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Verfahren zur Blindstromkompensation in tonfrequenzüberlagerten Energieverteilnetzen Unter den energieverbrauchenden elektrischen Apparaten gibt es bekanntlich solche, die ausser Wirkleistung auch Blindleistung aufnehmen. Dies kommt in einem niedrigen Leistungsfaktor des Netzes zum Ausdruck. Durch die Blindleistung werden die Erzeu- gungs-, Transport- und Verteilanlagen der Energiebetriebe zusätzlich belastet. Insbesondere sind es die Asynchronmotoren, die wegen ihrer grossen Verbreitung die Anlagen am meisten mit Blindstrom belasten.
Zur Verbesserung des Leistungsfaktors werden statische Kondensatoren in Parallelschaltung an das Netz angeschlossen. Diese entlasten dann am wirksamsten alle Anlageteile von Blindstrom, wenn sie als Blindleistungserzeuger in der Nähe der hauptsäch- lichsten Blindleistungsverbraucher, also meist im Niederspannungsnetz, angeschlossen werden. Wegen der zunehmenden Industrialisierung nimmt auch der Einsatz von Kondensatoren ständig zu.
Eine ebenfalls zunehmende Verbreitung erfahren die Anlagen zur zentralen Fernsteuerung der vielen, im Netz verteilten Tarifapparate, Heisswasserspeicher, Strassenlampen und dergleichen mittels tonfrequenter, dem Netz überlagerter Signalströme. Solche Anlagen sind unter den Bezeichnungen tonfrequente Zentralsteueranlagen, Netzfernsteueranlagen, Netzkommandoanlagen, Tonfrequenz-Rundsteueranlagen ( TRA ) usw. bekannt.
In Netzen mit überlagerten Tonfrequenzsignal- strömen können Kondensatoren den Fernsteuerbetrieb auf verschiedene Weise behindern. Da die Frequenz der Signalströme um ein Mehrfaches höher ist als die Netzfrequenz, nehmen die Kondensatoren verhältnismässig viel Tonfrequenzstrom auf. Hierdurch wird die Sendeanlage zusätzlich belastet. Infolge der erhöhten Signalströme treten aber auch zusätzliche Spannungsverluste in den tonfrequenten Längsreaktanzen zwischen der Sende- und den Empfangsstellen auf.
Da die Tonfrequenzankopplung meist im Mittel- oder Hochspannungsnetz stattfindet, werden tonfre- quente Spannungsabfälle vor allem durch die Streureaktanzen der Netztransformatoren und die Leitungs- reaktanzen verursacht. Sinkt dadurch die tonfrequente Signalspannung im Niederspannungsnetz unter den Sollwert, so wird die sichere Funktion der Empfangsgeräte in Frage gestellt.
Es kann aber auch vorkommen, dass die Längs- reaktanzen des Netzes und die Querkapazität der Niederspannungskondensatoren bei der Signalfrequenz einen Serieresonanzkreis bilden. Dann entsteht anstelle einer tonfrequenten Spannungssenkung eine Spannungserhöhung im Niederspannungsnetz, was in vermehrtem Masse zu einer Überlastung der Sendeanlage führen kann.
Es muss nun vermieden werden, dass zwei hervorragende Hilfsmittel der Energieversorgung, nämlich die statischen Kondensatoren einerseits und die ton- frequente Zentralsteuerung anderseits, sich gegenseitig in ihrer weiteren Verbreitung behindern. Es sind zwar verschiedene Mittel bekannt, um störende Ein- flüsse der Kondensatoren auf die Zentralsteueranlagen zu vermeiden oder zu mildern. Die meisten davon sind aber nur in bestimmten Fällen anwendbar.
Die bekannteste und universellste Massnahme besteht darin, dass in Reihe mit jedem Kondensator ein tonfrequenter Sperrkreis oder eine Drosselspule mit ausreichender Tonfrequenzreaktanz vorgeschaltet wird. Die Anschaffung und der Einbau solcher Sperrmittel verteuert jedoch den Einsatz von Kondensatoren, insbesondere, wenn diese aus einer grösseren Anzahl von kleineren Niederspannungskondensatoren bestehen.
Das Bedürfnis nach wirtschaftlicheren Lösungen besteht deshalb nach wie vor und wächst mit der weiteren Verbreitung der tonfrequenten Zentralsteuerung und der Kondensatoren.
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Die vorliegende Erfindung bezweckt, mit möglichst geringem Aufwand den Bedürfnissen der Energieverteilung und der tonfrequenten Netzüberlagerung zugleich zu dienen.
Sie betrifft ein Verfahren zur Blindstromkompensation mittels statischer Kondensatoren in tonfrequenzüberlagerten Energieverteilnetzen und ist dadurch gekennzeichnet, dass die Blindstromkompensation zweiteilig als kombinierte Serie- und Parallelkompensation erfolgt, wobei die zwei Teile so bemessen werden, dass die Seriekompensation bei Nennbelastung eine vorbestimmte Anhebung der Netzspannung bei den Energieverbrauchern und zugleich eine gewisse Erhöhung des Leistungsfaktors bewirkt, und dass die Parallelkompensation die restliche Erhöhung des Leistungsfaktors auf einen vorbestimmten Wert und eine Erhöhung der tonfrequenten Netzimpedanz herbeiführt.
Anhand der Fig. 1 bis 7 der Zeichnung wird das erfindungsgemässe Verfahren beispielsweise näher erläutert.
Es zeigen: Fig. 1 eine bekannte Schaltung eines kompensierten Niederspannungsnetzes, Fig. 2 Resonanzkurven der Schaltung nach der Fig. 1, Fig. 3 eine weitere bekannte Schaltung eines kompensierten Niederspannungsnetzes, Fig. 4 ein Beispiel eines nach dem erfindungsgemässen Verfahren kompensierten Verteilnetzes, Fig. 5 und 6 je ein Vektordiagramm zur Schaltung nach der Fig. 4 und Fig. 7 Blindleistungskurven in Funktion der Netzbelastung.
Die Fig. 1 stellt die bisher üblichste Kompensationsweise dar, nämlich die reine Parallelkompensation mittels Kondensatoren im Niederspannungsnetz. Die Kondensatoren können in der Transformatorenstation aufgestellt oder im Niederspannungsnetz verteilt sein. Ein Verteiltransformator, der die Mittelspannung auf die Niederspannung herabsetzt, ist mit Tr bezeichnet. R stellt eine rein Ohmsche Belastung, M eine Motorenbelastung und Qp die Parallelkondensatoren bzw. deren Blindleistung dar.
Mit uzN1, uT1, uzN2, uT2 sind in den Fig. 1 bis 6 die Netz- und Tonfrequenzspannungen am Anfang und am Ende des betrachteten Netzteiles bezeichnet. Alle diese Grössen stellen relative Spannungen dar, das heisst, sie sind in Prozenten der Netz-Nennspannung der betreffenden Stelle ausgedrückt. Damit fällt das Übersetzungsverhältnis des Transformators aus der Betrachtung, und die Allgemeingültigkeit der quantitativen Zusammenhänge kommt deutlicher zum Ausdruck.
Die Grösse uN1 ist also die relative Netzspannung am Eingang des betrachteten Netzteiles, uzN2 die mittlere relative Netzspannung bei den Nieder- spannungsenergieverbrauchern. Analog ist ur1 die relative tonfrequente Spannung am Eingang des betrachteten Netzteiles und uT2 die mittlere relative Tonfrequenzspannung im Niederspannungsnetz, das heisst an den Empfangsgeräten (Empfangsspannung). Als spezifische Empfangsspannung uT wird ferner das Verhältnis der relativen Empfangsspannung uT2 zur relativen Tonfrequenzspannung uT1 am Eingang des betrachteten Netzteiles bezeichnet.
In der Fig. 2 ist der typische Verlauf der spezifischen Empfangsspannung uT bei einer bestimmten Tonfrequenz in Funktion der Blindleistung Qp der ungesperrten Parallelkondensatoren nach der Fig. 1 dargestellt. Die Kurve 1 gilt für einen starken, die Kurve 2 für einen schwachen Anteil der Ohmschen Belastung R an der Gesamtlast des betreffenden Teilnetzes nach der Fig. 1. Die Kurve 1 ist charakteristisch für allgemeine Verbrauchernetze mit kompensierten Motoren beim Höchstwert des Ohmschen Belastungsanteiles. Die Kurve 2 gilt mehr bei schwacher Ohmscher Belastung, aber voll eingeschalteten Kondensatoren in solchen Netzen, sowie für kompensierte Industrienetze. Beide Kurven lassen bei einem bestimmten QP-Wert eine Resonanzstelle erkennen, bei der UT ein ausgesprochenes Maximum aufweist.
Die relative Tonfrequenzspannung UT2 im Verbrauchernetz kann in der Nähe des Resonanzpunktes wesentlich grösser sein als die relative Tonfrequenzspannung u.1.1 am Eingang des Netzes. Dies kommt in den Kurven 1 und insbesondere 2 dadurch zum Ausdruck, dass die spezifische Empfangsspannung
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grö- sser als 1 ist. Ist die Blindleistung Qp der Parallelkondensatoren grösser als der rund doppelte Resonanzwert Qho, so wird die spezifische Empfangsspannung uT kleiner als 1. Beide Zustände, sowohl eine stark überhöhte als auch eine stark abgesenkte spezifische Empfangsspannung ui, sind unerwünscht.
Die Fig. 3 zeigt dasselbe Schaltbild eines Nieder- spannungsverteilnetzes mit Transformatorenstation und Mittelspannungsspeisung wie die Fig. 1, jedoch mit Tonfrequenz-Sperrkreisen Sp in Reihe mit den Parallelkondensatoren Qh. Im Gegensatz zu den Kurven der Fig. 2 würde die spezifische Empfangsspannung uT bei dieser Anordnung nach der Fi.g. 3 viel flacher, das heisst weniger abhängig von der Blindleistung Qp verlaufen als bei ungesperrten Kondensatoren nach der Fig. 1.
Dem steht jedoch als Nachteil der Aufwand für die Anschaffung und der Einbau der Sperrmittel Sp gegenüber.
Die Fig. 4 gibt die Schaltung wieder, die dem erfindungsgemässen Verfahren zugrunde liegt. Die Blindleistung Qp der Parallelkondensatoren ist hier kleiner als bei reiner Parallelkompensation nach den Fig. 1 und 3. Anderseits ist ausser den Parallelkondensatoren Qp noch ein Seriekondensator mit einer Blindleistung Qs vorgesehen, und die Blindleistungen Qs und Q1, sind so bemessen,
dass vor dem Seriekondensator bei Nennlast der gewünschte Leistungsfaktor und überdies eine Erhöhung der tonfrequenten Eingangsimpedanz des betreffenden Netzteiles und an den Verbraucherapparaten eine Anhebung der Netzspannung 11V2 in einem vorbestimmten Ausmass erzielt wird. Mit
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u, ist die relative Spannung am Seriekondensator bezeichnet.
Die Vektordiagramme der Fig. 5 und 6 dienen zur Verdeutlichung der Wirkungsweise des Seriekonden- sators von der Fig. 4 bei Netzfrequenz. Zu diesem Zwecke werden noch folgende weitere netzfrequente Spannungsgrössen definiert. Mit du wird die relative (das heisst prozentuale) Spannungssenkung bei den Verbrauchern bezeichnet, die eintreten würde, wenn keine Seriekompensation vorhanden wäre. Der relative Spannungsabfall in den Leitungen und im Transformator Tr, der diese Spannungssenkung verursacht, wird mit duz bezeichnet. Er ist ein Vektor, dessen Richtung im allgemeinen nicht mit derjenigen des Netzspannungsvektors uN2 zusammenfällt und dessen skalarer Wert deshalb grösser ist als du. Seine Ohmsche Komponente wird mit dur undseine induktive Komponente mit dux bezeichnet.
Aus diesen Definitionen ergeben sich folgende Vektorgleichungen: Wenn kein Seriekondensator vorhanden ist (Fig. 1 und 3), gilt nur die Beziehung: uN2 + duz = ux l' (s. Fig. 5) Wenn dagegen ein Seriekondensator nach der Fig. 4 vorhanden ist, so gilt: uN2 + duz + uS = un1 (s. Fig. 5 und 6) Daraus ist bereits ersichtlich, dass die Seriekom- pensation den Phasenwinkel zwischen dem Strom und der Spannung am Eingang des Netzes vom Wert #1' ohne Seriekondensator auf den Wert #1 mit Seriekondensator verkleinert (Fig.5). Der Seriekondensator QzS verbessert also den Leistungsfaktor am Eingang des Netzes, nämlich im Beispiel nach Fig. 5 von cos #1' = 0,73 auf cos #1 = 0,80 bei cos #2 = 0,75 der Energieverbraucher.
Ferner geht aus der Fig. 5 hervor, dass u N1 G uNi' , das heisst, dass bei Vorhandensein eines Seriekonden- sators zur Erzielung einer bestimmten Netzspannung u,N2 an den Verbrauchern eine kleinere Netzspannung uN1 am Eingang des Netzes erforderlich ist, als wenn die Spannung uS am Seriekondensator nicht vorhanden wäre (uN1'). Geht man umgekehrt von einer festen Eingangsspannung aus, so zeigt sich auch so, dass ohne Seriekondensator der zahlenmässige Wert der relativen Netzspannung uN2, bei den Verbrauchern immer um einen Wert du kleiner ist als die relative Netzspannung uN1' am Eingang des Netzes. Mit einem Seriekondensator dagegen kann die Netzspannung uN2 an den Verbrauchern bei Nennlast durch passende Bemessung der Spannung uS innerhalb gewisser Grenzen frei gewählt werden.
Beispielsweise ist in der Fig. 5 die Spannung u, so bemessen, dass |uN2| = |uN1|, dass also der zu du = 10 % angenommene Spannungsverlust in den Leitungen und im Transformator gerade aufgehoben wird. Im Beispiel nach der Fig. 6 dagegen ist der Spannungsverlust du zu nur 5 % angenommen und uS ist so gewählt, dass die Spannung u N2 an den Verbrauchern um einen Betrag von ebenfalls 5%o höher wird als die Spannung UNI am Eingang des Netzes. Ganz allgemein setzt sich die total erforderliche Spannungsanhebung durch den Seriekondensator aus dem aufzuhebenden Spannungsverlust du in den Leitungen und Transformatoren und aus der gewünschten Spannungserhöhung Aus an den Verbrauchern bei Nennlast gegenüber Nullast zusammen. Alle drei Grössen du, duS und uS sind proportional der Netzlast.
Diese Wirkungen von Seriekondensatoren sind bekannt. Den Diagrammen der Fig. 5 und 6 kann jedoch auch entnommen werden, dass die durch Seriekompensation erzielbare Verbesserung des Leistungsfaktors begrenzt und um so geringer ist, je niedriger der ursprüngliche Leistungsfaktor und je geringer der Spannungsabfall in den Leitungen und Transformatoren bzw. je geringer der zulässige Spannungsanstieg auf der Verbraucherseite bei Nennlast gegenüber Nullast ist.
Seriekondensatorenhaben deshalb bisher mehr nur als Mittel zum automatischen und unver- zögerten Ausgleich übermässiger Spannungsverluste, insbesondere in langen Mittelspannungsfreileitungen, und damit auch zur Spannungsberuhigung Eingang gefunden, kaum jedoch für die Blindstromkompen- sationals Hauptziel.
Anders liegen die Verhältnisse, wenn zu den Aufgaben der Blindstromkompensation noch solche der Tonfrequenzüberlagerung hinzukommen. Wie eingangs erwähnt, drängt sich die Blindstromkompensation dort auf, wo das Netz ausgesprochen induktiven Charakter hat, der insbesondere durch den Einsitz von Asynchronmotoren zustande kommt. Solange ein solches Netz nicht kompensiert ist, ist es auch für die tonfrequenten Signalströme induktiv. In bezug auf die Signalströme haben -die Motoren im Normal- betrieb einen sehr grossen Schlupf, das heisst, ;sie sind tonfrequenzmässig sozusagen im Anlaufzustand.
Trotz der um ein Mehrfaches der Netzfrequenz höheren Signalfrequenz haben deshalb gewerbliche Motoren unterhalb etwa 600 bis 700 Hz eine Reaktanz, die kleiner ist als ihre durchschnittliche 50-Hz-Betriebs- impedanz.
Werden Motoren in bisher üblicher Weise kompensiert, so wird ihr induktiver Tonfrequenzleitwert durch die Parallelkondensatoren von durchschnittlich etwa 223 Hz an aufwärts mehr als kompensiert. Ein kompensiertes Motorennetz wird also für die Tonfrequenz kapazitiv. Oberhalb etwa 240 Hz wird der Absolutwert seiner tonfrequenten Impedanz sogar niedriger als seine 50-Hz-Netzimpedanz. Innerhalb gewisser Grenzen ist dies tragbar.
Bei starker Besetzung eines Netzes mit kompensierten Motoren und anderen parallel kompensierten Blindstromverbrau- chern können dagegen durch die niedrige kapazitive Tonfrequenzimpedanz die anhand der Fig.2 beschriebenen Unzukömmlichkeiten auftreten.
Der Grundgedanke des erfindungsgemässen Verfahrens besteht nun darin, d'ass nur ein Teil der zur Kompensation des Netzes erforderlichen Blindleistung durch die Parallelkondensatoren QP und der andere
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Teil durch die Seriekondensatoren QS geliefert wird. Die Seriekondensatoren haben auf die tonfrequenten Signalströme nur einen verschwindend kleinen und eher günstigen Einfluss. Durch die entsprechend kleinere Bemessung der Parallelkondensatoren Qp wird die tonfrequente Überkompensation des Netzes wesentlich geringer oder überhaupt beseitigt, die tonfre- quente Netzimpedanz also wesentlich erhöht. Je nach der Signalfrequenz und der Bemessung der Parallelkondensatoren Qp (s.
Fig. 4) ist es sogar möglich, deren kapazitiven Tonfrequenzleitwert gerade ungefähr gleich gross zu machen wie die induktive Komponente des tonfrequenten Netzleitwertes. Ein Industrienetz kann dadurch eine relativ sehr hohe Tonfrequenzimpedanz erhalten, so dass es zwar die ton- frequente Signalspannung erhält, aber nur sehr wenig Tonfrequenzstrom absorbiert, sogar wesentlich weniger, als das urikompensierte Netz aufnehmen würde.
Dieser tonfrequenzmässige Idealzustand wird sich indessen nur ausnahmsweise gleichzeitig mit vorbestimmten Werten der Blindstromkompensation und der Spannungsstützung erreichen lassen. Dies ist aber auch nicht nötig. Es genügt durchaus, wenn die aus der Fig.2 ersichtlichen Unzukömmlichkeiten vermieden werden. Dieses Ziel ist, abgesehen von Anlagen mit relativ hohen Signalfrequenzen, in weitem Rahmen der sehr unterschiedlichen Verhältnisse der Praxis immer erreichbar. Je nach den Umständen kann deshalb die Anwendung des Verfahrens nach freiem Ermessen mehr im Hinblick auf optimale Verhältnisse für die Tonfrequenzanlage oder auf bestimmte Ziele der Spannungshaltung oder der Blindstromkompensation ausgerichtet werden.
Man kann also im Rahmen des Erfindungsgedankens den Seriekondensator so bemessen, dass die Netzspannung uN 2 bei den Verbrauchern bei Nennlast z. B. ungefähr gleich hoch oder um einen beliebigen Betrag Aus höher wird als bei Nullast. Auf alle Fälle wird dadurch zugleich eine gewisse Verbesserung des Leistungsfaktors erreicht. Da diese im allgemeinen noch nicht ausreicht, so wird die restliche Verbesserung durch Parallelkompensation zustande gebracht. Die Parallelkompensation hat praktisch keinen Einfluss auf die Netzspannung, aber ausser der gewünschten Verbesserung des Leistungsfaktors verändert sich auch die Tonfrequenzimpedanz des Netzes in günstigem Sinne. Bei einer bestimmten Blindleistung Qp der Parallelkompensation würde die Tonfrequenzimpedanz einen Maximalwert erreichen.
Man kann dabei von einer Parallelresonanz der Parallelkondensatoren mit den induktiven Energieverbrauchern sprechen. Bei Abweichung der Blindleistung Qp von diesem Resonanzwert wird die tonfrequente Netzimpedanz kleiner als bei Parallelresonanz, aber abgesehen von extrem tiefen Steuerfrequenzen immer wesentlich grösser als bei reiner Parallelkompensation nach der Fig. 1. In der Fig. 2 tritt dies dadurch in Erscheinung, dass bei Kompensation nach dem erfindungsgemässen Verfahren der Wert Qp gemäss der Fig. 4 so weit unterhalb des Serieresonanzwertes QPo zu liegen kommt, dass weder eine störende überhöhung noch eine unzulässige Absenkung der spezifischen Empfangsspannung uT zu befürchten ist.
Bei Auslegung des netzfrequenten Vektordiagrammes geht man vom gewünschten cos p1 am Eingang des Netzes bei Nennlast aus. Auf Grund einer vorbestimmten Anhebung der Netzspannung bei den Energieverbrauchern, die sich bei Nennlast aus dem Spannungsverlust #u in den Leitungen und Transformatoren und einer eventuell erwünschten Spannungserhöhung AuS, zusammensetzt, lassen sich die hierfür nötige Spannung u, am Seriekondensator und der Leistungsfaktor cos cp2 ermitteln, auf den das Verbrauchernetz mittels Parallelkompensation gebracht werden muss (s. Fig. 6).
Die Berechnung der erforderlichen Blindleistung Qp der Parallelkompensation, um den Leistungsfaktor vom Wert cos ccv. des urikompensierten Verbrauchernetzes auf den Wert cos (p. des teilweise parallel kompensierten Verbrauchernetzes zu erhöhen, erfolgt nach den üblichen Regeln der Parallelkompensation. Die Blindleistung Q@ des Seriekon- densators ergibt sich aus dem Nennstrom (Nennleistung) des Netzes und der Spannung us am Seriekondensator.
Obwohl das beschriebene Verfahren hauptsächlich für Niederspannungsverteilnetze in Frage kommt, ist es grundsätzlich nicht auf solche beschränkt, sondern auch auf höhere Spannungsebenen anwendbar.
Wirtschaftlich betrachtet kommt es für eine bestimmte Blindstromkompensation ungefähr auf dasselbe hinaus, ob die hierfür erforderliche Blindleistung von Parallel- oder von Seriekondensatoren geliefert werde. Dem Mehraufwand für die isolierte Aufstellung und den Kurzschlussschutz von Seriekonden- satoren steht eine Einsparung an Schaltmaterial gegen- über. Der materielle Aufwand für eine Kompensation nach dem erfindungsgemässen Verfahren ist deshalb ungefähr derselbe wie für reine Parallelkompensation nach der Fig. 1, aber kleiner als für gesperrte Parallelkompensation nach der Fig.3, insbesondere, wenn die Blindleistung Qp auf viele kleinere Einheiten verteilt ist.
Darüber hinaus bietet jedoch das anhand Fig. 4 beschriebene Verfahren gegenüber der reinen Parallelkompensation folgende Vorteile: 1. Beruhigung der Netzspannung bei Belastungsstössen, insbesondere von Motoren und Schweissmaschinen, infolge der uriverzögerten, automatischen Kompensation von Spannungsabfällen in Leitungen und Transformatoren.
2. Natürliche Anpassung der Kompensation an den Blindleistungsbeda.rf. Bei reiner Parallelkompensation besteht das Risiko der Fehlkompensation, wenn bei wechselnder Netzbelastung nicht auch die Blindleistung der Kondensatoren, z. B. mittels einer teueren und der Wartung bedürfenden Regelautomatik, dem veränderlichen Bedarf angepasst wird. Die Anordnung nach der Fig. 4 dagegen, deren Gesamtblindleistung Qp -h Q@ :der Nennlast angepasst ist, liefert bei schwacher Netzlast praktisch nur den Betrag QP, was etwa dem Blindleistungsbedarf von Transformatoren und
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einigen schwachbelasteten Motoren entsprechen mag.
Bei Zwischenwerten der Belastung verläuft die Blindleistungsabgabe kontinuierlich zwischen den Grenzwerten QP und (QP + Qs).
Die Fig. 7 zeigt die Blindleistungen in Abhängigkeit von der Scheinleistung S des Netzes in Prozenten der Nennleistung. Die Linie 1 stellt den ungefähren Verlauf des Blindleistungsbedarfes, die Linie 2 die totale Blindleistungsabgabe QP + QS und die gestrichelte Linie 3 die Blindleistungsabgabe einer reinen und ungeregelten Parallelkompensation nach der Fig. 1 oder 3 dar. Wie ersichtlich, decken sich der Bedarf 1 und die Abgabe 2 beim erfindungsgemässen Verfahren viel besser als bei reiner Parallelkompensation 3.
3. Freiheit in bezug auf spätere Entscheide über die Einführung der Tonfrequenzüberlagerung. Bisher sah sich ein Elektrizitätsunternehmen, das noch keine Tonfrequenzanlage hatte, aber die Kompensation einführen oder verstärken wollte gezwungen, entweder die Abonnenten zu Sperrmassnahmen zu veranlassen, deren Notwendigkeit oder Zweckmässigkeit noch nicht feststand, oder sich vorzeitig auf eine bestimmte Signalfrequenz festzulegen oder für nachträgliche Sperrmassnahmen erhöhten Aufwand und Umtriebe zu riskieren. Beim erfindungsgemässen Kompensationsverfahren sind Sperrmassnahmen im Bereich der meist angewendeten Steuerfrequenzen überflüssig.