Verfahren zur Herstellung eines Bauschgarnes Bauschige Garne sind solche, welche im Verhältnis zu ihrem Gewicht einen grossen Querschnitt aufweisen. Allgemein sind Wollgarne bauschig, da die Wollfasern nicht gerade sind, sondern eine natürliche Kräuselung aufweisen. Da deshalb die Wollfasern nicht parallel verlaufen, besitzen sie eine relativ geringere Dichte und grössere Deckkraft gegenüber parallel verlaufenden Fasern. Synthetische Fasern sind, wenn sie durch kon ventionelle Spinndüsen erzeugt werden, praktisch nicht bauschig, sondern bestehen aus etwa geraden glatten, kontinuierlichen Strängen. Deren Verlauf kann höch stens durch eine spezielle Behandlung verändert wer den.
Andernfalls verlaufen die Fasern parallel, ob sie nun Stapelfasern oder Kabel bilden. Es wurde vor einiger Zeit erkannt, dass die Erzeugung einer gewissen Bauschigkeit in Garnen, die aus synthetischen Fasern gesponnen werden, wünschenswert wäre und es wur den erhebliche Anstrengungen in bezug auf Faser behandlungen unternommen, um den Garnen diese Eigenschaft zu vermitteln.
Bei bekannten Verfahren zur Herstellung eines Bauschgarnes wird ein Zwirn, dessen Einfachgarne zwei Garnkomponenten aufweisen, von denen die eine ein höheres Schrumpfvermögen aufweist als die andere, einer Schrumpfbehandlung ausgesetzt. Durch die Kontraktion der Garnkomponente mit dem höheren Schrumpfvermögen wird die andere Garnkomponente gekräuselt, so dass ein Bauschgarn entsteht. Dieses Bauschgarn besitzt jedoch nur eine sehr geringe Dehn barkeit, da sich die geschrumpften Garnkomponenten der Einfachgarne einer elastischen Deformation wider setzen.
Daneben ist schon ein Verfahren bekanntgeworden, bei welchem von zwei miteinander verzwirnten Ein fachgarnen das eine aus thermoplastischen Fasern und das andere aus Fasern mit höherem Schrumpfvermö gen besteht. Nach der Schrumpfbehandlung wird die im anderen Garn entstandene Kräuselung fixiert und darauf das geschrumpfte Garn vom gekräuselten Garn entfernt, z. B. durch ein geeignetes Lösungsmittel. Hie durch ist zwar das verbleibende Einfachgarn elastisch dehnbar geworden. Anderseits hat das Verfahren aber den Nachteil, dass durch die Auflösung oder ander weitige Entfernung des einen Garnes die Dichte oder Fülligkeit des ursprünglichen Zwirnes stark herabge setzt wird, ganz abgesehen vom Faserverlust, den die Auflösung des geschrumpften Garnes mit sich bringt.
Die vorliegende Erfindung bezweckt nun die Schaffung eines solchen Garnes, welches diese Nach teile vermeidet.
Das erfindungsgemässe Verfahren zur Herstellung eines elastisch dehnbaren Bauschgarnes durch Verar beitung eines überwiegenden Anteils von permanent kräuselbaren thermoplastischen Fasern mit einem kleineren Anteil an Fasern mit hohem Schrumpfver mögen zu einem Mischgarn, Schrumpfung der zweit genannten Komponente unter gleichzeitiger Kräuse lung der erstgenannten Komponente und Fixierung dieser Kräuselung, zeichnet sich dadurch aus, dass das Garn nachher einer Streckoperation unterzogen wird,
um die geschrumpften Fasern relativ zueinander und relativ zu den gekräuselten Fasern zu verschieben und damit den Einfluss der geschrumpften Garnkomponente auf die Dehnbarkeit des Garnes aufzuheben.
Unter permanent kräuselbaren Fasern sollen solche verstanden sein, denen eine bleibende Kräuselung ver- mittelt werden kann. Unter Kräuselung soll jede Deformation der Faser verstanden sein, z. B. jede Art von Krümmung, Schleife, Windung oder Krause, ob sie nun durch mechanische Mittel erzeugt wird, oder durch andere beispielsweise chemische Einwirkung. Unter permanent ist zu verstehen, dass nach der Fixierung der Kräuselung die natürliche Form der Faser die aus der Kräuselung resultierende ist.
Beispiels weise ist es möglich, die gekräuselte Faser zu geraden, indem an den Enden ein Zug ausgeübt wird, jedoch kehrt die Faser beim Nachlassen des Zuges in den gekräuselten Zustand zurück. Selbstverständlich kann in der Faser eine unterschiedliche Kräuselung fixiert oder die Kräuselung durch entsprechende Behandlung aufgehoben werden. Beispielsweise kann die einer thermoplastischen Faser unter Erwärmung erteilte Kräuselung durch erneute Erwärmung auf gleiche oder erhöhte Temperatur entfernt oder verändert werden. Die Form -einer einzelnen Faser im Garn wird durch die Gegenwart von andern Fasern beeinflusst, so dass die Tendenz der Faser, in ihre gekräuselte Forin zurück zukehren, beeinflusst werden kann.
Als permanent kräuselbare Fasern werden thermo plastische Fasern verwendet, wie Polyamide, z. B. in Form von Poly-s-Caproamid und Poly-Hexamethy- lenadipamid; Zelluloseester; Polyester, z. B. Tereph- thalate aus Äthylenglykol und aus trans-p-Hexa- hydroxylylenglykol; Polyalkylen, z. B. Polyäthylen und Polypropylen; Polyvinyle und Polyacryle, \z. B.
Polyacrylnitril sowie Mischpolymere dieser Materia lien. Es handelt sich um Fasern, die unter ihren Han dels- oder Markenbezeichnungen als Nylon (Poly amide), Dacron und Terylene (Polyester) sowie Orion , Acrilan und Courtelle (Mischpolymere von Acrylnitril) bekannt sind. Polyacrylnitril-Fasern wurden schon für frühere Verfahren als speziell geeignet ermittelt, und sie finden auch für das vorliegende Ver fahren bevorzugte Anwendung.
Vorzugsweise besitzt die permanent kräuselbare Faser nur geringes oder kein Schrumpfvermögen. Unter Fasern mit hohem Schrumpfvermögen wird nicht nur verstanden, dass die Faser schrumpfen oder sich zusammenziehen kann, sondern dass, wenn sie auch nur mit kleinem Anteil in einem Garn vorhanden ist, das überwiegend aus Fasern mit bedeutend gerin gerem Schrumpfvermögen bei denselben Bedingungen besteht, die Kontraktion mit genügender Kraft erfolgt, um die Länge des Garnes zu reduzieren, um dadurch die weniger oder nicht schrumpfbaren Fasern zur An nahme neuer Formen zu veranlassen und sich dabei der verkürzten Länge des Garnes anzupassen.
Somit enthält das Garn nach dem Schrumpfen einen kleine ren Anteil an Fasern (mit früher hohem Schrumpf vermögen, jedoch nur in geschrumpftem Zustand) in überwiegend gerader Form und den überwiegenden Anteil der kräuselbaren Faser in gekräuselter und des halb bauschiger Form.
Es soll also hauptsächlich eine unterschiedliche Schrumpfung erzeugt werden, indem das schrumpf- fähige Material im Verhältnis zum kräuselbaren Ma terial ein hohes Schrumpfvermögen besitzt.
Um eine stark unterschiedliche Schrumpfung zu erzeugen, ist es selbstverständlich ratsam, eine kräusel- bare Faser mit praktisch keinem Schrumpfvermögen zu verwenden. Es ist möglich, aus den oben erwähnten Materialien entspannte permanent kräuselbare Fasern zu erzeugen, die um weniger als 3% schrumpfen.
Im Verfahren zur Herstellung von Bauschgarnen durch Schrumpfung, wie in der US-Patentschrift Nr. 2 810 281 beschrieben, haben die verschiedenen Fasern kein genügend unterschiedliches Schrumpf vermögen und es werden deshalb grosse Anteile von schrumpffähigen Fasern verwendet. Überdies wird das Garn nicht behandelt, um den Einfluss der Schrump fung auszuschalten, d. h. die mangelnde Streckfähig keit wird nicht neutralisiert.
In dem in dieser Patent schrift beschriebenen Beispiel ist die Differenz- Schrumpfung der beiden Arten von Polyacrylnitril- Fasern etwa 200/", während nach den Beispielen des vorliegenden Verfahrens diese mindestens 30 bis 35 ausmacht.
Die Garne, welche nach dem Verfahrens beispiel dieser Patentschrift hergestellt werden, enthal ten einen Anteil von 40% an unverstreckbaren Fasern und sind somit selbst ebenfalls nicht verstreckbar. Ge mäss dieser Patentschrift wird auf die Bedeutung eines genügenden Anteiles dieser unverstreckbaren Kompo nente hingewiesen, um zu gewährleisten, dass das fertige Garn eine genügende Zugfestigkeit erhält.
Vielen synthetischen Fasern wird das hohe Schrumpfvermögen durch ein als Kaltziehen oder Streck-Spinnen bezeichnetes Verfahren vermittelt. Dieses Verfahren wird praktisch unmittelbar nach dem Spinnen der kontinuierlichen Fasern mittels Spinn düsen durchgeführt. Solche kalt gezogene Fasern sind bezüglich ihrer Dimension unstabil, indem sie bei ent sprechender, vom Material abhängiger Erwärmung auf ihren ursprünglichen Zustand beim Spinnen ein schrumpfen. Bei kalt gezogenen bzw. verstreckten Fasern, ist das Schrumpfvermögen nicht durchwegs ausreichend für das vorliegende Verfahren, je nach Wahl der kräuselbaren Fasern.
Für die schrumpfbaren Fasern werden kalt verstreckte Polyvinylchlorid-Fasern bevorzugt. Unter dem Markennamen Fibravyl ist eine solche Faser bekannt, die sich um 50-60% ihrer Länge zusammenziehen kann, während bei Retrac- tyl 30 die Kontraktion etwa 35% ausmachen kann. Geeignet sind auch Polyvinylidenchlorid-Fasern und Mischpolymere aus Vinylchlorid und/oder Vinyliden- chlorid, speziell mit Acrylnitril.
Je höher das Schrumpfvermögen der Faser ist, um so günstiger ist dies allgemein für das Verfahren. Es müssen genügend Fasern mit hohem Schrumpfvermö gen vorhanden sein, um in den kräuselbaren Fasern die notwendige .Kräuselung hervorzurufen. Je kleiner das Schrumpfvermögen ist, um so grösser muss der Anteil dieser Fasern im Garn sein. Die geschrumpfte Faser (welche ursprünglich hohes Schrumpfvermögen besass) trägt im fertigen Bauschgarn nicht wesentlich zu dessen Bauschigkeit bei (abgesehen von dessen Ein- fluss während des Kräuselvorganges) und infolge ihres unverstreckbaren Charakters ist sie nunmehr uner wünscht.
Somit soll also der Anteil der Faser mit hohem Schrumpfvermögen möglichst gering sein, so dass gerade noch die notwendige Schrumpfkraft auf gebracht werden kann.
Wie aus den Beispielen ersichtlich ist, ist es möglich, gute und kommerziell verwendbare Resultate zu erhal ten, indem überwiegend Polyacrylnitril-Fasergarne erzeugt werden, die 2-10 Gewichtsprozent Polyvinyl- chlorid-Fasern mit hohem Schrumpfvermögen enthal ten. Das genaue Verhältnis der Faseranteile hängt von den individuellen Eigenschaften des Garnes und seiner Komponenten ab, speziell der Art der permanent kräuselbaren Faser, der Art der Faser mit hohem Schrumpfvermögen und der Anzahl von Fasern im Garnquerschnitt.
Es ist klar, dass es üblicherweise eines grösseren Anteiles von Fasern mit hohem Schrumpf vermögen bedarf, wenn das Garn eine relativ kleine Zahl von Fasern pro Querschnittseinheit enthält, und zwar infolge der Schwierigkeit, welche sich der gleich mässigen Verteilung der Fasern mit hohem Schrumpf vermögen entgegenstellt, da ja ein Zusammenziehen bzw. Verkürzen des Garnes als Ganzes resultieren muss.
Je grösser der Anteil der im fertigen Garn an sich unerwünschten Faser mit dem früher hohen Schrumpf vermögen ist, desto grösser ist die Arbeit, den Einfluss dieser Faser im Garn zu neutralisieren. Üblicherweise ist es unerwünscht, mehr als 20 Gewichtsprozent von Fasern mit hohem Schrumpfvermögen zu verwenden, jedoch können je nach Endzweck des Garnes höhere Anteile, beispielsweise bis zu 25 oder 30% solcher Fasern verwendet werden.
Der Einfluss der Faser mit hohem Schrumpfver mögen wird dadurch neutralisiert, dass das Garn in vorbestimmtem Ausmass gestreckt wird. Durch die Streckung des Garnes werden die einzelnen geschrumpf ten Fasern relativ zueinander und bezüglich der ge kräuselten Fasern verschoben oder sogar zerrissen. Wenn die Streckspannung reduziert wird, zieht sich das Garn infolge der Gegenwart der gekräuselten Fa sern zusammen. Darnach ist das Garn ohne weiteres dehnbar, da die Schrumpffasern praktisch keinen Ein fluss mehr haben.
Die so hergestellten Garne besitzen ein Aussehen, welches demjenigen von konventionellen gesponnenen Garnen ähnlich ist, jedoch besitzen sie eine hohe elasti sche Dehnbarkeit, d. h. eine Dehnbarkeit in der Grö ssenordnung von 25-45 %.
Das fertige Bauschgarn kann neben den gekräusel ten Fasern und den Schrumpffasern auch Anteile von Fasern anderer Eigenschaften und Materialien enthal ten. Je nach den Eigenschaften dieser zusätzlichen Fasern kann das fertige Garn verändert werden. Bei spielsweise wäre es auch möglich, zwei oder mehr ver schiedene Arten von kräuselbaren Fasern mit unter schiedlichem Schrumpfvermögen zu verwenden. Ebenso ist es denkbar, zwei oder mehr verschiedene Arten von Fasern mit hohem Schrumpfvermögen zu verwenden. Durch geeignete Auswahl von Fasern hierfür und Ab stimmung der Verfahrensbedingungen ist es möglich, Garne mit vorbestimmter Bauschigkeit und Dehnbar keit zu erzeugen.
Die Schrumpfung kann in billiger Weise ausge führt werden. Wichtig ist allerdings, dass das Garn sich soweit möglich in spannungsfreiem Zustand befindet, um eine gleichmässige Schrumpfung der Fasern mit hohem Schrumpfvermögen zu erhalten. Die Schrump fung kann zweckmässigerweise durch Dämpfen im Autoklav erfolgen, wobei die Garnstrange in flachen Behältern angeordnet werden, um zu gewährleisten, dass keine Spannung im Garn vorhanden ist.
In der Zeichnung ist eine geeignete Apparatur zum Strecken des Garnes im Aufriss dargestellt.
Ein Garnstrang, welcher aus dem Garn A gebildet ist, wird über einen Garnhaspel B gelegt, der auf einem Zapfen b drehbar ist. Der Zapfen ist beispielsweise am Rahmen der Maschine befestigt. Das Garn A wird durch eine Vorrichtung D geführt, welche ein über mässiges Abwickeln verhindert und hierauf über eine Rolle R1. Die Rolle R1 besteht beispielsweise aus einem Kern, der mit einer Hülse oder einem Mantel aus Gummi oder synthetischem Material gebildet ist und eine genügende Reibung aufweist, um ein Gleiten des Garnes auf der Rollenoberfläche zu verhindern.
Die Rolle R 1 ist auf einer Welle angeordnet, die im Rahmen der Maschine gelagert ist, so dass sich die Rolle drehen kann, jedoch ist deren Drehbewegung durch eine Bremsvorrichtung begrenzt, welche eine federbelastete Einstellschraube Dz besitzt und einen Reibungswider stand auf die Rolle ausübt. Die Vorrichtung D ist so angeordnet, dass das durch dieselbe verlaufende Garn die Rolle R1 mit einer anderthalbfachen Umschlingung verlassen kann.
Das Garn von der Rolle R1 wird durch einen Klemmpunkt geführt, der durch zwei Rollen R2 und R3 gebildet ist, von denen jede mit einem Mantel oder einer Hülse aus Gummi oder einem anderen nach giebigen Material versehen ist. Die Rolle R2 ist auf einer Welle S angeordnet, welche zwischen im Ma schinengestell angeordneten Lagern abgestützt ist. Auf dem einen Ende der Welle S sitzt eine Riemenscheibe P, über welche die Welle von einem Elektromotor M und einen Riemen angetrieben wird. Bei der Rolle R3 handelt es sich um eine Druckrolle, die auf einem Zapfen S3 frei drehbar ist.
Der Zapfen S2 ist an einem schwenkbaren Bügel befestigt und wird mittels einer nicht dargestellten Feder nach abwärts gedrückt, so dass die Rollen R3 in paralleler Lage gegen die Rolle R2 angedrückt wird. Damit entsteht zwischen den beiden Rollen ein Klemmpunkt.
Der Abstand vom Zentrum der Rolle R1 an den Klemmpunkt der Rollen R2 und R3 ist etwas grösser, als die längsten Stapelfasern, welche im zu streckenden Garn enthalten sind. Wenn die Rolle R2 durch den Motor M angetrieben wird, so ziehen die beiden Rol len R2 und R3 das Garn entgegen der Bremswirkung der Rolle R1, welche durch die Schraube B2 einge stellt werden kann, nach vorwärts. Das den Klemm- punkt verlassende gestreckte Garn wird in eine Kanne abgelegt, und zwar in Form von Windungen im span nungslosen Zustand.
Die auf die Rolle R1 ausgeübte Reibung kann zwi schen Null und einem Maximum verändert werden, bei welchem letzteren Reibungszustand das durch die Maschine verlaufende Garn zerrissen wird. Zwischen diesen Grenzen kann die gewünschte Streckung des Garnes eingestellt werden. Die Einstellung muss dabei so sein, dass der Einfluss der geschrumpften Fasern auf gehoben wird. Selbstverständlich lässt sich zur Brem sung auch ein zweites Rollenpaar verwenden, dessen Drehzahl geringer ist, als diejenige des Rollenpaares R2 und R3.
Selbstverständlich lässt sich auch eine Mehrzahl von Garnen in ähnlicher Weise behandeln, wobei ein kontinuierliches Verfahren unter Verwendung von zwei Rollenpaaren vorzuziehen ist.
Nachfolgend sind einige Verfahrensbeispiele be schrieben, in welchen die angegebenen Prozentzahlen, soweit nicht anderes bestimmt ist, Gewichtsprozente bedeuten.
<I>Beispiel I</I> Aus 10% Fibravyl und 90% acrylischen Fasern ( Courtelle , 6 Den.) wurde eine Fasermischung er zeugt.. Die Fasern. wurden gründlich gemischt, ge streckt und hierauf in einer offenen Strecke gesponnen und nach dem Kammgarnsystem auf Ringspinnma schine und Flyer weiterverarbeitet. Es lässt sich aller dings auch irgendein anderes Verfahren zum Spinnen von Stapelfasern verwenden.
Die erzeugten Garne hat ten 1/,' s we (Kammgarnnummer) und 2/1s' s wc. Die einfachen Garne wurden mit Z-Drehung gesponnen, während bei Mehrfachgarnen S-Drehung verwendet wurde. Diese Bedingungen wurden auch in den folgen den Beispielen eingehalten. Das gesponnene Garn wurde in Strängen in offenem und gefaltetem Zustand einer Dampfbehandlung in einem Autoklav bei etwa 105 C während 6 Min. ausgesetzt; hierbei befanden sich die Garnstrange in spannungslosem Zustand.
Es zeigte sich, dass die Garne sich um etwa die Hälfte ihrer gesponnenen Länge zusammengezogen hatten, d. h. es trat eine Kontraktion oder Schrump fung um etwa 50 % ein.
Die Garne wurden hierauf temporär auf ihre ur sprüngliche gesponnene Länge gestreckt, und zwar in der Maschine nach Fig. 1. Die fertigen Garne besassen eine stabile Länge von etwa 700,/. der ursprünglichen gesponnenen Länge und wiesen eine elastische Deh nung von 40-50 % auf. <I>Beispiel</I> Il Aus 8 % Fibravyl und 92 % ungestreckten acryli- schen Fasern.( Courtelle , 6 Den.) wurde eine Mi schung erzeugt.
Aus dieser Mischung gesponnene Garne, welche wie im Beispiel I einer Dampfbehand lung ausgesetzt wurden, zeigten eine Schrumpfung um etwa 43 % ihrer ursprünglichen Länge. Nach dem Strecken besassen sie etwa 75"/. der ursprünglichen Länge und wiesen eine elastische Dehnung von etwa 30"/" auf.
<I>Beispiel</I> III Aus 40/'. Retractyl 30 und 96 % ungestreckten, acrylischen Fasern ( Orion 42 , 6 Den.) wurde eine Mischung erzeugt. Garne aus dieser Mischung wurden wie im Beispiel I in einem Autoklav gedämpft, wonach sie auf 62% ihrer ursprünglichen Länge einschrumpf ten. Nach dem Strecken besassen sie etwa 80 /o ihrer ursprünglichen Länge und eine elastische Dehnung von etwa 25%.
<I>Beispiel IV</I> Aus 2 % Retractyl und 98 % ungestreckten acry- lischen Fasern ( Orion 42 , 6 Den.) wurde eine Mi schung erzeugt. Garne aus dieser Mischung schrumpf ten bei Behandlung in einem Autoklav auf 67 % ihrer ursprünglichen Länge ein. Nach dem Strecken besassen sie eine Länge von 80 /o und eine Dehnung von 25 %. <I>Beispiel V</I> Aus 8 % Fibravyl und 92 % Nylon (B. N. S. Nylon 66, 3 Den.) wurde eine Mischung erzeugt. Die Fasern wurden in einem Autoklav bei 146 C während 10 Min. einer Dampfbehandlung ausgesetzt.
Dabei erfolgte eine Schrumpfung auf<B>5001.</B> der ursprünglichen Länge, wobei die Garne nach dem Strecken sich auf etwa 70 der ursprünglichen Länge zusammenzogen und eine elastische Dehnung von 400/" aufwiesen.
<I>Beispiel</I> V1 Aus 8% Retractyl 30 und 92% Terylene , 4 Den. wurde eine Mischung erzeugt. Garne aus dieser Mischung wurden einer Dampfbehandlung wie in Bei spiel V ausgesetzt und besassen darnach eine ge schrumpfte Länge von 65 % der ursprünglichen Länge. Nach dem Strecken zogen sich die Garne auf 750/" der ursprünglichen Länge zusammen und wiesen eine elasti sche Dehnung von 30% auf.
In allen beschriebenen Beispielen wurden die Garn- strange in flache Behälter oder Schalen gelegt, um den spannungslosen Zustand während des Schrumpfens zu gewährleisten.
Für das Verfahren ist es keine Bedingung, dass Stapelfasern verwendet werden und es lassen sich auch endlose Fasern verwenden. Beispielsweise lässt sich eine geringe Menge von endlosen Fasern mit den Sta= pelfasern mischen, um eine bestimmte Wirkung bezüg lich Eigenschaft oder Aussehen des Garnes zu erzeugen. Vorzugsweise bestehen die Fasern von hohem Schrumpfvermögen aus endlosen Fasern statt aus Stapelfasern. Die Neutralisierung der geschrumpften Fasern wird dabei in gewissen Fällen nicht nur durch Streckung des Garnes vorgenommen, sondern die end losen Fasern können vorerst geschwächt oder zerrissen werden, indem das Garn zwischen zwei Zylindern hin durch geführt wird, von denen mindestens der eine eine gerippte Oberfläche aufweist.
Diese Behandlung wird vor dem Strecken durchgeführt. Eine geeignete Apparatur zur Behandlung von Einfach- oder Mehr- Fachgarnen, welche auch als Turbo-Stapler bezeich net wird, ist in der US-Patentschrift Nr. 2 419 320 be schrieben.
Es zeigt sich, dass die Faserlänge im Falle von Sta pelfasern offenbar keinen wesentlichen Einfluss hat, und zwar sowohl in bezug auf die Kräusel- wie auch auf die Schrumpffasern. Die Fasern können alle die gleiche oder unterschiedliche Länge aufweisen. <I>Beispiel</I> VII Aus 5% einer acrylischen Faser (3 Den., 41/2" Sta pel) mit 35-400/" restlicher Schrumpfung und 95 einer anderen acrylischen Faser (3 Den. endlos auf einem Turbostapler behandelt) mit nur 2% restlicher Schrumpfung wurde eine Mischung erzeugt.
Es wurde ein Garn der Kammgarn-Nr. 4/1s' s gesponnen. Dieses wurde in einem Autoklav bei 115 C und 1,7 at während 5 Min. gedämpft. .Die Garne wurden auf etwa :die doppelte entspannte Länge gestreckt, um die -unter Wärme geschrumpften Fasern auseinander zu reissen, und hierauf vollständig entspannt.- Dieser Vorgang wurde mit einem Garn bestehend aus 10% acrylischen Fasern mit 35-40% restlicher Schrumpfung und 900/" acrylischen Fasern mit 2 restlicher Schrumpfung wiederholt.
Die folgende Ta belle gibt die durchschnittlichen Längenwerte in cm von 3 Mustern mit 1 Meter gesponnener Länge der obigen Garne nach jedem Schritt des Verfahrens an. Die einzelnen Fasern waren stark gekräuselt und die fertigen Garne besassen grosse Bauschigkeit sowie eine angemessene Dehnung.
EMI0005.0020
<I>Tabelle</I>
<tb> Mischung <SEP> 5/95 <SEP> 10/90
<tb> nach <SEP> Dampfentspannung <SEP> 57 <SEP> 51
<tb> max. <SEP> Streckung <SEP> 87 <SEP> 87
<tb> nach <SEP> 3 <SEP> Min. <SEP> Entspannung <SEP> 60,5 <SEP> 57