Verfahren und Einrichtung zur Herstellung von Reliefbildern aus ebenen Vorlagen. Die Erfindung betrifft ein Verfahren, wo nach aus ebenen Vorlagen, z. B. auf Papier, Seide, Leinwand und ähnlichen Stoffen., Reliefbilder, sei es in Einzeldarstellung, sei es in Massenfabrikation, hergestellt werden können. Das neue Verfahren eignet sich zur Reiiefierung von bildlichen Darstellungen aller Art, insbesondere auch zur Reliefher- stsilung von geographischen und andern Kartenwerken.
Gemäss dem Verfahren wird die Bildvor lage, nachdem sie zwischen zwei Rahmen eingespannt ist., durch Tränkung leicht dehnbar gemacht und dann in die ge wünschte Reliefform gebracht.
Eine zur praktischen Durchführung des Verfahrens geeignete Einrichtung ist auf der ictg in Fig. 1 bis 4 und Fig. 5 und 6 in zwei beispielsweisen Ausführungsformen dargestellt,- die im Nachfolgenden beschrie ben werden unter gleichzeitiger Erläuterung von Ausführungsbeispielen des Verfahrens.
Die Bildvorlage a (Fig. i), aus Papier, Seide, Leinwand oder ähnlichen Stoffen, wird zwischen zwei Rahmen b und c, wel- ehe den gleichen Bildausschnitt besitzen, fest eingespannt. Alsdann wird die Bildvor lage mit einer Flüssigkeit, z. B. Wasser, ge tränkt, um sie dehnbar zu machen. Nun mehr füllt man den obern Rahmen b mit einer plastischen Masse d aus, die sich mit der Bildvorlage innig verbindet. Mit Vorteil gelangt eine Masse zur Verwendung, die zäh und sandig ist, dabei aber eine Zeit lang modellierfähig, indem sie nur allmählich erhärtet.
Besonders geeignet für diesen Zweck ist eine Mischung aus gemahlenem Schiefer, Porzellanerde, Werg, Leim und Wasser. Man überlässt nunmehr die Bild vorlage mit der Masse der eigenen Schwere, so dass sie gemäss Fig. 2 kissenartig abwärts sackt.
Um bei dem kissenartigen Abwärtssacken - namentlich bei grösseren Bildvorlagen die Gefahr eines zu tiefen Abwärtssackens einzelner Teile zu vermeiden, kann man das Ausbeulen nach unten durch eine in -Fig. 2 punktiert eingezeichnete Matrize f begTen- zen, deren Hohlform angenähert oder genau dem herzustellenden Relief entspricht. Bei dein Abwärtssacken durch die eigene Schwere bewirkt die plastische Masse ein so grosses Dehnen der getränkten Bildvor lage, dass die letztere sich den Erhebungen und Vertiefungen der Matrize gut anpasst. Die Geschmeidigkeit der Bildvorlage wird durch das selbsttätige Durchsacken und durch das Dehnen wesentlich erhöht.
Es er gibt sich bei Anwendung der Matrize eine Arbeitsweise, die eine maschinelle oder menschliche Arbeitskraft überflüssig macht, so dass mit Leichtigkeit innerhalb kurzer Zeit vollendete Reliefbilder erzeugt werden können. Die fehlerhafte Eigenschaft des Pa piers, sich nach der einen Seite mehr, nach der andern Seite weniger zu dehnen, wird durch das Durchsacken allmählich ausge glichen, so dass die Einhaltung der Masse (Dimensionen) nach jeder Richtung hin ge währleistet ist. Dies ist. bei Herstellung von grösseren Objekten, hauptsächlich aber von plastischen Karten mit Höhenlinien und der gleichen, zur genauen Wiedergabe des Ge ländes von Wichtigkeit..
Da ein vollständig Ureies Durchsacken der Masse unter der Wirkung der eigenen Schwere erfolgt, so steht nichts im Wege, zwecks Förderung des Durchsackens zur an genäherten Reliefform von vorn herein an einzelnen Stellen mehr, an andern weniger Masse einzufüllen, je nachdem es den ver schiedenen Erhebungen und Vertiefungen des herzustellenden Reliefs entspricht.
Zwecks Förderung des Durchsackens zu einer angenäherten Reliefform kann auch in der Weise vorgegangen werden, dass Glas Tränken der Bildvorlage, wodurch die letz tere dehnbar gemacht werden soll, örtlich, d. 1i. je nach der Plastik, welche die ein zelnen Stellen erhalten sollen, mehr oder weniger stark vorgenommen wird. Die Stel len also, welche eine hohe Plastik zeigen sollen, werden stark, dagegen andere Stel len, die weniger hervortreten sollen, werden schwach, bezw. gar nicht getränkt.
Durch diese örtliche Behandlung wird erreicht, dass der Stoff, sei. es Papier, Seide, Leinwand oder dergleichen, sich nur an den Stellen dehnt, wo er sich laut Angabe der Vorlage dehnen 5o11. Namentlich ist dies von Bedeu tung bei der Herstellung von Kartenwerken grösserer Formate, welche ein markantes Ge lände zeigen.
Dieses örtliche Tränken kann gegebenen falls unter Zuhilfenahme von Schablonen geschehen, die auf die Rückseite der Bild vorlage aufgelegt werden und in ihrer Form, bezw. in ihren Ausschnitten den Ilauptformen der zu tränkenden Flächen ent sprechen. Die Flüssigkeit wird zum Beispiel entweder aufgespritzt oder mit Pinseln und dergleichen aufgetragen. Gegebenenfalls steht auch nichts. im Wege, die Flüssigkeit auf die Vorderseite der zu reliefierenden Bildvorlage aufzutragen, um je nach Erfor dernis eine erhöhte Dehnbarkeit zu errei chen.
Bei noch höheren zerklüfteten Gelände formen, überhaupt bei besonders stark her auszuarbeitenden Stellen, bearbeitet man zweckmässig ausser dem örtlichen Tränken der Bildvorlage diese mit der Hand oder mit Werkzeugen. Diese Bearbeitung kann ohne oder auch mit einer dünnen Lage plastischer Masse von der Rückseite der Bildvorlage geschehen. Durch ein derartiges Bearbeiten wird erreicht, dass sich die Bildvorlage an den betreffenden, entsprechend kräftig her auszuarbeitenden Stellen besonders stark dehnt. Gegebenenfalls kann man ein in die Matrize gelegtes Polster aus beliebigem.
nachgiebigem Material, wie angefeuchtete Watte, knetbare Masse oder dergleichen, an wenden, um ein Durchdrücken oder Zer reissen der Bildvorlage zu vermeiden.
Um nach dem Auflegen der dünnen Masseschicht beim Bearbeiten die Vorlage genau verfolgen zu können, legt man ferner zweckmässig auf die dünne- Masseschicht eine Pause oder sonstige Vorlage des her zustellenden Reliefs. Auf diese Weise kann man beim Dehnen der Bildauflage der Her auszuarbeitenden Form genau nachgeben, was ohne dieses Mittel Schwierigkeiten bie ten würde, weil die Bildvorlage nach unten hängt und ausserdem nach oben durch die dünne Masseschicht bedeckt. ist.
Wird die Bildvorlage in der beschrie benen Weise örtlich vorbereitst und behan delt, so wird bei dem nach dem Einfüllen der Masse erfolgenden Durchsacken bereits ein angenähertes Relief auch bis in die ein zelnen Hauptlinien des Bildes hinein erzielt, wodurch eine nachfolgende Herausarbeitung des genauen Reliefs, sei es von Hand, sei es in Masserrlrerstellung, wesentlich erleichtert wird.
Sobald das Durchsacken in irgendeiner der beschriebenen Weise genügend vor sich gegangen ist, befestigt man auf dem obern Rahmen b eine Platte e, e1 und schliesst hierdurch die Masse d allseitig ein.
Der mittlere Teil c1 der Rückplatte e, e, des Rahmensystems ist gemäss Fig. 2 und 3 deckelartig aufklappbar, um das Nachfüllen plastischer Masse zu gestatten. In diesem Deckel e, sind Öffnungen q angebracht, durch welche eventuell überschüssige Masse hinäusquellen kann. Nach dem Abschliessen der Masse wird Glas Ganze herumgedreht (Fig. 3), so dass die Bildvorlage nach oben zu liegen kommt..
Zur Erleichterung des Herumdrehens und der Handhabung des ganzen Rahmensystems sind an der Rückplatte e seitliche Drehzapfen U angebracht. Mit Hilfe dieser Drehzapfen lasst sich das Rahmensystem in ein Gestell h. (Fig. 4) einhängen, in welchem es in der horizontalen Lage durch Schnepper i oder dergleichen festgehälten wird. Die Bearbei tung des Reliefs von der Bildseite her kann nach dem Abnehmen der Matrize bequem mit Hilfe von Werkzeugen und speziellen. Matrizen erfolgen.
Hierbei findet mit Vor teil ein auslegeartiger, und zwar nach Art eines zusammenklappbaren Schwenkarmes ausgebildeter Mess- und Modellieräpparat k Anwendung, in welchem sich ein dem je weiligen Zweck entsprechend gestaltetes Werkzeug L einspannen lässt. Die Höhenlage des letzteren kann durch Mikrometer schraube m mit Zeigerablesung (auf der Zeichnung nicht ersichtlich) genau ein- reguliert. werden.
Von besonderer Bedeu tung ist ein derartiger Mess- und Modellier apparat bei der reliefartigen Herstellung geographischer und anderer Kartenwerke (Generalstabskarten), namentlich um die Li nien gleicher Höhen an sämtlichen Stellen der Karte auf ihre richtige Höhenlage zu kontrollieren.
In Fig. 5 und 6 ist ein verstellbarer Ar beitstisch für derartige Hochbildbearbeitung zur Darstellung gebracht. Das Rahmen system<I>c ,b,</I> c ist. mittelst seiner seitlichen Drehzapfen g in den Tisch h eingehängt., der mit Hilfe des von dem Gewichte n be- einflussten rarallelogrammes o je nach der Lage der verstellbaren Stütze p in verschie dene Höhenlagen und Neigungen gebracht werden kann, wie es für die jeweilige Be arbeitung- am vorteilhaftesten ist.
Auf dem verstellbaren Tische h, ist der Modellierappa- rat k angebracht, in welchem das auswech selbare Modellierwerkzeug L der Höhe nach genau verstellbar ist:. Die aus dem Grund risse (Fig. 6) ersichtliche Bildvorlage a stellt. im vorliegenden Falle eine geographische Karte dar.
Tim mit möglichst. wenig plastischer Masse auszukommen und das fertige Relief tun lichst leicht zu gestalten, ist. es zweckmässig. die Rückplatte e. cl mit einer Patrizenform zu versehen, welche die plastische Masse und die Bildvorlage in die entsprechende Form bringt. Eine derartige Patrizenform kann entweder für sich allein oder im Zu- sammenhange mit einer entsprechenden Matrizenform verwendet werden, die von der Bildseite her aufgebracht wird.
Ist ein Relief erstmalig im Original her gestellt, so kann man es nach Erhärtung der Masse als Vollform benutzen, um darnach in bekannter Weise, sei es auf galvanopla- stischem Wege, sei es mit Hilfe eines Giess verfahrens oder dergleichen, Hohlformen oder Matrizen herzustellen. Derartige Ma trizen können alsdann dazu benutzt. werden, um bei demselben Verfahren, das den Ge genstand der vorliegenden Erfindung bildet, Anwendung zu finden, nämlich die Bild- varlage samt der plastischen Masse von der Bildseite fier in die entsprechende Relief form zu bringen.
Dies kann sowohl gemäss F ig. 2 während des kissenartigen Abwärt,s- sackens, .als auch gemäss Fig. 3 bei der um gekehrten Lage des Rahmensystems er folgen.
Namentlich kommt dies in Betracht für die Massenherstellung derartiger Reliefbil der, insbesondere Reliefkarten. Man kann in diesem Falle das ganze Rahmensystem mit -der Matrize unter eine entsprechend ausgebildete Presse bringen, deren Press- druck die Bildvorlage mit. der plastischen Masse zum genauen Anliegen an die Hohl form der Matrize bringt. Diese Bearbeitung unter der Presse kann sowohl in der aus Fig. 2, wie in der aus Fi,g. 3 ersichtlichen Lage des Rahmensystems erfolgen. Der Press- stempel kann sowohl von unten, wie von oben wirken.
Hat. das Rahmensystem die Lage gemäss Fig. 2, befindet. sich also die Bildvorlage unten, so kann gegebenenfalls die Abschlussplatte e des Rahmensystems in Wegfall kommen oder durch den Press- stempel selbst. gebildet werden. Bei der um gekehrten Lage des Rahmensystems gemäss Fig. 3 wird dagegen stets eine Rückplatte, welche die plastische Masse abschliesst, er forderlich sein.
In jedem Falle bringt dann der Pressdruck die kissenartig ausgebeulte Bildvorlage samt der plastischen Masse zum Anliegen an die Hohlform der Matrize, so da.ss sich Reliefs durch Massenherstellung ergeben.
Übrigens könnte man das Verfahren auch in der Weise ausführen, dass man, nachdem man die Bildvorlage in das Rahmensystem eingespannt und dehnbar gemacht hat, an statt der plastischen Masse einen genauen Reliefkörper in fester Form benutzt, das Rahmensystem zwischen diesen Reliefkör per und eine Matrize bringt und nunmehr die dehnbar gemachte Vorlage mittest der Matrize auf den Reliefkörper aufpresst. Durch die bei dieser Arbeitsweise an Stelle der plastischen Masse hinter die Bildvorlage gebrachte Patrize wird das Durchsacken der Bildvorlage gewissermassen beschleunigt und das Aufpressen der letzteren auf den Reliefkörper kann dann sofort durch den Druck der Matrize erfolgen,
wobei eine dauernde Verbindung zwischen Bildvorlage und Reliefkörper erzielt wird, namentlich wenn dieser vorher noch mit Klebstoff über zogen wurde.