Verfahren zur Herstellung Pilz- und bakterienresistenter Anstrichstoffe Es ist bekannt, dass Anstrichstoffe der verschie densten Art einen Nährboden für Pilze und Bakte rien bilden können. Anstrichstoffe, die leicht zersetz liehe Bestandteile wie Kasein, Celluloseleime, Kunst stoff-Dispersionen usw., enthalten, können schon während der Lagerung von Pilzen und Bakterien be fallen werden.
Pilze und Bakterien können aber auch nach erfolgter Applikation eines Anstrichstoffes auf dem Anstrichfilm sowie in diesem selbst gedeihen. Schimmelbildung auf Anstrichen in feuchten Räum lichkeiten ist häufig anzutreffen. Zur Vermeidung dieser Erscheinungen werden den Anstrichstoffen fungicide und baktericide Substanzen zugegeben. Als derartige Zusätze sind empfohlen worden: Phenol und Phenol-Derivate, organische Quecksilberverbin dungen, Salicylsäure-Derivate, Kupfersalze, wie z. B.
Kupfer-8-Oxychinolat, Zinkverbindungen u. a. Un ter diesen fungiciden und baktericiden Substanzen zeichnen sich die organischen Quecksilberverbindun gen durch ihre hohe Wirkung bei niedrigen Konzen trationen aus.
Im Gegensatz zu phenolischen Verbin dungen, die sich mit Eisenspuren verfärben können, beeinflussen die organischen Hg-Verbindungen den Farbton eines Anstrichstoffes nicht. Kupfer-8-Oxy- chinolat ist ebenfalls ein hervorragend geeignetes Fungicid, hat aber eine dunkle Färbung, so dass damit versetzte Anstriche einen gelblichen bis bräun lichen Stich erhalten.
Es wurde nun gefunden, dass pilz- und bakterienresistente Anstrichstoffe herge stellt werden können, wenn ihnen gewisse organische Zinnverbindungen mit fungiciden und baktericiden Eigenschaften zugesetzt werden. Bezüglich Wirkung übertreffen diese organischen Zinnverbindungen so gar die organischen Quecksilberverbindungen. Sie sind farblos, führen zu keinerlei Verfärbungen der Anstrichstoffe und lassen sich diesen leicht zu mischen. Als besonders wirksam haben sich folgende orga nische Zinnverbindungen erwiesen: Trialkyl-zinn-hydroxyd und daraus abgeleitete Ester.
Infolge guter Löslichkeitseigenschaften und relativ niedriger Gestehungskosten zeichnen sich dar unter besonders aus: Tri-n-butyl-zinn-hydroxyd und daraus abgeleitete Ester; Tri-isopropyl-zinn-hydroxyd und daraus abgelei tete Ester.
Bei der Lagerung setzen sich die Trialkyl-zinn- hydroxyde unter Wasserabspaltung in Trialkyl-zinn- oxyde um.
<I>Beispiel 1</I> Eine Ölfarbe aus Leinöl und Zinkweiss wird auf die Weise pilzresistent gestaltet, als man dem Öl vor der Zugabe des Pigmentes 0,1% Tri-n-butyl-zinn- hydroxyd, berechnet auf das Gesamtgewicht der streichfertigen Farbe, beimischt. Anstriche mit dieser Farbe erwiesen sich in der Feuchtigkeitskammer als äusserst pilzresistent. Die gleiche Farbe ohne Zusatz der organischen Zinnverbindung wird trotz des Ge haltes an relativ pilzwidrigem Pigment nach kurzer Zeit von Schimmelpilzen bewachsen.
<I>Beispiel 2</I> Eine wässerige Anstrichfarbe auf Basis von Poly- vinyl-Acetat-Dispersion als Bindemittel wird mit 0,05% Tri-n-butyl-zinn-hydroxyd versetzt. Die Bei- mischung des Fungicids erfolgt derart, dass die orga nische Zinnverbindung im Weichmacheranteil der Dispersion, bestehend aus einem Gemisch von Di- butylphthalat und Trikresylphosphat,
gelöst und die ser in die Dispersion anschliessend einemulgiert wird. Dadurch wird eine höchst gleichmässige Verteilung des Fungicids erreicht. Hierauf wird die Farbe durch Zugabe der Pigmente und eventueller Zusatzstoffe mit nicht fungicidem Charakter auf bekannte Weise fertiggestellt. Die dermassen hergestellte Farbe erweist sich während der Lagerung im Kessel wie auch nach erfolgtem Aufstrich als pilz- und bakterienresistent.
<I>Beispiel 3</I> Eine zur Streichfertigkeit verdünnte Emulsions- farbe auf Basis eines lufttrocknenden Alkydharzes wild dermassen pilz- und bakterienwidrig gestaltet, dass man ihr unter sehr energischem Rühren eine 50 % ige Lösung von Tri-isopropyl-zinn-hydroxyd in Isopropylalkohol beimischt.
Der Zusatz beträgt 0,05 bis 0,211/0, berechnet auf die reine organische Zinn- verbindung und auf streichfertige Farbe. Die so her gestellte Farbe ist während der Lagerung in den üblichen Gebinden vor jeder Zersetzung durch Mi kroorganismen geschützt, obwohl sie Kasein als leicht zersetzlichen Bestandteil enthält. Der trockene Abstrichfilm wird auch in feuchten und warmen Räu men nicht von Mikroorganismen befallen. Auf Holz gestrichen verhindert die Farbe das Wachstum von Bläuepilzen auf der Holzoberfläche zwischen Farb- schicht und Holz.
<I>Beispiel 4</I> Eine streichfertige Kunstharz-Streichemaille auf Basis von lufttrocknenden Alkydharzen erhält fungi- cide und baktericide Eigenschaften, wenn man ihr eine Lösung von Tri-n-zinn-Resinat, -Laurat oder -Naphtenat, gelöst in White Spirit, zumischt.
Der Zusatz an organischer Zinnverbindung, berechnet auf streichfertige Farbe, beträgt 0,05-0,1511/o. Der Anstrichfilm erweist sich in der Feuchtigkeitskammer als beständig gegen das Wachstum von Pilzen und Bakterien. Auf analoge Weise können Lösungsmittel enthaltenden Anstrichstoffen anderer Art, z. B. Chlorkautschuklacken, Standölfarben, Vinylharzfar- ben usw., fungicide Zusätze auf Basis der Ester organischer Zinnverbindungen mit fungiciden und baktericiden Eigenschaften beigegeben werden.
Die Zinnverbindungen werden in Lösungsmitteln vorge- löst, welche mit dem betreffenden Anstrichstoff ver träglich sind.