Selbsttätige Bremsumstellvorriehtung. Um volle oder schwerer beladene Wagen bei durchgehender Bremsung der Eisenbahn züge dem Erfordernis entsprechend mit stärke rem Bremsklotzdruck abzubremsen als leere oder leicht beladene Wagen, muss ein Organ umgestellt werden, durch dessen verschiedene Stellung der Bremsklotzdruck entsprechend der jeweiligen Wagenbelästung abgestuft wird; diese Umstellung erfolgt bis heute fast immer von Hand aus.
Man hat sich trotz der damit verbundenen Nachteile nicht dafür entscheiden können, eine der vorhandenen selbsttätigen Umstellvorrichtungen einzuführen, weil diese bisher noch nicht jenen Grad der Eignung erreicht haben, der für den Eisenbahndienst unerlässlich ist.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist nun eine selbsttätige Umstellvorrichtung für das den Breinsklotzdruck abstufende Organ, bei welcher mindestens die bei gleichmässigen Belastungsänderungen des gleichmässig bela denen Wagens c__jrretende und bis zur nächsten Belastungsänderung bleibende Veränderung der Durchbiegung mindestens einer Tragfeder des Wagens mittelst eines Gestänges auf mindestens ein Zwischenglied übertragen wird, das diese bleibende Veränderung auf das um zustellende Organ weiterleitet und dasselbe verstellt, wobei die Anordnung so getroffen ist, dass die durch nur kurze Zeit währenden Stösse und Schwankungen eintretenden.
Durch biegungsänderungen der Tragfeder keine Wir kung auf das umzustellende Organ ausüben.
Die Vorrichtung kann entweder mit nür einer Tragfeder oder mit zwei oder mehreren Tragfedern in Verbindung gebracht werden. Die durch Stösse und Schwankungen hervor gerufene Durchbiegungsänderungen der Trag feder können durch eine Hemmung aufge nommen und vernichtet worden.
In den Zeichnungen sind in den Fig. 1-3 das eine, -in den Fig. 4-6 ein zweites Aus führungsbeispiel je in der Ansicht, im lot rechten und wagrechten Schnitt dargestellt. Bei diesen Ausführungsformen werden die durch Stösse hervorgerufene Tragfeder-Durch- biegungsänderungen durch eine Hemmung auf genommen und vernichtet. Die Fig. 7 und 8 veranschaulichen ein drittes Ausführungsbei spiel, und zwar in Fig. 7 im Längsschnitt in bezug auf den Wagen und in Fig. 8 im Schnitt A--B der Fig. 7.
Die in den Fig. 1-3 dargestellte Ausfüh rungsform besteht in folgendem- Am Feder bund 1 einer Tragfeder des Wagens oder des Wagendrehgestelles ist die Stange 2 gelenkig befestigt, die an der Kurbel 3 einer Welle 4 angreift. Die Kurbel ist mit der Welle 4 nicht fest verbunden, sondern wirkt .auf die selbevermittelst der spannungslosen Schrauben feder 5 ein, deren eines Ende in einer Boh rung der Kurbel steckt, während das andere in die Bohrung einer auf der Welle 4 be festigten Scheibe 6 eingelegt ist. Die Welle 4 ist im Wagenuntergestell quer zu dessen Längsachse gelagert, und mit ihr ist der Arm 7 und der Masse-Rotationskörper 8 fest verbunden. Der Arm 7 greift an der Über tragungsstange 9 an, die zu dem umzustellen den Organ führt.
Die Wirkungsweise dieser Vorrichtung ist folgende: Hebt oder senkt sich unter einer eintretenden Belastungsänderung, die immer eine bleibende, d. h. längere Zeit andauernde ist, der Wagenkasten, so wird die Kurbel 3 in der einen oder andern Richtung auf die Feder 5 einwirken. Die Feder 5 wird dabei gespannt, die Trägheit des Massekö rpers über wunden, und die Welle 4 erleidet eine der Änderung der Tragfederdurchbiegung ent sprechende Drehung in der einen oder andern Richtung., welche Bewegung durch den Arm 7 und die Übertragungsstange 9 zum umzustel lenden Organ weitergeleitet wird.
Schwan kungen und Stösse, die stets nur kurze Zeit währen, und rasch vor sich gehen, so dass die Tragfeder rasch wieder in ihre frühere Lage zurückkehrt, werden von der Feder 5 im Vereine mit dem blassekörper 8 absor biert, weil letzterer infolge seiner Trägheit so rasche Bewegungen nicht mitmachen kann.
Die Vorrichtung bewirkt also, dass sich das umzustellende Organ bei bleibender Be lastungsänderung des Wagenkastens in jene Lage einstellt, die der neuen Wagenbelastung entspricht Lind in dieser Stellung von selbst verbleibt, solange sich die Belastung nicht ändert. Tritt als Folge besonders heftiger Stösse eine Änderung in der Stellung des um zustellenden Organes ein, dann wird es so gleich wieder in die richtige Lage zurückge stellt.
Bei der in den Fig. 4-6 dargestellten zweiten Ausführungsform besitzt die Feder 5 eine gewisse Anfangsspannung und wirkt mit ihren Enden auf zwei lose um die Welle 4 drehbare Hülsen 10 und 11, von welchen je eine Anschlagbacke 12 bezw. 13 (Fig. 4 und 5) nach vorne ragt, welche durch die Spannung der Feder 5 beiderseits an die auf der Welle 4 lose sitzende Kurbel 3 angepresst werden. Zwischen den beiden Anschlagbacken ist ein kurzer Arm 14 eingeklemmt, der auf der Welle 4 festsitzt. Auf der Welle 4 sitzt ferner der Rotationskörper 8 fest.
Die Wirkungsweise dieser Vorrichtung ist folgende: Dreht sich bei einer Belastungsände rung die Kurbel 3, so wird die eine oder andere Hülse 10 bezw. 11 mittelst der Backe 12 bezw. 13 mitgenommen. Die gespannte Feder 5 bewirkt sodann, dass auch die zweite Hülse dieselbe Drehung macht, wobei deren Anschlagbacke den Arm 14 und damit die Welle 4 mitnimmt, wodurch in weiterer Folge die Einwirkung auf das umzustellende Organ erfolgt.
Die Wirkung des Rotationskörpers 8 ist hier die gleiche wie bei der ersten Ausfüh rungsform.
Die Hemmung kann bei beiden Ausfüh rungsformen, anstatt von dem Masse-Rota- tionskörper von einer Flüssigkeitsbremse ge bildet werden. Diese kann beispielsweise die Form der bekannten mit Flüssigkeit arbeiten den Türschliesser haben, bei welchen sich ein Hebelarm oder eine Kolbenstange in dem Masse bewegen kann, in dem die Flüssigkeit unter einem gewissen Widerstand von einer Kolbenseite auf die andere gedrückt wird. Diese Flüssigkeitsbremse wird am Waggon gelagert und der Hebelarm oder die Kolben stange. mit dem Arm 7 verbunden, der sich sonach nur nach Überwindung des bestehen den Widerstandes bewegen kann.
Bei der in den Fig. 7 und 8 dargestellten dritten Ausführungsform wird nicht die Durch biegung bloss einer Tragfeder des Wagens zur Betätigung des umzustellenden Organes benützt, wie dies bei den vorbeschriebenen Ausführungsformen der Fall ist, sondern es werden zwei Tragfedern hierzu in der Weise herangezogen, dass eine Verstellung des um zustellenden Organes nur dann im Verhältnis zur Belastung erfolgt, wenn eine Belastungs änderung beider Tragfedern gleichzeitig und in der gleichen Richtung erfolgt, d. i., wenn der Wagen gleichmässig beladen oder entladen wird und wenn die Last auf dem Wagen gleichmässig verteilt ist.
Die Konstruktion ist folgende : An' zwei Achstragfederbunden 1-einer Längsseite des Wagens oder eines Drehgestelles eines Wagens sind die Stangen 2 gelenkig angebracht, die vermittelst der Arme 15 die horizontalen Quer wellen 16 in Drehung versetzen können. Die mit diesen Wellen fest verbundenen Arme 17 übertragen vermittelst der Stangen 18 die Bewegung auf die Stäbe 19 und 20, die auf der Querwelle 21 schwingbar aufgehängt sind. Um dieselbe Welle drehbar sind auch das Hängeisen 7, von dem die zum umstellenden Organ führende Übertragungsstange 9 weg führt, und der Mitnehmerarm 22.
Ein zweiter Mitnehmerarm 23 ist auf der Welle 21 fest aufgekeilt. Die beiden Mitnehmerarme 22, 23 sind winkelförmig so gestaltet, dass deren wagrechter Teil von der entgegengesetzten Seite über den zunächst befindlichen Stab 19 bezw. 20 und über das Hängeisen 7 reicht (Fig. 8).
Die gespannte Schraubenfeder 5 ist mit ihren beiden Enden einerseits in eine Bohrung des Mitnehmerarmes 22 (Fig. 8) und anderseits in eine Bohrung des Bundes 24 der Welle 21 eingesteckt und *bewirkt, -dass sich die beiden Mitnehmerarme 22, 23 beider seits an das Hängeisen 7 und an den benach barten Stab 19 bezw. 20 anlegen.
Die Wirkungsweise der Vorrichtung ist folgende: Die dargestellte Stellung ist jene, wie sie einer bestimmten gleichmässigen Belastung; d. i. einer gewissen gleichmässigen Einsenkung der beiden mit der Vorrichtung verbundenen Achstragfedern entspricht.
Wird dieser Wagen nun gleichmässig ent laden, d. h. so, dass beide Achsen in gleichem Masse entlastet werden, so bewegen sich die Stangen 18 infolge Hochgehens des Wagen kastens und sämtlicher Querwellen 16, 21 bei feststehenden Federbunden 1 gleichmässig nach rechts, wodurch die mit ihnen verbun denen Stäbe 10 und 20 nach rechts aus schlagen. Dadurch wird der Mitnehmerarm 22 ebenfalls nach rechts verschwenkt, wäh rend der Mitnehmerarm 23 unter der Ein wirkung der gespannten Feder 5 in die gleiche Schräglage nachgezogen und durch diesen das Hängeisen 7 in diese Schräglage gebracht wird.
Das umzustellende Organ wird dem nach entsprechend dem Ausmass der Verände rung der Tragfederdurchbiegung verstellt.
Wird der Wagen gleichmässig beladen, so tritt derselbe Vorgang in der andern Rich tung ein.
Da bei Einzelstössen, wie sie zum Beispiel die Schienenverbindungen verursachen, ent weder nur eine Tragfeder sich durchbiegt, oder die Achstragfedern in entgegengesetzter Richtung spielen, werden die Stösse auch bei dieser Ausführungsform auf die Lage des um zustellenden Organes keinen Einfluss haben. Hier wird die Hemmung durch jenes Ge stänge 2, 15, 17, 18 und 19 bezw. 20 ge bildet, das zu der bei Stössen oder Schwan kungen in dem gegebenen Augenblick nicht oder weniger beeinflussten Tragfeder führt. Dieses (xestäiige nimmt die eintretende Span nungserhöhung der Feder 5 auf und ver nichtet sie.
Fährt nämlich der Wagen über einen Schienenstoss, so wirken die dadurch entstehenden Stösse nicht gleichzeitig, sondern hintereinander auf die beiden Tragfedern; jenes Gestänge, das zur jeweilig nicht beein- flussten Tragfeder führt, bildet sodann die Hemmung gegen eine Änderung der Lage des umzustellenden Organes. Auch wenn bei vor stehend beschriebener Ausführungsform nur zwei Achstragfedern mit der Vorrichtung in Verbindung stehen, wird das umzustellende Organ während der Fahrt nur selten aus seiner Lage kommen und auch dann zumeist nur um ein sehr geringes blass.
- Die in den Fig. 7 und 8 dargestellte Vor richtung kann auch für mehr als zwei Trag federn eingerichtet werden.