Vorrichtung zum Pressen und Wenden von Hartkäselaiben während des Pressvorganges
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Pressen und Wenden von Hartkäselaiben, z. B. von Emmentaler, Gruyere-Käselaiben oder dergleichen, wäh- rend des Pressvorganges.
Während des Pressvorganges, der etwa 20 Stunden dauert, müssen z. B. Emmentaler Käselaibe sieben-bis achtmal gewendet werden. Beim Wendevorgang werden die Käsetücher gewechselt, der Laib neu eingeschlagen, gegebenenfalls am Laib noch wei- tere Arbeiten vorgenommen, und anschliessend wird die Pressung, im allgemeinen unter erhöhtem Press- druck fortgesetzt. Das Wenden der Käselaibe geschah bisher von Hand, was bei dem erheblichen Gewicht der Käselaibe von etwa 70 bis 90 kg oder noch mehr eine starke körperliche Beanspruchung der Bedienungsperson bedingt. Dabei ist zu beachten, dal3 der Käselaib während des Pressvorganges noch besonders empfindlich ist und daher sorgsam behandelt werden muss.
Für den Wendevorgang ist auf dem Presstisch ein ausreichender Platz notwendig. Dies bedeutet, dass der Abstand der einzelnen Presseinrichtungen voneinander ausreichend gross gewählt werden muss. Wäh- rend der Käselaib selbst mit seiner Form, dem sogenannten Worb, und den Deckeln einen Durchmesser von etwa 90 cm besitzt, müssen daher die Ab- stände der einzelnen Presseinrichtungen voneinander etwa 150 cm betragen, um den Wendevorgang auf dem Presstisch zuzulassen.
Da nun aber die ganze Tagesproduktion von Emmentaler Käselaiben gleichzeitig dem Pressvorgang unterworfen wird, so bestimmt der Abstand der einzelnen Käsepressen voneinander die Grösse des Pressenraumes, trägt also wesentlich auch zum Bauaufwand einer Emmentaler Käserei bei.
Bei anderen Hartkäsesorten sind die Verhältnisse ähnlich.
Die Erfindung beabsichtigt, eine Vorrichtung zu schaffen, die einerseits das Wenden der Käselaibe während des Pressvorganges wesentlich erleichtert und die anderseits auch eine Möglichkeit gibt, den Platzbedarf für die Pressen zu verringern. Die Erfindung ist vorzugsweise für die Einzelpressung ausgebildet, sie ist grundsätzlich aber auch bei einer Mehrfachpressung anwendbar.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung zum Pressen und Wenden von Hartkäselaiben während des Pressvorganges ist dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung einen Halter aufweist zum Fassen des Käse- laibes mit der Form und den Deckeln von oben und unten sowie seitlich an mindestens zwei einander gegenüberliegenden Stellen, der durch Drehzapfen an einem bügelförmigen Rahmen schwenkbar gehalten ist, und dass eine Hubeinrichtung zum Anheben des mit dem Halter gefassten Laibes vorgesehen ist.
Der Halter kann den Laib in seiner Form zwischen den Deckeln derart halten, dass ein Herausgleiten des Laibes beim Wenden ausgeschlossen ist.
Der bügelförmige Rahmen kann eine einfache Gestalt besitzen, derart, dass das Durchschwingen des vom Halter getragenen Käselaibes möglich ist.
Mit der Erfindung kann das seitliche Wenden des Käselaibes wegfallen und dieser angehoben, gedreht und wieder abgesenkt werden, so dass die Abstände der einzelnen benachbarten Käsepressen voneinander wesentlich reduziert werden können. Während bisher ein Abstand von etwa 150 cm notwendig war, kann nun ein Abstand der Käsepressen von etwa 100 cm genügen, wenn der Käselaib etwa 90 cm Durchmesser besitzt. Es ergibt sich also eine wesentliche Einsparung des erforderlichen Raumes.
Auch die Beanspruchung des Presstisches selbst kann reduziert sein. Der Presstisch musste bisher nicht nur die Beanspruchungen des Pressvorganges selbst aufnehmen können, sondern auch noch die schlagartigen oder stossartigen Belastungen im Augenblick des Wendens der Laibe. Bekanntlich waren diesen Beanspruchungen bisher nur Presstische gewachsen, die gemauert und beispielsweise mit Fliesen belegt waren, oder es wurden auch Presstische aus Holz mit entsprechender Dimensionierung benützt. Die Anwendung von Presstischen aus nichtrostendem Stahl war aus den obigen Gründen und auch wegen der starken Geräuschbildung beim Aufschlagen der Laibe auf den Tisch nicht möglich.
Die Erfindung ermöglicht auch, diese Schwierigkeiten zu beseitigen und kann die Voraussetzung zur Konstruktion einfacher Presstische schaffen.
In der Zeichnung sind von der Erfindung einige Ausführungsbeispiele dargestellt.
Es zeigen :
Fig. 1 eine Seitenansicht eines Presstisches mit einer Vorrichtung zum Wenden von Hartkäselaiben und einem bekannten Hebezeug als Hubeinrichtung,
Fig. 2 eine Vorderansicht der Darstellung der Fig. 1,
Fig. 3 eine Draufsicht auf die eine schalenartige Hälfte des Halters,
Fig. 4 eine Seitenansicht der Vorrichtung nach der Fig. 3,
Fig. 5 eine Seitenansicht einer weiteren Ausfüh- rungsform,
Fig. 6 einen Schnitt durch die Darstellung der Fig. 5 entsprechend der Schnittlinie VI-VI,
Fig. 7 eine Vorderansicht, teilweise im Schnitt einer Variante,
Fig. 8 ein anderes Ausführungsbeispiel,
Fig. 9 einen teilweisen Schnitt durch die Darstellung der Fig. 8 entsprechend der Schnittlinie IX-IX und
Fig.
10 eine Darstellung des in einem Halter gefassten Käselaibes mit den Deckeln und der Form während des Wendevorganges.
In der Fig. 1 ist mit 1 der Presstisch bezeichnet, auf dem der Käselaib 2 ruht, der von dem Worb 3 umgeben ist und der auf dem Deckel 4 liegt und durch den Deckel 5 abgedeckt ist. tuber dem Käselaib 2 ist an einer Konsole 6 eine wegschwenkbare Käse- presse 7 angeordnet. Die Einzelheiten der Käsepresse 7 sind in der Fig. 1 nicht näher dargestellt. Diese Käsepresse kann beispielsweise mit einer Schraubspindel zur Erzeugung des erforderlichen Pressdruk- kes ausgerüstet sein.
Der Käselaib wird mit der Form 3 und den Pressdeckeln 4 und 5 von oben und unten und auf gegen überliegenden Seiten durch den Halter 8 gefal3t. Der Halter besteht aus zwei Haltern je mit den beiden Teilen 9 und 10. An den Teilen 10 sind Führungen 11 vorgesehen, in die die Lochleisten 12 der Teile 9 eingreifen und durch eine Knebelschraube 13 gesichert werden. Eine solche Anordnung nimmt in vor teilhafter Weise darauf Rücksicht, dass mit Fortschreiten des Pressvorganges der Abstand der Deckel kleiner wird.
An jedem Teil 10 ist ferner der Schwenkzapfen
14 befestigt. Der bügelförmit, Rahmen 15 besitzt Uförmige Lager 16, in die die Schwenkzapfen 14 der beiden Hälften einhängbar sind, und der Käselaib kann dann nach Entfernen der Presse 7 durch das Hebezeug 17 angehoben werden (Fig. 2). Das Hebezeug 17 ist an der Schiene 18 verfahrbar, so dal3 ein Hebezeug einer Mehrzahl von Käsepressen 7 bzw.
Pressstellen zugeordnet ist.
In der Stellung nach der Fig. 2 kann der angehobene Käselaib durch den Rahmen 15 durch- geschwenkt werden. Nach dem Umwenden wird der Käselaib wieder auf den Presstisch 1 abgesetzt.
Die von den Schwenkzapfen gebildete Schwenkachse verläuft vorzugsweise durch den Schwerpunkt des Laibes, so dass beim Wendevorgang im angehobe- nen Rahmen nur die Reibung zu überwinden ist.
Das Auswechseln der Käsetücher, das Lösen des Worbes vom Käselaib usw. erfolgt vor und nach dem Wenden in der üblichen Weise.
Es ist noch zu erwähnen, dass die Käsedeckel 4 und 5 auf den Aussenseiten Querhölzer bzw. Leisten 19 besitzen, so dass der Halter 8 ohne Anheben des Laibes aufgeschoben bzw. abgezogen werden kann.
Die segmentartigen Auflageflächen 20 liegen auf den Aussenseiten der Deckel und sind wesentlich niedriger als die Leisten 19. An die Auflageflächen 20 schliessen sich die Teile 21 des Halters an, welche die Deckel 4 bzw. 5 mit dem Käselaib gegen eine radiale Bewegung sichern.
Für die beschriebene Vorrichtung kann als Hubeinrichtung an sich jedes vorhandene Hebezeug Verwendung finden. Besonders vorteilhaft ist aber, wenn die Hubeinrichtung für den Rahmen mit der Presseinrichtung kombiniert ist. Eine solche Kombination ist in verschiedener Weise möglich. Beispielsweise kann eine hydraulische oder eine Spindelpresse beim Rück- hub den Rahmen anheben.
In den Fig. 5 bis 7 ist eine solche Ausbildungs- form dargestellt. Das Gestell 31, das im wesentlichen aus dem Unterteil 32, dem Mittelteil 33 und dem Oberteil 34 besteht, ist ortsfest in die Wand eingelassen. Das Oberteil 34 des Gestells 31 bildet das Widerlager für die Pressvorrichtung. Dieses Widerlager ist um die senkrechte Achse 35 wegschwenkbar, so dass es für den Wendevorgang aus dem Arbeits- bereich weggeschwenkt werden kann. Das Unterteil 32 trägt die Presse, die im wesentlichen aus dem Presszylinder 36 besteht, in dem ein Presskolben beweglich ist, dessen Kolbenstange 37 den Pressteller 38 trägt. Der Presszylinder 36 kann hydraulisch oder pneumatisch beaufschlagt werden.
Bei einem hydraulischen Presszylinder empfiehlt sich die Anordnung einer Druckspeichereinrichtung, um das Schwinden des Käselaibes während des Pressvorganges auszuglei- chen.
Diese Ausbildungsform ergibt eine vorteilhafte Kombination der zum Pressen und Wenden dienenden Einrichtungen. Es ist hierdurch möglich, mit einer einfach wirkenden Käsepresse auszukommen, da die Pressrichtung beim Pressvorgang mit der Hubrichtung beim Wendevorgang übereinstimmt. Eine Zurückführung des Pressstössels bzw. der Hubeinrichtung in die Ausgangsstellung kann durch das Eigengewicht erfolgen, wenn auch die Anordnung einfacher Rückholfedern oder dergleichen möglich ist.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass durch etwaige Undichtigkeiten aus der Presse austretendes 01 keinesfalls an die Käsemasse gelangen kann, da die ölführenden Leitungen, die Presse, die Ventile usw. unterhalb des Arbeitsbereiches, den die Käse- laibe einnehmen, verlegt sind. Hinzu kommt, dass starre Druckleitungen anwendbar sind, während bei den bekannten, durch Drucköl oder Druckluft be tätigten Pressen, welche von oben auf den Käselaib einwirken, in der Regel Schläuche benützt werden müssen, da für den Wendevorgang und auch für den An-und Abtransport der Käselaibe der Raum über dem Käselaib freigemacht werden muss.
Bei der Anordnung gemäss Fig. 5-7 muss nur das Widerlager weggeschwenkt werden, was aber sehr einfach er reichbar ist.
Mehrere Unterteile 32 nebeneinander angeord- neter Gestelle 31 bilden zusammen einen Unterbau für den Presstisch 29, der vorzugsweise aus nichtrostenden Stahlblechen aufgebaut ist.
Auf dem Pressteller 38 liegt der Käselaib 39. Dessen Worb ist mit 40 und die Pressdeckel sind mit 41 und 42 bezeichnet. Auf dem oberen Pressdeckel 42 liegt ein Presskreuz 43, das sich bei der Beaufschlagung des Presszylinders 36 am Widerlager 34 abstützt.
Für die Wendevorgänge zwischen den einzelnen Pressvorgängen wird das Widerlager 34 zur Seite geschwenkt, das Presskreuz 43 wird abgenommen und durch Beaufschlagung des Presszylinders 36, der mit seinem Kolben 37 nun als Hubeinrichtung dient, wird der Käselaib 39 mit den Deckeln 41 und 42 und dem Worb 40 auf die erforderliche Höhe angehoben. Nun wird von der Seite her der bügelförmige Rahmen mit angehängtem Halter, der z. B. dem aus den Fig. 8 bis 10 ersichtlichen Halter 44 entspricht, über den Käselaib mit den Pressdeckeln 41 und 42 geschoben.
Der Halter 44 ist im wesentlichen aus Rohren oder dergleichen aufgebaut und die durch den halbkreisförmigen Bogen 45 miteinander verbundenen U-förmigen Bügel 46 umfassen mit Spiel die Pressdeckel 41 und 42. Das Gestell 44 ist gelenkig mit dem bügelförmigen Rahmen 47 verbunden, der an einer kleinen Laufkatze 48 aufgehängt ist. Diese Laufkatze 48 läuft auf einer sich über alle Pressen eines Presstisches erstreckenden Schiene 49 (Fig. 5).
Die Achse der Schwenkgelenke 50 zwischen dem Halter 44 und demRahmen 47 istetwasexzentdschzum Schwerpunkt des Käselaibes angeordnet. Wenn nun der Pressteller 38 abgesenkt wird, dann gelangt der Käselaib in, die in der Fig. 10 dargestellte Stellung.
Aus dieser Stellung wird der Käselaib von Hand etwas weiter geschwenkt und der Presszylinder 36 wird wieder beaufschlagt. Auf diese Weise lässt sich der Wendevorgang oh. ne Kraftanstrengung der Bedienungsperson durchführen. Der Wechsel der Käsetücher vor und nach dem Wendevorgang erfolgt in üblicher Weise.