Verfahren zur Herstellung von Geweben und Maschenwaren aus gekräuselten Garnen Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung von Geweben und Maschenwaren aus gekräuselten Garnen, die durch das Fixieren der Form von vorübergehend hochgezwirnten Garnen ge kräuselt, auf erhöhte Spannung gebracht und vor ihrer Verarbeitung zu Geweben bzw. Maschenwaren ab dieser Spannung entspannt werden.
In der britischen Patentschrift Nr. 775075 wird ein Verfahren beschrieben, das darin besteht, dass ein nicht gekräuseltes Garn über einige Zuführungsrollen einer Falschzwirnvorrichtung zugeführt wird, das Garn auf der Falschdrallstrecke, d. h. die Strecke zwi schen den Zuführungsrollen und der Falschdrallvor- richtung, einer Fixationsbehandlung unterworfen wird, während das Garn mit Hilfe von Abführungsrollen aus der Falschdrallvorrichtung weggeführt wird.
Der gekräuselte Faden wird dabei dadurch unter Spannung gebracht, dass hinter den Abführungswal- zen ein Satz Walzen angeordnet ist, die mit einer grösseren Geschwindigkeit als die Abführungswalzen gedreht werden. Die nach diesen Streckwalzen ange ordnete Aufwickelvorrichtung dreht sich dagegen mit einer geringeren Geschwindigkeit als die Streckwal zen. Dadurch wird der gekräuselte Faden nach den Streckwalzen entspannt, was die Kräuselung und die Elastizität des Garnes begünstigt.
Diese Elastizität kann jedoch durch verschiedene Ursachen zurückgehen, wie unter dem Einfluss von Wärme und/oder Quellmitteln oder dadurch, dass das Garn während langer Zeit in gestrecktem Zustand gehalten wird. Letzteres wird in der Praxis immer der Fall sein, wenn gekräuselte Garne nach dem Kräuselungsprozess unter einer Spannung, die zu einem guten Aufwickeln erforderlich ist, zu Garnpaketen aufgewickelt und diese Pakete während längerer Zeit gelagert werden, ehe sie zu Geweben oder Maschenwaren verarbeitet werden.
Man war bisher der überzeugung, dass das in gestrecktem Zustand Halten des Garnes die Elastizität desselben zurückgehen lässt, und zwar um so mehr, je höherer die Spannung gehalten wird. Deshalb ver suchte man die Garne denn auch mit einer Spannung aufzuwickeln, die minimal, aber genügend war, um die Einzelfäden gestreckt zu halten (vergleiche z. B. französisches Zusatzpatent Nr. 67751 zu Hauptpatent Nr. 1054338).
In der Praxis bedeutet dies eine Aufwickelspan- nung, die 1 bis 2 % der Bruchfestigkeit des Garnes beträgt und z. B. für aus Polyamid hergestelltes, ge kräuseltes Garn von 5 bis 10 g pro 100 den variiert (vergleiche brit. Patentschrift Nr. 797659 und franz. Patentschrift Nr.<B>1190 069).</B>
Trotz dieser verhältnismässig niedrigen Spannung zeigt es sich, dass das Garn nach einiger Zeit dennoch an Elastizität einbüsst.
Diese Qualitätsänderung im Laufe der Zeit ist aber unangenehm, denn gleichzeitig gekräuselte Garn partien werden nicht immer zur gleichen Zeit zu Geweben bzw. Maschenwaren verarbeitet. Meistens werden Teile einer bestimmten Partie übrigbleiben und erst später wieder verarbeitet werden, wobei häu- fig zugleich Garne einer später hergestellten Partie mitverarbeitet werden.
Der Altersunterschied zwischen verschiedenen Teilen der später zu verarbeitenden Partie bedeutet (wie aus dem Vorhergehenden folgt) Unterschiede in der Elastizität der Garne der verschiedenen Teile, was zu kleineren oder grösseren Ungleichmässigkeiten im Gewebe oder der Maschenware Anlass gibt.
Die einzige Möglichkeit diese Ungleichmässigkei ten zu vermeiden war bisher, stets nur gleich alte ge kräuselte Garne, die sofort nach ihrer Herstellung die gleiche Kräuselung und Elastizität aufwiesen, gemein sam zu verarbeiten.
Rest von älteren Partien eigneten sich also nicht zur gemeinsamen Verarbeitung mit jüngeren Partien, wenn qualitativ hochwertige Gewebe oder Maschen waren verlangt wurden. In diesen Fällen war jeder Rest einer Partie als Abfall zu werten.
Nun wurde eine einfache Möglichkeit gefunden, mit deren Hilfe die Verminderung der Elastizität von gekräuselten Garnen infolge langer Lagerzeiten in gestrecktem Zustand auf überraschende Weise wieder vollständig zunichte gemacht bzw. vermieden werden kann.
Dieses Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass das Kräuselgarn zwecks Vermeidung und/oder Besei tigung von Kräuselelastizitätsverlusten unter eine Spannung von mindestens 25 g/100 den gebracht und erst kurz vor seiner Verarbeitung zu Geweben bzw. Maschenwaren ab dieser Spannung entspannt wird.
Nach dem Entspannen des Garnes zeigt es sich, dass dieses die gleiche Elastizität hat wie ein Garn unmittelbar nach dem Kräuseln.
Das Kräuseln des Garnes und seine Verarbeitung zu Geweben und Maschenwaren ist hinreichend be kannt, so dass hierauf nicht näher eingegangen werden muss. Unter Auslassung der soeben genannten Ver fahrensschritte seien nachstehend verschiedene Aus führungsformen des erfindungsgemässen Verfahrens hinsichtlich des Spannens und Entspannens des Kräu- selgarnes erläutert: Gemäss der ersten Ausführungsform folgt das Entspannen unmittelbar auf das vorangehende Span nen des Garnes auf mindestens 25 g/100 den.
Diese Methode dient vor allem der Wiederherstellung ver lorener Kräuselelastizität.
Am besten kann dies in einem kontinuierlichen Arbeitsgang stattfinden. Dazu wird z. B. eine Vorrich tung verwendet, die aus einer Anzahl angetriebener Walzenpaare besteht, zwischen welche die zu be handelnden Garne geführt werden und von denen in der Fadenfortbewegungsrichtung zuerst eine An zahl mit einer von Paar zu Paar zunehmenden Um fangsgeschwindigkeit und die übrigen mit einer von Paar zu Paar abnehmenden Geschwindigkeit angetrie ben werden. Im einfachsten Falle besteht die Vorrich tung aus drei Walzenpaaren, von denen das zweite mit einer grösseren Umfangsgeschwindigkeit als das erste und das dritte angetrieben wird.
Mit einer Vorrichtung, die eine grössere Anzahl Walzenpaare umfasst, kann das Spannen und Ent spannen allmählich ausgeführt werden.
Es wird jedoch diejenige Ausführungsform vor gezogen, bei der das Entspannen plötzlich zustande gebracht wird. Dadurch wird die grösstmögliche Wie derherstellung der Elastizität des gekräuselten Garnes erhalten.
Höhere und niedrigere Umfangsgeschwindigkei ten der verschiedenen Walzenpaare können durch Anwendung von höheren bzw. niedrigeren Touren zahlen und/oder durch Walzen mit grösseren bzw. kleineren Durchmessern erhalten werden.
Eine andere Ausführungsform, bei der eine plötz liche Entspannung auf einfache Weise erzielt wird, ist vom diskontinuierlichen Typ. Dies besteht darin, dass das Garn von einem solchen Garnpaket abge zogen und dabei entspannt wird, auf welches das Garn unter einer Spannung von mindestens 25 g und vorzugsweise von 40 bis 50 g pro<B>100</B> den aufge wickelt wurde.
Bei der praktischen Verwirklichung dieser Aus führungsform an Kräuselgarn mit verminderter Elasti zität muss das gekräuselte Garn zunächst umgespult werden, wobei es mit einer Garnspannung von minde stens 25 g pro 100 den aufgewickelt wird. Dieses Um spulen kann auf einer konventionellen Spulmaschine erfolgen.
Das Entspannen kann in diesem Falle z. B. da durch stattfinden, dass das Garn über Kopf vom Garn paket abgezogen wird, was besonders leicht vor sich geht, da das Garn unter der Wirkung der hohen Aufwickelspannung gleichsam von der Spule los springt.
Nach dem Entspannen ist sowohl bei dem gemäss der kontinuierlichen wie gemäss der diskontinuier lichen Ausführungsform behandelten Garn die Elasti- zitätsverminderung praktisch wieder ungeschehen ge macht.
Beim Entspannen ab Garnpaket kann das Ent spannen sofort nach dem Umspulen, aber auch nach einem kürzeren oder längeren Zeitraum der Lagerung erfolgen.
Es ist bei dieser Ausführungsform auch möglich, das gekräuselte Garn sofort nach dem Kräuselungs- prozess auf der Kräuselmaschine unter der genannten Mindestspannung aufzuwickeln, was ein späteres Um spulen einspart. Natürlich kann auch frisch hergestell tes Kräuselgarn sofort entsprechend umgespult wer den.
Es hat sich nämlich herausgestellt, dass auch dann, wenn das Garn geraume Zeit nachdem es unter einer Spannung von wenigstens 25 g pro 100 den aufge wickelt wurde, entspannt wird, jene Elastizität erhält, die derjenigen entspricht, welche dasselbe Garn so fort nach der Herstellung in entspanntem Zustand aufgewiesen hat.
Dies gibt also die Möglichkeit, ein Garnpaket ab zuliefern, das ungeachtet der Zeitdauer, die zwischen Herstellung und Verarbeitung verstreicht, beim Ent spannen die gleiche Elastizität aufweist.
Wird frisch gekräuseltes Garn unter der genann ten Spannung aufgewickelt, so wird nicht eine Ver minderung der Elastizität beseitigt, sondern diese im voraus vermieden.
Anhand der folgenden Beispiele soll das erfin dungsgemässe Verfahren näher erläutert werden. <I>Beispiel 1</I> Ein 50 den Garn aus einem Polyamid auf Basis von Caprolactam mit einer Bruchfestigkeit von 500 g pro 100 den wurde unter Anwendung einer Falsch dralleinrichtung einer üblichen Kräuselungsbehand- lung mit Wärmefixierung unterworfen, und sodann (Vergleichsversuch) mit einer Spannung von 4 g (g g1100 den) zu einem Paket aufgewickelt. Nach einem Monat wurde das Garn abgewickelt, um ge- facht und sodann zum Stricken verwendet zu werden.
Es stellte sich nun heraus, dass das Garn eine hässliche Struktur mit groben Schlingen hatte und viel von seiner ursprünglichen Elastizität verloren hatte. Das selbe Garn wurde nach der Kräuselung ebenfalls auf gewickelt, aber (erfindungsgemäss) mit einer Aufwik- kelspannung von 25 g (50 g/100 den). Es zeigte sich, dass dieses Garn nach der selben Lagerzeit, nachdem es abgewickelt und dadurch entspannt worden war, die ursprüngliche feine gekräuselte Struktur beibehal ten und nichts an Elastizität eingebüsst hatte.
<I>Beispiel 2</I> Das im Beispiel 1 im Vergleichsversuch verwen dete Garn, dessen Elastizität vermindert war, wurde nach dem Lagern unter einer Spannung von 25 g (50 g/100 den) umgespult und sodann von diesem Paket über Kopf abgezogen, wobei es entspannt wurde. Es erhielt seine ursprüngliche Elastizität und Kräuselung wieder.