-
Verfahren und Vorrichtung zur Neutralisation von Fetten und fetten
Ölen Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anlage zur Raffination von Fetten,
darunter fette Öle, in industriellem Umfang.
-
Die meisten Fette, darunter fette Öle, welche zu Lebensnlltteln, beispielsweise
Margarine, industriell verarbeitet werden, enthalten in dem Zustand, in welchem
sie z. B. durch Extrahieren oder Pressen aus dem pflanzlichen oder tierischen Rohstoff
gewonnen sind und der auf ihre Verarbeitung eingestellten Lebensmittelindustrie
feilgeboten werden, eine größere oder kleinere Menge freier Fettsäuren, welche entfernt
werden muß. Dies erfolgt durch Raffination, die in den meisten Fällen als Naßraffination
ausgeführt wird, das ist eine Behandlung des Fettes, üblicherweise bei erhöhter
Temperatur, mit Alkali in wäßriger Lösung, also Lauge, meistens Natronlauge, zur
Umwandlung der freien Fettsäuren im Fett in auf physikalischem Wege von diesem abscheidbare
Seifen. Während die Raffination somit in erster Linie auf das Neutralisieren des
Fettes und Abscheiden der während der Neutralisation entstandenen Seifen abzielt,
wirkt sie jedoch außerdem je nach der Art des Fettes mehr oder weniger ent-"färbend
und auch in anderen Hinsichten reinigend auf das Fett. Bei den bisher bekannten
und verwendeten Raffinationsverfahren ist jedoch die entfärbende Wirkung der Raffination
meistens nicht ausreichend, sondern muß durch ein nachfolgendes Bleichen des Fettes
ergänzt werden. Dieses Bleichen wird meistens mit aktivierten Bleicherden ausgeführt.
üblicherweise wird das so gereinigte Fett dann schließlich einer Desodorisierung
unterzogen, ehe es zu Margarine weiterverarbeitet wird oder für den direkten Vertrieb
als festes oder flüssiges Speisefett als fertig betrachtet wird.
-
Eines der ökonomisch wichtigsten Probleme bei der Raffination von
Fetten mit Alkali ist, den nie ganz zu vermeidenden Verlust an Neutralfett unter
möglichst vollständiger Entfernung der freien Fettsäuren und entstandenen Seifen
so niedrig wie möglich zu halten. Der Raffinationsverlust an Neutralfett kann bei
den bisher bekannten und üblichen Raffinationsverfahren nur selten auf einen niedrigeren
Wert als 50 bis 1000,!o der Gewichtsmenge freier Fettsäuren im Fett vor der Raffination
gebracht werden. Einer der Gründe des Raffinationsverlustes an Neutralfett liegt
in der Emulsionsbildung, welche sich erfahrungsgemäß nur schwer unterdrücken läßt.
Das Fett neigt immer etwas dazu, mit der Lauge und auch mit verwendetem Spülwasser
Emulsionen vom Typ Öl in Wasser oder vom Typ Wasser in Öl zu bilden, welche der
Lauge bzw. dem Spülwasser folgen, wenn diese und die entstandenen Seifen vom Fett
abgeschieden werden. Ein weiterer Grund des Raffinationsverlustes an Neutralfett
ist dessen Verseifen. Dieses steigt in der Regel mit dem Gehalt an freien Fettsäuren
im Fett vor der Raffination, der Stärke des verwendeten Alkalis und der Konzentration
der verwendeten Lauge sowie mit der Höhe der verwendeten Temperatur.
-
Von den bisher bekannten und verwendeten Verfahren zur Naßraffmation
von Fett mit Alkali ist das in mehreren Abwandlungen (in erster Linie den Sharples-
und de Laval-Systemen) bekannte kontinuierliche Verfahren das am weitesten fortgeschrittene.
Es verlangt eine große und kostspielige Anlage. üblicherweise wird das Fett von
einem Behälter durch einen Wärmetauscher zur Einstellung der Temperatur des Fettes
auf den zweckdienlichen Wert, in der Regel zwischen 60 und 90° C, gepumpt. Danach
wird dem Fett durch eine Dosierpumpe eine geeignete Menge Lauge von meistens verhältnismäßig
hoher Konzentration beigemischt. Zur Bewirkung eines innigeren Vermischens der Lauge
und des Fettes wird das Gemisch oft durch einen Mischer geleitet. Danach wird das
Gemisch zu einem Zentrifugalscheider offener oder geschlossener Bauart geleitet.
Im Zentrifugalscheider wird der Hauptanteil
der Lauge mit der Seife
vom Fett abgeschieden. Um die noch im Fett vorhandene Lauge und Seife möglichst
vollständig zu entfernen, wird dem Fett warmes Spülwasser beigemischt. Zur vollständigeren
Mischung wird das Gemisch gewöhnlich durch einen Mischer geleitet, wonach es zu
einem Zentrifugalscheider geführt wird, in welchem das Fett vom Spülwasser möglichst
vollständig getrennt wird. Das so erhaltene Fett ist praktisch neutral und enthält
bei richtiger Durchführung der Behandlung nur geringe Mengen Seife, Alkali und Wasser.
Gemäß dem ebenfalls in mehreren Abwandlungen bekannten, älteren Satzverfahren wird
ein Satz Fett in einem großen Behälter auf eine geeignete Temperatur, üblicherweise
zwischen 60 und 95° C, erhitzt, wonach das Fett mit erhitzter Lauge geeigneter Konzentration
berieselt wird. Wegen ihres höheren spezifischen Gewichts sinkt die Lauge durch
das Fett auf den Boden des Behälters hinab. Bei diesem Gang durch das Fett reagiert
die Lauge mit im Fett vorkommender freier Fettsäure unter Bildung von Seife. Diese
wird in der Laugenphase angereichert und kann nach geeigneter Zeit zusammen mit
der mehr oder weniger verbrauchten Lauge abgezapft werden. Bei Verwendung von genügend
Lauge wird in dieser Weise praktisch alle freie Fettsäure im Fett entfernt, und
das Fett wird neutral. In dem neutralisierten Fett bleiben immer einige Laugen-
und Seifenreste zurück, die durch wiederholte überrieselung des Fettes mit warmem
Spülwasser und Wiederabzapfung desselben weitmöglichst entfernt werden. Sowohl bei
dem Satzverfahren wie bei dem kontinuierlichen Verfahren wird das Fett vor der auf
die Neutralisation des Fettes abzielenden Raffination manchmal einer Entschleimungsbehandlung
unterzogen.
-
Die Erfindung hat zum Zweck, die Wirtschaftlichkeit der Raffination
von Fetten, darunter fette Öle, mit Alkali zu verbessern. Dieser Zweck wird hauptsächlich
dadurch erreicht, daß der nicht zu vermeidende Raffinationsverlust an Neutralfett
vermindert und die entfärbende Wirkung der Raffination gesteigert wird, so daß das
nachfolgende Bleichen des durch die Raffination neutralisierten Fettes in mehreren
Fällen als früher unnötig wird. Die Erfindung hat ferner zum Zweck, auch in anderen
Hinsichten die Raffination qualitativ zu verbessern sowie die Ausführung
und die Wartung der für die Raffination erforderlichen Vorrichtung zu vereinfachen
und zu verbilligen.
-
Zu diesen Zwecken und solchen weiteren Zwecken, die aus der folgenden
Beschreibung hervorgehen, unterscheidet sich das Verfahren nach der Erfindung von
älteren Verfahren zur kontinuierlichen Naßraffination von Fetten, darunter fette
Öle, durch Behandlung des Fettes in flüssigem Zustand mit Lauge in industriellem
Umfang grundsätzlich dadurch, daß diese Behandlung dadurch kontinuierlich ausgeführt
wird, daß man das Fett durch eine bei praktisch konstanter Höhe gehaltene Säule
der Lauge hochperlen läßt und dabei das Entstehen von Turbulenz in der Laugensäule
unter der Wirkung des Hochperlens des Fettes durch die Säule unterdrückt und das
Fett in die Laugensäule in Verteilung über deren Querschnitt in solcher Weise einführt,
daß sich das Fett beinahe vollständig kurz nach seinem Eintritt und beginnendem
freiem Aufsteigen in der Laugensäule infolge der Unterdrückung von Turbulenz darin
spontan in praktisch gleich große Tropfen von einer Größe aufteilt, die ein gutes
Stück über der Grenze des Entstehens Brownscher Bewegung der Tropfen in der Lauge
liegt, wodurch, infolge der Unterdrückung von Turbulenz in der Laugensäule, sich
diese praktisch gleich großen Tropfen während ihres freien Aufsteigens durch die
Laugensäule praktisch gleichlange Zeit in allseitiger Berührung mit der Lauge aufhalten,
bevor sie sich oben auf der Laugensäule ansammeln und zusammenfließen.
-
Charakteristisch für alle die bisher bekannten und verwendeten Naßraffinationsverfahren
ist, daß die spezifisch schwerere Lauge während ihrer Einwirkung auf das spezifisch
leichtere Fett immer in einer geringen Menge im Verhältnis zum Fett anwesend ist.
Deswegen ist die relativ hohe Viskosität des Fettes in überwiegendem Grade entscheidend
für den Verlauf der Kontaktbildung zwischen dem Fett und der auf dieses in Abhängigkeit
von dieser Kontaktbildung einwirkenden Lauge. Die Lauge wirkt deshalb nicht in gleicher
Weise auf jedes Fetteilchen ein, sondern einige Fetteilchen werden einer größeren
und andere einer kleineren Einwirkung als die durchschnittliche ausgesetzt, d. h.
einige Fetteilchen werden zu stark und andere zu schwach von der Lauge beeinflußt.
Diese ungleichmäßige Einwirkung der Lauge auf das Fett verhindert das Erreichen
einer gleichmäßigen und optimalen Einwirkung der Lauge auf jedes Fetteilchen bis
zu einer hinreichend geringen Größe jedes solchen Teilchens hinab, damit der Unterschied
in der Einwirkung auf die verschiedenen Teile desselben unbedeutend wird.
-
Da die Lauge und das Fett nicht homogen miteinander vermischbare Flüssigkeiten
sind, muß beim Mischen eine dieser Flüssigkeiten eine disperse und die andere eine
kontinuierliche Phase bilden. Turbulenz in der kontinuierlichen Phase muß die Gleichförmigkeit
des Aufenthalts der Teilchen der dispersen Phase in der kontinuierlichen Phase und
ihre Berührung mit dieser beeinträchtigen.
-
Das erfindungsgemäße Verfahren bedeutet eine weitgehende Beseitigung
der bei den bisher bekannten und verwendeten Verfahren zur Raffination von Fett
mit Lauge auftretenden Hindernisse für das Erreichen einer gleich großen Einwirkung
der Lauge auf jedes Fetteilchen bis zu einer genügend kleinen Größe jedes solchen
Teilchens hinab, damit der Unterschied in der Einwirkung auf die verschiedenen Teile
desselben unbedeutend wird. Hierdurch wird eine optimale Einwirkung der Lauge auf
alle Fettteilchen erreicht zum Zwecke, den Raffinationsverlust an Neutralfett auf
ein Mindestmaß herabzusetzen und die entfärbende und auch im übrigen reinigende
Wirkung der Raffmation auf ein Höchstmaß zu steigern.
-
Zum Unterschied von den bisher bekannten und verwendeten Verfahren
zur Raffination von Fett mit Lauge zeichnet sich das erfindungsgemäße Verfahren
dadurch aus, daß die Lauge immer in größerer Menge als das Fett anwesend ist und
eine kontinuierliche Phase bildet, in der das Fett als eine disperse Phase eintritt,
welche völlig oder weit überwiegend aus Teilchen von untereinander gleicher Größe
besteht, die sich während einer praktisch gleich langen Zeit unter gegenseitig gleichen
Verhältnissen in der Lauge aufhalten und deshalb alle einer praktisch gleichen Einwirkung
der Lauge ausgesetzt werden.
-
Die Kausalität zwischen dem durch das erfindungsgemäße Verfahren Gewonnenen
und dem das Verfahren
gemäß obigem Auszeichnenden tritt im Lichte
des Zustandekommens der Erfindung vielleicht am deutlichsten hervor. Die Anregung
gab ein auf ein näheres Studium der Ursachen des Raffinationsverlustes an Neutralfett
gerichteter Laborversuch, welcher wie folgt ausgeführt wurde: In einer Säule von
erhitzter Lauge in einem senkrechten, oben offenen Glasrohr wurde nahe dem geschlossenen
unteren Ende desselben durch feine Löcher nicht neutralisiertes, schmelzflüssiges
Fett von der Art, die zu Margarine verarbeitet wird, in solcher Weise eingeführt,
daß es sich gleich nach seinem Eintritt in die Laugensäule nahezu völlig in etwa
gleich große Tropfen von etwa 1. mm Größe aufteilte. Die Tropfen stiegen getrennt
und praktisch auf dem kürzesten Wege und deshalb alle praktisch gleich schnell durch
die Laugensäule zu deren Oberfläche empor und flossen auf dieser zu einer Flüssigkeitsansammlung
zusammen, die über einen überlauf in ein anderes Gefäß abgeleitet wurde. Es stellte
sich heraus, daß in dieser Weise alle freie Fettsäure ohne merkliche Emulsionsbildung
zwischen Lauge und Fett und praktisch ohne jeden Verlust an Neutralfett entfernt
wurde. Die Ausbeute an Neutralfett war mit anderen Worten praktisch quantitativ.
Gleichzeitig war das Fett im wesentlich höherem Grade entfärbt und gereinigt worden,
als es bei der Neutralisation derselben Art von Fett mit derselben Art von Lauge
gemäß den bisher in der Fettverarbeitungsindustrie üblichen Neutralisationsverfahren
erfolgte. Es erwies sich außerdem, daß das neutralisierte Fett nur sehr kleine Mengen
Lauge und Seifen enthielt. Die Leistung (pro Zeiteinheit behandelte Fettmenge) war
bei diesem Laborversuch jedoch für jeden praktischen Bedarf allzu gering. Der Versuch
wurde in einem größeren Apparat wiederholt, bei welchem an Stelle des Glasrohres
ein senkrechter Behälter mit einer um viele Male größeren horizontalen Querschnittsfläche
als die des Glasrohres verwendet wurde und bei welchem die übrige Ausrüstung in
bezug auf die Leistung entsprechend vergrößert worden war. In dem in dieser Weise
in bezug auf die Leistung um viele Male vergrößerten Apparat erhielt man indessen
ein Ergebnis, das keineswegs mit dem des Laborversuchs vergleichbar war, sondern
ein wesentlich schlechteres. Nach Erwägen der Ursachen der unterschiedlichen Ergebnisse
in diesen beiden Fällen wurde die Laugensäule im Behälter über einen bedeutenden
Teil ihrer Höhe in eine Anzahl seitlich voneinander abgegrenzter Teilsäulen unter
Verwendung von als Turbulenzdämpfer in der Laugensammlung im Behälter wirkenden
senkrechten Einsatzblechen in einem gegenseitigen Abstand aufgeteilt, welcher mit
dem Innendurchmesser des im Laborversuch verwendeten Glasrohres einigermaßen vergleichbar
war, und die feinen Löcher, durch die das Fett unten im Behälter in die Lauge eingeführt
wurde, wurden derart angeordnet, daß die etwa gleich großen Tropfen von etwa 1 mm
Größe, in die sich das Fett kurz nach seinem Eintritt in die Lauge spontan aufteilte,
verteilt auf die durch die senkrechten Einsatzbleche seitlich voneinander abgegrenzten
Teilsäulen durch die Lauge hinaufstiegen. Das Ergebnis der Behandlung des Fettes
mit der Lauge in dem zur Verwendbarkeit im Fabriksbetrieb vergrößerten Apparat war
nun mit der im Laborversuch erhaltenen vergleichbar.
-
Wie bereits erwähnt, ist beim erfindungsgemäßen Raffinationsverfahren
die spezifisch schwerere Lauge während ihrer Wirkung auf das spezifisch leichtere
Fett stets in einer viel größeren Menge als das Fett anwesend und bildet eine kontinuierliche
Phase, deren Viskosität im Vergleich zu der des in disperser Phase anwesenden Fettes
niedrig ist, so daß die niedrigere Viskosität der Lauge im Gegensatz zu der höheren
Viskosität des Fettes in überwiegendem Grade für den Verlauf der Kontaktbildung
zwischen dem Fett und der auf dieses in Abhängigkeit von dieser Kontaktbildung einwirkenden
Lauge maßgebend ist. Dies ist jedoch, wie aus dem Bericht über das Zustandekommen
der Erfindung hervorgeht, zur Erzielung der neuen technischen Wirkung der Erfindung
nicht genug, indem diese Wirkung ausbleibt, falls die Neigung zur Turbulenz in der
kontinuierlichen Laugenphase unter der Einwirkung des Hinaufperlens des Fettes durch
dieselbe nicht hinreichend unterdrückt wird. Die Notwendigkeit, die Turbulenz in
der Laugensäule durch Turbulenzdämpfer zu unterdrücken, hängt mit der relativ niedrigen
Viskosität der Lauge sowie mit dem notwendigerweise großen Gesamtdurchschnitt der
Laugensäule zusammen. Dies läßt sich durch das Reynoldssche Gesetz erklären, gemäß
welchem die kritische Geschwindigkeit eines Flüssigkeitsstromes, bei welcher in
der strömenden Flüssigkeit plötzlich Turbulenz auftritt, zur Viskosität der Flüssigkeit
annähernd direkt proportional und zum Querschnitt des Stromes annähernd umgekehrt
proportional ist. Unter Turbulenz versteht man also hier wenigstens unter anderem
das äußerst komplizierte Phänomen, das für eine strömende Flüssigkeit eigenartig
ist und in Abhängigkeit von der Viskosität der strömenden Flüssigkeit sowie der
Geschwindigkeit und dem Querschnitt des Stromes auftritt und sich in einer kolossalen
Steigerung der inneren Reibung der Flüssigkeit äußert und als eine Hierarchie von
Wirbeln beschrieben wird, die von irgendwelcher Größe sein können, und zwar von
großen Gebilden von beinahe derselben Größe wie der Durchschnitt des Stromes bis
zu mikroskopisch kleinen Gebilden. Man meint, daß die großen Wirbel an ihrer Geschwindigkeit
zehrende kleinere Wirbel enthalten und diese ihrerseits noch kleinere usf. bis zu
den ungeordneten thermischen Bewegungen der Moleküle hinab, welche als Erklärung
des als Brownsche Bewegung bekannten Phänomens angegeben werden. Zwischen Turbulenz
und den ungeordneten thermischen Bewegungen der Moleküle in einer Flüssigkeit besteht
jedoch der für die Erfindung wichtige Unterschied, daß die Turbulenz auch größere
Teilchen in einer ungeordneten, umherirrenden Bewegung in der Flüssigkeit halten
kann. Eine solche Bewegung die beim erfindungsgemäßen Verfahren durch die Laugensäule
aufsteigenden Fetttropfen würde das Erreichen von Gleichförmigkeit im Aufenthalt
der Fetttropfen in der Lauge und im Einwirken der Lauge auf die Fetttropfen verhindern
und würde weiterhin eine Emulsionsbildung zwischen Fett und Lauge fördern. Aus diesem
Grunde muß erfindungsgemäß Sorge getragen werden, daß das Fett bei seinem Eintritt
in die Laugensäule in keinem wesentlichen Umfang in derart kleine Tropfen zersplittert
wird, daß diese in wesentlichem Grade in der Lauge in Brownsche Bewegung geraten.
Abhängig von der Art des Fettes kann schon die mit abnehmender Tropfengröße zunehmende
Neigung zur Emulsionsbildung der zweckmäßigen Tropfengröße die untere Grenze setzen.
Der
Umstand, daß das Erreichen der neuen technischen Wirkung des erfindungsgemäßen Verfahrens
davon abhängig ist, daß letzteres das Unterdrücken von Turbulenz in der Lauge durch
Turbulenzdämpfer in der Laugensäule umfaßt, mag sonderbar und überraschend wirken,
da man meinen könnte, daß es auf der Hand liegen müßte, die Laugensäule als eine
stillstehende Flüssigkeitsansammlung in ihrem Behälter eher als eine durch ein Rohr
strömende Flüssigkeit zu betrachten, auf welch letzteren Fall sich das Reynoldssche
Gesetz bezieht. Infolge des Hochperlens des Fettes durch die Lauge entsteht jedoch
eine Strömung dieser Lauge, denn ein spezifisch leichterer Körper kann von selbst
durch eine spezifisch schwerere Flüssigkeit nur unter der Voraussetzung hochsteigen,
daß die Flüssigkeit im Verhältnis zu dem in ihr hochsteigenden Körper von oben nach
unten strömt und diesen hierdurch verdrängt. Beim Hochperlen des Fettes durch die
Lauge werden die hochsteigenden Fetttropfen kontinuierlich von der Lauge verdrängt,
indem diese im Verhältnis zu den Fetttropfen kontinuierlich nach unten strömt. Die
Turbulenzdämpfer dienen dem Zweck, dieser Strömung wenigstens in demjenigen Höhenabschnitt
der Laugensäule, wo das Fett in die Laugensäule eindringt und sich kurz nach Beginn
seines Hochsteigens in der Lauge spontan in Tropfen aufteilt, einen ausreichend
laminaren Verlauf beizubringen, so daß vor allem das eigentliche Tropfenbildungsphänomen
nicht so von Turbulenz in der Lauge gestört wird, daß das Fett völlig oder in wesentlichem
Grade in allzu kleine und allzu verschieden große Tropfen zersplittert. Es erscheint
nicht ausgeschlossen, daß die Turbulenzdämpfer ihre Aufgabe dadurch erfüllen, daß
sie verhindern, daß sich infolge der Bildung und des Hochsteigens der Fetttropfen
gegebenenfalls in der Lauge entstandene Wellenbewegungen addieren oder einander
sonstwie in einem zur Turbulenzbildung in der Lauge führenden Grade verstärken.
-
Wie schon erwähnt, wird das Fett durch hauptsächlich in gleicher Höhe
liegende und über den gesamten Ouerschnitt der Laugensäule verteilte Löcher in der
Weise in die Laugensäule hineingeführt, daß sich das Fett völlig oder annähernd
völlig spontan in praktisch gleich große Tropfen aufteilt, welche mit der Lauge
allseitig in Berührung sind. Die Bildung dieser Tropfen wird in günstiger Weise
durch die Reaktion zwischen der Lauge und den freien Fettsäuren im Fett beeinflußt
und kann deshalb bei verschiedenen Gehalten an freien Fettsäuren im Fett unter im
übrigen gleichartigen Verhältnissen verschieden ausfallen. Die Tropfengröße läßt
sich jedoch von Fall zu Fall durch Anpassung der Größe der Löcher und der Ausströmungsgeschwindigkeit
des Fettes durch diese anpassen. Bei einer bestimmten Lochgröße werden die Tropfen
um so kleiner, je höher die Geschwindigkeit ist, mit welcher das Fett durch die
Löcher in die Lauge hinausströmt. Diese Geschwindigkeit wird ihrerseits von der
Viskosität des Fettes und vor allem vom Unterschied zwischen dem das Fett durch
die Ausströmungslöcher ausstoßenden Druck und dem hydrostatischen Druck in der Laugensäule
an den Ausströmungslöchern bestimmt. Beide diese Drücke lassen sich ohne Schwierigkeit
auf erwünschte Werte einstellen und praktisch konstant halten, wodurch auch der
Unterschied zwischen ihnen praktisch konstant gehalten wird. Die Ausströmungslöcher
für das Fett in die Lauge können auch ohne Schwierigkeit praktisch gleich und so
groß gemacht oder sonstwie so angeordnet werden, daß die Gefahr eines Verstopfens
derselben vermieden wird. Im Hinblick auf die Art des behandelten Fettes hat es
sich um der erwünschten Fetttropfenbildung willen oft als wünschenswert oder sogar
notwendig erwiesen, auf einen sehr niedrigen Wert in der Nähe von Null oder gegebenenfalls
gleich Null für den Unterschied zwischen dem Druck des Fettes in den Ausströmungslöchern
und dem hydrostatischen Druck der Lauge an den Ausströmungslöchern hinabzugehen,
so daß das Fett unter der Wirkung von geringer oder keiner anderen Kraft als seines
eigenen Auftriebs in der Lauge aus den Löchern in die Lauge hineintritt und in der
Lauge hochzusteigen beginnt. Dies ist im folgenden als druckschwaches oder druckloses
Einbringen des Fettes in die Laugensäule bezeichnet. Es kann vorkommen und ist auch
im Rahmen der Erfindung zulässig, daß die Aufteilung des Fettes in Tropfen nicht
ausschließlich in etwa gleich große Tropfen der erwünschten Tropfengröße, sondern
zu einem geringen Anteil des Fettes auch in kleinere Tropfen stattfindet.
-
Beim Neutralisieren von Fetten in dem erfindungsgemäßen Verfahren
hat es sich herausgestellt, daß ein Anpassen der Größe der etwa gleich großen Tropfen,
in welche sich die gesamte oder annähernd die gesamte Fettmenge gleich nach ihrem
Eintritt in die Laugensäule spontan aufteilt, bis auf einen so geringen Wert wie
etwa 1/2 mm durchaus mit dem Vermeiden einer Tendenz zur Emulsionsbildung und herumirrender
Bewegung der Tropfen während deren Aufstieg durch die Lauge sowie mit dem Erreichen
nicht nur einer praktisch vollständigen Entfernung von freier Fettsäure aus dem
Fett, sondern auch einer stark entfärbenden Wirkung auf das Fett vereinen läßt,
alles unter der Voraussetzung, daß das Entstehen von Turbulenz in der Laugenansammlung
unter der Wirkung des Hochperlens des Fettes durch diese in ausreichendem Maße unterdrückt
wird. Zugunsten der Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit in der Durchführung des
Neutralisierungsprozesses kann die Tropfengröße größer gewählt werden, beispielsweise
bis zu 2 mm, wobei immer noch eine vollständige Neutralisierung des Fettes erhalten
wird, jedoch die Entfärbungswirkung der Behandlung geringer wird. Die höhere Entfärbungswirkung
bei der kleineren Tropfengröße von etwa 1/2 mm erklärt sich dadurch, daß das Fett
dann an keinem Punkt der Tropfen der auf das Fett einwirkenden Lauge weiter als
etwa 1/.1 mm entfernt ist. Dies bedeutet, daß jeder Teil des Fettes der Lauge so
nahe kommt, daß nicht nur die verhältnismäßig starke Affinität zwischen den freien
Fettsäuren im Fett und dem Alkali in der Lauge, sondern auch die verhältnismäßig
schwache Affinität zwischen Farbstoffen und Oxydationsprodukten im Fett und dem
Alkali in der Lauge in hohem Grade zur Geltung kommt. Die meisten Fette werden bei
Neutralisierung durch das erfindungsgemäße Verfahren in bedeutend höherem Grade
als bei Neutralisierung gemäß den bisher bekannten Methoden entfärbt, auch wenn
die Tropfengröße zugunsten der Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit bei der Durchführung
des Prozesses in der Praxis zweckmäßigerweise auf etwa 1 mm eingestellt wird. Gewisse
Fette werden bei der Neutralisierung nach dem erfindungsgemäßen Verfahren in so
hohem Grade entfärbt, daß die sonst erforderliche Bleichung entbehrt
werden
kann. Für die meisten Fette bedeutet die Neutralisierung nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren auch eine wesentliche Verminderung von deren Gehalt an Oxydationsprodukten.
-
Wie schon erwähnt, kann für gewisse Fettarten ein druckschwaches oder
druckloses Einführen des Fettes in die Laugensäule zweckdienlich oder sogar nötig
sein, um zu vermeiden, daß die Tropfen zu klein werden. Dies kann beispielsweise
dadurch stattfinden, daß die Ausströmungslöcher in Gruppen von zwei, drei oder mehreren
Löchern geordnet werden, welche von einem gemeinsamen Zulaufkanal ausgehen, dessen
Durchlauffläche im Verhältnis zur gesamten Durchlauffläche der von dem gemeinsamen
Zulaufkanal ausgehenden Löcher gering ist, jedoch nicht kleiner als die Durchlauffläche
jedes einzelnen Ausströmungsloches. Der Fettstrom durch diesen Zulaufkanal verteilt
sich derart auf die von diesem Kanal ausgehenden Ausströmungslöcher, daß die Ausströmungsgeschwindigkeit
durch diese Löcher im Verhältnis zu deren Anzahl im Vergleich zur Durchlaufgeschwindigkeit
in dem für sie gemeinsamen Zulaufkanal abnimmt.
-
Die Konzentration der Lauge ist der Art des behandelten Fettes anzupassen,
damit die Fetttropfen nach ihrem Lauf durch die Laugensäule zu einer homogenen Schicht
oberhalb der Laugensäule zusammenfließen können. Die Laugenkonzentration darf vor
allem nicht so hoch sein, daß die bei der Reaktion zwischen dem Alkali und den freien
Fettsäuren des Fettes entstandenen Seifen ausgefällt werden, da diese dann anstatt
in der beabsichtigten Weise in der Lauge aufgelöst zu werden, zur Grenzschicht zwischen
der Lauge und den durch diese hochgestiegenen Fetttropfen aufsteigen und verhindern,
daß sich diese zu einer homogenen Schicht sammeln. Die zweckmäßige Konzentration
der Lauge kann in Abhängigkeit von der Art des behandelten Fettes zwischen O,lnormal
und 1,5normal schwanken. Für die meisten zur Margarineherstellung verwendeten Fettarten
liegt die zweckmäßigste Laugenkonzentration zwischen 0,3normal und 0,8normal und
ist also auffallend niedrig im Vergleich zu den üblicherweise hohen Laugenkonzentrationen,
die bei den bisher üblichen Verfahren zur Naßraffination von Fett mit Alkali verwendet
werden. Da die Kaliumseifen leichter löslich als die Natriumseifen sind, kann es
in gewissen Fällen zweckdienlich sein, Kalilauge statt Natronlauge zu benutzen.
Auch Ammoniaklösungen sind denkbar.
-
Bei Neutralisation von gewissen Fettarten durch Hochperlen des Fettes
durch eine Säule der Lauge gemäß dem oben in seinen Hauptzügen beschriebenen Verfahren
kann es gewisse Schwierigkeiten bereiten, das Entstehen von zu kleinen Fetttropfen
in erwünschtem Grade zu vermeiden. Diese Schwierigkeiten kann man dadurch bewältigen,
daß man in der Lauge geringe Mengen von alkalibeständigen, die Oberflächenspannung
herabsetzenden Stoffen, z. B. anionaktiven Stoffen des Alkylarylsulfonat-Typs, auflöst.
Als besonderes Beispiel sei erwähnt, daß mit einem geringen Zusatz eines Dodecylbenzensulfonat
enthaltenden Waschmittels zur Lauge eine gute Wirkung erhalten wurde. Es ist anzunehmen,
daß Stoffe dieser Art die Geschwindigkeit regeln, mit welcher die Lauge in der Oberfläche
des Öltropfens reagiert, einerseits auf Grund ihrer oberflächenaktiven Eigenschaften
und andererseits auf Grund ihrer Ladung. Es ist auch möglich, daß sie das Auslösen
einer sich auf der Oberfläche des Fetttropfens bildenden Seifenhaut erleichtern.
Wird eine sehr schwache Lauge verwendet, kann eine andere Schwierigkeit entstehen,
nämlich daß sich das Fett nach seinem Lauf durch die Laugensäule nicht völlig befriedigend
von der Lauge trennt. Diese Schwierigkeit iäßt sich durch das Auflösen in der Lauge
von geringen Mengen eines Elektrolyten, z. B. Na Cl, K Cl, N H. Cl, Na.,
SO., bewältigen.
-
fm Zusammenhang mit der Neutralisierung von Fett mit Lauge wurde vorgeschlagen,
das Fett mit Phosphorsäure vorzubehandeln, da man festgestellt hatte. daß ein Zusatz
von Phosphorsäure zum Fett nichthydratisierbare Phosphatide im Fett in hydratisierbare
umwandelt, so daß sie bei der nachfolgenden Behandlung des Fettes mit Lauge in eine
solche Form umgewandelt werden, daß sie auf physikalischem Wege aus dem Fett entfernt
werden können, und zwar zusammen mit der Lauge oder durch Filtrieren des Fettes.
Man nimmt an, daß diese Umwandlung eine Folge des Entfernens von Calcium und Magnesium
aus den Phosphatiden durch die Wirkung der Phosphorsäure ist. Eine im wesentlichen
Grade verbesserte Reinigungswirkung, insbesondere Entfärbungswirkung, der Raffination
wird jedoch nicht erzielt, wenn diese Vorbehandlung in der bisher vorgeschlagenen
Weise ausgeführt wird. Dagegen bringt eine Vorbehandlung des Fettes mit Phosphorsäure
eine beachtenswerte Entfärbungswirkung, falls diese Vorbehandlung derart ausgeführt
wird, daß die Phosphorsäure während einer hinreichend langen Zeit auf das Fett einwirken
kann und die dabei gebildeten Fällungen durch Filtrierung oder in gewissen Fällen
durch Schleuderscheidung vor der nachfolgenden Behandlung des Fettes mit Lauge aus
dem Fett entfernt werden. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß die Phosphorsäure,
wenn sie während einer hinreichend langen Zeit, vorzugsweise mindestens 5 Minuten
und bis zu 30 Minuten oder mehr, bei zweckmäßig erhöhter Temperatur auf das Fett
einwirken darf, die Menge grüner Farbe im Fett kräftig herabsetzt, vermutlich weil
sie das Magnesiumatom in den grünen Farbstoffen bindet, von denen man annimmt, daß
sie von Chlorophyllcharakter sind. Die dem Fett hinzugesetzte Phosphorsäure soll
von hoher Konzentration. z. B. 85°/oig, sein, und eine Verdünnung derselben mit
im Fett anwesendem Wasser ist durch Trocknung des Fettes bis zur praktisch vollständigen
Wasserfreiheit vor oder im Zusammenhang mit dem Hinzusetzen der Phosphorsäure zu
verhindern. Es hat sich erwiesen, daß, wenn das noch nicht neutralisierte Fett bei
einer dessen Art angepaßten Temperatur im Bereich von 60 bis 95@ C während hinreichend
langer Zeit mit Phosphorsäure hoher Konzentration in einer geeigneten Menge behandelt
wird, die in 85oloiger Phosphorsäure, gerechnet zwischen 0,025 und 0,3 Volumprozent
des Fettes je nach dessen Art und Qualität, schwanken kann, so reagiert die Phosphorsäure
mit im Fett enthaltenen grünen Farbstoffen und Oxydationsprodukten, hauptsächlich
Peroxyden und Aldehyden, unter Bildung von Verbindungen, die in durch Filtrierung
und in gewissen Fällen auch durch Schleuderabscheidung abtrennbarer Form ausfallen,
die aber - wenn sie nicht vor der Raffination abgeschieden werden - bei dieser ganz
oder teilweise wieder gelöst werden, so daß die Phosphorsäurebehandlung ohne entscheidende
Wirkung bleibt. Wenn
das Fett vor der Raffination einer Vorbehandlung
mit Phosphorsäure gemäß obigem und einer quantitativen oder nahezu quantitativen
Abfiltrierung oder Schleuderabscheidung von ausgefällten Verunreini-(rungen unterzogen
worden ist, bleiben im Fett nach der Raffination desselben mit Alkali kaum andere
Farbstoffe als solche von Karotincharakter zurück, die nicht nachteilig sind, wenn
das Fett zur Herstellung von Margarine verwendet werden soll, wo das Fett nämlich
normalerweise mit gelben und roten Farbstoffen, oft von Karotincharakter, versetzt
wird. Ferner wird in dieser Weise eine weitgehende Herabsetzung des Oxydationsgrades
des Fettes erhalten. Falls die Filtrierung des Fettes nach der Behandlung mit Phosphorsäure
unter Zuhilfenahme eines zweckdienlichen Filtermittels, z. B. reiner Kieselgur,
ausgeführt wird, entfernt die Filtrierung auch einen etwaigen Überschuß an Phosphorsäure,
welcher sonst bei der nachfolgenden Neutralisierung des Fettes mit Alkali störend
einwirken könnte.
-
Es hat sich gezeigt, daß eine Vorbehandlung des Fettes mit Phosphorsäure,
wie oben erwähnt, und Entfernung der dabei gebildeten Fällungen durch Filtrierung
oder in gewissen Fällen durch Schleuderscheidung vor der Neutralisierung des Fettes
mit Lauge im Zusammenhang mit der Ausführung der Neutralisierung durch Hochperlen
des Fettes durch eine Säule der Lauge in der oben in ihren Hauptzügen geschilderten
Weise zur Folge hat, daß das Fett nach der Raffination in weit mehreren Fällen als
sonst völlig hinreichend entfärbt ist, um z. B. bei der Herstellung von Margarine
ohne vorhergehendes Bleichen des Fettes mit Bleicherde, aktivierter Bleicherde,
Entfärbungskohle oder anderem durch Adsoption wirkenden Bleichmittel anwendbar zu
sein.
-
Das in der oben geschilderten Weise raffinierte Fett enthält nur so
geringe Restmengen von Seife und Lauge, daß es sich nicht lohnt, zur Verminderung
dieser geringen Restmengen das Fett einem Waschen mit warmem Wasser zu unterziehen.
Wird das Fett nach Raffination mit Lauge durch Bleichen mit einem adsorbierenden
Bleichmittel entfärbt, adsorbiert dieses nicht nur Farbstoffe, sondern auch solche
Verunreinigungen wie die im Fett nach der Raffination mit Lauge zurückbleibenden
Alkali- und Seifenreste, vorausgesetzt, daß das Bleichmittel in hinreichender Menge
verwendet wird. Da es wichtig ist, daß die Alkali- und Seifenreste möglichst vollständig
entfernt werden, weil z. B. einige tausendstel Prozent Seifenreste im Fett hinreichend
sein können, um diesem einen Beigeschmack zu geben, und da der Zweck der Erfindung
unter anderem ist, die Reinigung des Fettes durch Verminderung oder völlige Beseitigung
des Bedarfes einer Entfärbung des Fettes mit einem adsorbierenden Bleichmittel nach
der Raffination mit Lauge zu verbilligen, umfaßt die Erfindung in Kombination mit
dem oben beschriebenen Verfahren zur Raffination des Fettes durch Hochperlen desselben
durch die Lauge auch ein einfaches und billiges Verfahren zur Erzielung einer äußerst
weitgehenden Entfernung der geringen, danach im Fett zurückbleibenden Alkali- und
Seifenreste. Dieses Verfahren besteht darin, daß das Fett, welches auf jeden Fall
irgendwann nach der Raffination einer Filtrierung unterzogen werden muß, vor dieser
Filtrierung in praktisch zur Wasserfreiheit getrocknetem Zustand mit einer geringen
Menge einer im Fett praktisch unlöslichen, ungiftigen Säure versetzt wird, die eine
höhere Dissoziationskonstante hat als die in den Seifenresten enthaltenen Fettsäuren
und deren Salz mit dem in den Laugen- und Seifenresten im Fett enthaltenen Alkali
praktisch unlöslich im Fett ist, so daß die hinzugesetzte Säure dieses Salz mit
Alkali in den Laug enresten im Fett bildet und die Seifenreste im Fett in freie
Fettsäuren und Alkali spaltet und auch mit diesem letzteren Alkali das genannte
Salz bildet und dieses Salz infolge seiner Unlöslichkeit im Fett darin in solcher
Form ausfällt, daß es durch die nachfolgende Filtrierung des Fettes abgeschieden
wird. Die hinzugesetzte Säure kann anorganisch oder vorzugsweise organisch sein.
Beispiele anwendbarer Säuren sind Salzsäure, Milchsäure, Weinsäure, Essigsäure und
Zitronensäure. Letztere ist sowohl aus dem Gesichtspunkt der Dienlichkeit wie der
Kosten besonders vorteilhaft und wird zweckmäßigerweise in wässriger Lösung und
in einer Menge hinzugesetzt, die der Art des Fettes angepaßt ist und je nach dieser
0,015 bis 0,05 Gewichtsprozent des Fettes, je Trockensubstanz berechnet,
beträgt. In solchen Ausnahmefällen, wo das Fett nach der Raffination durch das erfindungsgemäße
Verfahren eine weitere Entfärbung durch Bleichen mit einem adsorbierenden Bleichmittel
benötigt, hat die Behandlung des raffinierten Fettes mit Zitronensäure (oder irgendeiner
anderen dienlichen Säure) die Wirkung, daß der erforderliche Aufwand an Bleichmittel
für die Bleichung sowie der Fettverlust mit dem Bleichmittel vermindert wird.
-
Die Behandlung des raffinierten Fettes mit Zitronensäure (oder irgendeiner
anderen dienlichen Säure) zur Entfernung von Laugen- und Seifenresten kann mit einer
Behandlung des Fettes mit einem Reduktionsmittel zur Herabsetzung des Oxydationsgrades
des Fettes kombiniert werden. Als Beispiel eines zweckdienlichen Reduktionsmittels
sei Natriumbisulfit (Na H S 0ß) erwähnt. Es kann gleichzeitig mit oder im Anschluß
an die Hinzufügung von Zitronensäure jedoch vor der Abfiltrierung der gebildeten
Fällungen hinzugesetzt werden. Die Menge des hinzugefügten Reduktionsmittels wird
dem Oxydationsgrad des raffinierten Fettes angepaßt. Wenn das angewendete Reduktionsmittel
Natriumbisulfit ist, wird das Reduktionsmittel in einer Menge von 0,01 bis
0,03 Gewichtsprozent des Fettes benötigt. Ein anderes Beispiel eines verwendbaren
Reduktionsmittels ist Wasserstoffgas, das durch das Fett in dem Gefäß, in welchem
die Behandlung des Fettes mit Zitronensäure ausgeführtwird, hochgeperltwerdenkann.
DieBehandlung des raffinierten Fettes mit Zitronensäure (oder irgendeiner anderen
dienlichen Säure) und gegebenenfalls auch mit einem Reduktionsmittel wird zweckmäßigerweise
bei einer Temperatur von zwischen 80 und 95° C und im Vakuum, d. h. bei einem absoluten
Druck von nur einigen, z. B. 6 mm Hg ausgeführt, so daß gleichzeitig eine Trocknung
des Fettes zur praktisch vollständigen Wasserfreiheit erhalten wird.
-
Zur weiteren Erläuterung der Erfindung ist in der Zeichnung eine Vorrichtung
zur Ausübung des erfindungsgemäßen Verfahrens in einer Ausführungsform dargestellt,
in welcher das Fett vor der Raffination mit Lauge zunächst zur praktisch vollständigen
Wasserfreiheit getrocknet wird und in diesem getrockneten Zustand durch Hinzufügung
von Phosphorsäure hoher Konzentration und Abfiltrierung von dabei ausgefällten Verunreinigungen
vorbehandelt sowie nach der Raffination mit Zitronensäure behandelt
und
im Zusammenhang damit aufs neue getrocknet und schließlich filtriert wird. Es zeigen
Fig. l., 2 und 3 mehr oder weniger schematisch je einen Abschnitt der Vorrichtung,
Fig.4 und 5 im größeren Maßstube und in senkrechten Schnitten nach der Linie IV-IV
in Fig. 5 bzw. V-V in Fig.4 durch den Behälter für die Laugensäule eine bevorzugte
Anordnung zum druckschwachen oder drucklosen Einbringen des Fettes in die Laugensäule.
-
Wie aus Fig. 1 ersichtlich, wird das zu behandelnde Fett (das fette
Öl) satzweise unter Verwendung einer Waage 1 gewogen, zu deren Waagebehälter 2 das
Fett durch eine Rohrleitung 3 geführt wird. Die Behandlung mit Phosphorsäure wird
halbkontinuierlich in einem senkrechten Behälter 4 ausgeführt, der auf einen absoluten
Druck von einigen, z. B. 6 mm Hg durch eine an eine Vakuumpumpe angeschlossene Leitung
5 evakuiert gehalten wird. Im Behälter 4 sind untereinander vier oben offene Behälter
oder Tröge 6, 7, 8 und 9 angebracht, die aus säurefestem Material ausgeführt sind.
Von dem Waagebehälter 2 wird jeder gewogene Satz des Fettes durch eine Rohrleitung
10 und eine über dem obersten Trog 6 angebrachte Sprühvorrichtung
11 zum genannten Trog geleitet, um das Fett zu entlüften und zu trocknen sowie es
auf die erwünschte Temperatur zu erwärmen, für welch letzteren Zweck der Trog 6
eine Rohrschlange 12 enthält, die unter der Kontrolle eines thermostatgeregelten
Ventils mit Dampf erhitzt wird. Zur Erreichung einer guten Wärmeübertragung zwischen
der dampfgeheizten Rohrschlange 12 und das Fett im Trog 6 ist in diesem ein Rührwerk
13 angeordnet. Die drei obersten Tröge 6, 7 und 8 sind mit von automatgesteuerten
Ventilen überwachten Bodenablässen 14, 15 und 16 versehen. Diese Ablässe haben einen
großen Durchtrittsquerschnitt zum raschen Zapfen jedes Fettsatzes von dem obersten
Trog 6 zu dem unmittelbar darunterliegenden Trog 7 und später von diesem zu dem
unmittelbar darunterliegenden Trog 8 sowie schließlich von diesem zu dem untersten
Trog 9. Phosphorsäure hoher Konzentration (85101o) wird dem Fett im Trog 7 aus einem
Behälter 17 durch eine Rohrleitung 18 unter der Kontrolle eines automatgesteuerten
Dosierventils oder Dosierpumpe 19 hinzugesetzt. Der Trog 8 dient als
Haltetrog, um die Phosphorsäure während einer bestimmten, hinreichend langen Zeit
auf das Fett einwirken zu lassen, da die erwünschte Reaktion langsam vor sich geht.
Der unterste Trog 9 dient als Puffer zwischen der satzweise erfolgenden Abzapfung
des Fettes aus dem unmittelbar darüberliegenden Trog 8 und einem kontinuierlichen
Wegpumpen des Fettes aus dem untersten Trog 9 mittels einer Pumpe 20. Es
kann zweckmäßig sein, das Fett im Trog 9
mittels einer darin angebrachten
Rohrschlange 21 für Kühlwasser mehr oder weniger zu kühlen. Auch in den Trögen
7, 8 und 9 sind Rührwerke 22, 23 und 24
vorgesehen. Die
Rührwerke in den Trögen können von einem gemeinsamen Motor 25 oder von je
einem Motor oder in irgendeiner anderen zweckdienlichen Weise angetrieben werden.
Für die Ventile in den Bodenablässen 14, 15 und 16 der Tröge
6, 7 und 8,
das Ventil 19 zur Hinzufügung von Phosphorsäure,
ein Ventil 26 in der Fettzufuhrleitung 3 sowie ein Ventil 27 in der Leitung
10 kann zweckmäßigerweise eine gemeinsame Programmsteuerung 28 in
einem Betriebsautomatisierungssystem vorgesehen sein, welch-: s nach bekannten Grundsätzen
konstruiert sein ls@nn und deshalb nur höchst schematisch in der Zeichaung angedeutet
ist. Dieses System kann in der "Keise unter der Kontrolle von z. B. zwei im Puffertrog
9 angebrachten Schwimme=n 29 und 30 stehen, daß ein neuer Saiz Fett abgewogen und
dem Behälter 4 zugeführt wird, sobald das Fett im Puffertrog 9 auf einen gewissen
Stand herabgesunken ist, und daß das Fettabwiegen unterbrochen wird, wenn das Fett
im Trog 9 auf einen gewissen höheren Stand gestiegen ist.
-
Die der Leistung der Vorrichtung entsprechend ausgebildete Pumpe 20
pumpt das mit Phosphorsäure vorbehandelte Fett durch eine Rohrleitung
31
zu einem Filter 32 (Fig. 2). welches vom mit Filtermittel arbeitenden Standardtyp
aus säurefestem Material sein kann. Das Filter besteht aus einem Behälter, in den
eine Anzahl Filterblätter aus feinmaschigem Stahldrahtnetz eingesetzt ist, durch
die der Fettstrom läuft. Beim Einleiten der Filtrierarbeit wird auf die Filterblätter
ein Bett eines zweckmäßigen Filtermaterials (z. B. reine Kieselgur) aufgetragen.
Dies findet derart statt, daß das Filtermittel in einem an die Leitung
31 über eine Zweigleitung 33
und ein Schwimmerventil angeschlossenen
Mischbehälter 34 mit Fett gemischt wird, wonach das Gemisch mittels einer zwischen
dem Boden des Behälters 34 und der Leitung 33 angeschlossenen Pumpe 35 durch das
Filter 32 gepumpt wird, wobei sich das Filtermittel auf den Filterblättern absetzt.
Beim Einleiten der Filtrierarbeit werden das Filter 32 und der Behälter
34 unter Vakuum gehalten, um zu vermeiden, daß das Fett mit der Luft in Berührung
kommt. Die Evakuierung geschieht durch eine an den evakuierten Behälter
4 angeschlossene Leitung 36. Bis sich alles Filtermittel auf den Filterblättern
abgesetzt hat, wird das Fett durch die Leitung 31, das Filter 32,
die Leitung 37 und zurück zum Trog 9 durch eine mittels eines überdruckventils
53 an die Leitung 37 angeschlossene Leitung 54
rundgepumpt.
-
Nachdem sich das Filtermittel auf den Filterblättern im Filter
32 abgesetzt hat, wird das filtrierte Fett durch die Leitung 37 zu einem
senkrechten Behälter 38 (Fig. 2) geleitet, in dem die Raffination mit Lauge stattfindet.
In der zuerst ausgeführten und in Brauch genommenen Vorrichtung, welche etwa 3000
kg Fett pro Stunde bewältigt, ist der -Behälter 38 vierkantigen Querschnitts und
hat eine Querschnittsfiäche von etwa 2,2 m22 und eine Höhe von etwa 3,2m. Im Behälter
38 ist in einigem Abstand (z. B. 7 cm) über dessen schwach trichterförmigen Boden
ein ebener, waagerechter Zwischenboden 39 angebracht, und mit Ausnahme eines kurzen
Stücks (z. B. 1 cm) über dem Zwischenboden 39 ist das Innere des Behälters 38 auf
dem überwiegenden Teil seiner Höhe durch einen Einsatz von als Turbulenzdämpfer
dienenden, senkrechten Zwischenwänden 40
in senkrechte Zellen unterteilt.
Die Zellen sind quadratischen Querschnitts, und die Seite dieses Querschnitts beträgt
in der genannten ausgeführten Anlage etwa 4 cm. Im Zwischenboden 39 ist direkt unter
jedem der zwischen den senkrechten Zwischenwänden 40 gebildeten senkrechten
Zellen ein Loch 41
mit einem Durchmesser von etwa 2 mm gebohrt. Der Zwischenboden
ist in seiner Mitte mit einem an seinem oberen Ende in einer Öffnung im Zwischenboden
befestigten Rohr 42 versehen, welches ein
Stück nach unten gegen
die Spitze des trichterförmigen Behälterbodens ragt, wo der Behälter einen mit einem
Absperrventil versehenen Bodenablaß 43 zur restlosen Entleerung des Behälters aufweist.
Unter dem Zwischenboden 39 münden in den Behälter 38 die Leitung 37 vom Filter 32
und eine Leitung 44 mit Anschlüssen zur Zufuhr von Lauge und Wasser zum Behälter.
Oben besitzt der Behälter einen abnehmbaren Deckel 45 mit einem zentral hochragenden
Hals 46. von dem im Abstand unter dessen oberem Ende eine Leitung 47 mit einem von
einem Schwimmer 48 im Halse gesteuerten Ventil 49 ausgeht.
-
Die dargestellte und beschriebene Ausführung der Apparatur für die
Behandlung des Fettes mit Lauge zielt unter anderem darauf ab, sowohl bei Einleitung
wie bei Beendigung des Betriebes und auch während desselben jede Berührung zwischen
Fett und Luft zu vermeiden.
-
Beim Einleiten des Betriebes wird zunächst der Behälter 38 bis zum
Hals 46 mit Lauge. zweckmäßiger Konzentration durch Zufuhr von Lauge und Wasser
durch die Leitung 44 gefüllt. Danach wird die. Zufuhr von Fett durch die Leitung
37 zu dem sich unter dem gelöcherten Zwischenboden 39 im Behälter 38 befindenden
Raum eingeleitet. Dabei verdrängte Lauge wird von einer geeigneten Stelle des Behälters
38 durch eine Leitung 50 zu einem Sammelbehälter 51 geleitet, von dem die verdrängte
Lauge mittels einer an eine Leitung 52 angeschlossenen Pumpe durch diese Leitung
zurück zum Behälter 38 gepumpt werden kann. Die Laugensäule über dem Zwischenboden
39 wird auf eine Höhe von 2 bis 2,5 m eingeregelt. Das durch die Leitung 37 zugeführte
Fett breitet sich unter dem Zwischenboden 39 zu einer Schicht aus und dringt durch
die Löcher 41 in die Laugensäule über dem Zwischenboden 39 empor. Unter der
sich unter dem Zwischenboden 39 befindenden Fettschicht bleibt auf dem Boden des
Behälters 38 eine Laugenschicht zurück, mit der die Laugensäule über dem Zwischenboden
durch das Rohr 42 in direkter Verbindung steht. Zur Unterscheidung der Fettschichten
und Laugenschichten im Behälter 38 sind diese in Fig. 2 mit verschiedenen Schraffierungen
angedeutet, das Fett durch senkrechte und die Lauge durch waagerechte Striche. Wenn
das Fett durch die Löcher 41 im Zwischenboden 39 in die über diesem stehende Laugensäule
eindringt und sein freies Aufsteigen durch diese beginnt, teilt es sich in kurzer
Zeit praktisch völlig in gleich große Tropfen auf. die voneinander getrennt den
kürzesten Weg und deshalb gleich schnell durch die Laugensäule hochsteigen und über
deren Fläche zu einer homogenen Schicht zusammenfließen, die im Hals 46 hochsteigt
und von dort durch die Leitung 47 abgeleitet wird. Der Druck auf das dem
Behälter 38 zugeführte Fett wird von der Pumpe 20 geliefert und bei demjenigen
Wert konstant gehalten, welcher erforderlich ist, damit die Tropfen, in die sich
das Fett kurz nach seinem Eintritt durch die Löcher 41 im Zwischenboden 39 in der
über diesem stehenden Laugensäule spontan aufteilt, von der erwünschten Größe werden.
Das Konstanthalten dieses Druckes erfolgt durch ein solches Abwiegen der Zufuhr
von Fett zur Fettschicht unter dem Zwischenboden 39 und der Ausströmung von Fett
durch die Löcher 41, daß dieses Fett bei konstanter Höhe gehalten wird, entsprechend
der erwünschten Leistung. Wird die Leistung gesteigert oder vermindert, so wird
die Höhe der genannten Fettschicht gesteigert bzw. vermindert und demzufolge die
Ausströmungsgeschwindigkeit durch die Löcher 41, was dazu führt, daß die durch die
Laugensäule emporsteigenden Fetttropfen kleiner bzw. größer werden. Die in den meisten
Fetten bevorzugte Tropfengröße ist etwa 1 mm.
-
In der in der Zeichnung dargestellten Vorrichtung wird das neutralisierte
Fett vom Behälter 38 durch das Rohr 47 ohne Luftzutritt zu einem Behälter 57 (Fig.
3) über eine oben in diesem vorgesehene Sprühvorrichtung 58 weggeleitet. Der Behälter
57 wird durch ein Evakuierungsrohr 59 evakuiert gehalten und besitzt einen Dampfmantel
60 zur Erhitzung des Fettes. Im Behälter 57 wird das Fett erneut praktisch zur Wasserfreiheit
getrocknet, und aus einem Behälter 61 wird dem Fett durch eine Dosierpumpe 62 eine
geringe Menge Zitronensäurelösung zugesetzt. Der Behälter 57 dient auch als Mischbehälter
zum Einmischen eines Filtermittels (z. B. Kieselgur) in das Fett und ist deshalb
mit einem Rührwerk ähnlich dem im Behälter 34 versehen. Vom Behälter 57 wird das
Fett durch ein Rohr 63 mittels einer Pumpe 64 zu einem Filter 65 gepumpt, von dem
das filtrierte Fett durch ein Rohr 66 und ein Sicherheits- und Restfilter 67 zu
einem Lagerbehälter oder direkt zur Desodorisierung geleitet wird. Bis sich das
im Behälter 57 zugesetzte Filtermittel auf den Filterblättern im Filter 65 abgesetzt
hat und das Filtrat klar geworden ist, wird das Fett jedoch von der Pumpe 64 durch
eine Rücklaufleitung 68 zurück zum Behälter 57 gepumpt, in dem der Fettstand mit
Hilfe eines auf der Druckseite der Pumpe 64 angeschlossenen Schwimmerventils 69
konstant gehalten wird. Diese Pumpe hat eine höhere Leistung als die Pumpe
20, und ein zwischen den Druck- und Saugseiten der Pumpe 64 angeschlossenes
Unterdruckventil 70 sorgt dafür, daß der auf das Fett zum Filter 65 ausgeübte Druck
in erwünschtem Grade begrenzt wird.
-
Zum Stillsetzen und Entleeren der Vorrichtung, beispielsweise zur
Reinigung der Filter oder Erneuerung der Lauge (die Erneuerung kann jedoch auch
intermittierend oder kontinuierlich während des Betriebes stattfinden), verfährt
man wie folgt. Was zunächst die Abteilung für die Vorbehandfung des Fettes mit Phosphorsäure
betrifft, so wird das beim Stillsetzen der Anlage im niedrigsten Trog 9 zurückbleibende
Fett mittels der Pumpe 20 durch das Filter 32 zurück zu diesem Trog rundgepumpt,
bis alles dieses Fett klarfiltriert worden ist, wonach es mittels einer kleineren
Pumpe 71 durch ein Restfilter 72 zum Neutralisierungsbehälter 38 gepumpt wird. Dieser
Behälter wird von Fett durch Zuleitung von Wasser unten im Behälter entleert. Nachdem
die Fettschicht unter dem Zwischenboden 39 durch die Löcher 41
nach oben entwichen
ist, wird die Schicht neutralisierten Fettes oben im Behälter verdrängt und in den
Trockenbehälter 57 hinübergeleitet. Zur Entleerung des letzteren Behälters und des
Filters 65 von dem darin zurückbleibenden Fett wird dieser Fettrest mittels einer
kleinen Pumpe 73 durch das Filter 65 rundgepumpt, bis er klarfiltriert ist, und
wird dann durch das Rest- und Sicherheitsfilter 67 hinausgedrückt.
-
Gemäß der in Fig. 4 und 5 veranschaulichten Anordnung zum druckschwachen
oder drucklosen Einbringen des Fettes in die Laugensäule im Behälter 38 sind die
Löcher 41 im Zwischenboden 39 in Reihen angeordnet, und jede Lochreihe ist von einem
auf
dem Zwischenboden 39 vorgesehenen Verteiler in der Gestalt
einer umgekehrten Rinne 76 mit derart verzahnten Seitenwänden verdeckt, daß sich
die Zahnlücken 77 zwischen den Zähnen 78 von den nach unten gekehrten Kanten der
Seitenwände zum nach oben gekehrten Boden der Rinne erstrecken und vorzugsweise
in Richtung auf diesen Boden verjüngen. Das in jeder Verteilungsrinne 76 durch die
Löcher 41 strömende Fett bildet unter dem nach oben gekehrten Boden der Rinne eine
Schicht, aus der hauptsächlich gleichförmige. feine Fettströme durch die Zahnlücken
77 in die Laugensäule über dem Zwischenboden 39 fließen und von den Zahnlücken 77
gleich »Stengeln« hauptsächlich gerade nach oben in die Lauge ragen und sich an
der Spitze dieser »Stengel« kontinuierlich in getrennte, hauptsächlich gleich große
Tropfen der erwünschten Größe aufteilen. welche von praktisch der gleichen horizontalen
Ebene je für sich hauptsächlich den kürzesten Weg und deshalb alle hauptsächlich
gleich schnell durch die Laugensäule zu deren Oberfläche hochsteigen, vorausgesetzt,
daß dem Entstehen von Turbulenz in der Laugensäule mittels der Turbulenzdämpfer
40 wenigstens so weit vorgebeugt wird, wie dies erforderlich ist, damit die
»Stengel« 79 nicht in eine derart wellende Bewegung geraten, daß diese zu einer
unregelmäßigen Tropfenbildung des Fettes in der Lauge oder zu einem Zersplittern
oder Zusammenfließen der gebildeten Tropfen durch Zusammenstöße zwischen ihnen führt.
In Fällen, wo der Lauge geringe Mengen von im vorhergehenden genannten alkalibeständigen,
die Oberflächenspannung herabsetzenden Stoffen zugesetzt worden sind, scheinen diese
auch den günstigen Einfluß ausgeübt zu haben, die Gleichförmigkeit der Tropfenbildung
des Fettes zu fördern. Aus bisher unbekannt gebliebenem Grund üben die genannten
Stoffe wahrscheinlich eine turbulenzhemmende Wirkung in der Laugensäule aus oder
verringern die schädliche Wirkung von Turbulenz in der Laugensäule, so daß der Bedarf
an mechanischer Turbulenzdämpfung in der Laugensäule verringert wird, jedoch nicht
ganz wegfällt, indem ein Aufteilen der Laugensäule durch Turbulenzdämpfer
40 auf einem Teil (mindestens etwa 20 cm) ihrer Höhe unmittelbar oberhalb
der horizontalen Ebene wo das Fett in die Laugensäule eindringt und sein freies
Aufsteigen in dieser beginnt, wahrscheinlich unter allen Umständen unvermeidlich
ist, damit das Erreichen der erstrebten neuen technischen Wirkung nicht gefährdet
wird.
-
In der oben beschriebenen und an Hand der Zeichnung verdeutlichten
Weise vorbehandeltes, neutralisiertes und nachbehandeltes Fett ist praktisch frei
von freien Fettsäuren, Alkali, Seife und Wasser und enthält, wenigstens in der Regel,
praktisch keine grünen Farbstoffe und praktisch keine Schleimstoffe und weist außerdem
einen wesentlich erniedrigten Oxydationsgrad auf.
-
Zur Vervollständigung der Beschreibung der Erfindung sind im folgenden
einige nähere Angaben über die Behandlung von einigen verschiedenen Fettarten in
der in der Zeichnung dargestellten Vorrichtung gegeben.
-
Gehärtetes Walöl, gehärtetes Erdnußöl, gehärtetes Baumwollsaatöl,
Talg und Schweinefett sind Beispiele von Fettarten, die beim Einliefern in die Raffinerie
meistens einen derart hohen Oxydationsgrad aufweisen, daß es vorteilhaft ist. das
Fett vor seinem Neutralisieren mit Alkali in der oben beschriebenen Weise mit Phosphorsäure
vorzubehandeln und anschließend zu filtrieren. Die Menge, in der die Phosphorsäure
hinzugesetzt wird, wird dem Oxydations-und Verunreinigungsgrad des Fettes angepaßt.
Bei normalen Fettqualitäten hat es sich als zweckmäßig erwiesen, die Phosphorsäure
- berechnet als 85o/cig - in einer Menge von 0,1 Volumprozent des Fettes hinzuzusetzen.
In manchen Fällen hat es sich als zweckmäßig erwiesen, das Fett vor dem Filtrieren
nach der Vorbehandlung mit Phosphorsäure und vor dem Neutralisieren mit Lauge einer
Grobreinigung in einem geschlossenen Zentrifugalscheider oder in einem Klärgerät
zu unterziehen. Eine geeignete Konzentration der Lauge (aus wirtschaftlichen Gründen
Natronlauge) ist O,lnormal bis 0,4normal. Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, 0,25
Gewichtsprozent des im vorhergehenden erwähnten Waschmittels und 0,25 Gewichtsprozent
Kochsalz in der Lauge zu lösen. Zur Entfernung von Laugen- und Seifenresten im neutralisierten
Fett hat es sich als zweckmäßig erwiesen, dem Fett 0,015 Gewichtsprozent
Zitronensäure hinzuzusetzen.
-
Was Rapsöl betrifft, so hat es sich auf Grund des meistens hohen Gehalts
an Verunreinigungen als zweckmäßig erwiesen, das Öl vor dem Neutralisieren mit 0,15
bis 0,3 Volumprozent 8519/oiger Phosphorsäure vorzubehandeln, während es sich erwiesen
hat, daß die zweckmäßige Menge 85a/oiger Phosphorsäure zur Vorbehandlung von Erdnußöl
üblicher Qualitäten zwischen 0,05 und 0,15 Volumprozent schwankt. Die geeignete
Konzentration der Lauge für die Neutralisierung dieser beiden Öle ist 0,3normal
bis 0,4normal. Zweckmäßigerweise werden der Lauge dieselben Mengen des genannten
Waschmittels und Kochsalz wie im vorhergehenden Beispiel zugesetzt.
-
Was Kokosöl betrifft, so sind dessen Farbwert und Gehalt an Verunreinigungen
und Oxydationsprodukten üblicherweise derart, daß keine Vorbehandlung mit Phosphorsäure
erforderlich ist. Ist das Öl jedoch stärker verunreinigt, so ist auch in diesem
Falle eine Vorbehandlung desselben mit Phosphorsäure und ein darauffolgendes Filtrieren
vor der Neutralisierung mit Lauge (aus wirtschaftlichen Gründen Natronlauge) von
Vorteil. Die bevorzugte Konzentration der Lauge ist etwa 0,7normal. Der Zusatz eines
die Oberflächenspannung herabsetzenden Mittels und Kochsalz kann entbehrt werden.
Dagegen ist es zweckmäßig, dem Fett nach der Neutralisierung und vor der endgültigen
Filtrierung Zitronensäure zuzusetzen.