Medizinisches Gerät mit Mitteln zur diagnostischen Messung des Tonus sowie zur gymnastischen Behandlung der Scheiden-, Beckenboden- sowie benachbarten
Muskulatur
Die Erfindung macht es sich zur Aufgabe, ein medizinisches Gerät mit Mitteln zur diagnostischen Messung des Tonus sowie zur gymnastischen Behandlung der Scheiden-, Beckenboden- sowie benachbarten Muskulatur zu schaffen, insbesondere um Stärke und Ausmass der Scheiden- und Beckenmuskulatur sowie die Intensität der Scheidenkontraktion messen zu können. Solche Feststellungen sind für die ärztliche Arbeit, insbesondere für diagnostische und therapeutische Zwecke, von Bedeutung. Vorzugsweise kann die Erfindung mit Vorteil bei weiblicher Harninkontinenz Verwendung finden sowie bei den nach der Entbindung auftretenden Folgezuständen, wie Descensus usw.
Es ist vorgeschlagen worden, zur Einführung in Schliessmuskeln ein mit einer elastischen Hülle versehenes Einführungsorgan mittels eines mit einem Manometer verbundenen Gebläses aufzublasen. Hierbei ist ein aus flexiblem Material bestehendes, am vorderen Ende geschlossenes Rohr über einen starren Kern gezogen, am Kopf der Kernes befestigt und an hinteren Ende zwischen Flanschen eingeklemmt. Beim Aufblasen wölbt sich dann die elastische Hülle mehr oder weniger kugelförmig auf. Solche Einführungsorgane sind zur Einführung in das Scheidenrohr ungeeignet, selbst wenn man sie etwas gekrümmt ausführen würde. Die in der Natur vorkommenden Scheidenformen sind jedoch sehr verschieden, teilweise weiter oder verengter, und verlaufen auch in verschiedenen Krümmungen. Schliesslich könnten solche mit einem starren Kern versehene Organe unter ungünstigen Umständen zu Verletzungen führen.
Anderseits sind Massageapparate vorgeschlagen worden, die aus einem gekrümmten Rohr bestehen, das meist aus Hartgummi hergestellt ist und das am Ende oder auch an einer anderen Stelle mit einem kleinen, aufblasbaren Ballon versehen ist. Durch Eindrücken oder Ablassen von Luft mit Hilfe eines Handgebläses kann man dann in der Nähe der Portio oder an einer Stelle der Scheidenrohrwandung eine Massage ausüben.
Die Erfindung hat erkannt, dass ein die gestellte Aufgabe lösendes Einführungsorgan sich allen möglichen Scheidenformen sowohl bei der Einführung anpassen können muss als auch insbesondere beim Aufblasen und Halten des eingeführten Luftdruckes eine völlig gleichmässige Anlage an der ganzen Scheidenrohrwandung ermöglichen muss.
Die Erfindung besteht darin, dass ein das Einführungsorgan bildender, vorn geschlossener, elastischer, zylindrischer Hohlkörper, der etwa der Länge und dem Durchmesser des Scheidenrohres angepasst ist, völlig biegsam und unversteift freistehend ausgebildet ist und der Scheidenrohrwandung auf seiner ganzen Länge durch Aufblasen anpassbar ist.
Das beispielsweise mehrfach unterteilte Einführungsorgan kann an Vorrichtungen zum Absaugen und gleichzeitigen Messen der anfallenden Luftmenge anschliessbar sein.
Es ist möglich, zur Pertubation mittels eines Uteruskatheters an die Druckleitungen eines Handgebläses, unter Zwischenschaltung von Ventilen, eine Kohlensäurequelle anzuschliessen.
Das neue Gerät kann bei allen Fällen von übermässiger Erweiterung oder Erschlaffung der Scheide, so nach jeder Geburt, nach Dammrissen, oder künstlich gesetzten Schnittverletzungen, oder nach bestimmten gynäkologischen Operationen, Verwendung finden.
Anhand der Zeichnung werden Ausführungsbeispiele der Erfindung näher erläutert.
Fig. 1 zeigt schematisch das Einführungsorgan, das mit einem Manometer und Handgebläse verbunden ist
Fig. 2 zeigt eine Ausführung des Gerätes, bei dem das Einführungsorgan in Kammern unterteilt ist und mit Vorrichtungen zum Absaugen und gleichzeitigem Messen der anfallenden Luftmenge verbunden ist, wobei auch der Anschluss eines Uteruskatheters veranschaulicht ist.
Das Gerät besteht aus einem in das Scheidenrohr einführbaren Einführungsorgan 10, das als vorn geschlossener, zylindrischer Hohlkörper ausgeführt ist, der etwa der Länge und dem Durchmesser des Scheidenrohres angepasst ist. Der Hohlkörper 10 ist völlig biegsam und unversteift freistehend ausgebildet und ist entsprechend den physiologischen Verhältnissen auf seiner ganzen Länge der Scheidenwandung beim Aufblasen anpassbar.
Der zylindrische Hohlkörper ist an seinem offenen Ende 10' schlauchförmig verengt und über ein mit verdickten Muffen versehenes Verbindungsstück 11 gezogen, an dessen hinterem Ende der Gummischlauch 12 angeschlossen ist. Dieser ist am Dreiwegstück 13, das das Manometer 14 aufweist, angeschlossen, während an der Abzweigung der Schlauch 15 befestigt ist, der über das Ventil 16 zu dem Handgebläse 17 mit Bodenventil 18 führt. Das Ventil 16 ist in bekannter Weise als Rückschlagventil ausgeführt. Das Manometer ist auf Millimeter Quecksilbersäule geeicht und kann mit einer mechanischen oder photoelektrischen Registriervorrichtung, gegebenenfalls mit beiden, verbunden sein.
Über den zylindrischen, biegsamen Hohlkörper 10 kann vor Gebrauch ein Kondom 19 gezogen werden, der mit Gleitsubstanz bestrichen werden kann. Die Gleitsubstanz kann mit Medikamenten, insbesondere mit tonusverändernden Substanzen, vermischt sein, um bei der Messung zu ermitteln, in welcher Weise die Vagina auf Medikamente reagiert.
Das Ventil 16 ist in der für Blutdruckmessgeräte bekannten Art konstruiert. Es wirkt einmal als Rückschlagventil und hält die durch das Handgebläse 17 eingepumpte Luft in dem Gerät zurück. Man kann es aber auch durch Betätigung einer Regulierschraube 16' als Auslassventil benutzen und so viel von dem Druck ablassen, bis der gewünschte Fülldruck eingestellt ist. Dann wird die Regulierschraube wieder festgezogen, so dass der Druck in dem allseitig geschlossenen Gerät erhalten bleibt. Zwecks Entlüftung wird die Schraube geöffnet, so dass der Druck entweicht und das Einführungsorgan leicht entfernt werden kann.
Anstelle des Handgebläses kann gegebenenfalls auch unter Zwischenschaltung von Ventilen ein Luftkompressor angeschlossen werden.
Zwecks gymnastischer Behandlung und Stärkung der Beckenmuskulatur werden nach Einführung des Organs 10 bei einem Fülldruck von etwa 40 bis 80 mm Quecksilbersäule die durch Kontraktion der Scheidenmuskeln entstehenden Schwankungen des Manometers, die etwa 10 bis 30 mm betragen sollen, beobachtet und registriert. Es lässt sich dann sehr bald eine Steigerung der Kontraktionsfähigkeit beobachten. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die willkürlichen Kontraktionen der Scheidenmuskulatur bei einem Ausgangswert von 40 mm Hg die maximal erreichten Druckhöhen bei 60 bis 65 mm Hg liegen, die Steigerung also etwa 20 mm Hg beträgt. Bei mehrwöchiger Anwendung lassen sich bei gleichem Ausgangswert die erreichten Druckhöhen bis auf 190 mm Hg steigern.
Bei der in Fig. 2 dargestellten Ausführungsform sind in einem Behälter 20 eine Reihe von Manometern 21, 22, 23, 24 eingebaut, deren Skalen auf Millimeter Quecksilbersäule geeicht sind. Die Manometer stehen über die Regulierventile 25, 26, 27, 28 mit den Handgebläsen 29, 30, 31, 32 und mit den Luftleitungen 33, 34, 35, 36 in Verbindung. Die Leitungen 33, 34, 35 führen zu den Kammern 37, 38, 39 eines Einführungsorgans 40, das durch einen vorn geschlossenen, elastischen, zylindrischen und dünnwandigen Hohlkörper, der etwa der Länge und dem Durchmesser des Scheidenrohres angepasst ist, gebildet ist. Dieser Hohlkörper ist völlig biegsam und unversteift freistehend ausgebildet.
Die Luftleitungen 33, 34, 35, 36 führen über die Hähne 41, 42, 43 einerseits zu dem Handmanometer 44, anderseits zu der über den Hahn 45 erreichbaren Registriervorrichtung 46 mit Schreibhebel 47 und Papierband 48.
Man kann durch entsprechende Einstellung der Regulierventile und Hähne mit Hilfe der Handgebläse die Kammern 37, 38, 39 des in die Scheide eingeführten Einführungsorgans 40 einzeln oder sämtlich bis zu einem bestimmten Manometerstand, beispielsweise 40 bis 80 mm Quecksilbersäule, auffüllen und die Patientin veranlassen, durch zusammenziehen der Scheidenmuskulatur bis zur Grenze der Kontraktionsfähigkeit den Druck in den einzelnen Kammern zu steigern. Die Drücke werden vom Arzt an den Manometern 21, 22, 23 und von der Patientin an dem Handmanometer 44 abgelesen und, falls erforderlich, mit Hilfe der über den Hahn 45 angeschlossenen Registriervorrichtung 46 auf das laufende Papierband 48 aufgezeichnet.
Die schematische Abbildung gibt der Einfachheit wegen nur eine Registriervorrichtung an. Es ist aber ohne weiteres ersichtlich, dass zwei weitere Registriervorrichtungen eingebaut und so an das System der Luftleitungen 33, 34, 35 angeschlossen werden können, dass entweder nur eine Vorrichtung die in einer der Kammern oder die in sämtlichen Kammern gleichzeitig auftretenden Drucksteigerungen oder mehrere Registriervorrichtungen die in den verschiedenen Kammern auftretenden Drucksteigerungen gleichzeitig aufzeichnen können.
Man vermag aber auch alle Kammern durch Öffnen der Hähne 41, 42, 43 gleichzeitig auf den gleichen Druck zu bringen, so dass das Einführungsorgan 40 überall an der Wandung des Scheidenrohres gut anliegt, um dann über den Hahn 49 und den Dreiweghahn 50 das Schlauchsystem durch die Saugpumpen 51, 52, 53 auf einen Druck von 0 oder etwas unter 0 mm Quecksilbersäule leerzusaugen.
Die Summe der an den mit Einteilung versehenen Kolbenstangen der Saugpumpen 51, 52, 53 abgelesenen Luftmenge ergibt dann das Scheidenvolumen.
Es versteht sich von selbst, dass hierbei im Hinblick auf die Verschiedenheit der Luftdrücke und auf das Volumen der gesamten an die Pumpen angeschlossenen Apparatur gewisse Korrekturen vorgenommen werden müssen, bei denen auch der jeweilige Barometerstand zu berücksichtigen. Doch sind diese Berechnungen nur dann notwendig, wenn man den absoluten Rauminhalt des Scheidenrohres ermitteln will.
Vergleichswerte lassen sich auch ohne diese zeitraubenden Rechnungen gewinnen, wenn man nur darauf achtet, dass bei den verschiedenen Messungen die Manometerstände vor und nach dem Evakuieren des Systems stets die gleichen sind.
Mit Hilfe der auf das Einführungsorgan 40 aufgetragenen Zentimeterskala 54 kann man die Länge der Scheide feststellen. Um die Volumenmessung einfacher und genauer zu gestalten, sind ein zweites, ohne Kammerunterteilung ausgebildetes, mit Skala 54 versehenes Einführungsorgan 55 und ein besonderes Manometer 56 sowie das Handgebläse 32, Ventil 28 und Manometer 24 vorgesehen. An die Leitung 75 ist eine Nebenleitung 80 zu den Saugpumpen 51, 52, 53 angeschlossen. Ausserdem sind die Leitungen 33, 34, 35 über die Rohre 81, 82, 83 unter Zwischenschaltung von Dreiwegventilen 76, 77, 78 und Hahn 50 an die Leitungen 75 bzw. 80 angeschlossen.
Man pumpt mit Hilfe des Handgebläses 32 über den Dreiweghahn 50 und die Leitung 57 das in die Vagina eingeführte Einführungsorgan 55 auf einen bestimmten Druck auf und schaltet danach den Dreiweghahn 50 so, dass durch die Leitung 80 nur noch das Manometer 56 und die Saugpumpen 51, 52, 53 mit dem Einführungsorgan 55 verbunden sind. Dann liest man den Druck an dem Manometer 56 ab, entleert durch die Saugpumpen das System so weit, dass 56 einen schwachen Unterdruck zeigt und stellt an den Kolbenstangen der Saugpumpen die abgepumpte Luftmenge fest.
Es sind mehrere Saugpumpen 51, 52, 53 verschiedenen Inhalts, etwa 200, 100 und 75 cm3 vorhanden, um jede vorkommende Luftmenge aufnehmen zu können, die an den mit einer auf das Volumen berechneten Einteilung versehenen Kolbenstangen, zumal der kleineren Saugpumpen, mit grosser Genauigkeit abgelesen werden kann.
Für die Verwendung des Gerätes zur Pertubation ist ein Uteruskatheter 58 an eine der Druckleitungen 33, 34, 35, 36, 57 über Anschlussstutzen 59, 60, 61, 62,
63 anschliessbar. Es ist möglich, auch nur an einer
Druckleitung, beispielsweise 36, ein einfaches, nicht unterteiltes Einführungsorgan 55 bzw. den Uterus katheter 58 anzuschliessen.
Zur Pertubation mit Kohlensäure ist an die je weils mit dem Uteruskatheter 58 versehene Drucklei tung unter Abschaltung des zugehörigen Handge bläses 29, 30, 31, 32 eine Kohlensäurequelle 71 mittels Leitung 64 anschliessbar. Dies kann in der
Weise geschehen, dass die Kohlensäureleitung 64 entweder an eines der Absperrventile 25, 26, 27, 28 anstelle der Handgebläse 29, 30, 31, 32 angeschlossen wird oder aber über einen Anschlussstutzen 65 und
Druckleitungen 66, 67, 68, 69 unter Zwischenschal tung von Absperrventilen 70 an die jeweilige Druck leitung 33, 34, 35, 36, 57 angeschlossen wird. In diesem Falle müsste dann das entsprechende Ab sperrventil 25-28 geschlossen werden.
Die Kohlensäureleitung 64 steht mit einer Kohlen säurequelle, bestehend aus Kohlensäurebombe 71,
Reduzierventil 72, Manometer 73, unter Zwischen schaltung eines Sicherheitsventils 74, in Verbindung.
Die Kohlensäurequelle stellt ein kleines handliches
Zusatzgerät dar, das am gynäkologischen Untersu chungstisch leicht angebracht werden kann.
Das Entlüften des gesamten Systems kann in ein facher Weise über die Ventile 25, 26, 27, 28 erfol gen. Für besondere Fälle ist es möglich, die Saug pumpen 51, 52, 53 über die Saugleitung 75 und
Dreiweghähne 76, 77, 78 mit den jeweiligen Druck leitungen in Verbindung zu bringen und so eine
Druckminderung herbeizuführen, wobei so nicht nur eine völlige Druckaufhebung, sondern darüber hinaus auch ein Unterdruck erzielt werden kann, so fern dieses in Spezialfällen erforderlich ist.
Anstelle der Verwendung eines Uteruskatheters ist es auch möglich, besondere Kanülen, Trokare, evtl. mit optischen Geräten verbunden, zum Zwecke der Douglas- und Laparoskopie anzuwenden.