DD251802A1 - Verfahren und vorrichtung zur herstellung beidseitig jacquardgemusterter polschlingengewirke auf kettenwirkmaschinen, insbesondere naehwirkmaschinen - Google Patents
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Abstract
Die Erfindung wird angewandt bei der Herstellung von beidseitig gemusterten Decken, Dekorationsstoffen oder aehnlichen Erzeugnissen. Ziel und Aufgabe der Erfindung ist es, die Musterungsmoeglichkeiten fuer Polschlingengewirke zu erweitern, vor allem Moeglichkeiten fuer eine beidseitige, jacquardartige Musterung zu schaffen. Gemaess der Erfindung werden Polschlingen auf beiden Seiten von Kettengewirken, vorzugsweise Naehgewirken, unabhaengig voneinander gebildet und von ein- und demselben Fadensystem an eine Traegerbahn gebunden. Die jacquardartigen Musterungen koennen beidseitig gleich oder unterschiedlich voneinander sein. Zur Durchfuehrung des erfindungsgemaessen Verfahrens dient eine Vorrichtung, bei der zu der zugefuehrten Traegerbahn (8) einseitig ein Schiebernadelsystem (1), dazu auf der gegenueberliegenden Seite ein Lochnadelsystem (5) und beidseitig dazu ein Polplatinensystem (6, 7) sowie ein Auswahlsystem (16, 17) fuer die schlingebildenden Faeden (10, 13) angeordnet sind. Fig. 2
Description
Hierzu 2 Seiten Zeichnungen
Das erfindungsgemäße Verfahren und die erfindungsgemäße Vorrichtung werden vorzugsweise bei der Herstellung von beidseitig gemusterten Decken, Dekorationsstoffen oder ähnlichen Erzeugnissen mit Hilfe von Kettenwirk-, insbesondere Nähwirkmaschinen angewandt.
Es ist bekannt, jacquardgemusterte Polschlingengewirke auf Kettenwirkmaschinen, insbesondere Häkelgalonmaschinen herzustellen, bei denen jeder Nadel ein seitlich versetzbarer und in jeder zweiten Maschenreihe zwischen den Nadelreihen ablenkbarer Mehrfachpolfadenführer, dessen Fadenaustrittsöffnungen etwa parallel zum Nadelschaft angeordnet sind, zugeordnet ist. Für jeden Mehrfachpolfadenführer wird eine Fadenwählplatine benötigt, die mit einer zur Nadel hin offenen Kehle versehen und musterungsmäßig zu je einer der Fadenaustrittsöffnungen des Mehrfachpolfadenführers einstellbar ist. Diese Fadenwählplatine dient zur Auswahl des jeweils musternden Polfadens und zum Einlegen in den Nadelkopf. Es ist auch möglich, den musternden Polfaden nicht in den Nadelkopf einzulegen, sondern der Nadel zu unterlegen (DD-PS 129221). Dabei ist jedoch kein sicheres Unterlegen der Polfäden möglich. Außerdem wird der Totpolfaden nicht in jedem Falle durch den Musterpolfaden überdeckt. So legt sich beispielsweise der als Totpol aus dem kurzen Röhrchen des Mehrfachpolfadenführers kommende Polfaden grundsätzlich im Bereich der Maschenstäbchen über den musternden Faden, womit dieser bei geringeren Polhöhen, wie sie bei Boucleartikeln üblich sind, mit seinem Durchscheinen das Warenbild negativ beeinflußt.
Aus der DD-PS 140767 ist eine Vorrichtung bekannt, bei der für die Führung der Polfäden verstellbare Schwenkplatinen angeordnet sind. Zur Führung der Polfäden ist zwischen den Schwenkplatinen und der Maschenbildungsstelle ein Riet angebracht, wo in erste sich in vertikaler Richtung erstreckende Lücken die Polfäden aufgenommen werden, während zwischen diesen angeordnete zweite Lücken zeitweilig die Schiebernadeln und die Fadeneinlegeplatinen aufnehmen. Die Einbindung der nicht musternden Polfäden erfolgt durch seitliche Hoch-Tief-Versatz des Rietes, wobei der musternde Polfaden in die Arbeitstakte eingebunden, durch die jeweilige Schwenkplatine ausgewählt und mittels der Fadeneinlegeplatine in den Nadelhaken eingelegt
Mit dieser Vorrichtung ist es aber nicht möglich, die musternden Polfäden in Schußlegung zu verarbeiten.
Es ist weiterhin aus der DE-OS 3401 348 bekannt, zur funktionssicheren Auswahl der Polfäden für die Musterung von Polschlingengewirken im Bereich der Wirkwerkzeuge und ein einwandfreies Verdecken der nichtmusternden Polfäden auch bei niedrigen Polhöhen ebenso wie bei der Verarbeitung von Gespinsten und ungedrehten Seiden ein Riet zu verwenden, das vom eine schräg nach unten führende Kante besitzt, die in einem spitzen Winkel zur Laufrichtung der außerhalb des Rietes
zulaufenden zur Musterung gezogenen Polfäden verläuft. Über dem Riet ist eine horizontal quer und in Richtung zu den Polfäden bewegliche Versatzschiene angeordnet, die mit in Richtung der Polfäden und der Teilung des Rietes entsprechenden Nuten versehen ist. Oberhalb der Versatzschiene befindet sich eine Fadeneinlegeschiene, die horizontal zu den Polfäden hin bzw. in Kettrichtung beweglich angeordnet ist.
Für Nähwirkmaschinen sind in der Praxis nur Musterungsmöglichkeiten durch den Einsatz von Legeschienenversatzgetrieben bekannt.
Es ist das Ziel der Erfindung, Möglichkeiten für eine beidseitige Musterung von Polschlingengewirken zu schaffen.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Möglichkeiten für jacquardartige Musterungen für Polschlingengewirke zu erweitern, vor allem Möglichkeiten für beidseitige Jacquardmusterungen zu schaffen. Gleichzeitig soll mit höheren Maschinenfeinheiten, als zur Zeit mit den bekannten Verfahren und Vorrichtungen zur Herstellung von Polschlingengewirken vom Typ Liropol üblich, gearbeitet werden.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß Polschlingen auf beiden Seiten von Kettengewirken, vorzugsweise Nähgewirken, unabhängig voneinander gebildet und von ein und demselben Fadensystem an eine Trägerbahn gebunden werden.
Die Polschlingen bilden auf beiden Seiten des Nähgewirkes jacquardartige Muster, die beidseitig in Form und Farbe gleich oder voneinander unterschiedlich sein können. Dabei werden alle musterbildenden Fäden eines Kettkurses jeder Warenseite durch ein Führungssystem geleitet, geführt oder versetzt.
Auf beiden kann mit der gleichen Anzahl oder mit einer unterschiedlichen Anzahl Chore gearbeitet werden. Dementsprechend werden die Muster gebildet.
Die Fäden, die Polschlingen bilden, werden innerhalb des Führungssystemes mittels Steuerelemente in die Arbeits- bzw. Musterstellung gezogen oder gedrückt, während die nicht Schlingen bildenden Fäden außerhalb der Arbeitsstellung verbleiben.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren arbeitet ein Schiebernadelsystem mit zwei Polplatinensystemen und zwei Führungsund Auswahlsystemen in Form von Langlochplatinen und Steuerelementen zusammen. Die Führung bzw. der Versatz und die Auswahl der musterbildenden Fäden erfolgen getrennt. Die durch das Durchstechen der Grund- bzw. Trägerbahn durch die Schiebernadeln hervorgerufene Ausweichbewegung der Polplatinen wird durch beidseitig angeordnete Gegenhalteeinrichtungen begrenzt.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird mittels einer Vorrichtung durchgeführt, bei der zu der zugeführten Trägerbahn einseitig ein Schiebernadelsystem, auf der gegenüberliegenden Seite dazu ein Lochnadelsystem und beidseitig dazu ein Polplatinensystem sowie ein Führungs- und Auswahlsystem für die schlingenbildenden Fäden angeordnet sind.
Ausführungsbeispiel
In einem Ausführungsbeispiel wird die Erfindung näher erläutert
In der Zeichnung zeigen:
Fig. 1: den Querschnitt durch eine erfindungsgemäße Arbeitsstelle
Fig. 2: die vordere Stellung der Schiebernadeln
Fig. 3: Längsschnitt durch ein erfindungsgemäßes Erzeugnis
Die erfindungsgemäße Arbeitsstelle besteht gemäß Fig. 1 aus Schiebernadeln 1, Schließdrähten 2, Polplatinen 3,4, Lochnadeln 5 und speziellen Langlochplatinen 6,7, in denen die musterbildenden Fäden 10,11,12,13 geführt werden sowie Fadenführungsgestängen 16,17 zur Auswahl der mustergemäß Polschlingen bildenden Fäden 10,13. Weiterhin vorhanden sind Gegenhalteschienen 14,15, die die Bewegung der Polplatinen 3,4 begrenzen. Zwischen den Polplatinen 3,4 wird eine Trägerbahn 8 zugeführt. Als Trägerbahn 8 eignen sich neben Flächengebilden aller Art aus Fäden, auch Faservliese, Faden- oder Folielagen od. dgl. Verarbeitet werden Nähfäden 9 und die musterbildenden Polfäden 10,11,12,13.
Ein Arbeitsspiel verläuft wie folgt:
Die Schiebernadel 1 kommt aus dem hinteren Totpunkt und durchsticht die Trägerbahn 8, um zwischen den Polplatinen 3,4 nach vorn austreten zu können. Die Schiebernadel 1 erfaßt den Nähfaden 9 und bildet an der Trägerbahn 8 Maschen 9 a. Die speziellen Langlochplatinen 6,7 schwenken nach oben aus dem Bereich der Schiebernadel 1 heraus und können nunmehr die musterbildenden Fäden 10,13 nach rechts oder links versetzen. Nachdem das erfolgt ist, tauchen sie wieder in den Schiebernadelbereich ein, wobei sich die Schiebernadel 1 in der Zwischenzeit in die hintere Stellung bewegt und die Maschen 9 a gebildet hat, so daß das neue Arbeitsspiel beginnen kann. Von der hier nicht dargestellten Jacquardmaschine ist zwischenzeitlich über die Fadenführergestänge 16,17 die Fadenauswahl für die zu bildenden Polschlingen 3a, 4a getroffen worden. Dabei ist Voraussetzung, daß die schlingebildenden Fäden 10,13 von der Schiebernadel 1 überstochen und somit vom Nähfaden 9, der von der Lochnadel 5 geführt wird, an die Trägerbahn 8 angebunden werden können. Die schlingebildenden Fäden 10 bzw. 13 müssen also im Langloch der Spezialplatinen 6,7 nach unten gebracht werden, während die nicht schlingebildenden Fäden 11,12 sich oben im Langloch befinden.
Bei der Vorwärts- bzw. Rückwärtsbewegung der Schiebernadel 1 durch die Trägerbahn 8 hindurch wird auf die Polplatinen 3,4 in der jeweiligen Richtung ein Druck ausgeübt, der die Polplatinen 3,4 zu einer Ausweichbewegung zwingt. Um diese einzugrenzen, sind seitlich zu den Polplatinen 3,4 Gegenhalteeinrichtungen 14,15 angeordnet.
Fig. 2 zeigt die vordere Stellung der Schiebernadel 1. Beim Vorwärtsgang hat die Schiebernadel 1 die schlingebildenden Fäden 10,13 überstochen und der Nähfaden 9 ist in den Haken der Schiebernadel 1 eingelegt. Die speziellen Langlochplatinen 6, 7 haben die musterbildenden Fäden 10,11 bzw. 12,13 versetzt und stehen so tief, daß die Schiebernadel 1 zwischen die Langlochplatinen 6,7 eintreten kann. Werden beim nächsten Arbeitsspiel wiederum die Polfäden 10,13 von der Nachbarnadel überstochen, dann werden wieder Polschlingen geformt. Die anderen Fäden 11,12 werden lediglich um eine Nadel versetzt und damit durch den Nähfaden 9 an die Trägerbahn 8 angebunden.
Die Auswahl der die Polschlingen 3 a, 4a bildenden Fäden 10,13 erfolgt in bekannter Weise durch eine Jacquardmaschine. Dabei wird vorzugsweise davon ausgegangen, daß sich alle Fäden in einer „Hochfach"-Stellung befinden, d.h. daß in dieser Stellung die Schiebernadeln grundsätzlich unter den Polfäden hindurchstechen. Da die Polfäden 10,13 die Polschlingen 3a, 4a bilden sollen, von den Schiebernadeln 1 überstochen werden müssen, sich also im „Unterfach" befinden müssen, sind die musterbildenden Fäden aus der Hoch- in die Unterfach-Stellung zu bringen. Die schlingebildenden Fäden 10,13 sind dazu jeder in Steuerelemente in Form von Fadenführergestängen 16,17 eingezogen. Es müssen dabei soviel Fadenführergestänge 16,17 angeordnet sein, wie Polfäden je Kettkurs — also Chore — vorhanden sind.
Werden durch die Jacquardmaschine die schlingebildenden Fäden ausgewählt, dann zieht der Messerkasten der Jacquardmaschine die Fadenführergestänge 16,17 an denen Fadenführer befestigt sind. Die Fadenführer führen damit die schlingebildenden Fäden 10,13 unter die Schiebernadel 1. Nachdem die Schiebernadel 1 die schlingebildenden Fäden 10,13 überstochen hat, bewegen sich die Fadenführergestänge 17 wieder in ihre Ausgangsstellung zurück und die speziellen Langlochplatinen 6,7 können für den nächsten Arbeitszyklus versetzt werden.
Auf Grund der relativ geringen Höhe der Schiebernadel 1 ist der Weg vom Ober-in das Unterfach sehr kurz.
Eine zusätzliche Straffung kann durch mit Borsten, Plüsch oder ähnlichem belegte Walzen erfolgen, über die die musterbildenden Fäden geleitet werden und die sich entgegen der Abzugsrichtung drehen.
Beim Arbeiten mit 2 Farben, d.h. mit 2 Choren, sind auf jeder Warenseite folgende Varianten möglich:
1. Farbe 1 bildet Pol
2. Farbe 2 bildet Pol
3. Farbe 1 und Farbe 2 bilden Pol
4. weder Farbe 1 noch Farbe 2 bilden Pol.
Es entspricht auch der Erfindung, wenn lediglich mit einem Polfaden je Warenseite gearbeitet wird.
In Fig.3istein Längsschnitt durch ein erfindungsgemäßes Erzeugnis mit jeweils nur einem musterbildenden Polfaden je Warenseite dargestellt. Die schlingebildenden Fäden 18,19 sind durch die Maschen 20 an die Trägerbahn 21 gebunden.
Claims (9)
1. Verfahren zur Herstellung beidseitig jacquardgemusterter Polschlingengewirke auf Kettenwirkmaschinen, insbesondere Nähwirkmaschinen, gekennzeichnet dadurch, daß die Polschlingen auf beiden Seiten unabhängig voneinander gebildet und von ein und demselben Fadensystem an eine Trägerbahn gebunden werden.
2. Verfahren nach Punkt 1, gekennzeichnet dadurch, daß die Polschlingen auf beiden Seiten des Nähgewirkes in Form und Farbe gleiche oder voneinander unterschiedliche Muster bilden.
3. Verfahren nach Punkt 1, gekennzeichnet dadurch, daß auf beiden Seiten mit gleicher oder unterschiedlicher Anzahl Chore gearbeitet wird.
4. Verfahren nach Punkt 1, gekennzeichnet dadurch, daß alle musterbildenden Fäden eines Kettkurses jeder Warenseite durch ein Führungssystem geleitet, geführt und versetzt werden.
5. Verfahren nach Punkt 1, gekennzeichnet dadurch, daß ein Schiebernadelsystem mit zwei Polplatinensystemen und zwei Führungs- und Auswahlsystemen zusammenarbeitet.
6. Verfahren nach Punkt 1, gekennzeichnet dadurch, daß die Führung bzw. der Versatz und die Auswahl der musterbildenden Fäden getrennt erfolgen.
7. Verfahren nach Punkt 1, gekennzeichnet dadurch, daß die wechselseitige Ausweichbewegung der Polplatinen durch Gegenhalteeinrichtungen begrenzt wird.
8. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Punkt 1, gekennzeichnet dadurch, daß zu der zugeführten Trägerbahn (8) einseitig ein Schiebernadelsystem (1), auf der gegenüberliegenden Seite dazu ein Lochnadelsystem (5) und beidseitig dazu ein Polplatinensystem (3,4) sowie ein Führungs- und Auswahlsystem (6,7,16,17) für die schlingebildenden Fäden (10,13) angeordnet sind.
9. Vorrichtung nach Punkt 8, gekennzeichnet dadurch, daß zur Begrenzung der Ausweichbewegung der Polplatinen (3, 4) beidseitig zu diesen Gegenhalteeinrichtungen (14,15) angeordnet sind.
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