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Verfahren zur Herstellung von Säuglingsnahrung Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von Säuglingsnahrung aus Kuhmilch und kohlehydrathaltigen Stoffen, das dadurch gekennzeichnet ist, dass Kohlehydrate in Milch bei Anwesenheit eines alkalihaltigen Puffers vom pH-Wert zwischen 6-7 aufgekocht werden.
Das neue Verfahren ermöglicht eine besonders feine und weiche Flockung des Kaseins aus Kuhmilch. Es ist festgestellt worden, daB das Kasein der Kuhmilch für den Säugling um so leichter verdaulich ist, je feiner es in der Säuglingsnahrung ausgeflockt ist. Durch diese feine Ausflockung bietet das Kasein nicht nur den proteolytischen Fermenten eine grosse Angriffsfläche, sondern verhütet auch, dass das Kuhmilchfett von ausgeflockten Kaseinteilchen eingeschlossen und damit dem Angriff der Lipase entzogen wird.
Man weiss, dass das Kasein in der Kuhmilch als Erdalkali- salz, vorzugsweise als Kalziumsalz vorliegt, während in der Frauenmilch das Kasein als Alkalisalz, insbesondere in Form von Kaliumkaseinat vorhanden ist. Das Erdalkalisalz des Kaseins flockt am isoelektri- schen Punkt relativ grob aus, das Alkalisalz dagegen sehr fein. Darauf beruht die bekannte Tatsache, dass das Kasein der Kuhmilch auf Säurezusatz grob, das der Frauenmilch dagegen äusserst fein ausflockt. Dieser Vorgang ist, was hier bemerkt werden soll, unabhängig von der Anwesenheit von Schutzkolloiden.
Es ist schon vorgeschlagen worden, zur Herstellung von Säuglingsnahrung feste organische Säuren und ein kalt quellendes Mehl zur Trockenmilch in solcher Menge zuzusetzen, dass bei der Auflösung des Lebensmittels in wässriger Flüssigkeit das Kasein vollständig ausgefällt wird. Die Flockung geschieht am isoelek- trischen Punkt in der Kälte. Bei dieser Arbeitsweise ist aber nicht die Gewähr dafür gegeben, dass über die Wirkung der Schutzkolloide hinaus eine so weiche Koagulation von so feinem Verteilungsgrad wie bei der Frauenmilch sich bildet, da das Kasein auch bei dieser Arbeitsweise noch immer als Kalziumkaseinat vorliegt.
Man hat ferner empfohlen, Basenaustauscher zur Behandlung der für die Kindernahrung vorgesehenen Milch heranzuziehen. Durch die Behandlung von Kuhmilch mit einem Basenaustauscher soll die Kuhmilch eine für die Säuglingsnahrung geeignetere mineralische Zusammensetzung erhalten. Durch Vorbehandlung der Milch mit Zeolithen und Kochsalz- Chlorkalium-Lösungen ist versucht worden, Natrium und Kalium in die Kuhmilch einzuführen. Dieses Verfahren ist unzulänglich und umständlich, da es besondere Massnahmen für den Ionenaustausch erfordert.
Eine weitere Methode, weich und fein gerinnendes Kasein in der Säuglingsnahrung zu erzeugen, beruht darauf, das Kalzium in der Milch nach dem bekannten Soda-Ätznatron-Entkalkungsverfahren des Wassers zu entfernen. Auch dieses Verfahren ist umständlich und bedarf besonderer, von der Molkereitechnik getrennter, Aufarbeitung der Milchsubstanz.
Das vorliegende Verfahren gestattet, in einem einzigen Arbeitsgang, und ohne dass es besonderer Massnahmen oder molkereitechnischer Hilfsmittel bedarf, durch einfaches Aufkochen den gewünschten Ionenaustausch von Kalzium gegen Kalium oder Natrium zu erzielen und dabei gleichzeitig durch die Festlegung der Wasserstoff-Ionenkonzentration mit Hilfe des Puffers während des Kochprozesses die gewünschte hochdisperse Koagulation herbeizuführen.
Bekanntlich geht das Bestreben der Pädiatrie dahin, Säuglingsnahrungen zu schaffen, die eine hohe Viskosität aufweisen, weil dadurch die Peristaltik des Magen-Darmkanals beim Säugling günstig beeinflusst wird. Bisher wurde dieses Ziel durch Homogenisieren der Milch unter Beigabe von Schutzkollo-
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iden, wie Stärke oder Schleim oder Stärke-Schleim- kombinationen, zu erreichen versucht. Dabei blieb aber immer das Kalzium in der Kuhmilch erhalten.
Um eine besonders feine Flockung zu erhalten, verwendete man Lab zur Ausfällung des Kalziums in der Hitze oder künstliche Säurung der fertigen Nahrung in der Kälte, beispielsweise durch bakterielle Säurung. Alle diese Verfahren erreichen nicht den gewünschten Weichheitsgrad des Kaseins. Ausserdem ist die Herstellung wegen der Säurezugabe in getrennter Form nach Fertigstellung und Abkühlung umständlich und führt, gemessen an der Viskosität bei Erwärmung auf Trinktemperatur oder erneutem Aufkochen zu einer zunehmenden Härte des Kaseins. Derart gewonnene Zubereitungen lassen sich nachträglich nicht mehr aufkochen, da dabei eine grobe Ausflockung erfolgt.
Der optimale Wert für das p$ des Säurepuffers liegt bei etwa 6,7. Der Säuregrad nach Soxhlet-Henkel beträgt zweckmässig 12 SH'. Innerhalb des zulässigen Bereiches der Wasserstoff-Ionenkonzentration hängt die gute Wirkung bei einem Säuregrad von etwa 12 SH', von dem Gehalt der Milch an Kasein, von den anwesenden Schutzkolloiden, von dem pH-Aus- gangswert der Milch und andern Faktoren ab. Wenn der pH-Wert grösser als 7 ist, so tritt kein Flockungs- effekt ein.
Mit abnehmendem pH-Wert nimmt der hydrophobe Charakter der Flockung immer mehr -zu, d. h. das Kasein wird nach und nach gröber und physiologisch härter. Parallel damit verläuft die Änderung der Viskosität, die gerade bei der Verwendung solcher Zubereitungen als Kindernahrung von besonderer Bedeutung ist.
Bei der Herstellung der Säuglingsnahrung durch Aufkochen wird, beispielsweise wenn man einen Puffer aus Zitronensäure und Natriumzitrat benutzt, dem Kasein das Kalzium entzogen, da der Puffer mit dem Kalzium einen nichtionisierten Komplex bildet und dadurch Natrium- oder Kaliumionen anstelle des Kalziums setzt. Es findet also ein Ionenaustausch statt, wodurch das Alkalisalz des Kaseins in der Hitze zu besonders feiner, muttermilchähnlicher Ausflok- kung gebracht wird.
Es ist zweckmässig, aber nicht notwendig, dass während der Flockung Schutzkolloide anwesend sind, weil beispielsweise Schleimstoffe den erwähnten Vorgang noch weiterhin begünstigen. Die Anwesenheit von Schutzkolloiden während der Flockung erweitert die kritische Zone in bezug auf den pH-Wert, in welcher eine feine Flockung stattfindet. Zweckmässig kann man makromolekulare Verbindungen mit Fadenmolekülen, wie Pektine, Mannane und dergleichen verwenden. Zur Durchführung des Verfahrens kann man beispielsweise so vorgehen, dass man üblichen Kindernährmitteln, welche Kohlehydrate und Milchpulver enthalten, ein alkalihaltiges Puffergemisch, z.
B. eine Mischung von Zitronensäure oder Milchsäure und Alkalizitraten, ein saures Alkaliphosphatgemisch oder dergleichen, zusetzt und nach Zugabe von Wasser aufkocht. Es ist zweckmässig, wenn der Säuregrad im Mittel 12 SH' beträgt. Es hat sich ergeben, dass bei der Berücksichtigung der notwendigen ernährungsphysiologischen Gesichtspunkte ein gutes Gedeihen des Säuglings bei einer 3% igen Anwendung eines Stärkenährmittels gegeben ist.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass man bei solchen Zubereitungen eine Kindernahrung von erheblicher Viskosität erhält, die ebenso wie die hochdisperse, freiwillig nicht erfolgende Flockung des Kaseins auch bei wiederholtem Aufkochen mit dazwischen liegenden Abkühlungen nicht beeinflusst wird. Dadurch ist es möglich, eine fein- 01 Flaschennahrung, auch dann, wenn sie länger gestanden hat, zur Abtötung eines gegebenenfalls stattgefundenen Bakterienwachstums vor dem Verabreichen der Nahrung nochmals kurz aufzukochen, ohne dass dadurch die Kaseinflockung vergröbert oder verhärtet wird.
Ein Ionenaustausch bei Anwesenheit von Schutzkolloiden ergibt eine Säuglingsnahrung, die eine besonders leichte und gute Verdaulichkeit aufweist.
Ausführungsbeispiel In 100 Teilen Vollmilch, die je nach dem Alter des Säuglings mit Wasser verdünnt sein kann, gibt man 6 Teile eines Pulvers, das aus 97 Teilen Kohlehydraten, 2,1 Teilen Zitronensäure und 0,9 Teilen Natrium citricum besteht und kocht unter Umrühren auf. Als Kohlehydrate kann man die in der Säuglingsernährung gebräuchlichen Arten verwenden, z. B. Weizenmehl, Weizenstärke, Hafermehl.