Handschreibgerät Die vorliegende Erfindung betrifft ein Hand schreibgerät, das z. B. als Blei- oder Farbstift, als Feder oder als Kugelschreiber ausgebildet sein kann. Der von der Hand des Schreibenden zu fassende Schaft des Schreibgerätes weist drei unterschiedlich geformte, mit Griff- bzw. Stützflächen versehene Ab schnitte auf, wobei der erste Abschnitt zum Fassen mit den Fingern bestimmt ist, während der zweite Abschnitt dazu bestimmt ist, zwischen benachbarten Fingern gehalten zu werden und der dritte Abschnitt zum Anliegen an die Radialseite der Hand des Schreibenden bestimmt ist.
Die Ausbildung dieser Schaftabschnitte soll so getroffen sein, dass beim Schreiben eine geringere Muskelkontraktionskraft der inneren und äusseren Handmuskeln zum Halten, Stabilisieren und Bewegen des Schreibgerätes erfor derlich ist als bei den bisher üblichen stabförmigen Schreibgeräten.
Vor allem soll die vom Daumen, dem Zeig finger und dem Mittelfinger der Hand des Schrei benden auf den Schaft des Schreibgerätes zu über tragende Muskelkontraktionskraft gegenüber bekann ten Ausführungen herabgesetzt werden. Dies wird grundsätzlich dadurch erreicht, dass am Schaft des Gerätes grössere und leichter fassbare Griff- und Stützflächen für den Daumen, den Zeigfinger, den Mittelfinger und die Radialseite der Hand des Schrei benden vorgesehen werden als bei bekannten Hand schreibgeräten.
Erfindungsgemäss ist das Schreibgerät dadurch gekennzeichnet, dass ein erster, der Schreib spitze des Gerätes benachbarter Schaftabschnitt, der dazu bestimmt ist, gleichzeitig vom Daumen, vom Zeigfinger und vom Mittelfinger der Hand gefasst zu werden, drei mit ihren Seiten derart zusammen stossende Flächen aufweist, dass sein Querschnitt senkrecht zur Längsachse des Schaftes wenigstens annähernd ein gleichseitiges Dreieck bildet, dass ferner in seitlicher Fortsetzung der einen Seitenfläche dieses Abschnittes ein flügelförmiger, zweiter Ab schnitt seitlich vom ersten Abschnitt wegragt,
der gegen aussen hin leicht konkav nach oben gekrümmt und dazu bestimmt ist, zwischen zwei Fingern der Hand des Schreibenden gehalten zu werden, und dass in axialer Fortsetzung des ge nannten ersten Abschnittes ein dritter, blattförmiger Schaftabschnitt vorgesehen ist, dessen Ebene den zwischen dem flügelförmigen Abschnitt und der die sem benachbarten Seitenfläche des ersten Abschnittes gebildeten Winkel teilt, um zu erreichen, dass seine untere Fläche beim Schreiben gegen eine Radial fläche der Hand anliegt.
Die beiden sich bezüglich der Schreiblage des Gerätes in einer oben liegenden Kante treffenden Seitenflächen des ersten Abschnittes sind in Querrichtung zweckmässig leicht konkav, so dass sie von den konvexen Volarflächen des Distalsegmentes des Daumens und des Zeigfingers mit einem Minimum an Anstrengung gefasst werden können.
Der blattartige, dritte Abschnitt, dessen Länge zweckmässig zwei Drittel der Schaftlänge be trägt, soll beim Schreiben an der Radialfläche über dem Distalteil des zweiten Metacarpalknochens des zweiten Metacarpophalangeal-Gelenks oder der Pro ximalphalanx des Zeigfingers anliegen.
Infolge der beschriebenen Ausbildung des Schreibgerätes kann dieses von der Hand des Schreibenden mit weniger Muskelkontraktionskraft, als sie beim Schreiben mit üblichen, stabförmigen Schreibgeräten notwendig ist, gehalten, stabilisiert und geführt werden.
In der beiliegenden Zeichnung ist ein Ausfüh rungsbeispiel des Erfindungsgegenstandes dargestellt; es zeigt: Fig. 1 eine Draufsicht auf ein z. B. als Kugel schreiber ausgebildetes Handschreibgerät, Fig.2 einen Querschnitt nach der Linie II-II in Fig. 1, Fig. 3 einen Querschnitt nach der Linie 111-11I in Fig. 1, Fig. 4 einen Querschnitt nach der Linie IV-IV in Fig. 1,
Fig. 5 eine dorso-laterale Ansicht der das Schreib gerät nach Fig. 1 führenden Hand und Fig. 6 eine Seitenansicht zu Fig. 5.
Wie erwähnt, besitzt das Handschreibgerät drei funktionell wichtige Abschnitte, die zusammen den Halter des Schreibgerätes bilden, der sich zur Auf nahme beliebiger Schreibmittel, wie Drehbleistift- bzw. Mehrfarbenstiftmechanismen, Tintenreservoire usw., eignet. Diese drei Abschnitte sind: ein von den Fingern zu haltender, im Querschnitt dreieck- förmiger Abschnitt 1, ein zwischen zwei Fingern zu haltender Flügel 2 und ein gegen eine Radial fläche der Hand anzuliegen bestimmtes Schaftblatt 3.
Der von den Fingern zu haltende Schaftvorder- t ei il <B>1</B> erstreckt sich über etwa ein Drittel der Länge des Schreibgerätes. Aus einer Frontöffnung 4 dieses Abschnittes 1 ragt eine Schreibspitze 5 des Schreib gerätes.
Von der Öffnung 4 aus führen drei mit ihren Längskanten zusammenstossende, zunehmend breiter werdende Flächen 6, 7 und 8 (Fig. 1, 2). Die beiden Seitenflächen 6 und 7 stossen an einer konvex gekrümmten oberen Kante 9 zusammen, während die Bodenfläche 8 an den konvexen Längs kanten 10 und 11 mit den Seitenflächen 6 und 7 zusammenstossen. Der Querschnitt dieses ersten Schaftabschnittes bildet ein gleichseitiges Dreieck (Fig. 2).
Die Seitenfläche 6 ist über ihre ganze Länge leicht konkav gehalten und so der konvexen Volar- fläche des Distalsegmentes des Daumens 22 der Hand des Schreibenden angepasst, während die eben falls über ihre ganze Länge leicht konkave Seiten fläche 7 der konvexen Volarfläche des Distalseg- mentes des Zeigfingers 23 angepasst ist (Fig. 5, 6). Die grösste Breite dieser Seitenflächen 6 und 7 sollte in der Praxis 15 mm nicht übersteigen, um die Bewegungsfreiheit der betreffenden Finger während des Schreibens nicht zu beeinträchtigen.
Die Boden fläche 8 ist mindestens annähernd eben und somit der ebenfalls annähernd ebenen Radialfläche des Mittelfingers 24 angepasst. Auf dieser Fläche 8 ist der Flügel 2 befestigt, der rechts vom Schaft des Schreibgerätes wegragt (bei einem Schreibgerät für Linkshänder müsste der Flügel 2 nach links vom Schaft wegragen). Anstatt auf der Fläche 8 befestigt zu sein, könnte der Flügel 2 auch direkt anschlie ssend an diese Fläche im Bereich der Kante 11 am Schaft befestigt sein.
Der Flügel 2 erstreckt sich annähernd in Rich tung der Längsachse des Schreibgerätes. Form und Grösse dieses Flügels sind so gewählt, dass er sich leicht zwischen Zeigfinger und Mittelfinger legen lässt, ohne dabei die Bewegungsfreiheit der drei das Schreibgerät haltenden Finger zu beeinträchtigen. Das freie Flügelende 12, das spitzauslaufend oder rund oder durch eine kurze, gerade Kante begrenzt sein kann, ist gegenüber der Vorderöffnung 4 etwas zurückgesetzt und die schräge Vorderkante des Flü gels ist leicht nach innen gekrümmt.
Der Vorteil dieser Ausbildung liegt darin, dass dem Schreibenden die Sicht auf die Schreibfläche nicht behindert ist und dass die Distalsegmente der Finger trotzdem den Flügel nahe an der Schreibspitze 5 formen kön nen. Die schräge Hinterkante 14 des Flügels 2 ist etwas länger als die Vorderkante 13 und ist ebenfalls leicht einwärts gebogen, um zu verhindern, dass die Volarfläche des Zeigfingers während des Schreibens gegen diese Flügelkante reibt. Wenn die maximale Breite des Flügels (von der Kante 11 zur Spitze 15 gemessen) so bemessen ist, dass nur ein Teil des Distalsegmentes des Zeigfingers auf seiner Ober seite Platz findet, kann der Flügel eben sein.
Wenn aus funktionellen oder ästhetischen Gründen die Breite des Flügels grösser gewählt ist, so macht sich der Vorteil, wie in Fig.2 gezeigt, des leicht nach oben gebogenen Flügels geltend, wobei die Vorder kante 13 des Flügels etwas höher ansteigt als die Flügelhinterkante 14, so dass die Oberfläche des Flügels leicht nach hinten blickt. Diese Flügelform ist der entsprechend gekrümmten Berührungsfläche zwischen der Ulnarfläche des Zeigfingers und der Ra dialfläche des Mittelfingers gut angepasst.
Der Flügel 2 kann anstatt wie in Fig.5 gezeigt auch durch ein Scharnier an der Schaftseite befestigt sein, so dass er aus einer Ruhelage in die gezeichnete Arbeits lage ausgeklappt werden kann.
Der annähernd =.''3 der Schaftlänge umfassende Blatteil 3 des Schaftes bildet die hintere Verlängerung des im Querschnitt dreieckförmigen vorderen Schaft abschnittes 1. Die Mittelebene des Blatteils 3 liegt in der Längsachse des Schreibgerätes und ist zu der durch diese Längsachse und die Oberkante 9 des vorderen Abschnittes führende Axialebene um an nähernd 45 geneigt, wobei die untere Längskante 15 des Blatteils links und die Oberkante 16 dieses Blatteils rechts der genannten Axialebene (die An ordnung ist umgekehrt, wenn es sich um ein Schreib gerät für einen Linkshänder handelt) liegt.
Die Breite des Blatteils 3 ist grösser als die Breite der Seitenflächen 6 und 7 des vorderen Schaftab schnittes 1, so dass die abwärtsblickende Fläche 17 beim Schreiben auf einem relativ grossen Teil der Radialfläche über dem Distalteil des zweiten Metacarpal-Knochens (Fig. 5 und 6) oder über dem zweiten Metacarpophalangeal-Gelenk oder über der Proximalphalanx des Zeigfingers liegt und so wesent lich zur Stabilität des Schreibgerätes während des Schreibens beiträgt.
Die Dicke des Blatteils 3 richtet sich nach der gewünschten Grösse des Hohlraumes 20 dieses Schaftabschnittes. Die obere und die untere Fläche 17 des Blatteils 3 bilden eine stetige Fort setzung der Seitenfläche 6 bzw. 7 des vorderen Schaftabschnittes 1, wobei die untere Kante 15 des Blatteils 3 die gemeinsame Fortsetzung der beiden Seitenkanten 10 und 11 des vorderen Schaftabschnit- tes 1 bildet. Die obere und die untere Längskante 16 und 15 des Blatteils können gerade oder leicht konvex gebogen sein, wobei die obere Längskante 16 eine kontinuierliche Verlängerung der Oberkante 9 des Abschnittes 1 bildet.
Fig. 3 zeigt einen Querschnitt durch die über gangsstelle zwischen den beiden Abschnitten 1 und 3. Dieser übergang ist stetig ausgebildet mit von vorn nach hinten abnehmender Dicke und zuneh mender Höhe, so dass das Schreibgerät ohne Nachteil auch relativ weit hinten gefasst werden kann.
Die leicht konvexe Form der Endkante 18 des Schaftes kann mit einer Öffnung für den Durchtritt eines Druck- oder Drehknopfes zur Betätigung eines Rückziehmechanismus für die Schreibspitze versehen sein.
Anstatt hohl kann der beschriebene Schaft auch als Vollkörper ausgebildet sein; als Hohlkörper bietet er anderseits bedeutend mehr Innenraum für die Unterbringung von Tintenbehältern oder Patronen oder von Schreibminen, Rückziehmechanismen oder der gleichen als bekannte Schreibgeräte mit zylindrischem oder prismatischem Schaft. Der Schaft bzw. seine drei Abschnitte können aus Metall, Holz oder Kunst stoff bestehen. An der Oberseite 17 des Blatteils 3 kann ferner in an sich bekannter Weise ein Aufsteck clip befestigt sein.
Bei der Benützung des beschriebenen Schreib gerätes ergeben sich folgende Verhältnisse: 1. Da der ein Dreieckprofil aufweisende erste Schaft abschnitt relativ breite, konkave Seitenflächen 6 und 7 und eine in Querrichtung gesehene ebene Bodenfläche 9 aufweist, wobei diese Flächen räumlich so angeord net und geformt sind, dass sie relativ grossen Teilen der konvexen Volarflächen der Distalsegmente des Daumens 22, des Zeigfingers 23 und der relativ flachen Radialfläche des Mittelfingers angepasst sind,
und da ferner die breite Fläche 17 des Blatteils 13 gegen relativ breite Flächen auf der Radialseite 25 der Hand des Schreibenden (Fig. 5 und 6) anliegt, müssen der Daumen 22, der Zeigfinger 23 und der Mittelfinger 24 mit weniger Druck an den Schaft des Schreibgerätes angelegt werden, um das letztere zu halten, zu stabilisieren und zu bewegen, als dies bei den bisher bekannten stabförmigen Schreib geräten der Fall ist.
2. Zufolge des zwischen den Fingern liegenden seitlichen Halteflügels 2 können der Zeigfinger 23 und der Mittelfinger 24 das Schreibgerät sicherer fassen und stabil in der gewünschten Lage halten als bei bisher bekannten Schreibgeräten ohne Halte flügel, und es ist dazu weniger Muskelkontraktions- kraft erforderlich.
3. Da das Halten und Stabilisieren des Schreib gerätes zu einem grösseren Teil als bei bekannten Ausführungen durch den Zeigfinger und den Mittel finger erfolgt, ist auch die erforderliche Muskelkon- traktionskraft, insbesondere des Flexor-Pollicis-lon- gus, des Flexor-pollicis-brevis, des Opponens-pollicis und des Adductorpollicis-obliquus et transversus, d. h.
die durch den Daumen 22 auf die Seitenfläche des Schreibgerätes ausgeübte und gegen den Zeigfin- ger 23 und den Mittelfinger 24 und die Radial seite 25 der Hand wirkende Kraft erheblich herab gesetzt. Es ist sogar möglich, ohne Verwendung des Daumens zum Halten des Gerätes zu schreiben.
4. Das Schreibgerät ist durch den zwischen den Fingern liegenden Halteflügel 2 am Drehen um die Schreibgerätachse gehindert, so dass auch die sonst zur Verhinderung dieses Drehens erforderliche Mus kelkontraktionskraft nicht mehr aufgewendet werden muss.
5. Da während des Schreibens auf die Seiten flächen des Schreibgerätes ein geringerer Fingerdruck ausgeübt werden muss als bei bekannten Geräten, ist auch das Schreiben weniger ermüdend.
6. Da Arbeit das Produkt aus Kraft und Weg ist, kann die beim Schreiben durch die inneren und äusseren Muskeln der Hand zu leistende Arbeit als das Produkt aus der Muskelkontraktionskraft und dem von der Schreibspitze auf der Schreibfläche zurückgelegten Weg bezeichnet werden; der letztere hängt vom individuellen Schreibstil, von Grösse und Form der geschriebenen Zeichen und von der Zahl der pro Zeiteinheit geschriebenen Zeichen ab.
Da das beschriebene Gerät mit weniger Muskelkontrak- tionskraft gehalten und bewegt werden kann als bis her bekannte, stabförmige Schreibgeräte, ist die von den inneren und äusseren Handmuskeln zu leistende Arbeit geringer, und diese Muskeln ermüden weniger rasch.
7. Als direkte Folge der geringeren Belastung der das Gerät haltenden Finger lässt sich leichter eine schönere und lesbarere Schrift erzeugen.
B. Zufolge der geringeren Muskelarbeit und weni ger raschen Ermüdung ist das Schreiben bequemer. Anstatt starr an der Bodenfläche 8 befestigt zu sein, kann der Flügel 2 an dieser Fläche auch so angelenkt sein, dass er wahlweise nach der einen oder andern Seite geklappt werden kann; analog kann auch der Blatteil 3 drehbar am vorderen Schaft abschnitt 1 angeordnet sein; das Schreibgerät kann in diesem Fall sowohl von Rechts- als auch von Linkshändern benützt werden. Am freien Ende des Blatteils 3 kann auch ein Radiergummi angebracht sein.