Verfahren zur Herstellung besonders haltbarer kolloidaler Lösungen. Es ist bekannt, dass man mechanisch hin reichend zerkleinerte feste Stoffe durch Be handeln mit Lösungen gewisser Verbindungen in kolloidale Lösungen überführen kann. So ist es zum Beispiel bekannt, dass Kaolin mit telst geringer Mengen Alkalilösungen weit gehend in ein Hydrosol verwandelt wird. An derseits ist auch bekannt, dass durch Zu satzbestimmter Elektrolyte oder organischer Nichtelektrolyte die Haltbarkeit bereits vor handener Sole bedeutend erhöht werden kann. Von solchen Stoffen letzterer Art, die ge wöhnlich als Schutzkolloide bezeichnet wer den, seien unter anderem erwähnt: Eiweiss, Gelatine, Gummiarabikum, Agar, Hausenblase USW.
Es wurde nun gefunden, dass wässerige Lösungen von Kirschgummi die beiden eben erwähnten Wirkungen, nämlich mechanisch fein zerkleinerte feste Stoffe zu kolloidali- sieren und bereits vorhandene Sole zu stabili sieren, in ganz besonders hervorragendem Masse besitzen. Die erhaltenen kolloidalen Lösungen zeigen nicht nur, was die Absetz geschwindigkeit ihrer Teilchen, sondern auch w as ihre Wider.standsfähigkeit D gegen aus flockende Mittel betrifft, eine ganz hervor ragende Haltbarkeit.
Als chemische Stoffe, die nach vorliegen dem Verfahren kolloidalisiert werden können, seien beispielsweise die festen Elemente er wähnt, zum Beispiel Schwefel, Selen, Tellur, Kohlenstoff in verschiedenen Modifikationen, insbesondere als Russ, Graphit, Blutkohle, Tierkohle, Silizium, Titan, Nickel, Molybdän oder Chrom. Ferner kommen chemische Ver- bindungen; wie Bariumsulfat, Bleisulfat, Blei weiss, Eisenoxyde, Chromosy de, Metallsulfide und dergleichen in Frage.
Die Stoffe werden zweckmässig in äusserst fein gemahlenem oder amorphem oder klein- kristallinisehem Zustande verwendet.
In manchen Fällen führt das vorliegende Ver fahren zunächst nicht zu vollständig kolloi dalen Systemen. Vielmehr enthalten die her gestellten Sole ausser den erwünschten ultra mikroskopischen Teilchen auch gröbere, be reits unter dem Mikroskop oder schon mit blossem Auge sichtbare Teilchen. Diese un vollständige Kolloidalisierung tritt zum Bei- spie1 bei Stoffen ein, welche vor der Behand lung mit Kirschgummi nicht genügend weit gehend mechanisch zerkleinert worden sind.
In solchen Fällen genügt es, diese noch eröbere Teilchen enthaltenden Sole einige Zeit ruhig stehen zu lassen, wobei sich jene gröberen Teilchen zu Boden setzen. Die über stehende Flüssigleit wird sodann, zum Bei spiel durch Dekantieren, vom Bodensatze ge trennt. Bei genügend langer Absetzzeit ent hält dann die gewonnene Flüssigkeit aus schliesslich ultramikroskopische Teilchen. Die Trennung der Ultramikronen von den gröbe ren Teilchen kann natürlich auch mittelst Zerntrifugierens oder Filtrierens vorgenommen werden.
In dieser Ausführungsform kann das vor- lieende Verfahren auch dazu dienen, die Komponerntern eines Stoffgemisches weitge hend oder vollständig voneinander zru trennen. Da sich verschiedene Stoffe verschieden leicht kolloidalisieren lassen, so erreicht man durch Wahl geeigneter Mengen des Kirschgummis und durch Wahl geeigneter Mischzeiten, dass der eine Stoff bereits in den kolloidalen Zu stand übergeführt ist, während zum Beispiel eine zweite Komponente des ursprünglichen Stoff gemischenochs nicht kolloidalisiert ist.
Der anschliessende Sedimentationsprozess oder das anschliessende Zentrifugieren oder Filtrie ren führt dann gleichzeitig mirt der Trennung der kolloidalen Teilchen von den nicht kolloi dalen auch zu einer Trennung der Kompo nenten des ursprünglichen Gemisches.
Beispiel 1: Eisenoxyd, welches als Farbstoff Verwen dung finden soll, wird mit etwa 3 % Kirsch- grunmmi versetzt, den man vorher in wässe- rLige Lösung gebracht hat, und beides mit der nötigen Menge Wasser innig verrührt. Hurt man mit dem Rühren auf, so werden sich im Laufe einiger Zeit die etwa in der Hase noch vorhandenen gröberen Teilchen zu Boden setzen und können von der darüber stehenden Suspension abgetrennt werden. Man kann diesen Rückstand unter Umständen noch einmal vermahlen und wiederum mit Kirsch- gummilösung behandeln.
Dieerhaltene Kolloid- lösung ist alsdann beispielsweise als Anstreich farbe zu verwenden.
Beispiel 2: Die Hydrosole von elementarem Platin, welche durch elektrische Zerstäubung, zum Beispiel nach demn Verfahren von Bredig, hergestellt worden sind, besitzen eine ver hältnismässig geringe Haltbarkeit. Vermischt man ein solches Sol, welche. 0,02 % Platin enthält, mit so viel Kirschgummilösung, dass dann das Sol 0,05 - 0,5 % Kirshgurmmi enthält, oder bringt in diesem Sol die ent sprechende Menge Kirschgummi zur Auf lösung, so erhält man Sole von bedeutend überlegener Haltbarkeit. Naturgemäss kann die elektrische Zerstäubung von vornherein statt in reinem Wasser in verdünnter Kirsch- gummilösung vorgenommen werden.