Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung von Gussstücken Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Herstellung von Gussstük- ken, z. B. Kokillenguss, und insbesondere ein Ver fahren sowie eine entsprechende Vorrichtung, um flüssiges Metall, z. B. Stahl, unter Druck in eine Form zu fördern.
Ein Zweck der Erfindung ist die Schaffung eines Verfahrens und einer Vorrichtung zum Giessen, wo bei das zu vergiessende Metall in die Form über geführt wird, ohne mit einer oxydierenden Atmo sphäre in Berührung zu kommen. Das in einem Be hälter befindliche geschmolzene Metall kann also durch ein Giessrohr und darauf in die Form geführt werden, ohne mit Luft in Berührung zu kommen.
Es muss dabei gewährleistet werden, dass in den Druck- und Vakuumkammern, die mit dem Form hohlraum in Verbindung stehen, ein gleichmässiger subatmosphärischer Druck herrscht, und zwar vor und während einem Entgasungsvorgang und bis zum Zeitpunkt, in welchem in der Druckkammer ein Überdruck erzeugt wird, um das geschmolzene Metall in den Formhohlraum zu fördern.
Das erfindungsgemässe Verfahren, bei welchem Metall entgegen der Wirkung der Schwerkraft aus einem Behälter, der sich in einer praktisch luftdich ten Kammer befindet, durch ein Rohr in den Form hohlraum bewegt wird, der ausserhalb der Kammer liegt, wobei das eine Ende des Rohres mit dem Metall in Verbindung steht, zeichnet sich durch folgende Schritte aus: Das Herstellen einer vom Rohr unabhängigen Verbindung zwischen dem Formhohlraum und der Kammer, das Evakuieren des Formhohlraumes und der Kammer unabhängig von der direkten Verbin dung auf gleichen subatmosphärischen Druck und das Erzeugen eines Überdruckes in der Kammer, bis der Hohlraum gefüllt ist.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung zur Durch führung dieses Verfahrens zeichnet sich aus durch einen Behälter für das geschmolzene Metall in einer praktisch luftdichten Druckkammer, eine ausserhalb der Kammer liegende Form, die einen Hohlraum be sitzt, ein Giessrohr, das den Hohlraum und den Behälter verbindet, eine oberhalb der Form angeord nete und mit einem Teil derselben in Berührung stehende Vakuumkammer, die mit dem Hohlraum in Verbindung steht, Leitungsmittel, die vom Rohr unabhängig sind und die beiden Kammern direkt miteinander verbinden, eine Vakuumquelle und eine Druckquelle und zusätzliche Leitungsmittel,
um zeit weise eine von den erstgenannten Leitungsmitteln unabhängige Verbindung zwischen der Vakuum quelle und den einzelnen Kammern herzustellen und in diesen einen Unterdruck zu erzeugen und zeit weise eine Verbindung zwischen der Druckquelle und der Druckkammer herzustellen, um das Metall in den Hohlraum zu fördern.
In der Zeichnung ist eine beispielsweise Aus führungsform der erfindungsgemässen Vorrichtung im Vertikalschnitt dargestellt.
Die Vorrichtung zum Abgiessen von Kokillen unter Druck besitzt ein Gehäuse 2 mit einem Dek- kel 4, der an diesem durch Bolzen 6 lösbar befestigt ist und eine Kammer 8 begrenzt, die eine mit ge schmolzenem Metall 12, z. B. Stahl, gefüllte Giess pfanne aufnimmt.
Eine rohrförmige Giessschnauze 14, die aus geeig netem feuerfestem Auskleidungsmaterial hergestellt ist, erstreckt sich nach abwärts durch eine Öffnung 16 ini Deckel 4 und endet in der Nähe des Pfannen bodens. Das Rohr 14 besitzt am oberen Ende einen Flansch 17, der in eine Öffnung in der Platte 18 eingepasst ist und mit dieser zusammen eine ebene Fläche bildet, auf welcher die Kokille 20 abgestellt werden kann. Die ebene und glatte Oberfläche der Platte gestattet eine seitliche Verschiebung der Kokille 20 auf derselben.
Die Platte 18 kann aus Kupfer, Graphit oder anderem Material bestehen und kaum verlegte ein gebettete Rohre (nicht dargestellt) enthalten, die eine Zirkulation von Flüssigkeit in der Platte zwecks Ab kühlung derselben gestatten.
Das obere Ende der Kokille 20 ist durch einen Kopf 21 abgeschlossen, der einen Deckel 22 mit einem kuppelförmigen Aufbau 24 besitzt und auf der Kokille 20 mittels Schrauben 26 befestigt ist. Eine konische oder dreieckförmige Rippe 27 erstreckt sich im Zentrum des Aufbaues 24 in den Innen raum derselben. Im Aufbau 24 ist eine Mehrzahl von Öffnungen 28 für den Austritt von Gasen vor gesehen.
Der Kopf 21 ist mit einer Sandauskleidung 30 versehen. Das obere Ende der Kokille besitzt einen Flansch 31, auf welchem ein wärmebeständiger Dich tungsring 32 aus Gummi sitzt. Der Ring besitzt etwa T-förmigen Querschnitt, wobei der eine Schenkel mit einer Umfangsnut einer Vakuumglocke 34 in Eingriff steht. Eine flexible nicht zusammendrück- bare Rohrleitung 36 verbindet das Innere der Vakuumglocke 34 mit einer Vakuumquelle 48.
Die abgedichtete Kammer 8 steht über ein Ein lassrohr 38 und ein Rohr 40 nicht nur mit einer Vakuumquelle 48, sondern auch mit einer Quelle von komprimiertem gasförmigem Medium in Ver bindung, wie z. B. Luft oder nichtoxydierendem Gas. Ein Rohr 44, das mit dem Rohr 40 über ein Ventil 42 verbunden ist, führt zur Druckluftquelle, die bei spielsweise durch eine nicht dargestellte Pumpe gebil det ist. Das Rohr 48 ist einerseits an die Vakuum quelle angeschlossen, die durch eine nicht dargestellte Vakuumpumpe gebildet sein kann. Ein Rohr 49 ver bindet die Vakuumglocke 34 mit der abgedichteten Kammer 8 und ist mit einem Ventil 51 ausgerüstet, welches gestattet, die Verbindung zu unterbrechen.
Dieses Rohr gewährleistet, dass innerhalb der Vakuumglocke und der abgedichteten Kammer sich absolut gleiche Druckverhältnisse einstellen, wenn das Ventil 51 offen ist.
Ein solcher Druckausgleich stellt eine absolute Voraussetzung dar, da dieser verhindert, dass die Wärme des geschmolzenen Metalls den Druck in der Kammer 2 über denjenigen in der Glocke 34 erhöht, wodurch ein vorzeitiger Fluss vom geschmolzenen Metall in die Kokille statfinden würde, bevor das geschmolzene Metall entgast ist. Wenn das geschmol zene Metall, beispielsweise Stahl, in der Gusspfanne 10 entgast ist, so gleicht die Verbindung zwischen der Kammer 8 und der Glocke 34 den Unterdruck in diesem Raum aus und verhindert einen vorzeitigen Ausfluss des Metalls in die Kokille, sowie den Durch tritt von Luft durch Kokille in das geschmolzene Metall.
Ein solcher Durchtritt würde die Entgasung des Stahls verhindern und die Bildung von Luft blasen in demselben fördern, wodurch Ausschuss ent- stehen könnte. Beide beschriebenen Vorgänge müs sen vermieden werden, um den Giessvorgang erfolg reich zu gestalten.
Durch die Vakuumglocke 34 und durch den Kopf 21 erstreckt sich ein elektrischer Leiter 52, der in einer Elektrode 50 endet, wobei diese mit dem geschmolzenen Metall im Aufbau 24 Kontakt herstellt und einen Stromkreis schliesst, um die Zu führung von Druckluft an die geschlossene Kammer 8 zu unterbrechen.
Im Betrieb wird die geschmolzene, metallgefüllte Giesspfanne in der Kammer 8 angeordnet, wonach der Deckel 4 mit dem Giessrohr 14 am Oberteil der Kammer mittels der Schraube 6 befestigt wird. Der flache Boden der Kokille 20 wird hierauf auf der ebenen Platte 18 und der Oberseite des Flansches 17 so angeordnet, dass der Einguss 54 der Kokille mit der Öffnung 56 des Rohres 14 in der gleichen Flucht liegt. Die Vakuumglocke 34 wird hierauf über dem Oberteil der Kokille angeordnet, wobei vorerst auf der Kokille der Kopf 21 angebracht wor den ist. Das Ventil 42 ist geschlossen, während die Ventile 46 und 51 geöffnet sind.
Unter diesen Be dingungen sind die Vakuumglocke und die Kam mer 8 an die Vakuumquelle angeschlossen, welche die Kammer 8, die Vakuumglocke 34 und das Innere der Kokille 20 evakuiert. Wenn ein genügendes Vakuum erreicht ist, werden die Ventile 46 und 51 geschlossen, um die weitere Absaugung von Luft aus der Kammer 8 zu verhindern, während anderseits innerhalb der Glocke 34 und der Kokille 20 sub- atmosphärischer Druck aufrechterhalten wird.
Dar nach wird das Ventil 42 geöffnet, um den Eintritt von Gas unter Druck in die abgedichtete Kammer zuzulassen, wodurch Metall durch das Rohr 14 nach aufwärts in die Kokille 20 geführt wird.
Das unter Druck stehende Gas, welches der Kam mer 8 durch das Einlassrohr 38 zugeführt wird, kann Luft oder ein nicht oxydierendes Gas sein. In jedem Fall steht das in die Kokille eintretende geschmol zene Metall mit der atmosphärischen Luft nicht in Verbindung. Dieser Vorgang kann entweder mit Stahl durchgeführt werden, welcher vorangehend in der Giesspfanne entgast worden, oder aber mit einer normalen Stahlcharge, welche noch nicht einer Vakuumbehandlung ausgesetzt war. In letzterem Fall wird durch die Evakuierung der Kokille und der Kammer eine Entgasung des geschmolzenen Metalls in der Giesspfanne herbeigeführt.
Wenn die Kokille durch das geschmolzene Metall aufgefüllt ist und das Metall im Aufbau 24 aufsteigt, kommt dieses mit der Elektrode 50 in Be rührung und schliesst somit den elektrischen Strom kreis zur Betätigung eines nicht dargestellten Mecha nismus, welcher die Kokille seitlich verschiebt. Hier durch wird die Eingussöffnung aus der Flucht mit der Bohrung 56 gebracht und entweder durch den Flansch 17 oder die Platte 18 abgeschlossen. Der elektrische Stromkreis dient darüberhinaus der Zu führung von Druckgas zur Kammer 8 nach der Verschiebung der Kokille. Nunmehr kann der Druck in der Kammer dem atmosphärischen Druck ange glichen werden.
Es ist klar, dass das beschriebene Verfahren auch für die Herstellung von anderen Gussstücken ver wendet werden kann, die normalerweise in mehrteili gen Formen, 'bestehend aus Oberteil und Unterteil oder aus Segmenten, hergestellt werden. Bei der Her stellung solcher Gussstücke umgibt die Glocke 34 die gesamte Form und dichtet diese entlang dem Boden derselben ab, beispielsweise zusammen mit der Platte 18 oder dem Deckelteil, je nach der Ausbildung des Eingusses und dessen Absperrmittel.