DD293333A5 - Verfahren zur steuerung biologischer prozesse zur stickstoff- und phosphoreliminierung in belebtschlammanlagen - Google Patents

Verfahren zur steuerung biologischer prozesse zur stickstoff- und phosphoreliminierung in belebtschlammanlagen Download PDF

Info

Publication number
DD293333A5
DD293333A5 DD90339359A DD33935990A DD293333A5 DD 293333 A5 DD293333 A5 DD 293333A5 DD 90339359 A DD90339359 A DD 90339359A DD 33935990 A DD33935990 A DD 33935990A DD 293333 A5 DD293333 A5 DD 293333A5
Authority
DD
German Democratic Republic
Prior art keywords
stage
sludge
load
stages
aerobic
Prior art date
Application number
DD90339359A
Other languages
English (en)
Inventor
Volkmar Peukert
Dieter Boettcher
Ulrich Holesovsky
Wolf-Ruediger Voigt
Original Assignee
Veb Projektierung Wasserwirtschaft Halle,De
Priority date (The priority date is an assumption and is not a legal conclusion. Google has not performed a legal analysis and makes no representation as to the accuracy of the date listed.)
Filing date
Publication date
Application filed by Veb Projektierung Wasserwirtschaft Halle,De filed Critical Veb Projektierung Wasserwirtschaft Halle,De
Priority to DD90339359A priority Critical patent/DD293333A5/de
Priority to EP19900108394 priority patent/EP0396142A1/de
Publication of DD293333A5 publication Critical patent/DD293333A5/de

Links

Classifications

    • Y—GENERAL TAGGING OF NEW TECHNOLOGICAL DEVELOPMENTS; GENERAL TAGGING OF CROSS-SECTIONAL TECHNOLOGIES SPANNING OVER SEVERAL SECTIONS OF THE IPC; TECHNICAL SUBJECTS COVERED BY FORMER USPC CROSS-REFERENCE ART COLLECTIONS [XRACs] AND DIGESTS
    • Y02—TECHNOLOGIES OR APPLICATIONS FOR MITIGATION OR ADAPTATION AGAINST CLIMATE CHANGE
    • Y02W—CLIMATE CHANGE MITIGATION TECHNOLOGIES RELATED TO WASTEWATER TREATMENT OR WASTE MANAGEMENT
    • Y02W10/00—Technologies for wastewater treatment
    • Y02W10/10—Biological treatment of water, waste water, or sewage

Landscapes

  • Purification Treatments By Anaerobic Or Anaerobic And Aerobic Bacteria Or Animals (AREA)

Abstract

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung biologischer Prozesse zur Phosphor- und Stickstoffeliminierung in Belebtschlammanlagen. Die Anwendung bezieht sich vor allem auf Anlagen, bei denen grosze Schwankungen in der BSB-Fracht auftreten. Es wird ein Verfahren zur Steuerung biologischer Prozesse vorgeschlagen, durch Stimulierung oder Hemmung der Stoffwechselaktivitaet der Mikroorganismen in Abhaengigkeit von der zulaufenden BSB-Fracht und vom Verlauf entscheidender Teilprozesse. Der erfindungsgemaeszen Loesung liegt eine komplexe Betrachtung aller maszgeblichen biologischen Prozesse zugrunde. Bei belastungsstarken bzw. -schwachen Zeiten erfolgt im Komplex der Vorklaerung eine Abwasser- und/oder Schlammspeicherung bzw. eine gezielte Zufuehrung in eine Anlage mit anoxischen Stufen, anaerober und aerober Stufe und Steuerstufen. Die Speicherung des Abwassers bzw. Schlammes und die gezielte Zufuehrung und Verteilung sowie der Einsatz der Steuerstufen, vor allem der zweiten Steuerstufe im aeroben Bereich, bewirken eine hohe Eliminierungsleistung und Prozeszstabilitaet. Es wird auf Figur 1 verwiesen. Figur{Phosphoreliminierung; Stickstoffeliminierung; Belebtschlammanlage; biologischer Prozesz; belastungsstarke Zeiten; belastungsschwache Zeiten; Schlammspeicherung; anoxische Stufe; anaerobe Stufe; aerobe Stufe; Steuerstufe}

Description

Hierzu 1 Seite Zeichnung
Anwendungsgebiet der Erfindung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung biologischer Prozesse bei der Abwasserreinigung. Die Anwendung bezieht sich vor allem auf Anlagen, bei denen große Schwankungen in der QSB-Fracht auftreten.
Charakteristik des bekannten Standes der Technik
Es ist bekannt, daß an den biologischen Prozessen der gleichzeitigen P- und N-Eliminierung in Belebtschlammanlagen verschiedene Mikroorganismengruppen In unterschiedlichem Maße beteiligt sind. Zu nennen sind vor allem Ammonlkanten, Nitrifikanten, Denitrifikaten, hydrolytische und P-speichernde Organismen und Organismengruppen, die die Vielzahl organischer Abwasserinhaltsstoffe abbauen. Auf Grund teilweise unterschiedlicher Milieuansprüche der Mikroorganismen kommt es nahezu zyklisch wiederkehrend zu Störungen, die sich auf die Prozeßstabilität der bekannten Verfahren und somit auf die Ablaufbeschaffenheit nachteilig auswirken.
Hauptursache der Störungen sind die ausgeprägten Schwankungen der BSB-Fracht im Tages- und Wochenverlauf. So gelangen z. B. während der Nachtstunden und am Wochenende im Vergleich zu den Lastspitzen zeitweilig über 80% weniger biologisch nutzbare organische Stoffe in die Anlage.
Das Nährsubstratangebot für Mikroorganismen wird somit ständig verändert. Dadurch sind maximale Stoffwechselleistungen oder hohe Wachstumsraten ausgeschlossen. Meist verändert sich mit der Abnahme der BSB-Fracht auch das Gewichtsverhältnis biologisch nutzbarer Stoffe und zu eliminierender Stoffe (P, N) zugunsten biologischer Prozesse. Die meist zyklisch wiederkehrenden Lastschwankungen wirken sich in der Weise aus, daß ζ. B. bei geringen BSB-Frachten die Nitrifikation optimal abläuft, dagegen wird die Denitrifikation infolge mangelnden Kohlenstoffangebotes mehr oder weniger eingeschränkt.
Gemäß EP-PS 0019203 (CO 2 F 3/30) wird ein 2stufiges Verfahren zur Nitrifikation und Denitrifikation beschrieben. In der zweiten Stufe - bestehend aus anoxischen und aeroben Beckenteil - wird durch ein Abwasserteilstrom das zur Durchführung der Denitrifikation erforderliche Substrat bereitgestellt und anschließend nach aerober Behandlung durch einen internen Rücklauf
erneut der Denitrifikation zugeführt. Außerdem erfolgt die Zugabe von Methan oder Methanol zur Substratanreicherung. Im
Hinblick auf die Denitrifikation ergibt sich eine zweckmäßige Lösung. Soweit aber gleichzeitig die P-Eliminierung erfolgen soll, ergibt sich das Problem, daß das für die P-Speicherung wichtige
anaerobe Milieu nicht gewährleistet ist.
Nitrateintrag in eine anaerobe Stufe ist physiologisch einer Belüftung gleichzusetzen. Die in einer anaeroben Stufe gewollten
biologischen Prozesse, wie anaerobe Hydrolyse- und Gärungsprozesse und die vorrangige Aufnahme niedermolekularer organischer Stoffe durch P-speichernde Mikroorganismen werden dadurch gestört. Die verfahrenstechnisch wichtigen niedermolekularen Verbindungen können unter diesen Bedingungen auch von Nahrungskonkurrenten aufgenommen werden.
Bei erhöhten BSB-Frachten laufen die Prozesse der Denitrifikation und der P-Speicherung relativ stabil ab. Dagegen kann die Nitrifikation durch übermäßiges Kohlenstoffangebot gehemmt werden. Die Nitrifikation ist jedoch die Grundvoraussetzung für
den Gesamtprozeß der biologischen Stickstoffeliminierung.
Es ist auch an der Kombination der Verfahren zur biologischen Stickstoff- und Phosphoreliminierung gearbeitet worden. Im Längsbecken wurden anaerobe Zonen für die biologische P-Entfernung, anoxische Zonen für die Denitrifikation und aerobe Zonen für die Nitrifikation und den Kohlenstoffabbau geschaffen. Ein interner Denitrifikationskreislauf durch Abführung eines Teilstromes von der aeroben in die anoxische Stufe ist vorgesehen. Nachteilig dabei ist, daß die anaerobe Zone immer noch durch im Rücklaufschlamm enthaltenes Nitrat beeinflußt wird. Ziel der Erfindung
Es ist das Ziel der Erfindung unter den Bedingungen g oßer Schwankungen in der BSB-Fracht eine stabile Phosphor- und Stickstoffeliminierung durch mikrobiologische Prozesse zu erreichen.
Durch entsprechende Verfahrensführung steuerungstechnische Maßnahmen sind die bisherigen Störungen durch Gewährleistung der jeweils erforderlichen Milieuansprüche zu beseitigen.
Darlegung des Wesens der Erfindung Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Steuerung biologischer Prozesse zur Phosphor- und Stickstoffeliminierung vorzuschlagen, durch Stimulierung oder Hemmung der wichtigsten biologischen Prozesse in Abhängigkeit von der zulaufenden BSB-Fracht und/oder vom Prozeßverlauf entscheidender Teilprozesse. Dementsprechend ist die Belastbarkeit des Verfahrens zu erhöhen. Aufgabengemäß ist weiterhin die Menge des
zurückzuführenden Mediums aus der aeroben Stufe in die Denitrifikationsstufe zu minimieren.
Der erfindungsgemäßen Lösung liegt eine komplexe Betrachtung aller maßgeblichen mikrobiologischen Prozesse zugrunde. Dabei ist zuerst eine Vergleichmäßigung der BSB-Zulauffracht entsprechend der Tages-bzw. Wochenganglinie erforderlich. Das
erfolgt mit zeitweiliger Speicherung des Primärschlamms und späterer Freisetzung des BSB durch Schlammwäsche.
Durch eine gesteuerte Rückhaltung von BSB in der Vorklärung werden vor allem die das Verfahren störenden Lastspitzen
weitgehend weggenommen.
Auf diese Weise erhält man in Form von BSB-haltigem Primärschlavnm einen Vorrat von biologisch nutzbaren Kohlenstoffverbindungen. Ein Teil dieser Stoffe wird bestimmten Verfahrensstufen (Denitrifikation, anerobe Stufe) während
belastungsschwacher Nachtstunden zugeführt. Das geschieht in der Weise, daß der am Tage anfallende Primärschlamm vollständig oder teilweise eingedickt und gespeichert wird. Während der Lagerung kommt es im Schlamm zur Hydrolyse und zur
Vergütung organischer Stoffe. Ein Teil der dabei entstehenden niedermolekularen Stoffwechselprodukte bildet wichtige Nährsubstrate für P-speich6rnde Mikroorganismen und Denitrifikanten. Bei der Schlammabgabe ist als wesentlich
herauszustellen, daß ein intensives Mischen von Schlamm und zufließendem Abwasser erfolgt (Schlammwäsche).
Damit wird ein hoher Anteil des gebundenen BSB wieder rückgelöst. Auf diese Weise kann während der Nachtstunden der Kohlenstoff bedarf für P-speichernde Mikroorganismen und Denitrifikanten gedeckt werden. Störunnen der P-Eliminierung
infolge von Nitrateinbrüchen in die anaerobe Stufe können somit weitgehend verhindert werden.
Weiter wird - außer der Steuerung mittels gespeicherten Überschußschlammes - eine Vergleichmäßigung der Tagesabwassermengen mit Hilfe des Vorklärbeckens vorgesehen. Das Vorklärbecken ist in mehrere mindestens drei
voneinander getrennte Beckenbereiche aufgeteilt. Es erfolgt eine gesteuerte Auffüllung durch Abwasserteilströme. Die
Verweilzeit in der Vorkläreinrichtung beträgt über 1,5 Std. Die einzelnen Becken werden nach einem vorgegebenen Ablauf
während der belastungsschwachen Zeiten nacheinander entleert.
Es ist vorgesehen, daß der Schlamm in der Schlammsammeltasche des Vorklärbeckens vor der Entleerung intensiv mit dem Abwasser gemischt wird, z. B. durch Kreislaufführung. Ergänzend wird vorgeschlagen, bei kleineren Anlagen mit stark ausgeprägten Tagesschwankungen die Lastspitzen durch das
zeitweilige Zuschalten eines mit immobilisierter und suspendierter Biomasse angefüllten Wirbelschichtreaktors weitgehend abzubauen. Dabei wird ein Teilstrom (ca. 10VoI.-%) über diesen Intensivreaktor geführt.
Dieser wird überdurchschnittlich stark mit abbaubaren Stoffen belastet; BSB-Raumbelastung 10-15kg BSB/m3 · d. Die immobilisierte Biomasse wird während belastungsschwacherer Zeiten kontinuierlich oder diskontinuierlich mit einem Minimum an Nährsubstraten und Sauerstoff versorgt. Eine weitere Vergleichmäßigung noch vorhandener Lastschwankungen und Verhinderung der negativen Auswirkungen wird
erreicht durch die Anordnung von 2 Steuerstufen, wobei eine Steuerstufe vor der aeroben Stufe und weiterhin-fürdieErfindung maßgeblich - im mittleren Bereich der aeroben Stufe mindestens eine weitere Steuerstufe angeordnet ist.
Nachfolgend sind die mit der Steuerung gegebenen Möglichkeiten, auch unter Berücksichtigung bereits bekannter Verfahrensteilschritte, aufgezeigt.
Überlastung der Anlage (Tagesspitze):
Bezogen auf das Verfahren der P- und N-Eliminierung ist ein Überangebot an biologisch nutzbaren Kohlenstoffverbindungen zu verzeichnen. Die BSB-Raum- bzw. Schlammbelastung ist relativ hoch. Unter diesen Bedingungen laufen die Prozesse der P-Elimlnierung und Denitrifikation problemlos ab. Dagegen ist die Stoffwechselintensität der Nilrifikation eingeschränkt. Die notwendigen Steuer- bzw. Verfahrensschritte sind:
Das Abwasser ist etwa zu gleichen Anteilen aufzuteilen -Zugabe in die erste Stufe (anoxisch) zur Denitrifikation, die zweite Stufe (anaerob) zur P-Rücklösung, und eine dritte Stufe (anoxisch) wiederum zur Denitrifikation.
Die aerobe Stufezur Nitrifikation muß intensiviert werden, d.h. durch die 2 Steuerstufen ist ausreichend Sauerstoff einzubringen. Es muß eine Senkung der BSB-Schlammbelastung erfolgon durch erhöhte Rückführung von Biomasse aus dem Nachklärbecken
(s 100% Vol.-% der Abwasserzulauf menge) und aus der aeroben Stufe (ca. 250Vol.-%).
Mittlere bis stärkere Belastung (Tagesmittel): Das BSB-Angebot für die P-Eliminierung und Denitrifikation ist ausreichend bis hoch. Die Nitrifikation ist zeitweilig noch
gehemmt. Die Steuerschritte sind:
Die Abwasserverteilung erfolgt wie bei dem Zustand „Tagesspitze". Zumindest in der ersten Steuerstufe ist eine Sauerstoffkonzentration von ca. 1,0g/m3 einzuhalten. Die Schlammbelastung ist durch Rückführung von Biomasse aus dem Nachklärbecken (00-100Vol.-%) und der aeroben Stufe
(ca. 200Vol.-%) zu reduzieren.
Mittlere bis schwächere Belastung (24 Stc* Mittel): Die Nitrifikation verläuft normal bis optirr.'. Nitrateinbrüche in die anaerobe Stufe durch ungenügende Denitrifikation infolge Kohlenstoffmangel sind nicht auszuschließen. Die Steuerschritte sind: In den 2 Steuerstufen wird der Belebtschlamm in Schwebe gehalten (Hemmung der Nitrifikation). Es erfolgt Rückführung von nitrathaltigem Medium (Belebtschlamm) aus der Nachklärung in die erste Denitrifikationsstufe,
dabei Medium auf 60-80 Vol.-% reduzieren. Ein Teilstrom aus der Nachklärung wird der ersten Steuerstufe zugeführt.
Die Biomasserückführung sus der aeroben Stufe ist weiter einzuschränken (ca. 150Vol.-%). Es erfolgt Zuführung von BSB aus dem Primärschlamm, wobei das Abwasser-Schlammgemisch der ersten Denitrifikationsstufe
und der anaeroben Stufe zugegeben wird.
Unterbelastung (Nachtmittel): Infolge sehr niedriger Schlammbelastung erfolgt starke Nitrifikation, jedoch durch Kohlenstoffmangel ist eine unzureichende Denitrifikation gegeben. Es erfolgt ein geringes Wachstum P-speichernder Mikroorganismen, weiterhin Nitrateinbrüche in
anaerobe Stufe und somit Störung der P-Eliminierung. Die Steuerschritte sind:
Die Steuerstufen sind anoxisch-anaerob zu betreiben (Hemmung der Nitrifikation). Es erfolgt stark eingeschränkte Rückführung von Belebtschlamm aus dem Nachklärbecken (<60Vol.-%), ein Teil des Rücklaufschlammes wird der ersten Steuerstufe zugeführt. Aus der aeroben Stufe ist die Rückführung stark einzuschränken bzw. völlig einzustellen. Es ist BSB aus Primärschlammspeicherung für Denitrifikation und anaerobe Stufe zuzuführen. Das zufließende und in der Vorklärung gespeicherte Abwasser ist ausschließlich in die erste Denitrifikationsstufe und die
anaerobe Stufe einzuleiten.
Neben der Prozeßsteuerung in Abhängigkeit von der Zulaufbelastung sieht das Verfahren eine parallele Steuerung in Abhängigkeit von der Ablauf beschaffenheit und von den Betriebszuständen vor. Dazu müssen die wichtigsten Gütekriterien wie Nitrat, Ammonium, Phosphat und BSB möglichst kontinuierlich im Ablauf der aeroben Stufe gemessen werden. Folgende Betriebszustände können auftreten:
- Zu hoher Ammoniumwert;
Es ist die Nitrifikation zu begünstigen, d.h. Steuerstufen zeitweilig oder ständig belüften, Sauerstoffeintrag in aerobe Stufe erhöhen, Rückführung des Mediums in erhöhtem Maße aus der aeroben Stufe in die zweite Denitrifikationsstufe, Schlammbelastung durch Biomasserückführung senken
- Erhöhte Nitratkonzentration;
Es ist die Denitrifikation zu stimulieren; Steuerstufen anoxisch betreiben (Umwälzung des Belebtschlammes unter Vermeidung von Sauerstoffeintrag), Sauerstoffkonzentration in aerobe Stufe senken, Rückführung des Mediums aus aerober Stufe in zweite Denitrifikationsstufe, BSB für Denitrifikation zuführen, anaerobe Stufe vor Nitrateinbrüchen schützen, Abwasser vorwiegend der ersten und zweiten Stufe zuführen
- Ungünstiges BSB zu P-bzw. N-Verhältnis; Durch Schlammwäsche BSB zuführen
- Erhöhte Phosphorkonzentration;
Sollte dieser Fall trotz Anwendung der beschriebenen Verfahrensführung und Steuerschritte eintreten, wäre eine bekannte Methode die Zuführung von Eisensalzen, was jedoch die landwirtschaftliche Nutzung der Schlämme einschränkt. Es wird in diesem Falle folgender Verfahrensweg vorgeschlagen:
Bei bestimmten Betriebszuständen, die eine verminderte P-Eliminierung erwarten lassen, wird ein festgelegter Teilstrom aus der P-reichen anaeroben Stufe in einem Mischreaktor mit einer solchen Menge Kalk versetzt, daß der pH-Wert des Mediums auf > 10 ansteigt. Dabei bildet sich schwerlösliches Calziumphosphat. Das auf diese Weise behandelte Gemisch wird der zweiten Denitrifikationsstufe zugeführt. Im Belebungsbecken lagert sich das Phosphat adsorptiv an die Belebtschlammflocken an und kann mit dem Überschußschlamm dem System entnommen werden. Die adsorptive Wirkung soll hier als wesentlich herausgestellt werden.
Ausführungsbeispiel Die Erfindung soll nachstehend an einem Ausführungsbeispiel erläutert werden.
Eine Anlage, mit der das Steuerverfahren zu realisieren ist, besteht aus dem Komplex der Vorklärung mt dem Vorklärbecken 6 einschließlich der in Längsrichtung abgetrennten Teilbereiche und einem Schlammspeicher 7. Die Prozesse der P- und N-Ellminlerung laufen in verschiedenen Becken, zweckmäßigerweise einem Beckenblock ab, welcher aus den anoxischen Stufen 1 und 3, der anaeroben Stufe 2, zwei SteuersVifen 4.1 und 4.2 und der aeroben Stufe 5 besteht. Die Steuerstufe 4.2 ist im mit tieren Bereich der aeroben Stufe 5 angeordnet. Es ist ein interner Denitrifikationskreislauf durch Umpumpen von Stufe 5 nach Stufe 3 vorgesehen. Der Rücklaufschlamm aus der nicht dargestellten Nachklärung kann auf Stufen 1 und 4.1 verteilt werden.
Das zu reinigende Abwasser kann über eine Rinne in die Stufen 1,2,3 gegeben werden. Über einen Mischreaktor 8 zur Unterstützung der Phosphoreliminierung kann einen Teilstrom von der anaeroben Stufe 2 in die anoxische Stufe 3 gegeben
werden. Durch Kalkzugabe erfolgt eine pH-Werterhöhung > 10 in diesem Teilstrom.
Die Erfindung wird weiter am Beispiel einer Belebtschlammanlage mit einem Beckenvolumen von 21000m3, einem maximalen
stündlichen Abwasserzufluß von 1750m3, einer BSB-Tageslast von 8600kg, einem Belebtschlammgewicht von 3,5kg/m1, einer BSB-Raumbelastung von 0,32kg/m3 d und einer aus vier Becken bestehenden Vorkläreinrichtung mit einer max. Vorklärzeit
von 2 Stunden beispielhaft beschrieben.
In Kläranlagen mit Industriewasseranteil muß im Tages- und Wochenverlauf mit ausgeprägten Schwankungen der Abwassermenge und der Abwasserbeschaffenheit gerechnet werden. Im Falle der Beispielanlage verteilen sich die BSB-Lastschwankungen folgendermaßen:
- Tagesspitze, Überlastung
- Tagesmittel, mittlere bis hohe Belastung
- 24-Std.-Mittel, mittlere bis niodrige Belastung
- Nachtmittel, Unterbelastung
Nachfolgend wird gezeigt, in welchem Maße eine Vergleichsmäßigung der BSB-Frachten durch Steuerung der Verweilzeiten in
der Vorklärung möglich ist.
Die folgende Übersicht stellt die zu erwartenden Verhältnisse bei einer mittleren Vorklärzeit von 0,5Std. (etwa 17% BSB- Eliminierung) dar. Es ist zu erkennen, daß die BSB-Raumbelastung im Tagesverlauf ausgeprägten, den Prozeßablauf störenden Schwankungen
unterlegen ist.
Während der meisten Stunden mangelt es an biologisch nutzbaren Kohlenstoffverbindungen oder es ist ein den Gesamtprozeß
störender Überschuß vorhanden.
Belastungsstufen
Abwasser BSB-Fracht(kg) BSB-Belastung mVh vorVorkl. nachVorkl. (kg/m3-d) kg/kg d
Tagesspitze (2 Std.) 1750 1600 1320 0,75 0,22 Tagesmittel (6 Std.) 1375 3160 2623 0,50 0,14
24-h-Mittel(8Std.) 1030 2750 2 283 0,33 0,09
Nachtmittel (8 Std.) 650 1310 1087 0,16 0,04
Im Primärschlamm werden bei einer Verweilzeit von 0,5 Stunden rund 1500kg BSB/d bei 17% der Zulauffracht gebunden. Erfolgt eine Steuerung der Verweilzeit im Vorklärbecken in Abhängigkeit von der Zulauffracht, dann ergeben sich folgende Verhältnisse:
Wochentag Wochenende
2 Std. _
6 Std. —
8 Std. 11 Std.
8 Std. 13 Std.
BSB-Fracht(kg) nachVorkl. BSB-Belastung kg/kg-d
vorVorkl. 1152 kg/m3-d 0,19
Tagesspitze 1600 0,66
Verweilzeit: 2 Stunden 2275 0,12
Tagesmittel 3160 0,43
Verweilzeit: 2 Stunden 2145 0,09
24-Std.-Mittel 2750 0,31
Verweilzeit: 1 Stunde 1087 0,04
Nachtmittel 1310 0,16
Verweilzeit: 0,5 Stunden
gebundener BSB im Primärschlamm: 216Okg/d(24%)
Durch die Erfindung ergeben sich vielfältige Möglichkeiten, die biologischen Hauptprozesse zu stimulieren oder zu hemmen bzw. das Milieu den Ansprüchen der Mikroorganismen anzupassen.
Nachfolgend sind die wichtigsten Störeinflüsse und Möglichkeiten zu deren Kompensierung in Abhängigkeit von der Zulaufbelastung nochmals anhand einer Tabelle dargestellt.
1 Belastungsstufen 3 4
Überbelastung 2 mittel bis gering Unterbelastung
a 1,6 mittel bis max. 0,8 s 0,4
Vorklärbecken 1,2-1,6
(Verweilzeit, h) aerob, O2 > 2 g/m3 Umwälzung, O2 ±0 intermitt. Umwälzung
Steuerstufe 4.1 aerob, O2 > 2 g/m3 aerob, O2 0-1 g/m3 Umwälzung, O2 ± 0 geringster Oj-Eintrag
gO2/m34.2 anoxisch, O2 ± 0
Schlammrückführung S100 60-80 -60
aus Nachklärung (Vol.-%) 80-100
Rückführung von Stufe 5 >200 150 <150
inStufe3(Vol.-%) 150-200
aerobe Stufe 5 > 2,5 m/m3 2,0 g/m3 s 1,5 g/m3
<gO2/m3) nein 2,0 g/m3 nein ja
Schlammwäsche gleichmäßig nein vorwiegend ausschließlich
Abwasserverteilung Stufen 1,2,3 gleichmäßig Stufen 1,2 Stufen 1,2
Stufen 1,2,3
gespeichertes Abwasser - _ ausschließlich
aus Vorklärung _ Stufen 1,2

Claims (8)

1. Verfahren zur Steuerung biologischer Prozesse zur Phosphor- und Stickstoffeliminierung in Belebtschlammanlagen unter Einbeziehung der Vorklärung und Anwendung anaerober, anoxischer und aerober Verfahrensstufen, gekennzeichnet dadurch, daß in Abhängigkeit von den Zu- und Ablaufwerten der Anlage während belastungsstarker Zeiten das Abwasser im Vorklärbecken (6) bzw. der Primärschlamm im Schlammspeicher (7) gestapelt wird, während des Speicherprozesses die Hydrolyse und Vergärung organischer Stoffe beginnt, bei belastungsschwachen Zeiten die Verweilzeit des Abwassers im Vcklärbecken (6) stark verkürzt und gleichzeitig gespeicherter Primärschlamm und/oder gespeichertes Abwasser nach eingehendem Vermischen den anoxischen Stufen (1,3) und der anaeroben Stufe (2) zugeleitet wird, daß in zwei Ste> lerstufen (4.1,4.2) anoxische bzw. aerobe Verhältnisse durch Umwälzen bzw. Belüften des Abwassers eingestellt werden im Bereich von 0 bis 2 g/m3 Sauerstoff, wobei mit der Steuerstufe 4.2 im Bereich der aeroben Stufe (5) in den mikrobiologischen Prozeß eingegriffen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet dadurch, daß das Abwasser in Vorklärbecken (6) während belastungsstarker Zeiten in mindestens 3 voneinander getrennten Beckeneinheiten gespeichert wird, die Verweilzeit mindestens 1,5 h beträgt und in belastungoschwachen Zeiten die Entleerung der Becken erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und Z1 gekennzeichnet dadurch, daß der Schlamm in der Schlammsammeltasche des Vorklärbeckens (6) vor der Entleerung intensiv mit dem Abwasser gemischt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, gekennzeichnet dadurch, daß die Steuerung der Anlage unter Berücksichtigung der Zu- und Ablaufwerte auf der Grundlage von Tagesganglinien erfolgt.
5. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet dadurch, daß die Milieuverhältnisse in den Stufen (4.1, 4.2,5) durch intermittierenden bzw. kontinuierlichen Lufteintrag eingestellt werden.
6. Verfahren nach Anspruch 1 bis 5, gekennzeichnet dadurch, daß die Menge des aus der aeroben Stufe (5) in die anoxische Stufe (3) zurückgeführten Mediums durch die Nitratkonzentration und/ oder Ammoniumkonzentration im Ablauf gesteuert wird.
7. Verfahren nach Anspruch 1 bis 6, gekennzeichnet dadurch, daß während belastungsstarker Zeiten ein Abwasserteilstrom von ca. 10 Vol.-% über einen Intensivreaktor mit immobilisierter Biomasse und einer BSB-Raumbelastung von 10-15 kg BSG/m3d geleitet wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1 bis 7, gekennzeichnet dadurch, daß bei zu erwartender verminderter P-Eliminierung ein Teilstrom aus der anaeroben Stufe (2) über einen Mischreaktor (8) geleitet wird, im Mischreaktor (8) Kaltzugabe bis zu einem pH-Wert > 10 erfolgt und nach der Bildung von Calziumphosphat der Teilstrom der anoxischen Stufe (3) zugeführt wird.
DD90339359A 1989-05-03 1990-04-03 Verfahren zur steuerung biologischer prozesse zur stickstoff- und phosphoreliminierung in belebtschlammanlagen DD293333A5 (de)

Priority Applications (2)

Application Number Priority Date Filing Date Title
DD90339359A DD293333A5 (de) 1990-04-03 1990-04-03 Verfahren zur steuerung biologischer prozesse zur stickstoff- und phosphoreliminierung in belebtschlammanlagen
EP19900108394 EP0396142A1 (de) 1989-05-03 1990-05-03 Verfahren und Vorrichtungen zur Steuerung biologischer Prozesse zur Phosphor- und Stickstoffeliminierung in Belebtschlammanlagen

Applications Claiming Priority (1)

Application Number Priority Date Filing Date Title
DD90339359A DD293333A5 (de) 1990-04-03 1990-04-03 Verfahren zur steuerung biologischer prozesse zur stickstoff- und phosphoreliminierung in belebtschlammanlagen

Publications (1)

Publication Number Publication Date
DD293333A5 true DD293333A5 (de) 1991-08-29

Family

ID=5617539

Family Applications (1)

Application Number Title Priority Date Filing Date
DD90339359A DD293333A5 (de) 1989-05-03 1990-04-03 Verfahren zur steuerung biologischer prozesse zur stickstoff- und phosphoreliminierung in belebtschlammanlagen

Country Status (1)

Country Link
DD (1) DD293333A5 (de)

Cited By (2)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
US4817695A (en) * 1987-12-02 1989-04-04 Wingert Philip C Electrical contact material of Ag, SnO2, GeO2 and In2 O.sub.3
DE4409435A1 (de) * 1994-03-19 1994-09-08 Ott Peter Vorrichtung und Verfahren zur simultanen biologischen Phosphor- und Stickstoffelimination aus Abwasser

Cited By (2)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
US4817695A (en) * 1987-12-02 1989-04-04 Wingert Philip C Electrical contact material of Ag, SnO2, GeO2 and In2 O.sub.3
DE4409435A1 (de) * 1994-03-19 1994-09-08 Ott Peter Vorrichtung und Verfahren zur simultanen biologischen Phosphor- und Stickstoffelimination aus Abwasser

Similar Documents

Publication Publication Date Title
DE69829482T2 (de) Verfahren zur nitrifikation von abwasser unter verwendung von aus ammoniumhaltigen wasser isolierten und angereicherten mikro-organismen
DE69202985T2 (de) Verfahren und system fuer biologische beseitigung von stickstoff aus abwaessern.
CH629730A5 (de) Verfahren zur inhibierung des wachsens von fasriger biomasse.
AT502391B1 (de) Verfahren zur behandlung von ammoniumhaltigem abwasser
EP0881990A1 (de) Verfahren zur aeroben, weitergehenden biologischen reinigung von abwässern
EP0751913B1 (de) Vorrichtung und verfahren zur simultanen biologischen phosphor- und stickstoffelimination aus abwasser
DE2809094A1 (de) Verfahren zur entfernung von organischen stoffen und stickstoffverbindungen aus abwasser
DE69703984T2 (de) Prozess zur entfernung von organischen komponenten aus abwasser und zur denitrifikation mit hilfe von sauerstoff
EP0396142A1 (de) Verfahren und Vorrichtungen zur Steuerung biologischer Prozesse zur Phosphor- und Stickstoffeliminierung in Belebtschlammanlagen
DE2233801B2 (de) Verfahren zur biologischen Reinigung von Abwasser mit zwei von dem Abwasser nacheinander durchflossenen Stufen
DE69513205T2 (de) Methode und einrichtung für die reinigung von abwasser nach der belebtschlamm-methode
DE3833185C2 (de)
DE4133954C2 (de) Anlage und Verfahren zur biologischen Phosphor- und Stickstoffeliminierung aus Abwasser
DE4208698C2 (de) Verfahren zur simultanen biologischen Stickstoffelimination
DE212021000108U9 (de) Denitrifikations- und Phosphorentfernungsvorrichtung für einen Batch-Reaktor SBR mit Doppelschlammsequenzierung
AT396684B (de) Belebtschlammverfahren zur reinigung von abwasser
EP0503546B1 (de) Verfahren zur biologischen Reinigung von Wasser
EP1030821B1 (de) Verfahren zur denitrifikation von abwässern
DE4204590C2 (de) Verfahren zur biologischen Abwasserreinigung in einem Belebungsbecken
EP0831064B1 (de) Verfahren zur Einstellung eines Gemisches aus Mikroorganismen und Nahrungsmenge in einem aeroben Belebtschlammprozess bei der Abwasserreinigung
DD293571A5 (de) Verfahren und einrichtung zur steuerung biologischer prozesse zur phosphor- und stickstoffeliminierung, vorzugsweise in laengsbecken
DE19547364A1 (de) Verfahren und Vorrichtung zur erhöhten biologischen Phosphatelimination bei gleichzeitiger biologischer Stickstoffelimination
EP0625128B1 (de) Verfahren zur denitrifikation von abwasser
EP0656323B1 (de) Verfahren zur Steuerung der Atmungsaktivität von Mikroorganismen in einem Belebtschlammprozess bei der Abwasserreinigung
DE19519742A1 (de) Verfahren zur Abwasserreinigung mit intermittierender Nitrifikation/Dentrifikation und Abwasserreinigungsanlage zur Durchführung des Verfahrens

Legal Events

Date Code Title Description
NPI Change in the person, name or address of the patentee (addendum to changes before extension act)
ENJ Ceased due to non-payment of renewal fee