Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum milchflussabhängigen Beenden eines maschinellen Melkvorgangs, bei dem ein periodischer Wechsel zwischen Unterdruck und wenigstens annäherndem Atmosphärendruck in dem den unteren Teil der Zitze umgebenden Innenraum eines Melkbechers erfolgt, die Saugwirkung in dem den unteren Teil der Zitze umgebenden Innenraum zeitlich vor dem Beginn einer Druckmassage aufgehoben wird und die Phase, in welcher der Innenraum des Melkbechers unter Unterdruck steht, beginnt bevor die Druckmassage vollständig beendet ist.
Es zeigt sich heute, dass einerseits die Tendenz zu grösseren Milchviehherden besteht und andererseits die dabei entstehende Melkarbeit aufgrund der Knappheit an Melkern nur unter Schwierigkeiten erledigt werden kann. Dieser Problematik kann nur dadurch entgegengewirkt werden, dass erreicht wird, dass jeder Melker eine möglichst grosse Anzahl von Kühen melken kann. Aus diesem Grunde wird versucht, die Melkvorgänge möglichst zu automatisieren, was praktisch nur dadurch möglich ist, dass man Melkstände schafft, an denen gleichzeitig eine grosse Anzahl von Tieren gemolken werden kann, wobei ein derartiger Melkstand möglichst von einem einzigen Melker bedient werden soll.
Hier setzt nun aber ein Problem ein, das darin besteht, dass man einerseits daran interessiert ist, jede Kuh möglichst vollständig auszumelken, andererseits aber eine Fortsetzung des Melkvorgangs nach Aufhören des Milchstroms aus der Zitze sich äusserst nachteilig auswirkt. Es müsste daher sichergestellt werden, dass der Melker jeweils das Melkzeug zu dem Zeitpunkt abnimmt, bei dem der Milchstrom einen unteren Grenzwert erreicht. Dies ist gerade bei grösseren Melkständen praktisch nicht realisierbar.
Es wurde bereits versucht, der geschilderten Problematik dadurch Rechnung zu tragen, dass man in Abhängigkeit von dem Milchfluss den Melkvorgang automatisch unterbrochen hat, indem die Taktsteuerung der Melkvorrichtung durch einen Milchflussindikator in der Weise gesteuert wurde, dass die periodisch arbeitende Melkvorrichtung bei Erreichen eines unteren Grenzwertes des Milchflusses nach einer bestimmten Zeitdauer im Massagetakt angehalten wurde. Auf diese Weise konnte zwar sichergestellt werden, dass das Melkzeug nicht abfiel und der Melker das Melkzeug dann etwas später abnehmen konnte, aber es ergeben sich dann wieder neue Schwierigkeiten.
Selbst wenn man dabei davon ausgeht, dass die Unterbrechung des Melkvorgangs dem Melker signalisiert wird, muss dabei in Kauf genommen werden, dass die Zitze für mehr oder weniger lange Zeit direkt an Vakuum liegt. Dies führt wiederum zwangsläufig zu Euterverletzungen, da die Blutzirkulation in den Zitzen gestört wird und die Zitzen gezerrt werden. Diese Euterverletzungen haben im allgemeinen zur Folge, dass die Kuh die Neigung zeigt, die Milch zurückzuhalten und damit die Gefahr entsteht, dass die Leistung des Tieres zurückgeht.
Ausserdem verlängern diese Verletzungen die Melkarbeit und sind auch eine Ursache dafür, dass die Melker bei derartigen Kühen während der Endperiode des Maschinenmelkens das Euter von Hand behandeln müssen.
Aufgabe der Erfindung ist es, die vorstehend erwähnten Nachteile zu beseitigen und ein Verfahren zum milchflussabhängigen Beenden eines maschinellen Melkvorgangs zu schaffen, das es ermöglicht, den Melkvorgang zu unterbrechen, ohne dass dabei oder anschliessend eine unnatürliche Belastung oder Beanspruchung der Zitzen auftritt, der Blutkreislauf in der Zitze aufrechterhalten wird und damit jegliche Verletzungsgefahr ausgeschaltet wird. Trotzdem soll dabei gewährleistet sein, dass keine Gefahr des Abfallens des Melkzeugs besteht.
Bevorzugt soll ferner erreicht werden, dass trotz der automatischen Beendigung des Melkvorgangs ein besonders hoher Ausmelkgrad erzielt werden kann.
Diese Aufgabe wird gemäss der Erfindung ausgehend von einem Verfahren der eingangs angeführten Art dadurch gelöst, dass dann, wenn der Milchfluss einen vorgebbaren unteren Grenzwert erreicht, nach einer vorbestimmten Zeit der periodische Melkvorgang unmittelbar nach Aufhebung der Saugwirkung in dem den unteren Teil der Zitze umgebenden Innenraum unterbrochen und der Melkbecher mittels Fremdkraft an der Zitze gehalten wird.
Diese erfindungsgemässen Merkmale stellen sicher, dass die Zitzen sofort nach Beendigung des Melkvorgangs entlastet und keinen weiteren Beanspruchungen mehr ausgesetzt werden.
Durch die vorhandene Fremdkraft wird einerseits das Halten des Melkzeugs sichergestellt und andererseits eine erwünschte Unterstützung der Zitze erhalten, wobei jedoch wesentlich ist, dass auf die Zitze keinerlei Vakuum mehr einwirkt.
Eine bevorzugte Zeitdauer für das Unterbrechen des Melkvorganges nach dem Erreichen eines unteren Milchflussgrenzwertes beträgt etwa 20 Sekunden.
Eine besonders vorteilhafte Weiterbildung des erfindungsgemässen Verfahrens besteht darin, dass die Unterbrechung des Melkvorganges nach einer vorgebbaren Zeitspanne zumindest einmal vorübergehend aufgehoben wird.
Durch diese Massnahme kann in schonender Weise ein optimales Ausmelken erreicht werden, da der Beginn des erneuten Ingangsetzens eines kurzzeitigen Melkvorgangs so gewählt werden kann, dass jeweils die in den Ruhepausen erfahrungsgemäss in die Euter- und Zitzenzisternen nachgesikkerte Milch ausgemolken wird. Dieses vorübergehende Wiederingangsetzen des Melkvorgangs kann je nach Bedarf ein oder mehrere Male erfolgen. Wesentlich ist dabei jedoch, dass die stets wieder stattfindende Unterbrechung des Melkvorgangs in der bereits beschriebenen Weise erfolgt.
Vorzugsweise wird dabei die Zeitdauer des vorübergehenden Aufhebens der Unterbrechung des Melkvorgangs in Abhängigkeit vom Milchfluss gesteuert.
Bevorzugt erfolgt die Unterbrechung des Melkvorgangs dann, wenn der untere Teil der Zitze unter Atmosphärendruck steht.
Eine weitere vorteilhafte Ausführungsform des Verfahrens nach der Erfindung zeichnet sich dadurch aus, dass die Fremdkraft durch eine Druckdifferenz in ausserhalb des Melkbecherinnenraums gelegenen Räumen erzeugt wird. Bei einem Zweiraummelkbecher können diese beiden Räume durch Unterteilung des Melkbecherzwiscbenraums erhalten werden, wobei Kraftübertragungselemente zu den Zitzen vorgesehen sein können.
Gemäss einer weiteren Ausgestaltung des Verfahrens wird die Fremdkraft mittels einer die Druckmassage zumindest unterstützenden mechanischen Einrichtung erzeugt. In diesem Falle kann von einer Doppelnutzung der Organe zur Ausführung der Druckmassage gesprochen werden.
Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass der entscheidende Vorteil des erfindungsgemässen Verfahrens darin besteht, dass jegliche Einwirkung des Vakuums auf die Zitze bei der milchflussabhängigen Unterbrechung des Melkvorgangs sofort beseitigt wird und trotzdem kein Abfallen des Melkzeugs erfolgt. Für den Melker bedeutet dies, dass er bei entsprechender Signalisierung der Beendigung des Melkvorgangs nicht gezwungen ist, sofort das Melkzeug bei der entsprechenden Kuh abzunehmen, sondern seine Arbeit zielstrebig fortführen kann, wodurch natürlich seine Produktivität wesentlich grösser wird.
Besonders hervorgehoben werden muss noch, dass eine Kombination der beschriebenen Massnahmen zur speziellen Unterbrechung des Melkvorgangs mit den Massnahmen der kurzzeitigen Wiederingangsetzung des Melkvorganges zur Gewinnung der Restmilch besonders vorteilhaft ist, da auf diese Weise trotz der sehr weitgehenden Automatisierung des Melkvorgangs praktisch optimale Ergebnisse sowohl hinsichtlich des erzielbaren Ausmelkgrades als auch hinsichtlich der Verringerung der Anzahl der Bedienungskräfte sowie deren Beanspruchung erzielt werden können.