DD253574A5 - Verfahren fuer die nasse entschwefelung von rauchgasen unter verwendung von dampfkraftwerksklaerschlamm - Google Patents

Verfahren fuer die nasse entschwefelung von rauchgasen unter verwendung von dampfkraftwerksklaerschlamm Download PDF

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Abstract

Verwendung von Dampfkraftwerksklaerschlamm, der einerseits die bei der Nassentaschung unter den Dampferzeugern eines Kraftwerkes, andererseits die bei der Entkarbonisierung des Dampfkraftwerkswassers anfallenden Substanzen aufweist, als Absorptionsmittel fuer die nasse Entschwefelung von Rauchgasen des Dampfkraftwerkes. Die Rauchgase werden in einem Waschturm mit einer Suspension behandelt, die Waschwasser und den Dampfkraftwerksklaerschlamm enthaelt, im Kreislauf gefuehrt sowie in feiner Verteilung mit den Rauchgasen in Kontakt gebracht wird. Aus dem Kreislauf wird ein zu einem hauptsaechlich aus Gips bestehenden Baustoff aufarbeitbarer Entschwefelungsschlamm abgezogen. Zumindest 25 Gew.-% der Feststoffe in dem Dampfkraftwerksklaerschlamm weisen eine Koernung von unter 25 mm auf.

Description

Anwendungsgebiet der Erfindung
Die Erfindung bezieht sich allgemein auf die nasse Entschwefelung von Rauchgasen eines Dampfkraftwerkes, wobei die Rauchgase in einem Waschturm mit einer Suspension behandelt werden, die Waschwasser und Absorptionsmittel in feiner Verteilung enthält, im Kreislauf geführt sowie in feiner Verteilung mit den Rauchgasen in Kontakt gebracht wird, wobei aus dem Kreislauf ein zu einem hauptsächlich aus Gips bestehenden Baustoff aufarbeitbarer Entschwefelungsschlamm abziehbar ist.
Charakteristik der bekannten technischen Lösungen
Bei der nassen Entschwefelung von Rauchgasen eines Dampfkraftwerkes verwendet man bekanntlich Absorptionsmittel wie Kalk, Kalkstein u. dgl. Bei der Entschwefelung entsteht zunächst Kalziumsulfit und nach Oxydation Kalziumsulfat, so daß aus dem Kreislauf ein Entschwefelungsschlamm abziehbar ist, der hauptsächlich aus Kalziumsulfätdihydrat besteht und zu einem Baustoff in Form von Kalziumsulfatalphahalbhydrat aufgearbeitet werden kann. Die genannten Absorptionsmittel müssen durch energieintensive Maßnahmen aus dem Rohstoff hergestellt werden. Im allgemeinen wird dabei mineralischer Kalkstein in der Natur abgebaut, zu Kalk gebrannt sowie danach zu möglichst großer Feinheit aufgemahlen. Das Aufmahlen hat seine Grenzen. Man arbeitet mit Körnungen, die beachtlich über 25Mm liegen. Die Suspension muß, gegenüber der stöchiometrisch erforderlichen Menge, einen erheblichen Überschuß an Absorptionsmittel aufweisen, nämlich einen Überschuß von 10% und mehr.
Im übrigen fällt im Dampfkraftwerksbetrieb sog. Klärschlamm an. Er entsteht einerseits bei der Naßentaschung (vgl. Lueger „Lexikon der Energietechnik und Kraftmaschinen", Band 6,1965, S. 338,339). Er fällt aber auch bei der Entkarbonisierung des Dampfkraftwerkswassers, insbesondere des Dampfkraftwerksspeisewassers, an (vgl. Lueger I.e., S.339). Sowohl die . Naßentaschung als auch die Entkarbonisierung lassen sich so führen, daß der Dampfkraftwerksklärschlamm Feststoffe besonders feiner Körnung enthält. Dieser Klärschlamm wird bisher im Dampfkraftwerksbetrieb, ζ. B. mit Filterkammerpressen, aufwendig entwässert und besonderen Deponien zugeführt. Dampfkraftwerksklärschlamm gilt bisher als nicht verwertbar.
Ziel der Erfindung
Ziel der Erfindung ist es, den im Dampfkraftwerksbetrieb anfallenden Dampfkraftwerksklärschlamm einer Verwendung zuzuführen, die aus dem Dampfkraftwerksklärschlamm einen brauchbaren Baustoff macht.
Darlegung des Wesens der Erfindung
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Absorptionsmittel für die nasse Entschwefelung von Rauchgasen eines Dampfkraftwerkes zu finden.
Zur Lösung dieser Aufgabe wird Dampfkraftwerksklärschlamm, der einerseits die bei der Naßentaschung unter den Dampferzeugern eines Kraftwerks, andererseits die bei der Entkarbonisierung des Dampfkraftwerkswassers anfallenden Substanzen aufweist, als Absorptionsmittel für die nasse Entschwefelung von Rauchgasen des Dampfkraftwerkes eingesetzt, wobei die Rauchgase in einem Waschturm mit einer Suspension behandelt werden, die Waschwasser und den Dampfkraftwerksklärschlamm enthält, im Kreislauf geführt sowie in feiner Verteilung mit den Rauchgasen in Kontakt gebracht wird und aus welchem Kreislauf ein zu einem hauptsächlich aus Gips bestehenden Baustoff aufarbeitbarer Entschwefelungsschlamm abziehbar ist und erfindungsgemäß zumindest 25Gew.-% der Feststoffe in dem Dampfkraftwerksklärschlamm eine Körnung von unter 25μητι aufweisen. Der Dampfkraftwerksklärschlamm entstammt im allgemeinen dem Kraftwerk, dessen Rauchgase auch entschwefelt werden. Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung weisen 50 bis 90Gew.-% der Feststoffe im Dampfkraftwerksklärschlamm eine Körnung von unter 25^m auf. Die Erfindung nutzt die Tatsache, daß bei der Naßentaschung und bei der Entkarbonisierung im Rahmen der herrschenden verfahrenstechnischen Lehren so gearbeitet werden kann, daß ein Dampfkraftwerksklärschlamm entsteht, dessen Feststoffe die angegebene Körnung aufweisen. Dazu ist besonderer Aufwand nicht erforderlich. Überraschenderweise ist dieser Dampfkraftwerksklärschlamm sehr wirksam für die nasse Entschwefelung von Rauchgasen eines Dampfkraftwerkes einsetzbar, wobei in der eingangs beschriebenen Weise gearbeitet wird. Dabei kommt man zu einer sehr intensiven Entschwefelung, weil die Feststoffe im Dampfkraftwerksklärschlamm im Rahmen der erfindungsgemäßen Verwendung die angegebene Körnung aufweisen und daher besonders reaktionsfreudig sind. Das gilt insbes. dann, wenn der pH-Wert des Dampfkraftwerksklärschlammes, vor der Beigabe zur Suspension, im Bereich zwischen 8 bis 9,5 liegt. Die Reaktionsfreudigkeit des Dampfkraftwerksklärschlammes in bezug auf die Entschwefelungsreaktion ist so intensiv, daß praktisch stöchiometrisch gearbeitet werden kann. Insoweit lehrt die Erfindung, daß der Dampfkraftwerksklärschlamm in der Suspension unter Berücksichtigung des SCVGehaltes im Rauchgas sowie unter Berücksichtigung der Entschwefelungsreaktion stöchiometrisch bemessen wird, und zwar mit einem Überschuß von etwa 1 %. Insoweit erreicht die Erfindung eine erhebliche Reduzierung der Absorptionsmittelmenge. Im Rahmen der Erfindung kann der Dampfkraftwerksklärschlamm allein als Absorptionsmittel eingesetzt werden. Es besteht aber auch die Möglichkeit, so vorzugehen, daß die Suspension eine Mischung aus dem Dampfkraftwerksklärschlamm und Absorptionsmitteln wie Kalkstein o.dgl. aufweist.
Ausführungsbeispiel
Ein Block eines fossilbetriebenen Dampfkraftwerkes wurde für die Erprobung der erfindungsgemäßen Maßnahmen eingerichtet. Der Block war für eine Leistung von 300 MW ausgelegt. Er wurde mit Braunkohle befeuert und erzeugte ein Rauchgas, welches etwa 1900mg/Nm3 Schwefeldioxid mitführte, bei üblichen Anteilen an Kohlendioxid, Stickstoff und Sauerstoff. Das Rauchgas wurde einer Trockenentstaubung unterworfen und über ein Gebläse mit einer Temperatur von 16O0C in eine zugeschaltete Rauchgasentschwefelungsanlage eingeführt.
Die Rauchgasentschwefelungsanlage besaß einen Waschturm mit unterem Rauchgaseintritt sowie oberem Rauchgasaustritt und war für eine Rauchgasverweilzeitvon etwa 15 Sekunden ausgelegt, Waschflüssigkeitsverweilzeit etwa 10 Sekunden. Der Waschturm war ausgerüstet mit einem Waschflüssigkeitskreislauf mit einer Mehrzahl von über die Höhe des Waschturms verteilten Zerstäubungsdüsen. Er besaß einen Waschflüssigkeitssumpf mit Einrichtung zum Abzug von Entschwefelungsschlamm sowie Einrichtung zur Zuführung von Luft oder Sauerstoff.
Bei einem ersten Versuch wurde eine Suspension aus Wasser und dem klassischen Absorptionsmittel Kalkstein, puverförmig, eingesetzt, und zwar mit einer Körnung von 90% < 90μ.ητι, bei einem Feststoffgehalt in der Suspension von etwa 10%. Die Führung des Waschflüssigketiskreislaufes erfolgte so, daßden Rauchgasen in bezug auf den Schwefelgehalt und die Entschwefelungsreaktion eine stöchiometrische Menge an Absorptionsmittel angeboten wurde, wobei mit einem Überschuß von etwa 10% über die stöchiometrischenVerhältnisseJiinaus gearbeitet wurde. Das entschwefelte Rauchgas führte weniger als 380mg/Nm3 Schwefeldioxid mit. Der anfallende Entschwefelungsschlamm konnte zu Baugips weiterverarbeitet werden, und zwar zu Kalziumsulfatalphahalohydrat. Hergestellte Probekörper besaßen im erhärteten Zustand eine Festigkeit von mehr als
Bei einem zweiten Versuch wurde die Suspension nicht mit Kalkstein, sondern mit Dampfkraftwerksklärschlamm angemacht, dereine weiter unten angegebene Zusammensetzung aufwies. Der Feststoffgehalt betrug etwa 10%. Auch hier wurde der Waschflüssigkeitskreislauf so geführt, daß dem Schwefelgehalt imRauchgas unter Berücksichtigung der Entschwefelungsreaktion eine stöchiometrische Menge an Absorptionsmitteln angeboten wurde, und zwar bei einem wesentlich reduzierten Überschuß von lediglich etwa 1 %. Das entschwefelte Rauchgas führte ebenfalls weniger als 380 mg/Nm3 Schwefeldioxid mit, jedoch bei wesentlich reduzierter Menge an Absorptionsmittel. Der anfallende Entschwefelungsschlamm konnte zu Baugips weiterverarbeitet werden, wobei die zum ersten Versuch angegebenen Werte erreicht wurden.
In einem dritten Versuch wurde das klassische Absorptionsmittel Kalkstein, wie es auch beim ersten Versuch verwandt wurde, teilweise, nämlich in einer Menge von 15Gew.-%, durch den Dampfkraftwerksklärschlamm ersetzt. Bei der Rauchgasentschwefelung wurden die beim ersten Versuch angegebenen Werte erreicht. Das gilt auch für den Gips, der aus dem Entschwefelungsschlamm erzeugt wurde.
Der zweite und dritte Versuch wurde mit unterschiedlichen Dampfkraftwerksklärschlämmen wiederholt, die Ergebnisse waren, bis auf meßtechnisch bedingte Schwierigkeiten, praktisch die gleichen.
Im folgenden gibt die Tabelle 1 den Mineralbestand der eingesetzten Klärschlämme an, die Tabelle 2 die chemische Zusammensetzung. In der Tabelle 2 beziehen sich die angegebenen Werte auf bei 4O0C getrocknete Substanz, der pH-Wert wurde am nassen Dampfkraftwerksklärschlamm gemessen.
Tabelle 1:
Minerälbestand der Klärschlämme Anteile der Einzelkomponenten entsprechend der aufgeführten Reihenfolge.
Schlamm vor Standort... III Frimmersdorf IV Weisweiler
I Niederaußem Il Neurath CaCO3 CaCO3
CaCO3 SiO2 , SiO2 Quarz SiO2
SiO2 Quarz CaCO3 Mg3Si2O5(OH)4 Fe2O3
Mg3Si2O5(OH)4 Ca2Fe2O5
Mg3Si2O6(OH)4
MgO
Tabelle 2:
Chemische Zusammensetzung Klärschlamm. Werte beziehen sich auf bei 4O0C getrocknete Substanz, pH-Wert an Originalsubstanz gemessen
Bestandteil I Niederaußem Il Neurath Anteil in Ma.-% von Standort... IVWeisweiler eingesetzte CaCO3-MeWe
9,20 9,60 Ill Frimmersdorf 8,2 8,8-9,8
pH 16,10 29,20 9,40 2,64 0,48-5,02
SiO2 17,8 10,60 10,40 2,61 0,10-1,04
Fe2O3 2,37 2,17 2,61 0,68 0,19-2,12
AI2O3 28,70 19,80 0,61 46,6 48,10-53,80
CaO 4,30 5,12 43,90 1,48 0,41-4,97
MgO- 0,10 0,15 1,18 0,05 0,033-0,1
MnO 0,24 0,20 0,052 0,16 0,006-0,098
Na2O 0,53 0,56 0,12 0,11 0,021-0,20
K2O 0,38 1,27 0,29 0,65 0,10-0,82
Sulfat SO3 1045 1180 0,14 1300
Cl ppm 0,40 0,20 568 0,37 — .
P2O6 20,80 9,50 0,22 36,3 39,00-44,00
CO2 10,30 10,50 35,00 3,8 n.n.-0,25
C 200/7,35 200/6,38 2,37 200/2,01
H2O bei 0C 200/2,56

Claims (5)

  1. -1- Z53 Erfindungsanspruch:
    1. Verfahren für die nasse Entschwefelung von Rauchgasen von Dampfkraftwerken unter Verwendung von Dampfkraftwerksklärschlamm, der einerseits die bei der Naßentaschung unter den Dampferzeugern eines Kraftwerks, andererseits die bei der Entkarbonisierung des Dampfkraftwerkswassers anfallenden Substanzen aufweist, als Absorptionsmittel, wobei die Rauchgase in einem Waschturm mit einer Suspension behandelt werden, die Waschwasser und den Dampfkraftwerksklärschlamm enthält, im Kreislauf geführt sowie in feiner Verteilung mit den Rauchgasen in Kontakt gebracht wird und aus welchem Kreislauf ein zu einem hauptsächlich aus Gips bestehenden Baustoff aufarbeitsbarer Entschwefelungsschlamm abziehbar ist, gekennzeichnet dadurch, daß zumindest 25Gew.-% der Feststoffe in dem Dampfkraftwerksklärschlamm eine Körnung von unter 25μ.Γη aufweisen.
  2. 2. Verfahren nach Punkt 1, gekennzeichnet dadurch, daß 50 bis 90Gew.-% der Feststoffe im Dampfkraftwerksklärschlamm eine Körnung von unter 25μΐη aufweisen.
  3. 3. Verfahren nach Punkt 1 oder 2, gekennzeichnet dadurch, daß der pH-Wert des Dampfkraftwerksklärschlamms, vor der Beigabe zur Suspension, im Bereich zwischen 8 bis 9,5 liegt. . . .
  4. 4. Verfahren nach den Punkten 1 bis 3, gekennzeichnet dadurch, daß der Dampfkraftwerksklärschlamm in der Suspension unter Berücksichtigung des SO2-Gehaltes im Rauchgas sowie unter Berücksichtigung der Entschwefelungsreaktion stöchiometrisch bemessen wird, jedoch mit einem Überschuß von etwa 1 %.
  5. 5. Verfahren nach den Punkten 1 bis 4, gekennzeichnet dadurch, daß die Suspension eine Mischung aus dem Dampfkraftwerksklärschlamm und klassischen Absorptionsmitteln wie Kalk, Kalkstein o. dgl. aufweist.
DD86286858A 1985-02-13 1986-02-06 Verfahren fuer die nasse entschwefelung von rauchgasen unter verwendung von dampfkraftwerksklaerschlamm DD253574A5 (de)

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