Verfahren zum Steuern der Brunst von weiblichen Nutztieren
Die vorliegende Erfindung gehört zum Gebiet der Viehzucht und betrifft ein Verfahren zum Steuern der Brunst von weiblichen Nutztieren, insbesondere von Hornvieh, Pferden und Schweinen, welches Verfahren dazu dient, das Eintreten der Brunst der weiblichen Tiere in einem vorbestimmten Zeitpunkt zu bewirken.
Das Hervorbringen von Nachwuchs bei Nutztieren entsprechend ihres normalen Brunstzyklus ist mit praktischen Nachteilen behaftet, die auf dem Gebiet der Viehzucht schon seit langem bekannt sind. Beispielsweise wird durch die Ertragscharakteristik der Frühlingslärnmer der Preis des Frischlammes zu einer gewissen Jahreszeit gedrückt, während zu anderen Jahreszeiten kein Frischlamm erhältlich ist. Eine Verschiebung in der Wurfperiode des Mutterschafes zwecks Hervorbringung entweder eines Frühlammes oder eines Spätlammes wäre sehr wünschenswert. Ahnlicherweise ist das Werfen von Rennpferden zwischen 1. und 15.
Januar sehr erwünscht, jedoch nicht immer erreichbar.
In gewisser Hinsicht sind die Probleme der Zucht von Rindvieh besonders schwierig.
Die grosse Anzahl von Tieren (Rinder) und deren wirtschaftlicher Wert macht es notwendig, dass das Decken der Kühe und Rinder mit der kleinsten Anzahl hochqualifizierter Stiere durchgeführt wird. Durch die vorliegende Erfindung wird insbesondere ein Verfahren für Synchronisierung der Brunst in einer Gruppe von Kühen und Rindern geschaffen, so dass künstliche Besamung als Vermehrungsverfahren in der Rindviehzucht verwendet werden kann.
Die Anwendung künstlicher Besamung in der Viehzucht gehört heute zu einer Standard-Technik, ist aber in grossem Massstab auf Milchkühe oder auf andere unter Bewachung stehende Kühe beschränkt. Ganz allgemein muss die künstliche Besamung zeitlich genau auf die Brunstperiode der Kuh (Dauer etwa 14 Stunden) abgestimmt sein, sonst gelingt die Befruchtung nicht. Das heisst, das Tier muss täglich beobachtet werden. Milchkühe werden zwecks Melkens wenigstens zweimal pro Tag beobachtet, so dass hier festgestellt werden kann, wann die Brunst bei jeder Kuh der Herde auftritt. Die Dienste eines Besamers können in gegebenem Zeitpunkt bestellt werden. Ausserdem sind die Kühe einer Milchkuhherde im Gehege gehalten, und jede Kuh ist für eine Besamung ohne Schwierigkeit verfügbar. Eine Kuh, deren Brünstigkeit beim Morgenmelken festgestellt wurde, kann dann am Nachmittag besamt werden.
Eine Kuh, deren Brünstigkeit beim Abendmelken festgestellt wird, kann am nächsten Morgen besamt werden. Die allgemeinen Viehzuchtpraktiken in der Milchwirtschaft, einschliesslich z. B. das Halten der Tiere in einem verhältnismässig eng begrenzten Gehege, das zusätzliche Füttern der Tiere mit konzentriertem hochwertigem Futtermaterial und die starke Konzentration von Milchkuhherden in der Nähe von städtischen Zentren liegenden Milchverteilgebieten, haben zur Errichtung von Bezirken für künstliche Besamung und von regulären Routen in denselben ermuntert.
Hingegen war es in der Rindviehzucht im grossen Massstab nicht möglich, künstliche Besamung als Zuchtverfahren anzuwenden, demzufolge musste sie die wirtschaftliche Belastung durch Halten einer übermässig grossen Anzahl von Zuchtstieren tragen. Die Zustände, die die künstliche Besamung der Milchkühe in gro ssem Massstab ermöglichen, sind in der Rindviehzucht nicht vorhanden. Kühe und Rinder der Rinderherden sind normalerweise nicht im Gehege gehalten. Die vielen Herden sind weit zerstreut und werden routinemässig über weite Strecken des Weidelandes getrieben.
Die einzelnen Kühe und Rinder stehen nicht unter genauer Beobachtung, und die Zeichen der Brunst bleiben unbemerkt. Die Errichtung eines täglichen Besamungsdienstes in den ausgedehnten, dünn besiedelten Gebieten, wo das Rindvieh herumzieht, würde mit sehr hohen Kosten verbunden sein.
Wenn jedoch eine beträchtliche Anzahl Kühe und Rinder gleichzeitig in eine Fruchtbarkeitsperiode gebracht werden kann, wobei die Brunst mehr oder weniger gleichzeitig eintritt, kann die künstliche Besamungs technik in der Rindviehzucht wirtschaftlich angewendet werden. Besamungsmannschaften könnten im voraus bestellt werden, und grosse Mengen lebensfähiger Samen, aus einem tiefgekühlten Vorrat, können für je den vorbestimmten Ort erhältlich sein.
Durch das erfindungsgemässe Verfahren wird ermöglicht, dass der Zeitpunkt der Brunst von Nutztieren voraus bestimmt werden kann.
Ferner kann die Synchronisierung der Brunst einer grossen Anzahl von Kühen und Rindern erreicht werden.
Das erfindungsgemässe Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass dem Tier auf chirurgischem Wege ein einen Wirkstoff enthaltender Formkörper eingepflanzt wird, durch dessen Wirkung das Eintreten der Brunst verhindert wird, dass der eingepflanzte Formkörper zwecks kontinuierlicher Freigabe des Wirkstoffes für etwa 14-18 Tage im Tier gelassen wird, wobei der Formkörper so ausgebildet ist, dass er wenigstens 1S Tage lang kontinuierlich Wirkstoff freigibt, und dass der eingepflanzte Formkörper nach Ablauf der 14 bis 1 8tägigen Warteperiode auf chirurgischem Wege entfernt wird. wobei die brunstverhindernde Wirkung auf hört. wodurch als Reaktionserscheinung die Brunst gesteigert wird und deren Höhepunkt etwa 2-7 Tage nach dem Entfernen des Formkörpers eintritt.
Entsprechend einem bevorzugten Ausführungsbeispiel des Erfindungsgegenstandes wird dabei in eine grosse Anzahl von Zuchtkühen oder Rinder, z.B. in jedes Tier der Herde, je ein Formkörper der genannten Art gleichzeitig eingesetzt und gleichzeitig entfernt.
Danach wird die ganze Herde vom zweiten bis zum siebenten Tag nach dem Entfernen des Formkörpers täglich künstlich besamt. Es kann eine Besamung am 3., 4. und 5 Tag genügen. Die Kosten der künstlichen Besamung verteilen sich somit auf die grosse Anzahl von Kühen und Rindern der Herde, so dass die künstliche Besamung viel wirtschaftlicher ist als das bisherige Verfahren, bei welchem die Haltung einer grossen Anzahl Zuchtstiere für jede grosse Herde notwendig war.
Neben der Eliminierung der Kosten der Haltung einer Stierherde nur zwecks Zucht, wird durch die Synchronisierung der Brunst und durch die künstliche Besamung mit Samen von hochwertigen Zuchtstieren die Qualität der Kälber erhöht.
Nachdem die Tiere auf gewöhnliche Weise zusammengetrieben worden sind, gehen sie durch ein sich verengendes Gatter hinduch, wo die Einpflanzung des genannten Formkörpers in die einzelnen Tiere der Reihe nach mittels einfachen Einpflanzungsverfahren vorgenommen werden kann. Eine bevorzugte Einpflanzungstechnik, bei welcher ein chirurgischer Eingriff im mittleren Halsteil 2 bis 5 cm in Bauchrichtung gegen die Querfortsätze der Halswirbel zur Anwendung ge langt, besteht darin, dass ein waagrechter, geradliniger Einschnitt von etwa 4 cm gemacht wird, wobei nur die Haut durchgeschnitten wird. Danach wird ein Paar Gewebetrennzangen zwischen der Haut und der darunterliegenden Muskulatur eingesetzt etwa 4 cm tief in Bauchrichtung geschoben. Die Zangen werden dann ge öffnet, zwecks Bildung einer subkutanen Tasche für die Aufnahme des Formkörpers.
Danach werden die Zangen entfernt und der Formkörper in die subkutane Tasche eingesetzt. Die Wunde wird dann mit einer oder zwei Matratzennähten geschlossen. Wenn die Einpflanzung während der Fliegenzeit durchgeführt wird, sollte die Wunde gegen Schmeissfliegen-Plage geschützt werden. Das Tier wird dann aus dem Gatter freigelassen und kann wieder auf die Weide zurückkehren.
Zwecks Entfernens des Formkörpers, nach etwa 14 bis 18 Tagen, wird die Herde wieder zusammengetrieben und jedes Tier geht durch das sich verengende Gatter. Es wird ein zweiter Einschnitt durch die Haut gemacht, unmittelbar unter dem fühlbaren Formkörper. Dieser Einschnitt sollte halbmondförmig sein mit einem in Bauchrichtung zeigenden Scheitel. Die Umhüllung um den Rest des Formkörpers wird dann mit einem chirurgischen Haken oder mit einem Paar Gewebezangen ergriffen und aus seiner subkutanen Lage durch die Öffnung der Wunde hindurch entfernt. Die Wunde wird wiederum mit einer oder zwei Matratzennähten geschlossen, wobei eine Ausflussöffnung am Scheitel geschaffen wird, für den Fall, dass sich eine Entzündung entwickeln sollte.
Der verwendete, die Brunst verhindernde Wirkstoff (im allgemeinen ein Hormon) ist im Formkörper enthalten und kann aus einer grossen Anzahl von Materialien ausgewählt werden. Viele Progestine weisen diese Wirksamkeit auf. Nichtsteroide Materialien, z. B.
Stilböstrol und die mit diesem verwandten Stilben-Verbindungen, wirken auch brunstverhindernd. Solche Wirkstoffe bzw. Hormone sind bekannt, und sehr viele dieser Stoffe sind in grossen Mengen erhältlich, so dass kein bestimmter Stoff für die Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens bevorzugt wird.
Im folgenden wird eine Teilliste von Steroiden, die für die Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens geeignet sind, aufgeführt:
1. Chlormadinon-Acetat
2. Dimetisteron
3. Ethisteron
4. Hydroxyprogesteron
5. Hydroxyprogesteron-caproat
6. Medroxyprogesteron
7. Norethindron
8. Norethynodrel
9. Progesteron 10. 3-Äthylendioxy-17-Acetoxy-6-Methyl-
5-pregnen-20-on.
Ohne dazu gebunden zu sein, wird die Theorie aufgestellt, dass der Wirkstoff brunstverhindernd wirkt, indem er die schleimabsondernde Wirksamkeit unterdrückt und die Verschiebung der chromophilen Reihen der inneren Schleimdrüsen (Beta Varietät) in einen extremen Vorsekretionszustand mit einem Übermass von Sekretionsgranulaten verursacht. Dann, wenn der Formkörper entfernt wird und dabei die brunstverhindernde Wirkung plötzlich aufhört, wird als Reaktionserscheinung eine Überproduktion von gonadotropen Hormonen auftreten, die in einem aktiven Brunstausbruch innerhalb von 2-7 Tagen bei Kühen und meistens innerhalb von 3-5 Tagen bei Rindern resultiert.
Es sind von Tier zu Tier beträchtliche Unterschiede der minimalen, das Eintreten der Brunst verhindernden Dosen vorhanden. Ebenfalls sind Unterschiede in der Schnelligkeit, mit welcher der im Formkörper enthaltende Wirkstoff vom Organismus absorbiert wird, vorhanden. Die einzelnen Tiere reagieren ferner unterschiedlich auf das subkutane Vorhandensein des Formkörpers, der ja ein Fremdkörper ist. Um eine Synchronisierung der wesentlichen Gesamtdosis (z. B.
200 mg Steroid) zu erreichen, muss daher möglich ge macht werden, dass wenigstens die Absorption der minimalen Dosis, welche zur Verhinderung des Eintretens der Brunst notwendig ist, gesichert wird. Glücklicherweise wirkt die Absorption von aktiven Bestandteilen in wesentlich grösseren Mengen, als es notwendig wäre, für Kühe und Rinder (oder für andere Nutztiere) nicht schädlich. Das Vorhandensein eines wesentlichen Überschusses von aktiven Bestandteilen über die maximalen vom Tier während des 14-18 Tage dauernden Verbleibens des Formkörpers absorbierbaren Menge hinaus, ist für die Synchronisierung der Brunst verschiedener Tiere wichtig. Die erwünschte Synchronisierung der Brunst einer grossen Anzahl Kühe und Rinder wird durch im wesentlichen gleichzeitige Beendigung der medizinischen Einwirkung des Formkörpers bei jedem Tier erreicht.
Zusammenfassend: der Formkörper soll in der Regel für eine Wirkungsdauer ausgelegt sein, welche länger ist als das vorgesehene 14- bis 18tätige Verbleiben im Tier.
Nach dem Entfernen des den brunstverhindernden Wirkstoff enthaltenden Formkörpers gibt es einen günstigen Zeitpunkt für eine unmittelbare Reaktionserscheinung, wodurch ein aktiver Brunstausbruch bei allen Tieren hervorgerufen wird, welcher nun während einer vorbestimmbaren und gleichmässigen Periode, z. B.
während 2-7 Tage nach dem Entfernen des genannten Formkörpers, eintritt. Die oben erwähnten Unterschiede von Tier zu Tier bezüglich Absorptionsrate, Minimaldosis usw., resultieren dann nur darin, dass die Brunst mit einem Unterschied von einigen Tagen eintritt, z. B.
etwa innerhalb von 2-7 Tage nach Entfernen des Formkörpers, wobei bei Kühen und Rindern eine Zeitspanne innerhalb von 3-5 Tagen nach Entfernen des Formkörpers meistens viel genauer zutrifft. Eine solche kurze Zeitspanne bedeutet selbstverständlich einen bedeutenden Fortschritt gegenüber dem regellosen Eintreten der Brunst der einzelnen Tiere, welches normalerweise in einer Zuchtherde der Fall ist. Bei Kühen tritt die Brunst mit einer Periode von durchschnittlich 21 Tagen mehrfach auf, wobei jedoch diese Periode bei den einzelnen Tieren zwischen 18-24 Tagen variieren kann.
Dementsprechend stimmt der beim erfindungsgemässen Verfahren angewendete, aus der 14-18 Tage dauernden Veiweilperiode des Formkörpers im Tier und aus der 2-7 Tage dauerenden Warteperiode bestehende Zyklus annähernd mit einem normalen Zyklus des Tieres überein, was bei praktisch allen Tieren die Brunst etwas verzögert, wodurch vielleicht die Reaktionser scheinung erklärt werden kann.
Es wurde bereits auf die Notwendigkeit der verlängerten Wirkungsdauer des Formkörpers hingewiesen.
Dementsprechend muss aus den aktiven Bestandteilen ein Formkörper, welcher eine Zusammensetzung mit beschränkter Lösbarkeit aufweist, gebildet werden, um die gewünschte langsame Absorptionsrate zu erreichen.
Vorteilhafterweise sind viele der erhältlichen brunstverhindernden Wirkstoffe, beispielsweise die Steroide, verhältnismässig unlösbar in wässerigen Medien (z. B. Lymphe), wodurch die Bildung solcher Zusammensetzungen erleichtert wird. Ein zusätzlicher Faktor welcher berücksichtigt werden muss, besteht darin, dass durch die Notwendigkeit des endgültigen Entfernenes des Formkörpers folgende Anforderungen erfüllt sein müssen.
Erstens muss der Formkörper eine Art poröser Umhüllung aufweisen, welche zwecks Entfernens ergriffen werden kann (z. B. mit Zangen oder dergleichen), zweitens ist ein Formkörper erforderlich, welcher sich nicht auflöst und somit keine unabsorbierten Teilchen zurücklässt. Zweckmässigerweise kann der Formkörper eine scheibenförmige, ovale, kugelförmige oder würfelförmige Pille sein, wobei die aktiven Bestandteile in der äussersten Schicht der Pille konzentriert sind und der mittlere Teil oder Kern der Pille nur aus inerten Bestandteilen besteht. Ein verhältnismässig grosser inerter Kern schafft eine strukturelle Integrität der Pille und vermeidet, dass die Pille während der Verweilperiode im Tier aufgelöst wird. Durch das Entfernen der Umhüllung der Pille auf chirurgischem Wege wird damit der ganze restliche Teil derselben entfernt.
Ein bevorzugter Formkörper besteht aus einer scheibenförmigen Dreischichtpille aus gepresstem Pulver, in welcher der aktive Bestandteil nur in den zwei äusseren Schichten zweckmässigerweise in verdünnter Form vorhanden ist, während der grosse Kern der Pille nur inerte Bestandteile enthält. Die mittlere Schicht gibt der Pille einen genügend grossen Umfang, um ein Zerbrechen oder eine Fragmentierung während der Ver weilperiode im Tier zu verhindern. Wenn die Pille, welche eine poröse Umhüllung aufweist, in das Tier subkutan eingepflanzt ist, werden nur die äusseren Schichten der Pille mit Lymphflüssigkeit durchnässt, um den aktiven Bestandteil langsam, d. h. über die ganze Verweilperiode, freizulassen.
Die Umhüllung der Pille sollte eine nichtabsorbierende Traghülle sein, vorzugsweise aus Kunststoff, Edelmetall oder aus anderen nichtabsorbierbaren und nichtreizenden Materialien.
Anhand eines Beispieles wird die Zusammensetzung einer gepressten, scheibenförmigen Dreischichtpille beschrieben.
a) Zusammensetzung der oberen und unteren
Schichten der Pille (je Schicht)
Cholesterin 1001 mg
Aktiver Bestandteil (3-Athylen-
Aktiver Bestandteil (3 -Äthylendioxy-
1 7-acetoxy-6-methyl-5-pregnen
20-on) 100 mg Carhowax > (4000) (ein Polyäthylen-Glycol) 45 mg
Magnesiumstearat 5 mg
250 mg b) Zusammensetzung der Kernschicht
Cholesterin 2000 mg Carbowax: > (4000) 450 mg
Magnesiumstearat 50 mg
2500 mg
Es werden die obigen Zusammensetzungen mittels herkömmlicher Tablettierungseinrichtung in separaten Schichten gepresst, wobei die aktiven Zusammensetzungen in den äusseren Schichten angeordnet werden.
Wenn die scheibenförmigen Dreischichtpillen als Einpflanzkörper (mit poröser Polyäthylen-Umhüllung) für Kühe und Rinder verwendet werden, tritt die Brunst der ganzen Gruppe innerhalb einer Zeitspanne von 2-7 Tagen nach Entfernen des Einpflanzkörpers ein.
Es ist wünschenswert, dass die Kühe und Rinder für diese 2- bis 7tägige Zeitspanne vor dem Anzeichen des Eintretens der Brunst in Gehegen gehalten werden.
Durch die Benützung von mindestens einem sterilisierten Stier, welcher mit einem farbigen Zeichen auf der Brust versehen ist, kann zwecks anschliessender Besamung der Reihe nach genau angezeigt werden, wenn eine Kuh oder ein Rind brünstig wird. Jedoch ermöglicht der genaue bestimmte Zeitpunkt des Eintretens der Brunst der Tiere die Anwendung einer alternativen Art von Besamung aller behandelten Kühe und Rinder, beginnend mit dem zweiten Tag nach Entfernen des Einpflanzkörpers und andauernd während 3-5 Tage oder länger.
Während die vorliegende Erfindung in Verbindung mit künstlicher Besamung von Kühen und Rindern beschrieben wurde, versteht es sich von selbst, dass das erfindungsgemässe Verfahren auch für andere Nutztiere angewendet werden kann, und zwar auch dann, wenn eine genügende Anzahl männlicher Tiere zur Verfügung steht. Beispielsweise wird in der Schafzucht durch den Wert der Schafböcke für Wolleproduktion die Wichtigkeit von künstlicher Besamung vermindert.
Nichtsdestoweniger bietet die Anwendung des erfindungsgemässen Verfahrens gewisse Vorteile bezüglich des genau planmässig festgelegten Ablaufs der Schafzucht. Das Mutterschaf gelangt dann am Ende des Sommers von einem brunstlosen Zustand in einen mehrfachen Brunstzustand. Das Lamm wird fünf Monate später geboren. Ein wirtschaftlicher Vorteil entsteht für den Schafzüchter, welcher als erster oder als letzter Junge Lämmer auf den Markt bringt. Die Anwendung des erfindungsgemässen Verfahrens bei vielgebährenden Mutterschafen etwa um den 1. Septemper bewirkt, dass diese Gruppe von Mutterschafen bei ihrem ersten Brunstzyklus trächtig wird und die frühesten Lämmer gebärt, die später frühzeitig auf den Markt gebracht werden können.
Umgekehrt bewirkt die Anwendung des erfindungsgemässen Verfahrens bei jungen Mutterschafen, die noch nie geboren haben, im späten November eine verzögerte Befruchtung dieser Gruppe und resultiert in sehr späten Frühlingslämmern.
Als Nebeneffekt wird die Anzahl der in Hochsaison (etwa im März) geborenen Lämmer vermindert.
Das erfindungsgemässe Verfahren wurde ohne Hinweise auf alternative Techniken zum Beeinflussen der Brunst beschrieben. Frühere Bemühungen auf diesem Gebiet durch orale Verabfolgung (allerdings bei Menschen) sind bekannt. Jedoch sind orale Techniken bei Wiederkäuern. wie Schafe und Kühe, nicht anwendbar.
Die individuellen Unterschiede des Appetits und des Mehrfachmagens der Wiederkäuer bewirken die Verminderung der Wirkung der auf oralem Wege eingenommenen brunstverhindernden Medikamente zu einer Ungewissheit. Diese Nichtvoraussagbarkeit der Wirkung wird bei Massenfütterung der Tiere noch schlimmer.
Das Gedränge am Futtertrog (z. B. als Pickordnung bei Hühnern bekannt) bewirkt, dass die aggressiven Tiere die Futterzufuhr monopolisieren. Ängstliche Tiere können daher eine für eine genaue Dosierung nur ungenügende Futtermenge zu sich nehmen.
Andere Arten von Verabreichung von brunsthindernden Wirkstoffen an Muttertiere, z.B. intramuskulär, intravenös, subkutan, normalerweise in Pasten-, Flüssigkeit- oder in anderer Form, weisen den Nachteil auf, dass der Wirkstoff in nichtentfernbarer Form verabreicht wird und aktiv bleibt, bis die obgenannte Wirkung ausklingt. Diese Verabreichungsarten kennzeichnen sich durch das Fehlen von zeitlicher Abstimmung oder von Synchronisierung. Eine beabsichtigte plötzliche Beendigung der Medikation in einer Tiergruppe ist schwer zu erreichen.
Sogar bei nicht wiederkäuenden Tieren, z. B Pferde und Schweine, kann die Verabreichung eines entfernbaren Formkörpers mittels des erfindungsgemässen Verfahrens viel vorteilhafter sein als die Verabreichung auf oralem Wege. Pferde bilden eine verhältnismässig kleine, aber wichtige Gruppe zur Anwendung des erfindungsgemässen Verfahrens, und zwar weil es sehr erwünscht ist, dass die Fohlen zwischen 1. und 15. Janur geboren werden. Durch die Anwendung des erfindungsgemässen Verfahrens kann eine volle Brunstperiode bewirkt werden anstelle einer ersten stillen Brunst (die bei Stuten normal ist), welche vorbeigehen kann, ohne durch den Hengst bemerkt zu werden. Dadurch kann erreicht werden, dass die Fohlen zwischen 1. und 15. Januar geboren werden und nicht ein Zyklus (22 Tage) später, wenn normalerweise die volle Brunst eintreten würde.
Der bereits beschriebene Formkörper kann auch für Pferde angewendet werden. Eine reife Sau benötigt annähernd die Hälfte der Dosis einer Kuh, und die bereits beschriebene Zusammensetzung kann in einer Pille kleinerer Grösse angewendet werden. Für Schafe genügt ein Viertel der Dosis der Kuh.
PATENTANSPRUCH 1
Verfahren zum Steuern der Brunst von weiblichen Nutztieren, dadurch gekennzeichnet, dass dem Tier auf chirurgischem Wege ein einen Wirkstoff enthaltender Formkörper eingepflanzt wird, durch dessen Wirkung das Eintreten der Brunst verhindert wird, dass der eingepflanzte Formkörper zwecks kontinuierlicher Freigabe des Wirkstoffes für etwa 14-18 Tage im Tier gelassen wird, wobei der Einpflanzkörper so ausgebildet ist, dass er wenigstens 18 Tage lang kontinuierlich den Wirkstoff freigibt, und dass der eingepflanzte Formkörper nach Ablauf der 14- bis 1 8tägigen Warteperiode auf chirurgischem Wege entfernt wird, wobei die brunstverhindernde Wirkung aufhört, wodurch als Reaktionserscheinung die Brunst gesteigert wird und deren Höhepunkt etwa 2-7 Tage nach dem Entfernen des Formkörpers eintritt.
UNTERANSPRÜCHE
1. Verfahren nach Patentanspruch I, dadurch gekennzeichnet, dass in mehrere weibliche Tiere je ein den Wirkstoff enthaltender Formkörper gleichzeitig eingesetzt wird und dass die eingepflanzten Formkörper bei allen Tieren gleichzeitig entfernt werden, wodurch eine synchronisierte Brunst der so behandelten Tiergruppe erreicht wird.
2. Verfahren nach Patentanspruch I, dadurch gekennzeichnet, dass das weibliche Tier während der genannten 2-7 Tage dauernden Zeitspanne täglich künstlich besamt wird.
3. Verfahren nach Patentanspruch I, dadurch gekennzeichnet, dass in mehrere Kühe und Rinder je ein Formkörper der genannten Art gleichzeitig eingesetzt wird und dass die eingepflanzten Formkörper bei allen Tieren gleichzeitig entfernt werden, wodurch die Brunst der Gruppe synchronisiert wird, so dass die Brunst innerhalb der 2-7 Tage dauernden Zeitspanne auftritt.
4. Verfahren nach Unteranspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die genannten Kühe und Rinder wäh
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