CH621258A5 - Use of a powder of a vinyl copolymer as binder for pharmaceutical coatings - Google Patents

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CH621258A5
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Hubert Rauch
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Description

Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, Bindemittellösüngen für die Herstellung von Arzneimittelüberzügen bereitzustellen, die einen geringen Restmonome-rengehalt aufweisen. Erfindungsgemäss werden als Bindemittel bei der Zubereitung von filmbildenden Überzugsmittellösungen für Arzneiformen Pulver verwendet, die man durch Sprühtrocknen aus einer wässrigen Dispersion eines physiologisch unbedenklichen, in organischen Lösungsmitteln löslichen Vinylcopolymerisates erhält, das in einem Teil des Bereiches von pH-Wert 1,5-8 wasserunlöslich und in einem anderen Teil dieses Bereiches in Wasser löslich oder quellbar ist.
Die Herstellung einer Polymerisatlösung auf die Weise,
dass man zunächst eine wässrige Dispersion des Polymeren erzeugt, diese durch Sprühtrocknen in ein Pulver überführt und das Pulver in einem organischen Lösungsmittel auflöst, ist zwar ein aufwendiger Weg und wäre nicht als technischer Fortschritt zu betrachten, wenn er nicht mit erheblichen zusätzlichen Vorteilen verbunden wäre. Die Senkung des Restmonomerenge-haltes gelingt bei der erfindungsgemässen Verwendung in unerwartet hohem Masse; es werden Restmonomerengehalte unterhalb 0,05 % erreicht. Es hat sich darüber hinaus gezeigt,
dass sich das durch Sprühtrocknen erhaltene Polymerisatpulver in äusserst kurzen Zeiten, beispielsweise innerhalb von 3—5 min, in einem organischen Lösungsmittel auflöst. Das Polymerisatpulver wird daher mit besonderem Vorteil nicht beim Hersteller, sondern erst beim Anwender durch Auflösen in einem organischen Lösungsmittel in eine Überzugsmittellösung übergeführt. Das pulverförmige Bindemittel kann wesentlich einfacher als eine Bindemittellösung verpackt und gelagert werden. Es hat ein geringeres Transportgewicht und ist nicht feuergefährlich. Der Anwender kann sich kurzfristig eine Bindemittellösung in dem von ihm gewünschten Lösungsmittel und in der gewünschten Konzentration bereiten, während er von dieser Möglichkeit nur ungern Gebrauch gemacht hat, solange die verfügbaren Bindemittelpulver Lösezeiten von vielen Stunden beanspruchten und auch dann keine Lösungen von entscheidend verringertem Restmonomerengehalt ergaben. Die besonderen Vorteile der erfindungsgemäss verwendeten Pulver rechtfertigen den verhältnismässig hohen technischen Aufwand zu ihrer Herstellung.
Das Sprühtrocknungsverfahren bei der Herstellung der erfindungsgemäss zu verwendenden Pulver wird dann am wirtschaftlichsten betrieben, wenn man die Eintrittstemperatur der zum Trocknen verwendeten Luft so hoch wie möglich wählt. Dies ist jedoch nicht die bevorzugte Ausführungsform, weil die Polymerisatpartikel dann stark zusammensintern und nicht mehr die grösstmögliche Lösungsgeschwindigkeit aufweisen. Mit besonderem Vorteil wird das Verfahren der Sprühtrocknung so durchgeführt, dass die Polymerisatpartikel die minimale Filmbildungstemperatur (MFT) nicht überschreiten. Die MFT ist definiert als diejenige Temperatur, bei der eine dünne Schicht der zugrunde liegenden wässrigen Dispersion gerade noch zu einem zusammenhängenden Film auftrocknet.
Natürlich ist es zweckmässig, von vornherein von einer Kunststoffdispersion mit niedrigem Restmonomerengehalt auszugehen. Methoden, um bei der Emulsionspolymerisation einen niedrigen Restmonomerengehalt zu erreichen, sind bekannt; als wichtigste sei eine mehrstündige Nachreaktionszeit
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im Anschluss an die exotherme Phase der Polymerisation erwähnt. Trotzdem würde man durch Koagulation einer solchen Dispersion einen Restmonomerengehalt von 0,15-0,3% nicht unterschreiten können. Das Verfahren der Sprühtrocknung bringt nun den doppelten Vorteil mit sich, dass einerseits der Restmonomerengehalt auf sehr wirksame Weise gesenkt wird und dass man anderseits ein Pulver von ausserordentlicher Feinheit und hoher Lösegeschwindigkeit erhält. Die erfindungsgemäss bevorzugt verwendeten Pulver, bei deren Herstellung die MIT nicht überschritten worden ist, sind daran kenntlich, dass die einzelnen Pulverkörnchen aus lose aggregierten Feinpartikeln zusammengesetzt sind. Diese Beschaffenheit ist unter dem Mikroskop, vor allem bei etwa 40facher Vergrösserung unter dem Stereoauflichtmikroskop erkennbar. Die Körnchen lassen sich mit einer Nadel praktisch ohne mechanischen Widerstand wie ein lockerer Schneeball zerteilen, wobei krümelige, weiche Bruchstücke an dem zerteilenden Werkzeug haften bleiben. Wird dagegen beim Sprühtrocknen die MFT überschritten, so fliessen die Feinpartikel der Dispersion zusammen, bis jedes einzelne Pulverkörnchen eine durchgehend verglaste Masse bildet. Während die zuvor beschriebenen, nicht verglasten Produkte im mikroskopischen Bild an Schnee erinnern, haben die verglasten Partikel das Aussehen von Eis. Sie sind hart und spröde und lassen sich nur unter Überwindung eines mechanischen Widerstandes zerbrechen. Die Lösezeit eines solchen Pulvers ist gegenüber der bevorzugten Form um das Mehrfache erhöht.
Sowohl der Verwendungszweck der Bindemittel als Überzugsmittel für Arzneiformen als auch das Herstellungsverfahren, das von einer wässrigen Dispersion ausgeht, und schliesslich das Anwendungsverfahren machen bestimmte Löslich-keitseigenschaften der Bindemittel erforderlich. Sie müssen in organischen Lösungsmitteln, die in Dragierlacken üblich sind, löslich sein. Um eine wässrige Dispersion bilden zu können, müssen sie wenigstens in einem Teil des Bereiches von pH-Wert 1,5-8 wasserunlöslich sein. In einem anderen Teil dieses Bereiches müssen sie jedoch die Freigabe des Wirkstoffes aus der umhüllten Arzneiform zulassen, d. h. in diesem Bereich wasserlöslich oder wenigstens so weit durch Wasser quellbar sein, dass die Wirkstofffreigabe durch Diffusion ermöglicht wird. Diese Löslichkeitseigenschaften können in an sich bekannter Weise durch Abstimmung der am Aufbau des Bindemittels beteiligten Monomerenbestandteile mit hydrophilen und hydrophoben Eigenschaften erreicht werden. Hydrophobe Monomerbestandteile bewirken die Löslichkeit in Wasser. Hydrophile Monomerbestandteile fördern die Quell-barkeit oder Löslichkeit in Wasser und beeinflussen je nachdem, ob sie neutrale, saure oder basische Gruppen enthalten, die Abhängigkeit dieser Eigenschaften vom pH-Wert. Die Erfindung gestattet die Herstellung von allen bekannten Bindemitteln für Arzneimittelüberzüge in Pulverform mit den erfin-dungsgemässen Vorteilen, sofern sie die geforderten Löslichkeitseigenschaften haben.
Neutrale Bindemittel ergeben Arzneimittelüberzüge, die unabhängig vom pH-Wert des umgebenden Mediums diffusionsdurchlässig werden. Sie können z. B. aus einem wesentlichen Anteil an hydroxylgruppenhaltigen Monomeren, beispielsweise Hydroxyalkylestern von a,ß-ungesättigten Mono-oder Dicarbonsäuren, aufgebaut sein. Bei einem Hydroxylgruppengehalt von 1-12 Gew.%, der einem Gehalt an hydroxylgruppenhaltigen Monomeren zwischen etwa 10 und 80 Gew. % entspricht, sind diese Bindemittel in Wasser - und zwar unabhängig von pH-Wert - unlöslich, wenn auch quellbar. Sie können daher in Dispersionsform hergestellt werden. Ähnlich wie hydroxylgruppenhaltige Monomere fördern Vi-nylpyrrolidon, Acrylamid oder Methacrylamid sowie Monomere mit quartären Ammoniumgruppen die Hydrophilie unabhängig vom pH-Wert. Diese Monomeren können daher in den erfindungsgemäss verwendeten Vinylcopolymerisaten stets nur in solcher Menge enthalten sein, dass diese in Wasser noch nicht löslich sind.
Arzneimittelüberzüge mit basischen Gruppen sind nur im Magensaft, solche mit sauren Gruppen nur im Darmsaft löslich oder diffusionsdurchlässig. Derartige Überzugsmittel sind aus der DE-PS 2 135 073 in Form von Dispersionen bekannt. Obwohl sie unmittelbar zur Beschichtung von Arzneiformen vorgesehen sind, können sie durch Sprühtrocknung in ein Pulver verwandelt werden, das im Sinne der Erfindung verwendet werden kann. Sie enthalten Vinylcopolymerisate, die zu 10-50 Gew.% aus Monomeren mit einer Carboxyl-gruppe und/oder einer Monoalkyl- oder Dialkylaminoalkyl-estergruppe aufgebaut sind. Sofern sie Carboxylgruppen enthalten, sind sie bei pH-Werten unter 7 in Wasser unlöslich und können in diesem Bereich als Dispersion hergestellt werden. Mit diesen Bindemitteln überzogene Arzneiformen sind im sauren Milieu des Magens unlöslich und gehen erst im neutralen bis schwach alkalischen Milieu des Darmsaftes in den gelösten oder gequollenen Zustand über. Dagegen sind Bindemittel mit einem Gehalt an Monoalkyl- oder Dialkylaminoalkyl-estergruppen im sauren Milieu löslich oder quellbar, so dass sie zweckmässig in Dispersionsform im alkalischen Bereich hergestellt werden. Ähnliche Überzugsmittel sind aus den DE-PS 1 090 381 und 1 219 175 bekannt; die letzteren enthalten Dialkylaminoalkylamide von ungesättigten Säuren.
Die erfindungsgemäss verwendeten Bindemittel sind demnach vorzugsweise solche Vinylcopolymerisate, die aus einfach äthylenisch ungesättigten, radikalisch polymerisierbaren Verbindungen, wovon 5 bis 80 Gew. % in Wasser löslich sind, aufgebaut sind. Die wasserlöslichen Monomeren sind vorzugsweise äthylenisch ungesättigte polymerisierbare Mono- oder Dicarbonsäuren oder deren Salze, Amide, Hydroxyalkylester, Monoalkylamino- oder Dialkylaminoester oder Monoalkyl-amino- oder Dialkylaminoalkylamide oder die wasserlöslichen Salze oder Quaternisierungsprodukte der genannten Amino-gruppen enthaltenden Verbindungen oder Vinylpyrrolidon oder ein N-Vinylimidazol. Unter diesen sind Acryl- oder Meth-acrylsäure bzw. die sich von diesen Säuren ableitenden Derivate besonders bevorzugt.
Neben diesen Monomeren bilden solche, die für sich allein polymerisiert wasserunlösliche Hompolymerisate ergeben würden, z. B. einen Anteil von 20-95 Gew. % der Vinylcopolymerisate. Bevorzugte Monomere dieser Art sind Styrol, Vi-nylacetat, Olefine oder vorzugsweise Alkylester der Acryl-oder Methacrylsäure mit 1—10 C-Atomen im Alkylrest. Der Anteil der zuletztgenannten, in Wasser schwer oder unlöslichen Monomeren an dem Vinylcopolymerisat richtet sich nach dem Grad der Hydrophilie des damit mischpolymerisierten wasserlöslichen Monomeren. Neben äusserst stark hydrophilen Monomeren, wie polymerisierbaren quartären Ammoniumverbindungen, werden beispielsweise erhebliche Anteile an hydrophoben Monomeren benötigt, um die Wasserunlöslichkeit des Mischpolymerisates zu gewährleisten. Dagegen können weniger hydrophile Monomere, wie z. B. Hydroxyalkylester der Acryl- oder Methacrylsäure, einen grösseren Anteil als die hydrophoben Monomeren bilden.
Die zur Herstellung des Bindemittelpulvers verwendeten Dispersionen können nach an sich bekannten Verfahren mit Polymerisatgehalten von z. B. 20-50% hergestellt werden. Bei der Auswahl der Emulgatoren muss die Fähigkeit der Monomeren bzw. der Polymerisate, Salze zu bilden, berücksichtigt werden. So werden carboxylgruppenhaltige Monomere bevorzugt in Gegenwart von anionischen Emulgatoren und amino-estergruppenhaltige Monomere bevorzugt in Gegenwart von kationischen Emulgatoren polymerisiert. Nichtionische Emulgatoren, wie z. B. oxäthylierte Fettalkohole, Fettsäureamide oder Alkylphenole mit etwa 20-100 Mol Äthylenoxydeinhei-
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ten je Mol der hydrophoben Basisverbindung, sind für beide Monomerengruppen gut geeignet und können zur Polymerisation aminogruppenhaltiger Monomerer auch in Kombination mit anionischen Emulgatoren eingesetzt werden. Als Beispiele für anionische Emulgatoren seien Seifen oder die durch Sulfa-tieren und Neutralisieren aus den obengenannten Äthylenoxyd-addukten hergestellten Verbindungen erwähnt. Bei hoch carb-oxylgruppenhaltigen Monomerengemischen werden mit Vorteil Gemische nichtionischer und anionischer Emulgatoren eingesetzt. Zur Polymerisation Aminogruppen enthaltender Monomerengemische geeignete kationische Emulgatoren sind z. B. (Diisobutylphenoxyäthoxyäthyl)-dimethyl-benzyl-ammo-nium-chlorid oder Stearyl-dimethyl-benzylammoniumchlorid. Sie können gegebenenfalls im Gemisch mit nichtionischen Emulgatoren eingesetzt werden. Die Emulgatormenge liegt, bezogen auf die Wasserphase, bei mindestens 0,5 und vorzugsweise bei 1-5 Gew.%. Die bevorzugten Herstellungsverfahren für die Dispersionen sind das Emulsionszulauf- und das Mono-merzulaufverfahren. Dabei lässt man z. B. das Monomerenge-misch als solches oder in Form einer wässrigen Emulsion allmählich in das Polymerisationsgefäss einlaufen. In der Regel wird bei 60-90° C polymerisiert und Kalium- oder Ammoniumpersulfat oder 4,4'-Dicyano-4,4'-azo-valeriansäure als Initiator verwendet. Das Molekulargewicht kann durch entsprechende Wahl der Initiatormenge oder durch Zusatz von Schwefelreglern, wie Thioglycolsäure-2-thylhexylester, geregelt werden.
Die erhaltene wässrige Bindemitteldispersion kann in an sich bekannter Weise in einer Sprühtrocknungsanlage, die mit einer Sprühscheibe oder mit einer Sprühdüse ausgerüstet sein kann, entwässert werden. Die Temperatur der zum Trocknen in den Sprühtrum eingeblasenen Luft wird bei der Herstellung der bevorzugt verwendeten Produkte zweckmässig nur so hoch gewählt, dass die Primärpartikel in der Dispersion, die beispielsweise eine Grösse unter 1 haben, in den einzelnen Tröpfchen nicht zusammensintern oder -schmelzen. Die Lufttemperatur kann, solange das zu trocknende Material noch viel Wasser enthält, wesentlich über der Partikeltemperatur liegen. Da es ausserordentlich schwierig ist, die Partikeltemperatur selbst zu messen, lässt sich die Frage, ob sie während des Entwässerungsvorgangs dauernd unterhalb der zulässigen Höchstgrenze gelegen hat, am sichersten und einfachsten dadurch beantworten, dass man das getrocknete Produkt unter dem Mikroskop betrachtet. Wenn die Partikel verglast sind, lässt sich daraus rückfolgern, dass sie — ggf. nur kurzzeitig — eine zu hohe Temperatur erreicht haben und somit auch die Umgebungstemperatur zu hoch lag. Die Verglasung tritt bei der Mehrzahl der in Frage kommenden Polymerisatzusammensetzungen im Bereich von 80-120° C ein. Wenn die Entwässerung bis zu einem Wassergehalt von 10% oder weniger fortgeschritten ist, darf die Lufttemperatur z. B. nicht mehr oder nur noch wenig über der Temperatur liegen, bei der die Partikel verglasen. Am Ende des Trocknungsprozesses muss die Lufttemperatur zweckmässig unterhalb 100° C liegen. Eine Temperatur von 60-70° C ist vorzuziehen. Bei geeigneter Wahl der Lufteintrittstemperatur und des Mengenverhältnisses Luft zu Dispersion lässt sich der Sprühtrocknungsvorgang so führen, dass die Lufttemperatur infolge des Wärme Verbrauchs beim Verdunsten des Wassers bei fortschreitender Entwässerung unter die Verglasungstemperatur sinkt. Durch eine mikroskopische Untersuchung lässt sich im Einzelfall leicht feststellen, ob die angewandten Trocknungsbedingungen geeignet sind, um Produkte mit der bevorzugten, äusserst feinteiligen Beschaffenheit zu erhalten.
Die erhaltenen pulverförmigen Bindemittel müssen bis zur Auflösung vor Feuchtigkeit geschützt werden. Für die Zubereitung von Überzugsmittellösungen für Arzneiformen kann das pulverförmige Bindemittel in der gewünschten Menge in ein geeignetes organisches Lösungsmittel eingerührt werden und geht innerhalb weniger Minuten klar in Lösung. Gebräuchliche Bindemittelkonzentrationen liegen zwischen 5 und 25 %. Als Lösungsmittel dienen üblicherweise niedere Alkohole und Ketone oder deren Gemische, beispielsweise Äthanol, Propanol, Isopropylalkohol, Aceton u. dgl. Die auf diese Weise erhaltenen Bindemittellösungen haben alle Eigenschaften der im Handel bekannten Lösungen und können wie diese pigmentiert und verarbeitet werden.
Beispiel 1 Herstellung der Dispersion
In einem Wittschen Topf (21) werden bei 80° C 1,4 g Ammoniumperoxydisulfat und 3,5 g Ci5-Paraffinsulfonat (Handelsbezeichnung: «Emulgator» K 30, Bayer AG) in 1394 g Wasser gelöst. In die Lösung wird unter Rühren innerhalb 4 h eine aus 300 g Methacrylsäuremethylester, 300 g Methacrylsäure und 3,0 g Thioglykolsäure-2-äthylhexylester _ hergestellte Monomerenmischung bei 80° C zugetropft. Anschliessend wird der Ansatz 2 h lang bei 80° C gehalten, abgekühlt und über ein feinmaschiges Stahlsiebgewebe filtriert. Die Dispersion hat einen Feststoffgehalt von 30%.
Trocknung der Dispersion
A. Die Dispersion wird in eine Sprühtrocknungsanlage, die mit einer sog. Zweistoffdüse ausgerüstet ist, im Gleichstrom mit Luft von 150° C eingeleitet. Das Mengenverhältnis Dispersion/Luft ist so eingestellt, dass das Sprühgut die Anlage bei einer Luftaustrittstemperatur von 65° C in Form eines trockenen, feinteiligen, weissen bis durchscheinenden, keine glasigen Bestandteile enthaltenden Pulvers verlässt.
B. Man verfährt wie unter A mit dem Unterschied, dass die Sprühtrocknungsanlage mit einer schnell rotierenden Zerstäuberscheibe (45 000 U./min) ausgerüstet ist. Die Heissluft von 240° C wird zentral direkt unter dem Zerstäuberrad im Gegenstrom eingeleitet.
C. Vergleichsversuch ohne Sprühtrocknung
Die Dispersion wird als 1 cm dicke Schicht auf eine mit Kunststoff-Folie ausgelegte Trockenhorde ausgegossen und im Umluft-Trockenschrank bei 50° C über Nacht getrocknet. Das in Bruchstücken vorliegende Trockengut wird anschliessen in einer Mühle pulverisiert.
Vergleichsversuch:
Herstellung eines gemahlenen Substanzpolymerisates (Produkt D)
In einem Folienbeutel wird eine Monomerenmischung aus 1,0 kg Methacrylsäuremethylester, 1,0 kg Methacrylsäure, 1 g Azodiisobuttersäuredinitril und 5 g ß -Mercaptoäthanol zugegeben und im Wasserbad polymerisiert. Anschliessend wird 8 h lang bei 115° C nacherhitzt. Das erhaltene Substanzpolymerisaf wird in einer Mühle zerkleinert, 2mal mit der 4fachen Menge 5 %igem Isopropylalkohol bei 70° C gewaschen und in einem Wirbelschichtgranulator getrocknet.
Beispiel 2 Herstellung der Dispersion
In einem Wittschen Topf werden bei 80° C 0,7 g Ammoniumperoxydisulfat, 10,5 g des Natriumsalzes eines aus Tri-iso-butylphenol und 7 Mol Äthylenoxyd hergestellten Addukts (50%ig, Handelsbezeichnung: «Hostapal» BVkonz., der Farbwerke Höchst AG) und 10,5 g eines aus Iso-Nonylphenol und 9 Mol Äthylenoxy hergestellten Addukts in 700 g dest. Wasser gelöst. In die Lösung wird unter Rühren innerhalb 4 h eine aus 210 g Methacrylsäuremethylester, 90 g Methacrylsäure und 1,5 gThioglykolsäure-2-äthylhexylester hergestellte Monomerenmischung bei 80° C zugetropft. Nach Ende des Zulaufes wird der Ansatz weitere 2 h lang bei 80° C gehalten, auf Zimmertemperatur abgekühlt und über ein feinmaschiges
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Stahlsiebgewebe filtriert. Man erhält eine niedrigviskose, 31 %ige Dispersion.
Trocknung der Dispersion
E. Man verfährt wie in Beispiel 1 unter B angegeben mit dem Unterschied, dass die Heissluftzufuhr 120° C beträgt. Die Luftaustrittstemperatur beträgt 65° C.
F. Vergleichsversuch ohne Sprühtrocknung Man verfährt wie im Beispiel 1 unter C.
Vergleichsversuch:
Herstellung eines gemahlenen Substanzpolymerisates (Produkt G)
In einen Folienbeutel wird eine Monomerenmischung aus 1,4 kg Methacrylsäuremethylester, 0,6 kg Methacrylsäure, 1 g
Produkt
Restmonomerengehalt
Lösungsmittel
Lösedauer
A
<0,015%
Isopropanol/Aceton, 6:4
3 min
Isopropanol/H20, 97:3
5 min
B
<0,015%
Isopropanol/Aceton, 6:4
90 min
C (Vergi.)
0,15%
Isopropanol/Aceton, 6:4
3 h 15 min
Isopropanol
>24 h
D (Vergi.)
0,3%
Isopropanol/Aceton, 6:4
6 h
Isopropanol
8 h
E
<0,015%
Isopropanol/Aceton, 6:4
3 min
Isopropanol/H20, 97:3
2 min
Isopropanol
15 min
F (Vergi.)
0,15%
Isopropanol/Aceton 6:4
Ih
Isopropanol ca. 12 h
Isopropanol/H20, 97:3
ca. 12 h
G (Vergi.)
0,3%
Isopropanol/Aceton, 6:4
6 h
Isopropanol
40 h
Azodiisobuttersäuredinitril und 5 g ß -Mercaptoäthanol gefüllt und im Wasserbad polymerisiert. Anschliessend wird 8 h lang bei 115° C nacherhitzt. Das erhaltene Substanzpolymerisat wird in einer Mühle zerkleinert, 2mal mit der 4fachen Menge 5 5%igem Isopropylalkohol bei 70° C gewaschen und in einem Wirbelschichtgranulator getrocknet.
Herstellung von Bindemittellösungen aus den Produkten A-G
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Jeweils 16 g der pulverförmigen Produkte A-F werden in 100 g des jeweiligen Lösungsmittels bei Zimmertemperatur geschüttelt. Die Lösezeiten sind in der Tabelle angegeben.

Claims (8)

621 258 PATENTANSPRÜCHE
1. Verwendung eines durch Sprühtrocknen aus einer wäss-rigen Kunststoffdispersion gewonnenen Pulvers eines physiologisch unbedenklichen, in organischen Lösungsmitteln löslichen Vinylcopolymerisates, das in einem Teil des Bereiches von pH-Wert 1,5-8 wasserunlöslich und in einem anderen Teil dieses Bereiches in Wasser löslich oder quellbar ist, als Bindemittel bei der Zubereitung von filmbildenden Überzugsmittel-lösungen für Arzneiformen.
2. Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Pulver durch Sprühtrocknung bei einer Temperatur hergestellt ist, bei der die Dispersionspartikel die minimale Filmbildungstemperatur nicht überschreiten und seine Körner aus lose aggregierten Feinpartikeln aufgebaut sind.
3. Verwendung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Vinylcopolymerisat aus einfach äthylenisch ungesättigten, radikalisch polymerisierbaren Verbindungen aufgebaut ist wovon 5T80 Gew. % in Wasser löslich sind.
4. Verwendung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass am Aufbau des Vinylcopolyme-risats als wasserlösliche ungesättigte Verbindungen äthylenisch ungesättigte, polymerisierbare Mono- oder Dicarbonsäuren oder deren Salze, Amide, Hydroxyalkylester, Monoalkylami-no- oder Dialkylaminoester oder Monoalkylamino- oder Dial-kylaminoalkylamide oder die wasserlöslichen Salze oder Qua-ternisierungsprodukte der genannten, Aminogruppen enthaltenden Verbindungen oder Vinylpyrrolidon oder ein N-Vinyl-imidazol beteiligt sind.
5. Verwendung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die wasserlösliche ungesättigte Verbindung Acryl- oder Methacrylsäure und/oder ein Derivat dieser Säuren ist.
6. Verwendung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass am Aufbau des Vinylcopolyme-risats mindestens eine ungesättigte, wasserunlösliche, Homopo-lymerisate ergebende Verbindung beteiligt ist.
7. Verwendung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die ungesättigte Verbindung ein Styrol, Vinylacetat, ein Olefin oder vorzugsweise ein Alkylester der Acryl- oder Methacrylsäure mit 1—10 C-Atomen im Alkylrest ist.
8. Verwendung nach einem der vorangehenden Ansprüche eines Pulvers, das in niederen Alkoholen und/oder Ketonen löslich ist.
Überzüge auf Arzneiformen, wie Tabletten, Dragees oder Pillen, werden überwiegend aus Lösungen erzeugt, die in einem organischen Lösungsmittel ein Bindemittel und in der Regel Pigmente und Füllstoffe enthalten. Die Bindemittel werden, wenn es sich um synthetische Polymere handelt, zumeist von vornherein als Lösung in einem organischen Lösungsmittel hergestellt. Diese Lösungen enthalten unerwünscht hohe Anteile an nichtumgesetzten monomeren Ausgangsstoffen des synthetischen Polymeren. Die Restmonomeren müssen nachträglich aus der Lösung entfernt werden, was schwierig und aufwendig ist und nur zu einem begrenzten Erfolg führt. Man hat deshalb versucht, synthetische Polymere für diesen Zweck auf andere Weise herzustellen. Beispielsweise wurden die monomeren Ausgansstoffe in Abwesenheit eines Lösungsmittels zu einem festen Block polymerisiert, der anschliessend gemahlen und in einem geeigneten organischen Lösungsmittel gelöst wird. Das durch Mahlen erhaltene Polymerisatpulver enthält - ähnlich wie die Lösungspolymerisate — unerwünscht hohe Mengen an Restmonomeren. Ihr Anteil lässt sich zwar durch Extraktion und anschliessende Vakuumbehandlung auf etwa 0,2—0,4% senken, jedoch ist dieser Wert immer noch unerwünscht hoch. Die Auflösung des Polymerisatpulvers in organischen Lösungsmitteln hat sich als äusserst zeitraubender
Arbeitsgang erwiesen; Lösezeiten von 24 Stunden sind durchaus üblich.
Sämtliche hier angeführten prozentualen Angaben sind Gew. %. Es ist auch schon ein Handelsprodukt bekanntgeworden, das durch Fällung des Bindemittels aus einer flüssigen Phase erzeugt wird. Sein Gehalt an Restmonomeren liegt zwischen 0,15 und 0,3%. Die Lösegeschwindigkeit dieses Produktes ist grösser als die der gemahlenen Substanzpolymerisate, zählt aber immer noch nach Stunden. Auch dieses Produkt wird deshalb noch nicht als befriedigènd empfunden.
CH651075A 1975-03-20 1975-05-21 Use of a powder of a vinyl copolymer as binder for pharmaceutical coatings CH621258A5 (en)

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