Pansensonde
Im Pansen von Wiederkäuern kommt es je nach Art des aufgenommenen Futters zu Schaumgärungen, die so lange ungefährlich sind, als der Schaum nicht die Schlundeinmündung erreicht hat und die auftretenden Gase noch durch den Schlund entweichen können. Ist die Schlundeinmündung aber bereits von Futter bzw. Schaummassen verlegt, so kommt es zu einer immer grösser werdenden Gasansammlung in jenem Teil des Pansens, der über dem Niveau der Schlundeinmündung liegt. Die Aufblähungen können dabei in kurzer Zeit so gross werden, dass das Tier verendet, wenn nicht der sogenannte Pansenstich durchgeführt wird, um dem Gas Austrittsmöglichkeit zu verschaffen.
Es ist zur Beseitigung der Gasansammlungen und zum Eingeben von Flüssigkeiten bereits versucht worden, durch den Schlund einführbare Sonden zu verwenden und dadurch das Anstechen des Pansens von aussen zu vermeiden. Die Schwierigkeit liegt dabei aber darin, dass sich eine übliche Sonde mit ihrem offenen Einführende zum Boden des Magens senkt, wo sie natürlich nicht zur Beseitigung der Aufblähungen beitragen kann. Es sind zwar auch schon verschiedene schaumzerstörende Mittel bekannt, doch nützt es nichts, diese im Bereich des Magenbodens einzuführen, da die Bewegung des Magens mit zunehmender Aufblähung aufhört, also keine Mischung mit dem Mageninhalt mehr stattfindet.
Es sind ferner Pansensonden bekannt, die aus einem am Einführende verschlossenen und hinter diesem mit Seitenöffnungen versehenen elastisch biegsamen Schlauch bestehen, wobei verschiedene Massnahmen vorgeschlagen wurden, um ein Aufwärtsbiegen des Einführendes, sobald es in den Pansen eingedrungen ist, zu gewährleisten. So ist beispielsweise bei einer bekannten Ausbildung innerhalb des Schlauches ein elastischer Stab mit aufgebogenem Ende vorgesehen, der nach dem Einführen der Sonde zurückgezogen wird, um auf diese Weise ein Aufstellen des Schlauchendes zu erreichen. In einem anderen Fall ist am Sondenende aussen ein Draht befestigt, der in einigem Abstand vom Einführende durch eine Seitenöffnung in den Schlauch tritt und mit einem im Schlauch befindlichen biegsamen Zugorgan verbunden ist, das von aussen erfasst werden kann. Beim Anziehen an diesem Zugorgan wird ein Krümmen bzw.
Aufbiegen des Sondenendes zwangläufig herbeigeführt. Bei einer weiteren bekannten Konstruktion ist die Sonde gelenkig unterteilt, wobei die Gelenkachse derart exzentrisch angeordnet ist, dass sich beim Auftreffen des Einführendes auf einen Widerstand letzteres oder weitere Gelenkteile von selbst aufrichten soll bzw. sollen. Bei allen diesen Ausbildungen krümmt sich zwar der im Pansen befindliche Sonden- bzw. Schlauchabschnitt, es ist aber keine Gewähr dafür gegeben, dass ein Aufrichten des Sondeneinführendes erfolgt, um die Seitenöffnungen in dem Bereich oberhalb des breiigen bzw. schaumigen Panseninhaltes zu bringen.
Sobald sich aber das abgebogene Sonden- bzw. Schlauchende seitwärts legt, was vom Maul des Tieres her weder beobachtet noch beeinflusst werden kann, ist die Sonde wirkungslos, da dann die Öffnungen der Sonde, die dem Gas Austrittsmöglichkeit geben sollen, im breiigen bzw. schaumigen Panseninhalt liegen und letzterer die Öffnungen abdeckt. Schliesslich ist eine Sonde bekanntgeworden, an deren Ende ein mit einer die Endöffnung verschliessenden Klappe verbundener und durch eine Leitung aufblasbarer Ballon vorgesehen ist. Wird der Ballon über die in der Sondenwandung ausgesparte Leitung von aussen aufgepumpt, öffnet sich die Verschlussklappe, wobei der Ballon als Schwimmkörper dafür sorgen soll, dass das geöffnete Einführende im Gasbereich liegt.
Bei den das Auf blähen des Pansens bewirkenden Schaumgärungen ist aber keine scharfe Trennung zwischen dem brei igen und dem schaumigen Mageninhalt vorhanden, so dass der Schwimmkörper nicht zur Wirkung kom men kann bzw. trotz seiner Anordnung nicht gewähr leistet ist, dass die Eintrittsöffnung im Gasraum liegt.
Die Erfindung bezweckt die Beseitigung aller dieser Mängel und die Schaffung einer Pansensonde, die mit einfachen Mitteln und bei leichter Handhabung eine verlässliche Gasentfernung aus dem Pansen bzw. eine gute Verteilung eingegebener Flüssigkeiten gewährleistet.
Ausgehend von einer Pansensonde, bestehend aus einem am Einführende verschlossenen, aber hinter diesem mit Seitenöffnungen versehenen, elastisch biegsamen Schlauch, zeichnet sich die Erfindung dadurch aus, dass der Schlauch an seinem Einführende beschwert und zu Windungen mit einem Durchmesser von etwa 1 m vorgeformt ist, wobei die Seitenöffnungen in einem Abstand von etwa 0,7-1,5 m vom Einführende angeordnet sind. Während bisher immer versucht wurde, das Einführende, hinter dem sich unmittelbar die Seitenöffnungen befinden, aufzurichten, um dadurch über das Niveau des breiigen bzw. schaumigen Mageninhaltes zu kommen, wird erfindungsgemäss das Einführende beschwert und damit zum Absinken gebracht, bis es am Pansenboden anstösst.
Bei weiterem Sondenvorschub bildet diese dann einen Bogen mit etwa 0,5 m Radius, da der Schlauch zufolge seiner Vorformung immer das Bestreben hat, entsprechende Windungen zu bilden. Da nun die Schlundeinmündung höher als das beschwerte und zum Magenboden abgesunkene Einführende der Sonde liegt, kann sich der gebildete Schlauch bogen nicht seitwärts legen, sondern bleibt aufgerichtet. Dabei befinden sich dann die Seitenöffnungen des Schlauches im oberen Teil des Pansens weit über dem Niveau der Schlundmündung, so dass die dort angesammelten Gase ohne weiteres durch den Schlauch entweichen können. Anderseits ist es möglich, schaumzerstörende Mittel bzw. Flüssigkeiten unter Druck einzuführen, welche Flüssigkeiten dann durch die Seitenöffnungen oberhalb des Mageninhaltes ausgesprüht und somit gut verteilt werden, selbst wenn keine Mischbewegungen mehr stattfinden.
Dabei hat die erfindungsgemässe Sonde eine besonders einfache und billige Konstruktion, da keine besonderen Mittel zur Bildung des gewünschten Bogens innerhalb des Pansens erforderlich sind.
Um ein Verstopfen der Seitenöffnungen möglichst zu vermeiden und gegebenenfalls eine günstigere Flüssigkeitsverteilung beim Austritt aus dem Schlauch zu erzielen, können die Seitenöffnungen in einer Reihe an der Windungsaussenseite angeordnet sein.
Zum Verschliessen und Beschweren des Einführendes kann ein Metallkopf vorgesehen sein, der aus einem das Schlauchende umschliessenden Konus und einem mit diesem verschraubten abgerundeten Deckel besteht, zwischen welchen Teilen der Schlauch mit Spreizmitteln eingeklemmt werden kann. Dabei kann der Deckel eine verschliessbare Reinigungsöffnung aufweisen.
In der Zeichnung ist der Erfindungsgegenstand beispielsweise dargestellt, und zwar zeigen:
Fig. 1 das Einführende einer Pansensonde im
Schnitt und
Fig. 2 die in den Pansen eingeführte Sonde schematisch.
Die erfindungsgemässe Sonde besteht aus einem Kunststoffschlauch 1 von etwa 3,7 m Länge, der durch entsprechende Vorformung stets das Bestreben hat, sich mit einem Windungsdurchmesser von etwa
1 m ein- bzw. aufzurollen. Am Schlauchende 2 ist ein Metallkopf vorgesehen, der aus einem das Schlauchende umschliessenden Konus 3 und einem mit letzterem verschraubten, abgerundeten Deckel 4 besteht, wobei zwischen Konus und Deckel aus dem Schlauchmaterial gebildete Spreizlappen 5 eingeklemmt sind. Der Deckel 4 besitzt eine Reinigungs öffnung 6 mit eingeschraubtem Stopfen 7. Der Schlauch 1 weist an der Windungsaussenseite eine Reihe von Seitenöffnungen 8 auf, und zwar ist die vorderste Öffnung in einer Entfernung von etwa 0,7 m und die hinterste in einer Entfernung von etwa
1, 5 m vom Schlauchende 2 angeordnet.
Die Sonde wird durch den Schlund in den Pansen eingeführt, bis der Metallkopf 3, 4, der sich zufolge seines Gewichtes im breiigen Mageninhalt senkt, am Magenboden anstösst. Bei weiterem Vorschub der Sonde bildet diese zufolge ihres Bestrebens, Windungen mit verhältnismässig grossem Durchmesser zu bilden, einen etwa der Pansenform folgenden Bogen, der sich nicht seitwärts umlegt, sondern aufrecht bleibt, weil er einerseits durch den Kopf 3, 4 im Bereich des Magenbodens, anderseits durch die Schlundeinmündung festgehalten ist. Die Seitenöffnungen 8 liegen nun in wünschenswerter Weise in jenem gasgefüllten Teil des Magens, der sich oberhalb des Niveaus der Schlundeinmündung befindet.
Es sei bemerkt, dass der Pansen in Fig. 2 im bereits aufgeblähten Zustand dargestellt ist.