DD275707A1 - Verfahren zur minimierung von kohlenstoffhaltigen belaegen beim gluehen von festbunden - Google Patents

Verfahren zur minimierung von kohlenstoffhaltigen belaegen beim gluehen von festbunden Download PDF

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Abstract

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Minimierung von kohlenstoffhaltigen Belaegen beim Gluehen von Festbunden aus gewickeltem Metallband, vorzugsweise kaltgewalztem Bandstahl, in diskontinuierlich arbeitenden Gluehvorrichtungen. Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zu entwickeln, welches durch eine spezifische Gestaltung der Schutzgasbeaufschlagung zur Steigerung der Produktqualitaet bei gleichzeitiger Senkung des Schutzgasbedarfs fuehrt. Erfindungsgemaess wird die Aufgabe dadurch geloest, dass beim Erwaermen der Festbunde in einer Schutzgasatmosphaere ueblicher Zusammensetzung bis zum Erreichen der vorgegebenen Endtemperatur der Erwaermung durch die zu diesem Zeitpunkt kaelteste Zone der Festbunde in der Gluehvorrichtung die Schutzgaszufuhr in der Weise vorgenommen wird, dass unter Beruecksichtigung der Verdampfungseigenschaften des sich zu Gluehbeginn auf der Metalloberflaeche befindlichen Walzmittels der in den Gluehraum eintretende bzw. aus dem Gluehraum austretende Schutzgasvolumenstrom variiert wird, ohne dass dabei mit Ausnahme der Messung des austretenden Schutzgasvolumenstroms irgendeine messtechnische Vorrichtung zur Gewinnung von Prozessdaten aus dem Gluehraum waehrend der Verfahrensdurchfuehrung zur Anwendung gelangt. Die Variation des Schutzgasvolumenstroms kann dabei sprunghaft oder stetig in Abhaengigkeit von der je Zeiteinheit im Gluehraum freiwerdenden Menge an verdampftem Walzmittel bzw. seiner Rueckstaende erfolgen.

Description

Anwendungsgebiete der Erfindung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Minimierung von kohlenstoffhaltigen Belägen beim Glühen von Festbunden aus gewickeltem Metallband, vorzugsweise kaltgewalztem Bandstahl, in diskontinuierlich arbeitenden Glühvorrichtungen. Das Verfahren wird angewendet, um nach dem Glühprozeß auf der Materialoberfläche des Glühgutes vorhandene kohlenstoffhaltige Beläge möglichst gering zu halten, da dies eine wesentliche Qualitätseinbuße ist, wodurch die nachfolgende Verarbeitung des Materials häufig sehr erschwert wird, z. B. Verzinkung oder andere Oberflächenbeschichtungen bzw. Weiterverarbeitung in der metallverarbeitenden Industrie. Anwendungsgebiete der Erfindung sind metallurgische Betriebe, in denen eine Glühbehandlung gewickelter Metallerzeugnisse in diskontinuierlich arbeitenden Glühvorrichtungen unter Einsatz von Schutzgasen vorgenommen wird.
Vorrangig betrifft dies Haubenglühöfen herkömmlicher Bauart.
Das Anwendungsgebiet erstreckt sich ebenso auf Haubenglühöfen anderer Bauart, z. B. sogenannte Hochkonvektionsglühöfen.
Darüber hinaus ist das Verfahren jedoch auch für diskontinuierlich arbeitende Glühöfen beliebiger Bauart, z. b. Kammerglühöfen und ähnliche Glühvorrichtungen, anwendbar.
Charakteristik des bekannten Standes der Technik
Technische Lösungen zur Glühbehandlung von Festbunden aus Metallband, vorzugsweise kaltgewalztem Bandstahl, in diskontinuierlich arbeitenden Glühvorrichtungen sind bekannt. Die gebräuchlichste Ausführungsform dieser Glühvorrichtungen sjnd dabei Haubenglühöfen. Zur Gewährleistung einer für die nachfolgende Verarbeitung des Bandstahls ausreichenden Oberflächenqualität ist die Anwendung einer Schutzgasatmosphäre üblich. Je nach konkreter Verfahrensdurchführung kommen dabei verschiedene Gaszusammensetzungen zur Anwendung.
Bekannt sind neben dem Basisgas N2 weitere Komponenten wie H2, CO, CO2 oder H2O (Dampf), die je nach Verfahrensdurchführung gezielt dosiert werden. Beispiele dafür geben die US PS 3873377 oder die SU EB 978436 und 986941 bzw. die DE OS 3233374. Dabei hat sich die Verwendung von H1 zur Verhinderung unerwünschter Oxidationsreaktionen beim Glühen als allgemeiner Stand der Technik durchgesetzt, wobei der Anteil H2 im Schutzgas bis zu 100% betragen kann. Die Schutzgasbereitstellung ist deshalb für die Durchführung des Glühprozesses eine sehr kostenintensive Voraussetzung. Insbesondere unter dem Aspekt, daß der Einsatz der üblicherweise beim kaltgewalzten angewandten WalzhilfsmitteUEmulsole, Öle) dazu zwingt, die infolge ihres Verbleibs auf der Kaltbandoberfläche mit den Festbunden in den Glühraum eingebrachten Reste an Walzmittel bzw. seiner Rückstände durch einen permanenten Schutzgasstrom auszutragen. Zur Gewährleistung der gewünschten Oberflächenqualität des Kaltbandes entsteht dabei je nach Art des Walzhilfsmittels und Vorreinigung des Kaltbandes ein mehr oder weniger erheblicher Schutzgasverbrauch, der die Betriebskosten der Verfahrensdurchführung belastet.
Deshalb ist bereits vielfach versucht worden, durch konstruktive Maßnahmen eine Steigerung des vorstehend beschriebenen Austragseffektes zu erreichen. Bekannt sind u.a. Leistungserhöhung der Umwälzventilatoren, Leitbleche am Ringspalt des Leitapparates, veränderte Anordnung der Leitschaufeln im Leitapparat oder strömungstechnisch günstigere Konvektorplatten, was in seiner Gesamtheit zur Entwicklung der sogenannten Hochkonvektionsglühöfen führte. Diese Maßnahmen sowie die Steuerung derr Glühatmosphäre, wie z.B. in US PS 3873377 oder DE OS 3233374 beschrieben, ermöglichen die Gewährleistung einer zufriedenstellenden Oberflächenqualität, erfordern aber gleichzeitig je Glühofen einen beträchtlichen materiell-technischen Aufwand zur entsprechenden Steuerung der Glühatmosphäre der Haubenglühöfen. Eine andere Variante zur Erzielung der gewünschten Oberflächenqualität ist in DE OS 3406792 beschrieben worden. Für die erforderliche Intensität des Austrages der Reste des Walzmittels bzw. seiner Rückstände wird hier eine gezielte Variation der Schutzgasbeaufschlagung in der Erwärmungsphase des Glühprozesses vorgeschlagen. Kriterium für die Variation ist die Veränderung des Lichtabsorptionsvermögens der Gesamtatmosphäre in den Glühöfen. Dafür können z. B. Kohlenstoff, Reaktionsprodukte aus Walzöl, aber auch Fremdschmutz wirksam werden. Neben der Ausrüstung der einzelnen Glühöfen mit der erforderlichen Meßtechnik (Opazitätssonde), was ebenfalls zu nicht unerheblichen Kosten führt, haftet dieser Lösung der grundsätzliche Mangel an, daß die nicht sichtbaren Bestandteile CO, CO2- insbesondere Hochtemperaturkohlenoxide- der Gasatmosphäre in den Glühöfen von dieser Meßtechnik nicht erfaßt werden. Nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen (B. Chatelein, V. Leroy; Steel Research 57 (1986] 1) sind gerade die bei hohen Temperaturen gebildeten Kohlenoxide für die Ausbildung kohlenstoffhaltiger Beläge auf der Metalloberfläche verantwortlich, sofern sie nicht vor dem Abkühlen der Festbunde aus der Gasatmosphäre entfernt worden sind. Somit bietet eine Verfahrensgestaltung gemäß DE OS 3406792 ebenfalls keine Gewähr zur Vermeidung von kohlenstoffhaltigen Oberflächenbelägen.
Ziel der Erfindung
Ziel der Erfindung ist die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der Verfahrensdurchführung beim Glühen von Festbunden aus gewickeltem Metallband, vorzugsweise kaltgewalztem Bandstahl, in diskontinuierlich arbeitenden Glühvorrichtungen durch Gewährleistung bzw. Steigerung der Produktqualität infolge minimaler kohlenstoffhaltiger Beläge auf der Materialoberfläche, bei gleichzeitiger Senkung des spezifischen Schutzgasverbrauchs sowie zusätzlicher Senkung der spezifischen Betriebskosten insbesondere durch einen geringeren spezifischen Heizgasbedarf.
Insgesamt ergeben sich durch die Verfahrensdurchführung gegenüber bisher üblichen angewandten Verfahren folgende Vorteile:
- Verringerung der Kosten für Schutzgas einschließlich der Kosten für die Aufheizung und Umwälzung infolge Senkung des spezifischen Schutzgasbedarfs in der Erwärmungsphase des Glühprozesses sowohl in Menge als auch Qualität
- Steigerung des Produkterlöses durch garantierte Grenzwerte der Oberflächenbeläge für die gesamte Sortimentspalette bzw. Realisierung einer noch höheren Oberflächenqualität
- Wegfall bzw. Vermeidung von Kosten für den Einsatz von Prozeßmeßtechnik gegenüber anderen Varianten zur Erreichung minimaler kohlenstoffhaltiger Oberflächenbeläge.
Darlegung des Wesens der Erfindung
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Minimierung von kohlenstoffhaltigen Belägen beim Glühen von Festbunden aus gewickeltem Metallband, vorzugsweise kaltgewalztem Bandstahl, in diskontinuierlich arbeitenden Glühvorrichtungen zu entwickeln, welches durch eine spezifische Gestaltung der Schutzgasbeaufschlagung zur Gewährleistung bzw. Steigerung der Produktqualität infolge minimaler kohlenstoffhaltiger Beläge bei gleichzeitiger Senkung des spezifischen Schutzgasverbrauchs sowie zusätzlicher Senkung der spezifischen Betriebskosten insbesondere durch einen geringeren spezifischen Heizgasbedarf führt.
Erfindungsmäßig wird die Aufgabe dadurch gelöst, daß zur Minimierung von kohlenstoffhaltigen Belägen beim Glühen von Festbunden aus fest gewickeltem Metallband, vorzugsweise kaltgewalztem Bandstahl, in diskontinuierlich arbeitenden Glühvorrichtungen, ein Verfahren durchgeführt wird, welches bekannterweise die nachfolgenden Verfahrensschritte enthält:
a) Einbringen der Festbunde in die Glühvorrichtung,
b) Entfernen der Umgebungsatmosphäre aus dem Glühraum,
c) Erwärmen der Festbunde in einer Schutzgasatmosphäre üblicher Zusammensetzung bis zum Erreichen der vorgegebenen Endtemperatur der Erwärmung durch die zu diesem Zeitpunkt kälteste Zone der Festbunde,
d) Beibehaltung einer Temperatur der kältesten Zone der Festbunde, die stets mindestens gleich der Endtemperatur der Erwärmung gemäß Verfahrensschritt c) ist, während einer vorgegebenen Mindestzeit,
e) Abkühlung der Festbunde in einer Schutzgasatmosphäre üblicher Zusammensetzung bis zum Erreichen der vorgegebenen Endtemperatur der Abkühlung durch die gesamte Oberfläche aller im Glühraum befindlichen Festbunde,
f) Ausbringen der Festbunde aus der Glühvorrichtung,
g) Abkühlen der Festbunde unter Umgebungsbedingungen auf Umgebungstemperatur,
wobei die Schutzgaszufuhr während des Verfahrensschrittes c) in der Weise vorgenommen wird, daß unter Berücksichtigung der Verdampfungseigenschaften des sich zu Glühbeginn auf der Metalloberfläche befindlichen Walzmittels bzw. seiner Rückstände sowie des zeitlichen Verlaufs der Temperatur in den Festbunden der in den Glühraum eintretende bzw. aus dem Glühraum austretende Schutzgasvolumenstrom varriert wird, ohne daß dabei mit Ausnahme der Messung des austretenden Schutzgasvolumenstroms irgendeine meßtechnische Vorrichtung zur Gewinnung von Prozeßdaten aus dem Glühraum während der Verfahrensdurchführung zur Anwendung gelangt.
Dabei ist davon auszugehen, daß in der Erwärmungsphase c) vor Erreichen der Temperatur des Beginns der Verdampfung des Walzmittels bzw. seiner Rückstände durch die Festbunde die Spülung des Glühraumes mit Schutzgas zur erfindungsgemäßen Senkung des spezifischen Schutzgasbedarfes weitgehend reduziert werden kann. Der Austrag der sich bereits in der Gasphase des Glühraumes ansammelnden Verdampfungsprodukte des Walzmittels bzw. seiner Rückstände erfolgt zwangsläufig mit der nachfolgend einsetzenden Schutzgasspülung. Der zeitliche Verlauf dieser Schutzgasspülung wird so gestaltet, daß in den Zeitintervallen, in denen die Verdampfung des Walzmittels bzw. seiner Rückstände erfolgt, die Schutzgasbeaufschlagung gegenüber den anderen Zeitintervallen der Erwärmungsphase des Glühprozesses zielgerichtet erhöht wird. Dadurch wird das Austragen der belagsbildenden Komponenten der Verdampfungsprodukte des Walzmittels bzw. seiner Rückstände unmittelbar zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wirksam unterstützt. Das dadurch entstehende Konzentrationsgefälle zwischen Metalloberfläche und Gasphase im Glühraum fördert in maßgeblicherweise den Verdampfungsvorgang, der einen Komplex von Gasphasenreaktionen einschließt, sowie den Diffusionsvorgang der Verdampfungsprodukte aus den Zwischenräumen im Festbund in die freie Gasphase des Glühraumes.
Der Wirkungsgrad der Schutzgasspülung hinsichtlich einer belagsarmen Metalloberfläche wird somit wesentlich gesteigert, was gleichbedeutend mit einer Intensivierung der gesamten Erwärmungsphase ist.
Je nach bisheriger Prozeßführung wird neben der Vermeidung bisheriger uneffektiver SpüJphasen während der Erwärmung der Festbunde auch die Senkung des Heizgasbedarfs möglich, da die eingesparte Schutzgasmenge nicht mit aufgeheizt werden muß.
Für die Verfahrensdurchführung ist wesentlich, daß nach Verdampfungsbeginn ein deutlicher Zuwachs an Spülwirkung bei der Schutzgasströmung durch den Glühraum erreicht wird. Es ist dabei unwesentlich, welchen Anfangswert der Schutzgasvolumenstrom besitzt. In analoger Weise ist die Drosselung des Schutzgasvolumenstroms am Ende der Verdampfung bzw. des Austritts der Verdampfungsprodukte aus den Festbunden vorzunehmen, wobei das Ende der Verdampfung des Walzmittels bzw. seiner Rückstände durch einen von der jeweiligen Verfahrensdurchführung abhängigen Grenzwert an insgesamt verdampftem Walzmittel bzw. Rückstand festzulegen ist. Vorzugsweise ist dafür ein Wert über 90% zu wählen, wodurch die Verringerung der kohlenstoffhaltigen Beläge auf höchstens ein Zehntel des Ausgangswertes gesichert wird. Hinsichtlich des Temperaturverlaufs im Glühraum ist für den Verdampfungsbeginn der Wert der zu diesem Zeitpunkt heißesten Zone der Festbunde und für den Endpunkt der Verdampfung der Wert der zu diesem Zeitpunkt kältesten Zone der Festbunde relevant. Neben dieser grundsätzlichen Variante des Schutzgasvolumenstroms ist es erfindungsgemäß auch möglich, das beschriebene Vorgehen in mehreren Zyklen bzw. als beliebige Folge von Vergrößerung und Verringerung des Schutzgasvolumenstroms während der Verdampfungsphase des Walzmittels bzw. seiner Rückstände vorzunehmen, wobei der Verlauf der Verdampfung des Walzmittels bzw. seiner Rückstände dafür maßgeblich ist. Damit läßt sich der spezifische Schutzgasbedarf während der Erwärmung der Festbunde weiter verringern.
Dieses Vorgehen führt dazu, daß während der Verdampfung des Walzmittels bzw. seiner Rückstände die Variation des Schutzgasvolumenstroms nicht wie bisher dargelegt, sprunghaft, sondern stetig und in Abhängigkeit von der Veränderung der je Zeiteinheit im Glühraum freiwerdenden Menge verdampften Walzmitteis bzw. seiner Rückstände vorgenommen wird, wobei die Vergrößerung des Schutzgasvolumenstroms spätestens zum Zeitpunkt der Vergrößerung und die Verringerung des
Schutzgasvolumenstroms frühestens zum Zeitpunkt der Verringerung der je Zeiteinheit im Glühraum freiwerdenden Menge verdampften Walzmittels bzw. seiner Rückstände erfolgt. Dadurch wird gesichert, daß trotz weiterer Verringerung des Schutzgaseinsatzes das erforderliche Konzentrationsgefälle zwischen Festbunden und Gasphase im Glühraum aufrecht erhalten wird.
Es ist möglich, die Variation des Schutzgasvolumenstroms zeitweise sprunghaft und zeitweise stetig vorzunehmen, sofern dies im Interesse der jeweiligen Verfahrensdurchführung liegt.
Für die zeitabhängige Variation des Schutzgasvolumenstroms in der Erwärmungsphase wird für konkrete Glühbedingungen, z. 8. Glühvorrichtung, Stahlmarke und Abmessungen, Anzahl der Festbunde im Glühraum sowie Bundmasse, Walzmittel bzw. dessen Rückstände, Schutzgaszusammensetzung oder je Zeiteinheit zugeführte Heizleistung, die off-Line-Ermittlung der Abhängigkeit „Zeitpunkt seit Erwärmungsbeginn/Schutzgasvolumenstrom" aus der Kenntnis des Verlaufs der Temperatur in den Festbunden im Glühraum und dem temperaturabhängigen Verdampfungsverhalten des Walzmittels bzw. seiner Rückstände vorgenommen. Deshalb wird erfindungsgemäß für die unmittelbare Verfahrensdurchführung die bisher zumeist übliche Anwendung von meßtechnischen Vorrichtungen zur Gewinnung von Prozeßdaten aus dem Glühraum während der Verfahrensdurchführung nicht mehr benötigt, denn die Variation des Schutzgasvolumenstroms kann mit Hilfe der einmal ermittelten Zeitfunktion als Steuerung in unkomplizierter Weise über äußere Stellglieder realisiert werden. Es ist zur Stabilisierung der Verfahrensdurchführung zweckmäßig, die Steuerung des Schutzgasvolumenstroms mit einer Regelung des aus dem Glühraum austretenden Schutzgasvolumenstroms zu stabilisieren.
Dazu ist die Messung des austretenden Volumenstroms an Schutzgas erforderlich, was jedoch üblicherweise nicht im Glühraum erfolgt. Diese meß- bzw. regelungstechnischen Aspekte bilden einen weiteren, wesentlichen Vorteil der erfindungsgemäßen Verfahrungsdurchführung.
Weiterhin ist es vorteilhaft, daß in den Zeiträumen, in denen die im Glühraum je Zeiteinheit frei-werdende Menge an verdampftem Walzmittel bzw. seiner Rückstände kleiner als ein bestimmter Grenzwert, vorzugsweise 5 % der Gesamtmenge, ist, ein Schutzgas zum Einsatz kommt, dessen Bereitstellung im Vergleich zum sonst bei der Erwärmung der Festbunde zur Anwendung gelangenden Schutzgases und in bezug auf die jeweilige Durchführung des gesamten Glühverfahrens wirtschaftlicher ist. Diese Wirtschaftlichkeit wird dabei verständlicherweise sowohl vom Aufwand für die Schutzgaserzeugung als auch von den Verfügbarkeitsbedingungen kostengünstigerer Schutzgase beeinflußt und ist somit immer an den konkreten Standort der Verfahrensdurchführung gebunden.
Die Einsatzfmöglichkeit für Schutzgas geringerer Qualität in bezug auf das sonst im Glühverfahren zur Anwendung gelangende Schutzgas ergibt sich daraus, daß in den Zeiträumen der Erwärmungsphase, in welchen nur geringe Mengen verdampften Walzmittels bzw. seiner Rückstände im Glühraum frei werden, die Ausbildung von kohlenstoffhaltigen Schlägen auf der Metalloberfläche infolge der geringen Konzentration der Verdampfungsprodukte im Glühraum mit wesentlich geringerer Intensität als in anderen Phasen der Erwärmung voranschreitet. Deshalb bietet sich zumindest der Erwärmungsbeginn für eine derartige Modifikation der Verfahrensdurchführung an, wobei der erreichbare Gewinn an Wirtschaftlichkeit das Entscheidungskriterium ist.
Ausführungsbeispiel
Die Erfindung soll nachfolgend an einem Beispiel dargestellt werden.
Hierbei ist in der Figur 1 das Verdampfungsverhalten (in Ma.-%) der sich zu Glühbeginn auf der Metalloberfläche befindlichen Rückstände, in Figur 2 der Verlauf der Schutzgasbeaufschlagung für Hochkonvektionsöfen und in Figur 3 die Schutzgasbeaufschlagung bei herkömmlichen Haubenglühöfen während der Heizphase dargestellt.
Nachfolgend wird die Anwendung der Erfindung für die Gestaltung der Schutzgaszufuhr während der Erwärmungsphase der Festbunde in Haubenglühöfen herkömmlicher Bauart sowie Hochkonvektionsglühöfen beim Rekristallisationsglühen von kaltgewalztem Bandstahl beschrieben.
Figur 1 zeigt das Verdampfungsverhalten (in Ma.-%) des sich zu Glühbeginn auf der Metalloberfläche der Festbunde befindlichen Walzmittels bzw. seiner Rückstände in Abhängigkeit von der Temperatur. Als Schutzgas wurde in beiden Glühvorrichtungen HNX-Gas eingesetzt.
Die Belegung der Glühvorrichtungen erfolgte in beiden Fällen mit je drei Festbunden der Stahlmarke TZu 0,8 χ 1266mm und einer Bundmasse zu je 32t.
Unter Berücksichtigung der zugeführten Heizleistung, die ebenfalls die Temperaturentwicklung in den Festbunden wesentlich beeinflußt, wurde der in Figur 2 dargestellte Verlauf der Schutzgasbeaufschlagung in der Erwärmungsphase des Glühprozesses ermittelt. Zum Vergleich ist der Verlauf der bisherigen Beaufschlagung eingetragen.
Obwohl die erfindungsgemäße Schutzgasbeaufschlagung zum Teil einen wesentlich anderen Verlauf zeigt, der allerdings auch zu einer deutlichen Verringerung der kohlenstoffhaltigen Oberflächenbeläge nach dem Glühprozeß führte, ergibt sich in diesem Fall eine Verringerung des Schutzgasbedarfs in der Erwärmungsphase um etwa 50%. Dabei wurde sogar in bezug auf den Verlauf der Verdampfung des Walzmittels bzw. seiner Rückstände eine relativ reichliche Dimensionierung der Schutzgasbeaufschlagung gewählt, die nur den wesentlichen Abschnitten der Verdampfungskurve (vgl. Fig. 1) folgt, und auch in den Phasen geringer Verdampfungsintensität eine reichlich bemessene Spülung zugrunde gelegt, um unter Berücksichtigung der ablaufenden Diffusionsprozesse eine möglichst große Sicherheit für den Austrag der Verdampfungsprodukte zu gewährleisten.
Figur 3 zeigt die analogen Ergebnisse für die erfindungsgemäße Gestaltung der Schutzgasbeaufschlagung bei der Erwärmung der Festbunde in den Hochkonvektionsöfen. Die erreichte Einsparung an Schutzgas beträgt bei zu den Glühöfen herkömmlicher Bauart analogem Vorgehen zur Dimensionierung der Schutzgasbeaufschlagung im Vergleich zur bisherigen Fahrweise etwa
Aus dem dargestellten zeitlichen Verlauf der bisherigen und der erfindungsgemäßen Schutzgasbeaufschlagung ist ersichtlich, daß in diesem Fall die bereits erreichte Oberflächenqualität nicht gesteigert, sondern primär die Senkung des Schutzgasbedarfs angestrebt wurde.

Claims (5)

1. Verfahren zur Minimierung von kohlenstoffhaltigen Belägen beim Glühen von Festbunden aus gewickeltem Metallband, vorzugsweise kaltgewalztem Bandstahl, in diskontinuierlich arbeitenden Glühvorrichtungen, welches die nachfolgenden Verfahrensschritte enthält:
a) Einbringen der Festbunde in die Glühvorrichtung,
b) Entfernen der Umgebungsatmosphäre aus dem Glühraum,
c) Erwärmung der Festbunde in einer Schutzgasatmosphäre üblicher Zusammensetzung bis zum Erreichen der vorgegebenen Endtemperatur der Erwärmung durch die zu diesem Zeitpunkt kälteste Zone der Festbunde,
d) Beibehaltung einer Temperatur der kältesten Zone der Festbunde, die mindestens gleich der Endtemperatur der Erwärmung gemäß Verfahrensschritt c) ist, während einer vorgegebenen Mindestzeit,
e) Abkühlung der Festbunde in einer Schutzgasatmosphäre üblicher Zusammensetzung, bis zum Erreichen der vorgegebenen Endtemperatur der Abkühlung durch die gesamte Oberfläche aller im Glühraum befindlichen Festbunde.
f) Ausbringen der Festbunde aus der Glühvorrichtung,
g) Abkühlen der Festbunde unter Umgebungsbedingungen auf Umgebungstemperatur. gekennzeichnet dadurch, daß die Schutzgaszufuhr während des Verfahrensschrittes c) in der Weise vorgenommen wird, daß unter Berücksichtigung der Verdampfungseigenschaften des sich zu Glühbeginn auf der Metalloberfläche befindlichen Walzmittels bzw. seiner Rückstände sowie des zeitlichen Verlaufs der Temperatur in den Festbunden, der in den Glühraum eintretende bzw. aus dem Glühraum austretende Schutzgasvolumenstrom variiert wird, ohne daß dabei mit Ausnahme der Messung des austretenden Schutzgasvolumenstroms irgendeine meßtechnische Vorrichtung zur Gewinnung von Prozeßdaten aus dem Glühraum während der Verfahrensdurchführung zur Anwendung gelangt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet dadurch, daß die Menge des Schutzgasvolumenstroms mindestens einmal sprunghaft vergrößert wird, nachdem die zu diesem Zeitpunkt heißeste Zone der Festbunde im Glühraum die Temperatur erreicht hat, bei der die Verdampfung des Walzmittels bzw. seiner Rückstände und/oder mindestens einmal sprunghaft verringert wird, bevor die zu diesem Zeitpunkt kälteste Zone der Festbunde die Temperatür erreicht hat, bei der die Verdampfung des Walzmittels bzw. seiner Rückstände einen bestimmten Grenzwert, vorzugsweise 90% der Gesamtmenge, überschreitet und/oder bevor der Austritt dieses verdampften Walzmittels bzw. seiner Rückstände aus den Festbunden in den Glühraum vollständig beendet ist.
3. Verfahren gemäß Anspruch 1, gekennzeichnet dadurch, daß während der Verdampfung des Walzmittels bzw. seiner Rückstände die Variation des Schutzgasvolumenstroms stetig und in Abhängigkeit von der Veränderung der je Zeiteinheit im Glühraum freiwerdenden Menge verdampften Walzmittels bzw. seiner Rückstände vorgenommen wird, wobei die Vergrößerung des Schutzgasvolumenstroms spätestens zum Zeitpunkt der Vergrößerung und die Verringerung des Schutzgasvolumenstroms frühestens zum Zeitpunkt der Verringerung der je Zeiteinheit im Glühraum freiwerdenden Menge verdampften Walzmittels bzw. seiner Rückstände erfolgt.
4. Verfahren gemäß Anspruch 1, gekennzeichnet dadurch, daß die Variation des Schutzgasvolumenstroms zeitweise wie in Anspruch 2 und zeitweise wie in Anspruch 3 beschrieben erfolgt.
5. Verfahren gemäß einem der vorstehenden Ansprüche, gekennzeichnet dadurch, daß in den Zeiträumen, in denen die im Glühraum je Zeiteinheit freiwerdende Menge an verdampftem Walzmittel bzw. seiner Rückstände kleiner als ein bestimmter Grenzwert, vorzugsweise 5% der Gesamtmenge ist, ist mindestens einmal ein Schutzgas zum Einsatz einzusetzen, dessen Bereitstellung im Vergleich zum sonst im Verfahrensschritt c) des Glühverfahrens zur Anwendung gelangenden Schutzgases und in bezug auf die jeweilige Durchführung des gesamten Glühverfahrens wirtschaftlicher ist.
Hierzu 3 Seiten Zeichnungen
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