Stromabnahmeeini#ichtung bei elektrischen Bahnen. Bei vielen Brücken und besonders bei längeren zweigleisigen Tunnels von Eisen bahnen reichen Konstruktionsteile, Mauerwerk oder dergleichen seitlich bis knapp an das Profil des lichten Raumes des Fahrzeug bereiches heran.
Wird die Bahn mit elek trischer Oberleitung ausgerüstet, können die elektrischen Eisenbahntriebfahrzeuge nicht reit den üblichen 1,80 bis 2,40 Meter breiten Stromabnehmern allein ausgestattet werden, da dieselben durch die an das Profil heran reichenden Hindernisse zertrümmert würden und anderseits der Fahrdraht ausserhalb des Lichtraumprofiles, mit Rücksicht auf die seit lichen Hindernisse oberhalb des Lichtraum profiles angebracht werden muss.
Es können daher an solchen Stellen nur schmale Stromabnehmer, welche seitlich nicht über das Lichtraumprofil hinausragen, ver wendet werden. Würde man auch auf der freien unbehinderten Strecke nur schmale Stromabnehmer verwenden, müsste die Anzahl der Maste, welche die Oberleitung tragen, viel grösser als bei Verwendung von breiten Strom abnehmern angesetzt werden, was 'eine ge wichtige Verteuerung der Streckenausrüstung bedingen würde. Gemäss der nachstehend beschriebenen Erfindung sind auf einem Eisenbahntriebfahr zeug mindestens zwei Stromabnehmer ver schiedener Breite vorgesehen, von welchen Stromabnehmern der schmälere selbsttätig seine höchste Stellung einzunehmen bestrebt ist und der breitere durch eine selbsttätig wirkende Hubvorrichtung gehoben wird.
Die Stromabnehmer sind miteinander derart in Verbindung, dass beim Senken des schmäleren Stromabnehmers infolge tieferer Lage der Fahrdrahtleitung die Hubvorrichtung des brei teren Stromabnehmers selbsttätig ausser Wirk samkeit gesetzt und dadurch das Senken des letzteren herbeigeführt wird.
Auf der Zeichnung sind mehrere beispiels weise Ausführungsformen dargestellt.
Fig. 1 und 2 zeigen das eine derselben in Seitenansicht und Draufsicht; Fig. 3 zeigt eine Einzelheit in einem Längs- und Querschnitt; Fig. 4, 5 und 6 veranschaulichen je ein anderes Ausführungsbeispiel, wobei nur die zum Ver ständnis der Erfindung erforderlichen Teile gezeigt sind.
Beim Ausführungsbeispielnach Fig.1 und 2 ist ein Druckzylinder 16 an einer Druckluft rohrleitung 17 angeschlossen und enthält einen Kolben 16', welcher unter dem Einfiuss von Drucli:luft stehend mittelst der Schubstange 15 den Winkelhebel 12 in der in Fig. 1 in vol len Linien gezeichneten Stellung hält. Der Winkelhebel 12 ist mit der einen Achse des Unterteils des Stromabnehmers 6 starr ver bunden und mittelst der Lenker 10 und He bel 11 mit dem Hebel 13 zwangsläufig in Ver bindung, welcher auf der Achse des andern Unterteils des Stromabnehmers 6 festsitzt.
Durch den auf den Kolben 16' wirkenden Druck wird der Stromabnehmer 6 entgegen der Kraft der Feder 18 und seinem Eigen gewicht gehoben und das Schleifstück 9 all den auf freier Strecke in der höchsten Lage 1 \befindlichen Fahrdraht angepresst.
Ein um die horizontale Achse 19 dreh barer schmaler Stromabnehmer 20 wird durch zwei Federn 23 und 24 in seiner vertikalen, also höchsten Stellung gehalten, ohne jedoch den Fahrdraht in seiner Hochlage 1 zu er reichen. Die Achsen beider Stromabnehmer sind in Lagern 14 und 25 gelagert, welche isoliert auf dem Dache eines nicht gezeich neten Eisenbahntriebfahrzeuges aufgestellt sind.
Der schmale Stromabnehmer 20 wird, wenn der Fahrdraht sich aus der Lage 1 in die Lage 2 senkt, je nach der Fahrtrichtung entgegen der Zugwirkung einer der Federn 23 und 24 in die rechte oder linke Lage 21 gedreht, wobei er mittelst der Schubstange 26 einen Hebel 27 aus der senkrechten Lage in die Lage 28 dreht. Der Hebel 27 sitzt fest auf der Achse des Kückens eines Steuer hahnes 30, der an die Druckluftleitung 17 angeschlossen ist. Das Hahnkücken besitzt eine achsiale, ins Freie führende Bohrung 30' (Fig. 3) und zwei Ausschnitte 32.
In den Stellungen 28 des Hebels 27 befindet sich eine der untern Kanten der Ausschnitte 32 dicht oberhalb der Mündungskante 34 der an die Druckluftleitung 17 angeschlossenen Bohrung 33, aus welcher etwas Druckluft durch den einen der Ausschnitte 32 und die Bohrung 30' hindurch ins Freie entweichen kann. Demzufolge wird der Druck auf den Kolben 16' verringert, so dass der breite Strom- abnehmer 6 infolge seines Eigengewichtes und der Wirkung der Feder 18 in die Lage 7 gesenkt wird, in welcher er mit dem Fahr draht ausser Berührung ist, so dass die Strom- abnahme nur durch den schmalen Strom abnehmer erfolgt.
Kommt der Fahrdraht weiter bis in seine tiefste Lage 3 herunter, so gelangt der schmale Bügel 20 in die Lage 22 und der Hebel 27 in die Lage 29, in welcher einer der Aus schnitte 32 des Hahnkückens die Rohrleitung 17 mit der Atmosphäre vollständig in Ver bindung hält.
Die Pressluft entweicht demzufolge un gehindert aus der Rohrleitung 17 und aus dein Zylinder 16. Der breite Stromabnehmer sinkt durch sein Eigengewicht und die Wir kung der Feder 18 in seine tiefste Lage 8, in welcher das Schleifstück 9 vom Fahrdraht um das Stück 5 entfernt liegt.
In der tiefsten Lage des Fahrdrahtes ist es vorteilhaft, parallel zu ihm einen geerdeten Draht 39 so weit vom Gleismittel entfernt zu spannen, dass er unbedingt ausserhalb des Be reiches des schmalen, jedoch im Breiten bereiche des breiten Stromabnehmers liegt (Fig. 2). Sollte durch ein Versagen der Ver bindungsvorrichtung zwischen den beiden Stromabnehmern der breite Stromabnehmer 6 mit seinem Schleifstück 9 noch in der Hülle der tiefsten Lage 3 des Fahrdrahtes sich be finden, so verursacht er einen Kurzschluss zwischen Fahr- und Erddraht und das Eisen bahntriebfahrzeug wird stromlos. Durch die üblichen an demselben vorhandenen Vorrich tungen wird der Fahrzeugführer auf die Stö rung aufmerksam gemacht.
Zwischen dein Druckzylinder 16 und dem Steuerhahn 30 ist in die Druckluftleitung 17 ein Hahn (Ventil) 31 eingeschaltet, welcher bei allfälligem Uudichtwerden des Steuer ventils 30 die Rohrleitung 17 abzusperren und auf unbehinderter Strecke die Fahrt fort zusetzen gestattet.
Wird zum Hube des breiten Stromab nehmers statt Druckluft Federkraft oder ein Elektromagnet oder eine mechanische Hub- vorrichtung verwendet, so kann eine Vorrich tung sum Entspannen der Feder, beziehungs weise Ausschalten des Zugmagnetstromes, beziehungsweise der Hubvorrichtung vorhan den sein, welche vom schmalen Stromabnehmer 20 sinngemäss gesteuert wird.
Es kann dies auf mehrere Arten, beispiels weise wie nachstehend anhand der Fig. 4-6 beschrieben, bewerkstelligt werden.
In Fig. 4 ist eine Vorrichtung für elektro magnetischen Hub des breiten Stromabnehmers mittelst eines Zugmptors 43 gezeichnet. Die Stromabnehmer sind nicht ersichtlich. Die am schmäleren Stromabnehmer angelenkte Schub stange 26 betätigt den Hebel 27, welcher den Kontakt 47 trägt. Der Winkelhebel 12 des breiten Stromabnehmers ist durch die Stange 15 mit einem Hebel 40 gekuppelt, welcher durch das Zugseil 41, das auf der Seiltrom mel 42 eines Elektromotors 43 aufgewickelt ist, während des Betriebes des letzteren in der zum Hochhalten des breiten Stromab nehmers geeigneten Stellung gehalten wird. Der Hebel 27, der Elektromotor 43 und ein feststehender Kontakt 48 sind durch Leitun gen 44 in den Stromkreis einer Batterie 49 eingeschaltet.
Der Stromkreis derselben kann mittelst Schalter 45 von Hand geschlossen und unterbrochen werden, wenn die Kontakte 47 und 48 miteinander in Berührung stehen. Der Kontakt 46 ermöglicht ein Schliessen des Stromkreises von Hand, auch wenn die Kon takte 47 und 48 sich nicht berühren ; er er möglicht also ein Anheben des breiten Strom abnehmers, wenn der schmale Stromabnehmer oder die Kontaktvorrichtung 47, 48 versagen sollten. Der Kontakt 47 schloift auf dem fest gelagerten Kontakte 48 nur so lange, als der schmale Stromabnehmer sich innerhalb der Lagen 21 (Fig. 1) befindet. Geht er tiefer, von 21 bis 22, so verlässt der Kontakt 47 den Kontakt 48 und wird dadurch der Stromkreis 47\7-44-43-44- 45-49 --44-48-47 unterbrochen.
Bei Öffnung des Stromkreises fällt der breite Stromabnehmer in seine tiefste Lage.
In Fig. 5 ist statt des Zugmotors 43 und der Seilscheibe 41 ein Zugsolenoid 51 vor- handen, dessen Kern 50 mit dem Hebel 40 gekuppelt ist. Die Wirkungsweise dieser Vor richtung ist gleich wie bei der eben beschrie benen, indem beim Unterbrechen des Strom kreises der Batterie 49 infolge Senkens des selbsttätig in seiner Höchstlage gehaltenen schmäleren Stromabnehmers über die Lage 21 hinaus die Hubvorrichtung des breiteren. Stromabnehmers ausser Wirksamkeit gesetzt und der letztere demzufolge in seine tiefste Lage gesenkt wird.
Statt Ruhestrom könnte auch Arbeits strom verwendet werden.
Wird der Hub des breiteren Stromab nehmers mechanisch bewirkt, so könnte die in Fig. 6 gezeichnete Vorrichtung zum Aus schalten der Hubvorrichtung verwendet wer den. Der mit dem schmäleren Stromabnehmer durch die Stange 26 gekuppelte Hebel 27 ist durch einen Lenker 61 mit einer Klinke 60 verbunden, die ihrerseits in der Hochlage des breiteren Stromabnehmers mit einem Sperr haken 58 in Eingriff ist, welcher in einem Lager 57 verschiebbar geführt und an einem Hebel 55 angelenkt ist. Derselbe ist einer seits durch eine Feder 54, den Hebel 40, die Stange 15 und den Hebel 12 mit dem brei teren Stromabnehmer und anderseits durch das Zugseil 59 mit der nicht gezeichneten mechanischen Hubvorrichtung in Verbindung.
Kommt der schmale Stromabnehmer in die Lage 21 (Fig. 1) und 27 in die Lage 28 oder darüber hinaus, so kommt die Klinke 60 mit dem Sperrhaken 58 ausser Eingriff. Der Hebel 55 schwingt aus der ausgezogenen in die strichpunktierte Lage 63, die Hubfeder 54 wird entspannt und der breite Stromabnehmer sinkt in seine tiefste Lage.
Statt nur eines breiten oder schmalen Stromabnehmers könnten auch mehrere breite oder schmale Stromabnehmer gleicher Wir kungsweise vorhanden sein.