Rotationsdruckmaschine. Es sind lithographische Rotationsmaschinen für mittelbaren ein- oder mehrfarbigen ein seitigen Druck bekannt, ferner solche, auf denen unmittelbarer ein- und mehrfarbiger einseitiger Druck, sowie Schön- und Wider druck und Transparentdruck hergestellt wer den kann. Alle diese Maschinen haben jedoch den Nachteil, dass ihr Verwendungsgebiet verhältnismässig eng begrenz ist.
Weiterhin lassen sich bei den bekannten Maschinen für mittelbaren Druck nur seiten richtige (positive) Formen verwenden. In zahlreichen Fällen, wo von einer Steinzeich nung, Steingravur, von einem gewöhnlichen Letternsatz, Druckstock für Hochdruck usw. eine für den mittelbaren Druck geeignete lithographische Form hergestellt werden musste, musste man bisher den doppelten Umdruck, das sogenannte ,,Kontern" verwenden. Diese Verfahren ist schwierig und in der Ausführung unsicher. Seitenverkehrte (negative) Formen, die man auf dem Wege des einfachen Um druckes von jeder Umdruckform herstellen kann, lassen sich auf den bekannten Maschinen für mittelbaren Druck nicht verwenden.
Gegenstand der Erfindung ist eine Ma schine, bei der der Drucker in der Wahl des Druckverfahrens, das ihm für den jeweils gegebenen Zweck vorteilhaft erscheint, we sentlich grössere Freiheit hat, als bei den bekannten Maschinen. Die neue Maschine hat drei Zylinder; von diesen Zylindern ist der eine im Durchmesser mehrmals so gross wie jeder der beiden andern, und der eine Teil der Oberfläche dieses grossen Zylinders ist als Formplattenträger ausgebildet, während der andere Teil sowohl als Formplattenträger, als auch als Übertragungs- oder Gegendruck fläche dienen kann.
Der eine der beiden kleinen Zylinder ist init Greifern ausgerüstet und dient als Übertragungs- oder Gegendruck- fläche, der andere ist Übertragungszylinder und lässt sich vorn grossen Zylinder abheben.
Die neue Maschine ist in der beiliegenden Zeichnung in zwei Ausführungsbeispielen, mit lithographischen Druckformen arbeitend, sche- inatisc:h in Seiteiiansieht dargestellt; und zwar zeigt Fig. 1 eine Ausführungsform, bei welcher der grosse Zylinder im Durchmesser doppelt so gross ist wie jeder der beiden kleinen Zylinder, und Fig. 2 eine solche, bei welcher der grosse Zylinder im Durchmesser dreimal so gross ist wie jeder der beiden anderen.
Da die beiden Ausführungsformen im grossen und ganzen nur in bezug auf ihre Verwendungsmöglichkeiten verschieden sind, können sie parallel miteinander beschrieben werden. Die drei Zylinder sind in den beiden Figuren mit a, b, d bezeichnet. c sind Greifer im Zylinder b. Mit e, f sind zwei Teilstrecken auf der Oberfläche des Zylinders a in Fig. 1, mit e, f, g drei Teilstrecken auf der Ober fläche des Zylinders a in Fig. 2 bezeichnet. In beiden Fällen ist lt das Feuchtwerk und i ein Farbwerk. In Fig. 1 ist der Platten zylinder a doppelt so gross, in Fig. 2 dreimal so gross wie jeder der beiden andern, mit Gummituch oder dergleichen bespannten Zy linder b³ und d. Der Zylinder d lässt sich in beiden Fällen vom grossen Zylinder a abheben. Ferner besitzt die Ausführungsform nach Fig.
1 noch ein zweites, diejenige nach Fig.2 noch ein zweites und ein drittes ausschalt bares Farbwerk (in der Zeichnung nicht an gegeben).
Soll einseitig in einer Farbe unmittelbar gedruckt werden, so wird eine seitenverkehrte Druckform auf die Flächenstrecke e (Fig. 1 und 2) gespannt. Die Flächenstrecken f und g bleiben unbenutzt. Zylinder d wird abge hoben. Die F ormn wird in bekannter Weise bei h gefeuchtet und bei i eingefärbt. Im geeigneten Augenblick wird der Bogen von den Greifern c erfasst und durch die Druck stelle geführt. Beim Durchgang unter der Druckstelle wird der Bogen auf der oberen Seite bedruckt und hierauf in beliebiger Weise nach vorn ausgeführt.
Beim einseitigen, zweifarbigen, unmittel- barere Druck (Fig. 1 und 2) werden die Flächenstrecken e und f des Zylinders a mit zusammenpassenden, seitenverkehrten Druck formen bespannt und das zweite Farbwerk angestellt. Beim einseitigen, dreifarbigen, unmittelbaren Druck (Fig.2) werden alle drei Teilflächen e, f, g des Zylinders a mit seiten verkehrten Druckformen bespannt und alle drei Farbwerke angestellt. Die Farbwerke werden während des Druckens durch bekannte Mittel im geeigneten Augenblick abwechselnd an- und abgehoben. Zylinder d wird abge hoben.
Der Bogen wird in dem ersten Fall nach dem Durchgang unter der zweiten, im zweiten Fall nach dem Durchgang unter der dritten Druckstelle der Bogenausführungsvor- richtung übergeben. Zylinder b dient bei unmittelbarem einseitigen Druck als Gegen druckzylinder.
Soll einseitig, einfarbig, mittelbar gedruckt werden (Fig. 1 und 2), so wird die Flächen strecke e mit einer seitenrichtigen Form be spannt und die Flächenstrecke f mit einem Bezug von gleicher Stärke wie die Form versehen. Zylinder dl bleibt abgehoben und Zylinder b ist derart mit einen elastischen Überzug versehen, dass sich die Force zunächst auf dem elastischen Überzug des Zylinders b abdruckt. Während dies geschieht, wird der Bogen angelegt. Beim Durchgang unter der Druckstelle wird er durch die Flächenstrecke f an den Zylinder b angepresst und der Ab druck dadurch auf die untere Seite dles Bogens übertragen. Zylinder b ist in diesem Falle Übertragungszylinder und Flächen strecke f' Gegendruckfläche.
Durch Rand leisten oder dergleichen wird Feuchtwerk und Farbwerk während des Durchganges der Flächenstrecken f' und g abgehoben.
Soll einseitig, einfarbig, mittelbar von eirner seitenverkehrten Form gedrückt werden (Fig. 1 und 2), so wird die Form auf die Flächen strecke e gespannt, die Flächenstrecke f mit Guummituch oder einem ähnlichen Überzu bespannt und die Anordnung in der Weise getroffen, daP") sich die Forin zunächst auf dem elastischen Überzug des Zylinders (1 abdruckt.
Von diesem wird der Abdruck bei fortgesetzter Drehurig der Zylinder auf den Überzug der Flächenstrecke f' übertragen und von dort beim Durchgang unter dem Zylinder 1, auf die obere Seite des Druckbogens. Mittelst geeigneter Vorrichtungen wird der Z Z-linder l) beim Durchgang der Formplatte jedesinal abgehoben,
ebenso Feucht- und Farbwerk beim Durchgang der Fliiehenstrecken f' und g. Zylinder b ist hier Gegcndr@@ckzylinder. Einseitiger, zweifarbiger, mittelbarer Druck (Fig. 2) wird in der Weise ausgeführt, dass man die Flächenstrecken e und f mit je einer zueinanderpassenden seitenricbtigen Form bespannt und die Flächenstrecke g mit einem Überzug von gleicher Stärke versieht. Das zweite Farbwerk wird angestellt und der Zylinder d durch Abheben abgestellt.
Die beiden Formen drucken sich zunächst nach einander auf dem elastischen Überzug des Zylinders b ab, und der zu Beginn der dritten Umdrehung des Zylinders b angelegte Bogen empfängt die beiden Abdrücke gleichzeitig auf seiner unteren Seite. Zylinder b wirkt hier als Übertragungszylinder und Flächen strecke g als G egendruckfläche.
Einfarbiger Schön- und Widerdruck (Fig. 1 und 2) kann auf der Maschine in der Weise ausgeführt werden, dass man die eine Seite des Bogens unmittelbar und die andere mit telbar oder beide Seiten mittelbar bedruckt. Im ersten Falle wird eine Teilfläche, beispiels weise die Flächenstrecke e mit einer seiten richtigen Form, die Flächenstrecke f mit einer seitenverkehrten Form bespannt. Zylinder d wird abgestellt und die Anordnung im übrigen so. getroffen, dass sich die auf der Flächenstrecke e, befindliche Form zunächst auf einemu elastischen Überzug des Zylinders b abdruckt, worauf der Bogen angelegt und beim Durchgang unter der Druckstelle gleich zeitig auf beiden Seiten bedruckt wird, auf der unteren Seite mittelbar und auf der oberen unmittelbar.
Zylinder b ist in diesem Falle gleichzeitig Übertragungs- und Gegendruck zylinder. Schön- und Widerdruck können auch in zwei verschiedenen Farben ausgeführt werden.
Soll sowohl Schöndruck als auch Wider druck auf mittelbarem Wege erfolgen (Fig. 2), so wird die Flächenstrecke e mit einer seiten richtigen Form, die Flächenstrecke f mnit einer seitenverkehrten Formn und die Flächenstrecke g mit Gummituch bespannt. Zylinder d wird angestellt und die Anordnung im übrigen so getroffen, dass sich die auf die Flächenstrecke e gespannte Form auf dem elastischen Über zug des Zylinders b, die auf der Flächenstrecke f befindliche Form zunächst auf dem Gummi bezug des Zylinders (id abdruckt. Zylinder d überträgt den Abdruck auf den Gummibezug der Flächenstrecke g. Das Anlegen des Bogens erfolgt in der Weise, dass er beim Durchgang unter der Druckstelle gleichzeitig auf beiden Seiten bedruckt wird, vom Zylin der b auf der unteren Seite und von dem Umdruck auf der Flächenstrecke g auf der oberen Seite.
Selbstverständlich wird während des Druckens Zylinder d, sowie Feucht- und Farbwerk zeitweise, nämlich während des Durchganges der Flächenstrecke e, beziehungs weise beim Durchgang der Flächenstrecke g abgehoben. Auch hier kann der Schöndruck in einer anderen Farbe ausgeführt werden als der Widerdruck.
Eine Abart des einfarbigen Schön- und Widerdruckes, der sogenannte Transparent druck, kann mit der beschriebenen Maschine ebenfalls ausgeführt werden (Fig. 1 und 2). Es ist dazu eine einzige Form nötig, die seitenrichtig oder seitenverkehrt sein kann. Die Foren wird auf eine der Teilflächen ge spannt und die Anordnung in der Weise getroffen, dass sie sich zunächst auf dem Überzug des Zylinders b abdruckt. Der zu Beginn der zweiten Umdrehung des Zylinders b anzulegende Bogen wird dann an der Druck stelle im genauen Register auf der oberen Seite unmittelbar, auf dier unteren Seite mittelbar bedruckt.
Für den zweifarbigen Schön- und einfar bigen Widerdruck (Fig. 2) werden zwei zu sammenpassende, seiteriverkelirte Formen für die unmittelbar zu druckende Seite und eine seitenrichtige Forin für die mittelbar zu be druckende Seite benötigt. Die beiden zusani- inenpassenden, seitenverkehrten Formen wer den beispielsweise auf die Flächenstrecken c und /' gespannt, die dritte, seitenrichtige auf die Flächenstrecke g.
Dis zweite Farbwerk wird angestellt, Zylinder d abgestellt, die Anordnung im übrigen so getroffen, dah sich die auf der Flächenstrecke g befindliche F orin zunächst auf denn Gummibezug des Zylinders b abdruckt.
Der Bogen wird hierauf von den Greifern ei-fasst und während der nächsten zwei Umdrehungen des Zylinders b festge- haltten und auf diese Art auf der einen Seite zweimal unnmittelbar durch die Formen auf den Flächenstrecken e und f und gleichzeitig auf der andern Seite mittelbar durch die Form auf der Flächenstrecke g bedruckt.
Beim einfarbigen, unmittelbaren Schön- und zweifarbigen, mittelbaren Widerdruck (Fig. 2i werden auf die Flächenstrecken e und j seitenriclhtige Formen, auf die Flächen strecke gf wird eine seitenverkehrte Form gespannt. Zylinder d wird abgestellt. Die auf den Flächenstrecken e und f befindlichen Formen drucken sich zunächst auf denn Über zug des Zylinders b ab. Der Bogen wird zu Beginn der dritten Umdrehung des Zylinders b angelegt und infolgedessen auf der oberen Seite in einer Farbe unmittelbar und gleich zeitig auf der unteren Seite in zwei Farben mittelbar bedruckt.
Es lassen sich demnach auf einer Aus führungsform bei einem Grössenv erhältnis der Durchmesser der drei Zylinder wie 1:2:1 folgende Druckarten ausführen: 1. Einseitiger, einfarbiger Druck unmit telbar. 2. Einseitiger, einfarbiger Druck mittelbar von einer seitenrichtigen Form; 3. Einseitiger, einfarbiger Druck mittelbar von einer seitenverkehrten Form; 4. Einseitiger, zweifarbiger Druck unmit telbar; 5. Gleichzeitiger Schön- und Widerdrttck in der gleichen Farbe oder in zwei verschie denen Farben in einem Arbeitsgang; Schön druck unmittelbar, Widerdruck mittelbar.
Bei einer Ausführungsform mit einem hGrössenverehältnis der Durchmesser der drei Zylindler wie 1 : 3 ) : 1 ergeben sich ausser den soeben angefiihrten Verwendungsmöglichkeiten noch die folgendien: 6i. Einseitiger Dreifarbendruckunmittelbar; i. Einseitiger Zweifarbendruck mittelbar; B. bleichzeitiger Schön- und Widerdruck in (d4er gleichen Farbe oder in zwei verschie denen Farben in einem Arbeitsgang, Schön druck und Widlerclruck mittelbar, Scheindruck von seitenrichtiger Form, Widerdruck von seitenverkehrter Form 9. Gleichzeitiger Schön- und Widerdruck in einem Arbeitsgang; Schöndruck in zwei Farben unmittelbar, Widerdruck in einer Farbe mittelbar, 10. Gleichzeitiger Schön- und Widerlruclk in einem Arbeitsgang; Schöndruck in einer Farbe unmittelbar; Widerdruck in zwei Far ben mittelbar.
Die beschriebenen Maschinen bieten dem nach eine weit grössere Anzahl Verwendungs möglichkeiten als irgend eine der bekannten Druckmaschinen. Eine grössere Druckerei wird sich daher in vielen Fällen die Anschaffung einer Spezialmaschine ersparen können, eine kleinere Druckerei wird in der Lage sein, auch die weniger häufig vorkommenden Druck arten auszuführen.
Durch einfachen Umdruck können seiten verkehrte Druckformen von Handzeichnungen, sowie von Schriftstücken hergestellt werden. die handschriftlich oder auf Gier gewöhnlichen Schreibmaschine mnit autographischer Tinte oder dergleichen auf geeignetem Papier aus geführt werden. Die beschriebenen Maschinen sind deswegen besonders zur Vervielfältigung solcher Zeichnungen und Schriftstücke ge eignet.
Die beim mittelbaren Druck auf den beschriebenen Maschinen verwendeten seiten richtigen Druckformen können auf beliebigem Wege hergestellt sein, zum Beispiel durch Schreiben oder Zeichnen auf der geraubten Zink- oder Aluminiumplatte mit einem harten Bleistift, einem Kupfer- oder Messingstift oder dergleichen, weil bekanntlich so beschriftete oder iiberzeichnete Platten ohne weiteres auf lithographischem Wege druckbar sind.
Hier liegt ein weiterer Vorzug der beschriebenen Maschinen vor den bekannten Maschinen in Fällen, in denen es sich darum -handelt. schriftliche Mitteilungen. Zeichnungen, Pläne. Karten oder dergleichen rasch auf nicht photo graphischem Wege zu vervielfältigen. Beint unmittelbaren lithographischen Druck wird inan zweclzmäfiig tiefgeätzte litliogral-ilii#clie Platteil verwenden.