrolle 18 gegen die Treibrolle 17 gedrückt, dass er mitgenommen und gefördert wird. Bei etwaigem Fadenbruch, bei dem der Tänzerarm 7 in die Stellung B schwingt, wird die Druckrolle 18 unmittelbar oder über ein entsprechendes, nicht gezeichnetes Zwischenglied von der Treibrolle 17 abgehoben und damit der weitere Fadenabzug unterbunden.
Ein besonderer Vorteil der beschriebenen Vorrichtung besteht darin, dass die Zwischenabzugseinrichtung noch nachträglich an bereits vorhandene Spinn-, Zwirn- und Spulmaschinen angebaut werden kann. An Stelle der Regelvorrichtung mit Tänzerarm 7 können Regelvorrichtungen mit andern Fadenfühlern, die geeignet sind, die Spannung des Fadens vor der Aufwickelspule abzutasten und zu steuern, benutzt werden. Die Regelvorrichtungen können in bekannter Weise so ausgebildet sein, dass der Faden im Laufe des Wickelvorganges mit vorbestimmtem, veränderlichem Spannungsverlauf aufgewunden wird.