Verfahren und Vorrichtung zum Aufbringen eines Fälzelstreifens auf die beiden Vorsatzbogen eines Buches oder einer Broschüre
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Aufbringen eines Fälzelstreifens auf die beiden Vorsatzbogen eines Buches oder einer Broschüre sowie eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.
Es ist bekannt, die Fälzelstreifen auf den Buchrücken aufzuleimen, wobei auf beiden Seiten der Fälzelstreifen um 90" gegen das Buch gepresst und mit den Vorsatzbogen, die vorgängig an den Buchblock angelegt wurden, verleimt wird.
Dieses Verfahren hat den Nachteil, dass die Vorsatzbogen beim Beschneiden oder Runden des Buchrückens angehoben werden müssen, damit der Falz nicht abgeschnitten oder beschädigt wird. Durch das Anheben der Vorsatzbogen tritt gelegentlich eine Verschiebung derselben ein, wodurch der Fälzelstreifen nicht einwandfrei angeleimt werden kann.
In der Folge wird die Form und die Haltbarkeit des Buches verschlechtert.
Die vorliegende Erfindung stellt sich die Aufgabe, ein Verfahren und eine Vorrichtung zu schaffen, um die Fälzelstreifen in gleichmässiger Überlappung an die Vorsatzbogen anzuleimen.
Das erfindungsgemässe Verfahren besteht darin, dass die beiden Vorsatzbogen mit ihrem Rücken gegeneinander parallel und mit Abstand auf eine Tischfläche aufgelegt werden, wobei der Abstand gleich der Dicke des zugeordneten Buchblockes bemessen wird, und dass der Fälzelstreifen mit den die Vorsatzbogen überlappenden seitlichen Randzonen an den Vorsatzbogen angeleimt wird.
Weiter ist die Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens gekennzeichnet durch einen Tisch mit zwei parallelen, die Tischfläche nach oben überragenden, voneinander abgewandten seitlichen Führungsflächen, durch zwei parallele wirksame Förderorgane, um aufeinanderfolgende Vorsatzbogenpaare in einer Richtung längs den Führungsflächen zu schieben, durch Mittel, um die Vorsatzbogen längs des Verschiebeweges gegen die zugeordnete Führungsfläche zu schieben, durch zwei in Richtung der Verschiebungen vor den Mitteln auf gegenüberliegenden Seiten des Tisches angeordnete Anleger, durch zwei gegeneinander pressende, in der Ebene der Tischfläche sich berührende und in der erwähnten Richtung fördernde Walzen, von denen eine als Saugwalze ausgebildet und Bestandteil einer Fälzelstreifenzuführ- und Beleimeinrichtung ist, und durch Antriebsorgane für die Anleger, die Förderorgane,
die Fälzelstreifenzuführ- und Beleimeinrichtung und für die andere Walze, wo die Antriebsorgane so zusammenwirken, dass jeweils gleichzeitig ein Vorsatzbogenpaar auf die Tischfläche aufgeworfen wird, und dass der Fälzelstreifen jeweils gleichzeitig mit dem Vorsatzbogenpaar zwischen die Walzen einläuft.
Anhand der beiliegenden schematischen Zeichnung wird die Erfindung beispielsweise erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 eine Draufsicht auf ein Ausführungsbeispiel einer Vorrichtung,
Fig. 2 einen Schnitt längs der Linie II-II nach Fig. 1 und
Fig. 3 einen Schnitt längs der Linie III-III in vergrösserter Darstellung.
Auf einem ortsfesten Maschinenständer 1 ist eine horizontale Tischfläche 2 angeordnet, auf der senkrecht nach oben gerichtet zwei Leisten 3 und 4 befestigt sind, welche zwei zu einer Förderrichtung (Pfeil P) parallele Führungsflächen 5 und 6 bilden. Den Führungsflächen 5 und 6 gegen überliegend ist je eine weitere Leiste 7 und 8 auf der Tischfläche 2 befestigt, welche sich bei 9 bzw. 10 konisch verjüngen, um einen in Richtung des Pfeiles P bewegten Vorsatzbogen V bzw. V' gegen die entsprechende Führungsfläche 5 bzw. 6 zu schieben. Die Tischfläche ist ferner durch zwei zu den Führungsflächen 5 und 6 parallele Längsschlitze 11 und 12 durchbrochen, durch welche Mitnehmerstifte 13' und 14' hindurchgreifen, welche je an einer endlosen Förderkette 13 bzw. 14 befestigt sind.
Zu gegenüberliegenden Seiten der Tischfläche 2 und in Förderrichtung (Pfeil P) vor den konischen Verjüngungen 9 und 10 ist je ein Anleger 15 und 16 angeordnet, auf deren Anlegertisch die zu vereinenden Vorsatzbogen in Stapeln S aufgelegt sind. Die Anleger 15 und 16 sind in bekannter Weise ausgebildet, wie beispielsweise in der schweiz. Patentschrift Nr. 374 968 beschrieben. Von den Anlegern 15 und 16 werden die abgezogenen Vorsatzbogen V bzw. V' je auf eine Gleitrinne 17 bzw. 18 aufgeworfen, auf der sie gegen die Führungsflächen 5 bzw. 6, d. h. zwischen die Leisten 3 und 7 bzw. 4 und 8, gleiten.
Wie aus der Fig. 2 hervorgeht, werden die Anleger 15 und 16 von einem Motor 19 angetrieben. Der Motor 19 treibt über einen Keilriemen 20 eine Keilriemenscheibe 21, welche zusammen mit einem Ritzel 22 drehfest auf einer im Maschinenständer 1 drehbar gelagerten Welle 29 angeordnet ist. Das Ritzel 22 treibt ein Ritzel 23, das auf einer im Maschinenständer 1 drehbar gelagerten Welle 30 befestigt ist.
Die Welle 30 treibt über ein Winkelgetriebe 24 eine Welle 25, auf der ein Kettenzahnrad 26 befestigt ist. Das Kettenzahnrad 26 treibt über eine Kette 27 ein Kettenzahnrad 28, welches fest mit der Antriebswelle 31 der Greifertrommel 32 verbunden ist. Die Welle 30 treibt weiter über einen Kettentrieb 33 eine im Maschinenständer 1 drehbar gelagert Welle 34 auf der Antriebskettenräder 35 und 36 befestigt sind. Das Antriebskettenrad 35 treibt die Förderkette 13, während das Antriebskettenrad 36 die Förderkette 14 antreibt. Die Förderkette 13 ist in gleicher Weise wie die Förderkette 14 (Fig. 2) um Umlenkräder 37 und 38 geführt. Die beschriebenen Antriebsorgane sind derart koordiniert, dass die beiden Anleger 15 und 16 jeweils einen Vorsatzbogen V' bzw.
V zwischen zwei sich folgenden Mitnehmerstiften 13' bzw.
14' auf die Tischfläche 2 aufwerfen. Die auf die Tischfläche 2 aufgeworfenen Vorsatzbogen werden von den Mitnehmerstiften 13' bzw. 14' zwischen den Leisten 3 und 7 bzw. 4 und 8 in Richtung des Pfeiles P bewegt und von der äusseren Leiste 7 bzw. 8 bei der konischen Verjüngung 9 bzw. 10 gegen die innere Leiste 3 bzw. 4 geschoben, so dass die beiden Vorsatzbogen V und V' eine genau definierte gegenseitige Entfernung haben.
Die Tischfläche 2 weist weiter Ausnehmungen 39 und 40 auf. Durch die Ausnehmung 39 greift eine Saugtrommel 41, zu der die Tischfläche 2 die Tangentenebene bildet. Die Saugtrommel 41 dreht auf der Höhe der Tischfläche 2 in Richtung des Pfeiles P. In der Ausnehmung 40 ist der eine Trum 42 eines Pressbandes 43 angeordnet, der eine zur Tischfläche 2 koplanare Pressfläche aufweist. Das Pressband 43 bildet mit einem darüber befindlichen Pressband 44 eine Bandpresse, deren pressende Trum 42 und 45 sich in Richtung des Pfeiles P bewegen. Das untere Pressband 43 ist um eine Antriebsrolle 46, eine Umlenkrolle 47 und eine Spannrolle 48 herumgeführt, während das obere Pressband 44 um eine Antriebsrolle 49, eine Umlenkrolle 50 und eine Spannrolle 51 herumgeführt ist.
Die Antriebsrolle 46 ist durch einen Kettentrieb 52 von der Welle 34 angetrieben, wobei die Antriebsrolle 49 zur Antriebsrolle 46 gegensinnig drehend mit dieser getrieblich verbunden ist.
Die Saugtrommel 41 ist fest auf einer Welle 53 angeordnet, die frei drehbar im Maschinenständer 1 gelagert ist.
Die Saugtrommel 41 ist Bestandteil einer Fälzelstreifenzuführvorrichtung bekannter Art, die weiter eine Schneidvorrichtung 54, zwei Transportwalzen 55 und 56, eine Fälzelstreifenführung 57 und eine Magazinrolle 58 aufweist. Die Schneidvorrichtung 54 besitzt ein zwischen zwei Führungen 59 verschiebbares Schneidmesser 60, welches unter der Wirkung einer Feder 61 in einer Ruhelage gehalten ist. Das Messer 60 ist an einem zweiarmigen Hebel 62 angelenkt, der mit seinem freien Ende gegen eine drehfest mit der Saugtrommel 41 verbundene Kurvenscheibe 63 anliegt. Die Kurvenscheibe 63 weist eine Nocke 64 auf, die im Zusammenwirken mit dem Hebel 62 jweils eine Schneidoperation auslöst. Die Transportwalze 56 ist um eine ortsfeste Achse 65 drehbar gelagert und drehfest mit einem Ritzel 66 (Fig. 3) verbunden. Das Ritzel 66 kämmt mit einem Ritzel 67, welches drehbar auf einer Achse 68 gelagert ist.
Das Ritzel 68 ist mittels Schrauben 69 drehfest mit einem Kettenzahnrad 70 verbunden, welches drehbar auf der Achse 68 gelagert ist. Das Kettenzahnrad 70 wird durch eine Kette 71 von der Welle 30 angetrieben. Die Schrauben 69 sind in entsprechende Gewindebohrungen im Ritzel 67 eingeschraubt und greifen durch im Kettenzahnrad 70 angeordnete Schlitze 72 hindurch. Durch ein Lösen der Schrauben 69 kann das Kettenzahnrad relativ zum Ritzel 67 verschoben werden; um die Arbeitstakte der Fälzelstreifenzuführvorrichtungen mit jenen der Förderketten 30 und 40 in Übereinstimmung zu bringen. Die Transportwalze 55 ist um eine an einem Hebel 73 angeordnete Achse 74 drehbar gelagert. Der Hebel 73 seinerseits ist um eine ortsfeste Achse 75 schwenkbar. Drehfest mit der Transportwalze 55 ist ein um die Achse 74 drehbares Ritzel 76 vorgesehen, welches mit dem Ritzel 66 in Eingriff steht.
Am freien Ende des Hebels 73 ist eine Nokkenrolle 77 drehbar gelagert, welche mit einer Kurvenscheibe 78 zusammenwirkt. Die Kurvenscheibe 78 ist fest mit der Welle 53 verbunden und mit der Saugtrommel 41 gleichsinnig drehbar. Der Hebel 73 ist unter der Wirkung einer vorgespannten Schraubenfeder 79 mit der Nockenrolle 77 gegen die Kurvenfläche der Kurvenscheibe 78 gepressst. Die Kurvenfläche weist zwei Radien R1 und R2 auf. Ist die Nockenrolle 77 mit der Kurvenfläche mit dem kleineren Radius R1 in Berührung, so werden die Transportwalzen 55 und 56 unter der Wirkung der Feder 79 gegeneinander gepresst. Tritt die Nockenrolle 77 mit dem Teil der Kurvenfläche mit dem grösseren Radius R2 in Berührung, so wird der Hebel 73 um die Achse 75 verschwenkt und die Transportwalze 55 von der Transportwalze 56 abgehoben.
Die Differenz zwischen den Radien R1 und R2 ist jedoch so klein gewählt, dass trotz der Verschwenkung des Hebels 73 die Ritzel 66 und 76 gegenseitig in Eingriff bleiben. Solange die Transportwalzen 55 und 56 gegeneinander gepresst werden, wird der vom Magazin abgezogene Fälzelstreifen 80 nach oben zur Saugwalze 41 befördert, und zwar so lange, bis die Transportwalze 55 abgehoben wird. Je grösser der Teil der Kurvenfläche mit dem grösseren Radius R2 gewählt wird, um so kürzer werden die während einer Umdrehung der Kurvenscheibe 78 nach oben transportierten Abschnitte des Fälzelstreifens 80. Um die Länge der Fälzelstreifenabschnitte dem Format der Vorsatzbogen V bzw.
V' anpassen zu können, kann die Kurvenscheibe 78 gegen andere Kurvenscheiben ausgetauscht werden, bei denen die Länge der den Radien R1 und R2 entsprechenden Teile der Kurvenfläche unterschiedlich lang ausgebildet sind.
Während des Vorschubs des Fälzelstreifens 80 wird dieser an einer Beleimungsvorrichtung vorbeigeführt, welche zwei zueinander koaxiale Leimwalzen 81 aufweist, die drehfest auf einer Welle 82 angeordnet sind. Die Welle 82 ist drehbar im Maschinenständer 1 gelagert. Die Leimwalzen 81 berühren den Fälzelstreifen 80 tangential an den beiden zu beleimenden Randzonen. Mit ihrem unteren Umfangteil tauchen die Leimwalzen 81 in ein Leimbad 83. Zum Antrieb der Leimwalzen 81 ist fest auf der Welle 82 ein Ritzel 84 angeordnet, welches mit dem Ritzel 67 in Eingriff steht. Das Ritzel 84 kämmt weiter mit einem Zahnrad 85, welches drehfest mit der Kurvenscheibe 78 und der Saugtrommel 41 verbunden ist.
Die beschriebene Vorrichtung funktioniert wie folgt. Die relative Verdrehlage zwischen dem Ritzel 67 und dem Kettenzahnrad 70 wird derart gewählt, dass das vorausgehende Ende des Fälzelstreifens 80 gleichzeitig mit der vorausgehenden Kante eines Vorsatzbogenpaares V, V' zwischen die Saugtrommel 41 und die Umlenkrolle 50 gelangt. Der Länge der Vorsatzbogen V bzw. V' entsprechend wird die Kurvenscheibe 78 gewählt, so dass der Fälzelstreifen 80 in entsprechender Länge zur Saugwalze 41 transportiert und von der Schneidvorrichtung 54 abgetrennt wird. Der Fälzelstreifen wird längs seinen Randzonen auf der den Vorsatzbogen V bzw. V' zugewandten Seite durch die Leimwalzen 81 beleimt und in der Bandpresse 43, 44 mit den Vorsatzbogen verpresst. Die Entfernung zwischen zwei aufeinanderfolgen den Mitnehmerstiften 13, 13' bzw. 14, 14' entspricht einer Umdrehung der Welle 53.
Während jeder Umdrehung der Welle 53 wird der Fälzelstreifen in einer der Kurvenscheibe 78 entsprechenden Länge vorgeschoben, worauf durch die Kurvenscheibe 63 ein Schneidtakt ausgelöst und der vorgeschobene Teil des Fälzelstreifens 80 durch die Schneidvorrichtung 54 abgetrennt wird.
Anschliessend an die Bandpresse 43, 44 ist eine nicht dargestellte Stapelauslage vorgesehen, an welche eine ebenfalls nicht dargestellte Fördervorrichtung anschliesst, um die durch einen Fälzelstreifen miteinander verbundenen Vorsatzbogen V und V' dem Umschlagmagzin einer nachgeschalteten Klebebindemaschine zuzuführen. Hierzu können Klebebindemaschinen bekannter Art verwendet werden, von denen Ausführungsbeispiele in den schweiz. Patentschriften Nummern 433 126 und 438 213 beschrieben sind.