Gerät zur Mischung zweier Substanzen
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Gerät zur Mischung von in zwei getrennten Behältern vorliegenden Substanzen. Ein solches Gerät ist vorzugsweise dazu bestimmt, zwischen einen Behälter mit Infusionslösung und einen Behälter mit einem Arzneimittel geschaltet zu werden, um das Arzneimittel der Infusionslösung beizumischen.
Aus medizinischen Gründen müssen in bestimmten Fällen Arzneimittel als Infusion verabreicht werden.
Der einfachste Weg hierfür ist der Zusatz des Arzneimittels zu einer der üblichen Infusionslösungen, wie z. B.
Natriumchlorid-, Ringer-, Glucose-Lösung oder einem Plasmaexpander. Das Arzneimittel kann in fester oder flüssiger Form, als reiner Wirkstoff oder als Zubereitung aus einem oder mehreren Wirkstoffen, gegebenenfalls unter Zusatz von Hilfsstoffen, vorliegen. Im allgemeinen werden Infusionslösung und Arzneimittel getrennt, beispielsweise in Glasflaschen mit durchstechbarem Stopfen oder Kunststoffbehältern, aufbewahrt und erst unmittelbar vor der Infusion vereinigt, um eine Beeinträchtigung der Wirkstoffstabilität in der Infusion lösung zu umgehen. So kann man z. B. mittels einer Rekordspritze ein in flüssiger Form vorliegendes Arzneimittel aufziehen und durch den Stopfen der Infu- sionsflasche in die Infusionslösung einspritzen.
Es besteht auch die Möglichkeit, ein flüssiges Arzneimittel während der Infusion durch das Gummizwischenstück am Infusionsgerät zuzugeben. Diese apparativ sehr umständliche Methode ist für grössere Mengen, konzentrierte Lösungen und bei längerer Infusionsdauer ungeeignet. Auch die Gleichmässigkeit der Dosierung ist in Frage gestellt. Feste Arzneimittel müssen beispielsweise nach vorheriger Entnahme eines Teiles der Infusionslösung mittels Rekordspritze und Ubertragen dieser Lösung in den Arzueimittelbehälter erst durch Schütteln gelöst werden. Als Lösungsmittel kommt ausser der Infusionslösung z. B. auch destilliertes, pyrogenfreies Wasser aus Ampullen in Frage.
Durch die oben beschriebenen, üblicherweise in normalen, unsterilen Räumen durchgeführten Manipulationen ist die Sterilität der Infusionslösung nicht gewährleistet, da die Stopfen mit derselben Nadel mehrfach durchstochen werden müssen und die Nadel zwischendurch mit der Raumluft in Berührung kommt. Unbedingte Sterilität der Infusionslösung und des Arzneimittels bzw. der Arzneimittellösung ist jedoch die Grundvoraussetzung für deren therapeutische Anwendung.
Die der vorliegenden Erfindung zugrundeliegende Aufgabe besteht nun darin, ein Gerät zu entwickeln, das es gestattet, auf möglichst einfachem Wege unter strenger Aufrechterhaltung der Sterilität den Arzneistoff oder die Arzneistoff-Zubereitung in die Infusionslösung einzutragen.
Diese Aufgabe wird gelöst durch das erfindungsgemässe Gerät. Dieses ist dadurch gekennzeichnet, dass es einen Hohlkörper mit Ansätzen aufweist, und dass je eine Kanüle direkt in die Ansätze oder in besondere, an den Ansätzen befestigte Kanülenträger eingesetzt sind.
Der Hohlkörper kann schlauchförmig, kugelförmig, eiförmig, tetraederförmig, polyederförmig, doppelkonusförmig, schlaucholivenförmig, zylindrisch oder säulenförmig ausgebildet sein. Der Hohlkörper kann auch ganz oder teilweise in Form eines Faltenbalges ausgestaltet sein. Die angeführten Hohlkörperformen können auch in Kombination miteinander vorliegen.
Im folgenden wird die Erfindung anhand der Zeichnungen durch Ausführungsbeispiele erläutert.
Gemäss Fig. 1 und 2 ist der Hohlkörper 1 in seinem mittleren Hauptteil als zylindrisches Gefäss ausgebildet, das an seinen entgegengesetzten Enden mit je einem zylindrischen Ansatzstutzen 2 versehen ist, der zur Befestigung eines Kanülenträgers 4 dient. Dieser ist gemäss Fig. la pfropfenartig in den innen kalibrierten Ansatzstutzen 2 eingesetzt und gemäss Fig. 2a haubenartig auf den aussen kalibrierten Ansatzstutzen 2 aufgeschoben und dadurch starr, luft- und keimdicht befestigt. Gemäss Fig. lb und 2b ist der Kanülenträger 4 mittels eines Schlauchstückes 5 mit dem Ansatzstutzen 2 verbunden.
In Fig. 1 und 2 sind die Kanülen 3 in die Kanülenträger 4 eingesetzt.
In Fig. 3 ist bei entsprechender Ausbildung des Hauptteils des Hohlkörpers 1 an dessen entgegengesetzten Enden je ein Ansatz 6 vorgesehen, in welchen eine Kanüle 3 direkt eingesetzt ist.
Gemäss Fig. 4 ist der mittlere Hauptteil des Hohlkörpers 1 als Faltenbaig ausgebildet, gemäss Fig. 5 besteht dieser Hauptteil aus zwei faltenbalgförmigen Endstücken und einem glatten, zylindrischen Zwischenstück. Im übrigen entspricht die Ausbildung und Anordnung der Ansatzstutzen 2 und der übrigen Teile 3 bis 5 denen der Fig. 1 und 2.
Nach Fig. 6 ist der linke Teil des Hohlkörpers 1 als glatter Zylinder, der rechte Teil als Faltenbalg ausgebildet. Im übrigen ist die Ausbildung des Gerätes ähnlich wie in Fig. 3 dargestellt.
Die Befestigung der Kanüle 3 bzw. des Kanülenträgers 4 an dem Hohlkörper 1 kann je nach dem Einsatzzweck auf beiden Seiten des Gerätes auf gleiche oder unterschiedliche Art ausgeführt sein.
Der Hohlkörper 1 gemäss den Fig. 1 bis 6 ist vorzugsweise aus einem Stück gearbeitet; er kann aber auch durch Zusammenstecken, verkleben bzw. Verschweissen aus mehreren Einzelteilen zusammengefügt sein.
Seine Oberfläche ist im allgemeinen glatt ausgebildet.
Man kann sie jedoch zur Verbesserung des Griffes auch rauh, geriffelt usw. ausbilden. Das Volumen des Hohlkörpers 1 ist so zu bemessen, dass es den zur Vermischung bzw. zur Lösung kommenden Substanzmengen und dem Grössenverhältnis der beiden Behälter angepasst ist. Hat der Behälter mit der Infusionslösung ein Volumen von etwa 0,5-1 Liter und der Arzneimittelbehälter ein solches von etwa 50-100 ml, so kann das Oberleitungsgerät ein Volumen von etwa 25-50 ml aufweisen.
Es ist zweckmässig, den Hohlkörper 1 aus einem elastischen Werkstoff herzustellen, damit er nach Deformation seine ursprüngliche Form wieder einnehmen kann. Es können hierfür Kunststoffe, vorzugsweise transparente Kunststoffe, Kautschuk oder beliebige andere, physiologisch unbedenkliche Materialien verwendet werden. Als Kunststoffe kommen z. B. Polyäthylen, Polyester, Polyvinylchlorid und insbesondere Polyamide in Betracht. Es ist auch möglich, insbesondere für glatte Teile des Hohlkörpers, starre Werkstoffe, wie z. B. Glas, zu verwenden. So können die faltenbalgartigen, aus elastischem Material bestehenden Teile des Hohlkörpers gemäss Fig. 5 mit einem starren Zwischenstück aus Glas durch eine Steck- oder Klebeverbindung verbunden sein.
Bei der Verwendung von Glas als Material für den Hohlkörper 1, etwa gemäss Fig. 1 und 2, ist es im allgemeinen zweckmässig, dem Gerät und den Kanülen ein etwas grösseres Volumen zu geben als bei Verwendung eines entsprechenden elastischen Gerätes, um in diesem Falle durch Schütteln die Überführung der Flüssigkeiten zu erleichtern.
Der Kanülenträger 4 besteht vorzugsweise aus einem harten Kunststoff, wie beispielsweise Polyacetal, Polystyrol usw. Es ist jedoch auch möglich, ihn aus einem anderen starren Material, beispielsweise Glas oder Metall, herzustellen. Vorzugsweise ist der Kanülenträger 4 für den Fall, dass er gemäss Fig. la oder Fig.
4a im Inneren des Ansatzstutzens 2 oder gemäss Fig. lb, 2b, 4b oder 5b mittels einer Schlauchverbindung befestigt werden soll, aussen zu kalibrieren. Soll der Kanülenträger 4 durch Aufschieben gemäss Fig. 2a oder Fig. 5a auf dem Ansatzstutzen 2 befestigt werden, so ist es zweckmässig, ihn innen zu kalibrieren. An dem Kanülenträger 4 können beispielsweise noch Manschetten, Griffplatten usw. angebracht sein, die eine sichere Handhabung des Gerätes gewährleisten.
Die Kanüle 3 selbst besteht im allgemeinen aus rostfreiem Stahl oder einem harten Kunststoff, wie beispielsweise einem Duroplasten oder Polystyrol und vorzugsweise aus Polyacetal. Der gemäss Fig. lb, 2b, 4b und 5b zur Verbindung des Hohlkörpers mit dem Kanülenträger verwendete Schlauch 5 kann aus beliebigen Werkstoffen, beispielsweise Kautschuk, vorzugsweise jedoch aus Kunststoffen, wie Polyvinylchlorid, bestehen.
Die Anwendung des Gerätes erfolgt in der Weise, dass z. B. mit der einen Kanüle der Stopfen eines die Infusionslösung enthaltenden Behälters, mit der anderen Kanüle der Stopfen eines einen Wirkstoff oder dessen Zubereitung enthaltenden Behälters durchstochen wird.
Sollte der Infusionsbehälter nicht durch einen Stopfen verschlossen sein, sondern einen Auslaufstutzen besitzen, so wird zweckmässigerweise ein Gerät verwendet, dessen Kanülenträger 4 (Fig. 2b, 5b) bzw. die Kanüle aufnehmender Ansatz 6 (Fig. 3a, 6a) des Hohlkörpwrs 1 mit einer schwachen Verjüngung in Richtung auf die Kanülenspitze versehen ist, so dass auf diese Weise eine feste Steckverbindung zwischen dem Kanülenträger und dem Auslaufstutzen des Infusionsbehälters hergestellt werden kann. Das mit den Behältern verbundene Gerät wird nun so gehalten, dass der Behälter, dem die Lösung entnommen werden soll, sich senkrecht über dem Gerät befindet.
Durch Pumpbewegungen, d. h. mehrmaliges Zusammendrücken des elastischen Hohlkörpers 1, wird nun die Lösung in den unterhalb des Überleitungsgerätes befindlichen, mit diesem durch die Kanüle verbundenen Behälter überführt. Die Flexibilität des Gerätes bzw. seiner Verbindungsstücke gestattet es, in dem unteren Behälter durch Schütteln die erforderliche Mischung vorzunehmen. Anschliessend wird das Gerät gedreht, so dass der ursprünglich unten befindliche Behälter jetzt senkrecht über das Gerät zu liegen kommt. Durch entsprechende Pumpbewegungen kann nun die beispielsweise das gelöste Arzneimittel enthaltende Lösung in die jetzt unterhalb des Gerätes befindliche Mischung oder Lösung, beispielsweise eine Infusionslösung, übergeleitet werden. Bei Bedarf kann dieser Vorgang wiederholt und so der jetzt leere Behälter nochmals ausgespült werden.
Besteht der Hohlkörper 1 aus Glas, so muss anstelle des Pumpens geschüttelt werden. Nach Herausziehen der Kanüle des Gerätes aus dem Stopfen des Infusionsbehälters bzw. nach Lösen der Steckverbindung ist die in dem unteren Behälter befindliche Lösung einsatzbereit.
Als bevorzugtes Anwendungsgebiet für das erfindungsgemässe Oberleitungsgerät kommt die Herstellung von Arzneimittel-Infusionslösungen in Betracht. Das erfindungsgemässe Gerät kann jedoch auch für beliebige andere Zwecke, beispielsweise die Überführung eines giftigen oder staubenden Festkörpers, wie beispielsweise eines Pflanzenschutzmittels, eines Farbstoffes usw., in eine Lösung verwendet werden.
Das beschriebene Gerät kann für mehrmaligen oder einmaligen Gebrauch bestimmt sein. Der einmalige Gebrauch ist insbesondere dann angezeigt, wenn die Ein haltung der Sterilität das entscheidende Kriterium ist.
Für Geräte, die von vornherein zum einmaligen Gebrauch bestimmt sind, ist es zweckmässig, die Verbindungen zwischen dem Ansatzstutzen und dem Kanülenträger beispielsweise durch Verschweissen oder Verkleben unlösbar auszuführen.
Das beschriebene Gerät gestattet es somit, die für die Herstellung von Arzneimittel-Infusionslösungen erfor derlichen Manipulationen einfach und schnell auszuführen, die Lösung eines festen Arzneimittels ohne zusätzliche Lösungsmittel herzustellen und insbesondere die Mischung bzw. Lösung der zu vereinigenden Substanzen unter absolut sterilen Bedingungen vorzunehmen. An den zum Einsatz kommenden Behältern, die Infusionslösung bzw. Arzneimittel enthalten, brauchen keine Anderungen an der Konstruktion des Verschlusses vorgenommen zu werden, da das erfindungsgemässe Gerät den handelsüblichen Verschlüssen angepasst ist.
Sollten beispielsweise giftige oder staubende Substanzen gemischt bzw. gelöst werden, so können gesundheitliche Schäden bei Verwendung des Gerätes mit Sicherheit ausgeschlossen werden.
Die faltenbalgförmige Ausführung des Gerätes zeichnet sich weiterhin dadurch aus, dass beim Zusammenziehen des Faltenbalges ein grösseres Volumen als bei der glatten Ausführungsform komprimiert werden und so bei gleichem Kraftaufwand grössere Flüssigkeitsvolumina durchgepumpt werden können. Ferner wird im Falle quer zur Längsachse liegender Falten des Balges eine grössere Sicherheit der Handhabung dadurch gewährleistet, dass die beiden Behälter, z. B. der Infusions- und der Arzneimittelbehälter, in der Hand gehalten werden können und der Pumpvorgang durch Gegeneinanderbewegungen der beiden Behälter durchgeführt werden kann.