DD300651A5 - Verfahren zur Herstellung von Formkörpern und die nach diesem Verfahren erhältlichen Formkörper - Google Patents

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Abstract

Ein Verfahren zur Herstellung von ein- oder mehrschichtigen Formkoerpern aus Klein- und Kleinstteilen aus Polyisocyanat-Polyadditionsprodukten durch thermoplastische Formgebung und Einwirkung von Druck, wobei man als Polyisocyanat-Polyadditionsprodukte solche verwendet, die in an sich bekannter Weise aus organischen Polyisocyanaten, Verbindungen des Molekulargewichtsbereichs 1 800 bis 12 000, welche im statistischen Mittel mindestens 2,5 gegenueber Isocyanatgruppen reaktionsfaehige Gruppen aufweisen, und niedermolekularen Kettenverlaengerungsmitteln unter Einhaltung eines Isocyanatkennzahl von 60 bis 140 hergestellt worden sind, und wobei man die thermoplastische Formgebung unter Mitverwendung von Verarbeitungshilfsmitteln, ausgewaehlt aus der Gruppe bestehend aus Loesungsmitteln, mit den Polyisocyanat-Polyadditionsprodukten im Sinne einer Additions- oder Kondensationsreaktion reaktionsfaehigen Verbindungen, Radikalbildnern und unter den Verarbeitungsbedingungen thermoplastisch verarbeitbaren Materialien durchfuehrt, und die so erhaeltlichen Formkoerper.

Description

Die Erfindung betrifft ein verbessertes Verfahren zur Herstellung von ein- oder mehrschichtigen Formkörpem aus bestimmten Poiyisocyanat-Polyadditionsprodukten durch thermoplastische Formgebung und die so erhaltenen Formkörper. Gemäß einem eigenen älteren Vorschlag (deutsche Patentanmeldung P 3733756.4) werden Formkörper durch thermoplastische Formgebung von Granulaten, Schnipseln und/oder anderen Klein- und Kleinstteilen, wie sie bei der Herstellung und Verarbeitung von Polyisocvanat-Polyädditionsprodukten anfallen, hergestellt. Gemäß einem weiteren eigenen älteren Vorschlag (deutsche Patentanmeldung P 3809524.6) werden Aufbauten und Laminate unter Verwendung von solchen Kleinteilen hergestellt, wobei diese als solche oder in Form von - in einem separaten Schritt hergestelltem - Halbzeug verwendet
v/erden.
Es hat sich aber gezeigt, daß es zu Desintegrationserscheinungen kommen kann, wenn in ein- und demselben Aufbau Materialien
mit stark unterschiedlichen Eigenschaften, beispielsweise stark unterschiedlicher Oberflächenspannung, miteinander verpreßt werden sollen, beispielsweise solche mit stark unterschiedlicher Härte oder solche, die Innere Trennmittel aufweisen bzw. die nicht selbsttrennend eingestellt sind, oder wenn beispielsweise lackierte und unlackierte Materialien miteinander zu einem
Verbund vereinigt werden sollen. Es war daher die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe, ein verbessertes Verfahren zur Verfügung zu stellen, bei
welchem alle Arten von verkleinerten Polyisocyanat-Polyadditionsprodukten der nachstehend genannten Art ungeachtet ihrer chemischen Zusammensetzung und ihrer physikalischen Eigenschaften zu Verbundwerkstoffen vereinigt werden können.
Überraschenderweise wurde gefunden, daß diese Aufgabe durch Mitverwendung von bestimmten, nachstehend näher
beschriebenen Verarbeitungshilfsmitteln gelöst werden kann.
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von ein- oder mehrschichtigen Formkörpem aus Klein- und Kleinstteilen aus Polyisocyanat-Polyadditionsprodukten durch thermoplastische Formgebung und Einwirkung von Druck,
dadurch gekennzeichnet, daß man
(i) als Polylsocyanat-Polyadditionsprodukte solche verwendet, die durch Umsetzung von
a) (cyclojaliphatischen oder aromatischen Polyisocyanaten,
b) Verbindungen mit einem Molekulargewicht zwischen 1800 und 12000, welche im statistischen Mittel mindestens 2,5 gegenüber Isocyanatgruppen reaktionsfähige Gruppen aufweisen,
gegebenenfalls
c) Diaminen mit zwei primären und/oder sekundären aromatisch gebundenen Aminogruppen des Molekulargewichtsbereichs 108 bis 400
sowie gegebenenfalls
d) Ethergruppen aufweisenden (Cyclo)alkanpolyolen und/oder (Cyclo)alkanpolyaminen des Molekulargewichtsbereichs 60 bis 1799
sowie gegebenenfalls unter Mitverwendung von
e) den aus der Polyurethanchemie an sich bekannten HiIs- und Zusatzmitteln
unter Einbehaltung einer Isocyanatkennzahl von 60 bis 140 im Ein- oder Mehrstufenverfahren hergestellt worden sind/mit der Maßgabe, daß mindestens eine der Komponenten c) und/oder d) ein von 60 bis 400 liegendes Molekulargewicht aufweist und in einer solchen Menge mitverwendet wird, daß die Gesamtmenge an Komponenten c) und d) dieses Molekulargewichtsbereichs mindestens 5Gew.-%, bezogen auf das Gewicht der Komponente b), beträgt, und
(ii) die thermoplastische Formgebung unter Mitverwendung von Verarbeitungshilfsmitteln, ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus die Oberfläche der Polyisocyanat-Polyadditionsprodukte anquellenden Lösungsmitteln, mit den Polyisocyanal Polyadditionsprodukten im Sinne einer Additions- oder Kondensationsreaktion reaktionsfähigen Verbindungen, Radikalbildnern und unter den Verfahrensbedingungen thermoplastisch verarbeitbaren, von den Polyisocyanat-Polyadditionsprodukten verschiedenen Materialien durchfuhrt. Gegenstand der Erfindung sind auch die nach diesem Verfahren hergestellten Formkörper. Das erfindungsgemäße Verfahren gestattet nicht nur die Vereinigung von unterschiedlichsten Polyurethan- oder Poly(urethan)harnstoffmaterialien ohne Vorsortierung, sondern möglichst oftmals auch eine thermoplastische Formgebung unter wesentlich milderen Arbeitsbedingungen. Bei den beim erfindungsgemäßen Verfahren einzusetzenden Klein- und Kleinstteilen handelt »äs sich beispielsweise um Granulate, Schnipsel, Sägespäne und/oder andere Klein- und Kleinstteile aus Polyisocyanat-Polyadditionsprodukten auf der Basis der vorstehend genannten Ausgangsmaterialien. Für die Herstellung der Polyisocyanat-Polyadditionsprodukte geeignete aromatische Polyisocyanate sind insbesondere die in EP-B 0081701, Kolonne 3, Zeile 30 bis Kolonne 4, Zeile 25 genannten Verbindungen, wobei die dort als bevorzugt herausgestellten Polyisocyanate auch im Rahmen der vorliegenden Erfindung bevorzugt sind.
Geeignete (cyclo)aliphatische Polyisocyanate a) sind beliebige organische Diisocyanate eines über 137, vorzugsweise bei 168 bis 290 liegenden Molekulargewichts mit ausschließlich (cycloaliphatisch gebundenen Isocyanatgruppen wie beispielsweise 1,6-Diisocyanatohexan, 1,12-Diisocyanatododecan, I.S-Diisocyanatocyclobutan, 1,3- und 1,4 Diisocyanato-cyclohexan, sowie beliebige Gemische dieser Isomeren, 1 -Isocyanato^S^-trimethyl-S-isocyanatomethyl-cyclohexan (IPDI), 2,4- und/oder 4,4'-Diisocyanatodicyclohexylmethan oder beliebige Gsmische derartiger einfacher (cynlo)aliphatischer Polyisocyanate. Ebenfalls geeignet sind durch Urethan-, Allophanat-, Isocyanurate Harnstoff-, Biuret- und/oder Uretdiongruppen modifizierte Polyisocyanate auf Basis der beispielhaft genannten (cyclolaliphatischen Diisocyanate oder auf Basis von deren Gemischen. Gemische von unmodifizieiten Diisocyanaten mit den genannten modifizierten Polyisocyanaten können ebenfalls als Komponente a) verwendet werden.
Bei der Komponente b) handelt es sich um Verbindungen mit gegenüber Isocyanatgruppen reaktionsfähigen Gruppen des Molekulargewichtsbereichs 1800 bis 12000, vorzugsweise3000bis7000 oder um Gemische derartiger Verbindungen, wobei die Komponente b) im Sinne der Isocyanat-Additionsreaktion eine über 2,5, vorzugsweise bei 2,6 bis 3,0 und besonders bevorzugt bei 2,8 bis 3,0, liegende (mittlere) Funktionalität aufweist. Besonders gut als Komponente b) geeignete Verbindungen sind, diesen Ausführungen entsprechende, Polyetherpolyole bzw. Gemische von Polyetherpolyolen wie sie in DE-AS 2622951, Kolonne 6, Zeile 65- Kolonne 7, Zeile 47, offenbart sind, wobei auch erfindungsgemäß solche Polyetherpolyole bevorzugt sind, deren Hydroxylgruppen zumindest zu 50%, vorzugsweise zumindest zu 80%, aus primären Hydroxylgruppen bestehen. Auch die in DE-AS 2622951 beispielhaft offenbarten, Hydroxylgruppen aufweisenden Polyester, Polythioether, Polycetale, Polycarbonate oder Polyesteramide sind im Prinzip als erfindungsgemäße Komponente b) geeignet, sofern sie den obengemachten Ausführungen entsprechen, jedoch gegenüber den Polyetherpolyolen weniger bevorzugt. Als Ausgangskomponente b) ebenfalls gut geeignet sind, obigen Ausführungen entsprechende, Aminopolyether oder Gemische von Aminopolyethern, d. h., Polyether mit gegenüber Isocyanatgruppen reaktionsfähigen Gruppen, die sich zumindest zu 50Äquivalent-%, vorzugsweise zumindest zu 80Äquivalent-%, aus primären und/oder sekundären, aromatisch oder aliphatisch, vorzugsweise aromatisch gebundenen Aminogruppen und zum Rest aus primären und/oder sekundären, aliphatisch gebundenen Hydroxylgruppen zusammensetzen. Geeignete derartige Aminopolyether sind beispielsweise die in EP-B-0081701, Kolonne 3, Zeile 26 bis Kolonne 5, Zeile 40, genannten Verbindungen.
Ebenfalls als Ausgangskomponente b) geeignet, jedoch weniger bevorzugt sind Aminogruppen aufwe'sende Polyester des obengenannten Molekulargewichtsbereichs.
Als Komponente b) können selbstverständlich auch beliebige Gemische der beispielhaft genannten Pol «ydroxylverbindungen mit den beispielhaft genannten Aminopolyethern verwendet worden.
Bei der gegebenenfalls mitzuverwendenden Komponente c) handelt es sich um aromatische Diamine der in EP-B-0081701, Kolonne 5, Zeile 58 bis Kolonne 6, Zeile 34, beispielhaft genannten Art, wobei auch erfindungsgemäß die dort als bevorzugt herausgestellten Diamine bevorzugt sind. Besonders bevorzugte aromatische Diamine sind die isomeren Diethyltoluylendiamine, insbesondere eine Mischung aus 65Gew.-% 1-Methyl-3,5-c:iethyl-2,4-diaminobenzol und 35Gew.-% 1 -Methyl-3,5-diethyl-2,6-diaminobenzol („DETDA").
Bei den gegebenenfalls als weitere Aufbaukomponenten d) mitzuverwendenden Polyolen oder Polyaminen handelt es sich um beliebige nicht aromatische Verbindungen mit mindetsens zwei gegenüber Isocyanatgruppen reaktionsfähigen Gruppen des Molekulargewichtsbereichs 60 bis 1799, vorzugsweise 62 bis 500, insbesondere 62 bis 400. In Betracht kommen beispielsweise
mehrwertige Alkohole, wie sie in EP-B-0081701, Kolonne 9, Zeilen 32 bis 50, offenbart sind. Ferner in Betracht kommen beispielsweise auch Ethergruppen aufweisende aliphatische Polyamine, beispielsweise endständige primäre Aminogruppen aufweisende Polypropylenoxide des genannten Molekulargewichtsbereichs. In Betracht kommen auch cycloaliphatische Ringe aufweisende Polyole wie beispielsweise 1,4-Dihydroxycyclohexan oder 1,4-Bis-hydroxymethyl-cyclohexan und Polyamine wie beispielsweise 1,4-Cyclohexan-diamin, Isophorondiamin, Bis-(4-Aminocyclohexyl)-methan, Bis-(3-methyl-4-aminocyclohexyl)-methan.
Es ist bevorzugt, daß bei der Herstellung der Elastomeren mindestens eine der Komponenten c) oder d) zur Anwendung gelangt
und zwar in solchen Mengen, daß der Gewichtsanteil der Komponenten c) und/oder d), bezogen auf das Gewicht der
Komponente b), mindestens 5Gew.-%, vorzugsweise mindestens 10Gew.-%, beträgt. Besonders bevorzugt werden dabei Art
und Mengenverhältnisse der Komponenten b), c) und/oder d) so bemessen, daß in den Elastomeren das Molverhältnis von
Harnstoffgruppen zu Urethangruppen bei mindestens 2:1 liegt. Besonders bevorzugt liegt dieses Verhältnis bei mindestens 5:1. Bei den bei der Herstellung der Polyisocyanat-Polyadditionsprodukte gegebenenfalls mitzuverwendenden Hilfs- und Zusatzmitteln e) handelt es sich beispielsweise um innere Formtrennmittel, Katalysatoren für die Polyisocyanat- Polyadditionsreaktion, Treibmittel, oberfächenaktive Zusatzstoffe, Zellregler, Pigmente, Farbstoffe, UV-Stabilisatoren, Weichmacher oder fungistatisch bzw. bakteriostatisch wirkende Substanzen, wie sie beispielsweisee in EP-B-0081701, Kolonne 6, Zeile 40 bis Kolonne 9, Zeile 31, beispielhaft beschrieben sind. Zu den bevorzugten, gegebenenfalls mitzuverwendenden Hilfs- und Zusatzstoffen gehören die an sich bekannten Füll- und/oder Verstärkungsstoffe wie beispielsweise Bariumsulfat, Kieselgur, Schlämmkreide, Mica oder insbesondere Glasfasern, LC-Fasern, Glasf lakes, Glaski igeln, Aramid- oder Kohlefasern, wobei diese Füll- und/oder Verstärkungsstoffe in Mengen von bis zu
80Gew.-%, vorzugsweise bis zu 30Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der gefüllten bzw. verstärkten Polyisocyanat-
Polyadditionsprodukte mitverwendet werden können. Die Herstellung der Polyisocyanat-Polyadditionsprodukte erfolgt vorzugsweise nach dem Einstufen-Verfahren dergestalt, daß
man die Polyisocyanatkomponente a) mit einem Gemisch der Komponenten b) bis e) unter Verwendung geeigneter
Mischapparaturen vermischt und zur Reaktion bringt. Grundsätzlich ist es auch möglich, die Polyisocyanat- Polyadditionsprodukte nach einom „modifizierten Einstufenverfahren" umzusetzen, gemäß welchem man die Polyisocynat- Komponente a) mit einem Teil der Komponente b) und gegebenenfalls der Komponente d) unter Bildung von NCO- Semiprepolymert , umsetzt, welche anschließend einstufig mit dem Gemisch der restlichen Komponenten zur Reaktion gebracht
werden. Auch die Herstellung der Elastomeren nach dem klassischen Prepolymerverfahren ist prinzipiell denkbar. In allen Fällen liegt die NCO-Kennzahl (Anzahl der NCO-Gruppen dividiert durch die Anzahl an NCO-reaktiven Gruppen, multipliziert mit 100) bei 60 bis 140, vorzugsweise bei 80 bis 120, insbesondere 95 bis 115.
Besonders bevorzugt handelt es sich bei den beim erfindungsgemäßen Verfahren einzusetzenden Ausgangsmaterialien um Klein- oder Kleinstteile wie sie bei der Herstellung und Verwendung von Formkörpern auf Basis von Polyisocyanat- Poly-jdditionsprodukten aus den genannten Ausgangsmaterialien als Nebenprodukte bzw. Abfall anfallen und bislang
verbrannt wurden.
Als erfindungsgemäß einzusetzende Verarbeitungshilfsmittel kommen solche vom „Lösungsmittel-Typ", vom „Reaktiv-Typ", Radikalbildner und solche vom „Thermoplast-Typ" in Betracht. Bei den Verarbeitungshilfsmitteln vom „Lösungsmittel-Typ" handelt es sich um solche, die die Oberfläche der Polyisocyanat- Polyadditionsprodukte anquellen und damit weicher und plastischer machen. Beispiele sind Alkohole wie Methanol, Ethanol, n-,
i-Propanol und höhere Alkohole, Diole wie Ethylenglykol, Glykol-monoether und -monoester, Ether-Lösungsmittel wie Dioxan,
Tetrahydrofuran oder Dimethoxyethan, halogenierte Kohlenwasserstoffe, Ketone, niedere aliphatische Aldehyde,
gegebenenfalls in acetalisierter oder ketälisierter Form, Ester wie Essigester, ferner aprotisch polare Lösungsmittel wie
Acetonitril, Dimethyl-acetamid, -formamid, Dimethylsulfoxid, Dimethylsulfolen oder Tetramethylharnstoff. Bei den Verarbeitungshilfsmitteln vom „Reaktiv-Typ" handelt es sich beispielsweise um solche, die mit den Polyisocyanat- Polyadditionsprodukten durch Ausbildung chemischer Bindungen, insbesondere im Sinne einer Additionsreaktion mit dem in
den Polyisocyanat-Poiyadditionsprodukten vorliegenden aktiven Wasserstoffatomen reagieren.
Geeignet sind beispielsweise organische Polyisocyanate der oben unter a) als Ausgangsmaterialien beispielhaft genannten Art, Isocyanatgruppen aufweisende Preopolymere aus solchen Polyisocyanaten und Verbindungen mit gegenüber Isocyanatgruppen reaktionsfähigen Gruppen der oben beispielhaft als Komponente b) genannten Art oder Ipoxidgruppen
aufweisende Verbindungen der aus der Epoxidharzchemie an sich bekannten Art, beispielsweise die bekannten
Umsetzungsprodukte von Bisphenol A mit Epichlorhydrin. Grundsätzlich geeignet als Verarbeitungshilfsmittel vom „Reaktiv-Typ" sind auch beispielsweise Phenol-, Melamin- oder andere Formaldehyd-Harze, soweit sie mit den Polyisocyanat-Polyadditionsprodukten im Sinne einer Kondensationsreaktion
reaktionsfähig sind.
Weiterhin geeignet sind Radikalbildner als Verarbeitungshilfsmittel. Hierzu gehören insbesondere peroxidische Verarberjungshilfsmittel, wie sie aus der Gummiverarbeitung als Radikalstarter bekannt sind. Besonders bevorzugt geeignet
sind solche peroxidischen Verarbeitungshilfsmittel, die bei den besonders bevorzugten Preßtemperaturen eine gegenüber der
Preßdauer kurze Halbwertszeit besitzen. Geeignet sind beispielsweise Lauroylperoxid, Dilauroylperoxid, Cumolhydroperoxid,
tert.-Butylperoxid, Di-tert.-butylperoxid, tert.-Butylperbenzoat, tert.-Butylhydroperoxid, Benzoylperoxid, Diuenzoylperoxid,
Ethylmethylketon-peroxid, Dicumylperoxid (z. B. *Perkadox SB der Fa. Akzo) oder andere Radikalbildner beispielsweise 2,2'-Azo-
bis-(2-methylpropionitril). .
Die Verarbeitungshilfsmittel vom „Reaktiv-Typ" und auch die Radikalbildner werden in flüssiger oder fester Form eingesetzt,
wobei bei Verwendung von festen Hilfsmitteln vorauszusetzen ist, daß sie während der thermoplastischen Formgebung fließfähig werden.
Feste Verarbeitungshilfsmittel können auch über eine geeignete Lösung eingebracht werden. Das Lösungsmittel sollte
bevorzugt das zur Anwendung kommende Granulat benetzen und vor der Vorarbeitung, spätestens jedoch während der
Verarbeitung entweichen können. Als Verarbeituiigshilfsmittel vom „Thermoplast-Typ" kommen insbesondere thermoplastische Harze in Betracht, die unter den Bedingungen des erfindungsgemäßen Verfahrens selbst thermoplastisch verarbeitbar sind, so daß die Polyisocyanat-
Polyadditionsprodukte bei der Durchführung des erfindungpgemäßen Verfahrens in diese Hilfsmittel eingebettet werden. Geeignete derartige Hilfsmittel sind beispielsweise Polyolefin«, aromatische Polyetherester, Polycarbonate oder andere, thermoplastisch verarbeitbare Materialien.
Die thermoplastische Formgebung erfolgt im allgemeinen bei einem Druck von mindestens 5 bar, vorzugsweise Innerhalb des Druckbereichs von 50 bis 400 bar bei einer Temperatur von mindestens BO0C, vorzugsweise 100 bis 20O0C, wobei die Verformungszeiten bei 1 Sekunde bis 10 Minuten liegen können.
Die thermoplastische Verarbeitung erfolgt in den hierfür an sich bekannten Werkzeugen wie beispielsweise Tiefziehpressen, Walzenanlagen, Kalandern, Pressen, modifizierten Extrudern und modifizierten Spritzgießmaschinen. Die Modifikationen müssen hierbei so geartet sein, daß die Granulatkörper im wesentlichen unaufgeschmolzen in eine vorgegebene Form unter dem Fülldruck eingedrückt werden können. Beispiele für eine solche Modifikation sind eine große Austrittsdüse, große Transportkanäle im Extruder oder in der Spritzgußmaschine und in den Formzuleitungskanälen. Scherkräfte, die kurz vor oder während der Formfüllung auftreten, begünstigen den Zusammenhalt des hergestellten Formkörpers. Die erfindungswesentlichen Verarbeitungshilfsmittel werden den der thermoplastischen Formgebung zuzuführenden Polyisocyanat-Polyadditionsprodukten vorzugsweise vor der Verpressung beigegeben, wobei eine innige Durchmischung der Klein- und Kleinstteile der Polyisocyanat-Polyadditionsprodukte mit den Vorarbeitungsmitteln erfolgt. Es ist auch möglich, bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens Kombinationen verschiedener Verarbeitungshilfsmittel der beispielhaft genannten Art einzusetzen, wobei in einem solchen Falle die Hilfsmittel dem Kfeinmaterial aus Polyisocyanat-Polyadditionsprodukt als Gemisch oder einzeln nacheinander zugegeben werden können. Im allgemeinen werden die Hilfsmittel in einer Menge von 0,01 bis 50, vorzugsweisee von 1 bis 10Gew.-%, bezogen auf das Gewicht der Polyisocyanat-Polyadditionsprodukte, verwendet.
Bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens können dem der thermoplastischen Formgebung zuzuführenden Gemisch aus (i) Klein- und Kleinstteilen aus Polyisocyanat-Polyadditionsprodukten der genannten Art und (ii) erfindungswesentlichen Verarbeitungshilfsmitteln auch (iii) weitere Hilfsmittel zugemischt werden, um die Eigenschaften der resultierenden Verbundkörper zu verbessern. Hierzu gehören beispielsweise Antistatika, Flammschutzmittel, Mittel zur Erhöhung der elektrischen Leitfähigkeit, Verstärkungsstoff wie Glas- oder Kohlefasern oder Füllstoffe wie Bariumsulfat oder Glimmer.
Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Teile können Fertigteilcharakter haben oder auch als Halbzeug ausgebildet sein, um beispielsweise in einem weiteren Arbeitsgang einzeln oder im Verbund mit beliebigen weiteren Materialien zu Fertigartikeln verarbeitet zu werden.
Das erfindungsgernäße Verfahren gestattet die Herstellung von besonders hochwertigen Verbundkörpern, insbesondere Folienverbunden, die den unterschiedlichsten Verwendungszwecken zugeführt werden können. So eigenen sich die erfindungsgemäßen Verbundkörper beispielsweise in Form von Hohlkörpern für Einsätze, Becher, Behälter verschiedener Abmessungen und Inhalte, als Abdeckungen für Armaturentafeln, Schaltkonsolen, für flächenförmige Fahrzeug-Karosserieelemente wie Türblätter, Seitenteile, Kotflügel oder Motorraum' und Kofferraumhauben, sowie Radkappen. In flacher Form eignen sich die Verbundkörper auch für Schreibunterlagen, Anzeigetafeln mit Magnethalterungen, Klebeschildern, Schutzfolien und Beschichtungen für die verschiedensten Zwecke. Erfindungsgemäße Verfahrensprodukte können auch in Form von kleinen, bisher nach dem RIM-Verfahren nicht wirtschaftlich herstellbaren, Formteilen wie Tastaturelamenten, hartelastischen Dichtungsteilen und Manschetten, Griffmulden und Griffkörpern, kleinen Dämpfungselementen, Unterleg- und Distanzscheiben Verwendung finden. Die erfindungsgemäßen Verfahrensprodukte können auch zur Herstellung von versteiften oder unversteiften Profilen für Kabelkanäle und Dichtungslippen oder zur Herstellung von beliebigen anderen, massiven kleinen Körpern verwendet werden.
Beispiele Herstellung eines Polyisocyanat-Polyadditlonsprodukts (Formteil auf Polyharnstoff-Basls) Zur Herstellung des Formteils wurde die nachstehend genannte Rezeptur wie folgt verarbeitet: Maschine: Laborkolbendosiergerät; Form: Plattenform aus Stahl der inneren Abmessung 300 χ 200 χ 4 mm; Mischkopf: MQ8 der Firma Hennecke, Sankt Augustin; Arbeitsdruck: 180 bar; Einfüllzeit: 1 Sekunde; Rohstoff-Temperaturen: 65°C (Α-Komponente) bzw. 5O0C (B-Komponente); Formtemperatur: 700C; Formstandzeit: 30 Sekunden;
äußeres Formtrennmittel: RCTW 2006 der Firma Chemtrend.
A-Komponente:
58,6 Gew.-Teile eines aromatischen Aminopolyethers der NH-Zahl 44, hergestellt durch Hydrolyse eines NCO-Prepolymeren bei 9O0C unter Verwendung eines Gemischs aus 3,5 Gew.-Teilen Dimethylformamid, 0,1 Gew.-Teilen Natriumhydroxid und 100 Gew.-Tsilen Wasser pro 1000 Gew.-Teilen des Prepolymeren und anschließender destillativer Entfernung der flüchtigen
Bestandteile. Das NCO-Prepolymer wies einen NCO-Gehalt von 3,4% auf und wurde durch Umsetzung von
2,4-Diisocyanatotoluol mit einer unterschüssigen Menge eines Polyethergemischs erhalten.
Das Polyethergemisch bestand zu gleichen Gewichtsteilen aus (i) dem Propoxylierungsprodukt der OH-Zahl 56 und der OH-Funktionalitöt 2,4 eines Gemischs aus Wasser und Trimethylolpropan und (ii) einem Polyetherpolyol u Jr OH-Zahl 35,
hergestellt durch Propoxylierung von Glycerin und anschließender Ethoxylierung des Propoxylierungsprodukts (Gewichtsverhältnis PO:EO = 87:13);
28,8 Gew.-Teile DETDA;
0,9 Gew.-Teile eines handelsüblichen Stabilisators auf Basis eines Polyetherpolysiloxans (L5430 der Firma Union Carbide);
5,6 Gew.-Teile eines Gemischs aus gleichen Gewichtsteilen (i) Zinkstearat und (ii) dem Anlagerungsprodukt von 5 Mol Propylenoxid an 1 Mol Ethylendiamin (inneres Formtrennmittel);
6,1 Gew.-Teile einer hochmolekularen Polyrizinolsäure mit einer Säurezahl von unter 5 (inneres Formtrennmittel).
B-Komponente:
'Desmodiir M 53 (Polyester modifiziertes 4,4'-DiisocyanatodIphenylmethan mit einem NCO-Gehalt von 19 Gew.-%, Handelsprodukt der Bayer AG).
Die genannten Komponenten wurden entsprechend den obengemachten Angaben bezüglich der Verarbeitungsbedingungen unter Einhaltung einer NCO-Kennzahl von 100 zu Elastomer-Platten der Dichte 1,15g/cm2 verarbeitet.
Herstellung eines Granulats:
Unter Verwendung einer Schneidmühle wurde aus den genannten Platten ein Granulat der mittleren Teilchengröße 2 bis 3mm hergestellt.
Erfindungsgemäßes Verfahren:
In den nachfolgenden Beispielen 1 bis 4 wurden die Granulatkörner bei 180°C unter einem Druck von 350 bar während eines Zeitraums von 2 Minuten in einer geschlossenen Plattenform mittels einer Laborpresse Modell 200T der Fa. Schwabenthan zu Platten der Dicke 4mm verpreßt. Aus den Platten wurden jeweils Stäbe geschnitten und im Zugversuch die Reißdehnung und Reißfestigkeit bestimmt.
Beispiel 1 Unbehandeltes Granulat
Beispiel 2
Abmischung der genannten Granulatkörner mit 10Gew.-%, bezogen auf Polyisocyanat-Polyadditionsprodukt, eines Granulats der Teilchengröße 2 bis 3mm aus einem handelsüblichen thermoplastischen Polyurethan ("Desmopan 359 der Bayer AG). Bei dem thermoplastischen Polyurethan handelt es sich um ein solches einer Shore D-Härte gemäß DIN 53 505 von 59, eines Elastizitätsmoduls gemäß DIN 53455 von 16OmPa, einer Bruchspannung gemäß DIN 53504 von 5OmPa, und einer Bruchdehnung gemäß DIN 53504 von 350% und einer Dichte von 1,23g/cm3.
Beispiel 3
Die Granulatkörner wurden mit 10Gew.-%, bezogen auf Gemisch, eines ABS-Granulats der Teilchengröße 2 bis 3mm abgemischt. Bei dem ABS-Granulat handelt es sich um ein solches auf Basis eines Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisats einer Wicat-Erweichungstemperatur gemäß DIN 53460 von 920C und einer Kerbschlagzähigkeit gemäß DIN 53453von12kJ/m2.
Beispiel 4
Die Granulatkörner wurden mit einer gesättigten Lösung eines Polyisocyanats in Toluol vollständig benetzt, an der Luft getrocknet und anschließend über Nacht mit einer gesättigten Lösung von Dicumylperoxid in Heptan behandelt. Bei dem Polyisocyanat handelt es sich um ein Polyisocyanatgemisch der Diphenylmethanreihe der Viskosität 20OmPa · s/23°C. Anschließend wurde das Restlösungsmittel durch Trocknen im Trockenschrank (806C, 1 h) entfernt.
Beispiels
Bei diesem Beispiel handelt es sich um eine Referenzprobe aus unzerstörtem Prüfkörper (nicht verschnittene, ursorüngliche Platte aus Polyisocyanat-Polyadditionsprodukt der obengenannten Art).
Beispiel Reißfestigkeit (MPa) \ Reißdehnung (%)
1 4 3
2 6 4
3 6 4
4 37 15
5 37 150

Claims (3)

1. Verfahren zur Herstellung von ein- oder mehrschichtigen Formkörpem aus Klein- und Kleinstteilen aus Polyisocyanat-Polyadditionsprodukten durch thermoplastische Formgebung und Einwirkung von Druck, dadurch gekennzeichnet, daß man
(i) als Polyisocyanat-Polyadditionsprodukte solche verwendet, die durch Umsetzung von
a) (cyclojaliphatischen oder aromatischen Polyisocyanaten,
b) Verbindungen mit einem Molekulargewicht zwischen 1800 und 12000, welche im statistischen Mittel mindestens 2,5 gegenüber Isocyanatgruppen reaktionsfähige Gruppen aufweisen,
gegebenenfalls
c) Diaminen mit zwei primären und/oder sekundären aromatisch gebundenen Aminogruppen des Molekulargewichtsbereichs 108 bis 400
sowie gegebenenfalls
d) Ethergruppen aufweisenden (Cyclo)alkanpolyolen und/oder (Cyclo)alkanpolyaminen des Molekulargewichtsbereichs 60 bis 1799
sowie gegebenenfalls unter Mitverwendung von
e) den aus der Polyurethanchemie an sich bekannten HiIs- und Zusatzmitteln
unter Einbehaltung einer Isocyanatkennzahl von 60 bis 140 im Ein- oder Mehrstufenverfahren hergestellt worden sind, mit der Maßgabe, daß mindestens eine der Komponenten c) und/oder d) ein v/on 60 bis 400 liegendes Molekulargewicht aufweist und in einer solchen Menge mitverwendet wird, daß die Gesamtmenge an Komponenten c) und d) dieses Molekulargewichtsbereichs mindestens 5Gew.-%, bezogen auf das Gewicht der Komponente b), beträgt,
und
(ii) die thermoplastische Formgebung unter Mitverwendung von Verarbeitungshilfsmitteln, ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus die Oberfläche der Polyisocyanat-Polyadditionsprodukte anquellenden Lösungsmitteln, mit den Polyisocyanat-Polyadditionsprodukten im Sinne einer Additions- oder Kondensationsreaktion reaktionsfähigen Verbindungen, Radikalbildnern und unter den Verfahrensbedingungen thermoplastisch verarbeitbaren, von den Polyisocyanat-Polyadditionsprodukten verschiedenen Materialien durchführt.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die thermoplastische Formgebung innerhalb des Temperaturbereichs von 50 bis 200cC bei einem Druck von 5 bis 400 bar durchführt.
3. Gemäß Anspruch 1 und 2 erhältliche Formkörper.
DD33870490A 1990-03-14 1990-03-14 Verfahren zur Herstellung von Formkörpern und die nach diesem Verfahren erhältlichen Formkörper DD300651A5 (de)

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