Gerät zur Sauerstoffbeatmung von Neugeborenen
Die Erfindung betrifft ein Gerät zur Sauerstoff- beatmung von Neugeborenen, die noch nicht selbst atmen können. Diese Scheintotgeburten treten verhältnismässig häufig, in einem Prozentsatz von 5 O/o, auf und befinden sich wegen des hochgradigen Sauerstoffmangels und der einhergehenden Kohlensäureanhäufung und Übersäuerung des Blutes in einer akuten Gefahr. Dauerhirnschäden sind in diesem Zusammenhang ausreichend bekannt! Es ist daher wichtig, dem Geburtshelfer Vorrichtungen zur Verfügung zu stellen, mit denen er dieses gefährliche Zustandsbild in kürzester Zeit und mit wenig Aufwand beheben kann.
Nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen der letzten Jahre sind optimale Erfolge in der Behandlung dieser scheintoten Kinder nur durch eine Sauerstoffwechseldruckbeatmung auf dem Wege über einen Luftröhrenkatheter zu erreichen. Alle andern Methoden gewährleisten keinen ausreichenden Gasaustausch in der Lunge des Kindes und sind demzufolge mangelhaft. Die bisher zur Durchführung der Wechseldruckbeatmung bekannten Geräte sind zumeist für den klinischen Gebrauch, also als stationäre Geräte eingerichtet. So ist z. B. ein Gerät bekannt, bei dem mit einer grossen Drucksauerstoff-Flasche in Verbindung stehend eine Pumpeinrichtung vorgesehen ist, die aus einer Strahlpumpe besteht. Diese Strahlpumpe erzeugt einen Unterdruck in einer Kammer, die mit einer Membran abgeschlossen ist.
Durch den Unterdruck wird eine Membran angesaugt, die durch Ventile eine Umsteuerung verursacht und damit bewirkt, dass ein taktmässiger Ober- und Unterdruck entsteht. Bei dem tÇberdrucktakt wird Sauerstoff über eine Schlauchleitung und einen daran angeschlossenen Luftröhrenkatheter oder eine Mund und Nase überdeckende Maske in die Lunge des Kindes geführt. Bei dem Unterdrucktakt wird ein Sog erzeugt und der überschüssige Sauerstoff wird mit der ausgeschiedenen Kohlensäure aus der Lunge abgesaugt. Bei einem andern bekannten Gerät dieser Art wird die Steuerung des Uber- und Unterdrucktaktes nicht durch eine mit Ventilen verbundene Membraneinrichtung bewirkt, sondern durch eine von Hand bewirkte Umsteuerung eines Hebels.
Die bisher bekannten Geräte sind jedoch, selbst wenn sie für den ambulanten Gebrauch und in einem Holzkasten untergebracht sind, so dass sie für den Arzt mitführbar sind, so schwer, dass Bedarf nach einem leichten und dabei wenig kostspieligen Gerät besteht, so dass das Gerät, beispielsweise bei Geburten auf dem Lande, von der Heb amme oder dem Landarzt angeschafft und wegen seines geringen Gewichtes neben der üblichen Instrumententasche leicht mitgeführt werden kann.
Die Erfindung besteht nun darin, dass bei dem neuen Gerät die Pumpeinrichtung, die einen Sauer stoff-Über- rnd -Unterdruck in der Lunge erzeugen soll, aus zwei aneinander befestigten, elastischen, zwei Kammern bildenden Wänden besteht, welche Kammern z. B. als Gummibälle, Membrankammern oder durch Bälge gebildet sein können, und die sich mit einer Hand gleichzeitig zusammendrücken lassen.
Durch die eine Kammer wird das zweckmässig von einer Sauerstoffdruckflasche und einem daran angeschlossenen Reduzierventil gelieferte Atemgas beim Zusammendrücken der Pumpeinrichtung zur Lunge des Kindes hin befördert, von Ider andern Kammer wird beim Loslassen, das heisst bei der Wiederausdehnung der Pumpeinrichtung, der restliche Sauerstoff und die Kohlensäure aus der Lunge wieder abgesaugt.
Um zu vermeiden, dass durch heftige oder stossweise Betätigung der Pumpeinrichtung das empfind- liche Lungengewebe verletzt wird, sind sowohl in dem Druck- als auch in dem Saugweg des Gerätes Drosselstellen eingebaut, die die schädlichen Druckstösse abfangen und beseitigen. Die Handhabung der von der Fördervorrichtung kommenden Leitungen und des Druckstückes wird dadurch erleichtert, dass die Schlauchleitungen an ihrer Aussenwand miteinander der Länge nach verbunden, vorzugsweise zusammenvulkanisiert sind.
Die Zeichnung zeigt ein Ausführungsbeispiel der Erfindung, und zwar sind die Fig. 1, 2 und 3 halbschematische Darstellungen des Gerätes mit der Darstellung der verschiedenen Arbeitstakte und Vorgänge. Fig. 4 ist ein teilweiser Schnitt durch die als Doppelball ausgeführte Fördervorrichtung mit den Zuführungsschläuchen zum Hand stück, und Fig. 5 ist ein Schnitt durch das Handstück nach der Linie AB der Fig. 4. Fig. 6 zeigt eine Zusammenstellung der in einem Koffer untergebrachten Geräteteile.
Die Funktion des Gerätes geht am besten aus den schematischen Darstellungen nach den Fig. 1, 2 und 3 hervor. Darin ist 1 eine kleine Sauerstoffdruckflasche mit einem Rauminhalt von etwa 0,4 bis 0,5 Liter.
Der Drucksauerstoff tritt aus der Flasche durch einen Druckminderer 2, an dem ein Druckmesser 3 angeschlossen ist, durch eine Leitung 4 an den aus Gummi bestehenden Sammelbehälter 5 und wird von dort aus durch eine Leitung 6 der Fördervorrichtung zugeführt, die aus einem Ball 7 und einem Ball 8 besteht, von denen 7 der Druckball und 8 der Saugball ist. Die Bälle 7 und 8 sind an einer sie trennenden Platte 9 angebracht, so dass man sie mit einer Hand gemeinsam umgreifen und zusammen drücken kann. Am Druckball 7 befinden sich ein Saugventil
10 und ein Druckventil 11. An den Enden des Saugballes ist das Saugventil 12 und das Druckventil 13 angesetzt. Die Leitungen 14 und 15, die von den Bällen 7 bzw. 8 ausgehen und die je eine Drossel 16 und 17 enthalten, führen zu einem Handstück 18.
In diesem Handstück 18 befindet sich eine U-förmige Leitung, die aus den Leitungszweigen 19 und 20 und einer beide Zweige verbindenden Bohrung 21 besteht.
An dem Zweig 19, an dem ein einregulierbares Uberdruckventil 22 angebracht ist, ist der Stutzen 23 angesetzt, der zum Befestigen eines Luftröhrenkatheters dient. Am Zweig 20 des U-Weges befindet sich ein Hahn 24 mit einer winkligen Bohrung. Der Hahn kann so eingestellt werden, dass die Bohrung den Weg vom Katheterstutzen 23 zum Ball 8 frei gibt.
Sie kann aber auch, wie die Fig. 3 erkennen lässt, so eingestellt werden, dass der U-Weg am Hand stück geöffnet wird, so dass der Gasinhalt der Lunge durch eine Öffnung 25 nach aussen entweichen kann.
Die Fig. 1 zeigt nun das Gerät in dem Zustand, in dem nach Aufhören des Handdruckes auf beide Bälle die Bälle sich wieder ausdehnen. Bei diesem Vorgang wird aus dem Sammelbeutel 5 der darin vorhandene Sauerstoff über eine Leitung 6 und das Saugventil 10 in den Ball 7 angesaugt, während gleichzeitig der Gasinhalt der Lunge vom Katheterstutzen 23 über die Bohrung 21, den Hahn 24 und den Bohrungszweig 20, die Leitung 15 und das Saugventil 12 zum Saugball 8 geführt wird. Bei einem darauffolgenden Druckhub, der in der Fig. 2 dargestellt ist, wird nunmehr der in dem Ball 7 enthaltene Sauerstoff über das Druckventil 11, die Drossel 16, die Leitung 14, den Zweig 19 des U-Weges und den Stutzen 23 in die Lunge befördert, während zur gleichen Zeit die in dem Ball 8 noch verbliebene Restgasmenge über das Ventil 13 nach aussen befördert wird.
Stellt man den Hahn so ein, wie es in der Fig. 3 dargestellt ist, so strömt der Sauerstoff, nachdem sich der Sammelbeutel 5 prall gefüllt hat, über die Leitung 6, den Druckball 7, die Leitung 14, den Leitungszweig 19 und die Verbindungsbohrung 21 und die nach aussen gehende Öffnung 25. Das selbst atmende Kind entnimmt seinen Atembedarf über den Stutzen 23 aus dem stetigen Sauerstoffstrom. Die Ausatmung erfolgt auf dem Weg 23, 21 über 25 nach aussen. Es kann sich auch der Fall ergeben, dass nach einer kurzen Sauerstoffbeatmung das Kind mit Luft beatmet werden soll. Für diesen Fall ist in der Leitung 6 ein nach innen sich öffnendes Rückschlagventil 26 vorgesehen, durch das Luft von aussen angesaugt wird, wenn die Sauerstoffdruckflasche 1 geschlossen ist.
An der gleichen Stelle liegt noch ein nach aussen sich öffnendes Rückschlagventil 27, das jeden unzulässigen Überdruck aus dem System fernhält.
Die Fig. 6 zeigt endlich die Anordnung des kleinen und leichten Gerätes in einem Koffer 28. Bei dieser Anordnung liegt die kleine Sauerstoff-Flasche im Kofferboden befestigt, während der Sammelbeu- tel 5 im Deckel des Koffers aufgehängt ist. In dem Koffer sind (in geschlossenem Zustand) die Leitungen mit dem Luftförderer und dem Handstück untergebracht. Gleichzeitig sind noch einige Behälter 29 und 30 vorgesehen, in denen die besonderen Zubehörteile, wie z. B. Katheter verschiedener Grösse, verpackt sind.