DE1483040B2 - Verfahren zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften von übereutektoidem Stahl - Google Patents
Verfahren zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften von übereutektoidem StahlInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Verbesseiung
der mechanischen Eigenschaften, insbesondere zur Erhöhung der Härte von übereutektoidem
Stahl mit einem Gesamtlegierungsgehalt bis zu 5%, bei dem der Stahl in aufeinanderfolgenden Schritten
auf Austenitisierungstemperatur erhitzt, unter den Perlitpunkt abgeschreckt, über den Perlitpunkt wieder
erhitzt und danach abgekühlt wird.
Üblicherweise wird derartiger Stahl gehärtet, indem er auf eine Temperatur zwischen 763 und 856° C erhitzt
und abgeschreckt wird. Dadurch soll nur ein Teil des in dem Stahl vorhandenen Gesamtkohlenstoffs
in Austenit aufgelöst werden. Wenn der gesamte oder nahezu gesamte Kohlenstoff aufgelöst würde,
dann ergäbe sich nach dem Abschrecken eine Austenitmenge, deren Größe die Härte des Stahls erheblich
verringert und seine mechanischen Eigenschaften nachteilig beeinflußt.
Des weiteren ist bekannt, Stähle zu härten, die vor der Härtungsbehandlung weichgeglüht worden sind.
In einem solchen Zustand läßt sich ein einen hohen Kohlenstoffgehalt aufweisender Stahl leicht bearbeiten
und auch leicht härten. Auf Grund des anfänglichen körnigen Gefüges ist der nach der Härtung noch verbleibende
Kohlenstoff im allgemeinen in Form von verhältnismäßig großen Karbidkörnern vorhanden.
Diese großen unaufgelösten Karbide sind unerwünscht, werden jedoch in der Regel verhältnismäßig großen
Mengen Restaustenit vorgezogen. Somit stellt das-bisher übliche Härten von übereutektoiden Stählen
einen Kompromiß zwischen einer unerwünscht großen Restaustenitmenge und ebenfalls unerwünschten großen
Karbiden dar.
Aufgabe der Erfindung ist es deshalb, ein Verfahren zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften
von übereutektoidem Stahl zu schaffen, bei dem ein geringerer Restaustenitanteil in dem Endprodukt erhalten
wird, als es bei den üblichen Härtungsbehandlungen der Fall ist, und bei dem gleichzeitig große ungelöste
Karbide im wesentlichen vermieden werden sollen, die sich bei den bekannten Härtungsbehandlungen
einstellen»^..
Diese Aufgabe wmTerfindungsgemäß dadurch gelöst,
daß der Stahl zwischen 912 und 1080° C erhitzt wird, bis sich Austenit gebildet hat und die Karbide
in dem Austenit gelöst sind, dann eine Abschreckung erfolgt, bis sich Martensit mit Restaustenit gebildet
hat, danach auf 300 bis 412° C erwärmt sind, bis der Restaustenit in Bainit und der Martensit in eine Mischung
aus feinen Karbiden und Ferrit umgewandelt ist, woraufhin auf 760 bis 815° C erhitzt wird, bis der
Ferrit in Austenit umgewandelt ist und die ungelösten Karbide verteilt sind, wonach schließlich abgekühlt
wird.
Aus der DT-PS 975 791 ist ein Wärmebehandlungsverfahren für übereutektoide Stähle bekannt, bei dem
der Stahl auf 850 bis 1050° C erwärmt, anschließend auf eine Temperatur zwischen 400 und 600° C abgeschreckt
und dann einer Glühung zwischen 750 und 780° C unterworfen wird. Durch dieses sich in der
Gesamtheit der Verfahrensschritte von dem erfindungsgemäßen Verfahren unterscheidenden Verfahren soll
im Gegensatz zu der der Anmeldung zugrunde liegenden Aufgabe größte Weichheit und ein sehr feinkörniges
Gefüge ohne lamellafen Perlit und Reste von Karbidnetz erhalten werden.
Erfindungsgemäß wird der übereutektoide Stahl mit einem Gesamtlegierungsgehalt von bis zu 5%
auf eine Temperatur zwischen 912 und 1080° C erhitzt, um Ferrit in Austenit umzuwandeln und die
Karbide in dem Austenit zu lösen. Die Erhitzungszeit ist von geringerer Bedeutung und wird in jedem Falle
so gewählt, daß eine Auflösung der Karbide in dem Austenit erreicht wird. Nach dem Austenitisieren wird
der Stahl abgeschreckt, um Martensit zu bilden, wobei ein gewisser Teil des Austenits als Restaustenit übrigbleibt.
·
Nach dem Abschrecken wird der Stahl auf eine Temperatur zwischen 300 und 412° C, bei der das Zwischenstufengefüge
(Bainit) gebildet wird, für eine genügend lange Zeit erwärmt, um den gesamten Restaustenit
in das Zwischenstufengefüge Bainit umzuwandeln und den Martensit in eine Mischung aus
feinen Karbiden und Ferrit zu verwandeln. Die verwendete Glühdauer richtet sich nach der Stahlsorte
und gewählten Temperatur. Vorzugsweise wird eine Zeit-Temperaturkombination gewählt, die zur Umwandlung
des Austenits in kurzer Zeit führt. Es ist notwendig, den gesamten Restaustenit in das Zwi-
schenstufengefüge Bainit umzuwandeln, da jeglicher Austenit, der bei diesem Verfahrensschritt nicht umgewandelt
ist, die abschließende Wärmebehandlung übersteht, ohne eine feine Dispersion von Karbiden
aufzuweisen. Bei der Umwandlung in das Zwischenstufengefüge Bainit werden die feinen Karbide in
dem gesamten Ferrit verteilt, und zurückbleibender Austenit, der nicht umgewandelt ist, enthält nicht die
gewünschte Karbidverteilung.
Nach der Umwandlung in das Zwischenstufengefüge Bainit wird der Stahl schnell auf eine Temperatur
im Bereich zwischen 760 und 815° C erhitzt, um den Ferrit in Austenit umzuwandeln und die ungelösten
Karbide gleichmäßig zu verteilen. Vorzugsweise wird diese Temperatur nur so lange beibehalten, bis
der gesamte Ferrit in Austenit umgewandelt ist, wobei ein erheblicher Teil des Kohlenstoffes in dem Stahl
ungelöst bleibt. Auf diese Weise bleiben die meisten Karbide in dem Austenit verteilt, in den der Ferritanteil
des Zwischenstufengefüges Bainit umgewandelt ao worden ist. Durch nur kurzzeitige Aufrechterhaltung
der Ausfenitisierungstemperatur von 760 bis 815° C wird nur ein Teil der feinen Karbide in dem Austenit
aufgelöst. Das schnelle Erhitzen kann durch jedes Mittel erfolgen, einschließlich des Eintauchens in ein
Bad aus geschmolzenem Salz oder Metall, Induktionsheizung oder Widerstandsheizung. Die gesamte Erwärmungszeit
hängt von der Masse des Werkstückes und von der Art und Weise des Erwärmens ab, sollte
jedoch so lange bemessen sein, daß der gesamte Stahl auf die gewünschte Temperatur erwärmt wird. Wenn
es jedoch erwünscht ist, einen Gegenstand zu erzeugen, der eine harte Schale und einen weichen Kern
hat, läßt sich die Wärmebehandlungszeit zu diesem Zweck steuern.
Es wurde festgestellt, daß bei dem zuvor erwähnten Verfahrensschritt der Temperaturbereich von 760 bis
815° C sehr wichtig ist, weil bei Temperaturen, die nur geringfügig unter 76O0C liegen, unberechenbare
Ergebnisse erhalten werden und die Härte des Stahls erheblich nachläßt. Bei Temperaturen über 815° C
wird das Korngefüge grob, und es ergeben sich erhöhte Mengen an Restaustenit. Die folgenden Ergebnisse,
die durch die Behandlung einer Probe der Stahlsorte AISI 1095 mit der Zusammensetzung 0,9
bis 1,03% Kohlenstoff, 0,3 bis 0,5% Mangan, max. 0,04% Phosphor, max. 0,05% Schwefel, 0,15 bis 0,3%
Silizium, Rest Eisen, bei verschiedenen Temperaturen erhalten wurden, veranschaulichen die verschiedenen
sich ergebenden Härtegrade.
55
Nachdem der Stahl auf 760 bis 815° C erwärmt worden ist, wird er durch Abkühlen gehärtet, um ein
gehärtetes feinkörniges Gefüge zu erzeugen, das als Ergebnis des oben beschriebenen Wärmebehandlungsverfahrens
eine geringstmögliche Menge an Restaustenit aufweist und in dem Karbide gleichmäßig
verteilt sind. Das schnelle Abkühlen kann zweckmäßig durch ein Abschrecken in Öl erfolgen.
Wenn der Stahl zu Martensit abgeschreckt ist, kann
| Temperatur in 0C | Härte HV in kp/mm2 |
| 729 | 735 |
| 735 | 840 |
| 743 | 895 |
| 760 | 910 |
| 815 | 900 |
er durch Erwärmung auf 162° C oder mehr angelassen werden. Es können jedoch auch andere Härteverfahren
wie z. B. Warmbadhärten und Zwischenstufenvergüten angewendet werden. So kann der Stahl
schnell auf die Warmbadtemperatur abgekühlt und auf dieser Temperatur bis zum Temperaturausgleich
gehalten werden, wonach er auf Raumtemperatur gekühlt wird. Im Falle des Zwischenstufenvergütens
wird der Stahl auf der Zwischenstufenumwandlungstemperatur gehalten, bis die Umwandlung in das
Zwischenstufengefüge Bainit im wesentlichen beendet ist. Das endgültige Gefüge besteht aus einem ungewöhnlich
feinkörnigem Martensit oder Zwischenstufengefüge Bainit mit sehr feinen ungelösten Karbidteilchen,
die gleichmäßig überall verteilt sind.
Als Beispiel wurde eine Probe der Stahlsorte AISI 52 100 mit der Zusammensetzung 0,98 bis 1,1 %
Kohlenstoff, 0,25 bis 0,45% Mangan, 1,3 bis 1,6% Chrom, Rest Eisen, auf 968° C erhitzt und auf dieser
Temperatur eine so lange Zeit gehalten, bis_Eerrit in Austenit umgewandelt war und im wesentlichen
die gesamte KarbidpEase in dem Austenit aufgelöst war. Die Probe wurde dann in Öl abgeschreckt, das
auf einer Temperatur von 37 bis 510C gehalten wurde.
Die Probe wurde gerade lang genug in dem öl gehalten, um die Temperatur des Bades zu erreichen,
wodurch Mikrorisse vermieden wurden, bevor der nächste Verfahrensschritt erfolgte. Es wurde festgestellt,
daß die Bildung von Mikrorissen zeitabhängig ist und daß durch sofortiges Wiedererhitzen nach
dem Abschrecken die Mikrorisse auf ein Mindestmaß beschränkt werden. Der Restaustenit in der Probe
nach dem Abschrecken wurde durch Erwärmung der Probe bei 300° C während 2 Stunden in das Zwischenstufengefüge
Bainit umgewandelt. Dabei wurde auch der Martensit in feine Karbide und Ferrit umgewandelt.
Anschließend wurde der Stahl durch Eintauchen in geschmolzenes Blei in 40 Sekunden auf
787° C erhitzt. Der Stahl wurde sodann zur Härtung in öl abgeschreckt und während 2 Stunden bei 1900C
angelassen.
Ein Vergleich des Gefüges der in der oben beschriebenen Weise wärmebehandelten Probe mit dem-Gefüge
einer Probe, die in üblicher Weise durch Erwärmung auf 8000C zur Bildung von Austemt, Abschrecken
in Öl und zweistündiges Anlassen bei 1900C gehärtet wurde, zeigt, daß sich die beiden
Gefüge deutlich voneinander unterscheiden.
Vergleichsversuche mit vergüteten Proben der hier beschriebenen Art und in üblicher Weise gehärteten
Proben haben ergeben, daß die Proben bei den verschiedenen Gefügen verschiedene mechanische Eigenschaften
aufweisen, wie sie in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt sind:
| Probe (7,6 mm dick) |
HärteHV (kp/mm2) |
Zug festigkeit (kp/mm2) |
Streck grenze (kp/mm2) |
Rest austenit (%) |
| A*) B**) |
755 735 |
228 216 |
221 208 |
9 12 bis 15 |
*) Erfindungsgemäße Wärmebehandlung:
Glühen bei 968° C — ölabschreckung — Anlassen bei
300° C während 2 Stunden — Glühen bei 787° C (Erhitzung in 40 Sekunden) — Ölabschreckung — Anlassen
bei 190° C während 2 Stunden.
'*) In üblicherweise gehärtet:
'*) In üblicherweise gehärtet:
Glühen bei 800° C — ölabschreckung — Anlassen bei
190° C während 2 Stunden.
Claims (6)
1. Verfahren zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften, insbesondere ' zur Erhöhung der
Härte, von übereutektoidem Stahl mit einem Gesamtlegierungsgehalt bis zu 5%, bei dem der
Stahl in aufeinanderfolgenden Schritten auf Austenitisierungstemperatur erhitzt, unter den Perlitpunkt
abgeschreckt, über den Perlitpunkt wieder erhitzt und danach abgekühlt wird, dadurch
gekennzeichnet, daß der Stahl zwischen 912 und 10800C erhitzt wird, bis sich Austenit
gebildet hat und die Karbide in dem Austenit gelöst sind, dann eine Abschreckung erfolgt, bis
sich Martensit mit Restaustenit gebildet hat, danach auf 300 bis 412° C erwärmt wird, bis der Restaustenit
in Bainit und der Martensit in eine Mischung aus feinen Karbiden und Ferrit umgewandelt ist,
woraufhin auf 760 bis 815°C erhitzt wird, bis der Ferrit in Austenit umgewandelt ist und die ungelösten
Karbide gleichmäßig verteilt sind, wonach schließlich abgekühlt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, "dadurch gekennzeichnet, daß das Abschrecken nach dem ersten
Erhitzen zwecks Vermeidung von Mikrorissen nur »5 so lange vorgenommen wird, wie es gerade für
die Bildung von Martensit und Restaustenit erforderlich ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Stahl abschließend angelassen
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die abschließende Härtung durch
Warmbadhärten oder Zwischenstufenvergüten erfolgt.
5. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß für das Glühen im
Temperaturbereich von 300 bis 412° C eine derartige Temperatur gewählt wird, daß der Restaustenit
in kurzer Zeit umgewandelt wird.
6. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Glühdauer im Temperaturbereich
von 760 bis 815° C derart gewählt wird, daß der Ferrit in Austenit umgewandelt wird, die Karbide aber nur zu einem geringen Teil
aufgelöst werden.
Applications Claiming Priority (3)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| US37753464 | 1964-06-20 | ||
| US37753464A | 1964-06-24 | 1964-06-24 | |
| DEU0011835 | 1965-06-24 |
Publications (3)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE1483040A1 DE1483040A1 (de) | 1969-02-20 |
| DE1483040B2 true DE1483040B2 (de) | 1974-12-12 |
| DE1483040C3 DE1483040C3 (de) | 1976-06-10 |
Family
ID=
Also Published As
| Publication number | Publication date |
|---|---|
| DE1483040A1 (de) | 1969-02-20 |
| GB1061874A (en) | 1967-03-15 |
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Legal Events
| Date | Code | Title | Description |
|---|---|---|---|
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