Vorrichtung zur Erzielung kurzer Anlegebewegung des Bremszylinderkolbens bei Fahrzeugbremsen mit hohem Übersetzungsverhältnis Bei Fahrzeugbremsen mit Bremszylinder und die Bremskraft vom Bremskolben im Bremszylinder auf die Bremsklötze mit hohem Kraftübersetzungsverhält- nis übertragendem Bremsgestänge fällt der beim Bremsen zum Anlegen der Bremsklötze gegen die Räder in Anspruch genommene Anteil des Brems kolbenhubes verhältnismässig lang und der Verbrauch an Druckmittel im Bremszylinder entsprechend gross aus.
Eine Verkürzung des Anlegewegs des Brems kolbens durch Verminderung der Klotzspielräume lässt sich in den meisten Fällen nicht durchführen, da der Bau des Bremsgestänges die Grösse der Klotz spielräume ziemlich genau bestimmt. Es sind deshalb Vorrichtungen vorgeschlagen worden, die trotz gro sser Klotzspielräume einen kurzen Anlegeweg des Bremskolbens ermöglichen sollen. Derartige Vorrich tungen sind z. B. durch die schweizerischen Patente 214 082 und 230 401 bekannt.
Das schweizerische Patent 214 082 schlägt zum Abstützen eines Brems hebels in einem ein kleineres Übersetzungsverhältnis bestimmenden Drehpunkt während der Anlegebewe gung grundsätzlich eine ausschaltbare Stütze vor, die beim Bremsen durch in Abhängigkeit vom Bremshub wirkende Steuermittel am Ende der Anlegebewegung ausgeschaltet und während des Bremslösens wieder eingeschaltet wird. Diese Vorrichtung hat den Nach teil, dass die Ausschaltung der Stütze plötzlich und der Übergang vom kleineren zum hohen überset- zungsverhältnis schlagartig erfolgt.
Um diesen über gang sanfter zu machen und Sicherheit dafür zu er halten, dass die nach dem Anlegen der Bremsklötze gegen die Räder einsetzende Entwicklung des Brems druckes über das hohe und nicht über das kleinere Übersetzungsverhältnis erfolgt, enthält die später im schweizerischen Patent 230 401 vorgeschlagene Vor richtung zum Abstützen des Bremshebels in dem das kleinere Übersetzungsverhältnis bestimmenden Dreh punkt eine den Abstützdruck begrenzende und den Übergang vom kleineren zum hohen übersetzungs- verhältnis sanft einleitende Feder.
Ein Nachteil dabei ist aber, dass der Widerstand gegen die Anlegebewe gung, der bei Beginn der Anlegebewegung immer am höchsten ist, gerade dann das Entstehen eines übermässigen Abstützdruckes hervorrufen kann, dem die Feder nachgibt. Da das Nachgeben der Feder als ein Widerstand gegen die Anlegebewegung wirkt, er höht es den schon übermässigen Gesamtwiderstand gegen die Anlegebewegung. Ein zu frühzeitiges Nach geben der Feder kann einen zu frühzeitigen Über gang vom kleineren zum hohen übersetzungsverhält- nis hervorrufen, was sich nachteilig auswirken kann.
Auch die genannte spätere Vorrichtung ist also nicht völlig befriedigend, obgleich sie wegen des Zusam menwirkens eines als eine schwenkbar und dank der genannten Feder nachgiebig getragene Rolle geform ten Bremshebelanschlags mit einem als Rollbahn mit Abbiegung ausgebildeten Stützanschlag für die Ab stützung des Bremshebels in dem das kleinere über setzungsverhältnis bestimmenden Drehpunkt gegen über der zuerst erwähnten älteren Vorrichtung un streitige Vorteile bietet.
Nicht völlig befriedigend ist die spätere und vorteilhafteste der erwähnten bekann ten Vorrichtungen auch deswegen, weil sich die Nachgiebigkeit der nachgiebig getragenen Rolle nicht leicht den verschiedenen Verhältnissen anpassen lässt, denen man begegnet, wenn man diese Vorrichtung einerseits bei einem gewöhnlichen Güterwagen mit verhältnismässig leichtem Bremsgestänge und einer 3,5 Sekunden nicht unterschreitenden Bremsanlege- zeit und anderseits bei einem Reisezugwagen mit gegebenenfalls mit Gleitschutzregler ausgerüsteter Schnellbremse verwenden will, wo die Bremsanlege- zeit gegebenenfalls nur einige Bruchteile einer Se kunde beträgt und das Bremsgestänge sehr schwer sein kann.
Eignet sich die Vorrichtung für den erst genannten Fall, so ist sie im zweiten Falle unbrauch bar. Auch deswegen, weil der Bewegungswiderstand des Bremsgestänges von Wagen zu Wagen ziemlich verschieden ausfallen kann, entstehen Schwierigkeiten beim Bemessen der Nachgiebigkeit der Feder.
Durch die Erfindung ist eine noch weiter ver besserte Vorrichtung geschaffen, welche die oben ge schilderten Nachteile der erwähnten bekannten Vor richtungen grundsätzlich dadurch beseitigt, dass die Grösse des Widerstandes gegen die Anlegebewegung bei Beginn dieser Bewegung die Wirkungsweise der Vorrichtung nicht beeinflusst.
Diese Vorrichtung zur Erzielung kleiner Anlege bewegung des Bremskolbens im Bremszylinder bei Fahrzeugbremsen mit hohem Übersetzungsverhältnis besteht in bekannter Weise aus einem Bremshebel, der sich beim Bremsen während der Anlegebewegung in einem ein kleineres Übersetzungsverhältnis bestim menden Drehpunkt mittels eines Anschlags gegen einen Stützanschlag abstützt. In ebenfalls bekannter Weise ist der eine dieser beiden zusammenwirkenden Anschläge schwenkbar getragen und federbelastet und kann demzufolge einem übermässigen Abstützdruck zwischen den Anschlägen nachgeben.
Gemäss der Erfindung sind aber nun der schwenkbare, feder belastete Anschlag und der zweite Anschlag einander derart zugeordnet, dass der Abstützdruck zwischen den zusammenwirkenden Anschlägen in deren gegen seitiger Lage bei gelöster Bremse, d. h. wenn die Anlegebewegung beim Bremsen beginnt und der Wi derstand gegen diese Bewegung am höchsten ist, den schwenkbaren, federbelasteten Anschlag im selben Sinn wie die Federbelastung des Anschlags belastet und beim Anlegen der Bremse erst nach Beginn der Anlegebewegung infolge einer durch diese Bewegung bewirkten Änderung der gegenseitigen Lage der An schläge dazu übergeht, der Federbelastung des An schlags entgegenzuwirken.
Vorzugsweise ist der eine der beiden zusammen wirkenden Anschläge in bekannter Weise als eine mit Abbiegung versehene Rollbahn für den als Rolle geformten zweiten Anschlag ausgebildet, wobei ge mäss der Erfindung der schwenkbar getragene, feder belastete Anschlag den als Rollbahn mit Abbiegung ausgebildeten Anschlag darstellt und vorzugsweise dieser Anschlag den Stützanschlag bildet und die mit der Rollbahn zusammenwirkende Rolle um den das kleinere Übersetzungsverhältnis bestimmenden Dreh punkt des Bremshebels drehbar gelagert ist.
Eine derartige Ausführungsform der erfindungs gemässen Vorrichtung ist in der Zeichnung dargestellt. Es zeigt: Fig. 1 und 2 die Vorrichtung in Draufsicht in der Lage bei gelöster Bremse bzw. in der Lage am Ende der Anlegebewegung, wo der Übergang vom kleineren zum hohen Übersetzungsverhältnis stattge funden hat, und Fig. 3 in grösserem Massstab den schwenkbaren Stützanschlag in der erstgenannten Lage.
In Fig. 1 und 2 bezeichnet 1 einen am einen Ende mit der Kolbenstange 2 des Bremszylinders 3 gelenkig verbundenen Bremshebel, dem in bekannter Weise ein Abstützglied 4 zugeordnet ist, das zur Abstützung des Bremshebels in irgendeinem, ein hohes Übersetzungsverhältnis bestimmenden, Dreh punkt dient. Zur Steuerung des an der Kolben stange 2 angelenkten Ende des Bremshebels 1 ist in bekannter Weise ein Steuerarm 5 vorgesehen.
Am Bremshebel 1 ist um einen ein kleineres übersetzungs- verhältnis bestimmenden Drehpunkt des Hebels eine Rolle 6 drehbar gelagert, die als Anschlag mit dem in Fig. 3 am deutlichsten gezeigten Stützanschlag 7 zusammenwirkt, der um einen Festpunktzapfen 8 schwenkbar gelagert ist. In der in Fig. 1 und 3 gezeigten Ausgangslage bei gelöster Bremse stützt sich der Stützanschlag 7 unter der Wirkung einer Feder 9 gegen ein Festpunktglied 10 ab. Mit der Rolle 6 wirkt auch in bekannter Weise ein Hebelmechanis mus 11 zusammen, der zur Betätigung des eine feste Gleitbahn 12 entlang verschiebbaren Stützglie des 4 dient.
Die mit der als Anschlag dienenden Rolle 6 zu sammenwirkende Anschlagfläche des Stützanschla ges 7 ist, wie aus Fig. 3 hervorgeht, als eine mit Abbiegung versehene Rollbahn 13 für die Rolle 6 ausgebildet, und die beiden zusammenwirkenden An schläge 6 und 7 sind, wie ebenfalls aus Fig. 3 her vorgeht, einander derart zugeordnet, dass der Ab stützdruck zwischen ihnen in der Lage bei gelöster Bremse, d. h. in der Ausgangslage der Anlegebewe gung der Bremse, den schwenkbaren Anschlag 7 im selben Sinne wie die Belastung durch die Feder 9 belastet. Mit anderen Worten trägt der Abstützdruck zwischen den Anschlägen 6 und 7 bei Beginn der Anlegebewegung dazu 'bei, den schwenkbaren An schlag 7 in der Ausgangslage zurückzuhalten.
Es ist somit mechanisch ausgeschlossen, dass der bei Beginn der Anlegebewegung stets seinen Höchstwert aufweisende Widerstand gegen diese Bewegung und der sich nach diesem Widerstand richtende Abstütz- druck zwischen den zusammenwirkenden Anschlä gen 6, 7 ein zu frühzeitiges Nachgeben des schwenk baren, federbelasteten Anschlags 7 und dadurch einen zu frühzeitigen Übergang vom kleineren zum hohen Übersetzungsverhältnis hervorrufen kann.
Erst nach Beginn der Anlegebewegung und im Laufe derselben, wenn sich der Widerstand gegen die Bewegung ver mindert hat, beginnt der dann auch verminderte Abstützdruck der Federbelastung des schwenkbaren Anschlags 7 entgegenzuwirken und dadurch in der an sich bekannten Weise den erwünschten Übergang vom kleineren zum hohen Übersetzungsverhältnis sicherzustellen und sanft zu machen.