Verfahren und Vorrichtung zum Dreschen von Samen enthaltenden Früchten, insbesondere Mohn
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Dreschen von Samen enthaltenden Früchten, insbesondere Mohn, sowie eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens. Sie bezweckt das Trennen und Reinigen der Samen aus Samenhülsen,-hüllen oder Köpfen ohne Entwertung derselben, da diese in der pharmazeutischen Industrie Verwendung finden ; ferner das Abtrennen und Reihigen von Tabaksamen und das Reinigen von kleinen Samen landwirtschaftlicher Pflanzen, wie Hirse, Kolbenhirse, Senf und dergleichen.
Mohn-und Tabaksamen werden bisher durch Dreschen mit entsprechend angepassten Getreidedreschmaschinen, gegebenenfalls unter Verwendung anderer Einrichtungen, gewonnen, wobei bei der Gewinnung von Mohnsamen die Mohnköpfe stets durch Zermalmung entwertet werden. Die gewonnenen Samen sind nicht gleichartig, das heisst, sie enthalten Samen anderer Arten und sind ausserdem durch Staub verunreinigt und mechanisch beschädigt. Bei der Gewinnung von Mohn werden die Samen dadurch entwertet, dass in den beschädigten Samen eine Oxydation der darin enthaltenen Ole sowie andere unerwünschte Begleitvorgänge erfolgen.
Mit Ausnahme der manuellen Öffnung und des Ausklopfens der Samen aus den Mohnköpfen ist es bei der Verwendung der bisher bekannten Vorrichtungen unmöglich, Mohnköpfe in einem Zustand zu erhalten, der eine industrielle Weiterverarbeitung derselben zulässt.
Das erfindungsgemässe Verfahren beseitigt in bedeutendem Masse die obenerwähnten Nachteile dadurch, dass die Hüllen, Hülsen oder Köpfe zuerst zerschnitten und auf einen Schüttelrost befördert werden, der die Samen von den Hüllen, Hülsen oder Köpfen abtrennt, worauf die Samen durch ein System von Sieben hindurchtreten, von wo ein Teil der Samen mit beigemengten Unreinigkeiten mittels eines Luftstromes in die Reinigungsorgane einer Sortiertrommel befördert und von hier nach wiederholtem Durchfall durch das Siebsystem zum endgültigen Sortieren geführt wird.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens ist dadurch gekennzeichnet, dass diese eine Dreschtrommel enthält, die an ihrem Umfang mit Doppelschneidzähnen versehen ist, mit welchen ein mit ähnlichen Zähnen versehener Dreschkorb zusammenarbeitet, hinter welchem eine drehbare Fingerwalze, ein abgerundetes Sieb zum ersten Durchfall der Samen und weiter ein im wesentlichen horizontales Schüttelsieb angeordnet ist, unter welchem sich ein bewegliches Siebsystem befindet, wobei an das bewegliche Siebsystem ein Gebläse angeschlossen und mit einer Sortier-Luftleitung verbunden ist, welch letztere oberhalb des letzten Staubsiebes mündet, an das ein weiteres Gebläse angeschlossen ist, das in eine Sortiertrommel führt, wobei am Austrittsende des Staubsiebes ein vertikaler Samenaufzug angeordnet ist.
In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der erfindungsgemässen Vorrichtung zur Durchführung des ebenfalls erfindungsgemässen Verfahrens dargestellt. Es zeigen :
Fig. 1 einen Längsschnitt durch eine Dreschmaschine,
Fig. 2 eine schematische Seitenansicht des Schüt- telsiebes,
Fig. 3 eine Draufsicht auf das Schüttelsieb gemäss Fig. 2,
Fig. 4 eine Seitenansicht der Dreschtrommel und des Dreschkorbes,
Fig. 5 eine Vorderansicht der Dreschtrommel,
Fig. 6 eine schematische Darstellung des schrä- gen Bandförderers und seines Gehäuses,
Fig. 7 eine Seitenansicht der Sortiertrommel,
Fig. 8 die entsprechende Vorderansicht,
Fig. 9 eine schematische Darstellung des Riemenantriebes und der Ubersetzungen an einer Seite der Dreschmaschine und
Fig.
10 den Riemenantrieb und Cbersetzungen an der andern Seite der Dreschmaschine.
Die in Fig. 1 dargestellte Dreschmaschine ist auf vier Rädern fahrbar angeordnet und mit einer Anhängevorrichtung für den Schlepper versehen.
Der Antrieb der Dreschmaschine erfolgt durch einen Elektromotor 1. Das zum Dreschen bestimmte Gut wird mittels eines schrägen, mit Leisten 51 versehenen Bandförderers 2 zur Dreschtrommel 3 befördert (siehe auch Fig. 6). Der schräge Bandförderer 2 ist auf entsprechenden Lagern angeordnet im Maschinengehäuse gelagert und mit einem Füllkorb 52 versehen. Das Gehäuse des schrägen Bandförderers 2 mündet oberhalb der Dreschtrommel 3. Die Dreschtrommel 3 ist an ihrem Umfang mit schraubenlinienförmig angeordneten Doppelschneidzähnen versehen (Fig. 4 und 5), die mit einer Abschrägung in der Drehrichtung der Dreschtrommel 3 versehen sind. Die Welle der Dreschtrommel 3 ist in nicht gezeichneten Kugellagern gelagert.
Auf der Welle der Dreschtrommel 3 sind an beiden Seiten je drei Riemenscheiben aufgekeilt (wie im Zusammenhang mit Fig. 9 und 10 im weiteren beschrieben wird). Die Dreschtrommel 3 ist von einem Dreschkorb 4 umgeben, der gleichfalls mit Doppelschneidzähnen, ähnlich wie die Dreschtrommel 3, versehen ist. An den Dreschkorb 4 ist eine Platte angeschlossen, an die ein abgerundetes gelochtes Sieb 26 anknüpft, das mit einem Anschlag 50 versehen ist. Dber dem Anschlag 50 befindet sich eine Prallplatte 6.
Von der Dreschtrommel 3 wird das grobe Gut mittels einer Fingerwalze 5 weiterbefördert, deren Finger am Umfang in zwei Reihen angeordnet sind, welche das Gut auf einen Leisten-Schüttelrost 7 befördern (Fig. 3). Das gedroschene und ausgeschüt- telte grobe Gut wird mittels des Schüttelsiebes 7 aus der Dreschmaschine entfernt.
Die Samen mit kleineren Teilen von abgebrochenen und gedroschenen trockenen Pflanzen fallen auf Siebe 8 einer ersten Reinigungsstufe, die zwei Siebe mit verschiedenen Lochabmessungen enthält. Von diesen beiden Sieben 8 gleiten die Samen über Gleitplatten 9 auf Siebe 11 einer zweiten Reinigungsstufe, wobei sie gleichzeitig einem aus dem Gebläse 27 austretenden Luftstrom ausgesetzt werden, wodurch die gröberen Unreinigkeiten weggeblasen werden. Zur Verhütung einer Austragung der Samen zusammen mit der Spreu und andern Bruchteilen des Gutes dient eine Fangplatte 10. Von den Gleitplatten 9 gelangt der Samen samt kleineren Unreinigkeiten auf die Siebe 11, wobei auch hier zwei Siebe mit verschiedenen Sieböffnungen vorgesehen sind.
Durch die Siebe 11 fallen die Samen auf ein Staubsieb 12, welches durch eine verstellbare Klappe oder Fangplatte 13 gegen ein eventuelles Wegblasen des Samens geschützt ist. Unter dem Stabsieb 12 ist unter demselben Neigungswinkel eine Gleitplatte 28 angeordnet.
Die durch den Luftstrom des Gebläses 27 aus dem Staubsieb 12 ausgeblasenen Samen, denen durch die einstellbare Klappe 13 eine entsprechende Bewegungsrichtung erteilt wird, fallen auf Siebe 14,15 einer dritten Reinigungsstufe. Die gereinigten Samen fallen durch diese Siebe 14,15 hindurch, prallen teilweise von der einstellbaren Klappe oder Fangplatte 17 ab und gelangen entlang einer Gleitplatte 33 in einen Behälter 29, von wo sie mit den restlichen leichten Beimengungen durch den Luftstrom von Gebläse 23 in eine Sortiertrommel 34 getragen werden, wo dieser Teil der Samen entlang einer Spiralbahn 53 (Fig. 7,8) durch Schleuderkraft von leichteren Unreinigkeiten getrennt wird und von neuem durch das Schüttelsieb 7 hindurchfällt.
Der andere, grössere Teil des Gutes fällt aus dem Sieb 15 der dritten Reinigungsstufe auf ein Staubsieb 19. Der grössere Teil des vollwertigen Samens fällt von dem Staubsieb 19 in den Aufnahmeraum eines vertikalen Aufzuges 20, durch welchen die gedroschenen und gereinigten Samen in einen nicht dargestellten Sammelbehälter ausgetragen werden.
Ein n geringerer Teil der minderwertigen leichteren Samen wird im untern Teil des Staubsiebes 19 durch den Luftstrom vom Gebläse 27 durch eine Sortier Luftleitung 30 in den Austrittstutzen 31 als Samen zweiter Qualität abgesaugt.
Das Staubsieb 19 wird mittels Rosshaarbürsten 22 gereinigt, die im Rahmen 18 auf Querleisten angeordnet sind.
Das Gehäuse des schrägen Bandförderers 2 ist zwecks Reinigung mit einem nicht gezeichneten aufklappbaren Unterteil versehen.
Fig. 9 und 10 veranschaulichen die Ubersetzungen bzw. die Riemenantriebe der einzelnen Mechanismen auf einer Seite (links) der Dreschmaschine.
Auf der Welle der Dreschtrommel 35 sind Riemenscheiben 36,37,38 aufgekeilt. Von der Riemenscheibe 36 erfolgt der Antrieb auf eine Riemenscheibe 40 des schrägen Förderers 2. Von der Riemenscheibe 37 erfolgt der Antrieb auf die Riemenscheibe 39 des Gebläses 23. Die Riemenscheibe 41 ist auf der Welle des Elektromotors 8 aufgekeilt und treibt die Riemenscheibe 38 und somit die andern Mechanismen der Maschine an.
Fig. 10 veranschaulicht den Riemenantrieb auf der andern Seite (rechts). Auf der Welle der Dreschtrommel 35 sind Riemenscheiben 42,43,44 aufgekeilt. Von der Riemenscheibe 42 erfolgt der Antrieb auf eine Riemenscheibe 45 des Gebläses 27.
Von der Riemenscheibe 43 erfolgt der Antrieb auf die Riemenscheibe 47 zum Antrieb des Siebgehäuses.
Von der Riemenscheibe 44 erfolgt der Antrieb auf die Riemenscheibe 46 der Fingerwalze 5. Die andere, auf der Welle des Siebsystems aufgekeilte Riemen scheibe 48 dient zum Antrieb der Riemenscheibe 49 zwecks Bewegung der Reinigungsbürsten 22.
Die beschriebene Vorrichtung arbeitet folgender- massen :
Die abgeschnittenen Mohnköpfe mit 10-15 cm langen Stengeln oder die Hüllen oder Hülsen anderer Früchte werden in den Füllkorb 52 des schrä- gen Bandförderers 2 geschüttet und durch die Dreschtrommel 3 und Dreschkorb 4 in mehrere Stücke geteilt und geöffnet. Die Köpfe werden durch die Fingerwalze 5 auf das Schüttelsieb 7 befördert, wo sie vollkommen ausgeschüttelt werden.
Der Anschlag 50 dient zur Verzögerung der Bewegung der Samen auf das horizontale Schüttelsieb 7.
Gegen die oberhalb des Anschlages 50 angeordnete Prallplatte 6 werden die zerschnittenen Mohnköpfe durch die Fingerwalze 5 geschleudert, wodurch die Abtrennung der Samen unterstützt wird.
Der ausgeschüttelte Mohn fällt auf die Siebe 8 der ersten Reinigungsstufe, die die grösseren Unreinigkeitsreste, die durch das Schüttelsieb 7 hindurchgefallen sind, auffangen. Der durch diese Siebe durchfallende Mohn gleitet entlang der Gleitplatte 9 auf die Siebe 11,12 der zweiten Reinigungsstufe, die den Mohn von Unreinigkeiten, die durch die Siebe 8 der ersten Reinigungsstufe durchgefallen sind, befreien. Den Sieben 11,12 wird ein Luftstrom vom Gebläse 27 zugeführt, der die Unreinigkeiten mitreisst. Am Ende der Siebe 11,12 ist die einstellbare Klappe 13 vorgesehen, die die grösseren oder zusammengeklebten Samen aufhält. Diese Samen werden dann auf die weiteren Siebe 14,15 geführt, wo sie durch den Luftstrom vom Gebläse 27 noch einmal durchgeblasen werden.
Diese Samen fallen dann in eine an das Gebläse 23 angeschlossene Rohrleitung 24, durch welche sie durch den Luftstrom in die Sortiertrommel 34 befördert werden. Aus der Sortiertrommel 34 fallen die durch den Luftstrom von leichteren Unreinigkeiten getrennten Samen wiederum auf das Schüttelsieb 7, und die leichten Unreinigkeiten werden aus der Dreschmaschine ausgeblasen. Der durch die Siebe 11 der zweiten Reinigungsstufe ge reinigte Mohn wird durch das Staubsieb 12 den Sieben 14,15,19 der dritten Reinigungsstufe zugeführt, welchen, ähnlich wie den Sieben 11,12 der zweiten Reinigungsstufe, ein Luftstrom vom Gebläse 27 zugeführt wird. Die Siebe 14,15,19 sind an einem Ende gleichfalls mit einer bereits erwähnten einstellbaren Klappe 17 versehen. Unter den Sieben 14,15 ist das schräge Staubsieb 19 gelagert, auf welches der Mohn herabfällt.
Vom Unterteil des schrägen Staubsiebes 19 werden leichtere Samen der zweiten Quali- tät mittels des Gebläses 27 durch die Sortier-Luftlei- tung 30 in den mit einer Austrittsklappe 32 versehenen Austrittsstutzen 31 abgesaugt. Die Klappe 32 dient zur Regelung des Luftstromes der in das Siebsystem (8,11,12,14,15,19) und in die Sortier Luftleitung (30) eintritt. Die vollwertigen Samen fallen aus dem Staubsieb 19 der dritten Reinigungsstufe in den Unterteil des Gehäuses des vertikalen Förderers 20, welcher die reinen Samen in einen Sammelbehälter fördert.
Beim Dreschen von Mohn und andern Pflanzen wird ein hoher Reinheitsgrad des Samens ohne unerwünschte Beimengungen von Unkrautsamen, Staub und Resten von Mohnköpfen bzw. andern Pflanzen erzielt. Die von Samen befreiten Mohnköpfe sind vollwertig und zur Verarbeitung in der pharmazeutischen Industrie geeignet. Die beschriebene Vorrich W ng trennt die Samen von Mohnköpfen mit einem etwa 10-15 cm langen Stengel, und bei einer Bedienung durch vier Arbeiter weist sie eine Leistung von etwa 5,5 q reinen Mohnsamens pro Stunde auf.