DE10018433C2 - Sensorsystem zur Ermittlung der Schadstoffbelastung in Wasser, dieses umfassende Vorrichtung, Verfahren zu seiner Herstellung und seiner Verwendung - Google Patents

Sensorsystem zur Ermittlung der Schadstoffbelastung in Wasser, dieses umfassende Vorrichtung, Verfahren zu seiner Herstellung und seiner Verwendung

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Description

Hintergrund der Erfindung
Es gibt in der Limnologie und Meeresbiologie eine Reihe von Methoden, um die Qualität von Wasser, insbesondere seine Be­ lastung mit Schadstoffen, zu ermitteln. Neben physikalisch-che­ mischen Methoden finden solche Anwendung, die sich den Einfluß von Schadstoffen auf Indikatororganismen, wie einzellige Mikro­ organismen (z. B. Pilze, Bakterien, Ciliaten, Algen) und/oder mehrzellige Pflanzen (z. B. mehrzellige Algen oder Makrophyten), Metazoen (z. B. Coelenteraten, Weichtiere, Insektenlarven, - Krebse, Würmer oder Fische) und/oder Pilze, zunutze machen.
Die moderne Gewässergütebeurteilung hat vor allem die Aufgabe, die biologische Indikation sinnvoll in eine umfassende chemisch- biologische Bewertung des Wassers bzw. Gewässers einzubinden. Es gibt hierfür eine Reihe von Ansätzen (vergl. z. B. Tremp et al., Acta Botanica Gallica 142, 541-50 (1995); Grasmück et al., Hydrobiologia 300/301, 115-22 (1995); oder Robach et al., Hydrobiologia 340, 67-76 (1996)).
Die Saprobie kennzeichnet die Biomasse und den Umsatz heterotropher Organismen eines Gewässers, die Trophie Biomasse und Umsatz autotropher Organismen. Dem Saprobiensystem (DIN 38410) als System von Indikatororganismen liegt das ökologische Gesetz zugrunde, daß jeder Organismus nur dort (im Sinne einer ökologischen Nische) dauerhaft leben kann, wo seine ökologische Erwartung durch das ökologische Angebot in wesentlichen Bereichen gedeckt wird. Eigentlich ist das Saprobiensystem weniger ein Indikator- als vielmehr ein Toleranz-System. Ein niedriger Saprobiewert (z. B. 1) bedeutet geringe Toleranz, ein hoher Saprobiewert (z. B. 4) hohe Toleranz.
Das Cell-Monitoring-System (CMS®) ist ein Aufbau zur optischen Beobachtung und physikochemischen Untersuchung tierischer bzw. menschlicher Zell- und Gewebskulturen (siehe Fig. 1).
Cocconeis placentula (Ehrenberg) (zu den Diatomeen, Pennales, Monoraphnidae, Achnanthaceae gehörig) ist eine Bewuchs (auch "Aufwuchs", sog. "Pflanzenläuse") bildende, weit verbreitete und häufige Kieselalge europäischer Gewässer, die vom Gebirge bis in die Tiefebenen gefunden wird. Stark strömungsexponierte Orte in fließenden und stehenden Gewässern werden von der Art gemieden, leichte Strömungen dagegen bevorzugt. Die Art wird im Saprobiensystem als Indikatorart für oligo- bis β-mesosaprobe Gewässer (jedoch nur mit einem geringen Indikatorwert von 1) verwendet. Sie bevorzugt alkalische Gewässer (pH < 7) und ist auch in salzhaltigem Wasser zu finden.
Bekannt sind biomedizinische Meßeinrichtungen, in denen Zellen, beispielsweise tierische Zellen oder Tumorzellen, in Kammern auf Halbleitern, insbesondere Siliziumdioxid, direkt oder über Modifikationen der Oberfläche des Siliziumdioxids (beispiels­ weise mit Aluminiumoxid-Clustern, siehe z. B. EP 0 785 424 A1) durch Adhäsion gebunden sind. Weitere entsprechende Kammern sind. z. B. aus. DE 197 53 598 C1 bekannt. DE 42 18 937 A1 nennt Messeinrichtungen zur Bestimmung der Formaldehydkonzentration in wässrigen Medien.
Die vorliegende Erfindung hat insbesondere die Aufgabe, ein neues Indikatorsystem für die Wasserqualität, beispielsweise von Gewässern, zur Verfügung zu stellen, welches in einfacher Weise erlaubt, Veränderungen der Wasserqualität festzustellen.
Bei der Entwicklung und Erprobung derartiger Biosensoren (Kombination eines biologischen Mikrosystems mit einem physikalischen Transducer) hat sich gezeigt, daß nicht alle Zelltypen bzw. Biokomponenten einen gleich guten Kontakt mit für die Sensoren geeigneten Oberflächen herstellen können.
Allgemeine Beschreibung der Erfindung
Es wurde nun überraschend gefunden, daß bei einem analogen Aufbau wie dem CMS bei Beimpfung eines mit einem Kammeraufsatz verwendeten Halbleiter-, ferner Kunststoff- oder Glaschips mit Aufwuchsproben aus natürlichen Gewässern (marin, brackig oder limnisch) nach beispielsweise 10 Tagen bei regelmäßigem Medienwechsel oder leichtem Durchfluß (z. B. 1,2 µl/sec) und rhytmischer oder permanenter Beleuchtung verschiedener Qualität und Quantität eine Ansiedlung von Algen, insbesondere ein Primärbewuchs von Cocconeis placentula (Ehrenberg), gefunden wird, der sich den vorgegebenen Bedingungen angepasst hat und somit für das jeweilige Wasser, insbesondere Gewässer, "opti­ miert", d. h., an die darin vorherrschenden Bedingungen ange­ passt, ist, und für längere Zeit stabil gehalten werden kann.
Wird z. B. ein derartig beschichtetes Substrat einem definierten Pumprhytmus (beispielsweise von 5 min Durchfluß und 5 min By- Pass-Fluß) ausgesetzt und der pH-Wert und der Sauerstoffgehalt über und/ oder hinter dem Cocconeis-Primärbewuchs gemessen, so gelingt es,
  • a) bei Beleuchtung der Zellkammern die Photosyntheseleistung der angesiedelten Algen (gemessen als O2-Gehalt des Durchflußmediums) und die Atmungsaktivität (gemessen als pH- Wert, basierend auf der chemischen Reaktion gemäss der Summenformel
    CO2 + H2O → H2CO3
    und der Dissoziation von Kohlensäure in wässriger Lösung nach
    H2O + H2CO3 H3O+ + HCO3 -
    bzw. als O2-Konzentration [mg/ml] und/oder
  • b) bei Dauerdunkel in den Zellkammern die Atmungsaktivität (gemessen als O2-Gehalt und pH-Wert) zu ermitteln.
Bei Zugabe von Schadstoffen in das Durchflußmedium steigt bei­ spielsweise die Atmungsaktivität von Cocconeis placentula (Ehrenberg) an, d. h. der pH-Wert und Sauerstoffgehalt sinken, sowohl in beleuchteten als auch in nichtbeleuchteten Zellkammern. Allgemein wird bei Umweltveränderungen, die zu Änderungen der Wasserqualität führen, die Atmungsaktivität des Algenbewuchses stimuliert oder inhibiert, so daß durch mit Wasser reagierendes CO2 eine Ansäuerung oder Abnahme der Acidität beobachtet werden kann, und/oder eine Abnahme oder Zunahme des Sauerstoffgehaltes.
Derartige Veränderungen des pH-Wertes und/oder Sauerstoff­ gehaltes sind als Indikator für eine Belastung der Algen (Streß) durch Stoffe oder Stoffgemische, wie Schadstoffe, im Wasser zu verstehen. Somit stellt die Kombination von Algen, insbesondere Cocconeis placentula, und einem Substrat (vorzugsweise einen Halbleiterchip umfassend) einen geeigneten, zur Integration auch mehrerer gleichzeitig vorliegender, schädigender Einflüsse befä­ higenden Biosensor für Wasser-, insbesondere Gewässerveränderun­ gen, beispielsweise -verschmutzungen, insbesondere für Abwei­ chungen von der Durchschnittsbelastung des Wassers bzw. Gewäs­ sers, dar.
Spezifische Beschreibung der Erfindung
Die Erfindung betrifft daher ein (biologisches) Sensorsystem für die Ermittlung der Schadstoffbelastung in Wasser, welches eine Kammer (9) umfasst, die mindestens eine Zu- und mindestens eine Ableitung hat, wobei ein oder mehrere Sauerstoffsensoren (4 und/oder 11) und/oder ein oder mehrere pH-Sensoren (3 und/oder 13) vorliegen, und gewünschtenfalls weitere Sensoren (14 und/oder 15) vorhanden sind, dadurch gekennzeichnet, daß die Kammer ein Substrat (6), insbesondere einen Chip, umfasst, welches mit Kieselalgen, vor allem Cocconeis placentula (Ehrenberg) bewachsen ist.
Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung eines Substrates für dieses Sensorsystems und dessen Verwendung, sowie Vorrichtungen, die dieses Sensorsystem umfassen.
Zu den Vorteilen des erfindungsgemässen Sensorsystems zählt insbesondere auch die Anpassbarkeit an bestimmte Gewässer (dort vorkommende Algenarten werden als integrierendes Messsystem für die Gewässerbelastung über Sauerstoffbildung/Verbrauch und. pH- Wert verwendet). Der Einsatz eines flächendeckenden Gewässergütemonitoring-Netzes auf Basis der erfindungsgemässen Sensorsysteme ermöglicht, den Ist-Zustand der Qualität der jeweiligen Gewässer zu dokumentieren und Verbesserungen und Verschlechterungen kontinuierlich zu ermitteln und darzustellen. Ein räumlich und zeitlich dichtes Netz an Messungen ermöglicht nicht nur die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte, sondern sichert zugleich beispielsweise die Ermittlung illegaler Einleitungen und ermöglicht die Haftbarmachung ihrer Verursacher. Weitere Vorteile des erfindungsgemässen Sensorsystems bestehen im einfachen und kompakten Aufbau, einfacher Handhabung und guter Automatisierbarkeit.
Die im Rahmen der Beschreibung der vorliegenden Erfindung verwendeten allgemeinen Begriffe haben vorzugsweise die nachfolgend genannten Bedeutungen:
Eine Kammer (9), die mindestens eine Zu- und eine Ableitung hat, ist in einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung als Zellkultureinheit aufgebaut. Insbesondere handelt es sich um eine miniaturisierte Kammer. Sie umfasst das Substrat (6) für den Bewuchs mit Kieselalgen, vor allem Cocconeis placentula (Ehrenberg); in einer bevorzugten Ausführungsform umfasst sie mindestens eine transparente Apertur, die beispielsweise zur Beobachtung mit einem Mittel zur optischen Beobachtung (12), wie einem Mikroskop, oder zur Einleitung von Licht mittels einer Lichtquelle (z. B. zur gezielten Stimulation der Photosynthese) verwendet werden kann.
Das Substrat (6) ist vorzugsweise ein Chip auf Halbleiter-, wie Siliciumbasis, oder umfasst einen derartigen Chip; der Chip beinhaltet in einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung als pH-Sensor (13) direkt einen oder mehrere pH-messende ISFETs, die direkt an der von den Kieselalgen bewachsenen Seite vorliegen, und/oder eine oder mehrere Dünnschicht- Sauerstoffelektroden als Sauerstoffsensoren (11), die direkt an der von den Algen bewachsenen Seiten vorliegen - diese Sensoren ermöglichen am Ort der Zellen die Messung des pH und/oder der Sauerstoffkonzentration ("Mikroklima"). Alternativ können die pH-Sensoren (3) und/oder die Sauerstoffsensoren (4) auch an einer oder mehreren Ableitungen der Kammer (9) vorliegen, so daß die Parameter des abfliessenden Materials gemessen werden, oder es können sowohl am Ort des Kieselalgenbewuchses als auch an einer oder mehreren Ableitungen der Kammer (9) pH- (3, 13) und Sauerstoffsensoren (4, 11) vorliegen. Sämtliche Kombinationen sind möglich, bei denen mindestens ein pH- oder ein Sauerstoffsensor vorliegt. Das Substrat kann beliebige Formen haben, vorzugsweise ist es planar.
Sauerstoffsensoren (4) können "klassisch", z. B. nach dem Prinzip der Clarkschen Sauerstoffelektrode, aufgebaut sein, oder als Mikroelektrode (O2-Mikroelektrode), beispielsweise als planare Clark-Elektrode, oder vorzugsweise als Dünnschicht(= "Thin Film")-Sauerstoffsensor (insbesondere im Fall eines Sauerstoffsensors (11)) vorliegen.
pH-Sensoren (3) können ebenfalls klassisch aufgebaut sein, beispielsweise in Form einer Glaselektrode vorliegen, oder vorzugsweise als Halbleitermikrosensoren, insbesondere als pH- sensitive ISFETs (Ion Sensitive Field Effect Transistors) (insbesondere im Falle eines pH-Sensors (13)).
Bei ISFETs wird Selektivität durch Beschichtung des Gate-Iso­ lators mit entsprechenden Materialien oder Membranen erreicht.
Weitere Sensoren (5, 14 und/oder 15) sind möglich, beispielsweise für die Messung anderer Ionen (im Falle von 14), die Temperaturmessung (im Falle von 15), die Messung von organischen Substanzen (im Falle von 14), optische Messungen (Fluoreszenz und/oder Extinktion) etc. Hierfür eignen sich beispielsweise ISFETs, Zellpotential-FETs (FET = feldelektrischer Transistor), Enzym-FETs (insbesondere zur Messung organischer Komponenten), Temperatursensoren, IDES (In­ terdigitated Electrode Structures, geeignet zur Messung der Impedanz adhärent wachsender Zellen, z. B. zur Messung von Änderungen der Form der Zellen oder deren Bewuchsdichte), etc., die alle für die Verwendung als Halbleitermikrosensoren geeignet sind, sowie Photozellen und/oder Leuchtdioden.
Vorzugsweise liegen diese, wie auch die pH- und Sauerstoffsensoren, in durch CMOS-Technologie erhaltener Ausführung vor (CMOS = Complementary Metal Oxyde Semiconductor).
Mindestens eine Zu- und Ableitung bedeutet, daß die Kammer (9) nicht dauerhaft geschlossen ist, sondern jeweils einen oder mehrere Zu- und Abflüsse, beispielsweise in Form von Löchern, die mit Röhrchen oder Schläuchen verbunden sind, haben, wobei vorzugsweise insbesondere die Zuleitungen, gewünschtenfalls auch die Ableitungen, über Ventile öffen- und schliessbar sind.
Kieselalgen sind insbesondere in natürlichen Gewässern vorkommende Kieselalgen (entweder mehrere Arten oder vorzugsweise Einzelarten), die in der Lage sind, einen Aufwuchs (Periphyton) zu bilden. Besonders bevorzugt ist ein ausschließlicher Bewuchs mit Cocconeis placentula (Ehrenberg).
Gewässer sind insbesondere natürliche oder künstliche Gewässer mit beispielsweise limnischem, brackigem oder marinem Wasser, beispielsweise aus fliessenden oder stehenden Gewässern, wie Flüssen, Bächen, Seen, Teichen oder Brunnen; auch Leitungswasser kann ferner gemeint sein.
Eine Vorrichtung, die das erfindungsgemässe Sensorsystem umfasst, ist insbesondere eine komplette Messeinrichtung, welche (i) ein oder mehrere erfindungsgemässes Sensorsysteme wie oben oder unten beschrieben, die (ii) mit einer Versorgungs- und Kontrolleinheit (7) (die als echte "Einheit" oder in Form einer oder mehrerer über die Messeinrichtung verteilter Komponenten vorliegen kann), welche insbesondere (a) eine Vorrichtung zur (permanenten oder in Intervallen stattfindenden) Zuführung von Gewässerproben, und (b) eine oder mehrere Pumpen und Ventile umfasst - gewünschtenfalls auch (c) Testsubstanzen (beispiels­ weise zur Eichung oder Kontrolle der Funktion des Sensorsystems), (d) zur Verbesserung der Kulturbedingungen geeignete Medien, (e) Kontrolleinheiten (optional) für ein den Fluss über einen Bypass oder durch die Kammer (9) regulierendes Ventil, falls ein Bypass vorhanden ist, (f) Kontrolleinheiten (optional) für Mittel zur optischen Beobachtung, (g) Kontrolleinheiten (optional) für Lichtquellen und/oder (h) Mittel zur Kontrolle und Einstellung der Temperatur (optional, aber wünschenswert); sowie (iii) mit einer Einheit zur Stromversorgung (über ein Stromnetz, eine Batterie: oder insbesondere über Solarzellen, Windkraft oder Wasserkraft) und Signalprozessierung (1) verbunden sind; umfasst; und (iv) in einer bevorzugten Ausführungsform auch eine (über Leitungen und/oder beispielsweise Funk) angeschlossene Vorrichtung zur Datenaufnahme und Auswertung (2) (beispielsweise einen Computer) umfasst. In einer anderen bevorzugten Ausführungsform umfasst die entsprechende Vorrichtung zwei oder mehr Messsysteme mit den vorstehend genannten Merkmalen (i), (ii) und (iii), die gemeinsam (über Leitungen und/oder Funk) an eine (gemeinsame) Vorrichtung zur Datenaufnahme und Auswertung (2) angeschlossen sind und beispielsweise an verschiedenen Stellen eines Gewässers in Abständen zueinander angeordnet sind.
Die Herstellung eines erfindungsgemässen Sensorsystems oder einer erfindungsgemässen Vorrichtung gelingt insbesonders durch ein Verfahren zur Herstellung des mit Kieselalgen bewachsenen Substrats (6), worin man ein Substrat (6) mit aus einem Gewässer (z. B. marin, limnisch oder brackig) gewonnenem Wasser, welches im entsprechenden Wasser vorliegende Kieselalgen enthält, inku­ biert, erfoderlichenfalls unter ausreichend häufigem Medienwechsel, um eine schädliche Veränderung der Wasserqualität zu verhindern, bis ein Kieselalgenbewuchs vorliegt, wobei das Substrat vorzugsweise im ansonsten weitgehend oder ganz fertiggestellten Sensorsystem oder der ansonsten fertiggestellten Vorrichtung angeordnet ist, und erforderlichenfalls das Sensorsystem oder die Vorrichtung fertigstellt. Die Herstellung findet vorzugsweise direkt in der für die Herstellung des erfindungsgemässen Sensorsystems verwendeten Kammer (9) statt, wobei das zu verwendende Wasser für ausreichende Zeit, z. B. mehrere Tage, wie 8 bis 12, z. B. 10 Tage, in Zeitintervallen oder permanent durch die Kammer gepumpt wird, vorzugsweise unter leichtem Durchfluß, z. B. im Bereich von 1 bis 10 µl/sec, erforderlichenfalls unter rhythmischer oder permantenter Beleuchtung, bis ein entsprechender, gleichmässig bleibender Bewuchs stattgefunden hat. Die Herstellung kann beispielsweise durch Ansiedlung der Kieselalgen direkt am Ort des geplanten Einsatzes des Sensorsystems oder der Vorrichtung unter Verwendung von Wasser aus dem dortigen Gewässer erfolgen.
Gewünschtenfalls kann eine im letzten Absatz beschriebene Vorrichtung, aber auch ein erfindungsgemässes Sensorsystem, auch (v) eine Lichtquelle (erforderlichenfalls ebenfalls durch die Versorgungseinheit (7) zum Ein- und Ausschalten oder zur Regulation der Helligkeit ansteuerbar); (vi) Mittel zur optischen Beobachtung, beispielsweise eine Videokamera oder ein Mikroskop oder Kombinationen hiervon, oder (vii) einen Bypass (8), welcher eine temporäre oder andauernde Umleitung des Versorgungsmediums um die Kammer (9) (die z. B. auch durch eine andere Zellkultureinheit führen kann) ermöglicht; oder zwei oder mehr dieser Merkmale (v), (vi) und (vii); umfassen.
Die Erfindung betrifft auch die Verwendung eines Sensorsystems oder einer Vorrichtung, wie vor- und nachstehend beschrieben, zur Ermittlung der Wasserqualität, insbesondere von Leitungswasser oder Wasser aus einem Gewässer, inbesondere zur Ermittlung von Veränderungen der Wasserqualität, dadurch gekennzeichnet, daß man mittels einer oder mehrerer pH- und/oder Sauerstoffsensoren den pH-Wert und/oder die Sauer­ stoffkonzentration des Mediums am Ort der Kieselalgen und/oder nach Kontakt mit den Kieselalgen direkt an einer Kieselalgenzelle (Sensoren in das Substrat integriert) und/oder an einer Ableitung ausserhalb der Kammer (9) ermittelt und mit vor- oder nachher gemessenen Werten vergleicht, wobei eine Änderung der Messwerte Änderungen der Wasserqualität anzeigt.
Die vor- und nachstehend genannten allgemeinen Ausdrücke können, soweit sinnvoll und zweckmässig, in bevorzugten Ausführungen durch die nachfolgend genannten spezifischeren Definitionen ersetzt werden; resultierende Ausführungsformen der Erfindung sind dann bevorzugter Gegenstand der vorliegenden Erfindung.
Spezielle Ausführungsformen
Bevorzugt ist ein erfindungsgemässes Sensorsystem oder eine erfindungsgemässe Vorrichtung, welche(s) als Sensoren nur ein oder mehrere pH-Sensoren (3) ausserhalb der Kammer (9) oder insbesondere pH-Sensoren (13) innerhalb der Kammer (9) und ein oder mehrere Sauerstoffsensoren (4) ausserhalb der Kammer (9) oder Sauerstoffsensoren (11) innerhalb der Kammer (9) umfasst, sowie vorzugsweise zusätzlich einen Temperatursensor (15).
Stärker bevorzugt ist ein erfindungsgemässes Sensorsystem oder eine erfindungsgemässe Vorrichtung, welche(s) als Sensoren nur ein oder mehrere Sauerstoffsensoren (4) ausserhalb der Kammer (9) oder insbesondere ein oder mehrere Sauerstoffsensoren (11) innerhalb der Kammer (9) umfasst, sowie vorzugsweise zusätzlich einen Temperatursensor (15).
Noch stärker bevorzugt ist ein erfindungsgemässes Sensorsystem oder eine erfindungsgemässe Vorrichtung, welche(s) als Sensoren nur ein oder mehrere pH-Sensoren ausserhalb der Kammer (9) oder insbesondere ein oder mehrere pH-Sensoren innerhalb der Kammer (9) umfasst, sowie vorzugsweise zusätzlich einen Temperatursensor (15).
Bevorzugt ist auch ein erfindungsgemässes Sensorsystem oder eine erfindungsgemässe Vorrichtung wie oben beschrieben, welche(s) einen Bypass (8) umfasst (dieser ermöglicht es, Inkubationen in der Messkammer vorzunehmen, die über eine längere Zeit laufen können, ohne dass ein Mediumswechsel stattfindet, oder bei Vorliegen von Sensoren außerhalb der Kammer (9) an deren Ableitung den Vergleich der Messung mit oder ohne Kontakt mit den Algen in der Kammer (9)).
Bevorzugt ist auch ein Sensorsystem oder eine Vorrichtung gemäss der Erfindung wie oben beschrieben, welche(s) eine Lichtquelle umfasst (diese ermöglicht insbesondere die Messung photosynthetischer Prozesse).
Die Erfindung betrifft auch die Verwendung eines Sensorsystems oder einer Vorrichtung (insbesondere der jeweils bevorzugten Ausführungsvarianten) zur Ermittlung der Wasserqualität, ins­ besondere von Leitungswasser oder Wasser aus einem Gewässer, insbesondere zur Ermittlung von Veränderungen der Wasser­ qualität, wobei man den pH-Wert und/oder der die Sauerstoff­ konzentration am Ort der Kieselalgen und/oder nach Kontakt mit den Kieselalgen (insbesondere an einer Ableitung der Kammer (9) ermittelt, und gewünschtenfalls mittels weiterer Sensoren wei­ tere Parameter misst, insbesondere um gegebenenfalls Änderungen feststellen zu können, die eine Veränderung der Wasserqualität anzeigen (oder die Konstanz der Wasserqualität zu untermauern).
Die Erfindung betrifft insbesondere die in den Beispielen beschriebenen Vorrichtungen und Verfahren.
Zeichnungen
Fig. 1 zeigt ein erfindungsgemässes Sensorsystem in einer erfin­ dungsgemässen Vorrichtung. (1) Einheit zur Stromversorgung und Signalprozessierung; (2) Vorrichtung zur Datenaufnahme und Auswertung (hier als Computer gezeigt) (3) (hier als pH- Mikroelektrode ausgebildeter) pH-Sensor; (4) Sauerstoffsensor; (5) ein oder mehrere optionale weitere Sensoren (Immuno-, Enzym-, Fluoreszenz- oder Extinktionssensoren, oder dergleichen); (6) Substrat (hier gezeigt mit Bewuchs von Kieselalgen, insbesonder von Cocconeis placentula (Ehrenberg)); (7) Versorgungs- und Kontrolleinheit (enthält insbesondere Vorrichtung zur Zuführung von Gewässerproben und ein oder mehrere Pumpen und Ventile, und gewünschtenfalls Testsubstanzen, zur Verbesserung der Kulturbedingungen geeignete Medien, Kontrolleinheiten für ein Ventil zur Umleitung über einen Bypass (8), Kontrolleinheiten für Mittel zur optischen Beobachtung und/oder Kontrolleinheiten für Lichtquellen, Mittel zur optischen Beobachtung und/oder Mittel zur Kontrolle und Einstellung der Temperatur); (8) Bypass (oder andere Zellkultureinheit); (9) (hier als Zellkultureinheit ausgebildete) Kammer; (10) Auffangbehälter; (11) hier als Dünnschicht-Sauerstoffelektrode ausgebildeter) Sauerstoffsensor; (12) (hier als Mikroskop ausgebildetes) Mittel zur optischen Beobachtung (optional); (13) (hier als ISFET ausgebildeter) pH- Sensor; (14) (hier als IDES (optional) und/oder als ISFET, z. B. ionenselektiv ausser für H+ ausgebildete(r)) weitere(r) Sensor(en); (15) Temperatursensor (optional).
Fig. 2 zeigt eine pH-Messung, die den Effekt von Tributylzinn (TBT) demonstriert: (16) Zugabe von TBT; (17) Seewasserzugabe. x-Achse: Zeit t (in sec), y-Achse: Spannung U (mV).
Beispiele
Die nachfolgend genannten Beispiele dienen der Illustration der Erfindung, ohne ihren Umfang einschränken zu sollen:
Beispiel 1 Sensorsystem und Vorrichtung mit Cocconeis placentula (Ehrenberg) als Indikatororganismus
Fig. 1 zeigt ein Beispiel für ein Sensorsystem als Bestandteil einer Vorrichtung gemäss der Erfindung. Eine Einheit zur Stromversorgung und Signalprozessierung (1), eine Vorrichtung zur Datenaufnahme und Auswertung (2), im vorliegenden Fall ein Computer, sowie eine Versorgungs- und Kontrolleinheit (7), die eine Vorrichtung zur Zuführung von Gewässerproben, eine Pumpe und gewünschtenfalls Testsubstanzen (wie TBT aus Beispiel 2) sowie eine Kontrolleinheit für ein Ventil für einen Bypass (8), und Mittel zur Kontrolle und Einstellung der Temperatur, ermöglichen die Messung und Kontrolle des eigentlichen Sensorsystems, welches hier folgende Komponenten umfasst: ein oder mehrere pH-Sensoren (3) (hier als Mikroelektrode ausgebildet) und ein oder mehrere Sauerstoffsensoren (4), beispielsweise als Clarke-Elektrode, ermöglichen die Messung von pH und Sauerstoffgehalt des Gesamtmediums entweder nach Passieren der Kammer (9) mit Algenbewuchs oder (als Vergleich und Basislinie) nach Passieren des Bypass (8). Zusätzliche Sensoren (5) können weitere Parameter messen, z. B. mittels Immun- oder Enzymsensoren. Das Mikroklima direkt an Zellen wird über pH-Sensoren (13), welche als ISFET ausgebildet sind, und über Sauerstoffelektroden (11), hier als Dünnschichtsauers­ toffelektrode ausgebildet, gemessen, sowie gewünschtenfalls über weitere Sensoren für Temperatur (n), andere Ionen und organische Substanzen sowie die Impedanz der Zellen (14). Eine transparente Apertur der Kammer (9) ermöglicht die optische Beobachtung des Algenbewuchses mittels eines Mikroskopes (12). Die Kammer (9) enthält das Substrat (6), welches als Halbleitermikrochip ausgebildet ist, der die Sensoren (11), (13), (14) und (15) sowie die transparente Apertur enthält, und mit Cocconeis placentula (Ehrenberg) bewachsen ist.
Beispiel 2 pH-Messung unter Verwendung des Sensorsystems aus Beispiel 1
Fig. 2 zeigt die Änderung des pH-Wertes innerhalb eines erfindungsgemässen Sensorsystems. Gemessen wird das Mikroklima mittels eines ISFET-pH-Sensors (in Fig. 1 unter (13) fallend). Zugabe von Tributylzinn (TBT), einem z. T. noch zum Schutz von Schiffrümpfen verwendeten Schutzmittel, das insbesondere Fäulnis verhindert, in einer Konzentration von 1 µg/l des zu untersuchenden Wassers ergibt eine Steigerung der gemessenen Spannung U in mV, welche reversibel ist nach Entfernen des TBT. Die Steigerung der Spannung entspricht einer Ansäuerung durch vermehrtes mit Wasser reagierendes CO2 als Folge vermehrter Atmung des Probeorganismus, Cocconeis placentula (Ehrenberg).

Claims (8)

1. Sensorsystem zur Ermittlung der Schadstoffbelastung in Wasser, welches eine Kammer (9) umfasst, die mindestens eine Zu- und mindestens eine Ableitung hat, wobei ein oder mehrere Sauerstoffsensoren (4 und/oder 11) und/oder ein oder mehrere pH- Sensoren (3 und/oder 13) vorliegen, und gewünschtenfalls weitere Sensoren (14 und/oder 15) vorhanden sind, dadurch gekennzeichnet, daß die Kammer ein Substrat (6) umfasst, welches mit Kieselalgen bewachsen ist, wobei dieses Substrat dadurch erhältlich ist, dass man es mit aus einem Gewässer gewonnenem Wasser, welches im entsprechenden Wasser vorliegende Algen enthält, inkubiert, bis ein Kieselalgenbewuchs vorliegt.
2. Sensorsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein oder mehrere weitere Temperatursensoren (15) und gewünschtenfalls weitere Sensoren vorhanden sind.
3. Sensorsystem gemäss einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass als Kieselalge Cocconeis placentula (Ehrenberg) vorliegt.
4. Sensorsystem gemäss einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Substrat (6) einen Halbleiterchip umfasst oder als Halbleiterchip ausgebildet ist.
5. Sensorsystem gemäss einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Substrat einen Halbleiterchip umfasst oder als Halbleiterchip ausgebildet ist, wobei der Halbleiterchip als pH-Sensor (13) einen oder mehrere pH-messende ISFETs und/oder eine oder mehrere Dünnschicht- Sauerstoffelektroden als Sauerstoffsensoren (11) beinhaltet, die direkt an der von den Kieselalgen bewachsenen Seite vorliegen.
6. Vorrichtung, umfassend ein oder mehrere Sensorsysteme gemäss einem der Ansprüche 1 bis 5, welche jeweils mit einer Versorgungs- und Kontrolleinheit (7), mit einer Einheit zur Stromversorgung und Signalprozessierung (1) verbunden sind.
7. Verfahren zur Herstellung des mit Kieselalgen bewachsenen Substrats (6) für ein Sensorsystem gemäss einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass man ein Substrat (6) mit aus einem Gewässer gewonnenem Wasser, welches im entsprechenden Wasser vorliegende Algen enthält, inkubiert, erforderlichenfalls unter ausreichend häufigem Medienwechsel, um eine schädliche Veränderung der Wasserqualität zu verhindern, bis ein Kieselalgenbewuchs vorliegt.
8. Verwendung eines Sensorsystems gemäss einem der Ansprüche 1 bis 5 oder einer Vorrichtung gemäss Anspruch 6 zur Ermittlung der Wasserqualität von Leitungswasser oder Wasser aus einem Gewässer, wobei man den pH-Wert und/oder der die Sauerstoffkonzentration am Ort der Algen und/oder nach Kontakt mit den Algen ermittelt, um gegebenenfalls Änderungen feststellen zu können, die eine Veränderung der Wasserqualität anzeigen.
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