Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung eines aus Polyamidfasergarn bestehenden Kordgewebes Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Herstellung eines aus Polyamidfa- sergarn bestehenden Kordgewebes mit einer durch Verstreckung bei erhöhter Temperatur verminderten Dehnbarkeit.
Zur Herstellung von Kraftfahrzeugreifen und an deren, ähnlichen Kautschukerzeugnissen, wie z. B. Förderbändern usw. ist ein Kordgewebe erforderlich, das dem Kraftfahrzeugreifen oder dergleichen die erforderliche Festigkeit verleiht. Im allgemeinen be steht ein Kordgewebe für diese Zwecke aus starken Reyonzwirnen als Kette und einem dünnen, leicht gedrehten Schussfadensystem geringer Festigkeit. Das Kordgewebe besitzt Leinwandbindung. Während die Dichte der Schussfäden gering ist, ist die Dichte der Kettenfäden dieses Gewebes beträchtlich, um in der Kettenfadenrichtung möglichst grosse Kräfte übertra gen zu können.
Es ist bekannt, dass thermoplastische Faserstoffe und zwar insbesondere Polyamid-Faserstoffe (Nylon) im wesentlichen diejenigen Eigenschaften aufweisen, die von einem Faserstoff für ein Kordgewebe für die vorerwähnten Zwecke verlangt werden. Ein Polya- midfasergarn hat jedoch den Nachteil, dass es sich unter dem Einfluss wechselnder Belastungen und an derer damit verbundener Faktoren ausdehnt. Diese Dehnbarkeit des Polyamidfasergarns führt beim fer tigen Erzeugnis zu unerwünschten bzw. unzulässigen Verformungen.
Es ist ferner bekannt, die Dehnbarkeit des Poly- amidfasergarns dadurch zu vermindern, dass das Polyamidfasergarn vor der Einarbeitung in den Kraft fahrzeugreifen oder dergleichen einer Verstreckung unterworfen wird, d. h., das Garn wird bei geeigneter Erwärmung einmal oder auch in mehreren Stufen gedehnt bzw. verlängert.
Es ist möglich, hierdurch die Dehnung des Polyamidfasergarns unter dem Ein- fluss der beim praktischen Gebrauch auftretenden Kräfte soweit zu reduzieren, dass die Veränderungen der Abmessungen des mit einem solchen Kordge webe ausgerüsteten Kraftfahrzeugreifens oder eines anderen Kautschukerzeugnisses in ausreichendem Masse reduziert werden.
Wegen der sonstigen Vor teile eines Polyamidfasergarns gegenüber beispiels weise einem Reyonzwirn ist dann ein Kraftfahr zeugreifen oder dergleichen mit einem Kordgewebe aus Polyamidfaserstoff anderen vergleichbaren Reifen überlegen. Beispielsweise ist es möglich, wegen der grösseren Festigkeit des Polyamidfaserstoffes die Stärke des Kordgewebes bzw. der Gewebeeinlagen zu reduzieren und dadurch auch die Wandstärke und somit auch die Erwärmung durch die Walk- arbeit herabzusetzen.
Es ist bekannt, die Verstreckung des Polyamid fasergarns entweder vor dem Webvorgang vorzuneh men oder auch das fertige Kordgewebe einer Streck behandlung zu unterwerfen. Es ist klar, dass die Verstreckung des Garnes an sich einen geringeren maschinellen Aufwand erfordert. Da aber die Lei stungsfähigkeit einer Verstreckeinrichtung, welche nur von einem einzelnen Faden durchlaufen wird, zu gering wäre, so werden für die Verstreckung Bün del bzw.
Bänder von ca. 50 Fäden zusammengefasst. Aber auch dann reicht die Leistungsfähigkeit solcher Einrichtungen für eine Massenfertigung nicht aus. Ein wesentlicher Nachteil dieses Verfahrens besteht nun darin, dass es nicht oder nur bei sehr erheb lichem Präzisionsaufwand möglich ist, die Eigen schaften von in verschiedenen Streckvorgängen ver- streckten Garnen völlig gleichzuhalten. Gelingt dies nicht und wird aus solchen verstreckten Polyamid fasergarnen ein Kordgewebe hergestellt,
dann ergibt sich ein deutlich erkennbares, unegales Gewebe, was für die Weiterverarbeitung nicht erwünscht ist.
Wenn die Verstreckung erst nach der Herstellung des Gewebes, also am fertigen Kordgewebe vorge nommen wird, so muss die hierfür erforderliche Ver- streckeinrichtung naturgemäss wesentlich grösser aus gelegt werden und der Investitionsaufwand hierfür ist beträchtlich. Es muss ja das Kordgewebe in seiner ganzen Breite durch eine Walzenanordnung geführt, genau auf vorbestimmte Temperaturen gebracht und durch weitere Walzenanordnungen mit grösserer Um fangsgeschwindigkeit gestreckt werden.
Wegen der endlichen Länge der Kordgewebestücke und wegen der Möglichkeit von Störungen sind komplizierte Einrichtungen erforderlich, die die Streckeinrichtung und insbesondere die Heizeinrichtungen bei Störun gen stillsetzen und das schon erwärmte Garn kühlen, um ein Schmelzen des Garnes zu verhindern. Streck einrichtungen dieser Art werden daher erst bei einer bestimmten Kapazität, bedingt durch eine ausrei chend hohe Durchlaufgeschwindigkeit mit entspre chend grossen Abmessungen rentabel.
Durch die Erfindung soll ein Verfahren sowie eine Vorrichtung zur Herstellung eines aus Polyamid fasergarn hergestellten Kordgewebes mit einer durch Verstreckung bei erhöhter Temperatur verminderter Dehnbarkeit geschaffen werden, das in vorteilhafter Weise die Vorteile der beiden vorerwähnten bekann ten Verfahren bzw.
Vorrichtungen vereinigt, ohne deren Nachteile aufzuweisen. Das erfindungsgemässe Verfahren ist demnach dadurch gekennzeichnet, dass die Streckbehandlung vor dem Einlaufen in den Web stuhl an den von den Spulen ablaufenden Kettenfä den vorgenommen und das Kordgewebe unmittelbar anschliessend auf dem Webstuhl hergestellt wird.
Während bei der bekannten Verstreckung der unverwebten Kettenfäden diese für den Verstreck- vorgang abgespult und nach dem Verstrecken wieder aufgespult werden müssen, vermeidet die Erfindung diesen zusätzlichen Spulvorgang, indem die Streckbe handlung an diejenige Stelle des Verfahrensablaufs gelegt wird, dem ohnehin ein Abspulvorgang voran geht. Da unmittelbar anschliessend die verstreckten Kettenfäden verwoben werden, erübrigt sich auch ein nochmaliges Aufspulen bzw. Umspulen.
Da ferner bei der Erfindung sämtliche Kettenfä den in gleicher Weise, wie diese in den Webstuhl einlaufen, verstreckt werden, so werden auch sicher Ungleichmässigkeiten vermieden, die sich sonst bei der Verstreckung einzelner Fäden vor dem Webvor- gang ergeben.
Das erfindungsgemässe Verfahren ist auch dem bekannten Verfahren zur Verstreckung des fertigen Kordgewebes überlegen. Auch im Vergleich zu die sem Verfahren werden die sonst unvermeidbaren Ab spul- bzw.
Aufspulvorgänge eingespart und die beim Webstuhl ohnehin vorhandenen Einrichtungen zum gleichmässigen Fadentransport werden für die Streck- einrichtung mitbenützt. Es ist gefunden worden, dass der Herstellungsaufwand für die Streckeinrichtung beim erfindungsgemässen Verfahren anteilsmässig trotz der kleineren Kapazität der Einrichtung nicht grösser ist, als bei der bekannten verhältnismässig grossen Anlage.
Die vom Webstuhl bestimmte Durch laufgeschwindigkeit der Fäden durch die Streckein richtung erlaubt eine einfachere Steuerung der Heiz-, Kühl- und Dehnungseinrichtungen und damit auch der Sicherungseinrichtungen gegen etwaige Betriebs störungen.
Da zudem beim erfindungsgemässen Verfahren die Kettenfäden vor dem Webvorgang verstreckt wer den, die Verstreckung aller Kettenfäden aber gleich- mässig durchführbar ist, so kann beim fertigen, ver- streckten Kordgewebe eine Gleichmässigkeit erzielt werden, die über die Erzeugnisse der bekannten Ver fahren hinausgeht. Hinzu kommt, dass der beim Streckvorgang noch fehlende Schussfaden den Streck vorgang nicht nachteilig beeinflussen kann.
Da beim erfindungsgemässen Verfahren eine Streckeinrichtung einem Webstuhl zugeordnet ist, nicht dagegen eine Vielzahl von Webstühlen das Kordgewebe für eine grosse Streckeinrichtung her stellen müssen, so ist klar, dass das erfindungsge mässe Verfahren wesentlich besser einem Wechsel des jeweils benützten Faserstoffes angepasst werden kann. Je nach den Bedürfnissen kann ein Teil der Webstühle oder auch nur ein Webstuhl einer Weberei entsprechend dem erfindungsgemässen Verfahren arbeiten und es ist auch möglich, mit geringeren Nachteilen die Streckeinrichtung ausser Betrieb zu setzen, als in dem Fall, in dem eine Grossanlage durch Veränderung der Bedürfnisse der Abnehmer nicht benützt werden kann.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung zur Durch führung des Verfahrens ist dadurch gekennzeichnet, dass einem Webstuhl eine für alle Kettenfäden gemeinsame Streckeinrichtung zugeordnet ist, welche die nebeneinander geführten Kettenfäden durchlaufen.
In der Zeichnung ist ein Beispiel der Erfindung durch eine schematische Darstellung näher veran schaulicht.
Von der Kettenfadenspule I läuft der Kordfa den 3 zu dem filzbezogenen Einzugswalzenpaar 4, 5. Die Spule 1 wird durch die Bremse 2 gebremst, welche durch das Gewicht 25 belastet ist, derart, dass der abgezogene Kordkettenfaden schon unge fähr eine gleichbleibende Spannung hat. Die anderen Kettenfäden, die von weiteren Spulen abgezogen wer den, laufen ab der Walze 4 parallel zu dem erwähn ten Kettenfaden 3 über die gleichen Walzen usw.
Hat der Kordkettenfaden 3 das Einzugswalzen paar 4, 5 passiert, so wird er unter dem Kettenfa- denreiter 7 hindurchgeführt, der zwischen den bei den Leitwalzen 9 angeordnet ist. Der Kettenfaden reiter 7 steht bei normaler Fadenspannung auf der Platte 8 auf, während er bei erhöhter oder erniedrig ter Fadenspannung im Zusammenwirken mit dem filzbezogenen Einzugswalzenpaar 4, 5 und der Spulenbremse 2 einen Ausgleich der Fadenspannung herbeiführt.
Mit 27 ist eine Abstelleiste bezeichnet, welche bei der irgendwelche Störungen bedingter überhöhter Fadenspannung die ganze Einrichtung stillegt.
Durch die Fadenspannungsausgleichseinrichtung, die aus den Teilen 2, 4, 5, 7 und 8 besteht, werden die in die Streckeinrichtung einlaufenden Kettenfäden auf mindestens annähernd gleiche Fadenspannung gebracht. Das erfindungsgemässe Verfahren benützt somit die gegebenenfalls ohnehin an einem Webstuhl vorhandene Ausgleichseinrichtung zum Fadenspan nungsausgleich für den Streckvorgang. Gleiche Fa denspannung der in die Streckeinrichtung einlaufen den Kettenfäden ist aber wiederum Voraussetzung für eine gleichmässige Verstreckung und damit eine Gleichheit der Eigenschaften der Kettenfäden nach der Verstreckung.
Von der Leitwalze 9 gelangt der Kettenfaden über die Umlenkrolle 10 zu den Walzen 11 bis 14, welche die Aufgabe haben, dem Kettenfaden 3 eine genau definierte Geschwindigkeit zu verleihen. An Stelle der vier Walzen 11 bis 14 kann auch eine andere Walzenzahl vorgesehen sein, insbesondere können mehr Walzen benützt werden.
Von der Walze 14, die vom Kettenfaden um schlungen wird, gelangt der Kettenfaden in die Heiz- einrichtung 15, welche beispielsweise durch Heissluft oder auch auf andere Weise den Kettenfaden auf die gewünschte Temperatur bringt. Die aus den Walzen 16, 17 und 18 bestehende Anordnung weist eine gegenüber den Walzen 11 bis 14 erhöhte Umfangs geschwindigkeit auf und es ist klar, dass hierdurch eine Streckung des Kettenfadens 3 bewirkt wird.
Die Walzenanordnung 16 bis 18 ist durch eine nicht näher dargestellte Kühleinrichtung kombiniert und von der Walzenanordnung 16 bis 18 gelangt der Kettenfaden in die Heizeinrichtung 19 der zweiten Verstreckungsstufe, welcher die Walzen 20 bis 23 nachgeschaltet sind. Die Umfangsgeschwindigkeit der Walzen 20 bis 23 übersteigt entsprechend der in der zweiten Verstreckungsstufe gewünschten Dehnung die Umfangsgeschwindigkeit der Walzen 16 bis 18.
Von der Walzenanordnung 20 bis 23 gelangt der nun verstreckte und somit in seiner Dehnung herab gesetzte Kettenfaden 3 über die Leitwalze 24 zu den Kreuzschienen 26 des im übrigen nicht näher darge stellten Webstuhles.
Vorteilhaft ist es, wenn die Kettenfäden min destens eine Walze der Streckeinrichtung umschlin gen, wie dies bei den Walzen 14 und 20 angedeutet ist. Auf diese Weise lässt sich die Anzahl der Walzen zur sicheren Führung der Kettenfäden in der Streckeinrichtung stark reduzieren, da bei der Um schlingung eines Kettenfadens die Haftung des Ketten fadens an der Walze wesentlich gesteigert wird. Schliesslich ist vorgesehen, dass wenigstens ein Teil der Walzen der Streckeinrichtung eine Heiz- und/oder Kühleinrichtung für die Temperatur behandlung der Kettenfäden aufweist.
Es liegt in der Natur des erfindungsgemässen Verfahrens, dass die Durchlaufgeschwindigkeit der Fäden durch die Streckeinrichtung verhältnismässig gering ist. Da durch ist auch die Zeitdauer der Berührung der ein zelnen Fäden an den die Fäden führenden Wal zen grösser, so dass die Temperaturbehandlung der zu verstreckenden Fäden auch durch die ther misch günstige Berührungsheizung vorgenommen bzw. unterstützt werden kann.
Es wird bemerkt, dass die in der Zeichnung sche matisch am Verlauf eines Kettenfadens angedeutete Ausführungsform der Erfindung natürlich in ver schiedener Weise abgewandelt werden kann. Dies gilt insbesondere bezüglich der Ausbildung und Anordnung der Heiz- und Kühleinrichtungen, sowie auch der Zahl der angewandten Dehnungsstufen.