Verfahren zur Entfernung von Proteinen und deren Zersetzungsprodukten aus derartige Stoffe und emulgiertes Öl und/oder Fett enthaltendem Abwasser
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Entfernung von Proteinen und Zersetzungsprodukten, wie Polypeptiden und Aminosäuren, aus derartige Stoffe enthaltendem Abwasser, gegebenenfalls unter Ausnützung der Proteine oder deren Zersetzungsprodukte bei gleichzeitiger Zersetzung der vorliegenden Emulsion aus öl und 1 oder Fett im Abwasser.
Abwasser, welches während der zur Bildung desselben führenden Prozesse gegebenenfalls mehr oder weniger von Polypeptiden, Aminosäuren oder anderen stickstoffhaltigen Stoffen zersetzte Proteine enthält, kommt bei zahlreichen Industrien vor, beispielsweise in der Form von sog. Leimwasser aus Molkereien, Metzgereien, Fischmehlfabriken, Kartoffelmehlfabriken, Transiedereien und anderen Industrien. Auch übliches Hauswirtschafts-Abwasser kann nebst Fett oder öl einen bedeutenden Proteingehalt aufweisen. Ein Abführen derartigen Abwassers zu natürlichen Aufnehmern, wie Wasserabläufe, Seen, Teiche und sogar an die See, jedenfalls in enge Fahrwasser, wie Fjorde und Sunde, kann schädlich sein, weil das Abwasser u.a. einen hohen biologischen Sauerstoffverbrauch hat.
Dieser ist darauf zurückzuführen, dass die mittels Mikroorganismen, wie Bakterien, erfolgende Zersetzung der organischen Stoffe des Abwassers Sauerstoff bedarf. Reichliche Abwassermengen oder reichlicher Abwassergehalt an organischen Stoffen stellt daher hohe Anforderungen an den Sauerstoffgehalt des Aufnehmers, und diese können so gross werden, dass der Sauerstoffgehalt derart reduziert wird, dass die natürliche Fauna und Flora darunter leidet. Der Fischbestand kann stark darunter leiden, und es kommt nicht selten vor, dass die Fische in derartigen Aufnehmern sterben, weil das Abwasser hineingeleitet wird. Dieser Nachteil wird oft durch Verwendung von mechanischen oder wirksamen, jedoch sehr kostspieligen biologischen Filtern reduziert.
Diese Filter leisten die beste Arbeit, wenn der Proteingehalt, d.h. der Gehalt von organisch oder komplex gebundenem Stickstoff, verhältnismässig niedrig ist. Ein hoher Gehalt von Proteinen oder organisch gebundenem Stickstoff dürfte die Bakterienflora des biologischen Filters hemmen. Dasselbe macht sich geltend, falls anstatt üblicher biologischer Reinigung die Reinigung durch Gärung anderer organischer Komponenten des Abwassers als der Proteine, nämlich der Kohlenhydrate mittels Gärungsorganismen vorgenommen wird.
Es ist daher wichtig, Proteine und ähnliche Substanzen aus dem Abwasser zu entfernen, auch wenn dasselbe einer biologischen Behandlung unterworfen werden soll, sei es mit aktivem Schlamm in einer biologischen Reinigungsanlage oder durch Gärung mit einem geeigneten Organismus. Dazu kommt dass die Proteine im Abwasser einen nicht geringen Wert darstellen, da sie u.a. für Futterstoffe und in gewissen Fällen sogar zur Gewinnung reiner Aminosäuren verwendet werden können.
Es wurde bereits vorgeschlagen, Ligninsulfonsäure zum Ausfällen von Proteinen oder ähnlichen Substanzen aus Abwasser zu verwenden. Mit Ligninsulfonsäuren sind an sich gute Ergebnisse erzielt worden. Sie haben auch den Vorteil, dass sie in grossen Mengen verhältnismässig preiswert und leicht zugänglich sind, da sie in sehr hohem Ausmass in Sulfitlauge vorkommen und daraus in relativ reiner oder veredelter, zum Ausfällen von Proteinen in Abwasser verwendbarer Form gewonnen werden können. Die Ligninsulfonsäure haben indes den Nachteil, dass sie nicht ganz so wirksame Ausfällungsmittel für Proteine sind, wie erwünscht. Gewisse Aminosäuren lassen sich überhaupt nicht mittels Ligninsulfonsäuren ausfällen.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist nun ein wirksames Verfahren zur Entfernung von Proteinen und deren Zersetzungsprodukten aus derartige Stoffe u. emulgiertes öl und/oder Fett enthaltendem Abwasser, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass die Proteine und deren eventuelle Zersetzungsprodukte in saurer Flüssigkeit mittels einer oder mehreren Verbindungen aus der Gruppe der sauren Schwefelsäureester aliphatischer Alkohole mit einem Molekulargewicht von mindestens 200 u.
der unsubstituierten oder mit einer oder mehreren Alkylgruppen substituierten Arylsulfonsäuren und deren Salzen ausgefällt werden, worauf das niedergeschlagene, aus Komplexen von Protein und/oder Zersetzungsprodukten desselben und Fällungsmittel bestehende Produkt abgetrennt wird.
Die Abtrennung kann dabei mittels üblicher mechanischer Mittel, wie Abschabung, Flotation und Zentrifugie- rung, erfolgen.
Es hat sich erwiesen, dass hierbei eine sehr wirksame Befreiung der Proteine im Abwasser erzielt wird, und dass die Proteine, falls erwünscht, später ausgenützt werden können. Von Proteinen und dgl. befreites Abwasser kann danach, wenn erwünscht, nach für Abwasser bekannten Methoden weiterbehandelt werden.
Das Fällungsmittel kann dem Abwasser auf unter- schiedliche Weise zugesetzt werden. Es kann somit einfach in einen Abwasser enthaltenden Behälter geschüttet werden. Am zweckmässigsten ist es indes, eine sog. Leitungsmischung vorzunehmen, d.h. dass in einer Förderlei- tung für Abwasser ein geeignetes Mischorgan einführt, wo das Fällungsmittel in flüssiger Form zugesetzt wird.
Ein gegebenes Abwasser wird normal eine relativ gleich- bleibende Zusammensetzung aufweisen, insbesondere einen relativ gleichbleibenden Proteingehalt. Man kann somit aufgrund seiner Zusammensetzung die Fällungsmit- telmenge nach Volumeneinheit derart berechnen, dass nur geringe Justierungen vorgenommen werden müssen.
Diese Justierungen können aufgrund der Unklarheit des Abwassers nach Zusatz des Fällungsmittels, aufgrund des pH-Wertes oder der Leitfahigkeit des Abwassers mit zugesetztem Fällungsmittel oder andersweise erfolgen. Es ist zu bemerken, dass es von Bedeutung ist, dass genügend Fällungsmittel zum Ausfällen des gesamten Proteins zugesetzt wird. Ein Fällungsmittelüberschuss richtet dagegen an sich keinen weiteren Schaden an als eine Verteuerung des Prozesses. Zweckmässigerweise wird dem Fällungsmittel Säure, vorzugsweise starke Mineralsäure, insbesondere Schwefelsäure oder Salzsäure, in solchen Mengen zugesetzt, dass der erwünschte Säuregrad erzielt wird.
Erfindungsgemäss hat es sich erwiesen, dass die Fällung am besten bei pH 3-4,5, und besonders zweckmässig bei pH 3,5 durchgeführt wird. Falls Fällungsmittel und Säure gemeinsam zugesetzt werden, kann deren Mengenverhält- nis gegenseitig angepasst sein, wobei die Zusatzrate nach dem pH-Wert der Mischung aus Abwasser und Fällungs mittel derart geregelt wird, dass der pH-Wert laufend festgestellt und durch Fluktuation durch Regelung der Menge zuzusetzender Mischung von Säure und Fällungsmittel geregelt wird.
Bei Verwendung von Aryl- oder Alkylarylsulfonsäuren ist es ohne Bedeutung, ob sie in der Form von Säuren oder Sulfonaten (Salzen derselben) verwendet werden, da die freien Aryl- oder Alkylarylsulfonsäuren in der stark Sauren Mischung freigesetzt werden. Als Salze kann man beispielsweise Natriumsalze verwenden, während Ammoniumsalze im allgemeinen nicht verwendet werden sollen, da sie die Bildung von Amiden bewirken können.
Als Beispiele für Arylsulfonsäuren können Benzol- sulfonsäure, Naphthalinsulfonsäure, Naphthalinmethansulfonsäure und Naphthalindisulfonsäure erwähnt werden, wobei die Arylsulfonsäure gegebenenfalls mehr als eine Sulfonat- oder Sulfonsäuregruppe im Molekül enthalten können. Als Beispiel von Alkylarylsulfonsäuren worin die Alkylketten gerade oder verzweigt sind, kann Dodecylbenzolsulfonsäure erwähnt werden.
Als Saure Schwefelsäureester mit einem Molekularge- wicht von mindestens 200 können solche di-, tri- oder polyvalenter aliphatischer Alkohole mit gerader oder verzweigter Kohlenstoffkette verwendet werden. Das Molekulargewicht soll mindestens 200 sein, weil das Molekül sonst zu klein ist, um eine Ausfällung zu bewirken, wenn es sich mit dem Protein gebunden hat. DieVerwendbarkeit von Sauren Schwefelsäureestern ist darauf zurückzuführen, dass sie mit Aminosäuren, Peptiden oder Proteinen reagieren, indem sich die Sulfatgruppe mit der ba sischen Gruppe der Aminosäure, des Peptids oder Proteins verbindet. Die Sauren Schwefelsäureester haben den Vorteil gegenüber Ligninsulfonsäure, dass sie imstande sind, von den Ligninsulfonsäuren nicht ausfällbare Aminosäuren auszufällen.
Als Beispiele der Sauren Schwefelsäureester mit einem Molekulargewicht von über 200 können Glyzerintrischwefelsäureester und teilweise oder völlig durch Schwefelsäure veresterte hexavalente Alkohole, oder Zucker erwähnt werden.
Einige Versuche zeigen die gute Ausfällungswirkung für Proteine und damit die gute Reinigungsfähigkeit für proteinhaltiges Abwasser mittels saurer Schwefelsäureester und Dodecylbenzensulfonsäure, alles im Vergleich zu Natriumligninsulfonat. Als Beispiel eines proteinhaltigen Abwassers wurde 1% w/v Blutalbumin in Wasser verwendet. Für jeden Versuch wurden 100 ml davon verwendet, und der pH-Wert wurde bei 3,5 gehalten. Ein Zeichen der Wirksamkeit der Wasserreinigung ist die KMnO-Zahl in dem nach Behandlung mit dem Fällungs mittel und Abfiltrierung des Bodensatzes erhaltenen Filtrat, weil die Reinigung wirksamer war, je niedriger die KMnO-Zahl im Bodensatz ist.
In der nachstehenden Tabelle sind Versuche aufgestellt, wobei nur solche mitzählen, bei denen die verwendete Menge Fällungsmittel, die in der Tabelle angegeben ist, die niedrigste KMnO4 Zahl der in Frage kommenden Verbindung ergab.
Hieraus ist zu ersehen, dass alle verwendeten Fällungsmittel nur sehr geringe Proteinmengen im Abwasser hinterliessen.
Die Sauren Schwefelsäureester haben den Nachteil gegenüber den Alkylarylsulfonsäuren, dass sie wesentlich teurer sind. Zur Erzielung einer Einsparung und gleichzeitig einer besseren Reinigung, die nach vorliegen- der Erfindung gegenüber Ligninsulfonsäure erreicht wird, kann man vorteilhaft Dodecylbenzolsulfonsäure als Aryl sulfonsäure verwenden.
TABELLE I
100 ml 1% wiv Blutalbumin nach Ausfällung bei pH 3,5 Fällungsmittel KMnO4-Zahl Filtratgehalt an Protein in % Fällungsmittelmenge des Filtrats der ursprünglichen Proteinmenge Glycerintrischwefelsäureester 680 0,6 0,20 Dodecylbenzolsulfonsäure 650 0,5 0,36 Natriumligninsulfonat 850 0,2 0,48
Die Tatsache, dass Saure Schwefelsäureester und Aryl- oder Alkylarylsulfonsäuren niedrigere KMnO4-Zahlen ergeben als Ligninsulfonate, ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass sich Proteinmoleküle mit mehreten Kolonne der Tabelle ist diese Fällungsmittelmenge in Gramm angegeben, und in den Fällungsmittelgemischen sind die Brüche nach Gewicht berechnet. In der Tabelle bezeichnet Na-LS Natriumligninsulfonat und DBS Dodecylbenzolsulfonsäure.
TABELLE II Fällungsmittel KMnO4-Zaht Protein im Filtrat, % der Fällungsmittelmenge ursprünglichen Proteinmenge g NaLs 850 0,2 0,48 DBS 650 0,5 0,36 1/2Na-LS + 1/2DBS 480 0,2 0,40 1/2 Na-LS + 1/3 DBS + 1/6 Saurer Schwefelsäureester 150 0,1 0,40 ren Atomen der Ersteren als der Letzteren verbinden können, so dass kein Fällungsmittel-Überschuss in dem Filtrat vorkommt, ein Überschuss, der an sich die KMnO4-Zahl erhöhen würde. Ausserdem fällen sowohl die Alkylarylsulfonate als auch die Arylsulsulfonate gewisse Aminosäuren aus, die von Ligninsulfonsäuren oder -sulfonaten nicht ausgefällt werden.
Diese Umstände werden durch die vorstehende Tabelle II erläutert, die auch den Umstand erläutert, dass es sich erfindungsgemäss als besonders zweckmässig erwiesen hat, als Fällungsmittel ein Gemisch von einerseits einem oder mehreren Sauren Schwefelsäureeestem mit einem Molekulargewicht von über 200 und andererseits einer oder mehrerer Alkylarylsulfonsäuren oder -sulfonaten zu verwenden. In diesem Zusammenhang kann es ausserdem vorteilhaft sein, dass in das Fällungsgemisch eine oder mehrere Ligninsulfonsäuren oder Salze, vorzugsweise Natriumsalze zugegeben werden.
Bei dem Gemisch kombiniert man die besonders hohe Wirksamkeit der Sauren Schwefelsäureester als Reinigungsmittel fül proteinhaltige Abwässer mit dem relativ geringen Preis der Arylsulfonsäuren, wie aus der Tabelle I hervorgeht, auch sehr wirksame Proteinentfernungsmittel sind, jedoch eine etwas höhere KMnO4-Zahl als wirksamsten Sauren Schwefelsäureester ergeben, wobei die Arylsulfonsäuren nicht viel teurer als die Ligninsulfonsäure sind. Dadurch dass das Gemisch weiter mit Ligninsulfonsäure kombiniert werden kann erzielt man eine Ersparnis an Sauren Schwefelsäureestern. Trotzdem wird ein befriedigendes Ergebnis, insbesondere im Hinblick auf die KMnO4-Zahl, erzielt.
Es ist zu bemerken, dass die KMnO4-Zahl gewissermassen das Gleiche ausdrückt, wie der biologische Sauerstoffverbrauch des Filtrates (das von Proteinen und dergleichen befreite Abwasser).
Ausserdem kann es vorteilhaft sein, Gemische aus unterschiedlichen Fällungsmitteln mit unterschiedlichem Molekulargewicht zu verwenden, da dadurch grössere Sicherheit gewährt ist, dass sämtliche Proteine oder deren Zersetzungsprodukte mit variierendem Molekulargewicht ausgefällt werden.
Diese Umstände werden in der nachstehenden Tabelle II erläutert, wo in gleicher Weise und mit entsprechen- der Auswahl die Ergebnisse wie in Tabelle I gezeigt sind.
Zu jedem Versuch werden 100 ml 1%ige w/v Blutalbumin auflösung verwendet. In der Tabelle sind diejenigen Fällungsmittel-Mengen angegeben, welche die niedrige KMnO4-Zahl bei Verwendung des betreffenden Fällungsmittels oder Fällungsmittelgemisches ergaben. In der letz
Die Tabelle zeigt, dass Dodecylbenzolsulfonsäure eine bessere KMnO4-Zahl und eine etwas geringere Proteintrennung (die in allen Fällen sehr hoch ist) ergibt, als Natriumligninsulfonat bei einer geringeren Fällungsmit- telmenge, dass aber das Gemisch der beiden Mittel eine wesentlich niedrigere KMnO4-Zahl als jedes Mittel allein ergibt, und bei einer Fällungsmittelmenge, die geringer ist als der Durchschnitt der verwendeten Menge der beiden Fällungsmittel allein.
Schliesslich zeigt sie, dass ein Zusatz einer verhältnismässig geringen Menge von Lauryl- sulfat die KMnO4-Zahl bedeutend verbessert. Diese Kombination an Fällungsmitteln wird daher besonders vorgezogen.
Der erwähnte Umstand erklärt sich wahrscheinlich folgendermassen: Für alle Fällungsmittel F gibt es ein Löslichkeitsprodukt (eine Löslichkeitskonstante) L, wo L = KprOtKFn wo Protein Protein oder dessen Zersetzungsprodukt, Kprot die Proteinkonzentration und KFn die Fällungsmittelkonzentration bezeichnet, wobei sich n Moleküle Fällungsmittel mit einem Proteinmolekül verbinden. L hat unterschiedliche Grössen bei den verschiedenen Fällungsmitteln.
Es ist anzunehmen, dass der L-Wert der Ligninsulfonsäure
L1 = KprOtKLsn geringer als der L-Wert von Dodecylbenzolsulfonsäure L2 ¯ rKPl.orKDBSn ist, was im übrigen direkt aus den Versuchsergebnissen der Tabellen I und II zu ersehen ist.
Indes wird, wie ebenfalls aus diesen Tabellen hervorgeht, mit Dodecylbenzolsulfonsäure oder Laurylschwefelsäureester eine geringere KMnO-Zahl als mit Ligninsulfonsäuren erzielt, was formell darauf zurückzuführen ist, dass das gebildete Komplex von Protein und Dodecylbenzolsulfonsäure (oder Protein und Schwefelsäureester) mit der Formel Prot DBS, nach dem folgenden Schema weiterreagieren kann: Prot-DBSn + DBS + Prot-DBS,,1 (1) während die Reaktion Prot-LSn + LS Prot-LSn+1 (II) vermutlich nicht oder nur in sehr geringem Masse statt- findet.
Damit eine völlige Ausfällung der Proteine gewährleistet ist, muss man im allgemeinen zumindest einen geringen Fällungsmittelüberschuss zusetzen und dieser wird sich bei Ligninsulfonsäure im Filtrat zeigen und dessen KMnO4-Zahl oder biologischen Sauerstoffverbrauch (BOD-Wert) erhöhen, weil eben die Gleichung II nicht in nennenswertem Ausmass der Realität entspricht. Laut Gleichung I wird indessen ein Überschuss an Dodecyl- benzolsulfonsäure von dem in Bildung begriffenen Bodensatz aus Protein-DBS-Komplex gebunden und kommt somit nicht im Filtrat vor.
Unter gewissen Bedingungen kann es jedoch zweckmässig sein, Fällungsmittel im Überschuss zu verwenden, d.h. derart, dass ein Teil des Fällungsmittels in das Filtrat geht, anstatt sich mit den Proteinen und deren Zersetzungsprodukten zu verbinden und dadurch als Proteinfällungsmittelkomplex im Filterkuchen zu verbleiben. Das kann z.B. wünschenswert sein, wenn die Verhältnisse eine genaue Dosierung des Fällungsmittels schwierig machen, oder wenn besonders darauf Wert gelegt wird, dass das Protein völlig vom Abwasser entfernt wird. In solchen Fällen besteht jedoch, wie erwähnt, die Gefahr, dass der Restgehalt des Filtrats an organischer Substanz, z.B. nach KMnO4-Zahl oder BOD gemessen, höher als erwünscht wird.
In diesem Fall hat es sich als vorteilhaft erwiesen, dass man nach Entfernung des Bodensatzes aus Protein fällungsmittelkomplex, z.B. durch Filtrieren oder Zentrifugieren, den Fällungsmittelüberschuss aus dem Filtrat entfernt. Das erfolgt mittels Adsorption an ein sogenannt tes Jantzen-Filter, d.h. durch Adsorption an chromgegerb- tes Leder, vorzugsweise in Form von Abfallsspänen oder -schnitzeln. Praktisch wird die Behandlung derart durchgeführt, dass das Fällungsmittel im Überschuss, zweckmässigerweise im begrenzten Überschuss, dem Abwasser zugesetzt wird, worauf der niederschlagende Komplex aus Fällungsmittel und Protein und gegebenenfalls Peptiden und Aminosäuren auf einem üblichen Filter, z.B. einem Precoatingfilter, ausgeschieden wird, wonach das Filtrat durch das beispielsweise etwa 20 cm starke Jantzen-Filter geleitet wird.
Die nachstehende Tabelle III, die etwa wie die Tabellen I und II aufgestellt ist, zeigt, wie extrem niedrige KMnO4-Zahlen (oder BOD) erzielt werden können. Die Versuche wurden wie früher mit 1%igem w/v Blutalbumin bei pH 3,5 mit den in den Tabellen angegebenen Fällungsmitteln oder Fällungsmittelgemischen durchgeführt.
In der letzten Kolonne der Tabelle ist angegeben, ob ein Jantzen-Filter verwendet wurde oder nicht. In der Tabelle sind dieselben Abkürzungen für alle Fällungsmittel wie in Tabelle II verwendet.
TABELLE III Fällungsmittel Menge g Protein im Filtrat, % der KMnO4-Zahl Jantzen-Filter ursprünglichen Menge im Filtrat verwendet Na-LS 0,48 0,2 850 nein Na-LS 0,55 0 450 ja Na-LS 0,60 0 480 ja DBS 0,36 0,5 650 nein DBS 0,45 0,1 480 ja DBS 0,50 0 400 ja 2/3 Na-LS + 1/3 DBS 0,40 0,2 500 nein 2/3 Na-LS + 1/3 DBS 0,45 0,1 400 ja 2/3 Na-LS + 1/3 DBS 0,50 0 250 ja 1/2 Na-LS + 1/3 DBS + 1/6
Schwefelsäureester 0,40 0,1 150 nein 1/2 Na-LS + 1/3 DBS + 1/6
Schwefelsäureester 0,45 0 90 ja 1/2 Na-LS + 1/3 DBS + 1/6
Schwefelsäureester 0,50 0 90 ja
Die proteinreichen beim Abscheiden der niedergeschlagenen Komplexe erhaltenen Substanzen können zur Herstellung von Futterstoffen verwendet werden.
Sie lassen sich auch als Pelletiermittel für andere Futterstoffe verwenden, da sie klebrige Eigenschaften besitzen und ausserdem selbständigen Futterwert aufweisen. Sie können ausserdem z.B. bei der Herstellung von Sperrholz- oder Spanplatten als Leim verwendet werden und bilden einen billigeren Leim mit höherer Klebefähigkeit als üblicher Proteinleim.
Für Verwendung als Futter kann der pH-Wert des Produkts zweckmässigerweise auf etwa 6-8 eingestellt werden, z.B. mittels Ammoniak. Nach der pH-Regelung wird das Produkt vorzugsweise getrocknet, z.B. auf einer Trokkentrommel, mittels Zerstäubung oder durch Walzentrockner. Besonders geeignet ist ein Trockenturm, wo mittels Zerstäubung getrocknet wird. Dabei wird eine günstige Partikelgrösse erzielt, so dass man das Produkt nicht mahlen muss.
Wie oben erwähnt, können mit Vorteil Fällungsmittel von unterschiedlicher Partikelgrösse (und mit unterschied lichem Molekulargewicht verwendet werden, wodurch gewährt wird, dass sämtliche verschiedenen Proteine ausgefällt werden. Zweckmässig werden verhältnismässig hochmolekulare Fällungsmittel für kleine Proteinmoleküle und Peptide mit kurzen Ketten und Aminosäuren und aber niedrig-molekulare Fällungsmittel für grössere Proteinmoleküle verwendet. Dadurch wird gewährleistet dass das niedergeschlagene Produkt stets eine genügende Partikelgrösse aufweist, so dass es von Filtern aufgefan- gen oder in Zentrifugen abgetrennt werden kann.
Das erfindungsgemässe Verfahren soll nachstehend durch einige Ausführungsbeispiele erläutert werden.
Beispiel I
Zu 100 ml Blutwasser, welches 0,8 g Trockensubstan- zen und davon 0,64 g Protein enthält, wurde kontinuierlich 0,13 g einer folgendermassen hergestellten Alkylarylsulfonsäuremischung beigegeben: 100 g Alkylbenzol, worin die Alkylgruppen verzweigt und 12-18 Kohlenstoffato- me (durchschnittlich 13,8) enthalten sind und das unter dem Namen Esso Alkylbenzol verkauft wird, wurden mit 60 g konzentrierter Schwefelsäure gemischt und wäh rend 3 Stunden zu 1000C erhitzt; nur 10% der beige- mischten Schwefelsäure blieb frei zurück. Die Sulfonsäure- mischung enthielt 65% Paraverbindung, 9% Orthoverbindung und 26% Disulfonsäure.
Falls erforderlich (falls die Schwefelsäuremenge im Alkylarylsulfonsäuregemisch unzulänglich ist), wurde Schwefelsäure bis zu einem pH Wert von 2.5-4,5, vorzugsweise 3,5, zugesetzt. Es entstand 0,70 g Niederschlag, wobei 0,60 g Protein und 0,10 g Alkylbenzolsulfonsäure waren. Der Niederschlag wurde mittels Zentrifugieren, gegebenenfalls nach vorhergehender Sedimentierung, abgetrennt. Falls der Niederschlag als Futterstoff verwendet werden sollte, wurde vor dem Trocknen ein pH-Wert zwischen 6 und 8 eingestellt.
Zum Vergleich kann angeführt werden, dass bei Verwendung von Ligninsulfonsäure als Fällungsmittel 0,75 g Niederschlag entsteht, bestehend aus 0,16 g Ligninsulfonsäure und 0.59 g Protein.
Proteinprozent: 85,5 Crc mit dem Alkylarylsulfonsäuregemisch 78,5 % mit Ligninsulfonsäure.
Beispiel 2
Bei einem Versuch in halbtechnischem Massstab wurde 6 m3 Abwasser von einer Kartoffelstärkefabrik, das 3 g stickstoffhaltige Verbindungen und 3 g reduzierbaren Zucker je Liter Wasser enthielt, mit insgesamt 1350 g Alkylarylsulfonsäuregemisch behandelt, wobei das letztere, wie im Beispiel 1 beschrieben, hergestellt war, d.h.
225 g pro m3. Die stickstoffhaltigen Verbindungen bestanden überwiegend oder ausschliesslich aus Proteinen und deren Zersetzungsprodukten, d.h. Polypeptidine mit grösserer oder geringerer Kettenlänge und Aminosäuren.
Bei der Beigabe des betreffenden Alkylarylsulfonsäuregemisches wurden die Proteine momentan ausgefällt und eine Aufschlämmung derselben gebildet. Die Aufschlämmung wurde durch ein Sandfilter filtriert, bei dem der Sand mit Kieselsäure belegt war, und eine geringe Menge des klaren Filtrats wurde durch das Filter zurückgeschwemmt, wobei eine im wesentlichen Grad konzentrierte Aufschlämmung gewonnen wurde, aus welcher die nieder- geschlagenen Proteine in bekannter Weise gewonnen und danach verwendet werden konnten.