Verfahren zum Verfestigen thermoplastischer Kunststoffe
Von einer grossen Anzahl thermoplastischer Kunststoffe, beispielsweise den Polyolefinen, Polyamiden, Polycarbonaten und Polyestern weiss man, dass sie sich durch Recken mehr oder weniger verfestigen lassen. Der Grad ihrer Verfestigung wird primär durch das absolute Mass der Reckung, durch die Reckgeschwindigkeit sowie durch die Recktemperatur bestimmt. Sekundär spielen jedoch auch Stoffzusätze wie Stabilisatoren, Gleitmittel, Farbstoffe usw. eine Rolle, die die Verfestigung - wenn auch nur in verhältnismässig geringem Ausmass - erhöhen oder auch verringrn können, was sich erforderlichenfalls durch die erstgenannten Faktoren in den meisten Fällen jedoch völlig kompensieren lässt, da man in der Praxis im allgemeinen nicht bis an die Grenze der möglichen Reckung herangeht.
Hierzu sind eine Reihe von auf der Anwendung von Zuge und Druckkräften beruhenden Verfahren bekannt, mittels denen eine Reckung des Kunststoffs sowohl in einer als auch in gleichzeitig oder nacheinander zwei vorzugsweise zueinander senkrecht stehenden Wirkungslinien vorgenommen werden kann. Diese Verfahren lassen sich jedoch nur anwenden, wenn das zu behandelnde, d.h. zu reckende Material bereits wenigstens ein dimensionsbestimmendes Werkzeug passiert, also schon ein mehr oder minder fortgeschrittenes Stadium der Fertigung erreicht hat. Darüber hinaus ist bezüglich dieser Verfahren festzustellen, dass sich während des Reckvorgangs die zur Verstreckrichtung senkrecht liegende Querschnittsabmessung des Materials verringert.
Dies hat zum Beispiel beim biaxialen Verstrecken von Rohren zur Voraussetzung, dass die Rohre vor dem Verstrecken bereits mit sehr grosser Genauigkeit hergestellt sind, da ansonsten die Gefahr besteht, dass sich an der Stelle der geringsten Materialstärke eine örtliche Einschnürung einstellt und in der Folge davon das Rohr an dieser Stelle sich unter dem inneren Überdruck aufweitet oder dass es sogar aufreisst.
Ausserdem haben diene bekannten Verfahren auch noch den Nachteil, dass sich eine beabsichtigte Verfestigung, zumindest eine biaxiale Verfestigung, nicht im Zuge einer einzigen und insbesondere endgültigen Formgebung erzielen lässt, was jedoch in vielen Fällen, insbesondere bei der Herstellung von Formpresslingen rotationssymmetrischer Abmessungen und beispielsweise auch bei der kontinuierlichen Herstellung von Rohren beliebiger Längen sowohl aus technologischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen vorteilhaft und daher erwünscht wäre.
Gemäss vorliegender Erfindung wird ein neuer Weg beschritten und zum Verfestigen von durch Recken verfestigbaren thermoplastischen Kunststoffen ein Verfahren vorgeschlagen, dem die vorstehend erwähnten Mängel nicht anhaften. Gemäss dem Vorschlag der Erfindung wird der Kunststoff bei einer unterhalb, vorzugsweise nur wenig unterhalb seines kristallinen Schmelzpunktes liegenden Temperatur schichtartig in sich verschoben. Im Unterschied zu den bekannten Verfahren beruht das erfindungsgemässe Verfahren also auf einer Faserlängung durch Schichtverschiebung, d.h. darauf, dass je die Teilchen zweier aufeinanderfolgender benachbarter Kunststoffschichten gegeneinander verschoben werden.
Der Ausdruck Schichtverschiebung will dabei selbstverständlich nicht im Sinne des Verschiebens verhältnismässig dicker aufeinanderfolgender Schichten verstanden sein, sondern vielmehr so, dass je die in ein und derselben Ebene bzw. Fläche liegenden makromolekularen Kunststoffteilchen in Erstreckungsrichtung der Ebene bzw. Fläche gegenüber den in der bzw. den benachbarten Ebenen bzw. Flächen liegenden makromolekularen Kunststoffteilchen verschoben werden. Ebenso soll der Ausdruck Faserlängung nur in übertragenem Sinne verstanden werden, da die in Richtung senkrecht zur beabsichtigten Verschiebungsrichtung aufeinanderfolgenden makromolekularen Kunststoffteilchen ja nur eine gedachte Faser bilden.
Nach dem erfindungsgemässen Verfahren lassen sich Polyolefine wie Polyäthylen, Polypropylen, Polybutylen, Poly-4-Methylpenten- 1, Poly-3 -Methylbuten- 1 mit gutem Erfolg verfestigen. Mit besonderem Vorteil kann es bei Polyäthylen, Polypropylen sowie kristallinen Mischpolymerisaten desÄthylens und desPropylens angewendet werden.
Darüber hinaus kann es selbstverständlich aber auch zur Verfestigung von anderen kristallinen Kunststoffen wie z. B. Polyamiden, Polycarbonaten und Polyestern eingesetzt werden.
Gemäss einem weiteren Vorschlag der Erfindung kann die Verschiebung und damit die Verfestigung in einer einzigen oder aber auch in gleichzeitig oder nacheinander zwei vorzugsweise zueinander senkrecht stehenden Richtungen vorgenommen werden, wobei das erfindungsgemässe Verfahren sowohl für sich allein als auch in Kombination mit einem der bekannten Verfahren und zwar vor oder nach diesem oder auch gleichzeitig mit diesem anwendbar ist.
Zur Erzielung einer möglichst gleichmässigen Verfestigung des Kunststoffs ist es zweckmässig, die Verschiebung so vorzunehmen, dass je zwei aufeinanderfolgende Schichten um zumindest angenähert den gleichen Weg und alle Schichten gleichsinnig gegeneinander verschoben werden.
Das erfindungsgemässe Verfahren wird anhand der Zeichnung im folgenden noch näher erläutert. Es zeigen
Fig. 1 eine vereinfachte Darstellung der Vorgänge am Beispiel eines Kunststoffquaders,
Fig. 2 in schematischer Darstellung die Anwendung des erfindungsgemässen Verfahrens zur gleichzeitigen Verfestigung zweier ebenflächigen Kunststoffteile in je einer Richtung,
Fig. 3 die Anwendung des erfindungsgemässen Verfahrens zur Verfestigung eines rohrförmigen Kunststoffteils,
Fig. 4 dasselbe bei einem Formteil, das nach einem längsorientierenden Fliesspressverfahren hergestellt wird und
Fig. 5 dasselbe bei einem Rohr, das nach einem anderen längsorientierenden Fliesspressverfahren kontinuierlich hergestellt wird.
Nach Fig. 1 werde der Kunststoffquader 1 in Richtung des Pfeils schichtartig so in sich verschoben, dass seine Fläche 2 bzw. die schematisch und in übertriebener Dicke dargestellte gedachte oberste Schicht 2' ihre räumliche Lage gegenüber der Fläche 3 bzw. der ebenfalls schematisch und in übertriebener Dicke dargestellten gedachten untersten Schicht 3' um den Betrag s ändert und wobei auch je zwei nicht dargestellte dazwischenliegende aufeinanderfolgende gedachte Schichten in entsprechender Weise gegeneinander verschoben werden. Eine zur Verschiebungsrichtung senkrechte schematisch dargestellte Faser f der Länge a erfährt dabei eine Veränderung ihrer Lage und ihrer Länge entsprechend der gestrichelt eingezeichneten Linie f'.
Gemäss vereinfachter Annahme entsprechend der wiederum gestrichelt eingezeichneten Linie f" der Länge b beträgt die Längenänderung c c = b - a, woraus sich eine Reckung R = - 100 (%) a ergibt. Dieser Vorgang stellt eine Orientierung des Kunststoffs dar, die sich bei den eingangs erwähnten durch Recken verfestigbaren thermoplastischen Kunststoffen in Verbindung mit der Einhaltung einer unterhalb, vorzugsweise nur wenig unterhalb des kristallinen Schmelzpunktes liegenden geeigneten Verstreckungstemperatur in der gewünschten, je nach Grösse der Verschiebung mehr oder weniger grossen Verfestigung äussert, wie bei den Anwendungsbeispielen der Figuren 2 bis 5 durchgeführte Zerreissversuche bewiesen haben.
Beim Anwendungsbeispiel gemäss Fig. 2 sind zwischen den ebenflächigen Beilagen 4 und 5 bzw. 4 und 6 zwei ebenfalls ebenflächige Kunststoffplatten 7 angeordnet. Die Schichtverschiebung des auf die entsprechende Temperatur gebrachten Kunststoffs erfolgt hier durch Verschiebung der Beilage 4 gegenüber den Beilagen 5 und 6 mittels einer entsprechend grossen Kraft P in Richtung des Pfeils 8. Um zwischen den Stoffplatten 7 und den Beilagen 4, 5 bzw. 4, 6 die dazu erforderliche Haftreibung zu erzielen, wird über die unter dem Normaldruck N stehenden aber in unveränderlichem gegenseitigem Abstand voneinander gehaltenen Beilagen auf die Kunststoffplatten 7 ein Druck ausgeübt, so dass diese, wie durch die Pfeile 9 schematisch angedeutet, mit einem spezifischen Druck p ausreichender Höhe gleichmässig belastet sind.
Wird die Beilage 4 durch die Kraft P in Richtung des Pfeiles 8 gegenüber den Beilagen 5 und 6 um die Strekke s nach rechts verschoben, so hat dies zur Folge, dass sich die Kunststoffplatten 7 in parallelen Ebenen schichtartig in sich selbst so verschieben, dass ihre vorderen und hinteren Stinfläche 7a bzw. 7b gemäss vereinfachter Annahme schliesslich entsprechend der gestrichelt eingezeichneten Linien 7c bzw. 7d verlaufen.
Eine herausgegriffene Faser f erfährt dabei wiederum eine Veränderung ihrer Lage nach der gestrichelt eingezeichneten Linie f' und gemäss vereinfachter Annahme eine Veränderung ihrer Länge von a nach b, so dass sich bei unverändertem Querschnitt der Kunststoffplatten 7 senkrecht zur Verschiebungsrichtung wiederum eine Reckung c R = - 100 (%) ergibt. a
Es ist klar, dass sich dieselbe Wirkung ergibt, wenn die Beilage 4 nur um die halbe Strecke s nach rechts und gleichzeitig die beiden Beilagen 5 und 6 um die halbe Strecke s nach links verschoben werden. Ebenso ist es klar, dass nicht notwendigerweise zwei Kunststoffplatten 7 gleichzeitig gereckt werden müssen, sondern dass vielmehr auch jede der Kunststoffplatten 7 mittels zweier Beilagen für sich gereckt werden kann.
Weiterhin ergibt sich auch ohne weiteres, dass sich die gezeigte Anordnung nicht auf eine Verschiebung der Beilage 4 in Richtung des Pfeiles 8 beschränkt. Diese könnte in Richtung ihrer ebenen Erstreckung selbstverständlich gleichzeitig oder auch anschliessend noch in einer zweiten vorzugsweise zur Richtung des Pfeiles 8 senkrecht stehenden Richtung verschoben werden.
Beispielsweise könnte die gezeigte Anordnung aber auch als Schnitt durch die eine Hälfte mehrerer aufeinander angeordneter flacher Kreisringe aufgefasst werden, wobei die Beilage 4 dann gegenüber den feststehenden Beilagen 5 und 6 oder auch die Beilagen 5 und 6 gegen über der feststehenden Beilage 4 oder aber sowohl die Beilage 4 als auch die Beilagen 5 und 6 nach entgegengesetzten Seiten oder mit einer Differenzgeschwindigkeit nach der gleichen Seite in Umfangs richtung gegeneinander verdreht werden.
Wie man sich anhand der Figur leicht klarmachen kann, lässt sich die Schichtverschiebung auch dann vornehmen, wenn die Kunststoffplatten 7 und die Beilagen 4, 5 und 6 in Verschiebungsrichtung in der strichpunktiert angedeuteten Weise rotationssymmetrisch gekrümmt sind. Voraussetzung hierfür ist lediglich, dass die senkrechten Abstände zwischen den Beilagen und dementsprechend die Dicke der Kunststoffplatten in der Ver schiebungsrichtung bzw. in zu dieser parallelen Bahnen überall genau gleich gross ist, d.h., dass die Verschiebung in äquidistanten Bahnen erfolgt. Dagegen können die einander berührenden Werkzeug- und Kunststoffflächen quer zur Verschiebungsrichtung im wesentlichen beliebig geformt, beispielsweise gewellt oder sonstwie profiliert sein.
Selbstverständlich ist in einem solchen Falle eine Verschiebung etwa in einer zur Richtung des Pfeiles 8 senkrecht stehenden zweiten Richtung nicht oder nur dann möglich, wenn die Beilagen und Kunststoffplatten auch in dieser Richtung eben verlaufen oder rotationssymmetrisch gekrümmt sind, die Kunststoffplatten praktisch also Teile eines Zylinders bzw. einer Hohlkugel darstellen.
Der nach Fig. 3 zwischen dem Dorn 10 und dem Aussenring 11 angeordnete Kunststoffring 12 ist, wie durch die Pfeile 13 angedeutet, durch einen Druck p gleichmässig belastet, so dass zwischen der Innenfläche des Kunststoffringes 12 und dem Dorn 10 einerseits sowie der Aussenfläche des Kunststoffringes 12 und der Innenfläche des Aussenringes 11 andererseits die zur Schichtverschiebung des Kunststoffs in sich selbst längs konzentrischer Bahnen erforderliche Haftreibung vorhanden ist. Die Schichtverschiebung wird dadurch erreicht, dass der Aussenring 11 und der Dorn 10 relativ zueinander verdreht werden, wobei einer der beiden Teile feststehend und der andere verdrehbar angeordnet sein kann, ebenso aber auch beide Teile in entgegengesetzter Richtung oder auch mit einer Differenzgeschwindigkeit gleichsinnig verdrehbar angeordnet sein können.
Wie in der Figur dargestellt, ändert sich bei einer Verdrehung des Aussenringes 11 gegenüber dem Dorn 10 die Lage und Länge einer Faser f nach f', wodurch die gewünschte Orientierung des Kunststoffs und damit, wiederum unter der Voraussetzung des geeigneten Materials und der Einhaltung einer geeigneten Temperatur desselben, auch die gewünschte Verfestigung in Umfangsrichtung erzielt ist.
Wie man sich anhand der Figur wiederum leicht klarmachen kann, ist es zwar erforderlich, dass die Aussenfläche des Dorns 10 und die Innenfläche des Aussenrings 11 kreisrund sowie Dorn und Aussenring konzentrisch zueinander angeordnet sind, dass aber, sofern nicht gleichzeitig oder anschliessend etwa noch eine Verfestigung in Längsrichtung erfolgen soll, eine zylindrische Ausbildung von Dorn und Aussenring keineswegs Voraussetzung ist. Die Verfestigung in Umfangsrichtung lässt sich selbstverständlich auch dann erreichen, wenn etwa die Innenfläche des Aussenrings bzw. die Aussenfläche des Kunststoffrings und/oder die Innenfläche des Kunststoffrings bzw. die Aussenfläche des Dorns vom einen nach dem anderen Ende zu sich konisch erweitert oder auch verjüngt.
Wie aus der Zeichnung ebenfalls leicht ersichtlich, lässt sich unter der Voraussetzung, dass die einander berührenden Flächen von Kunststoff und Dorn bzw. Aussenring kreiszylindrisch sind, mit der gezeigten Anordnung anstelle der Verfestigung in Umfangsrichtung oder auch zusätzlich zu dieser auch eine Verfestigung in Längsrichtung erzielen, indem Dorn und Aussenring in axialer Richtung gegeneinander verschoben werden, wobei sich die Verstreckung in Umfangsrichtung und gegebenenfalls in Längsrichtung sowohl gleichzeitig als auch zeitlich aufeinanderfolgend vornehmen lassen.
Nach Fig. 4, die am Beispiel der Herstellung einer einseitig geschlossenen biaxial verfestigten Hülse, insbesondere einer Schrotpatronenhülse, im Zuge eines einzigen Arbeitsganges und mittels eines einzigen Werkzeugs die Anwendung des erfindungsgemässen Verfahrens in Kombination mit einem längsorientierenden Fliesspressverfahren zeigt, ist in der koaxialen zylindrischen Bohrung 15 des Werkzeugteils 14 der sich um seine Achse drehende Dorn 18 und in der zur Bohrung 15 konzentrischen zylindrischen Bohrung 17 des Werkzeugteils 16 der in Achsrichtung verschiebbare Stempel 19 angeordnet.
Eine oberhalb des Dorns 18 in die zylindrische Bohrung 15 bzw. 17 eingelegte nicht gezeigte temperierte Kunststofftablette wird beim Zufahren des Stempels 19 in Pfeilrichtung in der dargestellten Weise in den Raum 20 zwischen dem rotierenden Dorn 18 sowie der feststehenden Aussenform 14 und der ebenen Stirnfläche des Stempels 19 gepresst.
Mit dem Zufahren des Stempels 19 wird der Kunststoff dabei unter fortlaufender Änderung seiner Form und Abmessungen zunächst im wesentlichen in Längsrichtung orientiert, bis schliesslich der Formvorgang soweit vorangeschritten ist, dass der Kunststoff den Raum 20 im wesentlichen ganz ausfüllt, wobei er aufgrund des durch den Stempel 19 auf ihn ausgeübten Druckes gleichzeitig in zunehmendem Masse gegen die sich relativ zueinander bewegenden Formwände gepresst wird, nach Erreichen einer genügend grossen Haftreibung zwischen Kunststoff und Wand der Bohrung 15 einerseits sowie zwischen Kunststoff und Aussenfläche des Dorns 18 andererseits die Relativbewegung der Formwände, gegebenenfalls mit einer gewissen Verzögerung übernimmt und sich bei gleichbleibender Wanddicke schliesslich in Umfangsrichtung schichtartig in sich selbst verschiebt, so dass also, wie am Beispiel der Fig.
3 erläutert, die Materialfasern in Umfangsrichtung orientiert und gelängt, d.h., der Kunststoff auch in Umfangsrichtung, d.h. quer bzw. senkrecht zur Längsorientierung verfestigt wird, und zwar nicht nur in seinem zylindrischen Teil, sondern auch in seinem kreisscheibenförmigen Bodenteil.
Selbstverständlich kann das verstehend beschriebene Formverfahren auch in der Weise durchgeführt werden, dass der Dorn 18 zunächst stillsteht und erst dann verdreht bzw. in Rotation versetzt wird, wenn der Stempel 19 bereits völlig zugefahren ist, so dass die Längs- und Querverfestigung voneinander getrennt zeitlich aufeinanderfolgen. Im übrigen ist auch hier wieder zu sagen, dass sich das beschriebene Verfahren, mit dem sowohl in Längs- als auch in Querrichtung eine beträchtliche Verfestigung des Kunststoffs erreicht wurde, weder auf eine zvlindrische Ausbildung des Hülsenschaftes noch auf eine ebenflächige des Bodens beschränkt.
Beispielsweise könnte der Hülsenschaft auch nach unten konisch erwei tert oder etwa kne;elig g ausgebildet und könnte der Boden einander beidseitig kegelig. kugelig od. dgl. gewölbt sein.
Das Verfahren nach Fig. 4 kann beispielsweise aber auch in der Weise abrewandelt werden, dass beim Pressvorgana der Dorn 18 zufährt, d.h., dieser den Pressstempel bildet, der Stempel 19 während des Pressvorgangs dagegen in zuaefahrener Stellung stillsteht. Gegebenenfalls könnte dabei auf die Ausbildung eines besonderen Stempels 19 auch verzichtet werden, d.h., die Teile 16 und 19 könnten zu einen einstückigen Teil vereinigt werden. Es ist klar, dass die bezweckte biaxiale Verstreckung hierbei wiederum sowohl dann erreicht wird, wenn der Dorn 18 während des Zufahrens rotiert, als auch dann, wenn er erst in zugefahrener Stellung in Rotation versetzt wird.
Nach Fig. 5 ist in dem Aussenring 21 der Dorn 22 angeordnet, wobei Ring 21 und Dorn 22 so ausgebildet sind, dass sie miteinander einen Spalt 23 bilden, der sich von einer grossen Breite düsenförmig auf eine kleine Breite verengt. Der auf der Seite der grossen Spaltbreite mittels einer nicht gezeigten Presse od.dgl.
unter einem Druck p in Pfeilrichtung zugeführte Kunststoff erfährt beim Durchgang durch den Spalt 23 bei gleichzeitiger Abnahme der Querschnittsabmessungen eine Längsorientierung und entsprechend der durch den Druck p bewirkten Wandhaftung zwischen Kunststoff einerseits und den, wie durch die Pfeile angedeutet, in Umfangsrichtung relativ zueinander verdrehten Teilen 21 und 22 andererseits durch schichtartige Verschiebung des Kunststoffs in sich selbst längs kreisförmiger in sich geschlossener Bahnen eine Orientierung und damit Verfestigung in Umfangsrichtung, wobei letztere die Querschnittsabmessungen nicht beeinflusst.
Selbstverständlich wird auch hier wieder der Kunststoff auf einer geeigneten Temperatur gehalten, wobei der Druck p und die Temperatur in bestmöglicher Weise aufeinanderabgestimmt werden können. Im übrigen könnte der Dorn 22 längs der gestrichelten Linie 24 in einen feststehenden Teil 22a und einen rotierenden bzw. verdrehbaren Teil 22b unterteilt sein, womit sich die gewünschte Verfestigung ebenfalls erzielen liesse.
Dieses kombinierte längs- und querorientierende Verfestigungsverfahren lässt sich sowohl diskontinuierlich als auch kontinuierlich anwenden und eignet sich daher besonders für die kontinuierliche Herstellung biaxial verstreckter Rohre in einem einzigen Arbeitsgang und mittels eines einzigen Werkzeugs.
Zur weiteren Erläuterung des erfindungsgemässen Verfahrens folgen noch einige Beispiele.
Beispiel 1
Schichtverschiebung an Polyäthylenplatten
Zwei Platten aus Polyäthylen mit einem Zusatz von 2% Russ, einem Molekulargewicht von ca. 100 000 und einer Schmelzviskosität Nred = 2,4 und den Massen 50 x 80 x 5 mm wurden in einer Anordnung gemäss Fig. 2 zwischen gerauhten Beilagen zusammen mit diesen auf die Recktemperatur von 1250 C erwärmt. Unter einem Normaldruck von 200 kp/cm2 wurden die Beilagen in Richtung ihrer ebenen Erstreckung mittels einer an der mittleren Beilage angreifenden Kraft P = 2400 kg um ca.
2 cm gegeneinander verschoben.
Im Zerreissversuch zeigte sich eine durch die vorangegangene Schichtverschiebung eingetretene Verfestigung von ca. 240 kp/cm2 auf 490 kp/cm2.
Beispiel 2
Herstellung von biaxial verfestigten Schrotpatronenhülsen a) Verfahren 1:
Eine Tablette aus Polyäthylen mit einem Zusatz von ca. 2% Russ, einem Molekulargewicht von ca. 100000 und einer Schmelzviskosität Nred = 2,4 wurde bis in den überkristallinen Bereich, d.h. auf 1400 C, temperiert und in eine auf 700 C erwärmte Patronenhülsenform entsprechend der Anordnung gemäss Fig. 4 gegeben. Ein ebenfalls auf 700 C erwärmter Dorn, der ein Schwungmoment von ca. 0,04 kgm2 besass, wurde mit einer Presskraft von ca. 6 t und einer Drehzahl von 660 UpM sowie einer Hubgeschwindigkeit von ca. 100 mm/sec. in die Form eingefahren.
Während des Pressvorganges wurde die Drehzahl des Dornes infolge der Stoffreibung mit zunehmender Eintauchtiefe des Dornes in den Stoff sowie auch durch dessen Viskositätssteigerung aufgrund der eintretenden Abkühlung bis zum Stillstand des Dornes bei Beendigung des Pressvorganges abgebremst.
Die Nachdruckzeit betrug ca. 10 sec. Nach Ablauf dieser Zeit wurde die Hülse durch eine in der Form befindliche entriegelte Bodenöffnung hindurch ausgebaut.
Die so hergestellte Hülse wies eine erhebliche biaxiale Verfestigung auf.
Die an dem Hülsenschaft gemessene Festigkeit betrug in Längsrichtung ca. 1100 kp/cm2 und in Querrichtung ca. 600 kp/cm2, gegenüber ursprünglich 240 kp/cm2 in jeder der beiden Richtungen. b) Verfahren II:
Eine Tablette gleicher Zusammensetzung wurde in die gleiche Form gegeben und in dieser auf die für Form und Stoff gleiche Temperatur von 1260 C gebracht, d.h. bis knapp unter den Kristallitschmelzpunkt erwärmt.
Alsdann wurde der Pressdorn, dessen Schwungmoment 0,04 kgm2 betrug, bei einer Drehzahl von 660 UpM und einer Geschwindigkeit von ca. 100 mm/sec in die Form eingefahren. Die Dorndrehzahl wurde während des Pressvorgangs infolge Stoffreibung bis auf den Wert Null abgebremst, der etwa in der axialen Endstellung des Dornes erreicht wurde.
Nach Abkühlen der Form auf ca. 800 C konnte die Hülse durch eine entriegelte Bodenöffnung hindurch ausgestossen werden.
Auch bei diesem Verfahren konnte eine erhebliche biaxiale Verfestigung der Patronenhülse nachgewiesen werden. So betrug die Längsfestigkeit des Hülsenschaftes ca. 1100 kp/cm2 und die Querfestigkeit 500 kp/cm2 gegenüber einer Festigkeit von 240 kp/cm2 in jeder der beiden Richtungen.