DE1094723B - Doppelskelett-Katalysator-Elektrode als Kathode in Amalgamzersetzungszellen bei der Chloralkalielektrolyse - Google Patents
Doppelskelett-Katalysator-Elektrode als Kathode in Amalgamzersetzungszellen bei der ChloralkalielektrolyseInfo
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Description
DEUTSCHES
Bei der großtechnischen Chloralkalielektrolyse nach dem Amalgamverfahren wird in einer Primärzelle
Quecksilber als Kathodenmaterial benutzt, welches das bei der Elektrolyse von Alkalichlorid entstehende
Alkalimetall als Amalgam bindet. Dieses Alkaliamalgam wird in einer Sekundärzelle unter Bildung
von Alkalilauge und Wasserstoff wieder zersetzt. Die Zersetzung des Amalgams erfolgt meist auf die Weise,
daß man die natürliche Korrosion des Amalgams durch Zugabe von geeignetem Material, z. B. Graphit, katalysiert.
Früher wurde auch so verfahren, daß eine Hilfselektrode zur Wasserstoffabscheidung aus Eisen,
Nickel oder Graphit der Amalgamelektrode als Gegenelektrode gegenübergestellt wurde. Hierbei war die
Zersetzungszelle mit der primären Elektrolysezelle in Reihe geschaltet, um einen Teil der Energie zurückzugewinnen.
Das letztere Verfahren (s. Castner—Kellner—
Zelle, Ullmann, Bd.5, S.347) hat sich jedoch aus zwei Gründen nicht durchgesetzt. Einmal wurden
durch die verschiedene Stromausbeute in beiden Teilzellen Störungen der Elektrolyse, z. B. Quecksilberoxydbildung,
verursacht. Wesentlich aber war, daß die hohe H2-Überspannung und Polarisation der verwendeten
Elektroden bei den technischen Stromdichten von 1000 bis 2000 A/m2 einen zu geringen Energiegewinn
zuließen (vgl. Ullmann, Bd. 5, S. 348).
In der deutschen Auslegeschrift 1 009 172 wurde von Kandier und Vogt vorgeschlagen, durch Einführung
einer besseren Wasserstoffabscheidungselektrode (mit geringerer Überspannung und Polarisation
als z. B. bei einem normalen Eisen- oder Nickelblech) als Amalgamgegenelektrode einen wirtschaftlich interessanten
Energiegewinn durch die elektrische Nutzung der Zersetzungsenergie des Amalgams zu erreichen.
Durch Benutzung einer Nickelsinterelektrode, wie sie z. B. für Nickelsammler bekannt ist, geben Kandier
und Vogt an, einen Spannungsgewinn von 0,5 Volt zu erzielen.
Zur elektrischen Nutzung der Zersetzungsenergie des Amalgams für die Chloralkalielektrolyse ist es erforderlich,
Bildungs- und Zersetzungszelle hintereinanderzuschalten. Die Stromausbeute in der Sekundärzelle
ist jedoch geringer als in der Primärzelle, da sich das Amalgam in der Zersetzungszelle teilweise ohne
Stromlieferung chemisch zersetzt. Daher muß man dafür sorgen, daß durch die Primärzelle mehr Strom
fließt als durch die Zersetzungszelle.
Für die Anpassung der Stromstärken wurde von Castner ein Nebenschlußwiderstand für die Zersetzungszelle
vorgeschlagen. Mit dieser Schaltung ergibt sich jedoch, solange die Zersetzungszelle als galvanisches
Element wirkt, eine Stromstärkeerhöhung und nicht die erforderliche Erniedrigung der Stromstärke.
Doppelskelett-Katalysator-Elektrode
als Kathode in Amalgamzersetzungszellen bei der Chloralkalielektrolyse
Anmelder:
Ruhrchemie Aktiengesellschaft,
Oberhausen (RhId.)-Holten,
und Steinkohlen-Elektrizität
Aktiengesellschaft, Essen
Dr. Wolf Vielstich, Duisburg-Hambom,
Dr. Eduard Justi und Dr. August Winsel,
Dr. Eduard Justi und Dr. August Winsel,
Braunschweig,
sind als Erfinder genannt worden
sind als Erfinder genannt worden
Kandier und Vogt schlugen in den deutschen
Auslegeschriften 1 017 600 und 1 018 035 als Lösung die Einführung einer Zusatzanode in der Bildungszelle
vor. Hierbei müssen das Quecksilber der Bildungszelle und das Amalgam der Zersetzungszelle
voneinander elektrisch isoliert sein. Weiterhin arbeitet die Zusatzanode lediglich mit der von außen angelegten
Spannung und benötigt daher eine entsprechende größere Elektrodenoberfläche.
In jedem Falle erfordert die Anpassung bekannter Anlagen zur Chloralkalielektrolyse bezüglich Stromzuführung,
Elektrodeneinbau und Bereitstellung zusätzlicher Spannungsquellen einen wirtschaftlichen
Aufwand, der durch den zu erwartenden Spannungsgewinn gedeckt sein muß. Die wirtschaftliche Nutzung
der Zersetzungsenergie ist aber nur möglich, wenn eine möglichst große galvanische Spannung der Zersetzungszelle
erzielbar ist. Die im allgemeinen für die kathodische Wasserstoffabscheidung in technischen
Elektrolyseuren, z. B. Wasserzersetzern, benutzten, aus Eisen- oder Nickelblechen bestehenden Elektroden sowie
die bereits vorgeschlagene Verwendung der aus gesintertem Nickelpulver bestehenden Akkumulatorelektroden
waren für die Erreichung dieses Ziels nicht ausreichend, da ihre Potentiale zu weit vom reversiblen
Wasserstoffpotential entfernt lagen, im Falle der als am günstigsten anzusehenden gesinterten
Nickelelektrode immer noch 200 mV. Auch die Poten-
009 678/355
tiale der bereits aus der deutschen Patentschrift 592 130
bekannten, durch oberflächliche Legierung und Herauslösen des Legierungselementes aufgerauhten Elektroden
bewegen sich in dieser Spanne.
Es war das Ziel der Erfindung, eine optimale galvanische Spannung durch Verwendung einer geeigneten
Elektrode zu verwirklichen, deren Potential unter Elektrolysebedingungen sich möglichst dem
reversiblen Wasserstoffpotential nähert.
Dieses Ziel wird erreicht durch die Verwendung einer in ihrer Zusammensetzung und Herstellung an
sich bekannten Doppelskelett-Katalysatorelektrode oder einer Elektrode, deren Oberfläche mit einer
Doppelskelett-Katalysatorschicht bedeckt ist, als Kathode in der Amalgamzersetzungszelle bei der mit
elektrisch hintereinandergeschalteten Elektrolyse- und Amalgamzersetzungszelle arbeitenden Chloralkalielektrolyse.
Durch eine Schaltung wird gleichzeitig die ohne Stromlieferuug verlaufende chemische Zersetzung des
Amalgams kompensiert, so daß insgesamt durch die elektrochemische Amalgamzersetzung ein Energiegewinn
von 15 bis 20% ermöglicht wird.
Doppelskelett-Katalysatorelektroden sind aus der deutschen Patentschrift 1019 361 bekannt. Sie bestehen
aus einem als Träger dienenden, metallisch leitenden Skelett mit eingebetteten Raney-Metallkörnern.
Sie werden hergestellt, indem man das als Träger dienende \Iaterial und die Raney-Metallkörner fein pulvert,
preßt, sintert und mit Lauge behandelt, um das Legierungsmetall aus der Raneylegierung herauszulösen.
Man geht hierbei von 20 bis 80 Gewichtsprozent Raney-Metallkörnern und 80 bis 20 Gewichtsprozent
Skelettmaterial aus.
Elektroden, deren Oberfläche mi't einer Doppelskelett-Katalysatorschicht
bedeckt sind, werden in der österreichischen Patentschrift 206 867 beschrieben. Das Doppelskelett-Katalysatormaterial ist hierbei in
einer Stärke von 0,2 bis 0,4 mm auf einem kompakten oder porösen Metallkörper, z. B. eine Metallfolie oder
ein Metallgewebe aufgesintert. Es kann auch in ein mehrschichtiges Metallgewebe oder in eine Metallfaserplatte
derart eingebracht sein, daß die Poren damit ausgefüllt sind. Als aktive Komponente der Raneylegierung
dient ein Metall der Eisengruppe, vorzugsweise Nickel.
Bei der Herstellung des Doppelskelettmaterials kann als Trägersubstanz das gleiche Metall dienen,
das zur Herstellung der Legierung mit Aluminium, Zink oder Magnesium benutzt wurde, man kann jedoch
auch ein anderes Trägermetall benutzen. Aus wirtschaftlichen Gründen wird man vorwiegend das billige
Eisen und/oder Nickel als Trägermaterial verwenden.
Die Wirkung der Elektroden wird noch erhöht, wenn man der zu ihrer Herstellung benutzten Legierung
1 bis 20 Gewichtsprozent, vorzugsweise bis zu insgesamt 10 Gewichtsprozent, bezogen auf das Gewicht
des Metalles der Eisengruppe, eines oder mehrerer weiterer Metalle aus der VIII. Nebengruppe des
Periodischen Systems, insbesondere Platin, Palladium, Iridium und Ruthenium, zusetzt. Diese Aktivatoren
bleiben beim Herauslösen der Legierungsmetalle in dem Metall der Eisengruppe.
Ferner kann man der Legierung noch kleine Mengen eines Aktivators zusetzen, der die Rekristallisation
des Metalls der Eisengruppe verhindert, und zwar Magnesiumoxyd, vorzugsweise in Mengen von 0,5
bis 20 Gewichtsprozent, zweckmäßigerweise 3 bis 10 Gewichtsprozent, bezogen auf das Metall der Eisengruppe.
Die erfmdungsgemäß benutzten Elektroden stellen im unbelasteten Zustand das reversible Wasserstoffpotential
ein, d.h. —0,8 bis —0,9 Volt (je nach Laugenkonzentration in der Zersetzungszelle) gegen
eine Normal-Wasserstoffelektrode. Das heißt, eine derartige Wasserstoffelektrode besitzt keine Überspannung;
ihr Potential liegt um etwa 0,9 Volt positiver als das Potential der Amalgamelektrode
(—1,74 Volt gegen Normal wasserstoff, vgl. UIlmann, Bd. 5, S. 331). Bei Stromdichten von 1000
bis 2000 A/m2 beträgt die Polarisation der Elektroden je nach Elektrodenart, Temperatur und Laugenkonzentration
nur 0,02 bis 0,06 Volt. Das heißt, die Elektroden ermöglichen bis auf die genannten 0,02 bis
0,06 Volt den theoretischen maximalen Energiegewinn aus einem Amalgam-Wasserstoff-Element.
Der Energiegewinn ist fast doppelt so groß wie der mit bisher bekannten Elektroden zu erreichende
Energiegewinn. Der Reingewinn durch das Verfahren der Erfindung ist jedoch noch günstiger, da vom
Energiegewinn in beiden Fällen ein etwa gleicher Betrag für den zusätzlichen Aufwand abzuziehen ist.
Bei den erfindungsgemäß zu verwendenden Elektroden wirkt die Zersetzungszelle noch bei Stromdichten
> 5000 A/m2 als galvanisches Element. Eine höhere
Stromdichte ist unter anderem für die Verlustzersetzung von Bedeutung. Je größer die Stromdichte,
desto kleiner die Verlustzersetzung.
Da sich das Amalgam, wie bereits ausgeführt, in der Zersetzungszelle zusätzlich chemisch ohne Stromlieferung
zersetzt, muß man bei Nutzbarmachung der Energie der Amalgamzersetzung der Alkali-Chlorid-Elektrolyse
dafür sorgen, daß in der Bildungszelle zusätzlich Amalgam gebildet wird, um den durch Selbstzersetzung
entstehenden Stromverlust, der ungefähr 5% beträgt, auszugleichen.
Dies erreicht man mit Hilfe einer aus der obenerwähnten Zersetzungszelle und einer zusätzlichen Spannungsquelle
bestehenden Vorrichtung. Hierin wird der durch Selbstzersetzung des Amalgams entstehende
Stromverlust dadurch kompensiert, daß die Zusatzspannungsquelle parallel zur Bildungs- oder Zersetzungszelle
geschaltet wird. In Abb. 1 a ist eine solche Schaltung dargestellt. Die Amalgambildungszelle
besitzt hierbei gegenüber dem als Kathode geschalteten Quecksilber Hg eine Kohleanode C. Als
Spannungsquelle für die Zelle C-Hg dient die äußere Spannungsquelle U im Verein mit der Amalgam-Zersetzungszelle
NaHg-b, die mit U in Serie geschaltet ist. Das Quecksilber der Primärzelle steht mit dem
Amalgam der Sekundärzelle in leitender Verbindung. Parallel zur Zersetzungszelle KaHg-b liegt ein Nebenschluß
mit einer zusätzlichen Spannungsquelle Uz und gegebenenfalls einem variablen Widerstand W. Strom
und Spannung im Nebenschluß werden so eingestellt, daß der chemische Zerfall der Amalgame kompensiert
wird, indem ein Teil des Stromes über den Nebenschluß geführt wird.
Eine weitere Möglichkeit der Schaltung ist in Abb. 1 b dargestellt. Hierbei sind das Quecksilber der
Bildungszelle Hg" und das Amalgam der Zersetzungszelle Na-Hg" voneinander elektrisch isoliert. Nebenschluß
und Amalgam-Element NaHg"-b" liegen hier zwischen dem Pluspol der äußeren Spannungsquelle
U" und der Anode C" der Bildungszelle. Der Nebenschluß besteht aus der Zusatzspannungsquelle
U2" und gegebenenfalls dem Widerstand W".
Nach Durchtritt durch die Amalgamzersetzungszelle werden gegebenenfalls letzte Reste des nicht unigesetzten
Amalgams in einer bekannten Vorrichtung
zersetzt, um eine weitestgehende Regeneration des Quecksilbers zu erreichen.
Folgendes Beispiel soll zur Erläuterung des Verfahrens dienen:
Eine Elektrode mit einer Fläche von 12 cm2 wurde unter Verwendung von 3 g eines Pulvers hergestellt,
das eine Nickel-Aluminium-Legierung mit MgO-Zusatz
und Reinnickel im Gewichtsverhältnis 1 : 1,5 enthielt. Die Teilchengröße beider Pulver beträgt 75 bis
100 μ. Die Legierung bestand aus 48 Gewichtsteilen Nickel, 48 Gewichtsteilen Aluminium und 4 Gewichtsteilen MgO. Ein Eisenblech von 0,2 mm Stärke wurde
durch Behandlung mit konzentrierter H Cl angeätzt, das erwähnte Pulvergemisch auf das geätzte Blech
aufgeschüttet, gleichmäßig verteilt und die Elektrode mit 50 t bei einer Temperatur von 400 bis 420° C gepreßt.
Die Preßzeit betrug etwa 15 Minuten. Die so aufgebrachte Schicht (etwa 0,25 mm dick) haftet fest auf
der Unterlage und löste sich auch bei Dauerversuchen in der Amalgamzelle nicht ab.
Das Schema der Versuchsanordnung ist in Abb. 2 zu sehen. Da eine Zelle mit einer Amalgam- und einer
Wasserstoffelektrode ein galvanisches Element darstellt, ist hier keine äußere Spannungsquelle notwendig.
Am Boden des Elektrolysegefäßes G befindet sich die Amalgamelektrode α (0,1 bis 0,2 Gewichtsprozent
Natrium). Darüber in etwa 1 cm Abstand die oben beschriebene Elektrode bx von etwa 12 cm2 Oberfläche,
umgeben von der Elektrolytlösung d (etwa 7 bis 8% Na O H). Der Rührer R sorgt für raschen Ausgleich
der Amalgamkonzentration. Die Thermostatflüssigkeit e wurde auf 70° C gehalten. Das Potential des
Amalgams wurde über die Lugginkapillare L gegen eine gesättigte Kalomelelektrode als Vergleichselektrode
VE mit dem mV-Meter mV verfolgt. Die Klemmenspannung des Amalgam-Wasserstoff-Elementes
zeigte das Voltmeter V an, den fließenden Strom das Amperemeter A. Der Stromkreis wurde
durch Schalter S geschlossen und der fließende Strom durch Widerstand Wx reguliert. Zum Vergleich mit
der erfindungsgemäß zu verwendenden Elektrode wurde ein einfaches Nickelblech gemessen. Die Ergebnisse
sind in der Tabelle zusammengefaßt.
| A/m2*) | mV (Na-Hg) | Klemmenspannung mV | erfindungs gemäß zu |
|
| 10 A |
verwendende | |||
| Nickelbledi | Elektrode | |||
| 0 | 2060 | 950 | ||
| 15 ° | 42 | 830 | 942 | |
| 0,05 | 167 | 2050 | 690 | 920 |
| 0,2 | 335 | 2040 | 570 | 885 |
| 0,4 | 666 | 2010 | 470 | 810 |
| 0,8 | 1000 | 1990 | 270 | 745 |
| 20 1,2 | 1333 | 1960 | 60 | 675 |
| 1,6 | 1665 | 1935 | — | 605 |
| 2,0 | — | |||
*) Bezogen auf die ^Kksserstoffabscheidungselektrode.
Claims (1)
- Patentanspruch:Verwendung einer in ihrer Zusammensetzung und Herstellung an sich bekannten Doppelskelett-Katalysatorelektrode oder einer Elektrode, deren Oberfläche mit einer Doppelskelett-Katalysatorschicht bedeckt ist, als Kathode in der Amalgamzersetzungszelle, bei der mit elektrisch hintereinandergeschalteten Elektrolyse- und Amalgamzersetzungszellen arbeitenden Chloralkalielektrolyse.In Betracht gezogene Druckschriften:
Deutsche Patentschriften Nr. 88 230, 592 130,
1019 361.Hierzu 1 Blatt Zeichnungen© 009 678/355 12.60
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