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Mechanischer Momentanzünder für Handgranaten Die Sicherheitsvorschriften für die Konstruktion und Handhabung von Handgranaten sind mit Recht sehr scharf und deren bedingungslose Einhaltung wird von den zuständigen behördlichen Kontrollstellen strengstens überwacht. Eine Handgranate darf beispielsweise während ihrer Lagerung oder beim Transport weder schadhaft werden noch zur vorzeitigen, ungewollten Zündung neigen.
Sie soll daher möglichst unabhängig von Temperatureinflüssen und Witterungsschwankungen sein. Nach dem Entsichern, d. h. kurz vor dem Wurf und auch beim Durchlaufen ihrer Flugbahn, darf sie noch nicht explodieren und die Zündein- richtung muss daher zu einem bestimmten Zeitpunkt ganz unabhängig von äusseren Einflüssen, wie Lageveränderungen, plötzlichem Auftreffen auf unvorhergesehene Widerstände etc., abgesichert sein. Die Explosion erfolgt bei Momentanzündern vorzugsweise beim Aufschlag der Handgranate.
Tritt die Zündung aus irgendwelchen Gründen, beispielsweise beim Auftreffen der Handgranate auf hohes Gras oder weichen Schnee, nicht ein, so soll die Sprengladung nach Ablauf einer gewissen Zeitspanne selbsttätig zur Zündung gebracht werden.
Die bekannten Handgranatenkonstruktionen erfüllen die vorgenannten Bedingungen nur teilweise bzw. mit einem immer noch relativ hohen Risiko des Versagens, so dass bedauerlicherweise immer wieder Unfälle vorkommen. Es fehlt eine Handgranate, welche bis zur Betätigung der Zündvorrichtung absolut explosionssi- cher ist, nach dem Entsichern unter allen Umständen noch eine gewisse, wählbare Zeitspanne gesichert bleibt und dann frühestens beim Aufschlag, spätestens aber nach Ablauf einer weitem Zeitspanne mit grösst- möglicher Sicherheit zur Explosion kommt.
Der den Gegenstand der vorliegenden Erfindung bildende mechanische Momentanzünder verleiht der Handgranate die gewünschten, vorerwähnten Eigenschaften. Er ist erfindungsgemäss gekennzeichnet durch - ein am Handgranatengehäuse ortsfest verankertes, mit einer Zündspitze versehenes Halteglied, - einen an diesem Halteglied schwenkbar gelagerten, mit einer Sprengkapsel ausgerüsteten Uhrwerksmecha- nismus, - eine von der Aussenseite des Handgranatengehäu- ses lösbare Arretiervorrichtung,
welche den Uhrwerks- Mechanismus in seiner Ruhelage sichert - ein das Halteglied mit dem Uhrwerksmechanismus verbindendes elastisches Zugorgan - sowie ein vom Uhrwerksmechanismus angetriebene, rotierendes Sicherungselement, das den Uhrwerks- Mechanismus in seiner Ruhelage sichert und mit einer am Halteglied angeordneten Kurvenbahn zusammenwirkt und dadurch bei seiner Rotation, nach dem Entsichern der Arretiervorrichtung, den Uhrwerksmecha- nismus freigibt,
so dass dieser nach Überschreiten einer durch die Anordnung des elastischen Zugorgans bestimmten labilen Zone durch das genannte Zugorgan gegen das Halteglied gezogen wird und dadurch die Zündspitze in die Springkapsel eindringt.
Auf der beiliegenden Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel des Erfindungsgegenstandes veranschaulicht.
Fig. 1 ist ein Längsschnitt durch den Oberteil einer Handgranate und die Fig.2 bis 13 zeigen Einzelheiten des Zündmecha- nismus.
Der in Fig.1 dargeI-tellte Oberteil einer in ihrer Gesamtheit mit 1 bezeichneten Handgranate weist eine auf dem Sprengladungsbehälter 2 aufsitzende Grundplatte 3 auf, welche ihrerseits einen aufsteckbaren Deckel 4 trägt. Auf einem senkrecht aus der Grundplatte nach oben ragenden Stift 5 ist schwenkbar ein Halteglied 6 angeordnet, an welchem ein Uhrwerksme- chanismus 7 ebenfalls schwenkbar gelagert ist. Letzterer umfasst ein an sich bekanntes aufziehbares Uhrwerk, das der Übersicht halber nur schematisch angedeutet ist.
In das Rad 8 dieses Uhrwerks ragt eine von aussen durch den Deckel 4 einsteckbare Arretiervorrichtung 9, deren grundsätzlicher Aufbau aus den Fig. 3 und 4
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hervorgeht. Der in Fig. 3 im Horizontalschnitt dargestellte Deckel 4 besitzt eine Einbuchtung 10, an deren Innenseite ein Schlitz 11 vorgesehen ist.
In die genannte Einbuchtung ragt von aussen ein in seiner Form der Einbuchtung 10 angepasster Knopf 12, welcher sich nur unter überwindung der Gegenkraft zweier Federn 13 in die Einbuchtung 10 eindrücken lässt, wobei sich die Federn 13 auf der Innenwand der Einbuchtung 10 abstützen und den Knopf 12 ständig aus der Einbuchtung herauszudrücken trachten. Ein am Knopf 12 angebrachter Riegel 14 ragt in der Einstecklage des Knopfes in eine im Rad 8 vorgesehene Nut 15, womit das Rad 8 und mit diesem der gesamte Uhrwerksmechanismus blockiert ist.
Der Knopf 12 weist des weitern eine Bohrung 16 auf, welche in der Einstecklage des Knopfes mit einer im Oberteil des Deckels 4 vorgesehenen Bohrung 17 fluchtet. Durch die beiden Bohrungen 16 und 17 lässt sich ein Arretie- rungsbolzen 1.8 stecken, der einerseits eine Längsnut 19 (s. auch Fig.4), andererseits an seinem Oberteil einen schwenkbaren Sicherungsbügel 20 aufweist. Der Sicherungsbügel 20 lässt sich nach dem Einstecken des Bolzens 18 entgegen der Pfeilrichtung in Fig.4 in einen am Oberteil des Deckels 4 vorgesehenen Schlitz 21 einführen, wobei die Drehbewegung des Bügels 20 durch Anschlag gegen eine vertikale Wand 22 begrenzt ist.
Bei Erreichen der in Fig. 4 dargestellten Lage des Bügels 20 rastet in dessen Nut 19 ein in die Bohrung 16 des Knopfes 12 hineinragender Stift 23, der ein ungewolltes Verdrehen des Bolzens 18 verhindert. Soll der Bolzen zwecks Entsicherung des Arretierungsknop- fes 12 verschwenkt werden, so ist es erforderlich, den Knopf 12 in die Ausnehmung 10 hineinzudrücken.
Dann erst ist es möglich, den Bügel aus dem Schlitz 21 herauszuschwenken und den Bolezn 18 aus den beiden koaxialen Bohrungen 17 und 16 herauszuziehen, worauf der Knopf 12 unter dem Druck der Federn 13 aus der Ausnehmung 10 herausschnellt und den Uhrwerksmechanismus entsichert.
Auf der Grundplatte 3 ist mittels des Stiftes 5 und eines Arretiernockens 24 das Halteglied 6 befestigt, an welchem wiederum der Uhrwerksmechanismus 7 schwenkbar angelenkt ist. Der Uhrwerksmechanismus 7 umfasst ein zwischen zwei Begrenzungsplatten 25 und 26 (Fig.6) angeordnetes Uhrwerk. Die mit dem blockierbaren Rad 8 starr gekuppelte Hauptwelle 27 ragt in die Platte 26 hinein, in welcher sie gelagert ist. Ein an der Welle 27 exzentrisch befestigter Stift 28 ragt über die Oberkante der Platte 26 hinaus und vollführt bei Drehung der Welle 27 eine kreisende Bewegung um die Wellenachse.
Am schmälern Ende des nahezu birnenförmigen Uhrwerksmechanismus ist eine Aufnahmebohrung für eine Sprengkapsel 29 angebracht, an welche sich eine Zwischenladung 30 an- schliesst. Die Aufgabe dieser Zwischenladung 30 besteht in der Weiterleitung des von der Sprengkapsel 29 ausgehenden Zündimpulses an die im Behälter 2 (Fig.1) untergebrachte Sprengladung. An jeder der beiden Begrenzungsplatten 25 und 26 ist ein Drehzapfen 31 bzw. 32 befestigt. Diese beiden Drehzapfen liegen koaxial übereinander und passen in zwei entsprechende Ausnehmungen 31a bzw. 32a (Fig.7), welche in dem Halteglied 6 vorgesehen sind.
Das Halteglied 6, das in Fig. 7 im Schnitt dargestellt ist, weist einen U-förmigen gebogenen Rahmen mit zwei ungleichen, parallelen Schenkeln 33 und 34 auf. Innerhalb dieses Rahmens sind ein Stift 35 und eine Hülse 36 angeordnet, die sich somit von einem Schenkel (33) zum gegenüberliegenden (34) erstrecken.
Der Stift 35 trägt eine in Form einer Stahlspitze-ausge- bildete Zündspitze 37; die Hülse 36 lässt sich über den Stift 5 (Fig. 1) des Deckels 3 schieben, wobei eine im Schenkel 34 vorgesehene Bohrung 34' in den Arretie- rungsnocken 24 eingreift und das Halteglied 6 somit unverrückbar auf dem Deckel 3 sichert. Der längere Schenkel 34 läuft in. einen Steuernocken 38 aus, dessen Form und Funktion nachstehend noch eingehend erläutert werden.
Das Halteglied 6 lässt sich somit mittels der Hülse 36 auf den Stift 5 der Grundplatte aufschieben, wonach der Uhrwerksmechanismus 7 mit seinen beiden Drehzapfen 31 und 32 in die Ausnehmungen 31a und 32a des Haltegliedes geschoben werden kann. Der Abstand a der beiden Schenkel 33 und 34 (Fig. 7b) ist so gewählt, dass er das Einschieben des Uhrwerksmechanismus mit einem geringen Spiel gestattet. Die Höhenanordnung der Zündspitze 37 an dem Stift 35 entspricht im zusammengebauten Zustand der beiden Teile 6 und 7 genau derjenigen der Zündkapsel 29 (Fig. 5) so dass die Spitze bei einer Relativbewegung der Teile 6 und 7 genau in die Zündkapsel eindringt (s. Fig. 2).
Fig. 8 zeigt einen Schnitt durch die beiden zusammengebauten Teile 6 und 7. Die Hülse 36 dient gleichzeitig der Verankerung einer Spiralfeder 39, deren anderes Ende an einem Zapfen 40 des Uhrwerksme- chanismus angreift. Das Zusammenwirken dieser Feder mit dem Stift 28 (Fig.5) und dem Steuernocken 38 (Fig. 7a) ergibt nun die charakteristischen Bewegungen und Stellungen der Zündeinrichtung, die nun anhand der folgenden Figuren beschrieben seien.
Beim Aufstecken des Haltegliedes 6 auf den Uhrwerksmechanismus 7 umgreift der hakenförmig ausgebildete Steuernocken 38 den Drehstift 28 (Fig.9). In der in Fig. 9 dargestellten gegenseitigen Lage der beiden Teile 6 und 7 ist keine Relativbewegung möglich, da das Halteglied einerseits durch den Stift 28 an einer Drehbewegung um die Achse 31-32 gehindert wird und andererseits auch die Feder 39, deren Angriffslinie ja seitlich der Achse 31-32 liegt, die Teile auseinanderhält.
Wird nun das Uhrwerk durch Entsichern der vorher beschriebenen Arretiervorrichtung in Gang gebracht, so bewegt sich der Stift 28 in Pfeilrichtung (Fig.10) auf einer Kreisbahn, wobei er die durch A-B-C-D bezeichneten Winkelstellungen durchläuft.
Solange sich der Stift auf der Strecke A-B befindet, ist eine Zündung noch unmöglich, da das Ineinan- dergreifen von Stift 28 und Steuernocken 38 keine unerwünschte Relativbewegung der Teile 6 und 7 zu- lässt.
Sobald der Stift die Winkelstellung B erreicht, kann sich der Uhrwerksmechanismus theoretisch frei bewegen. Die Teile 6 und 7 sind aber immer noch durch die Zugfeder 39 gegeneinander verspannt, so dass eine Drehbewegung des Uhrwerksmechanismus nur dann möglich wäre, wenn. die Zugfeder aus ihrer stabilen Lage (Fig. 8) herausgebracht würde. Dies ist aber beim Aufschlag der Handgranate der Fall.
Durch den Aufprall wird der Uhrwerksmechanismus entweder direkt oder durch Rückprall (s. Fig. 13, Pfeil A oder B) über seine labile Lage hinausgestossen und dann von der Feder 39, deren Wirkungslinie nun die Achse 31-32 passiert hat und inbezug auf Fig. 9 jenseits dieser Achse liegt, gegen das Halteglied- gezogen. Die
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Ansprechempfindlichkeit des beschriebenen Mechanismus beim Aufprall ist relativ gross, da der ganze Mechanismus am Granatgehäuse nur durch die Achse 36 befestigt ist und die Massen der Teile 6 und 7 genau aufeinander abgestimmt sind.
Bei sehr weichem Aufprall im Gras, Schnee, Wasser etc. kann der Fall eintreten, dass die labile, die Achse 31-32 kreuzende Lage der Feder 39 nicht überschritten wird und die Zündung daher unterbleibt. Dann setzt der Stift 28 (Fig. 10) seine kreisende Bewegung fort, bis er bei Erreichen der Winkelstellung C gegen den Steuernocken 38 stösst und bei seiner weiteren Bewegung in Richtung D eine zwangsläufige Relativbewegung zwischen den Teilen 6 und 7 bewirkt, die dann unweigerlich zur Zündung führt.
Bei der in Fig.12 veranschaulichten Lagerungs- und Transportstellung befindet sich die Sprengkapsel 29 mit der Zwischenladung 30 von dem in die Sprengladung hineinragenden Detonator 40 getrennt, so dass eine vorzeitige Zündung ganz ausgeschlossen ist. Erst nach dem Umklappen des Uhrwerksmechanismus in die Lage nach Fig. 11 kommen die Sprengkapsel und die Zwischenladung direkt über den Detonator 40 zu liegen.
Durch die Verwendung des Uhrwerks, das in ähnlicher Ausführung auch in Artilleriegeschossen eingebaut wird, ergibt sich eine grosse Sicherheit bei der Lagerung, beim Transport und beim Wurf. Abgesehen von der Sprengkapsel enthält der Zündmechanismus keinerlei pyrotechnischen Teile. Die Momentanzün- dung erfolgt auch bei relativ schwachem Aufprall mit grosser Sicherheit. In Ausnahmefällen, in denen sich der Aufprall als zu schwach erweist, zerstört sich die Granate automatisch nach Ablauf einer vorbestimmten Zeitspanne.
Die Handhabung der beschriebenen Handgranate sei nun nachstehend kurz erläutert.
Bei der Lagerung und während des Transports ist die Granate gesichert. Die Arretierungsvorrichtung befindet sich in der in Fig. 1 und 4 gezeigten Lage und blockiert mit dem Riegel 14 das Rad 8 des Uhrwerks. Kurz vor dem Wurf wird der Knopf 12 etwas einge drückt, so dass der Bolzen 18 und mit ihm der Bügel 20 in Pfeilrichtung (Fig.4) verschwenkt werden und abgezogen werden kann. Die Hand umfasst dabei ständig den Knopf 12 und hindert diesen am Herausfallen. Im Augenblick des Wurfes wird der Knopf 12 durch die Federn 13 (Fig. 3) ausgeworfen und das Uhrwerk setzt sich in Gang.
Während der ersten Sekunden des Fluges kann eine vorzeitige Zündung, selbst beim Auftreffen der Granate auf Hindernisse (Bäume etc). nicht eintreten, da die Teile 6 und 7 gegeneinander verriegelt sind. Erst nach Ablauf einer weiteren, vorbestimmten Zeitspanne gestatten Stift 28 und Steuernocken 38 (Fig. 10) eine Relativbewegung der Teile 6 und 7, die im Normalfalle durch den Aufprall auch ausgelöst wird. Tritt dieser Fall nicht ein, dann erfolgt die zwangsläufige Explosion nach Ablauf eines weiteren Zeitintervalls, beispielsweise circa eine Sekunde nach dem Aufprall.